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Ein George Clooney nur für mich

1. KAPITEL

Was soll ich tun?“

Schon als Alexandra Shanahan die Einladung erhalten hatte, mit Hollywoods derzeit erfolgreichstem Schauspieler Mittag essen zu gehen, war ihr erster Gedanke gewesen, dass es zu schön sei, um wahr zu sein.

Wie recht sie doch gehabt hatte!

„Ich möchte, dass Sie meine Geliebte spielen“, wiederholte Wolf Kerrick gelassen.

Sein Vorschlag war einfach absurd, ebenso wie die ganze Situation.

Alles an diesem Lunch fühlte sich verkehrt an: ihre Anwesenheit auf der Terrasse dieses feudalen Restaurants in Beverly Hills, in dem es für Normalsterbliche so gut wie unmöglich war, eine Reservierung zu bekommen. Der strahlend azurblaue Himmel über ihnen. Der betäubende Duft von Rosen und Gardenien, der die Luft ringsum erfüllte …

Vergeblich versuchte Alexandra, das aufgeregte Geflüster der anderen Gäste zu ignorieren. Alle beobachteten sie, oder besser gesagt, Wolf Kerrick. Kein Wunder, denn er war nicht nur ein Megastar, sondern außerdem noch ein atemberaubend attraktiver Mann. Das tiefschwarze Haar, die dunklen Augen und die sinnlichen Lippen verrieten seine irisch-spanische Herkunft, und mit seiner umwerfend männlichen Ausstrahlung stellte er jeden anderen Schauspieler in den Schatten.

Unter halb geschlossenen Lidern musterte er Alexandra nun eingehend. Auf der Leinwand wirkte er immer so sympathisch und zugänglich, doch in diesem Moment erinnerte er sie eher an einen unberechenbaren Krieger mit einem dunklen Geheimnis. Und gefährlichen Absichten …

„Es handelt sich um eine Art Publicitymaßnahme“, fügte er in gedehntem, fast gelangweiltem Tonfall hinzu. „Das Ganze wird nicht mehr als vier, höchstens sechs Wochen dauern. Und natürlich würden Sie für Ihren Einsatz ein großzügiges Honorar erhalten.“

Alexandra konnte nur schockiert seinen Blick erwidern. Mit zittrigen Fingern griff sie nach ihrem Wasserglas und trank hastig einen Schluck. Hätte sie heute Morgen doch wenigstens etwas Sommerlicheres angezogen! Die kalifornische Sonne brannte ihr erbarmungslos auf den Rücken, und sie hatte das Gefühl, in ihrer grauen Leinenjacke allmählich dahinzuschmelzen. „Tut mir leid, Mr. Kerrick, aber ich lasse mich nicht mit Schauspielern ein“, sagte sie so würdevoll wie möglich.

Um seine Mundwinkel zuckte es. Offenbar amüsierte ihn ihre Reaktion. „Das verlangt auch niemand von Ihnen“, stellte er klar. „Sie brauchen nur so tun als ob.“

Nervös trank Alexandra noch einen Schluck Wasser. Die Hitze machte es ihr zunehmend schwer, einen klaren Gedanken zu fassen. Warum hatte sie ihren Boss, der das Treffen arrangiert hatte, nicht gebeten, an dem Gespräch teilzunehmen? Daniel de Voors war einer der führenden Regisseure Hollywoods, und als er ihr mitgeteilt hatte, dass Wolf Kerrick ein Angebot für sie habe, hatte sie angenommen, dass es um einen Job als persönliche Assistentin oder etwas Ähnliches ging. Nicht einmal im Traum wäre sie auf die Idee gekommen, dass er auf der Suche nach einer Vorzeigegeliebten war.

„Warum ausgerechnet ich?“, fragte sie misstrauisch.

Er zuckte die breiten Schultern und ließ erneut den Blick über sie schweifen. „Sie sind jung, natürlich und durchschnittlich, also genau der Typ, mit dem sich die breite Öffentlichkeit identifizieren kann.“

Natürlich und durchschnittlich.

Das bedeutete im Klartext, dass er sie nicht attraktiv fand. Dabei hatte Alexandra sich an diesem Tag so viel Mühe mit ihrem Äußeren gegeben. Sie hatte sich sogar die Wimpern getuscht und etwas Lippenstift aufgelegt, obwohl sie normalerweise nie Make-up trug. Aber offenbar hätte sie sich die Mühe sparen können …

Sie atmete tief durch und schluckte die Kränkung herunter. „Aber ich verstehe immer noch nicht …“

„Die geplante PR-Aktion soll quasi der Schadensbegrenzung dienen“, erläuterte Wolf ihr lakonisch und veränderte fast unmerklich seine Sitzposition.

Es war nur eine kleine Bewegung, doch sie genügte, um Alexandras Aufmerksamkeit auf seinen durchtrainierten Oberkörper zu lenken. Wolf Kerrick war ein internationaler Filmstar und der Traum zahlloser Frauen. Die Aussicht, ihn persönlich kennenzulernen, hatte sie in Hochstimmung versetzt, doch nun fühlte sie sich nur noch gedemütigt und enttäuscht. Es gab keinen interessanten neuen Job. Nur diesen unmoralischen Vorschlag.

Entschlossen, sich von seiner überwältigend sinnlichen Ausstrahlung nicht einschüchtern zu lassen, straffte Alexandra die Schultern. Sie wollte ihn gerade fragen, was er mit „Schadensbegrenzung“ meinte, als ihr im selben Moment ein Licht aufging.

Joy Hughes!

Wolf Kerricks Liaison mit der verheirateten Schauspielerin hatte in letzter Zeit für zunehmend negative Schlagzeilen gesorgt. Und nun beabsichtigte er, mit ihrer, Alexandras, Hilfe seinen angeschlagenen Ruf wiederherzustellen.

„Falls es um Ihre Affäre mit Joy Hughes geht …“

„Es gibt keine Affäre“, unterbrach er sie scharf.

Unvermittelt spürte Alexandra Ärger in sich aufsteigen. Für wie dumm hielt dieser Mann sie eigentlich? Wolf Kerrick und Joy Hughes waren beide Megastars, und seit sich Anfang des Jahres eine Romanze zwischen ihnen angebahnt hatte, überschlug sich die Presse geradezu. Seit Monaten prangten Fotos der beiden auf den Titelseiten der Glamourmagazine, und die Tatsache, dass Joy mit einem einflussreichen Produzenten verheiratet war, sorgte noch für zusätzlichen Skandalstoff.

„Ihre Beziehung zu Mrs. Hughes ist nicht gerade ein Geheimnis.“

Wolfs markante Züge verhärteten sich, wodurch seine ausgeprägten Wangenknochen noch deutlicher hervortraten. „Diese angebliche Beziehung ist eine reine Erfindung der Medien, aber die Auswirkungen sind leider sehr real“, teilte er Alexandra mit. „Wenn wir durch die schlechte Presse weiter die Sympathien des Publikums verlieren, wird sich das drastisch in den Besucherzahlen der Kinos niederschlagen. Dagegen muss schnellstens etwas unternommen werden, zumal nicht nur ich davon betroffen bin, sondern auch alle anderen, die an meinen Filmen mitarbeiten.“

In diesem Punkt musste Alexandra ihm recht geben. Sie lebte jetzt seit vier Jahren in Hollywood und arbeitete seit fast drei Jahren für Paradise Pictures. Sie wusste, dass ein Film, der sich schlecht verkaufte, auf sämtliche Mitarbeiter negative Auswirkungen hatte. In diesem Geschäft ging es ausschließlich um Erfolg, und die Beteiligung an einem Flop war alles andere als karrierefördernd.

Nervös rieb sie sich die Schläfen und versuchte, ihre Aufgabe in dem Ganzen zu erkennen. „Aber was sollte es bringen, wenn Sie so tun, als hätten Sie eine Affäre mit mir? Auf diesen uralten Hollywood-Trick fällt doch kein Mensch mehr herein.“

„Da täuschen Sie sich“, klärte Wolf sie sanft, beinah nachsichtig auf. „Das Studio verlangt einen Beweis dafür, dass Joy und ich kein Thema mehr sind. Wenn alle Welt mich mit Ihnen sieht, würde ich ihn liefern, so einfach ist das.“

„Nur indem man uns zusammen sieht?“

Wolf Kerrick verzog spöttisch die Lippen. „Genau so läuft es. Die Paparazzi schießen ihre Fotos und saugen sich dazu irgendwelche Geschichten aus den Fingern. In den meisten Fällen ohne Interview oder eine verlässliche Quelle. Glauben Sie mir, wenn wir eine Woche lang miteinander ausgegangen sind, sind wir in aller Munde.“

Alexandra machte sich keine Mühe, ihre Skepsis zu verbergen.

„Manchmal genügt sogar schon ein einziges Foto“, fuhr er fort. „Aber fairerweise sollte ich Sie warnen: Sobald die Reporter Ihren Namen herausgefunden haben, werden sie sich alle möglichen Informationen über Sie beschaffen – wo Sie arbeiten, was Sie in Ihrer Freizeit tun, mit wem Sie schon ein Verhältnis hatten …“ Er hielt inne und musterte sie durchdringend. „Gibt es irgendeinen wunden Punkt in Ihrer Vergangenheit, auf den sich die Medien stürzen könnten?“

Alexandra schüttelte stumm den Kopf.

„Keine Skandale oder verärgerten Ex-Liebhaber?“

„Nicht, dass ich wüsste.“

Auf der abgelegenen Farm, auf der sie groß geworden war, hatte sie kaum Gelegenheit gehabt, Bekanntschaften zu schließen, und nachdem sie mit neunzehn nach Kalifornien gekommen war, war ihr Interesse daran schnell erloschen. Die meisten Männer, die sie hier kennengelernt hatte, waren oberflächlich, egozentrisch und extrem materialistisch eingestellt. Während Alexandra sich einen Partner wünschte, der über Qualitäten wie Charakterstärke, Verlässlichkeit und Großzügigkeit verfügte, waren die Männer in Los Angeles verrückt auf schnelle Autos, Fitnessstudios und teure Restaurants.

Und auf Frauen mit Silikonbrüsten.

„Es gibt nichts in meiner Vergangenheit, was die Presse interessieren könnte“, fügte sie steif hinzu.

Der frühe Tod ihrer Mutter und der Autounfall, bei dem die Frau ihres ältesten Bruders ums Leben gekommen war, dürften für die Glamourmagazine kaum von Bedeutung sein, wenngleich diese schmerzlichen Ereignisse indirekte Auslöser dafür gewesen waren, dass Alexandra Montana den Rücken gekehrt hatte. Aufgewachsen in einem frauen-losen Haushalt und ständig bevormundet von ihren fünf älteren Brüdern, hatte sie sich unbändig nach Freiheit und Unabhängigkeit gesehnt. Nach einer eigenen Identität und dem Gefühl, die Kontrolle über ihr Leben zu haben.

Ging sie jedoch auf dieses zweifelhafte Angebot ein, würde sie beides verlieren. Man würde sie verfolgen, fotografieren und belästigen …

„Sie müssten einige Wochen lang starke Nerven beweisen, aber es würde sich für Sie lohnen.“ Offenbar hatte Wolf Kerrick ihre Gedanken erraten. „Ich habe mit Daniel und den Studiobossen gesprochen. Falls Sie den Job annehmen, würden sie Ihnen danach eine Position als Regieassistentin anbieten.“

Zum ersten Mal fühlte Alexandra sich ernsthaft versucht. Als Regieassistentin würde sie unmittelbar in die Filmarbeiten mit einbezogen sein. Sie würde direkt am Set arbeiten und endlich der Tretmühle aus Kaffee holen, Fotokopien machen und Telefonate beantworten entrinnen. Andererseits stand Wolf Kerrick in dem Ruf, schon zahllose Frauen verführt zu haben …

Nein! Sie konnte es nicht tun. Und sie wollte es auch nicht.

„Offenbar halten Sie mich für sehr naiv, Mr. Kerrick, aber ich weiß genau, wie solche Arrangements ablaufen. Tut mir leid, aber ich bin nicht daran interessiert, mich die Karriereleiter hinaufzuschlafen.“

Für den Bruchteil einer Sekunde blitzte es überrascht in Wolfs Augen auf, dann verzog er die sinnlichen Lippen zu einem trägen Lächeln. „Ich versichere Ihnen, dass kein derartiges Risiko besteht, Miss Shanahan. Verzeihen Sie mir meine Offenheit, aber Sie sind wirklich nicht mein Typ.“

Alexandra spürte, wie ihr bei seinen Worten das Blut in die Wangen schoss. Natürlich war sie nicht sein Typ. Wolf Kerrick konnte so ziemlich jede Frau haben, die er wollte. Warum sollte er auch nur in Erwägung ziehen, mit jemandem wie ihr ins Bett zu gehen?

„Ich glaube nicht, dass das funktionieren würde“, brachte sie heiser hervor. „Für diese Aufgabe bin ich völlig ungeeignet.“ Abrupt stand sie auf und griff nach ihrer Handtasche, doch bevor sie den Tisch verlassen konnte, hielt Wolf sie am Handgelenk fest.

„Irrtum.“ In seinen dunklen Augen lag ein beunruhigendes Glitzern. „Sie sind dafür genau die Richtige.“

Seine Berührung löste ein elektrisierendes Prickeln auf Alexandras Haut aus. Gleichzeitig war sie sich auf einmal überdeutlich ihrer wenig eleganten Erscheinung bewusst. „Ich weiß sehr gut, dass ich keine Schönheitskönigin bin“, sagte sie leise, „aber das ist kein Grund, mich so sarkastisch darauf hinzuweisen.“

Anstatt sie loszulassen, verstärkte Wolf seinen Griff noch. „Das war als Kompliment gemeint, Miss Shanahan“, versicherte er ihr. „Schließlich würde ich nicht jede x-beliebige Frau darum bitten, meine Geliebte zu spielen.“

„Sollte ich mich jetzt geschmeichelt fühlen?“

„Allerdings.“

Seine Arroganz war der Gipfel! Offensichtlich bildete dieser Mensch sich ein, er könne die ganze Welt nach seiner Pfeife tanzen lassen.

„Dann tut es mir leid, dass ich Sie enttäuschen muss“, stieß sie zwischen zusammengebissenen Zähnen hervor und versuchte ungehalten, sich von ihm loszumachen. „Ich bin kein … Accessoire, Mr. Kerrick. Weder für Sie noch für sonst jemanden.“ Plötzlich bemerkte sie, dass die anderen Gäste mit wachsendem Interesse ihre Auseinandersetzung verfolgten. „Bitte lassen Sie mich los“, forderte sie ihn angespannt auf. „Die Leute starren uns schon an.“

„Das werde ich, aber erst, wenn Sie sich wieder hinsetzen und mich ausreden lassen.“

Sichtlich widerstrebend ließ Alexandra sich wieder auf ihrem Stuhl nieder.

„Lassen Sie nicht zu, dass Ihr Stolz Ihnen im Wege steht, Miss Shanahan“, fuhr Wolf fort, ohne sie aus den Augen zu lassen. „Ihr Boss sagte mir, Sie seien clever und ehrgeizig. Wollen Sie sich wirklich diese einmalige Chance entgehen lassen, sich einen Namen zu machen?“

Alexandra kämpfte gegen die heftige Übelkeit an, die sie zu übermannen drohte. Sie hatte auf Stresssituationen schon immer mit einem empfindlichen Magen reagiert. „Mir als was einen Namen machen?“, fuhr sie hitzig auf. „Als Ihre neueste Gespielin? Ja, ich bin ehrgeizig, Mr. Kerrick, aber nicht ehrgeizig genug, um mir auf diese Weise eine Beförderung zu erkaufen. Ich möchte wegen meiner beruflichen Fähigkeiten beim Film weiterkommen und nicht, weil man mich für Ihr Betthäschen hält. So etwas finde ich einfach … abstoßend.“

„Mag sein, aber so funktioniert es nun einmal.“

„Und das kommt Ihnen nicht unmoralisch vor?“

Wolf verzog keine Miene. „Nein, ich finde es eher praktisch.“

Natürlich. Er hatte ja auch kein Problem damit, sich mit einer verheirateten Frau einzulassen.

Ohne ein weiteres Wort sprang Alexandra auf und verließ fluchtartig den Tisch. Sie hätte dieses Gespräch keine Minute länger weiterführen können.

Auf dem Weg zum Damenwaschraum hallten unaufhörlich Wolf Kerricks Worte in ihrem Kopf wider: Sie sind genau die Richtige für den Job … Schadensbegrenzung … Sie brauchen nur so zu tun als ob … Ich finde es eher praktisch …

Kaum hatte Alexandra die Kabinentür hinter sich abgeschlossen, konnte sie die Tränen nicht länger zurückhalten. Genau deswegen hatten ihr Vater und ihre Brüder sie davor gewarnt, nach Kalifornien zu gehen. Immer wieder hatten sie ihr vor Augen geführt, dass sie zu jung und zu unerfahren sei, um in einem Haifischbecken wie Los Angeles zu überleben. Doch sie war wild entschlossen gewesen, ihnen das Gegenteil zu beweisen. Hatte ihnen zeigen wollen, dass sie es aus eigener Kraft schaffen konnte. Wenn sie jetzt einwilligte, Wolf Kerricks neueste Flamme zu spielen, nur um einen Job als Regieassistentin zu ergattern, wäre sie allerdings sehr weit von diesem Ziel entfernt.

Aber ich muss es ja nicht tun, überlegte Alexandra. Im Grunde brauchte sie nicht einmal an seinen Tisch zurückzugehen. Sie könnte einfach verschwinden und sich so weitere Demütigungen ersparen. Ja, genau, sagte sie sich und wischte sich entschlossen die Tränen von den Wangen. Ich fahre wieder ins Studio zurück und tue einfach so, als hätte dieses Treffen nie stattgefunden.

Etwas gefasster verließ sie den Waschraum, doch als sie beim Hinaustreten Wolf Kerrick erblickte, der lässig an der Wand lehnte und offenbar auf sie wartete, verspannte sie sich sofort wieder. „Es gibt nichts, was wir uns noch zu sagen hätten“, erklärte sie abweisend.

„Das sehe ich anders. Sie könnten zum Beispiel Ja sagen.“

„Das werde ich aber nicht tun.“

„Und warum nicht?“

Bei seinem schroffen Tonfall zuckte Alexandra zusammen, obwohl seine Reaktion sie eigentlich nicht hätte überraschen sollen. Zweifellos war Wolf Kerrick es gewohnt, seinen Willen durchzusetzen, und es passte ihm nicht, dass sie ihm einen Strich durch die Rechnung machte.

„Wie ich bereits sagte, liegen mir solche Tätigkeiten nicht“, antwortete sie kühl. „Ich möchte meinen Weg in Hollywood lieber auf meine Art machen.“

Wolf zog die dunklen Brauen skeptisch hoch. „Indem Sie weiter am Kopierer stehen, Telefonate durchstellen und Kaffee holen?“

„Zumindest behalte ich so meine Selbstachtung.“

„Es wäre wesentlich förderlicher für Ihre Selbstachtung, wenn Sie einen Job hätten, der Sie wirklich herausfordert.“

„Sie sollten Ihren PR-Berater feuern, Mr. Kerrick“, konterte sie schlagfertig. „Anscheinend hat er Sie dazu gebracht, diese abgedroschenen Phrasen selbst zu glauben, und das ist ein großer Fehler.“

Zu ihrer Verblüffung legte Wolf den Kopf in den Nacken und brach dann in schallendes Gelächter aus. „Sie mögen mich wirklich nicht, Miss Shanahan, stimmt’s?“

„Genau.“

„Warum eigentlich nicht?“

„Das spielt doch keine Rolle.“

„Für mich schon.“

„Ach, und wieso?“ Aufgebracht funkelte Alexandra ihn an. „Muss denn jeder ein Fan von Ihnen sein?“

Amüsiert betrachtete Wolf ihr zorngerötetes Gesicht. „Nein.“

„Gut, denn es wäre eine Lüge, wenn ich behaupten würde, dass Sie mir sympathisch sind. Früher habe ich Sie einmal bewundert und mir all Ihre Filme angesehen, aber da kannte ich Sie auch noch nicht persönlich. Jetzt sehe ich, wie Sie wirklich sind, und ich mag Sie ebenso wenig wie Ihr herablassendes chauvinistisches Auftreten.“

Er schob die Hände in die Hosentaschen und wippte langsam auf den Absätzen vor und zurück. „Ihre Ehrlichkeit ist wirklich erfrischend, Miss Shanahan. Aber Sie müssen mich ja nicht unbedingt mögen, um mit mir auszugehen, oder?“

„Sie sind wirklich unglaublich hartnäckig.“

Einen langen Augenblick betrachtete Wolf sie nachdenklich. „Warum sind Sie überhaupt nach Hollywood gekommen, Alexandra? Wenn Sie hier alles so verlogen finden und nicht einmal bereit sind, einen Schauspieler näher kennenzulernen, frage ich mich, was Sie eigentlich noch hier hält.“

Seine Worte versetzten ihr einen schmerzlichen Stich. Wie oft hatte sie sich schon dieselbe Frage gestellt? „Weil ich Filme liebe und irgendwann einmal selbst welche machen will“, erwiderte sie leise. „Zumindest hoffe ich, eines Tages größeren Einfluss auf den Produktionsprozess zu haben, als es im Moment der Fall ist.“

„Das könnten Sie schon jetzt.“ Wolfs Stimme klang samtweich und sehr überzeugend. „In einem Monat beginnen die Dreharbeiten zu Glühender Himmel. Arbeiten Sie mit mir zusammen, Alexandra. Lassen Sie uns gemeinsam dafür sorgen, dass der Film ein Erfolg wird und die Jobs von Dutzenden von Leuten gerettet werden.“

Alexandra biss sich unschlüssig auf die Lippe. Sie liebte es, Dinge in Bewegung zu setzen und etwas Positives zu tun, doch sie traute Wolf Kerrick noch immer nicht. „Sie glauben also wirklich, wir könnten es schaffen, die Presse auf unsere Seite zu ziehen?“

Er sah sie an, als wäre ihm nie etwas ernster gewesen. „Wenn ich es nicht täte, wäre ich jetzt nicht hier.“

2. KAPITEL

Wolf begleitete Alexandra noch bis vor den Hoteleingang. Während sie schweigend darauf wartete, dass der Hotelangestellte ihren Wagen vorfuhr, spürte sie seine Musterung wie eine körperliche Berührung.

Das eigentliche Problem war nicht sein Angebot – ja, nicht einmal die Frage, wie sie es mit ihren Wertvorstellungen vereinbaren sollte. Es war einfach ihr Mangel an Erfahrung, der Alexandra Sorgen machte. Sie hatte keine Ahnung, wie sie mit einem Mann wie Wolf Kerrick umgehen sollte. Allein die Vorstellung, mit ihm auszugehen, war beängstigend.

Andererseits würden es ja keine echten Verabredungen sein, sagte sie sich. Sie würden sich weder küssen noch auf andere Weise körperlichen Kontakt haben … Schon bei dem bloßen Gedanken daran durchflutete sie jähe Hitze. Offensichtlich fehlte es ihr wirklich an Erfahrung.

„Also gut, ich werde es mir überlegen“, brach sie schließlich das Schweigen. Sie sah kurz zu Wolf auf, wandte sich jedoch sofort wieder ab, als sie seinem Blick begegnete. „Angenommen, ich gehe auf Ihren Vorschlag ein … wie würde es dann weitergehen?“

Falls er glaubte, bereits gewonnen zu haben, ließ er es sich jedenfalls nicht anmerken. „Zuerst würden wir einen Vertrag aufsetzen lassen, in dem eine angemessene Vergütung für Ihre Tätigkeit festgelegt wird“, antwortete er sachlich. „Dann würden Sie mich regelmäßig zu Premieren, Partys und anderen gesellschaftlichen Ereignissen begleiten, damit wir möglichst oft zusammen in der Öffentlichkeit gesehen werden.“

So wie er es sagte, klang es ganz simpel, doch Alexandra war nun einmal kein Glamourgirl, das sich auf Filmpremieren und Jetset-Partys wie zu Hause fühlte. Aufgewachsen bei ihrem Vater und ihren fünf älteren Brüdern, ohne die leitende Hand einer liebevollen Mutter, hatte sie sich zu einem kaum zu bändigenden Wildfang entwickelt, dem als Teenager jedes Interesse für Modezeitschriften oder hübsche Kleider fehlte.

„Was macht Sie eigentlich so sicher, dass man uns unsere angebliche Affäre glauben wird?“ Entschlossen schob Alexandra jeden Gedanken an Montana und die Lazy L-Ranch beiseite. „Schließlich bin ich nicht gerade der Typ, den Sie normalerweise bevorzugen.“

„Sie sollten nicht alles glauben, was Sie in den Klatschspalten lesen.“

Da hatte er allerdings recht. Andererseits hatte Alexandra die Fotos der Frauen gesehen, mit denen Wolf Kerrick sich vorzugsweise amüsierte – Starlets, Models und vollbusige Playmates. Keine Frage, der Geschmack dieses Mannes tendierte eindeutig zu Frauen mit mehr Oberweite als Köpfchen. Alexandra dagegen war schon seit Langem klar, dass ihre Stärke nicht in ihrer Körbchengröße lag.

Spätestens auf der Highschool hatte sie begriffen, dass ihr nur zwei Wege offenstanden: der des hübschen oder der des cleveren Mädchens. Auf der einen Seite gab es die Cheerleader und Schönheitsköniginnen, auf der anderen die Intelligenzbestien und Bücherwürmer. Beides gleichzeitig zu sein war unmöglich, also hatte Alexandra beschlossen, zu den Cleveren zu gehören.

„Wir wissen beide, dass ich nicht attraktiv genug bin, um überzeugend Ihre neue Eroberung zu spielen.“

„Das könnten Sie aber, wenn Sie ein bisschen mehr aus sich machen würden“, hielt Wolf dagegen.

Alexandra biss sich auf die Lippe und vermied es, in seine Richtung zu sehen. „Ich bin nicht daran interessiert, mich mit Hilfe von Haarteilen, falschen Fingernägeln und Pushup-BHs in ein hirnloses Sexpüppchen zu verwandeln.“

„Du liebe Güte, Alexandra, Sie sollen Ihre Frisur verändern, nicht Ihre Persönlichkeit.“

Statt einer Antwort warf sie ihm nur einen ungläubigen Blick zu.

„Sie sind eine intelligente Frau“, hielt Wolf ihr vor Augen. „Somit scheidet die Kategorie Hirnloses Sexpüppchen von vornherein für Sie aus.“

Seine Worte hätten sie beruhigen sollen, stattdessen brachten sie Alexandra noch mehr aus der Fassung. Außerdem verspürte sie jedes Mal, wenn er sie ansah, am ganzen Körper ein Kribbeln, als wäre sie elektrisch aufgeladen.

„Ich will mich einfach nicht lächerlich machen“, gestand sie zögernd. „Bekanntermaßen hat die Regenbogenpresse eine Vorliebe dafür, unvorteilhafte Fotos von Prominenten zu veröffentlichen, damit die Leser sich darüber lustig machen können.“

„Keine Sorge. Bevor wir an die Öffentlichkeit gehen, wird Ihnen ein Team von Visagisten und Stylingberatern zur Seite gestellt.“

Gegen ihren Willen fand Alexandra den Gedanken verlockend. Sie versuchte, sich vorzustellen, wie eine Riege von Topstylisten sie in eine atemberaubende Hollywoodschönheit verwandelte, doch es gelang ihr beim besten Willen nicht. Obwohl sie seit ihrem Weggang aus Montana mehr als zwanzig Pfund abgenommen hatte, sah sie sich immer noch als das pummelige Mädchen vom Lande, das den ganzen Tag in Jeans und abgewetzten Cowboystiefeln herumlief. „Es gibt doch so viele schöne junge Schauspielerinnen“, wandte sie ein. „Warum fragen Sie nicht eine von ihnen?“

„Weil junge Schauspielerinnen sehr leicht den Bezug zur Realität verlieren. Ich will einfach nur, dass dieser Film gemacht wird, und zwar ohne emotionale Komplikationen.“

Eine Weile ließ Alexandra sich seine Worte durch den Kopf gehen. „Sie brauchen also jemanden, der sich nicht in Sie verliebt?“ Es war eher eine Feststellung als eine Frage.

„Sie haben es erfasst.“

Zum Glück blieb Alexandra ein Kommentar dazu erspart, da in diesem Moment ihr kleiner blauer Ford Escort vorgefahren wurde. Der Hotelangestellte stieg aus und hielt ihr höflich die Wagentür auf.

Bevor Alexandra hinters Steuer glitt, warf sie Wolf einen kurzen Blick zu und ...

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