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Ein Katerleben – Edgars geheime Tagebücher

Über die Autoren

Frédéric Pouhier hatte auch mal eine Katze. Die Beziehung war allerdings nicht so glücklich. Um sich davon abzulenken, hat er sich der Kunst gewidmet und verfasst Bücher, schreibt für das Theater und arbeitet beim Radio.

Susie Jouffa hat einen Abschluss in Kunstgeschichte, ist Autorin und Katzenfan – natürlich besonders von ihrer eigenen.

Frédéric Pouhier & Susie Jouffa

Ein Katerleben

Edgars geheime Tagebücher

Übersetzung aus dem Französischen
von Corinna Rodewald

BASTEI ENTERTAINMENT

Für Sita, unsere grantige kleine Wunschkatze

Darf ich mich vorstellen? Mein Name ist Edgar, und ich bin ein sechs Monate alter lebhafter, kluger, äußerst gut aussehender, unkomplizierter, bescheidener kleiner Kater. Nachdem ich von Heim zu Heim gezogen bin, wurde ich nun – gegen meinen Willen – von einer Familie aufgenommen, deren Namen ich nicht kenne. Nennen wir sie die Familie Trottel, das passt ganz hervorragend zu ihr.

Was kann ich Ihnen zu meinen neuen Kerkermeistern sagen? Die Familie Trottel besteht aus dem hoffnungslos gewöhnlichen Paar Marc und Séverine sowie ihren beiden Kindern Rodolphe, ein fünf Jahre alter kleiner Blondschopf, ebenso putzig wie dumm, und Léa, eine Vierzehnjährige, die sich mehr für Jungs interessiert als für die Schule. Und schließlich ist da noch Patapouf, ein träger Hund unbestimmter Rasse.

Von diesem neuen Leben werde ich Ihnen von jetzt an jeden Tag in meinem Tagebuch erzählen.

Unterzeichnet: der grantige kleine Kater.

3. Juni

1. Tag in Gefangenschaft

Um Himmels willen! Was soll ich denn in diesem Karton? Nur zur Information, ich bin kein UPS-Paket, sondern ein wildes Tier, eine Raubkatze, ein Rebell, ein Tätowierter.

Na ja, es war jedenfalls höchste Zeit, aus dem Tierheim rauszukommen. Ich kann die Gesellschaft meiner Artgenossen nicht ausstehen, diese Mischung abstoßender Gerüche, wenn alle eng zusammengepfercht sind, in kleinen Käfigen ohne jeglichen Komfort, und dann das Essen, so fade, das schmeckt fast schon wie das Menü in einem Zugrestaurant. Und womit hatte ich diese wochenlange Inhaftierung überhaupt verdient? Wenn ich wenigstens eine Zoohandlung überfallen und dort Dosen- und Trockenfutter geklaut hätte … Aber nein, nicht einmal das! Ich bin unschuldig.

Anscheinend wurde ich von einer »sehr sympathischen« Familie adoptiert. Na, das wollen wir erst einmal sehen, ich schenke meine Zuneigung schließlich nicht gleich jedem.

4. Juni

2. Tag in Gefangenschaft

Was sollen diese albernen Gesichter und dieses einschmeichelnde Lächeln? Und hört endlich auf, mich zu streicheln! Wir kennen uns doch kaum, das ist unangenehm.

Gebt mir ein bisschen Luft zum Atmen, und ich bitte euch, hört auf, mit mir zu reden, als wäre ich ein Säugling. Ich verstehe mehr als nur irgendwelche Gurrlaute. In einem Punkt muss ich euch allerdings recht geben: Ich bin wirklich wunderschön.

5. Juni

3. Tag in Gefangenschaft

Liebe Leser, ich bin fix und fertig. Stellen Sie sich nur vor, was für eine Arbeit das ist, meine Duftmarke in alle Ecken und Winkel dieses Hauses mit seinen hundertfünfzig Quadratmetern zu setzen. Und gleichzeitig auch noch um jeden Preis zu verhindern, von meinen neuen Kerkermeistern gestreichelt und geknuddelt zu werden. Das muss ich wirklich mit ihnen klären. Ich bin kein Kuscheltier, ich bin ein Wilder. Das werden sie noch begreifen … früher oder später! Seien Sie mal ehrlich: Sehe ich aus wie ein Kuscheltier?

Na gut, vielleicht ein bisschen, aber die Katzen waren zuerst da. Die Kuscheltierhersteller haben alles bei uns abgeguckt. Und das, ohne uns vorher um Erlaubnis zu fragen, und übrigens auch ohne uns Tantiemen zu zahlen. Wenn einer unter Ihnen Anwalt für Unternehmensrecht sein und sich berufen fühlen sollte, für diesen Fall einzutreten, so melde er sich bitte!

Und vergessen Sie eines nicht, genau wie wir sind ja auch Bären Vorbilder für Kuscheltiere. Wenn Sie also in den Pyrenäen einem Bären begegnen, folgen Sie meinem Rat: Stürzen Sie sich auf ihn, knuddeln und streicheln Sie ihn und knutschen ihn ab. Und wenn Sie dann im Krankenhaus liegen, denken Sie daran: Auch wir Katzen sind keine Kuscheltiere! Wer nicht hören will, muss fühlen.

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7. Juni

5. Tag in Gefangenschaft

Heute Morgen habe ich knallhart durchgegriffen: Ich habe eine Maus enthauptet und ihre Leiche auf dem Bett der Eltern Trottel platziert. Etwas barbarisch, ich weiß, aber nur so kann ich meinen Kerkermeistern klarmachen, wozu ich fähig bin.

Die Mission ist leider jämmerlich gescheitert. Anstatt dass die beiden vor Entsetzen erstarrten, waren sie ganz entzückt und ergingen sich in dämlichen Lobpreisungen: »Was für ein braver Kater, so ein guter Jäger!«

Ich fürchte, ich muss mit meiner Gewaltbereitschaft noch einen Schritt weiter gehen …

8. Juni

6. Tag in Gefangenschaft

Liebes Tagebuch, mir ist aufgefallen, dass ich den Hund des Hauses noch nicht vorgestellt habe: Patapouf ist ein zehn Kilo schweres, sabberndes Fellknäuel undefinierbarer Rasse, das vor dümmlicher Liebe für alles und jeden nur so überbordet. Er verehrt die Trottels, liebt die Nachbarn, liebt es zu fressen, zu laufen, zu spielen, zu schlafen und, was am schlimmsten ist: Mich liebt er auch.

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9. Juni

7. Tag in Gefangenschaft

Mit zitternder Pfote schreibe ich diese wenigen Zeilen oben auf dem Schrank, wo ich seit nunmehr zwei Stunden Zuflucht suche.

Noch nie in meinem ganzen Leben ist mir etwas derart Grauenerweckendes begegnet: ein kleines zweijähriges Mädchen namens Victoire. Bei der Erinnerung daran, wie sie ins Wohnzimmer kam, schaudert es mir immer noch. Auf wackligen Beinen und ganze neunzig Zentimeter groß kam sie auf mich zugelaufen und rief laut: »Miezekatze! Ich will mit Miezekatze spielen. Maman, ich will die Mieze streicheln …«

10. Juni

8. Tag in Gefangenschaft

Den ganzen Tag Regen, ein Wetter, bei dem man nicht einmal eine Katze vor die Tür jagt. Ich bin aber trotzdem rausgegangen. Ich habe mich einfach von meinem Wagemut leiten lassen, bin hinaus in den Garten marschiert und habe mir meine hübschen, sauberen Pfoten im Matsch dreckig gemacht, damit ich sie mir anschließend gewissenhaft auf dem neuen cremefarbenen Teppich der Trottels abwischen konnte.

13. Juni

11. Tag in Gefangenschaft

Meine Ansprüche an die Hygiene liegen weit über dem, was der Durchschnitt meiner Artgenossen fordert. Ich finde, jede Katze mit einem Minimum an Selbstrespekt sollte von ihrem Entführer verlangen, dass ihre Katzenstreu mindestens einmal täglich gewechselt wird.

Ich habe keine zwei Tage gebraucht, um das deutlich zu machen. Meine Technik ist unschlagbar: in die Handtasche von Madame pinkeln, meinen traurigen Hundeblick aufsetzen (der einen Eisberg in etwa so schnell zum Schmelzen bringen würde wie eine Mikrowelle) und flehentlich auf mein verdrecktes Katzenklo gucken.

14. Juni

12. Tag in Gefangenschaft

Jeden Tag macht mich die Familie Trottel ratloser. Obwohl ich mich offensichtlich nicht dafür interessiere, lassen sie immer wieder irgendwelche kleinen Gegenstände an einer Schnur vor meiner Nase baumeln in der Hoffnung, mich damit zu erfreuen, glücklich zu machen oder was weiß ich!

Den gleichen Sinn für Humor haben wir jedenfalls nicht. Ich finde es zum Totlachen, wenn ich im Morgengrauen ihre Gesichter sehe, wenn sie mit Entsetzen feststellen, dass ich ihr neues Ledersofa zerrissen habe.

Das hat mich heute Nacht ganz schön viel Anstrengung gekostet, aber das Ergebnis war die Mühe wert. Deswegen lege ich mich jetzt auch hin, mir ist ganz leicht ums Herz, und ich bin stolz auf meine Leistung.

15. Juni

13. Tag in Gefangenschaft

Angeblich landen Menschen ja immer auf ihren Pfoten. Deswegen bin ich heute extrafrüh aufgestanden, um ein kleines wissenschaftliches Experiment durchzuführen.

Ich habe mich auf der vorletzten Treppenstufe versteckt und geduldig darauf gewartet, dass mein Herrchen aufwacht. (Ach Gott, wie ich dieses Wort hasse: »Herrchen«!) Wie auch immer, ich habe darauf gewartet, dass das Alphamännchen der Familie aufsteht und mit vom Schlaf noch verquollenen Augen anfängt, die Treppe hinunterzugehen, mich auf der Stufe hocken sieht, das Gleichgewicht verliert und jämmerlich hinabstürzt.

16. Juni

14. Tag in Gefangenschaft

Habe ich Ihnen schon von meinem Garten erzählt? Nein? Er ist zwar nicht Versailles, aber ich mag ihn. Er ist auch nicht besonders groß, doch ich gebe die Hoffnung nicht auf, dass ich schon bald die angrenzenden Gärten erobern werde. Der Rasen ist ganz weich, und in der Mitte steht ein großer Baum, dann gibt es noch eine Schaukel für die Kinder und eine Hundehütte für Patapouf.

Nur ein Hund würde sich darauf einlassen, in so einem Loch zu schlafen, wenn auch nur ab und zu. Stellen Sie sich vor, es gibt keinerlei Komfort darin, weder Sofa noch Heizung, nicht einmal einen Kühlschrank. Ich kann Ihnen versichern, der Mensch, der mich dazu bringt, an einem solchen Ort zu übernachten, muss erst noch geboren werden!

17. Juni

15. Tag in Gefangenschaft

»Mieze, komm her.«

»Komm kuscheln, Mieze.«

»Mieze, Zeit fürs Fresschen.«

Ich ertrage es einfach nicht mehr, dass man mich »Mieze« nennt! Ein so lächerlicher Spitzname, der passt doch besser zu einem Gogo-Tänzer in einer Schwulenkneipe als zu einem Rassekater wie mir!

Ich verdiene einen Spitznamen, der meiner würdig ist, zum Beispiel Alexander der Große, Napoleon, Louis XIV, Attila … etwas, das besser zu meiner Persönlichkeit passt als dieses alberne »Mieze«.

Haben Sie eine Vorstellung davon, wie peinlich es ist, wenn ich »Mieze« gerufen werde, wenn gerade einer meiner Artgenossen bei mir im Garten herumstreift? Bei dem Gedanken daran werde ich unterm Fell immer noch ganz rot.

18. Juni

16. Tag in Gefangenschaft

Gestern Abend habe ich eine faszinierende Dokumentation über das alte Ägypten im Fernsehen gesehen. Wussten Sie, dass man in dieser Hochkultur die Katzen verehrte? Wir waren dort ein Symbol für Schutz. Die Katze wurde als göttliche Tochter des Sonnengottes Re angesehen.

Da ich ja, wie Sie wissen, umgänglich und tolerant, geduldig und dazu noch überaus bescheiden bin, bemühe ich mich nun also darum, dass Familie Trottel mich von morgens bis abends ...

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