Logo weiterlesen.de
Ein Happy End für unsere Liebe

Brenda Harlen

Ein Happy End für unsere Liebe

1. KAPITEL

Lächelnd legte Penny McCord auf. Gerade hatte Jason Foley ihre Verabredung zum Essen bestätigt. Er war geschäftlich in Dallas und wollte sie nach seiner Besprechung abholen, damit sie einen ruhigen, romantischen Abend in seiner Wohnung verbringen konnten. Die Gelegenheit war ideal, um ihm zu erzählen, was sie erst seit wenigen Stunden mit Sicherheit wusste. Und danach konnten sie anfangen, ihre gemeinsame Zukunft zu planen.

Natürlich war sie aufgeregt und auch etwas nervös. Sie wollte, dass er sich genauso sehr darüber freute wie sie, aber da sie mit ihm noch nie über eine dauerhafte Beziehung gesprochen hatte, konnte sie nicht wissen, wie er auf die Neuigkeit reagieren würde.

Trotzdem wollte sie glauben, dass es eine Fügung des Schicksals war – genau wie ihre Begegnung vor vier Monaten auf Missy Harcourts Hochzeit. Eine andere Erklärung fiel ihr nicht ein, denn es konnte kein Zufall gewesen sein, dass Jason Foley sie in einem Raum mit über fünfhundert Gästen bemerkt hatte.

Als ihr Begleiter angerufen wurde, eilig aufbrechen musste und Penny allein zurückblieb, war Jason sofort zur Stelle gewesen. Er unterhielt sich angeregt mit ihr, tanzte mit ihr und brachte sie nach Hause. Und dann küsste er sie zum Abschied.

Ein paar Wochen später schliefen sie miteinander. Penny war glücklich, denn sie hatte sich unsterblich in den Mann verliebt, der auch ihr erster Liebhaber war. Und selbst wenn Jason dieses Gefühl noch nicht erwiderte, so war sie doch zuversichtlich, dass er sich bald in sie verlieben würde.

Als das Telefon erneut läutete, nahm sie an, dass es Jason war. Manchmal rief er an, um ihr einfach nur zu sagen, dass er nicht aufhören konnte, an sie zu denken. „Vermisst du mich schon?“, fragte sie lächelnd.

Am anderen Ende der Leitung herrschte Schweigen, und Penny hätte sich ohrfeigen können. Warum hatte sie nicht aufs Display geschaut?

„Penny, hier ist Paige.“

Ihre Schwester klang nicht so fröhlich wie sonst. Im Gegenteil, ihre Stimme war so brüchig, als hätte sie geweint.

„Was gibt es? Ist etwas nicht in Ordnung?“, fragte Penny besorgt.

„Nein. Ich … muss dir nur etwas sagen.“

In letzter Zeit hatte sich ihr Kontakt auf E-Mails beschränkt, und die langen Gespräche mit ihrer Zwillingsschwester fehlten Penny. „Ich habe auch ein paar Neuigkeiten für dich, aber die können warten. Du zuerst.“

Aber Paige schien es nicht eilig zu haben, und als sie weiterhin schwieg, wurde Penny immer nervöser.

„Paige?“ Sie fragte sich, was so schrecklich sein konnte, dass ihre Schwester es nicht gleich aussprechen konnte. Hatte sie einen Unfall gehabt? War sie krank? Was war los? „Du machst mir Angst.“

„Es tut mir leid, Penny. Wirklich. Ich liebe dich, das weißt du doch, oder? Und ich verspreche, ich helfe dir, es durchzustehen.“

Jetzt war Penny noch verwirrter. „Was durchzustehen?“

„Jason Foley.“

Penny brachte kein Wort heraus.

Sie und ihre Zwillingsschwester hatten einander immer sehr nahegestanden, aber Paige wusste erst seit kurzer Zeit, dass Penny sich mit Jason Foley traf. Normalerweise verheimlichte sie Paige nichts, aber diesmal hatte sie ihr Schweigen – jedenfalls vor sich selbst – damit gerechtfertigt, dass ihre Schwester zu sehr mit der Suche nach dem Santa-Magdalena-Diamanten beschäftigt gewesen war. Aber in Wahrheit hatte sie nur befürchtet, dass Paige ihr heftige Vorwürfe machen würde. Penny hatte sich nicht anhören wollen, dass es dumm und leichtsinnig war, sich ausgerechnet mit einem Foley einzulassen. Er war der erste Mann, den sie jemals geliebt hatte, und sie wollte nicht, dass eine alte Familienfehde sich zwischen sie drängte.

„Du triffst dich doch mit Jason Foley, oder?“, fragte Paige sanft.

„Ja, das tue ich“, erwiderte Penny trotzig. „Und ich weiß, dass darüber niemand begeistert ist. Aber er ist nicht der Mann, für den du ihn hältst, Paige. Er ist wundervoll, und ich bin in ihn verliebt. Und ich glaube, er auch in mich.“

„Er benutzt dich, um an Informationen über unsere Familie heranzukommen“, sagte Paige.

Penny war enttäuscht. Nicht von Jason, denn sie war überzeugt, dass er so etwas niemals tun würde. Sondern von ihrer Schwester, die ihm eine solche Gemeinheit zutraute. Sie würde nicht zulassen, dass jemand diese Beziehung mit haltlosen Verdächtigungen zerstörte. „Nein, das tut er nicht“, widersprach sie mit Nachdruck.

„Leider doch“, beharrte Paige leiser, aber voller Gewissheit.

„Das würde er niemals tun“, wiederholte Penny. „So ist er nicht.“

„Ich bin gerade auf Travis Foleys Ranch, um nach dem Diamanten zu suchen. Travis war bei mir, als ich in Gabbys E-Mail gelesen habe, dass du dich mit Jason triffst. Und Travis wusste, was sein Bruder vorhatte.“

Penny war nicht sicher, welche von Paiges Enthüllungen sie mehr erstaunte. „Nein, das stimmt nicht“, sagte sie, klang jedoch nicht mehr ganz so überzeugt. Sie wollte nichts mehr von dem hören, was Paige Jason vorzuwerfen hatte. Zwar wusste sie, dass zwischen den McCords und den Foleys viele schlimme Dinge passiert waren, aber sie glaubte wirklich, dass sie Jason etwas bedeutete. Seine Worte und Taten sprachen doch für sich, oder?

Penny nagte an ihrer Unterlippe, während sie über die Worte ihrer Schwester nachdachte. Jason hatte den Diamanten in den letzten Wochen mit keiner Silbe erwähnt, aber sie erinnerte sich an Anspielungen und Fragen. Hatte er die unauffällig einfließen lassen, um ihr Informationen zu entlocken? Oder hatten sie sich einfach nur im Laufe der Unterhaltung ergeben und waren harmlos? Sie wollte nicht das Schlimmste vermuten, nur weil ihre Schwester es ihm unterstellte. „Das ist doch verrückt“, sagte sie.

„Tut mir leid, aber Travis hat es zugegeben. Jason hat Travis und seinem anderen Bruder Zane vor Monaten erzählt, was er vorhatte. Er war überzeugt, dass unsere Familie hinter dem Diamanten her war, und wollte herausfinden, was wir unternehmen, um ihn zu bekommen. Jason hat gehofft, es von dir zu erfahren, indem er deine Bekanntschaft sucht und so tut, als wäre er an dir interessiert.“

Penny wollte es nicht glauben, aber …

„Es tut mir schrecklich leid für dich. Ich könnte ihn mit bloßen Händen erwürgen, das schwöre ich. Aber wir zahlen ihm heim, was er dir angetan hat.“

„Ich dachte …“ Penny versagte fast die Stimme. „Ich dachte, er liebt mich.“

Doch jetzt waren alle Träume und Hoffnungen zerstört, die sie sich für die Zukunft gemacht hatte.

Jason Foley bog in die lange Zufahrt zur Ranch seines Bruders ein und fragte sich, was zum Teufel er hier draußen verloren hatte. Schließlich wartete in seinem Büro in Dallas mindestens ein Dutzend dringender Angelegenheiten auf ihn. Aber Travis verlangte nicht viel, deshalb fiel es ihm schwer, seinem Bruder eine Bitte abzuschlagen.

In diesem Jahr schien seinem jüngeren Bruder äußerst wichtig zu sein, dass die Familie sich an Thanksgiving traf. Und zwar nicht nur zum traditionellen Truthahnessen, sondern übers ganze Wochenende.

Dagegen hatte Jason nichts, aber aus irgendeinem unerfindlichen Grund hatte Travis auch die McCords eingeladen. Dabei war es noch gar nicht so lange her, dass die Foleys und die McCords eher aufeinander geschossen als sich zusammen an einen Tisch gesetzt hätten. Offenbar hatten sich ein paar Dinge geändert.

Ungebeten kam ihm Penny McCords lächelndes Gesicht in den Sinn. Ja, es hatte sich einiges geändert. Er verspürte einen schmerzhaften Stich. Noch immer hatte er keine Ahnung, was zwischen ihnen schiefgelaufen war. Wochenlang hatte sie ihn nicht zurückgerufen, und seine E-Mails hatte sie ignoriert. Schließlich hatte er aufgegeben. Anscheinend wollte Penny nichts mehr von ihm wissen, und insgeheim war er froh darüber. Vielleicht hatte ihre Beziehung nur deshalb so lange gedauert, weil er ein schlechtes Gewissen hatte.

Er fühlte sich noch immer schuldig. Es war seine Idee gewesen, sich an Penny McCord heranzumachen und so herauszufinden, wo und wie ihre Familie nach dem Santa-Magdalena-Diamanten suchen wollte. Den Plan hatte er aus reiner Verzweiflung geschmiedet, und er war alles andere als stolz darauf gewesen.

Je näher er Penny kam, desto mehr hatte er für sie empfunden. Und desto stärker war auch sein Schuldgefühl geworden. Deshalb war er nicht nur verwirrt, sondern auch erleichtert gewesen, als sie den Kontakt abgebrochen hatte. Ohne ihn ging es ihr besser.

Und ihm ging es ohne sie besser. Wenn sie jetzt zum Thanksgiving-Fest im Haus seines Bruders erschien, würde er höflich und freundlich sein, aber emotional und räumlich auf Distanz bleiben. Vielleicht hatte sie ihm einmal viel bedeutet, doch das war vorbei.

Jedenfalls glaubte er das, bis er die Küche betrat und sie in den Armen seines Bruders vorfand. „Na, wenn das keine rührende Szene ist.“

Er presste die Worte zwischen den Zähnen hervor und musste sich zwingen, die geballten Fäuste wieder zu lockern.

Travis und Penny sprangen auseinander – und erst jetzt sah Jason, dass der Zorn ihm den Blick vernebelt hatte.

Sein Bruder hatte nicht Penny, sondern ihre Zwillingsschwester Paige in den Armen gehalten.

Natürlich war es nicht Penny. Noch bevor er ihre Schwester erkannt hatte, hätte er es wissen müssen. Penny war keine Frau, die von einem Bett zum anderen wechselte. Im Gegenteil, Jason war ihr erster und einziger Mann gewesen.

Und dann hatte sie ihn aus ihrem Leben geworfen.

Warum sollte es ihm also etwas ausmachen, wenn sie sich danach einen anderen gesucht hatte? Aber es war so. Und das ärgerte ihn mehr als sein Irrtum. „Ich wollte nicht stören“, sagte er.

„Du bist früh“, erwiderte Travis und milderte den versteckten Vorwurf mit einem Lächeln ab.

„Ich kann wieder fahren und später zurückkommen.“

„Nicht nötig. Du kennst Paige McCord?“

Jason nickte. „Ich freue mich, dich wiederzusehen, Paige.“

„Ich wünschte, ich könnte dasselbe sagen“, antwortete sie kühl.

Jason warf seinem Bruder einen fragenden Blick zu.

Travis schüttelte kaum merklich den Kopf, aber Jason wollte die unfreundliche Begrüßung nicht unkommentiert lassen.

„Falls es um deine Schwester geht, solltest du wissen, dass nicht ich unsere Beziehung beendet habe, sondern sie war es.“

„Und du hast natürlich keine Ahnung, warum?“

Das stimmte. Selbst nach drei Wochen wusste er es nicht, und das frustrierte ihn zutiefst.

„Könnten wir das später besprechen?“, schlug Travis vor, was Jason vermuten ließ, dass er mehr wusste, als er seinem Bruder erzählt hatte.

„Am liebsten würde ich es überhaupt nicht besprechen“, versicherte Paige ihm. „Ich würde gern so tun, als hätte dein Bruder sich niemals mit meiner Schwester eingelassen, aber das ist leider nicht mehr möglich.“

Sie warf das Haar über die Schulter und ging hinaus.

„Kannst du mir das vielleicht erklären?“, sagte Jason.

Travis schüttelte erneut den Kopf. „Das überlasse ich Penny. Falls sie dazu aufgelegt ist.“

Jasons Herz schlug schneller. „Also kommt sie?“

„Ich habe dir doch gesagt, dass ich alle McCords eingeladen habe.“

„Aber du hast mir nicht gesagt, dass Penny auch hier sein würde.“

„Hätte dich das davon abgehalten, auf die Ranch zu kommen?“

„Nein“, erwiderte Jason. „Dass ich hier bin, hat mit Penny McCord nichts zu tun.“ Aber noch während er es aussprach, wusste er, dass sein Bruder es ihm ebenso wenig glaubte wie er selbst.

Sie hätte nicht herkommen sollen.

Penny McCord saßen zwischen ihren zwei älteren Brüdern Blake und Tate am langen Tisch im Esszimmer der Foleys und fragte sich, warum sie sich zur Teilnahme an diesem „Familienfest“ hatte überreden lassen. Natürlich hatte sie die Einladung nur angenommen, weil sie sicher gewesen war, dass Travis’ Bruder es nicht tun würde.

Jason Foley war viel zu beschäftigt, um sich Zeit für ein langes Wochenende auf der Ranch seines Bruders zu nehmen. Ihm waren die Geschäfte wichtiger als die Familie, und für den Erfolg des Unternehmens würde er alles tun. Was man ja an dieser Farce von Beziehung sah. Jason hatte sich nur an Penny herangemacht, um sie auszuhorchen.

Als sie über ihre Schwester die Einladung zu Thanksgiving bekommen hatte, war sie froh gewesen, mal aus der Großstadt wegzukommen. Sie hatte sich darauf gefreut, etwas Zeit mit ihrer Zwillingsschwester verbringen und sich an deren Schulter ausweinen zu können. Nur deshalb hatte sie sofort zugesagt. Sie war sicher gewesen, dass Jason sich niemals freinehmen würde, um den Feiertag auf der abgelegenen Ranch seines Bruders zu begehen.

Offenbar hatte sie sich geirrt.

Denn jedes einzelne Mitglied der Familie Foley – einschließlich Jason – war anwesend, zusammen mit dem gesamten McCord-Clan. Als wären die Verbitterung und Feindseligkeit vergessen, die im vergangenen Jahrhundert jeden Kontakt zwischen den Foleys und den McCords vergiftet hatten.

Penny kannte die Geschichte, jedenfalls so, wie sie in ihrer Familie überliefert worden war. Angeblich waren die McCords und die Foleys seit dem Bürgerkrieg miteinander verfeindet. Die heiße Phase der Fehde hatte dann in den späten 1890ern begonnen, als Gavin Foley seine Silbermine im Westen von Texas bei einer Pokerrunde an Harry McCord verlor. Gavin Foley schwor, dass Harry mit gezinkten Karten gespielt hatte.

Damals hatten die Foleys den Verlust verkraftet, weil die Mine als wertlos galt. Doch dann kam das Gerücht auf, dass die Besitzurkunde Hinweise auf einen versteckten Schatz enthielt – zu dem auch der legendäre und angeblich verfluchte Santa-Magdalena-Diamant gehörte.

Der Schatz wurde nie gefunden, aber das Silbererz, das die McCords in der Mine abbauten, machte sie reich. Kürzlich war jedoch im Golf von Mexiko das Wrack des Schiffes entdeckt worden, auf dem der Schatz ursprünglich vermutet wurde. Der Diamant war nicht an Bord gewesen, und deshalb suchten inzwischen Abenteurer, Sammler und Diebe aus aller Welt wieder nach dem legendären Stein.

Penny war nicht sicher, ob sie an die Existenz des Diamanten glaubte. Wenn es ihn gab, handelte es sich angeblich um einen gelben Edelstein, der es an Größe und Schönheit mit dem Hope-Diamanten aufnehmen konnte. Der Fluch, der auf ihm lastete, hatte jedem Besitzer Unglück gebracht, zum Beispiel einem indischen Maharadscha, einem italienischen Renaissancefürsten, einem Herzog des 17. und einem mexikanischen Gouverneur des 18. Jahrhunderts. Obwohl sie den Stein noch nicht einmal gesehen hatte, fragte Penny sich, ob ihr gebrochenes Herz etwas mit dem Fluch zu tun hatte.

Natürlich lag es auch an ihrer Unerfahrenheit und Naivität, dass sie auf Jason Foleys Verführungskünste hereingefallen war. Andererseits hätte der Chef von Foley Industries sich wahrscheinlich kein bisschen für sie interessiert, wenn er nicht gewusst hätte, dass ihre Familie nach dem berühmten Diamanten suchte.

Entschlossen verdrängte Penny jeden Gedanken an den Stein und die Foley-McCord-Fehde. Sie wusste nicht, wie viel davon stimmte, und im Grunde war es ihr auch egal. Wichtiger als das Leid, das die Vorfahren einander zugefügt hatten, war ihr der Schmerz der Gegenwart. Und mit Jason in einem Raum, ihm so nahe und zugleich so fern zu sein, ließ eine kaum verheilte Wunde wieder aufbrechen.

Seit ihre Beziehung sich als Farce erwiesen hatte, war dies das erste Mal, dass sie ihn wiedersah.

Und auch das erste Mal, seit sie wusste, dass sie ein Baby von ihm bekam.

Ein Baby, von dem sie ihm noch nichts erzählt hatte.

Ihre Schwester Paige war der Ansicht, dass Jason erfahren musste, dass er Vater wurde. Penny war klar, dass er ein Recht darauf hatte. Sie wusste auch, warum Paige unbedingt wollte, dass sie ihn informierte. Jason sollte die Verantwortung für das übernehmen, was er getan hatte.

Aber Penny war noch nicht so weit. Der Schmerz war viel zu frisch, als dass sie ruhig und vernünftig über Dinge wie Besuchsrechte und Unterhaltsregelungen sprechen konnte. Außerdem ging es ihr finanziell gut, und sie zweifelte nicht daran, dass sie sich und das Kind allein ernähren konnte. Obwohl McCord Jewelers in Schwierigkeiten steckte, war ihr Job in der Firma ziemlich sicher, nicht nur wegen ihres Nachnamens, sondern auch, weil sie sich als Schmuckdesignerin einen hervorragenden Ruf erworben hatte.

Nein, sie würde Jason Foley um nichts bitten. Niemals.

Als ein Ellbogen sie an den Rippen traf, zuckte sie zusammen und warf ihrem Bruder einen verärgerten Blick zu.

„Gabby hat dich gebeten, ihr den Salat zu reichen“, sagte Tate.

„Oh. Entschuldigung.“ Penny schaute auf den Tisch und bemerkte erst jetzt, dass sie die Salatschüssel in der Hand hielt. Hastig gab sie sie an ihre Cousine weiter und stellte erst danach fest, dass sie sich noch gar keinen genommen hatte. Dafür hatte sie jede Menge Parmesankäse auf ihre Pasta gestreut, obwohl sie ihn überhaupt nicht mochte. Sie griff nach der Gabel und schob die Nudeln auf dem Teller umher.

Gabby stieß Pennys Fuß an. „Alles in Ordnung?“, flüsterte sie.

Penny nickte, brachte es jedoch nicht fertig, ihre Cousine anzusehen.

„Ist es wegen Jason?“, fragte Gabby so leise, dass niemand außer ihnen beiden es hörte. Trotzdem sah Penny nervös zu ihm hinüber. Er unterhielt sich mit seiner Nichte und hatte offenbar nichts mitbekommen. Aber die Frage bewies, dass es ihnen nicht gelungen war, ihre kurzlebige Beziehung vor den anderen geheim zu halten.

Penny schüttelte den Kopf.

Gabby schien ihr nicht zu glauben, denn sie beugte sich zu ihr. „Wenn du darüber reden möchtest …“

Wieder schüttelte sie den Kopf. Dass sie so dumm gewesen war, sich in Jason Foley zu verlieben und sich von ihm ausnutzen zu lassen, war nun wirklich das Letzte, worüber sie mit irgendjemandem sprechen wollte. Als ihr die Tränen kamen, blinzelte sie sie verzweifelt fort.

Zum Glück konnte Gabby nicht nachfragen, denn Rafe flüsterte seiner Frau etwas ins Ohr, und sie strahlte ihn an.

Penny wandte sich ab. Das war das Schlimme an Festtagen und Familientreffen – sie war immer allein inmitten lauter Paare. Wie durch ein Wunder hatten sich alle um sie herum innerhalb von sechs Monaten verliebt.

Gabby in ihren Bodyguard Rafe, ihr Bruder Tate in Tanya Kimbrough, die Tochter der langjährigen Haushälterin der McCords, und Blake in Katie Whitcomb-Salgar, Tates Exfreundin.

Seit Kurzem war ihre Zwillingsschwester Paige mit Travis Foley zusammen. Selbst ihre Mutter hatte einen neuen Partner – ausgerechnet Jasons Vater Rex Foley. Und nicht nur das, Rex war auch noch der leibliche Vater von Pennys jüngstem Bruder Charlie. Offenbar war die Familienfehde vor zweiundzwanzig Jahren beendet worden – jedenfalls, soweit es Eleanor und Rex betraf.

Als jemand mit seiner Gabel gegen ein Glas klopfte, konzentrierte Penny sich wieder auf die Gegenwart und Travis Foley am Kopf der Tafel.

Er wartete, bis alle ihn gespannt ansahen. „Paige und ich haben eine Neuigkeit für euch. Es geht um etwas, für das wir alle an diesem Thanksgiving dankbar sein können.“

Lächelnd wandte Paige sich den versammelten Gästen zu. „Wir haben den Santa-Magdalena-Diamanten gefunden“, verkündete sie aufgeregt.

„Der Santa-Magdalena-Diamant“, wiederholte Eleanor fassungslos. „Nach all den Jahren … Ich war nie überzeugt, dass es ihn wirklich gibt.“

„Es gibt ihn“, versicherte Paige ihr. „Und er ist absolut atemberaubend.“

Was die begeisterten Ausrufe um sie herum bestätigten, als Travis den spektakulären Achtundvierzig-Karat-Stein auf den Tisch legte.

„Ich wusste, dass er existiert“, sagte Blake McCord. „Und dass er die Lösung all unserer Probleme sein würde, wenn ihr ihn findet.“

„Und du wusstest auch, dass er sich in einer der verlassenen Minen auf dieser Ranch befand.“

„Wenn ihr ihn dort gefunden habt, also auf dem Land der McCords, gehört der Diamant uns“, erklärte der Chef von McCord Jewelers.

„Aber Travis hat das Land von den McCords gepachtet“, warf Jason ein. „Also ist er der rechtmäßige Eigentümer des Diamanten.“

„Paige und ich haben ihn zusammen gefunden, deshalb gehört er uns beiden gemeinsam“, sagte Travis.

„Und nach langen Diskussionen“, fuhr Paige fort, „haben wir beschlossen, ihn – und die Truhe mit den alten Silbermünzen, in der er sich befand – dem Smithsonian Museum zu stiften.“

„Aber …“, begann Blake und verstummte, als seine Schwester ihm einen strengen Blick zuwarf.

„Natürlich wird McCord Jewelers von dem Aufsehen profitieren, das der Fund erregt. Deshalb werden wir den Diamanten in unserer Hauptfiliale in Dallas ausstellen und erst in einem halben Jahr an das Museum übergeben. Das ist so mit dem Direktor abgesprochen.“

„Das wird eine Menge Kunden anlocken“, sagte Gabby anerkennend.

„Und für einen gewaltigen Umsatz sorgen“, fügte Rafe hinzu.

„Ein brillantes PR-Manöver“, lobte Tate.

„Danke“, erwiderte Paige trocken.

„Ich hatte gehofft, dass nur die McCords etwas davon haben“, gab Blake überraschend zu. „Aber da meine Schwester Paige bei der Suche einen noch größeren Schatz als den Santa-Magdalena-Diamanten für sich entdeckt hat, bin ich gar nicht so enttäuscht darüber, dass wir ihn nicht allein gefunden haben.“

„Wir haben noch etwas gefunden.“ Paige lächelte Travis zu.

„Noch etwas?“, fragte Tanya verblüfft.

„Ja. Den McCordit“, antwortete Paige.

Bis auf Travis starrten alle sie verwirrt an.

„Was ist das?“, fragte Charlie schließlich.

„Das hier.“ Sie legte einen anderen Stein neben den Diamanten.

Er war nicht so groß und funkelnd wie der Santa Magdalena, aber er schien seine Farbe je nach dem Winkel zu verändern, in dem das Licht auf ihn fiel. Als Paige ihn langsam drehte, wurde aus einem hellen Rosa erst ein blasses Blau, dann schimmerte er golden. Es war, als würde er die Träume und Hoffnungen jedes Betrachters widerspiegeln.

„Was ist das denn für ein Stein?“, wollte Charlie wissen.

„Es ist ein bislang völlig unbekannter Edelstein, der nur in diesem Teil der Welt vorkommt. Deshalb werden wir ihn als ‚McCordit‘ auf den Markt bringen – und die Mine ist voll davon.“

„Ein neuer Schmuckstein muss ein Vermögen wert sein“, sagte Blake.

„Du denkst immer nur ans Geschäft“, neckte Katie ihren Verlobten.

„Irgendjemand muss es ja tun“, gab er zurück.

„Und das hier wird unseren Umsatz noch weiter steigern“, versicherte Paige. „Sobald Blake ihn auf der Schmuckmesse in Tucson vorgestellt hat.“

„Nichts lieber als das“, versprach ihr Bruder.

„Gleich lassen wir uns den Nachtisch schmecken“, begann Travis, und das aufgeregte Gemurmel am Tisch verstummte. „Aber vorher habe ich noch eine Bitte an Penny.“

Als sämtliche Blicke sich auf sie richteten, stellte sie das Wasserglas, nach dem sie gerade gegriffen hatte, wieder ab. Was konnte Jasons Bruder von ihr wollen?

„Ich möchte, dass du einen Verlobungsring entwirfst, der den neuen Stein im besten Licht präsentiert“, sagte er zu ihr. „Denn ich habe Paige gefragt, ob sie mich heiraten will – und sie hat Ja gesagt.“

Penny schluckte und rang sich ein Lächeln ab. Sie freute sich für ihre Schwester. Das tat sie wirklich, sie wünschte nur, ihre eigene Beziehung hätte kein so unglückliches Ende genommen. „Es wird mir ein Vergnügen sein.“

Wollen Sie wissen, wie es weiter geht?

Hier können Sie "Ein Happy End für unsere Liebe" sofort kaufen und weiterlesen:

Amazon

Apple iBookstore

ebook.de

Thalia

Weltbild

Viel Spaß!



Kaufen