Logo weiterlesen.de
Ein Hund namens Hausschuh

Über die Autorin

Ulrike Gerold, geb. 1956, studierte Germanistik, Theaterwissenschaften und Kunstgeschichte. Heute arbeitet sie als freie Journalistin sowie Autorin von Büchern und Reiseberichten. Sie lebt mit ihrem Mann Wolfram Hänel und der Border Collie-Hündin Abby meistens in Hannover und manchmal in der Nähe von Kilmore Quay in Irland. Für das Jugendbuch Irgendwo woanders erhielten die beiden 2003 den Friedrich-Gerstäcker-Preis der Stadt Braunschweig.

Ulrike Gerold

Ein Hund
namens
Hausschuh

Eine Weihnachtsgeschichte
in 24 Kapiteln

Mit Illustrationen
von Sabine Völkers

BASTEI ENTERTAINMENT

1. Dezember

Kapitel

Angefangen hat alles damit, dass erst Fleck verschwunden ist und dann auch noch Knickohr. Fleck ist mein Bruder und Knickohr meine Schwester. Und wir hatten viel Spaß zusammen.

Wir haben Fangen gespielt und Verstecken und manchmal haben wir uns auch geprügelt. Ums Fressen, zum Beispiel. Aber das war alles nicht ernst, und hinterher haben wir uns immer wieder vertragen. Und wenn wir müde waren, haben wir uns ganz dicht aneinander gekuschelt und davon geträumt, was wir noch alles machen könnten.

Aber dann kam der Tag, an dem plötzlich der Boss aufgetaucht ist und Fleck weggeholt hat. Der Boss war nicht alleine, sondern hatte noch einen anderen Mann dabei. Der andere Mann hat auf Fleck gezeigt und gesagt: »Den da will ich. Der gefällt mir!« Und der Boss hat Fleck im Nacken gepackt und in eine Kiste gesteckt. Dann ist der andere Mann mit der Kiste wieder verschwunden.

Mama war total traurig. Sie hat die ganze Zeit gewinselt und ist immer hin und her gerannt, als würde sie Fleck suchen. Papa war auch traurig. Aber er hat sich nur in seine Ecke gelegt und so getan, als würde er schlafen. Knickohr und ich haben uns um einen Kauknochen geprügelt. Aber es war nicht so lustig wie sonst, weil Fleck fehlte und wir es ja gar nicht gewohnt waren, uns nur zu zweit zu prügeln. Irgendwie war es langweilig. Und auf unserer Schlafdecke war auch noch viel zu viel Platz ohne Fleck, weshalb wir die ganze Nacht gefroren haben.

Am nächsten Tag kam wieder der Boss, und diesmal hatte er eine fremde Frau dabei. Papa ist aufgesprungen und hat sie böse angeknurrt. Und Mama hat sich vor Knickohr und mich gestellt und auch geknurrt. Aber es hat alles nichts genützt. Der Boss hat die fremde Frau gefragt: »Welchen wollen Sie? Suchen Sie sich einen aus. Bald kommt Weihnachten, da ist ein Hund genau das Richtige!«

»Den da«, hat die fremde Frau gesagt. »Der sieht lustig aus mit seinem abgeknickten Ohr.«

»Platz und bleib!«, hat der Boss zu Mama und Papa gesagt, und dann hat er Knickohr gepackt und sie der fremden Frau gegeben. Knickohr hat vor Angst ein bisschen gepinkelt, aber die Frau hat sie trotzdem mitgenommen. Und das war’s dann.

Jetzt war nur noch ich da. Und Mama und Papa waren total nett zu mir und haben mich abgeleckt und mich sogar zwischen sich schlafen lassen. Aber ich war trotzdem traurig. Und ich bin immer noch traurig!

Ach ja, dass ich ein kleiner Hund bin, ist inzwischen klar, oder? Ich bin ein kleiner Hund und ich heiße Hausschuh. Weil ich mich nämlich mal, als ich noch ein Baby war, in dem Hausschuh vom Boss versteckt habe. Aber das ist lange her. Und jetzt sind meine beiden Geschwister verschwunden und ich habe Angst, dass der Boss bald wieder mit irgendjemandem kommt und ich dann auch verschwunden bin.

2. Dezember

Kapitel

Ich klettere gerade auf Papa rum, als der Boss kommt. Zum Glück ist er alleine. Aber Papa scheint sich trotzdem nicht zu freuen. Und Mama auch nicht! Ich kann riechen, dass sie nervös sind. Also springe ich von Papas Rücken und knurre böse. Das habe ich mit meinen Geschwistern schon oft geübt und ich bin echt gut. Ich schaffe es sogar, mein Nackenfell ein bisschen aufzustellen. Das macht Papa auch immer, wenn er böse ist. Und ich zeige meine Zähne!

Eigentlich müsste der Boss jetzt einen Schrecken kriegen, aber irgendwie klappt es nicht so richtig. Er schüttelt nur den Kopf und sagt: »Hoffentlich finden wir noch jemanden, der dich haben will. Bald kommt Weihnachten! Da bleibt uns nicht mehr viel Zeit.«

Dann dreht er sich um und geht wieder. Mama und Papa lecken mich ab, als hätte ich meine Sache gut gemacht. Aber ich habe keinen blassen Schimmer, was der Boss eben gemeint hat. Und außerdem war da wieder dieses komische Wort, das ich nicht kenne: Weihnachten! Keine Ahnung, was das ist.

Ich lege mich genau vor Papas große Schnauze und winsele: »Weihnachten?«

Papa pustet mir ein bisschen Luft ins Gesicht und macht die Augen zu. Als wollte er nicht weiter gestört werden. Und Mama kratzt sich mit der Pfote hinterm Ohr, als würde sie angestrengt nachdenken. Aber ich fürchte, sie weiß auch nicht, was Weihnachten ist.

Und eigentlich ist es mir auch egal. Der Boss sagt eine Menge komischer Wörter. Aber wahrscheinlich muss man die auch gar nicht alle verstehen. Als kleiner Hund, meine ich.

Ich glaube, der Boss weiß manchmal selber nicht, was er da redet. Er redet einfach nur so vor sich hin. Vielleicht weil er Angst hat, dass er die Wörter sonst wieder vergisst! So wie ich, wenn ich was Neues gelernt habe und dann sehen will, ob es auch beim nächsten Mal noch klappt. Mama am Schwanz ziehen, zum Beispiel. Am besten wenn sie gerade schläft, dann erschrickt sie sich nämlich jedes Mal total. Oder bei Papa von hinten zwischen den Beinen durchlaufen, sodass er stolpert.

Wollen Sie wissen, wie es weiter geht?

Hier können Sie "Ein Hund namens Hausschuh" sofort kaufen und weiterlesen:

Amazon

Apple iBookstore

ebook.de

Thalia

Weltbild

Viel Spaß!



Kaufen






Teilen