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Ein Deputy rächt sich

Pete Hackett

Ein Deputy rächt sich

Cassiopeiapress Western





BookRix GmbH & Co. KG
80331 München

Ein Deputy rächt sich

Western von Pete Hackett

Ein CassiopeiaPress E-Book

© by Author

© der Digitalausgabe 2014 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen

www.AlfredBekker.de

www.postmaster@alfredbekker.de

Der Umfang dieses Ebooks entspricht 122 Taschenbuchseiten.

1

An seiner Weste funkelte der Stern eines Deputysheriffs. Sein Name war John McKinney. Seit zwei Tagen folgte er zwei Pferdedieben. Sie hatten auf einer Ranch in der Nähe von Flagstaff vier Pferde gestohlen und waren auf dem Weg nach Süden. Jetzt befand sich McKinney in der Unwegsamkeit der Apache Maid Mountains. Totes Gestein, Staub, glühende Hitze und verkümmerte Comas umgaben ihn. Nur Eidechsen und Klapperschlangen trieben hier ihr Unwesen.

John McKinney war ein Mann von achtundzwanzig Jahren. Er war mit einer schwarzen Hose, einem dunkelblauen Hemd und einer schwarzen Lederweste bekleidet. Seine Haare waren sandfarben. Blaue Augen beherrschten das schmale, braungebrannte Gesicht. Ein breites, eckiges Kinn verriet Selbstbewusstsein und Energie. Am rechten Oberschenkel von McKinney steckte ein schwerer, langläufiger Remington im Holster. Matt schimmerten die Messingböden der Patronen in den Schlaufen des Gurtes.

Das Pferd ging mit hängendem Kopf. Pferd und Reiter waren verstaubt und verschwitzt. McKinneys Augen waren entzündet. Feiner Staub war unter seine Kleidung gekrochen und scheuerte die Haut wund, feiner Staub knirschte auch zwischen seinen Zähnen.

Der Mann zügelte und lauschte. Es war still. Er nahm seinen Hut ab, knüpfte das Halstuch auf und wischte sich den Schweiß von der Stirn. Dann trocknete er das Schweißband des Hutes und stülpte ihn sich wieder auf den Kopf. Sein Mund war trocken, die Lippen waren spröde und rissig. McKinney trank einen Schluck aus der Wasserflasche. Das Wasser war brackig, aber es belebte ihn. Dann ruckte er im Sattel. Das Pferd setzte sich in Bewegung. Die Gebisskette klirrte leise, Sattelleder knarrte, dumpf pochten die Hufe.

Der Deputy spürte Anspannung. Er war hellwach und auf blitzschnelle Reaktion eingestellt. Die Gefahr konnte hinter jedem Felsen lauern, der Tod war allgegenwärtig. Er ritt weiter und lenkte das Pferd in eine Schlucht hinein. Die Hufe krachten. Der Wind trieb Staub über die Schluchtränder und feines Prasseln erfüllte die Luft. Manches Mal schoben sich die Felsen nahe zusammen, dann traten sie wieder weit auseinander.

Ein Schuss zerriss die Grabesstille in der Schlucht. Aufbrüllend antworteten die Echos. McKinney spürte den Gluthauch der Kugel an der Wange und gab seinem Pferd die Sporen. Die Hufe des Tieres wirbelten. Der prasselnde Hufschlag wurde von den Felsen zu beiden Seiten zurückgeworfen.

Der Schütze verharrte am Rand der Schlucht. Vor seinen Zehenspitzen fiel der Felsen fast senkrecht in die Tiefe. Nur noch aufgewirbelter Staub markierte McKinneys Weg. Der Deputy war hinter einem Knick verschwunden. Im Gesicht des Banditen arbeitete es. Er wandte sich um, lief zu seinem Pferd, kam mit einem kraftvollen Satz in den Sattel und trieb das Tier an. Im gestreckten Galopp donnerte er nach Süden.

Sein Kumpan wartete zwischen einigen Felsen. Fünf Pferde standen an einem Strauch und knabberten die jungen Triebe. Die Tiere peitschten mit den Schweifen nach den blutsaugenden Bremsen an ihren Seiten. Wes Cardigan erhob sich, als er seinen Kumpan kommen sah. Zwischen seinen Lippen klemmte ein Zigarillo. Er nahm es zwischen die Finger. Jesse Sloane parierte das Pferd.

»Ich hörte einen Schuss«, sagte Cardigan.

»Es ist uns nicht gelungen, den Hundesohn abzuhängen. Er trägt einen Stern. Leider habe ich vorbeigeschossen.«

Cardigan presste sekundenlang die Lippen zusammen. Sie bildeten nur noch einen dünnen, blutleeren Strich. Schließlich stieß er hervor: »Reiten wir weiter. Vielleicht gelingt es uns, in der Felswildnis unsere Spur zu verwischen.«

»Der ist schlimmer als ein Bluthund«, knurrte Sloane.

Cardigan stieg auf sein Pferd. Sie trieben die gestohlenen Tiere vor sich her. Der Weg führte in eine staubige Senke. Die Hitze füllte beim Atmen die Lungen wie mit Feuer. Die Hufe rissen kleine Staubfontänen in die heiße Luft.

Die beiden Banditen zogen in die Senke hinein. Im Süden wurde sie von bizarren, zerklüfteten Felsen begrenzt. Überall lag Geröll. Winzige Kristalle blitzten im Sonnenlicht wie Diamanten. Die Konturen verschwammen in der flirrenden Luft.

Am Ende der Senke erwartete McKinney die beiden. Er trieb sein Pferd hinter einem Felsen hervor. Das Tier lenkte er mit den Schenkeln, das Gewehr hielt er an der Seite, den Kolben hatte er sich unter die Achsel geklemmt. Sein Zeigefinger krümmt sich um den Abzug, die anderen drei Finger steckten im Ladebügel.

»Hände hoch!«, gebot McKinney. »Eine falsche Bewegung, und es kracht.«

Erschreckt stemmten sich die beiden Pferdediebe gegen die Zügel. Die Tiere standen. Unwillkürlich zuckten die Hände der beiden Burschen zu den Revolvern. Aber der Verstand holte diesen Reflex ein. Wes Cardigans Hände wanderten langsam nach oben. In Jesse Sloanes Zügen arbeitete es. Verkniffen starrte er den Deputy an.

»Na schön«, sagte Sloane schließlich, nachdem er und McKinney sich sekundenlang belauert hatten. »Du hast uns vor dem Lauf. Was nun?«

»Ich werde euch und die Pferde nach Flagstaff bringen. Dort wird man euch vor Gericht stellen, und ihr werdet für einige Zeit hinter Zuchthausmauern verschwinden.«

»Du hast dir ziemlich was vorgenommen.« Ein hinterhältiges Grinsen umspielte Sloanes Lippen. Die dünne Schicht aus Staub und Schweiß in seinem Gesicht war gebrochen. In seinen Augen loderte ein heimtückisches Feuer.

»Zieht vorsichtig die Revolver aus den Futteralen«, kommandierte McKinney. »Werft sie zu Boden. Und dann die Gewehre.«

Wes Cardigan senkte die Hände.

Jesse Sloane gab seinem Pferd die Sporen und griff gleichzeitig nach dem Revolver. Das Eisen flirrte aus dem Holster, der Bandit brachte es in die Waagerechte. Begleitet vom peitschenden Knall des Schusses riss ihn McKinneys Kugel vom Pferd.

Nun kam auch in Wes Cardigans Gestalt Leben. Seine Rechte zuckte zum Sechsschüsser. Das Donnern der Detonation von McKinneys Gewehr in den Ohren, bäumte er sich auf, machte das Kreuz hohl und stürzte aus dem Sattel. Staub schlug unter seinem aufprallenden Körper auseinander.

McKinney nahm sein erregt tänzelndes Pferd hart in die Kandare. Die beiden Banditen rührten sich nicht. Sloane lag auf der Seite, Cardigan auf dem Bauch. Ihr Blut versickerte im Staub. McKinney saß ab. Bei Sloane ging er auf das linke Knie nieder. Die Lider des Banditen zuckten. Ein leises Stöhnen brach aus seiner Kehle und drang über seine zuckenden Lippen. McKinney richtete sich auf und ging zu Cardigan hin. Dem konnte keine Macht der Welt mehr helfen. Er hatte die Kugel ins Herz bekommen.

McKinney hatte einen blutigen Schlussstrich unter das Leben des Banditen gezogen. Doch er verspürte keine Genugtuung. Er hasste es, zu töten. Aber Cardigan hatte ihm keine andere Wahl gelassen. Die Zeit, genau zu zielen, ließ er ihm nicht.

Sloane hatte die Kugel in die rechte Brust bekommen. McKinney holte aus seiner Satteltasche ein Messer und schnitt Sloanes Hemd auf. Aus einem Stück Binde drehte er einen Pfropfen, den er in den Wundkanal steckte, um die Blutung zu stoppen. Dann legte er Sloane einen Verband an. »Ich bringe dich nach Rimrock«, sagte er. »Von dort aus wird man dich, wenn du transportfähig bist, nach Flagstaff schaffen.«

McKinney kratzte mit dem Gewehrkolben eine Mulde in den feinen Sand, in die er Cardigan legte. Dann häufte er Steine über den Leichnam. Bald zeugte nur noch der Haufen Steine davon, dass hier ein Mann seine letzte Ruhe gefunden hatte. Ein namenloses Grab in einem Land, in dem man seine Lektionen entweder sehr schnell lernte oder vor die Hunde ging …

2

Auf der Main Street von Flagstaff ballte sich die Hitze. Die Sonne stand senkrecht über der Stadt. Fünf Reiter verhielten auf dem Scheitelpunkt der Anhöhe, über die der Weg führte. Aufgewirbelter Staub senkte sich. Die Pferde tänzelten auf der Stelle. Helles Wiehern erhob sich.

Es war Mittagszeit. Die Menschen in der Stadt hielten Siesta. Sie hatten sich in der Kühle ihrer Behausungen verkrochen. Die Hauptstraße des Ortes war wie leergefegt.

»Ob Meredith noch Sheriff in Flagstaff ist?«, fragte Burt Anderson. »Es ist immerhin fünf Jahre her.«

»Wir werden es sehen«, antwortete Cash Anderson, ein dunkler Mann mit eingefallenem Gesicht und tagealten Bartstoppeln auf Kinn und Wangen. Seine Kiefer mahlten. »Es gibt keinen Ort auf der Welt, an dem ich Meredith nicht finden würde. Ich habe es geschworen damals …«

Es war ein verwegener Haufen. Verkommenheit und Niedertracht standen den Kerlen in die Gesichter geschrieben. Ein unstetes Leben jenseits von Recht und Ordnung hatte unübersehbare Spuren hinterlassen. Der Eindruck von Wucht und Stärke, den das Rudel vermittelte, war nicht zu übersehen.

Cash Anderson war voll Hass. Es war ein Hass, der keine Zugeständnisse und kein Entgegenkommen kennen würde. Er war tief in ihm verwurzelt und vergiftete sein Bewusstsein.

Sie trieben die Pferde an. Der Tod näherte sich auf stampfenden Hufen Flagstaff. Die Reiter folgten der von Rädern zerfurchten und von Hufen aufgewühlten Straße, die sich wie der riesige Leib einer Schlange zwischen die Häuser wand und dort zur Main Street verbreiterte. Viele Fassaden waren falsch. An den Vorbauten hatten sich Tumbleweds verfangen; abgestorbene Sträucher, die der Wind in die Stadt getrieben hatte. In den Schatten lagen Hunde und dösten. Irgendwo erklang die keifende Stimme einer Frau. Ein Kind weinte, die grollende Stimme eines Mannes erklang, dann schlug eine Tür.

Das Rudel ritt in loser Ordnung. Die Augen der Kerle lagen im Schatten der Hutkrempen. Menschen schauten aus den Fenstern und verspürten beim Anblick der Reiter Unbehagen.

Vor dem Saloon zügelten sie die Pferde und schwangen sich aus den Sätteln. Lose schlangen sie die langen Zügel um den Holm, dann zogen sie die Gewehre aus den Scabbards und gingen steifbeinig und sporenklirrend in den Schankraum. Hinter dem letzten schlugen knarrend und quietschend die Türpendel aus. Die Absätze der Reitstiefel riefen auf den Dielen ein polterndes Echo wach.

Um diese Zeit befand sich niemand im Saloon. Es roch nach kaltem Rauch und verschüttetem Bier. Der Keeper saß an einem der runden Tische und las in einer Zeitung. Er sah die fünf Kerle und wusste, dass das Böse Einzug in Flagstaff gehalten hatte. Wie von Schnüren gezogen erhob er sich und ging hinter den Tresen. Die fünf setzten sich an einen der Tische. »Fünf Bier!«, rief einer mit staubheiserer Stimme.

Der Keeper schenkte fünf Krüge voll und trug sie zum Tisch. Er stellte sie ab und wollte sich wieder abwenden, doch einer der Kerle hielt ihn am Arm fest und fragte: »Ist James Meredith noch Sheriff hier?«

Der Keeper nickte. Und jetzt erkannte er den Burschen, der die Frage gestellt hatte. »Cash Anderson!«, entrang es sich ihm, und das jähe Erschrecken spiegelte sich in seinen Augen wider. »Ich dachte …«

»Du dachtest sicher, dass ich zwanzig Jahre in Yuma absitze, mein Freund. Nun, das war ein Trugschluss. Nach fünf Jahren hatte ich die Schnauze voll. Meredith ist also noch Sheriff hier.«

Der Keeper räusperte sich. Seine Stimmbänder versagten. »Ja«, murmelte er.

Cash Anderson ließ den Arm des Mannes los, trank von seinem Bier und schaute einen seiner Kumpane an. »Geh zum Office, Wade. Sag Meredith, dass er um Punkt ein Uhr auf die Straße kommen soll. Sag ihm, dass Cash Anderson nach Flagstaff zurückgekehrt ist. Wenn er um ein Uhr nicht aus seinem Bau kommt, holen wir ihn uns.«

Wade Spencer drückte sich am Tisch in die Höhe und stiefelte aus dem Saloon. Seine Schritte verklangen.

»Die Stunde der Rache ist angebrochen«, murmelte Cash Anderson. Jeder Zug seines Gesichts verriet eine tödliche Entschlossenheit. Ein brutaler Zug hatte sich in seinen Mundwinkeln festgesetzt.

Währenddessen schritt Wade Spencer in Richtung Office. Er bewegte sich in den Schatten der Vorbaudächer. Um das Office zu erreichen, musste er über die Fahrbahn. Staub puderte seine Stiefel und knirschte unter seinen Sohlen.

James Meredith stand am verstaubten Fenster und sah den Fremden kommen. Er hatte die fünf Kerle an seinem Büro vorbeireiten sehen. Erkannt hatte er keinen von ihnen. Aber er spürte das Verhängnis, das mit den fünfen Einzug gehalten hatte, tief in der Seele. Er wusste nicht, worauf sich dieses Gefühl bezog, aber es war da und ließ sich nicht verdrängen.

Draußen polterten Schritte. Dann klopfte es gegen die Tür. James Meredith ging hinter seinen Schreibtisch und rief: »Herein.« Der Dreiundfünfzigjährige stemmte sich mit beiden Armen auf die Tischplatte.

Wade Spencer betrat den Raum. Es war düster zwischen den vier Wänden. Hinter dem Schreibtisch führte eine Tür in den Zellentrakt. Fragend musterte der Sheriff den Ankömmling. »Was kann ich für Sie tun?«

»Ich soll Ihnen Grüße bestellen, Sheriff. Grüße von Cash Anderson.«

Merediths Miene verschloss sich. »Der ist in Yuma. Schätzungsweise verbringt er dort noch fünfzehn Jahre. Was …« Dem Sheriff fiel es wie Schuppen von den Augen. »Er ist in Flagstaff, nicht wahr?«

Spencer nickte. »Er will Sie zur Rechenschaft ziehen, Sheriff. Kommen Sie um ein Uhr auf die Straße. Wenn Sie nicht kommen, holen wir Sie.« Der Bandit warf einen Blick auf den Regulator, der an der Wand hing und monoton tickte. Das Messingpendel schlug rhythmisch hin und her. »Sie haben noch eine Viertelstunde Zeit, Sheriff. Wenn Sie ein Gebet kennen, dann beten Sie.«

Spencer schwang herum und verließ das Office. Hinter ihm klappte die Tür zu.

James Meredith zog die Unterlippe zwischen die Zähne und kaute darauf herum. Die Worte hallten in ihm nach. Vor seinem geistigen Auge stiegen farbige Bilder aus den Nebeln der Vergangenheit. Das Gericht hatte Cash Anderson damals für zwanzig Jahre in die Steinbrüche von Yuma geschickt.

Meredith seufzte. Er wünschte sich, dass John McKinney, sein Deputy, hier wäre. Aber McKinney ritt auf der Fährte zweier Banditen und war seit drei Tagen fort.

Eine Viertelstunde!

James Meredith gab sich einen Ruck. Er ging zum Gewehrschrank und nahm eine Schrotflinte mit Doppellauf heraus, knickte die Läufe ab und versicherte sich, dass sie geladen war. Er schloss die Läufe wieder, rückte seinen Revolvergurt zurecht und verließ das Büro. Draußen schwenkte er den Blick die Main Street hinauf und hinunter. Vor dem Saloon standen die fünf verstaubten und verschwitzten Pferde am Holm. James Meredith schluckte. Erneut griff die grausig kalte Hand aus der Vergangenheit nach ihm.

Der Sheriff wandte sich nach links und marschierte in eine enge Gasse, und dann trat er in den Hof der Schmiede. Das Tor der Werkstatt stand offen. Der Schmied bearbeitete ein glühendes Eisen mit einem schweren Hammer. Die Hammerschläge klangen hell und monoton. Der Gehilfe des Schmieds trat den Blasebalg.

Als er den Sheriff kommen sah, hielt der Schmied inne. Ihm entging nicht der Ernst in Merediths Zügen, und seine Brauen schoben sich zusammen. Der Sheriff blieb an der Schattengrenze unter dem Tor stehen und sagte: »Cash Anderson ist aus dem Zuchthaus ausgebrochen. Er und vier Kumpane sind vor wenigen Minuten in Flagstaff eingetroffen. Anderson will sich an mir rächen.«

Der Schmied legte den Hammer weg, nahm das Eisen, das er gerade bearbeitete, und schob es in die Glut. Dann kratzte er sich am Hals und erwiderte: »Eine üble Sache, James. Was erwartest du?«

»Ich brauche Hilfe. Alleine werde ich mit der Bande nicht fertig.«

Die Miene des Schmiedes verschloss sich. »Ich verstehe es, ein Hufeisen zu schmieden, James. Aber mit dem Gewehr oder dem Revolver kann ich nicht besonders umgehen. Ich glaube nicht, dass ich dir helfen kann. Außerdem habe ich eine Familie …«

John Meredith spürte Enttäuschung. Dazu gesellte sich Verbitterung. Er nickte und sagte: »Ich verstehe, Earl. Nun, ich kann niemand zwingen, mir zu helfen.« Nach dem letzten Wort schwang der Sheriff herum und verließ mit langen Schritten den Hof der Schmiede. Er lief hinter den Häusern entlang zur Schreinerei. Der Tischler arbeitete an einer Anrichte. Es roch nach frischem Holz und Leim. Der Schreiner legte die Stirn in Falten. Instinktiv spürte er, dass der Sheriff nicht von ungefähr zu ihm kam. »Wo brennt es, James?«

»Cash Anderson ist nach Flagstaff gekommen.«

Der Schreiner blickte nachdenklich drein. Dann murmelte er: »Anderson – wurde der damals nicht zu zwanzig Jahren Zuchthaus verurteilt? Das ist fünf Jahre her …«

»Er muss ausgebrochen sein. Und nun will er es mir heimzahlen, dass ich ihm damals das schmutzige Handwerk legte. Er hat vier Kerle mitgebracht, denen die Verworfenheit in die Gesichter geschrieben steht.«

»Du kommst zu mir, weil du Hilfe suchst, nicht wahr?«, fragte der Schreiner und zog unbehaglich die Schultern an, als fröstelte es ihn. Er fühlte sich plötzlich nicht wohl in seiner Haut, und sein Blick irrte nervös ab.

»So ist es. Ich habe nur noch wenige Minuten Zeit. Um ein Uhr soll ich auf die Main Street kommen. Alleine habe ich gegen die fünf Kerle nicht den Hauch einer Chance.«

»Wen außer mir …«

»Den Schmied. Er hat abgelehnt. Du musst mir nur den Rücken freihalten, Richard. Mehr erwarte ich nicht. Ich …«

»Tut mir leid, James. Ich bin kein Kämpfer. Ich muss damit rechnen, getötet zu werden. Um in einen solchen Kampf zu ziehen, fehlt mir der Mut.«

»Als ich Anderson vor fünf Jahren aus dem Verkehr zog, habt ihr mir auf die Schultern geklopft.«

»Du hast deinen Job gemacht, James. Sicher, wir waren stolz auf dich. Aber das ist kein Grund, sich jetzt von ein paar Revolverhelden abknallen zu lassen. Ich bin zweiundvierzig und zu jung zum Sterben. Wo ist denn dein Hilfssheriff?«

»Auswärts«, murmelte James Meredith und wandte sich um. Ein grenzenloses Gefühl des Alleinseins befiel ihn und hielt ihn im Klammergriff. Er zog die Uhr aus der Westentasche. Er hatte noch fünf Minuten Zeit. Mit der Intensität eines Mannes, nach dem der Tod bereits die knöcherne Klaue ausstreckte, spürte er, dass sich an diesem heißen Tag hier in Flagstaff sein Schicksal erfüllen sollte.

Müde wandte er sich ab.



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