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Ein Bild von Geisterhand

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Inhaltsverzeichnis

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Ein Bild von Geisterhand

Geister-Krimi von W. A. Castell


Der Umfang dieses Buchs entspricht 121 Taschenbuchseiten.


Der englische Privatdetektiv Gary Dano fliegt für einen neuen Auftrag nach Paris. Obwohl der Einbruch im Louvre verhindert werden konnte, haftet dem Fall etwas Mysteriöses an. Das Portrait verließ während des Einbruchs sein Gemälde. Der Detektiv freut sich zunächst darauf, das Rätsel hinter dem Gemälde zu lösen. Doch als dann plötzlich ein Auftragskiller hinter ihm her ist, wird Dano bewusst, dass dieser Fall etwas anders wird als erwartet…


1

Rachel Gray schaute missmutig auf seine Armbanduhr. Es war vier Uhr in der Früh.

Vor Rachel lag ein arbeitsreicher Tag. Sein Job war es, einen Fernlastzug dreimal in der Woche von Newcastle nach Southampton zu fahren. In der Hafenstadt wurde der Laster umgeladen und mit neuer Fracht ging es zurück in den Norden der Insel.

Rachel Gray schritt noch einmal die ganze Länge des Fahrzeuges ab. Er prüfte den Reifendruck, vergewisserte sich, dass der Anhänger ordnungsgemäß befestigt war.

„Es wird Zeit, dass du deinem Ross die Sporen gibst“, meldete sich eine Stimme hinter Rachel. Es war Norman Bennett, der Verlademeister. Er war schon seit Stunden auf den Beinen, um eine pünktliche Abfahrt des Lastzuges zu sichern.

„Ich verschwinde ja schon“, knurrte Rachel Gray. Er hob die Stimme: „Ich sage es dir jetzt zum letzten Mal: Ab nächsten Monat verlasse ich dieses Grundstück nicht mehr ohne Beifahrer. Ihr seid laut Gesetz dazu verpflichtet…“

„Ist schon gut“, winkte Bennett ab, „du sollst deinen Mann bekommen. Warte eine Minute. Drinnen in meinem Büro steht ein junger Bursche, der sich für den Job interessiert. Ich habe ihn per Zeitungsinserat geworben. Zuerst möchte er aber die Tour kennenlernen, dann wird er sich entscheiden.“

„Ein junger Bursche…?“ Rachel überlegte kurz. „Gut! Schick ihn zu mir, ich werde ihn mir ansehen.“

Der Besagte stellte sich mit Ron Carbson vor. Er sei zweiundzwanzig Jahre alt, besitze eine gültige Fahrerlaubnis und freue sich auf die künftige Zusammenarbeit.

Eine halbe Stunde waren sie unterwegs. Ron Carlson hatte sich die Bedienung des Wagens erklären lassen und war dann auf den Beifahrersitz gerutscht.

Rachel musterte seinen Mitfahrer von der Seite. Der Junge gefiel ihm. Er, Rachel, hatte einen gleichaltrigen Sohn, der sich aber schon seit zwei Jahren in den Staaten aufhielt. Er lebte dort bei seinem Großvater, Rachel Grays Vater, der in New York ein Reisebüro betrieb.

„Neugierig sind Sie gar nicht.“ Ron lächelte. Er hatte den Blick des Älteren gespürt. „Sie fragen nicht, welcher Beschäftigung ich bis heute nachgegangen bin.“

„Neugierde ist die Tugend der Schwätzer“, konstatierte Rachel Gray, und seine Augen fixierten wieder die Straße vor sich. Er lächelte leicht. „Doch wissen möchte ich schon, wer in den nächsten Jahren den Arbeitsplatz mit mir teilt…“

Für einige Minuten herrschte Schweigen. Rachel Gray verspürte plötzlich ein flaues Gefühl im Magen. Er konnte nicht sagen, wo die Ursache dafür lag. Nur eine Vorahnung war in ihm.

„Ich habe zwei Jahre in Paris zugebracht“, ließ jetzt Ron Carlson verlauten. „Da ich Kunst studiert habe und mich ein wenig in der Malerei auskenne, hatte ich mich im Louvre angeheuert. Meine Aufgabe bestand darin, den Besuchern…was ist mit Ihnen, Mr. Gray…?“

Rachel Gray war bleich geworden. Seine Lippen hielt er zusammengepresst, dass sie einen schmalen Strich bildeten. Die Hände des Mannes hatten sich um das Lenkrad gekrallt, dass die Knöchel weiß hervortraten. Dabei zitterte Gray am ganzen Körper.

„Sagtest du Louvre?“, presste er hervor.

„Aber ja!“ Ron Carlson war erstaunt über die Reaktion des Lastwagenfahrers. „Stört Sie daran etwas?“ Ron ließ sich nicht ein auf das ‚Du‘ des anderen.

„Das heißt mit anderen Worten...“ Gray zögerte, um dann schnell fortzufahren: „Dir sind die Räumlichkeiten des Louvre ziemlich gut bekannt...“

Auf der Stirn des jungen Mannes erschien eine steile Falte. Mit einem leichten Kopfschütteln betrachtete er Rachel Gray, der immer noch verkrampft am Lenkrad hing.

Ron Carlson wählte seine Worte sorgfältig.

„Kann ich jetzt von Ihnen erfahren, was Sie eigentlich von mir wollen?“

Gray nickte. Er deutete mit dem Kinn nach vorn, wo am rechten Straßenrand ein Parkplatz auftauchte. „Wir gönnen uns eine Rast. Dabei lässt sich’s besser reden. Ich denke, unsere Unterhaltung wird dich sehr interessieren.“

Eine halbe Stunde später war Ron Carlson mehr verwirrt als vorher. Was Rachel Gray von ihm verlangte, war heller Wahnsinn. Entweder der Kraftfahrer war verrückt oder aber es handelte sich bei ihm um einen gemeingefährlichen Verbrecher!

Jedenfalls nahm sich Ron vor, auf der Hut zu sein. Neben der Entrüstung, die in ihm aufgekommen war, befand sich eine gute Portion Neugierde und die wollte er unbedingt befriedigen. Ohne zu zögern nahm er Grays Einladung an, die sich auf den nächsten Abend in Rachel Grays Wohnung bezog.

Der junge Mann konnte nicht ahnen, dass ihn dort wenig Angenehmes erwartete.



2

Die Fahrt verlief ohne Zwischenfall. Das Gesprächsthema, das die beiden Männer am Anfang miteinander gehabt hatten, wurde nicht wiederaufgenommen. Beide vermieden peinlich jedes Stichwort, das dazu hätte führen können.

Am Abend des nächsten Tages wurde der Lastzug wieder in Southampton abgestellt. In Rachel Grays Privatwagen machte man sich auf den Weg in dessen Wohnung.

Ron Carlson traute fast seinen Augen nicht, als er vor dem schmucken Bungalow stand. Das Haus passte ganz einfach nicht zu Rachel Gray. Ein Mann mit seinen Verdienstmöglichkeiten konnte sich einen solchen Prachtbesitz nie und nimmer leisten!

„Dein Erstaunen wird größere Ausmaße erreichen“, versprach Gray und schloss die Haustür auf.

Rachel Gray hatte nicht zu viel versprochen. Ron war nach wenigen Minuten davon überzeugt, dass er den Kraftfahrer, was dessen Finanzkraft betraf, gehörig unterschätzt hatte.

„Ist es indiskret zu fragen, wer Ihnen hier die Arbeit erledigt?“, fragte Ron Carlson, nachdem er sich genügend umgeschaut hatte.

Gray drückte seine Zigarette in einen Aschenbecher aus, dessen Anschaffung bestimmt eine schöne Stange Geld gekostet hatte

„Ich habe eine Haushälterin.“ Rachel lächelte. „Die Frau ist sehr pflichtbewusst. Ich kann mich absolut auf sie verlassen. Doch darum geht es jetzt nicht. Komm bitte mit, ich möchte dir etwas zeigen!“

Carlson wurde durch das großflächige, mit kostbaren Möbeln eingerichtete Wohnzimmer geführt. Sie gelangten an eine Wand des Raumes, die ein reichbesetztes Bücherregal ausfüllte.

Gray nahm ein Buch heraus und betätigte einen dahinterliegenden Kontakt.

Lautlos schwang er ein Teil des Regals nach vorn. Vor den beiden Männern öffnete sich eine Tür.

Rachel zögerte einen Moment. Der Gesichtsausdruck des Lastwagenfahrers hatte sich von einer Minute zur anderen völlig verändert. Noch vor wenigen Augenblicken war Gray locker und aufgeräumt gewesen. Jetzt zitterten und senkten sich seine Nasenflügel. Die Backenknochen traten hart hervor. In den Augen irrlichterte es.

„Gehen wir!“

Rachel sagte es und seine Stimme klang schrill, unnatürlich. Er trat in das gähnende Loch vor ihm.

Eine Treppe lag vor ihnen, die steil abwärtsführte. Rachel Gray hatte einen Lichtschalter betätigt, und eine Deckenbeleuchtung spendete kärgliches Licht.

Ron zählte fünfzehn Stufen, dann standen sie vor einer Tür, die unverschlossen war. Der Hausbesitzer öffnete sie, wobei Ron Carlson feststellte, dass die Hand des Mannes heftig zitterte.

Der Raum, in den sie gelangten, lag im Dunkeln, und Rachel Cray machte keine Anstalten, das zu ändern. Er stand wie vom Donner gerührt, starrte in eine Richtung, wo Ron beim besten Willen nichts erkennen konnte.

„Würden Sie bitte…“

Der junge Mann unterbrach sich. Er schloss geblendet die Augen. Ein grelles Licht hatte die Dunkelheit zerrissen.

Ron Carlson öffnete blinzelnd die Augen. Sie benötigten einige Sekunden, um sich an die plötzlich entstandene Helligkeit zu gewöhnen. Nach und nach konnte Ron Einzelheiten erkennen.

Er befand sich in einem Kellerraum, der ohne Fenster war. Beherrscht wurde das Zimmer von einem Gemälde, das an der Wand hing und von einem starken Scheinwerfer angestrahlt wurde. Ansonsten waren die Wände kahl. Auch fehlte jegliches Möbelstück.

„Was soll das?“ Ron war ungehalten. Er gab dem Lastwagenfahrer, der immer noch neben ihm stand, einen leichten Stoß in die Rippen.

„Trete bitte näher!“ Grays Stimme war jetzt nur noch ein heiseres Krächzen Seine Hand deutete auf das Gemälde, Ron Carlson kam der Aufforderung mit gemischten Gefühlen nach. Er konnte sich keinen Reim auf die Geschichte machen, in die er da hineingeschlittert war. Einzig die Meinung verstärkte sich in ihm, dass er es mit einem Wahnsinnigen zu tun hatte. Und doch blieb die bohrende Frage, wie Rachel Gray zu seinem enormen Wohlstand gekommen war.

Ron betrachtete das Bild ohne großes Interesse. Es zeigte eine männliche Person im festlichen Gewand. Irgendein Fürst aus früheren Jahrhunderten, wie Ron Carlson schätzte. Es würde eine Sache des Experten sein, den Wert des Gemäldes festzulegen. Wenn Rachel Gray von ihm, Ron, in dieser Richtung ein Urteil erwartete, wurde er enttäuscht.

Der junge Mann wollte dazu gerade etwas sagen, als er stutzte. Verwundert schüttelte er den Kopf. Was er sah, konnte nicht sein. Es musste sich um eine optische Täuschung handeln!

Der Mann auf dem Bild hatte sich bewegt!

Ron Carlson schloss die Augen. Es sind deine Nerven, redete er sich ein. Die Begegnung mit Gray und die Fahrt zur Küste ist dir nicht gut bekommen. Dazu das seltsame Angebot, das der Kraftfahrer zu Beginn der Fahrt ihm, Ron, gemacht hatte.

„Du nennst es seltsames Angebot, und doch hat Gray nicht zu viel versprochen! Das Gegenteil ist der Fall! Gehe auf Rachel Gray ein, und du wirst es nie bereuen müssen!“

Ron zuckte zusammen wie unter einem Peitschenhieb. Er riss die Augen auf. Als er begriff, wer zu ihm gesprochen hatte, jagte es ihm einen eiskalten Schauer über den Rücken.

Er wich zurück, ließ dabei kein Auge von dem Gemälde. Fassungslos erlebte er, was weiter geschah.

Die satten Farben, mit denen das Bild gefertigt war, zerflossen ineinander. Der kostbar Gekleidete wurde von einer Sekunde zur anderen zum lebendigen Menschen. Er verließ den Rahmen, schwebte zu Boden und kam lächelnd auf Ron Carlson zu.

Der junge Mann stand wie erstarrt. Sein Gehirn gab dem Körper den Befehl zu fliehen, doch die Muskeln versagten den Dienst. Mit vor Angst verzerrtem Gesicht harrte Ron der Dinge, die da kommen mussten.

Der Geist vor ihm blieb stehen. Er hob den Arm. Es war eine Bewegung, die beruhigend auf Ron Carlson wirkte.

„Deine Furcht ist unbegründet“, vernahm Carlson. „Ich möchte dir nur zeigen, welche Möglichkeiten mir gegeben sind. Tue, was Gray von dir verlangt hat, und ich werde mich dir erkenntlich zeigen. Reichtum und Macht werden deine Privilegien sein bis an das Ende deiner Tage!“

„Ich - ich kann es nicht tun!“

Ron Carlson schrie es hinaus und in seiner Stimme lag alles Aufbegehren, das in diesem Augenblick in ihm war. Er wollte nicht zum Handlanger des Bösen werden, nicht für alle Schätze dieser Welt!

In den Augen des Geistes blitzte es auf. Auf einmal lag ein gefährliches Licht in ihnen.

„Ich habe es im Guten mit dir versucht.“ Die Erscheinung sprach ruhig und sehr bestimmt. „Mir ist nicht gelungen, dich zu überzeugen! Mir bleibt daher keine andere Wahl, als dich zum willenlosen Werkzeug für meine Belange zu machen! Diese Entscheidung hast du gefällt!“

Carlson spürte, wie das Fremde nach ihm griff. Er wollte sich dagegen wehren, wollte verhindern, dass man ihn zur gehirnlosen Puppe umfunktionierte. Es war zwecklos. Er kam gegen den anderen nicht an, hatte keine Chancen.

Sekunden später war Ron Carlson ein anderer Mensch. Er würde widerstandslos tun, was man von ihm erwartete.



3

Charles Polland nickte zufrieden vor sich hin. Der heutige Tag würde für ihn wieder einmal ein voller Erfolg werden. Damit meinte Charles das ansehnliche Trinkgeld, das in seiner Tasche klimperte.

Schon fast seit zwanzig Jahren machte er im Louvre seinen Dienst. Es war seine Aufgabe, die Besucher durch die Räume zu führen und die Herkunft und Aussagen der einzelnen Museumsstücke zu erklären. Und gerade da hatte sich Charles Polland ein eigenes Image zugelegt. Sein Wissen und seine Bereitschaft auch die kleinsten Details zu erläutern, zahlte sich für ihn in klingender Münze aus.

Die letzten Besucher waren gegangen. Polland ging noch einmal jeden Raum ab, um auch einen eventuellen Nachzügler hinauszubegleiten. Doch Charles hätte sich die Mühe sparen können. Er befand sich im Moment allein in den Museumsräumen.

Charles Polland schloss sorgfältig die Tür ab, legte den Schalter der Nacht-Alarmanlage um und begab sich in sein kleines Büro. Die nächste halbe Stunde bis Feierabend würde er mit Routinearbeit verbringen. Es galt, das Schloss-Museum so zu verlassen, dass Einbrecher ohne Chancen wären.

Gerade wollte Charles den Telefonhörer abnehmen, um sich wie üblich beim nächsten Polizeirevier zu melden, als ein Geräusch ihn aufhorchen ließ.

Der alte Mann ließ den Hörer auf der Gabel. Mit gespannten Sinnen lauschte er nach draußen. Trotz seiner knapp siebzig Jahre konnte er sich auf sein Gehör verlassen. Und das meldete ihm, dass sich vor der Tür Schritte näherten!

Charles fühlte die eiskalte Hand, die ihm nach der Kehle griff. Er merkte, dass seine Innenflächen feucht wurden.

Was sein Gehörsinn registrierte, konnte nicht sein! Außer ihm, Charles Polland, war das Schloss menschenleer! Er selbst hatte sich vor wenigen Minuten davon überzeugt!

Polland erhob sich so heftig vom Schreibtisch, dass der Stuhl nach hinten kippte.

Charles ließ ihn achtlos liegen. In gebückter Haltung schlich er sich zur Tür.

Mit angehaltenem Atem horchte er nach draußen. Die Schritte waren jetzt ganz nahe. Rhythmisch tappten die Absätze auf den Boden. Es hallte dumpf durch den langgestreckten Flur.

Dann war Stille. Stille, die Charles Polland in den Ohren schmerzte. Es lag jetzt an ihm, seiner Dienstpflicht nachzugehen.

Energisch griff er zur Tür, riss sie auf und prallte überrascht zurück.

„Du Ron? Was tust du hier, und wie bist du ins Schloss gelangt? Ich verstehe nicht...“

Die beiden nicht gleichaltrigen Männer kannten sich aus der Zeit, als Ron Carlson im Louvre angestellt gewesen war. Fast eine Vater-Sohn-Beziehung hatte sie verbunden. Und Polland war sehr traurig darüber gewesen, dass der junge Mann seine Tätigkeit vor gut einem Jahr aufgegeben hatte.

In Ron Carlsons Gesicht regte sich kein Muskel. Er zeigte keinerlei Wiedersehensfreude. Das Gegenteil schien eher der Fall. Mit einer herrischen Gebärde deutete er auf Pollands Büro.

„Ich benötige die Schlüssel für die Museumsräume!“, fuhr er den alten Mann an. „Und du sorgst dafür, dass ich nach meinem Besuch dort ungestört das Schloss wieder verlassen kann! Habe ich mich klar ausgedrückt?“

Charles Polland verstand die Welt nicht mehr. Was da von ihm verlangt wurde, war zu ungeheuerlich, als dass er darüber einen Gedanken hätte verschwenden können.

Nach dem ersten Schock fand Polland die richtige Deutung.

„Dieser Scherz ist dir aber echt gelungen.“ Er lächelte sein Gegenüber an. „Ich kann mir auch denken, wie du in das Schloss gekommen bist. Durch den Kellereingang. Die Tür dort lässt sich von einem Informierten leicht überwinden. Trotzdem war es nicht recht von dir...“

„Schweig, Alter!“ Ron Carlson schob Charles einfach zur Seite und drang in das Büro ein. Blitzschnell brachte er den Schlüsselbund an sich, der in der Schublade des Schreibtisches lag.

Auf dem Absatz drehte sich Ron um. „Gehen wir“, sagte er. „Nur mit deiner Hilfe kann ich die Galerie betreten. Ich kenne die geheimen Sicherheitsmaßnahmen!“

Polland traf es wie ein Schlag, als er erkannte, dass Ron Carlson keineswegs zum Scherzen aufgelegt war. Der Alte nahm sich vor im Augenblick nachzugeben, den Willigen zu spielen. Erst musste er herausfinden, weshalb Ron so verändert war. Denn der Junge, den Charles Polland einmal gekannt hatte, war sympathisch gewesen!

Polland ging voraus. Der Gang vor ihnen lag im Halbdunkel, denn draußen brach jeden Moment die Nacht herein.

Die Gedanken des alten Mannes bewegten sich im Kreis. Er suchte verzweifelt einen Ausweg aus der verteufelten Situation. Außerdem machte er sich jetzt Vorwürfe, dass er nicht gleich die richtigen Maßnahmen ergriffen hatte. Es wäre seine verdammte Pflicht gewesen, sofort nach Ron Carlsons Auftauchen über einen verborgenen Schalter bei der Polizei Alarm auszulösen. Charles Polland war entschlossen, das Versäumte bei nächster Gelegenheit nachzuholen.

Minuten später, nachdem sie einige Sicherheitszonen durchschritten hatten, standen sie in der Gemälde-Galerie. Was hier an Kostbarkeiten versammelt war, übertraf jeden schätzbaren Wert. Prunkstück stellte zweifelsohne Leonardo da Vincis Mona Lisa dar. Eine Rarität, die materiell nicht aufzuwiegen war.

Doch Ron Carlson hatte anderes im Sinn. Zielsicher durchquerte er den Saal und blieb schließlich vor einem Gemälde stehen, dessen Herkunft auf einen berühmten holländischen Maler zurückgeführt wurde.

Polland zeigte sich überrascht. Kopfschüttelnd betrachtete er seinen ehemaligen Kollegen, der wie gebannt das Bild anstarrte, das einen Fürsten aus dem vorigen Jahrhundert darstellte.

Charles begriff jetzt noch weniger. Was zog Ron Carlson zu diesem Bild? Ein Bild, um das sich eine Sage wob, wie sie fantastischer nicht sein konnte.

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