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Ein Ehemann zum Verlieben

PROLOG

Suzanne McCoy trat auf die Veranda hinaus und atmete tief ein. Die Luft roch anders als in Dallas, wo sie bis vor sechs Tagen gewohnt hatte, dem Tag, an dem sich ihr Leben radikal verändert hatte. Ihre Cousine Mary Lee und deren Ehemann waren bei einem Autounfall ums Leben gekommen. Ein älterer Mann hatte am Steuer seines Trucks einen Herzanfall erlitten und war frontal mit ihrem Wagen zusammengestoßen.

Mary Lee und Rodger waren vor einem Jahr auf die Ranch nach Cactus gezogen, einem kleinen Ort im Westen von Texas. Suzanne hatte sie und die Kinder sehr vermisst. Josh war damals drei Jahre alt gewesen und Mandy ein Jahr. Sie hatte gerade die ersten unsicheren Schritte gemacht und angefangen zu sprechen. Die beiden Kinder hatten sich in dem einen Jahr unglaublich verändert.

Suzanne lehnte sich gegen das Geländer. Die Kinder hatten jetzt nur noch sie. Und deshalb hatte Suzanne ohne zu zögern ihr Leben in Dallas aufgegeben und war auf die Ranch gezogen. Was bedeutete schon ein Job bei einer Versicherungsgesellschaft verglichen mit der Aufgabe, Josh und Mandy über den Verlust der Eltern hinwegzuhelfen und sie aufzuziehen?

Suzanne liebte Kinder, hatte jedoch nicht vor, jemals zu heiraten, da sie bisher von jedem Mann, ihr eigener Vater eingeschlossen, betrogen worden war.

Im Haus war alles still, die Kinder schliefen tief und fest. Suzanne nutzte den Moment, um zur Unterkunft der Cowboys zu gehen. Bis heute hatte sie kaum Zeit gehabt, über ihre Situation nachzudenken, geschweige denn, sich um die Arbeit auf der Ranch zu kümmern. Die Kinder hatten sie zu sehr in Anspruch genommen.

Jetzt aber hatte sie einige Fragen. Und wer könnte sie besser beantworten als der Verwalter, den Rodger gerade noch eingestellt hatte?

Die frische Brise an diesem Abend schickte fröstelnde Schauer über ihren Rücken. Als Suzanne sich dem Holzhaus näherte, war es mit der friedlichen Stille vorbei. Sie hörte laute Stimmen. Ja, sogar Gelächter. Sie selbst hatte nicht mehr gelacht, seit die Nachricht von Mary Lees und Rodgers Tod sie erreicht hatte.

Suzanne blieb vor der Tür stehen, um das Gespräch nicht zu unterbrechen. Sie hörte, wie jemand energisch auf irgendetwas schlug, als wollte er die anderen zur Ordnung rufen.

Einer der Männer erhob die Stimme. „Wir werden alle reich werden! Der Anfang ist gemacht. Und wir werden noch mehr bekommen, weil die Lady keine Ahnung von einer Ranch hat. Sie ist viel zu sehr mit den Kindern beschäftigt.“

Suzanne erstarrte. Heiße Wut stieg in ihr auf und verhinderte jeden logischen Gedanken oder überlegtes Handeln. Sie riss die Tür auf, stürmte in den Raum, marschierte zu dem Mann am Kopfende des Tisches und verpasste ihm eine schallende Ohrfeige. Dann drehte sie sich zu den anderen um. „Die Lady begreift schnell. Ihr habt genau fünfzehn Minuten Zeit, von hier zu verschwinden. Bis dahin ist der Sheriff da, und ich zeige euch alle an.“

Plötzlich herrschte ein wildes Durcheinander. Suzanne bekam ihren Zorn in den Griff und erkannte, dass sie sich besser davongeschlichen und erst den Sheriff angerufen hätte. Dafür war es jetzt zu spät.

Als sich der Staub gelegt hatte, saß nur noch ein alter Cowboy in der Ecke des Raumes. Er schnitzte an einem Stück Holz herum.

„Haben Sie keine Angst vor dem Sheriff?“, fragte Suzanne unfreundlich.

„Nein. Ich habe nichts gemacht. Ich arbeite hier, seit ich fünfzehn war. Ich habe Sie nicht bestohlen, Ma’am. Ich habe denen gesagt, dass ich mit diesem Schwindel nichts zu tun haben will.“

„Warum haben Sie mich nicht gewarnt?“

„Ich habe darüber nachgedacht. Bisher haben sie noch keinen großen Schaden angerichtet. Die Herde ist groß. Aber Sie haben jetzt ein anderes Problem.“

„Welches?“

„Wer soll die Arbeit machen?“

„Besser, ich mache sie, als dass ich zusehe, wie die beiden Kinder ausgeraubt werden.“

„Sicher, Ma’am. Aber ich glaube, Sie haben keine Ahnung von Viehhaltung … oder Farmarbeit überhaupt.“ Er drehte sich um und spuckte Tabak auf den Boden. Da er sowieso nicht besonders sauber war, sagte Suzanne nichts. Außerdem wurde ihr langsam bewusst, dass der Mann recht hatte. Sie hatte ein echtes Problem.

„Wie viele Cowboys brauche ich, um diese Farm zu bewirtschaften?“

„Nun, wenn es so erfahrene Männer sind wie die von Ryan, dann wäre es mit vier oder fünf zu schaffen.“

„Wer ist Ryan?“

„Ryan Walker. Der Nachbar westlich.“

„Wahrscheinlich habe ich ihn auf der Beerdigung kennengelernt.“

„Vielleicht. Er ist der beste Rancher weit und breit.“

„Meinen Sie, er hilft mir mit ein paar Männern aus?“

„Nein. Er hat selbst eine große Farm.“

Suzanne seufzte frustriert. „Und was soll ich jetzt machen?“

„Sprechen Sie als Erstes morgen früh mit dem Sheriff.“

1. KAPITEL

„Komm schon, Josh.“ Suzanne zog den Jungen an der Hand hinter sich her zum Büro des Sheriffs.

Die Tür flog auf, und ein stämmiger Mann stürmte heraus. Offensichtlich hatte er es eilig. Fast hätte er Suzanne über den Haufen gerannt.

„Entschuldigen Sie, Ma’am. Ich habe Sie nicht gesehen.“

Bevor sie etwas sagen konnte, tippte er schon an seinen Hut, und weg war er.

„Mann! Der hatte es aber eilig!“ Suzanne drückte Mandy, die sie auf der Hüfte trug, fester an sich. „Alles in Ordnung, Kleines?“

Das Kind nickte und verbarg das Gesicht in Suzannes rötlich-braunen Haaren.

„Was ist mit dir, Josh? Er hat dich nicht getreten, oder?“

„Nein, Susie.“

Seufzend betrat Suzanne das Büro. „Ich möchte mit Sheriff Cal Baxter sprechen. Ist er da?“

„Ja, das ist er. Das sind doch Mary Lees und Rodgers Kinder, oder? Die Armen. Wen darf ich melden?“

„Suzanne McCoy. Ich bin der Vormund von Josh und Mandy.“

„Freut mich. Ich bin Gladys. Nehmen Sie doch bitte Platz. Ich bin sofort zurück.“

Suzanne setzte sich. Sie ließ Joshs Hand los und klopfte auf den Stuhl neben sich. „Setz dich, Schatz. Du bist doch noch ganz müde.“

Der kleine Junge kletterte auf den Stuhl. Seit Suzanne nach Cactus gekommen war, hatte er noch nicht ein einziges Mal gelächelt. Sie machte sich Sorgen um Josh. Mandy hatte bisher jeden Morgen nach ihrer Mutter gerufen und geweint. Aber die Tränen trockneten schnell wieder. Manchmal nannte sie Suzanne aus Versehen sogar Mom, doch dann erinnerte Josh sie sofort daran, dass es nicht ihre Mom war, sondern Susie. So hatte Mary Lee sie immer genannt.

Gladys kehrte zurück, gefolgt von einem großen Cowboy.

„Guten Morgen, Miss McCoy. Kommen Sie doch bitte in mein Büro. Soll Gladys sich um die Kleinen kümmern?“

„Nein, sie bleiben besser bei mir.“

Nachdem sie vor dem Schreibtisch des Sheriffs Platz genommen hatten, erzählte Suzanne von der Ereignissen des gestrigen Abends.

„Ich hatte Angst vor der Reaktion der Männer, deshalb habe ich gesagt, Sie wären bereits auf dem Weg zur Ranch. Ich weiß, ich hätte Sie wirklich erst anrufen und mich dann an Ihre Anweisungen halten sollen.“ Suzanne senkte die Stimme. „Ich habe leider die Beherrschung verloren.“

Der Sheriff lächelte. „Kein Wunder. Übrigens war eben einer Ihrer Nachbarn hier und hat mir von seinem Verdacht erzählt, dass auf Ihrer Ranch irgendetwas nicht in Ordnung ist. Ich wollte gerade zu Ihnen kommen.“

„Oh, das war ja nett von ihm.“

„Ja.“

„Der alte Mann hat mir gesagt, dass er darüber nachgedacht hat, mit mir zu sprechen.“

„Ich vermute, Sie meinen den alten Al.“

„Ja, ich glaube, sein Name ist Al.“

„Seien Sie nachsichtig mit Al. Er ist schon über achtzig, und die Farm ist sein Zuhause. Bei ihm geht es nicht mehr so schnell.“

„Verstehe. Aber er hat gesagt, dass ich unbedingt ein paar Leute für die Farm brauche. Ich selbst habe keine Ahnung von der Rancharbeit.“

„Am besten sprechen Sie mit Ryan Walker. Er ist der Nachbar, der mir von seinem Verdacht berichtet hat. Der Mann kennt sich aus. Und dass er nebenan wohnt, macht die Sache einfacher. Sie könnten natürlich auch bei der Job-Agentur nachfragen, aber ich glaube, die Mühe können Sie sich sparen.“

„Und Sie schnappen sich diese Cowboys?“

„Ich werde nach ihnen Ausschau halten. Und mein Vertreter auch. Aber ich fürchte, sie haben den Staat schon verlassen. Ich werde mal mit Al darüber sprechen, was sie vorhatten.“

„Danke, Sheriff.“

Als die Kinder und sie wieder auf dem Bürgersteig standen, überlegte Suzanne ihren nächsten Schritt. Sie fand die Agentur für Vermittlung von Farmarbeitern, allerdings öffnete das Büro erst um neun Uhr. Da entdeckte sie den Lemon Drop Shop auf der anderen Seite des Marktplatzes. Ein kurzer Blick auf Josh, und die Entscheidung war gefallen.

„Josh, was hältst du von einer Limonade und einem Snack, während wir darauf warten, dass die Agentur öffnet?“

Der Junge wurde etwas munterer. Zwar zuckte er nur gleichgültig mit den Schultern, folgte Suzanne dann aber brav. Im Laden stellte Suzanne fest, dass es gefüllte Blätterteigrollen und süße Brötchen gab. Sie wählte für alle aus und ging zum Bezahlen an die Kasse.

„Hallo. Sie sind doch der Vormund von Mary Lees und Rodgers Kindern, nicht wahr?“

Suzanne blickte überrascht auf. „Ja, bin ich. Entschuldigen Sie, aber ich weiß nicht …“

„Natürlich nicht. Ich bin Katherine Dawson. Alle nennen mich Katie. Suchen Sie sich doch schon einen Tisch aus. Ich bringe Ihnen gleich Ihre Bestellung.“

„Das ist sehr nett. Danke.“

„Darf ich mich ein paar Minuten zu Ihnen setzen?“, fragte Katie, als sie mit den Getränken und den Brötchen kam.

Suzanne nickte und stellte sich vor. „Ich bin von Dallas hierhergezogen, um mich um die Kinder zu kümmern.“

„Oh, schön. Dann bleiben Sie also. Wir hatten schon Angst, Sie würden die Kinder mit nach Dallas nehmen.“

Suzanne schüttelte den Kopf. „Vielleicht wäre es besser. Ich habe keine Ahnung vom Leben auf einer Ranch und …“ Sie machte eine kurze Pause und erzählte dann, was am vergangenen Abend passiert war.

„O nein! Wie fürchterlich!“

„Was ist denn passiert, Katie?“, fragte eine ältere Frau, die sich mit einer Freundin dem Tisch näherte.

„Oh, guten Morgen, Mabel. Morgen, Florence. Kennt ihr schon Suzanne McCoy?“ Sie sah Suzanne an. „Haben Sie etwas dagegen, wenn sich die beiden Damen zu uns setzen?“

„Nein, natürlich nicht.“ Suzanne stimmte zu, obwohl sie eigentlich keine Lust hatte, jedem ihre Geschichte zu erzählen.

Katie übernahm es, die Ladies zu informieren. Schließlich fragte sie Suzanne: „Was gedenken Sie zu tun?“

„Der Sheriff meint …“

„Er ist mein Sohn“, schob Mabel Baxter stolz ein.

„Ach ja? Also, er hat versprochen, nach den Cowboys zu suchen, bezweifelt aber, dass sie noch in der Gegend sind.“

„Und jetzt?“, fragte Florence.

„Ich brauche dringend Leute, die mir auf der Ranch helfen.“

„Sprechen Sie mit Ryan Walker.“ Mabel unterstrich ihre Worte mit einem energischen Kopfnicken.

„Das hat Ihr Sohn auch vorgeschlagen.“

„Er hat recht. Ryan ist ein begnadeter Rancher“, stimmte Florence zu. Plötzlich hellte sich ihr Gesicht auf. Sie blickte erst Mabel, dann Suzanne an. „Sagen Sie, meine Liebe. Sind Sie … in festen Händen?“

Suzanne starrte die Frau verständnislos an. Der plötzliche Themenwechsel überraschte sie. Schließlich antwortete sie: „Nein. Aber was die Ranch betrifft …“

„Ja, ja. Wissen Sie, mir ist gerade ein Gedanke gekommen. Ryan braucht einen Babysitter.“ Suzanne sah Florence verwundert an.

„Tatsächlich?“

„Ja. Beth ist … wie alt ist Beth jetzt, Katie?“

„Sie ist gerade drei geworden. Ihrer Mutter hat das Leben auf der Ranch nicht gefallen. Sie hat sich mit einem Städter aus dem Staub gemacht. Damals war Beth sechs Monate alt. Seitdem kümmert Ryan sich allein um seine Tochter, was natürlich nicht immer ganz einfach ist. Ihm fehlt oft ein zuverlässiger Babysitter.“

„Und Sie glauben, wenn ich ihm anbiete, auf Beth aufzupassen, dann hilft er mir auf der Ranch?“ Suzanne war skeptisch.

„Es wäre besser, Sie würden ihn heiraten“, stellte Mabel ganz pragmatisch fest.

Suzanne starrte die Frau an, als wäre sie verrückt geworden.

Katie beeilte sich zu sagen: „Das war nicht ernst gemeint. Aber Sie sollten tatsächlich mit Ryan sprechen. Außerdem haben Sie eine gute Wasserversorgung auf Ihrem Stück Land. Ryan könnte sich vielleicht auf einen Deal einlassen. Anteil an den Wasserrechten für ein paar Cowboys.“

Suzanne nickte und ließ das Thema fallen. Sie drängte die Kinder, ihre Brötchen aufzuessen, damit sie endlich die Job-Vermittlung aufsuchen konnten. Als sie den Laden verließ, sah sie die beiden älteren Damen in die entgegengesetzte Richtung verschwinden.

Der Vermittler war keine Hilfe. Auch er riet Suzanne, sich an Ryan Walker zu wenden. Sie dankte ihm und fuhr mit den Kindern nach Hause.

Den Rest des Tages dachte Suzanne über den Ratschlag nach, den sie in der Stadt bekommen hatte, und beschloss darauf, Ryan nach Sonnenuntergang aufzusuchen. Al würde in der Zeit auf die Kinder aufpassen.

Suzanne warf einen letzten prüfenden Blick in den Spiegel. Sie trug ein elegantes Kostüm in der Hoffnung, Ryan Walker mit ihrer Professionalität zu beeindrucken. Die langen rotbraunen Haare hatte sie im Nacken zu einem Knoten gesteckt. Sie wollte einen kühlen und ruhigen Eindruck vermitteln. Immerhin traf sie mit dem besten Rancher im Land zusammen.

Sie holte tief Luft und vergewisserte sich noch einmal, dass Al und die Kinder versorgt waren. „Ich bin bald zurück“, versprach sie und gab sich betont fröhlich.

„Wirklich?“ Josh machte ein finsteres Gesicht.

„Ich gehe nur zu unserem Nachbarn, Josh. Ich bin bald zurück.“ Das hatten die Eltern der Kinder auch gesagt. Und sie waren nicht zurückgekehrt. Mit Tränen in den Augen wandte Josh sich ab. Er traute Suzannes Versprechen nicht. Al lenkte den Jungen ab und gab Suzanne ein Zeichen zu gehen.

Suzanne fuhr in die Richtung, die Al ihr beschrieben hatte. Sie hielt Ausschau nach dem Farmhaus oder zumindest einer Einfahrt. Nach zwanzig Minuten fragte sie sich, ob sie in die falsche Richtung gefahren war. Endlich entdeckte sie ein Haus. Auf dem Briefkasten an der Straße las sie Walker.Sie hatte den berühmten Ryan Walker gefunden. Sie fuhr vor das Haus vor und stieg aus.

Suzanne strich glättend über ihr Kostüm, dann stieg sie die Treppe zur Veranda hinauf. Sie sah kein Licht, doch vielleicht lagen die Küche und das Wohnzimmer im hinteren Teil des Hauses und waren von der Straße aus nicht zu sehen. Sie klopfte. Keine Reaktion. Sie klopfte erneut, etwas lauter dieses Mal. Das dritte Mal hämmerte sie gegen die Tür.

Sie würde nicht wegfahren, ohne mit dem Mann gesprochen zu haben. Ungeduldig lief sie die Treppe hinunter und ging um das Haus herum. Auch hier war alles dunkel. Sie kehrte zur Veranda zurück, setzte sich auf die oberste Stufe und überlegte, was sie jetzt tun sollte.

In dem Moment sah sie die Scheinwerfer eines Wagens. Vielleicht war Walker in der Stadt gewesen und kehrte jetzt zurück. Sie hoffte es.

Suzanne schob eine Haarsträhne hinters Ohr und stand auf, als ein schwarzer Truck in die Einfahrt einbog. Ohne anzuhalten fuhr er an ihr vorbei. Suzanne lief um das Haus herum und atmete erleichtert auf, als der Truck dort parkte. Ryan Walker war müde von dem anstrengenden Tag. Er hatte viele Stunden im Sattel verbracht und war dann in die Stadt gefahren, um seine dreijährige Tochter Beth von seiner Cousine Millie abzuholen. Er wollte keine Gesellschaft, vor allem nicht von einer eleganten Städterin.

Im ersten Moment hatte er gefürchtet, bei der Frau auf seiner Veranda handelte es sich um Tiffany, seine Exfrau. Und die wollte er nie wiedersehen.

Außerdem hatte er Wichtigeres zu erledigen, als einen Gast zu empfangen. Er musste unbedingt Mabel und Florence anrufen und ihnen klarmachen, dass er an einer Heirat absolut nicht interessiert war. Millie hatte ihm erzählt, dass die beiden Damen sie besucht und ihr gesagt hatten, sie täte ihm einen großen Gefallen, wenn sie sich nicht länger um Beth kümmerte. Dann würde er diese Lady heiraten, die gerade nach Cactus gezogen war. Blöde Weiber!

„Daddy? Was ist?“ Beth sah ihn fragend an.

„Ich bin zu müde für Besuch. Vor dem Haus wartet eine Lady.“

„Warum?“

Mehrere Antworten lagen ihm auf der Zunge, doch Beth war erst drei Jahre alt, und er wollte seine geliebte Tochter nicht erschrecken.

„Ich weiß nicht. Aber ich werde es herausfinden, während du dir die Hände wäschst.“

„Essen wir jetzt die Hamburger?“

„Natürlich.“ Auf dem Nachhauseweg hatte er an einem Fast-Food-Restaurant angehalten, da er zu müde war, um noch zu kochen.

„Geh schon ins Badezimmer. Ich bin gleich zurück.“

Lustlos ging er an die Haustür und schaltete das Licht auf der Veranda ein. „Hallo.“

„Oh! Mr. Walker. Sie sind doch Mr. Walker, nicht wahr?“

Verdammt! Das war die Frau, die er heute Morgen fast umgerannt hätte. Er erkannte sie sofort an ihren roten Haaren, auch wenn sie jetzt hochgesteckt waren.

„Ja. Was wollen Sie?“, fragte er unhöflich und barsch. Er hatte keine Zeit und kein Interesse an hübschen Städterinnen.

„Ich habe gehört, dass Sie in diesem County der erfahrenste Rancher sind.“ Ihre Stimme klang kühl, fast skeptisch, was ihn störte.

„Ja, mag sein.“

„Ich bin Ihre Nachbarin. Mein Name ist Suzanne McCoy. Ich kümmere mich um Mary Lees und Rodgers Kinder.“ Er nickte nur. „Ich habe ein Problem.“

„Welches?“

„Ich habe keine Farmarbeiter mehr außer Al.“

„Wo sind Ihre Leute?“

„Ich habe sie gefeuert, weil sie die Kinder bestohlen haben.“ Sie hob trotzig das Kinn, als erwartete sie, von ihm zu hören, dass sie einen Fehler gemacht hatte.

„Gut. Ich war mir nicht sicher, dass Sie es wissen.“

Sie senkte den Blick. „Ich weiß es erst seit gestern. Ich habe zufällig gehört, wie sie damit geprahlt haben. Ich habe sie gefeuert, ohne den Sheriff anzurufen. Die Männer haben daraufhin Hals über Kopf die Ranch verlassen, und jetzt weiß niemand, wo sie sind.“

„Und?“

„Ich brauche ein paar Cowboys, Mr. Walker. Und ich weiß überhaupt nicht, was diese Männer tun oder können müssen oder wie ich beurteilen soll, ob es gute, ehrliche Arbeiter sind. Jeder, mit dem ich gesprochen habe, hat mir geraten, mich an Sie zu wenden. Bitte, werden Sie mir helfen?“

„Haben Sie mit Florence und Mabel gesprochen?“

„Ja, das habe ich.“

„Okay, Miss McCoy, ich schicke Ihnen für eine Woche zwei meiner Männer. Länger kann ich sie nicht entbehren. Aber egal, welchen Floh Mabel und Florence Ihnen ins Ohr gesetzt haben, ich werde Sie nicht heiraten!“

2. KAPITEL

Suzanne wich einen Schritt zurück. War der Mann verrückt geworden? „Was?“

„Sie haben mich genau verstanden. Diese Frauen betätigen sich ständig als Kupplerinnen. Aber nicht mit mir. Ich bin nicht auf der Suche nach einer Frau.“

„Und ich nicht nach einem Mann!“ Suzannes Wangen glühten vor Wut.

„Sie scheinen überrascht? Haben diese Frauen Ihnen nicht nahegelegt, mich zu heiraten?“

Suzanne wollte gerade sagen, dass kein normaler Mensch so etwas vorschlagen konnte, als sie sich an Mabels Bemerkung erinnerte. „Stimmt, Mabel hat irgendetwas von Heirat gesagt. Aber ich habe das für einen Scherz gehalten.“

„Jetzt wissen Sie, dass es keiner war. Aber ich bin nicht interessiert. Okay? Doug und Hinney sind morgen früh bei Ihnen.“ Er wollte die Tür schließen, doch Suzanne stoppte ihn.

„Mabel und Florence haben ein Tauschgeschäft vorgeschlagen.“

„Tauschgeschäft? Ich glaube nicht, dass Sie etwas haben, woran ich interessiert bin.“

Seine Worte waren beleidigend, und Suzanne war kurz davor aufzugeben. Doch sie brauchte Hilfe. Also biss sie die Zähne zusammen und sagte nur ein Wort. „Babysitter.“

„Daddy?“ Beth klammerte sich an seine Beine und sah die fremde Frau neugierig an.

„Beth, geh zurück in die Küche. Fang schon mal an zu essen, okay?“

Suzanne merkte, dass seine Stimme sanfter klang, als er mit seiner Tochter sprach. Sie ging in die Hocke. „Hallo, Beth. Ich bin Suzanne. Wie geht’s?“

„Gut.“ Beth strahlte Suzanne an.

„Beth, geh sofort in die Küche!“, befahl Ryan alles andere als sanft. Überrascht blickte Beth zu ihm auf und rannte dann weg.

„Ich wollte ihr nichts tun“, protestierte Suzanne.

„Sie kennen sie nicht, und so soll es auch bleiben. Selbst fürs Babysitten übernehme ich nicht die Ranch. Das wollten Sie doch, oder?“

Suzanne richtete sich auf und straffte die Schultern. „Die Damen haben auch Wasserrechte erwähnt.“ Sie wartete auf seine Reaktion.

„Ja. Sie haben die Kontrolle über die Wasserressourcen, ich nicht. Gratuliere. Meine beiden Männer sind morgen früh bei Ihnen. Sorgen Sie dafür, dass Sie bis Ende der Woche Ihr Problem gelöst haben.“ Dann schlug er ihr die Tür vor der Nase zu.

Suzanne ärgerte sich über sein unhöfliches Benehmen. Aber sie wagte nicht, noch einmal gegen seine Tür zu hämmern. Er könnte seine Zusage zurücknehmen, ihr zumindest eine Woche lang zwei seiner Männer zur Verfügung zu stellen. Und das durfte sie nicht riskieren. Und bis zum Ende dieser Woche fand sie sicherlich einige Cowboys, die Arbeit suchten. Irgendwie würde sie es schaffen, Joshs und Mandys Erbe zu bewahren.

Suzanne war am nächsten Morgen vor Tagesanbruch auf den Beinen, um die beiden Cowboys zu begrüßen, die Ryan Walker ihr schicken wollte. Gestern Abend hatte sie Al noch informiert, dass sie vorübergehend Hilfe bekommen würden.

„Ich werde heute für alle etwas kochen. Und ich möchte, dass Sie den beiden Männern helfen, so gut es geht.“ Suzanne wusste, dass die Arbeit für den alten Mann schwer war, doch er stimmte bereitwillig zu.

Die Sonne ging gerade am Horizont auf, als sie einen Truck hörte. Sie sah aus dem Fenster. Das mussten Doug und Hinney sein. Was für ein seltsamer Name.

Sie eilte hinaus und hieß die Männer willkommen. „Haben Sie schon gefrühstückt? Ich kann schnell etwas richten.“

„Nicht nötig, Ma’am. Wir haben gefrühstückt.“

„Okay. Lunch gibt es um eins.“

Die beiden schienen verlegen, doch Suzanne lächelte sie strahlend an und zog sich dann schnell zurück. Sie würde diesem Mr. Allwissend-Walker zeigen, dass sie die Männer genauso gut versorgen konnte wie er. Sie verbrachte den Vormittag damit, einen Kuchen zu backen, bereitete ein kräftiges Gulasch zu und telefonierte mit jedem, der ihr vielleicht helfen konnte, arbeitswillige Cowboys zu finden.

Leider hörte sie immer nur: „Ruf Ryan Walker an. Er weiß, ob gute Leute verfügbar sind.“

Nachdem sie diese Antwort das fünfte Mal bekommen hatte, gab sie auf. Um eins kamen die Männer zum Lunch. Die Kinder hatten bereits gegessen und hielten ihre Mittagsruhe.

„Wow, Miss McCoy, das riecht lecker“, sagte Doug.

Suzanne holte den Schmortopf aus dem Ofen und den Salat aus dem Kühlschrank. Dazu stellte sie eine Schüssel mit Mais, denn sie hatte von ihrer Cousine gelernt, dass für schwer arbeitende Cowboys ein herzhaftes Essen wichtig war. Frische Brötchen rundeten das Menü ab. Und als sie zum Nachtisch dann noch ein großes Stück Schokoladenkuchen servierte, seufzten die Männer zufrieden.

„Ich möchte mich für Ihre Arbeit erkenntlich zeigen.“

„Danke, Ma’am.“

Abends stellte sie wieder ein schmackhaftes Essen auf den Tisch.

„Aber, Ma’am, wir werden zum Abendessen bei Ryan erwartet“, protestierte Hinney.

„So hart wie Sie gearbeitet haben, haben Sie sich zwei Abendessen verdient. Außerdem habe ich noch viel Kuchen übrig.“

Die Männer ließen sich auf die Stühle fallen.

Suzanne triumphierte insgeheim. Ryan Walker würde erfahren, dass sie seine Männer gut behandelte.

Ryan machte sich den ganzen Tag Sorgen um seine beiden Männer auf der Howe Farm. Rodger Howe war kein schlechter Mann gewesen. Nur unerfahren.

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