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Ein Hamster gegen Einsamkeit

Über das Buch

Es ist Dirk Omlors Geschichte seiner Online-Partnersuche zwischen 2009 und 2011. Darin geht es um launische Lehrerinnen, humpelnde Hausfrauen, kesse Krankenschwestern, eine schreiende Schimpfwortfetischistin, süße Sirenen, grandiose Gestaltwandlerinnen, rabiate Rollenspiele, eine satanistische Sektenbraut und schöne Scheinehen. Außerdem um einen Hamster, Urzeitkrebse, Eierlikör, Sex und wahre Liebe. Klingt gut? Ist es auch!

Über den Autor

Dirk Omlor, geboren 1969, aufgewachsen im saarländischen Homburg, ist Journalist, Zauberkünstler und Comedian. Der Diplom-Ingenieur für Brauwesen schreibt seit über 20 Jahren als Fachredakteur über den deutschen Biermarkt. Seit seiner Kindheit ist die Zauberkunst seine große Leidenschaft. Vor gut zehn Jahren entwickelte Dirk Omlor seine saarländische Bühnenfigur Rudi Lauer, mit der er mit Comedy und Illusionen begeistert. In seinem ersten Buch erzählt Dirk Omlor von seiner Partnersuche im Internet, von seinem irren Trip beim Online-Dating.

Mehr über Dirk Omlor unter: www.dirk-omlor.de

Dirk Omlor

Ein Hamster gegen
Einsamkeit

Mein irrer Trip beim Online-Dating

Alle geschilderten Ereignisse in diesem Buch beruhen auf wahren Begebenheiten. Lediglich die zeitliche Reihenfolge sowie die Namen und Orte wurden geändert. Jede Übereinstimmung mit real existierenden Personen ist nicht beabsichtigt und wäre rein zufällig.

Vorwort

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

eigentlich mag ich keine Vorwörter. Doch eines sollten Sie vor dem Lesen des Buches wissen:

Ich habe lange gezögert, ob ich aus meinen Tagebucheinträgen von damals ein Buch schreiben soll. Ob ich Ihnen die persönlichen Erfahrungen und intimen Momente meiner Online-Partnersuche erzählen soll. Ich fragte mich außerdem: Passt so ein Buch noch in die Zeit? In einer Zeit, in der das Gendern allgegenwärtig ist, schreibe ich, dass es an den Frauen lag, dass Amors Pfeil mich ständig verfehlte. Meine eigenen Macken lasse ich einfach unter den Tisch fallen, die kommen quasi nicht vor. Dabei habe ich wirklich genügend, fragen Sie mal meine Frau...

Hätte ich nach den jeweiligen Dates die Frauen interviewt und diese Eindrücke ebenfalls verarbeitet, wäre das Buch objektiver geworden. Da ich aber damals lediglich für mich ein Tagebuch führte, bleibt es meine subjektive Geschichte. Doch ich versichere Ihnen: Die Begegnungen mit den Frauen waren wirklich so, wie ich sie schildere. Ich habe nicht übertrieben. Im Gegenteil: Ich habe sogar einiges weggelassen, das so skurril war, dass Sie mir nicht glauben würden.

Von meinen damaligen Erlebnissen habe ich bislang nur meinen besten Freunden erzählt. Selbst meine Frau erfuhr davon zum ersten Mal aus dem Manuskript. Mit den Menschen, mit denen ich solche intimen Details teile, bin ich normalerweise per Du. Ich habe mich dazu entschlossen, bei Ihnen keine Ausnahme zu machen. Deshalb werden auch Sie in diesem Buch geduzt. Begleiten Sie mich also als Freundin oder Freund auf meinem irren Trip beim Online-Dating.

Für Annika und Elina,
meine allergrößten Goldschätze

„Das Balzverhalten erwachsener Menschen ist interessanter als so mancher glaubt“

Die Ärzte

Kapitel 1

Meine neue Welt

Januar 2009

Seit zwei Jahren bin ich nun getrennt. Wieder Single. Nach 14 Jahren Ehe ein Leben ohne Kompromisse. Drei Zimmer, Küche, Bad.

Anfangs genoss ich die Freiheit. Doch das hielt nicht lange. Der Alltag holte mich schneller ein als mir lieb war. Ich fühlte mich einsam. Kein Wunder: Nie zuvor hatte ich allein gelebt. Bis zu meinem 15. Lebensjahr zuhause, danach im Internat mit Klassenkameraden, anschließend Zivildienst und wieder bei meiner Mutter. In dieser Zeit lernte ich meine spätere Frau kennen. Wir zogen zusammen in eine kleine Wohnung in der Nähe von München, ich studierte. Dann Hochzeit, erster Job, Umzug, erstes Kind, ein Mädchen, glücklich. Zweiter Job, Umzug, zweites Kind, wieder ein Mädchen, glücklich. Es war ein aufregendes und temporeiches Leben.

Dann: Trennung, Scheidung und zum ersten Mal allein.

Vor wenigen Tagen mein 40. Geburtstag: Ein grauer Dienstag im Januar. Ich denke über mein Leben nach. Blicke zurück, schaue nach vorne. Bilanz: Ich bin gesund, habe einen guten Job und leiste mir hin und wieder ein wenig Luxus. Das Wichtigste: Ich habe zwei wundervolle Kinder, 9 und 5 Jahre alt, die jedes zweite Wochenende bei mir sind. Dann bin ich glücklich. Und traurig, wenn ich die Mädchen sonntagabends wieder nachhause bringe. Danach fühle ich mich noch einsamer. In einem Lied von Heinz Rudolf Kunze heißt es zwar „Abschied muss man üben, sonst fällt er viel zu schwer“, doch dem muss ich widersprechen. Ich übe. Vergebens. Die Leere, die bleibt, wenn sie weg sind, bedrückt mich jedes Mal sehr.

Ich versuche, mir nichts anmerken zu lassen, doch irgendwie spüren Kinder so etwas. Deshalb haben sie mich eines Tages dazu überredet, ihnen einen Hamster zu kaufen. Wie sie mir heute erzählen, nur, damit ich in der Zeit, in der sie nicht da sind, nicht einsam bin. Beim Schreiben dieser Zeilen bin ich wieder gerührt. Ein Hamster gegen Einsamkeit, wie süß.

Er hieß Eddi und wir kauften ihn nicht im Baumarkt oder in der Zoohandlung, sondern bei einer Züchterin. Ja, Du hast richtig gelesen: bei einer Züchterin. Ich hatte mich vorab umfassend informiert und wollte die artgerechte Hamsterzucht unterstützen. Das ist eine meiner Marotten. Ich gebe es zu: Ich bin bei solchen Dingen wenig spontan. Bevor ich mir etwas anschaffe, informiere ich mich sehr gründlich darüber. Ich besorge mir Bücher zum Thema, kaufe Zeitschriften, schaue Videoclips und lese Testberichte. Es läuft nicht nach dem Motto: Kommt Kinder, wir fahren zur Tierhandlung und kaufen uns einen Hamster. Nein: Es besteht die Gefahr, dass die Kinder bereits erwachsen sind, bis der Hamster endlich einzieht.

Bei Eddi ging es schneller. Ich erkundigte mich über Hamster und kaufte einen Käfig. Einen riesigen Käfig. Genauer: ein Terrarium, einen Meter tief, zwei Meter breit. Ein Nager-Paradies, mit einer Ausstattung, von der alle Hamster träumen: Stroh, Sand, Höhle, Kletterzeugs und ein Laufrad der Luxusklasse. Mit einem sehr großen Durchmesser, damit der Rücken meines kleinen Freundes beim Laufen gerade bleibt. Ein Muss, wie ich gelesen hatte.

Jetzt fehlte nur noch der Hamster. Mit einer Züchterin aus dem Rhein-Main-Gebiet hatte ich Kontakt aufgenommen. Am Telefon nahm sie mich ins Kreuzverhör, überzeugte sich, dass es dem Tier bei mir auch gut gehen würde. Danach waren wir uns einig. Sie erklärte mir, der Hamster sei aus dem E-Wurf und ich müsste ihm deshalb einen Namen geben, der mit „E“ beginnt. Ich stimmte zu.

„Sollen wir ihn Ernst nennen?“, frage ich die Mädchen, als ich sie abends ins Bett bringe. „Papa, so heißt kein Hamster“, protestieren sie.

„Erich vielleicht? Oder Egon oder Erwin?“

„Paaaapaaa!“

„Edelbert?“, frage ich und grinse.

„Eeeeedelbert, mein Eeeeedelbert“, sagt die Große. „Wie im Immenhof-Film.“

Du musst wissen, den haben wir uns schon öfter zusammen angeschaut. Sonntagsfilme nenne ich sie, die alten Schinken, die ich ab und zu an verregneten Sonntagnachmittagen mit ihnen gucke. Dabei essen wir Kuchen und lümmeln uns aufs Sofa. Herrlich! Meine Kinder mögen die alten Filme mit Heinz Rühmann, Heinz Erhardt oder Louis de Funès genauso sehr wie ich. Die Immenhof-Filme gefallen ihnen aber besonders gut. Pferde und Ponys eben.

Wir grübeln weiter über einen Namen und mir fällt Eddi Arent ein, den ich auch immer sehr mochte. „Was haltet ihr von Eddi?“ Beinahe gleichzeitig fangen beide an zu hüpfen und rufen: „Jaaa, jaaa, Eddi ist toll!“ Dabei wedelt die Kleine mit den Armen.

„Also gut, dann heißt er Eddi. Und jetzt ab ins Bett.“ Ich gebe ihnen einen Gutenachtkuss und stelle wie immer die gleiche Frage: „Hab‘ ich euch eigentlich schon einmal gesagt, dass ihr meine allergrößten Goldschätze seid?“

„Jaaaa, Papa, schon tausend Mal!“, rufen sie.

„Ehrlich, da kann ich mich gar nicht dran erinnern.“ Wir lachen und ich mache das Licht aus.

Am nächsten Morgen fahren wir in eine kleine Ortschaft in der Nähe von Mainz, um Eddi abzuholen. Als uns die Züchterin die Tür öffnet, wird klar: Nicht nur Hund und Herrchen können sich optisch annähern, das geht auch bei anderen Vierbeinern. Vor uns steht eine kleine Frau, um die 60, mit der Statur eines Goldhamsters. Auch ihr Gesicht hat sich den Nagern angepasst: Hamsterbacken, -augen und - zähne. Mit ihrer Brille sieht sie aus wie eine Hamsterprofessorin, es fehlt nur noch der weiße Laborkittel. Es ist gruselig und lustig, und wir lachen uns heute noch schlapp, wenn wir davon erzählen.

Eddi zog noch am selben Abend bei mir ein. Ins Arbeitszimmer. Dort brachte er das riesige Laufrad jede Nacht zum Quietschen. Bis an mein Bett drang das schrille Geräusch. Hätte ich vorher gewusst, wie viel Krach so ein Hamster macht, hätten wir einen Goldfisch gekauft. Und hätte ich vorher gewusst, wie viel Sand und Stroh nach jeder Reinigung in den großen Käfig passen ... Goldfisch, 100 Prozent Goldfisch.

Den Zweck, den die Mädchen beabsichtigt hatten, erfüllte Eddi. Es war jemand bei mir. Ich war nicht mehr alleine, mein kleiner Freund war da. Unüberhörbar. Nach ein paar Tagen habe ich mich sogar dabei ertappt, wie ich mit ihm rede. Mit einem Hamster. Ich weiß nicht mehr, was ich ihm alles erzählt habe. Anfangs hörte er noch interessiert zu, doch irgendwann wurde ihm anscheinend alles zu viel, und er ergriff die Flucht. Abgelenkt durch eines seiner Kunststücke vergaß ich, die Käfigtür zu schließen. Und dann floh er. Mitten in der Nacht. Weit kam er aber nicht. Ich fand ihn am nächsten Morgen in der Küche. Tot. Er hatte in ein Stromkabel gebissen. Eddi sah aus wie explodiert.

Begraben konnten wir ihn nicht gleich, weil es draußen zu kalt und der Boden steinhart gefroren war. Deshalb lagerte ich Eddi nach seinem tragischen Unfall in einer leeren Vanilleeis-Schachtel im Gefrierfach. Sobald es draußen wieder wärmer würde, wollten wir ihn im Wald begraben.

Wie gut, dass ich zu dem Zeitpunkt noch Single war. Wenn meine Frau nämlich heute ans Gefrierfach gehen, das Vanilleeis herausnehmen und voller Vorfreude die Schachtel öffnen würde, und da wäre der tote Eddi drin, hätte sie entweder einen Herzinfarkt bekommen, und ich wäre jetzt Witwer, oder ich wäre tot. Beides tragisch.

Kapitel 2

Schlager, YPS und Eierlikör

März 2009

Eddi kommt endlich aus dem Gefrierfach. Nach den bitterkalten ersten zwei Monaten des Jahres ist es heute sonnig und warm, der Boden aufgetaut und weich. Nur Eddi ist noch immer steif gefroren. Ich lasse ihn aus der Vanilleeis-Schachtel in sein Grab rollen. Wir legen Möhren neben ihn, weil er die so gerne mochte. Ich schaufele alles zu und die Mädchen halten eine kurze Rede. Bei den Worten „Papas treuer Freund“ und „Hamsterhimmel“ werden meine Augen feucht. Am Ende liegen wir uns in den Armen und weinen. Wegen eines Hamsters? Ja, genau! Und wegen der Traurigkeit. Für meine Töchter war es der erste Verlust in ihrem Leben, die erste Begegnung mit dem Tod.

Eine Boa Constrictor sollte künftig in Eddis Zuhause wohnen. Zwei Meter lang, fünfzehn Kilo schwer.

„Was frisst die?“, frage ich die beiden Schlangenliebhaber, die sich auf meine Kleinanzeige gemeldet haben und das Terrarium abholen. „Ratten ... ... oder Hamster“, sagt der eine und grinst.

„Und wie viele?“

„Jeden Monat eine.“

„Aber keine lebende“, ergänzt der andere.

„Wie praktisch“, sage ich und halte ihnen die Haustür auf. Weitere Einzelheiten will ich nicht wissen und bin froh, dass mit dem Verkauf des Terrariums das Kapitel Hamster ein für alle Mal geschlossen ist. Auch meine Töchter haben ein Einsehen und versuchen erst gar nicht, ein weiteres Haustier in mein Leben zu schleusen.

Stattdessen: eine Spielekonsole. „Eine Spielekonsole?“, werden nun alle fragen, die mich kennen. Computerspiele sind nämlich nicht mein Ding. Das wissen auch meine Töchter und haben die Sache deshalb ganz schön raffiniert eingefädelt. Als ich sie an einem Freitagnachmittag abhole, fragt die Große: „Papa, können wir morgen einen neuen Sonntagsfilm kaufen gehen?“

„Bitte, Papa“, sagt die Kleine und schaut mich dabei mit ihren großen blauen Augen an.

Damit haben sie mich, und wir fahren am nächsten Tag in den Elektromarkt. Doch anstatt direkt in die Filmeabteilung zu gehen, zerren sie mich in die Ecke mit den Spielekonsolen und starten ein Karaoke-Spiel. Wir singen Schlager der 70er-Jahre und haben jede Menge Spaß dabei.

Ich muss es zugeben: Das ist genau mein Ding. Bei den Kulthits komme ich in Party-Stimmung. Ich besitze sogar einige CDs mit alten Schlagern. Die höre ich beim Putzen. Lauthals mit Jürgen Marcus „Eine neue Liebe ist wie ein neues Leben“ singend, feudele ich den Boden oder schwinge den Putzlappen zu „Ein Bett im Kornfeld“. Und bei Howard Carpendales „Ti amo“ sauge ich mich in Extase.

Zurück in den Elektromarkt: Ich kaufte die Konsole mit allem, was dazugehört. Wenn nämlich deine fünfjährige Tochter mit einem großen Mikrofon in der Hand Gitte Haennings „So schön kann doch kein Mann saaeeiiiiiiiin, dass ich ihm lange nachwaaeeiiiiiiin“ singt, wirst du schwach. Garantiert! Zuhause verwandelten wir noch am selben Nachmittag das Wohnzimmer in ein Karaoke-Studio.

Du musst wissen: Als Kind der 70er wurdest du zwangsläufig Schlagerfan. Wir hatten damals ja nichts anderes. Der Höhepunkt der Woche war der Samstagabend vorm Fernseher. Nach dem Baden saß ich in meinem orangefarbenen Frottee-Schlafanzug vor der Glotze und drang mit Mr. Spock in Galaxien vor, die nie ein Mensch zuvor gesehen hat. Danach fieberte ich mit den Kandidaten bei Rudi Carrells „Am laufenden Band“ oder sang zur ZDF-Hitparade. Wenn Dieter Thomas Heck uns zur Anfangsmelodie der Sendung mit „Hier ist Berlin! Hier ist wie immer ihre deutsche Hitparade!“ begrüßte, war die Welt in Ordnung. Und wenn Wencke Myhre mit „Lass mein Knie, Joe, mit uns klappt das nie, Joe“ die deutsche Version des Bonnie-Tyler-Hits „It’s a Heartache“ sang, ging die halbe Nation von einer 1:1 Übersetzung des Originals aus.

So war das in den 70ern. Wir aßen versalzenen, rot gefärbten Fisch und schwarz gefärbte Fischeier und hielten es für echten Lachs und Kaviar. Exotische Gerichte waren damals russische Eier, Toast Hawaii und Krabbencocktail.

Es war scheinbar eine unbeschwerte Zeit. Es gab drei Fernsehprogramme und kein Internet. Das Telefon mit Schnur stand im Flur und einen Shitstorm gab es höchstens am Stammtisch, wenn der Wirt die letzte Runde einläutete.

In den 70ern durften auch wir Kinder ab und zu Alkohol trinken. Ein Glas Sekt war an Silvester selbstverständlich und bei meiner Oma gab es kein Vanilleeis ohne Eierlikör. Sie schlug jedes Mal mit der flachen Hand auf den Flaschenboden und mit einem Bluubbpp ergoss sich danach ein großer Schwall übers Eis. Meine ersten Erinnerungen daran, da dürfte ich so drei, vier Jahre alt gewesen sein… aber wahrscheinlich hat sie mir das schon viel früher verabreicht. Stell dir vor: Bis zum Tod meiner Oma wusste ich überhaupt nicht, wie Vanilleeis pur eigentlich schmeckt.

Meine andere Oma schenkte mir jedes Jahr zu Weihnachten Weinbrand-Bohnen. Die kaufte sie immer im Sommer, wenn sie im Angebot waren. An Weihnachten waren sie dann meist grau und eingetrocknet. Die hat niemand von uns gerne gegessen. Wir haben sie jedes Mal ungeöffnet in den Schrank gelegt und irgendwann dann weitergeschenkt. Du musst wissen, das ging damals noch, denn es gab ja kein Haltbarkeitsdatum. Ich nehme an, diejenigen haben sie dann wieder weitergeschenkt und so weiter und so weiter. Es könnte also sein, dass die Weinbrand-Bohnen meiner Oma heute noch im Umlauf sind.

Neben der Hitparade, Raumschiff Enterprise und Pril-Blumen, mit denen ich unser Zuhause verschönerte, gab es für mich Woche für Woche ein weiteres Highlight: YPS mit Gimmick. Jeden Montag ging ich mit meinem Taschengeld zum Kiosk und kaufte das Comic-Heft. Mit YPS züchtete ich Urzeitkrebse, pflanzte Eierbäume und wurde Detektiv. Das Motto des Heftes „erst lesen, dann basteln“ ist mir in Fleisch und Blut übergegangen. Jede Gebrauchsanleitung lese ich deshalb heute sehr sorgfältig durch.

Auch meine Leidenschaft für die Zauberkunst wurde durch YPS geweckt. Es gab damals in fünf oder sechs Heften hintereinander jeweils einen Zaubertrick. Ich erinnere mich noch genau an die FingerGuillotine, bei der der Finger heil blieb, der Kaugummistreifen darunter jedoch durchtrennt wurde. Wahnsinn! Seitdem wollte ich Zauberer werden, wollte dem geheimnisumwobenen Magischen Zirkel angehören, mich mit anderen Zauberern verbünden und die Welt verblüffen. Ich besorgte mir alles über Zauberei, was ich bekommen konnte. Viel war das damals nicht: ein paar Bücher mit Kartentricks und anderen Kunststücken. Ich übte und übte. Später kam ich durch den Kontakt mit anderen Zauberern an neues Material.

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Viel Spaß!



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