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Ein Bett für drei

Inhalt

  1. Cover
  2. Titel
  3. Impressum
  4. Widmung
  5. 1 Die frühere Mrs Robbyns
  6. 2 Nur Arbeit, kein Spaß
  7. 3 Vom Regen in die Traufe
  8. 4 Intime Gedanken
  9. 5 Die Freuden der Unterwerfung
  10. 6 Wenn es grausam ist, nett zu sein
  11. 7 Mit Freunden wie diesen
  12. 8 Mit einem Lied im Herzen
  13. 9 Captain Blood
  14. 10 Die Hölle kann nicht schlimmer sein
  15. 11 Weggabelung
  16. 12 Gleich und gleich gesellt sich gern
  17. 13 Heimkehr des verlorenen Sohns
  18. 14 Verstand, Körper und Seele
  19. 15 … und wenn sie nicht gestorben sind

Erstes Kapitel
Die frühere Mrs Robbyns

An dem Abend, an dem es begann, sprang ich die Treppe zu meinem zweihundert Jahre alten Haus im Kolonialstil in Philadelphia hinauf. Die glänzenden grünen Fensterläden strahlten zwischen den braunen Steinen, als wollten sie mich willkommen heißen. Trotz der Abgeschiedenheit hinter den Bäumen von Society Hill drang die Kakofonie des Feierabendverkehrs in meine Ohren. Ich liebte die Vitalität der Stadt. Mein Körper brummte vor Energie. Mein Herz schlug kräftig und frei. Meine Haut prickelte in der frischen Herbstluft, und meine Pussy öffnete sich wie eine zum Pflücken bereite Frucht, als ich an den erst halb gelesenen erotischen Roman auf meinem Nachttisch dachte.

Erst masturbieren, dachte ich, dann essen, dann fernsehen, dann mit dem schmutzigen Buch ins Bett.

Damals gab es nichts, was mich glücklicher oder geiler machte als ein produktiver Tag im Büro – am liebsten ein ganz langer. Dadurch bewies ich mir, dass ich mit meinen dreiunddreißig Jahren noch eine Menge in mir hatte, und es bewies mir auch, dass ich meine Brötchen genauso gut verdienen konnte wie Tom – besser noch, denn ich brauchte kein Anwalt zu sein, um mein Geld zu verdienen.

»Zuerst werden wir mal alle Anwälte loswerden.« Ich trat meine Adidas von den Füßen, warf meine Schlüssel auf den kleinen Tisch im Flur und ließ meine Haarspange folgen. Mit einem Seufzer der Erleichterung fuhr ich mit gespreizten Fingern durch meine schafwolldicken Haare und massierte meine Kopfhaut. Das tat gut. Ich schaltete das Licht ein. Bis auf die üblichen knarrenden und quietschenden Geräusche war es still in dem alten Haus. Meine Mieter machten wahrscheinlich die Bars an der South Street unsicher.

Ein wohliger Schauer durchlief mich, als ich mir vorstellte, was für ein Bild sie abgaben: der eine mit dunklen Haaren, der andere mit hellen, beide umwerfend und jung, beide mit ungeahnten erotischen Möglichkeiten. Die Verbindung zwischen Sean und Joe war deutlich spürbar. Ich konnte den Sex an ihnen riechen. Wie hitzige Tiere. Konnte ich ein bisschen von der Hitze abbekommen, oder sparten sie sie füreinander auf?

Während ich über diese Frage nachdachte, strich ich meine schwarze Reitjacke glatt, gleich oberhalb der Schwellung meiner Brüste. Mir gefiel, wie sich der schwarze Samt um meine üppigen Kurven schmiegte und wie er meine schmale Taille betonte. Auch die Levis passten sich der Haut sehr eng an. Ich gehöre nicht zu denen, die ihre Reize verbergen, schließlich arbeite ich hart dafür, meine Figur zu halten.

Seit ich zwei tolle junge Kerle im Haus hatte, achtete ich besonders auf meine Kleidung. Und auf meinen Körper, dachte ich, während ich die schmale Wendeltreppe hinaufschaute, um sicherzugehen, dass ich allein im Haus war.

Kein Schatten auf dem Treppenabsatz. Keine Robert-Cray-Band zu hören, die verführerisch über den Flur waberte. Bevor Sean und Joe eingezogen waren, hatte ich Robert Cray noch nie gehört, aber gleich beim ersten Lied fuhr ich total auf ihn ab. Dieser Mann wusste, wie man von Liebe singt. Beim Zuhören hätte ich ihm am liebsten einen geblasen.

Bei diesem Gedanken schmolz meine Pussy wie Butter. Ich blase gern, sonst hätte meine Ehe nicht so lange gehalten. Siebzehnjährige sind noch nicht so firm in solchen Dingen.

Ich grinste vor mich hin und rannte die Treppe hoch, immer zwei Stufen auf einmal.

Vielleicht würde ich in Joes Zimmer schlüpfen und mir seine CD ausleihen. Er hätte bestimmt nichts dagegen. Trotz Seans Versuchen, mich – und auch Joe – glauben zu machen, dass er hundertprozentig ein Spielzeug für Jungs wäre, wusste ich doch, dass er eine Schwäche für mich hatte. Sean hatte einen Buchhaltungskurs am frühen Morgen belegt, deshalb saßen meist nur Joe und ich zusammen am Frühstückstisch. In letzter Zeit war ich in meinem bestickten Seidenkimono die Treppe hinuntergekommen. Wie schön Joe errötete, wenn ich ihn unter dem Tisch mit meinen Beinen berührte, oder wenn ich mich bückte, um die Pfanne unten aus dem Schrank zu holen.

Wobei ich sagen muss, dass mein Po zu den herausragenden Attraktionen meines Körpers gehört. Das kommt vom Power Walking.

An den meisten Tagen hatte Joe nach dem Frühstück einen Ständer, der es ihm unmöglich machte aufzustehen. Dann saß er da, die Serviette über seinem aufgerichteten Prügel, ein Gefangener meiner erotischen Folter und seiner eigenen Scheu. Manchmal drückte ich ihm einen Kuss auf die frisch rasierte Wange, nur weil ich mich daran laben wollte, die Serviette hüpfen zu sehen.

Joe ließ mich wieder genießen, eine Frau zu sein.

Ich erreichte den Treppenabsatz und sah, dass seine Tür offenstand. Ich nahm einen Hauch seiner Seife und dem von Aramis wahr, dem besten Aphrodisiakum, das ich kannte. Meine Handflächen kribbelten vor Aufregung. Ich hatte nicht vor herumzuschnüffeln, ich wollte nur die Disc greifen und wieder gehen. Trotzdem hüpfte mein Herz bei der Aussicht, sein privates Refugium ganz für mich allein zu haben. Wer wusste schon, worüber ich stolpern würde?

Als wollte es meine Gedanken krönen, schaute Joes Poster von Phantom der Oper auf mich herab, während ich zum CD-Gerät schlenderte. Robert Crays Strong Persuader lag ganz oben auf dem Stapel. Joe wusste, dass ich das Album liebte, und er wusste auch, dass ich mich meistens zu ihm gesellte, wenn er die Scheibe auflegte. Ich vermute, dass er sie so oft spielte, wie er sich traute. Ich warf die Plastikhülle in die Luft, fing sie geschickt wieder auf und blieb wie angewurzelt stehen.

Joes Suspensorium hing an einem Bettpfosten. Der weiße Sack, ausgebeult von der Erinnerung seiner Last. Ich wusste von unseren Frühstücksbegegnungen, dass er gut bestückt war. Oh ja, Joe war ein einsachtzig großer, dreiundzwanzigjähriger Hengst, hart wie ein Brett.

Ich befingerte die schweißklamme Baumwolle. Der Mund meiner Pussy zog sich zusammen, und ein paar warme Tröpfchen rannen heraus.

Aber das war zu pervers. Mein nächster Gedanke war: Na und? Männer geilten sich an Frauenunterwäsche auf. Warum sollte ich mich nicht an einem Suspensorium weiden? Ich brachte die Baumwolle an meine Nase und schnüffelte die Mischung aus gutem Schweiß und dem Moschus eines jungen Mannes. Sofort spürte ich das Verlangen, das Ding an mich zu nehmen und es unter mein Kopfkissen zu legen. Oder ich könnte es zwischen meine Schenkel pressen, während ich mich zum Orgasmus streichelte.

Ich sagte mir, dass dieser Drang kindisch war, ganz abgesehen davon, dass es sich um Diebstahl handelte, aber ich schob das Wäschestück in meine Tasche und ignorierte meine Gewissensbisse. Schlimmer noch – ich setzte die Durchsuchung seines Zimmers fort. Ich strich über die militärische Falte am Ende der Matratze, Beweis für Joes Disziplin. Es war das Bett eines jungen Mannes, schmal, ein Bett eben, das man vom Haus der Eltern in die erste eigene Wohnung tragen konnte, weil man nicht genug Geld besaß, um ein größeres zu kaufen. Das Bett ließ mich an tobende, unerwiderte Hormone denken, an Masturbationsarien mit dem Playboy des großen Bruders und an häufiges Aufwachen in klebrigen Laken.

Verdammt, ich musste verrückt sein, wenn ich ernsthaft darüber nachdachte, mit einem so jungen Kerl was anzufangen.

Verärgert über mich selbst (aus mehr Gründen, als ich aufzählen konnte), drehte ich mich um und betrachtete mich in dem kleinen quadratischen Spiegel an der Tür. Ich bin einssechzig groß und konnte mich nur bis zum Hals sehen.

Ich versuchte, möglichst objektiv zu sein, und stand einer Frau mit glatter Haut und großen blauen Augen sowie einem Schopf widerspenstiger kastanienbrauner Locken gegenüber. Das Powerwalken sorgte nicht nur dafür, dass die Kurven an den richtigen Stellen blieben, sondern auch für eine frische Gesichtsfarbe. Ich habe üppige Lippen, weich und rosa, und meine hohen Wangenknochen erinnerten an irgendeinen vergessenen skandinavischen Vorfahren.

Mein Gesicht schien viel offener zu sein, als ich in Wirklichkeit war. Nur wenn ich lächelte, zeigte sich ein Zwinkern in den Augen, das Leute auf den Gedanken bringen konnte, ich hätte meine eigenen kleinen Geheimnisse.

Meine Mundwinkel hoben sich. Meiner Meinung nach war dieses schelmische Grinsen mein bester Gesichtsausdruck. Ich hätte nicht zulassen dürfen, dass mir der Sinn für Spaß abhandenkommt. Die Scheidung hatte mein Selbstvertrauen angefressen, aber das war keine Entschuldigung dafür, dass ich die Gelegenheiten ignorierte, die mir das Schicksal so freundlich anbot. Joe war dreiundzwanzig, ein erwachsener Mann. Sobald ich den Mut aufbringen konnte, würde ich ihn unmissverständlich wissen lassen, dass ich mehr als bereit war, mit ihm zu spielen.

Leider war das leichter gesagt als getan. Mein Grinsen schwand, ich stieß einen Seufzer aus und zog Joes Tür hinter mir zu. Das dritte Stockwerk rief – mein Schlafzimmer, mein breites Bett, meine zweihundert Seiten Masturbationshilfe.

Vor der Tür zu meinem Zimmer ließ mich ein Geräusch innehalten, ein rhythmisches Rattern, als flatterte die Jalousie ans Fenster, aber dafür kamen die Geräusche zu schnell nacheinander, und sie wurden immer schneller.

»Mach langsam«, zischte eine Stimme. Das war Joe. »Ich glaube, ich habe jemanden gehört.«

Eine andere Stimme knurrte irgendwas. Das Flattern wurde langsamer, aber es hörte nicht auf.

Ich drückte eine Hand auf mein Herz, das wild schlug. Joe und Sean trieben es in meinem Zimmer. Eine Hitzewelle erfasste mich vom Scheitel bis zu den Knöcheln. Sofortige intensive Erregung. Ich hatte nicht einmal Zeit, beleidigt zu sein. Von Säften umspült schlug meine Klitoris einen eigenen Takt gegen den Saum der Jeans.

Meine Knie wurden butterweich. Ich griff mit der Hand zur Tür. Ich drückte. Die Tür öffnete sich einen Spaltbreit. Ich hielt mich am Rahmen fest, um nicht umzukippen.

Durch die schmale Öffnung konnte ich sie beide sehen. Beide waren splitternackt. Joe lag gebückt da, mit den Armen stützte er sich am Fußende ab. Seine Beine waren weit gespreizt; jeder Muskel von Schenkeln und Waden war straff gespannt. Es gab keinen Zweifel, woher die Spannung kam – Sean nahm ihn von hinten. Die Wucht seiner Stöße ließ das Bett rattern. Seine festen pinkfarbenen Backen waren zusammengepresst.

Was für einen knackigen Arsch dieser Sean hatte! Ich war so sehr von Joes Schwärmerei für mich abgelenkt gewesen, dass mir Seans Vorzüge gar nicht aufgefallen waren. Jetzt lechzte ich danach, seine Backen zu küssen und auch reinzubeißen. Die Knöchel meiner Hand, mit der ich mich an der Tür festhielt, wurden weiß. Ich zwang mich dazu, ganz still zu verharren.

Sean war nicht so groß wie Joe, aber er schien sich in der oberen Position wohlzufühlen. Er streichelte Joes dunkel behaarten Torso mit einer Hand voll gelber Seide. Jetzt ließ er ein Ende des Seidentuchs über Joes ausgefahrenen Schaft gleiten, der bei der Berührung wie eine Feder aufsprang. Sean gluckste und wiederholte die neckende Bewegung.

Offenbar genoss er es nicht weniger als ich, Joe zu quälen.

Aber Sean war nicht mein Problem. Das war Joe. Deshalb richtete ich meine Aufmerksamkeit wieder auf den jungen Mann, den ich so gern ein bisschen quälte.

Durch den Schweiß standen Joes schwarze glatte Haare wie Spikes vom Kopf ab. Sein Gesicht war gerötet und ein wenig verzerrt, aber nicht vor Schmerzen. Während ich zuschaute, wölbte er den Rücken noch etwas mehr, und seine Backen hoben sich höher.

Sean nutzte das Angebot, griff an Joes Schultern und drang tiefer in ihn ein. »Du brauchst es, was? Wenn du es mal einen Tag nicht bekommst, ist es ein verlorener Tag. Teufel, wenn ich es dir jede Stunde besorgte, würdest du noch mehr wollen.«

»Leck mich«, gab Joe zurück, aber er drückte sich mit ganzer Kraft dem nächsten Stoß entgegen.

Sean lachte. Er kniff Joe in die Schulter und strich mit der Wange über die glatte olivfarbene Haut. Die Geste wärmte mein Inneres. Ich hätte nie gedacht, dass Sean zu Zärtlichkeit fähig war – oder dass seine Beziehung zu Joe etwas anderes sein könnte als ein Machtspielchen.

»Würde sie das für dich tun?«, fragte er. »Würde sie dich über das Bettende legen und es deinem Arsch besorgen, bis du es nicht mehr aushältst?«

Sie? Wen meinte er damit? Mich?

Joe würgte ein Lachen heraus. »Das wäre spannend zu sehen, wenn ich mir ihre Ausrüstung vorstelle.«

Sean lachte ebenfalls, und dann fühlte ich mich wirklich als der Eindringling, der ich war.

Aber es war mein Zimmer! Ich atmete rasch durch, dann stieß ich die Tür auf. Die Männer erstarrten, mitten im nächsten Stoß.

»Verdammt«, sagte Sean.

»Oh Himmel«, sagte Joe.

Das Gesicht des jungen Joe war wie eine Leinwand seiner Emotionen. Ich las Zerknirschung in den zusammengepressten Lippen und Verlegenheit in den glühenden Wangen. »Oh, Kate, wir haben dich nicht so früh zurückerwartet.«

»Das dachte ich mir schon.«

Er hörte meine trockene Antwort und versuchte, sich zu lösen, aber Sean wollte nichts davon wissen. Seine muskulösen Arme hielten Joes Taille wie ein Schraubstock. Dann stieß er wieder kurz und tief zu, und Joe konnte sein lustvolles Stöhnen nicht unterdrücken.

Dieses Stöhnen war der letzte Tropfen, den ich brauchte, um tiefer ins Zimmer zu treten.

Langsam hob Joe den Kopf. Seine cognacfarbenen Augen leuchteten dunkler als sonst. Jetzt wusste ich, warum sie in meinem Zimmer waren – die Gefahr, dass ich sie überraschen könnte, steigerte ihre Erregung. Aber damit konnte ich leben, denn schließlich hatten sie mich auch erregt.

Ich unterdrückte ein Lächeln, schüttelte meine Jacke von den Schultern und hängte sie über einen Stuhlrücken. Eine Tasche war von Joes Suspensorium ausgebeult. Was für ein böses Mädchen ich doch war, und mit jeder Minute wurde ich schlimmer. Unter meinem apfelroten Rollkragenpulli fühlten sich meine Brustspitzen kalt an, als wären sie in Eis gelegt.

Sean fiel es zuerst auf. Er hielt mit seinen Stößen inne.

»Schau an, schau an. Es sieht so aus, als ob unsere Vermieterin gar nicht sauer auf uns ist.« Er fuhr mit einem Finger um Joes Nippel, ein kleiner Spiegel meiner eigenen Brustwarzen. »Warum fragst du sie nicht, ob sie mitmachen möchte?« Man hörte heraus, dass Sean damit rechnete, ich würde vor der Herausforderung davonlaufen.

»Ja, warum fragst du mich nicht?« Ich bemühte mich um eine besonders verführerische Stimme.

In der Stille meines Dachzimmers schnappte Joe laut nach Luft. Sein Penis hüpfte wieder hoch und blieb da stehen. Hatte ich ihn schon mal so in voller Größe gesehen? Ich trat näher. Die Spitze glänzte, leuchtete pflaumenrot und war auch geformt wie eine Pflaume. Ich leckte mir über die Lippen. Joe stöhnte.

Hinter ihm starrte Sean mich an, wie eine Schlange einen Mungo anstarrt. Aber er zog sich nicht aus Joe zurück. Vielleicht ahnte er nicht, dass ich ihn genau da haben wollte, wo er gerade steckte.

Ich ging um das miteinander verbundene Paar herum und labte mich am glänzenden Schweiß auf den Körpern und dem Spiel männlicher Muskeln. Sie gaben ein schönes Bild ab, Sean so hell und Joe so dunkel. Seans Backen spannten sich an, als könnte er meine Blicke auf ihnen spüren. Dann stand ich auf der anderen Seite.

Niemand konnte übersehen, wie mein neugieriges Gucken auf Joe wirkte. Seine Erektion berührte die Haut unterhalb seines Nabels. Ich nahm an, dass es eine schmerzhafte Erektion war. Sie sah zum Anbeißen aus.

Er sah mich an und biss sich auf die Unterlippe. »Willst du … willst du mitmachen?«

»Das hängt von deinem Partner ab«, sagte ich. »Hast du die Einladung ernst gemeint, Sean? Oder wolltest du nur testen, ob ich anbeiße?«

»Versuch’s mal, aber ich warne dich – ich beiße zurück.« Er fletschte die Zähne. »Und ich mag Frauen, wenn es das ist, was du wissen willst.«

Eingebildeter, sexy Bastard. Um ihn würde ich mich später kümmern. Ich freute mich schon darauf. Aber für den Moment waren Joe und sein stolzer Ständer mein erstes Ziel.

Er sah mich an, und ich zeigte auf mein Hemd. Die weiche Baumwolle klebte an meinen harten Nippeln. Er starrte die kleinen Spitzen an. »Möchtest du, dass ich mein Hemd ausziehe?«, fragte ich.

»Ob ich das möchte?« Er schüttelte den Kopf, als wollte er seine Gedanken ordnen. »Natürlich will ich das.«

Sean schniefte. Ich ignorierte ihn. Ich nahm den Saum in beide Hände und zog das Hemd über meinen Kopf, dann schüttelte ich meine kastanienbraunen Locken aus. Jetzt trug ich nur noch meine Jeans und einen spitzenbesetzten schwarzen BH. Beide Männer bekamen große Augen, sichtlich beeindruckt.

Siehst du, sagte ich in Gedanken zu meinem Ex, es gibt Männer, die zu schätzen wissen, was ich zu bieten habe. Manche Männer würden mich gegen eine ganze Meute flachbrüstiger Teenies tauschen.

Kühn geworden strich ich mir mit den Händen an den Seiten entlang und hob dann meine Brüste an, als wollte ich sie wiegen, eine Geste, wie ich sie von Männern kenne. Die Nippel lugten über den Rand des BHs. Ich hörte, wie Joe einen leisen Pfiff ausstieß.

»Amen«, sagte Sean. Sein Blick konzentrierte sich auf meine Brust, während er mit dem Seidentuch andächtig eine Acht auf Joes Bauch beschrieb. Ich hatte das seltsame Gefühl, dass er eigentlich mich mit der Seide streicheln wollte.

Neugierig griff ich mit der Hand nach dem gelben Tuch. Als ich es schüttelte, erkannte ich, dass es sich um ein kurzes Seidenhemdchen handelte. Mir gehörte es nicht, aber jemand hatte mein Chanel Nr. 19 darüber gesprüht. Ich wusste nicht, was ich davon halten sollte, auch nicht von Joes entsetztem Gesichtsausdruck.

»Wem gehört das?«, fragte ich.

Joes Augen öffneten sich noch weiter. »Ich dachte, es ist deins.«

Sean räusperte sich, er sah verlegen aus. »Ähm, ja, das habe ich ihm gesagt. Ich … äh, ich wollte verhindern, dass wir deine Wäsche versauen. Ich habe Schwestern, deshalb weiß ich, wie pingelig Frauen sind, was ihre Wäsche angeht.«

Ich presste die Lippen aufeinander, um ein Lachen zu unterdrücken. »Sehr rücksichtsvoll, Sean.«

Joe runzelte die Stirn. Nun, das war keine Reaktion, die ich ermutigen wollte, deshalb warf ich das Wäschestück auf den Boden und zwängte mich aus meiner Jeans. Damit hatte ich seine volle Aufmerksamkeit, besonders als ich mich auf die Knie fallen ließ und mich unter seine Arme duckte, um meinen Platz zwischen ihm und dem Fußende einzunehmen.

Ich betrachtete seinen Penis. Er war lang und dick. Er würde eine Herausforderung sein, aber eine, auf die ich mich freute. Ich wusste, dass er mich beobachtete, deshalb ließ ich die Zunge über meine Lippen kreisen.

»Oh Himmel«, stöhnte Joe.

Seans Hände hielten Joe fest im Griff. Beide Männer keuchten jetzt; ich hatte sie am Haken. Ein Gefühl unglaublicher Macht rauschte durch meine Venen. Ich blies meinen Atem über Joes Schoß. Seine Hüften stießen hoch.

»Bitte, Kate, ich halte das nicht mehr aus. Bitte, fass mich an.«

Ich fasste ihn an. Wie eine Katze rieb ich mein Gesicht über das V seiner inneren Schenkel. Ich knetete seine Waden, bis sich die Knoten unter meinen Handflächen verflüchtigt hatten. Ich küsste seinen Hüftknochen. Ich strich mit gespreizten Fingern durch seine Schamhaare, und dann, als sein Atem schluchzend kam und Seans Knöchel von seinem angestrengten Griff weiß wurden, öffnete ich weit meinen Mund und saugte einen Hoden tief ein.

»Kate.« Mit einer zittrigen Hand strich Joe über meine Locken. »Kate.«

In diesem Moment wusste ich, ganz egal, wie gut er sich bei Sean fühlte, für Joe existierte jetzt nur noch ich. Ich schlang den anderen Hoden in meinen Mund, prüfte Gewicht und Umfang und leckte mit der Zunge über die drahtigen Härchen.

»Bereit?«, fragte ich und leckte einmal kurz und neckend über die Wurzel.

Er war zu sehr außer Atem, um antworten zu können, aber er löste die andere Hand vom Fußende und strich durch meine Locken. Ich wollte gerade beginnen, als seine Finger sich verspannten und mich zurückzogen.

»Warte«, sagte er mit hoher, dünner Stimme. »Ich brauche ein Kondom.«

Sean fluchte laut vor sich hin. Offenbar waren ihm die Verzögerungen zuwider. »Sei nicht so prüde. Du ziehst einfach zurück, wenn es dir kommt.«

»Aber ich triefe jetzt schon.«

Das stimmte allerdings. Winzige Tropfen Lustflüssigkeit sickerten durch das Auge seiner Eichel.

»Ich kümmere mich darum«, sagte ich und wischte mit einem Papiertaschentuch darüber.

Als ich Joes Schaft in den Mund nahm, stieß er einen langen Seufzer aus. Ich kam mir wie die liebevollste Frau der Welt vor. Diesmal schluckte ich so viel ich aufnehmen konnte und fuhr in einem gleichmäßigen Rhythmus auf und ab. Jetzt ging es nicht mehr ums Necken, sondern nur noch um Erleichterung.

Sean begann im Takt meines Saugens zuzustoßen, und bei jedem Stoß wurde Joe nach vorn gedrückt. Immer der Gentleman, stemmte sich Joe mit den Beinen in die Matratze, damit er nicht so tief in meine Kehle stoßen musste. Er konnte nicht wissen, dass ich den zusätzlichen Druck liebte, das wahnsinnige Gefühl, einmal Zeugin zu sein und zugleich mitzumachen.

Ich war zu aufgegeilt, um der Versuchung zu widerstehen, deshalb schob ich Seans Hände zu Joes Hodensack. Sean drückte leicht zu.

»Oh ja«, ächzte er. »Mein Freund, du bist dran.«

Nachdem ich die wichtigsten Dinge eingeleitet hatte, blieb Zeit für mein eigenes Vergnügen. Ich schob eine Hand in mein Spitzenhöschen.

Joes Schaft veränderte plötzlich den Winkel in meinem Mund. Er verrenkte den Hals, um zuschauen zu können. Hatte er noch nie eine Frau beim Masturbieren gesehen? Die Vorstellung, dass es neu war für ihn, beschleunigte die Spirale der Hitze in meinem Bauch. Vielleicht würde er gern mehr sehen.

Ich zog die Hand zurück und legte sie auf die Spitze des Elastikbandes. »Soll ich mir das Höschen ausziehen?«

»Ja.« Er war völlig außer Atem, deshalb konnte ich ihn kaum verstehen. »Bitte.«

Ich ließ für den Moment von ihm ab und schlängelte mich aus dem Höschen, dann ließ ich zwei Finger durch die glitschigen Blütenblätter meiner Pussy gleiten. Joes Zunge stieß durch seine Zähne und benetzte seine Oberlippe. Er schluckte. Ich nahm mir vor, ihn das schmecken zu lassen, wonach er lechzte.

Da störte Sean unsere vertraute Szene. »Können wir ein bisschen schneller zum Ende kommen? Ich glaube, ich kann nicht mehr viel länger durchhalten.«

»Dann komm doch«, sagte Joe.

»Ich will mit dir zusammen kommen.«

»Dann beiß die Zähne zusammen. Ah, ja.« Joe knurrte vor Entzücken, als ich ihn bis hinunter zur Wurzel lutschte. Sein Geräusch trieb mich an. Ich rieb schneller über meine Klitoris und spreizte die Knie weit, damit Joe alles sehen konnte. Hören konnte er auch. Meine Finger wetzten durch die Saftlache, und ich konnte spüren, wie Joes Schwanz voller Begeisterung gegen meinen Gaumen stieß. Unter der samtenen Haut war er hart genug, Nägel einzuschlagen. Ich züngelte an der süßen Stelle am Bändchen der Vorhaut. Seine Knie drohten nachzugeben.

»Mach das noch mal«, sagte er. »Oh ja. Du musst dich noch zurückhalten, Sean, denn das will ich länger auskosten.« Seine Hände hielten meinen Kopf fest. »Es sei denn, du bist schon müde …«

Ich lachte und saugte härter. Jahrelange Praxis hatte mir ein Kinn aus Stahl besorgt. Ich würde so lange aushalten wie er, und wenn ich es richtig einschätzte, würde es mit ihm nicht mehr lange dauern. Niemand konnte so steif werden und nicht bald explodieren.

»Oh Mann«, klagte Sean.

»Oh ja«, lobte Joe.

Ihre Reaktionen waren zu viel für mich. Ich musste kommen. Mit einer Hand hielt ich mich an Joes Knie fest, damit ich mit der anderen Hand schneller über meine rosige Knospe reiben konnte, der Lust entgegen.

Gefangen in seiner eigenen Ekstase, verlor Sean die letzten Reste seiner Kontrolle. »Mach schon.« Sein Bauch klatschte gegen Joes Rücken, als er auf die Überholspur einschwenkte. »Komm jetzt, ich kann’s nicht länger halten, verdammt.«

Meine Finger glitten durch meine Erregung. Ich stieß den längsten in meine nasse Sommerhitze, fühlte die Muskeln flattern und klemmen und spürte, wie sich die süße Lust in meinem ganzen Körper ausbreitete.

Aber Joe schlug uns beide. Sein Penis zuckte einen Moment bevor Sean wie ein Nebelhorn prustete, nur eine Sekunde bevor mein Körper sich in Ekstase wand. Der Orgasmus schüttelte mich, als wäre ich eine Stoffpuppe, ich zuckte wie verrückt und schlug mit dem Kopf auf dem Bett auf.

Joe wand sich sofort aus Seans Umklammerung und kniete sich neben mich.

»Kate, mein Schatz.« Er zog mich an sich. »Hast du dich am Kopf verletzt?«

»Nein, alles in Ordnung.« Ich rieb die wunde Stelle, aber seine Fürsorge verwirrte mich mehr als mein Bums gegen das harte Holz des Bettes.

»Du armes Ding«, sagte er und wiegte mich wie ein Kind.

Da er seinen Partner verloren hatte, trat Sean in Richtung Fenster und wandte sich ab. Die untergehende Sonne vergoldete die Kurve seines Rückens. Mit gespreizten Fingern fuhr er sich durch die kurzen blonden Haare. Seine Schultern sackten leicht herab. Ich machte mir tatsächlich Sorgen um ihn.

Was war, wenn ihm wirklich eine Menge an Joe lag? Dann drängte sich mir ein schrecklicher Gedanke auf, und entsetzt drückte ich eine Hand auf meinen Mund. »Oh, Joe, ich habe dich doch nicht gebissen, oder?«

Er küsste mich auf die Nasenspitze. »Nein, mein Schatz, du hast rechtzeitig losgelassen.«

Mit einer mir schmeichelnden Mühelosigkeit hob er mich vom Boden hoch und setzte mich auf mein King-Size-Bett. Ich war schläfrig und warm und ließ zu, dass er mir den BH auszog – es war das einzige Kleidungsstück, das ich noch am Körper trug. Seine Hände glitten sanft forschend über meine Brüste, eine seltsam tröstende Geste. Dann zog er die Tagesdecke heran und bedeckte mich damit bis zum Hals.

Zu meiner Überraschung – wenn man Seans besitzergreifende Art bedachte – setzten sich die Männer rechts und links von mir aufs Bett. Sean schmiegte sich an meinen Rücken und seufzte erschöpft. Ich tätschelte den Arm, den er um meine Taille gelegt hatte. In all meinen Fantasien hatte ich mir niemals vorgestellt, ihn zu verführen.

Eigentlich hatte ich ihn ja auch nicht verführt. Er hatte es nur zugelassen, dass ich mitmachte. Nun, es war doch etwas mehr, schließlich hatte er es genossen. Warum also hatte ich das Gefühl, als hätte ich ihm etwas weggenommen? Und warum wünschte ich mir, das Ganze noch einmal zu wiederholen – nicht nur Joe und ich, sondern wieder zu dritt?

Spätfolgen der Scheidung, dachte ich. Man stellt sich vor, wenn ein Mann dein Selbstwertgefühl wieder hebt, dann können zwei Männer es durchs Dach fliegen lassen. Aber daran glaubte ich nicht. Ich hatte einen kurzen Blick auf den echten Sean werfen können, und dieser Blick hatte etwas in mir gerührt.

Wir hatten mehr gemeinsam als nur unsere Lust auf Joe.

Die Frage war, wie sollte ich mit dieser Situation umgehen? Halt den Ball flach, dachte ich. Nimm es wie ein Spiel, dann wird niemand verletzt.

Das Objekt unserer Zuneigung hob den erotischen Roman auf, den ich vor einer Ewigkeit auf meinem Nachttisch zurückgelassen hatte. »Hm«, sagte er. Mit einem Finger strich er über die pornografische Szene auf dem Umschlag. »Ich bin mir sicher, dass ihr Schlafmützen es nicht nötig habt, aber ich glaube, ich werde euch eine Gute-Nacht-Geschichte vorlesen.«

Intensives Flüstern weckte mich, und dazu die streichelnden Berührungen einer Hand auf meiner Hüfte. Joes Hand. Ich erkannte die langen Finger, die Zartheit, die so gar nicht zu seinen jungen Jahren passte. Oder war es die Jugend, die ihn so zärtlich sein ließ? Vielleicht würde das Alter seine Sanftheit abschleifen.

Der Gedanke beunruhigte mich. Und diese Beunruhigung störte mich noch mehr.

Ich täuschte Schlaf vor, was nicht ganz einfach war. Seans nackte Vorderseite drückte gegen meine nackte Rückseite, und seine Erektion wühlte in der Kerbe meiner Backen. Die Lust sagte mir, ich sollte mich näher an ihn drücken, die Neugier sagte, ich sollte still liegen bleiben und zuhören. Die Neugier gewann.

»Was ist dein Problem?«, zischte Sean.

»Sie schläft.«

»Keine Sorge. Es wird ihr gefallen.« Seans Brustkorb war schweißnass vor Aufregung. Seine harten Nippel drängten heiß gegen meinen Rücken. Was auch immer ›es‹ sein mochte, ich war mir sicher, dass es mir gefallen würde.

»Aber ich habe das noch nie getan.«

Sean langte über mich und zerzauste Joes Haare. »Es ist nicht schwer. Verdammt, bei einem Mann ist es viel schwerer.«

»Und was ist, wenn ich es nicht finde, und wieso kennst du dich so gut damit aus?«

»Ich hatte auch schon ein Leben, bevor ich dich kennengelernt habe, Mann. Die Tatsache, dass ich Männer mag, bedeutet längst nicht, dass ich nicht auch eine gut aussehende Frau zu schätzen weiß.«

»Aber ich dachte … Ich meine, du hast mir nie erzählt …«

Das Gespräch wurde mir zu privat. »Ich bin wach«, sagte ich und legte eine Hand auf Joes Bauch. Seine Bauchmuskeln zuckten.

»Oh«, sagte er, und dann: »Oh Mann«, als meine Finger tiefer glitten.

Ich packte die Wurzel seiner Erektion und zog daran, bis seine Eichel über meine Handfläche strich. Er hielt meine Hand fest, bevor ich ihn weiterstreicheln konnte.

»Benimm dich«, sagte er. Er warf die Decke zurück und starrte mich im Mondlicht an. Seine Hand strich über die Kurve meiner Hüften. »Du bist schön.«

Das Kompliment erhitzte meine Haut. Hatte jemand diese Worte schon mal so überzeugend ausgesprochen?

Das Bett knarrte, als er tiefer nach unten rutschte. Ich hörte, wie die Tagesdecke auf den fadenscheinigen türkischen Teppich fiel, dann hörte ich Joes beschleunigten Atem. Sprachen diese hastigen Atemzüge von Angst oder von Erregung? Ich konnte nur hoffen, dass er nichts tat, was er in Wirklichkeit nicht wollte.

Er küsste die empfindliche Haut unterhalb meines Nabels, dann rieb er sein Gesicht gegen meinen Pelz. Er wiederholte diese bezaubernde Geste noch einige Male, und ich hatte den Eindruck, dass er nicht wusste, wie er beginnen sollte. Meine Besorgnis wuchs.

»Hier«, sagte Sean. Er hob meinen Oberschenkel an und legte ihn über Joes Schulter. Der Geruch von Männerschweiß und weiblichem Moschus parfümierte die Luft.

Joe küsste mich auf eine geschwollene Schamlippe.

Als er es dabei beließ, sagte Sean: »Pass mal auf.« Seine Hand, mit Schwielen bedeckt von der harten Arbeit auf dem Bau, der er jeden Sommer nachging, glitt über meinen Bauch. Er kämmte sich durch meine Löckchen und teilte die Labien.

Er wusste genau, was er zu tun hatte. Sein erster und zweiter Finger strichen in das glitschige Tal zu beiden Seiten der Klitoris. Er rieb geschickt auf und ab, übte einen sanften Druck aus, zupfte an der nassen Haut, regte die Nerven an und verteilte die zunehmende Feuchtigkeit, bis sich mein ganzes Geschlecht wie geölt anfühlte. Schließlich drückte er den zartesten Leckerbissen zwischen zwei Fingern. Die Spitze schwoll an, Joes wartendem Mund entgegen.

»Siehst du«, sagte Sean, und in seiner Stimme schwang Triumph mit. »Kein Problem, die richtige Stelle zu finden.«

»Überhaupt kein Problem«, stimmte Joe zu und streckte die Zunge heraus, um über das delikate Angebot zu lecken.

Seine Berührung löste ein köstliches Pochen aus. Ich musste an mich halten, um mich nicht unter ihm zu winden. Joe leckte mich durch Seans Finger, und diesmal setzte er mehr Kraft ein. Oh, er hatte einen guten Mund, einen naturbegabten, pussyverliebten Mund, weich, aber nicht zu weich, neugierig und flexibel. Jeder Kontakt ließ meine Nerven zusammenzucken und lockte die eigenwilligsten Laute aus meiner Kehle. Ich konnte mich nicht länger zurückhalten, nahm seinen Kopf in beide Hände und zog ihn näher an mich heran.

»Lass los«, krächzte Joe.

Ich versteifte mich, aber zu meiner Erleichterung meinte er Sean. Joe schob die Hand des Freundes weg und nahm das ganze Umfeld meines Geschlechts in seinen Mund. Seine Lippen zupften an meiner Klitoris, während seine Zunge sie massierte. Ich begann, unruhig zu werden, denn mein Orgasmus stand dicht bevor. Er strich mit den Daumen über die Innenseiten meiner Schenkel. »Sch«, sagte er besänftigend.

Aber mit einem ›Sch‹ war es nicht getan. Es fühlte sich so gut an. Ich wollte unbedingt kommen. Meine Hüften ruckten bei jedem Lutschen seiner Lippen. Sean drückte von hinten gegen mich, er wollte helfen und ließ mich seine Erektion spüren.

Dann hob Joe den Kopf. »Schalt das Licht ein«, sagte er.

Sean gehorchte sofort, was mich überraschte, und zog an der Kette der Tiffany-Lampe. Rotorangenes Licht badete unsere miteinander verbundenen Körper. Wie Neonlicht hob die Lampe die muskulösen Arme und Beine hervor, die breiten Brustkörbe und meine weichen Brüste – drei gesunde Tiere, die die Grenzen der Liebe ausloteten.

Joe warf einen Blick auf sein Werk. Seine Daumen spreizten mich. Der Anblick meines glitzernden Geschlechts schien ihn zu faszinieren.

»Hör jetzt nicht auf«, sagte ich zwischen Lachen und Frustration.

»Nur eine Sekunde«, versicherte er mir.

Sein Kopf kam wieder hoch, weil er sehen wollte, womit Sean in meinem Rücken beschäftigt war. »Nein, Mann. Du bist zu groß. Du tust ihr weh.«

Ich drehte mich um.

Sean schraubte den Verschluss einer Tube Gleitcreme auf.

»Ich wollte doch gar nicht«, sagte er, ganz Unschuld. »Außerdem ist sie nicht enger als du.«

Er sah mich an, als wollte er mich um meine Einwilligung bitten, und Hoffnung breitete sich auf seinem Gesicht aus. Statt mich sofort zu entscheiden, warf ich zuerst einen prüfenden Blick auf seinen Penis. Was ihm an Länge fehlte, machte er durch Umfang wett. Sean verzog das Gesicht. Wenn er ihn hätte kleiner machen können, hätte er das bestimmt gemacht.

»Er ist zu dick«, sagte Joe.

»Aber dafür ist er nicht so lang«, wandte Sean ein, dann sagte er seufzend: »Ihr Arsch ist wahrscheinlich noch Jungfrau.«

»Ich fürchte, ja«, gab ich zu. »Bisher hat er nichts Größeres als einen Finger gespürt.«

Er sah so niedergeschlagen aus, dass ich mich bemüßigt fühlte, ihn zu trösten. »Ich habe nicht ›nie‹ gesagt.« Sean hatte an diesem Abend das eine oder andere Opfer gebracht, und er hatte dafür gesorgt, dass ich mitmachen konnte. Er hatte es verdient, dass er seinen Lieblingssport betreiben konnte – und wer konnte schon sagen, dass es mir nicht gefallen würde? Joe hatte offenbar immer noch seine Zweifel.

»Dann ist das also geklärt«, sagte er. »Nur Finger.«

»Ein oder zwei Finger?«, neckte Sean.

Joe schüttelte den Kopf, aber um seine Mundwinkel zuckte es. Er ließ sich wieder zwischen meinen Beinen nieder, diesmal weniger nervös. »Also weiter.« Er spreizte erneut meine Beine und leckte kurz über die Labien, als wollte er hallo sagen. »Wo waren wir?«

Sean wartete, bis ich mich wieder unter Joes Mund wand, bevor er mit der Erforschung meines Hintereingangs begann. Trotz meiner Zustimmung verspannte ich mich. Mein Ex hatte mich an dieser Stelle nur ein bisschen gerieben, wenn ich seiner Meinung nach zu lange brauchte, um zu kommen.

»Entspann dich.« Sean drückte seine Zähne in meinen Nacken. »Ganz ruhig.«

Joe begann, kräftig zu saugen, und Sean drückte zwei mit Gleitcreme bestrichene Finger in die faltige Knospe meines Anus. Auf meinen Armen bildete sich eine Gänsehaut. Seine Finger glitten tiefer hinein, und als er sie ganz versenkt hatte, fing er mit einer behutsamen Massage an.

Der überraschende Lustausbruch ließ mich stöhnen. Sean spreizte die Finger und dehnte mich, zweifellos wollte er mich für den Tag vorbereiten, an dem er die Festung mit seinem Schaft erstürmen durfte. Ich stöhnte wieder. Sein unvertrautes Eindringen weckte bisher verborgene Nervenstränge in mir. Unter seiner erfahrenen Berührung glitzerten sie wie Wunderkerzen. Plötzlich kam mir Joes Saugen nicht mehr so sanft vor, es war fast unerträglich intensiv.

»Braves Mädchen«, lobte Sean, und seine Stimme zitterte vor Erregung. Seine Hüften hoben meine an, und ich spürte seinen fordernden Schaft, der viel zu hart war, um ihn zu ignorieren.

Er rutschte enger hinter mich, als müsste er sich eine neue Position suchen. Ich spürte jede Bewegung seines Penis, der gegen die Innenseite meines Schenkels stieß. Seine Größe, seine glatte Haut, die heftig pulsierenden Venen im Stamm, das alles löste einen Schwall meiner Säfte aus.

»Oh ja«, ächzte er, und wie ein Kenner fügte er hinzu: »Baby, du bist heiß.«

Joe nuckelte unterdessen weiter unten. Dann hörte ich Sean stöhnen, und ich wusste, dass auch er schon von Joes Zunge profitiert hatte.

»Zu dir komme ich noch«, versprach Joe ihm.

Aber zuerst kamen sie zu mir.

»Schneller?«, fragte Sean und streckte mich mit den Fingern noch etwas weiter.

Ich konnte nur stöhnen.

Joe verstand das als ja und verstärkte seine Bemühungen. Sekunden später überrollte mich der erste Orgasmus. Mein Nacken schmerzte, und meine Beine wurden steif. Joe streckte eine Hand aus und quetschte meine Nippel zwischen Daumen und Zeigefinger. Sofort wurde mein Körper von einem neuen Höhepunkt geschüttelt.

Joe spürte das, lachte und stieß in rascher Folge mit der Zunge gegen meine Klitoris. Das musste Sean ihm beigebracht haben. Ich schrie so laut auf, dass ich bestimmt die Nachbarn damit weckte. Ich drückte meine Pussy in sein Gesicht und kam schon wieder.

»Cool«, sagte Joe, als ich schließlich zurück auf die Erde schwebte.

»Komm her«, sagte ich mit dem letzten Rest meines Atems. Er glitt meinen Körper hoch, und wir küssten uns. Unser erster Kuss, hungrig von ihm, träge und sehnsuchtsvoll von mir. Er schmeckte nach mir und nach sich selbst, eine Mischung von scharf und süß. Zu meiner Überraschung und Freude küsste er ohne Zögern und ohne Hemmung. Seine Zunge drang tief in meinen Mund ein, als könnte er nicht genug von mir bekommen, als wollte er mich mit dem Fieber nach mir anstecken. Und es steckte mich an. Nach wenigen Minuten war ich wieder bereit für ihn.

Ich war zu überwältigt, um etwas sagen zu können, deshalb nahm ich einfach seinen Schwanz in die Hand und führte ihn zu meinem Tor.

Er hielt mich mit einem leichten Kopfschütteln zurück.

Einen Moment lang fürchtete ich, das Ausmaß seines Interesses überschätzt zu haben. Wenn er an vaginalem Sex nicht interessiert war, dann hatte er vielleicht gar keine Bi-Ader.

»Nein«, flüsterte er mir ins Ohr. »Wenn wir allein sind.«

Unsere Blicke trafen sich nur für eine Sekunde, aber lange genug, um bei mir einen Schock über die Intensität der Emotionen auszulösen, die zwischen uns flossen. Ich konnte das Gefühl nicht definieren. Sehnsucht gehörte dazu, Angst und Hoffnung. Die Hoffnung erschreckte mich am meisten.

Sean bewegte sich hinter mir, und der Bann war gebrochen. Er langte nach Joe, nahm dessen Penis aus meinem Griff und bestrich ihn mit Gleitcreme, bis er im Lampenlicht glänzte. Ich spürte, wie Joes Körper zitterte. Er hob den Blick und suchte meinen. Sean kümmerte sich um sein eigenes Ziel, und so lagen die beiden Schäfte nebeneinander zwischen meinen Schenkeln.

»Drück kräftig zu«, sagte er und presste mein Bein mit einer Hand nach unten.

Der Druck ließ ihre Schwänze zusammenprallen. Joes Penis glitt auf meine Haut, dann auf Seans Haut. Joe zögerte. Seine Lippen bewegten sich, aber ich hörte nicht, was er sagte. Ich glaube, dass es eine Art Entschuldigung war. Dann umarmten sie sich um meinen Körper herum. Sie küssten sich mit viel Spucke, und dann bekam ich die Kraft ihrer glitschigen Stöße mit.

Sean griff so heftig nach Joes Hüften, dass sich die Fleischdellen weiß färbten. Joe drückte meine Brüste mit seinem Oberkörper platt. Ihr Grunzen und Stöhnen erregte mich von Neuem. Ich hätte ihnen die ganze Nacht zuhören können, aber keiner der Männer war in der Stimmung zu trödeln. Sie hatten mich kommen sehen, und dieser Anblick hatte ihre Leidenschaft befeuert. Jetzt wollten sie auch ans Ziel kommen, so schnell wie möglich, keine Mätzchen mehr.

Es kam ihnen gleichzeitig und so leise, dass ich mein Stöhnen von vorhin fast als peinlich empfand.

Sean rollte zuerst von mir weg, dann Joe. Joe kuschelte sich in mein Lieblingskissen, dann schlief er ein.

»Danke«, murmelte Sean auf der anderen Seite des Bettes. »Das hat Spaß gemacht.« Dann schlief auch er ein.

Einige Dinge ändern sich nie, dachte ich. Aber ich spürte ein Federn in meinen Schritten, als ich in die Dusche ging, um die Abenteuer dieser Nacht abzuwaschen.

Das Wasser prasselte auf mich herunter und salbte meine müden Muskeln. Mit schäumenden Händen griff ich zwischen meine Beine. Ich musste noch ein Feuerwerk erleben, bevor ich Schlaf fand. Während meine Finger die kleine Explosion herbeiführten, ging mir ein kurzer Refrain durch den Kopf. Wenn wir allein sind. Wenn wir allein sind.

Zweites Kapitel
Nur Arbeit, kein Spaß

Am nächsten Morgen ließ ich sie schlafen. Ich versuchte, sie zu wecken, aber ich erntete nur ein paar knurrige Geräusche. Als ich mich anzog, blinzelte Sean über Joe hinweg und schlang eine Hand um Joes Morgenerektion.

Wenn Joe davon nicht wach wurde, dann war ihm nicht zu helfen.

Zum ersten Mal bemerkte ich, dass Sean nicht beschnitten war. Ich nestelte noch an den Knöpfen meiner Seidenbluse und ging um das Bett herum, damit ich einen genaueren Blick auf ihn werfen konnte. Durch seine schlanke Gestalt mochte es besonders auffallen, aber Himmel, er besaß ein großes Gerät.

Die Vorhaut schmiegte sich wie ein pinkfarbener Rollkragen um die herzförmige Eichel. Ich stützte mich mit dem Knie auf der Matratze ab und küsste das kleine Grübchen am Ende seiner Wirbelsäule. Er rührte sich. Sein Mund öffnete sich leicht. Ermutigt fuhr ich mit der Zunge an den honiggoldenen Härchen an seinem Rücken entlang.

»Mmmh«, war alles, was er sagte.

Ich blinzelte über seine Hüfte. Sein Penis begann, sich gegen das weiße Laken zu winden. Er füllte sich von unten her mit Blut. Die Eichel drückte sich ein bisschen mehr aus der Vorhaut. Ich seufzte. Ich wusste noch genau, wie Männer morgens reagieren. Er und Joe würden mit Sicherheit zu einem Quickie finden, wenn sie richtig wach waren. Ich wünschte, ich hätte die Zeit, bei ihnen zu bleiben und zuzuschauen – und ein bisschen zu helfen, versteht sich.

Später, versprach ich mir, aber trotzdem fiel es mir schwer, mich von ihnen loszureißen.

Mein Widerwille schwand, sobald ich draußen stand. Es war ein wunderschöner Tag, strahlend blauer Himmel, viele rote Herbstblätter. Den Weg von Society Hill bis South Street zwischen gut erhaltenen Gebäuden aus dem achtzehnten Jahrhundert hindurch. Und als ob das noch nicht des Positiven genug wäre für einen Morgen, drehten sich drei männliche Jogger nach mir um, um zu sehen, wie sich die gelbe Caprihose um meinen Po schmiegte.

Meine Kleiderwahl hatte sich bewährt, und ich belohnte den am besten aussehenden Bewunderer mit einem knappen Winken. Prompt stolperte er über seine Schnürsenkel.

Es folgte ein kurzes Geplänkel, weil ich ihn fragte, ob er sich verletzt hätte, was er verneinte und damit beantwortete, dass er mir seine Karte in die Hand drückte. Ich fand das eine nette Geste, fragte mich aber, wie verzweifelt man sein musste, dass man beim Joggen seine Visitenkarte dabeihatte. Außerdem war er nicht so gut gebaut wie Joe oder Sean.

Großer Gott, dachte ich; eine Nacht mit den beiden, und ich war für normalen Blümchensex verdorben.

Ich warf einen Blick auf die Karte, als ich die Fifth Street überquerte. »L. Kingston Waters«, stand da, »Grundstücksmakler«. Er hätte auch Gebrauchtwagenhändler sein können. Allerdings hatte er schöne blaue Augen, Schlafzimmeraugen, mit gewölbten schwarzen Wimpern.

Die Tür zu meinem Buchladen bimmelte, als ich sie aufstieß. Mir ging das Herz auf, als ich die vielen Kunden sah, die in den Regalen stöberten. Alle hatten mir gesagt, du kannst in der Stadt keine Romantik verkaufen. Du musst in die Vororte gehen, um die gelangweilten Hausfrauen anzusprechen. Zum Glück habe ich auf die Ratschläge nicht gehört. Nach einem Jahr verkauften wir in meiner Buchhandlung ›Alles Romantik‹ mehr Bücher als die lokale Buchhandelskette und als der New-Age-Laden, gerade mal zwei Türen weiter.

Ich führte den Erfolg auch auf die Atmosphäre in unserem Laden zurück. Die Wände waren mit Eichenpaneelen verkleidet, wir hatten helle Decken und gemütliche Stühle. Ein Dschungel aus Grünpflanzen teilte den Raum und verstärkte den Duft von Leder und Druckerschwärze. Außerdem servierten wir den besten Kaffee der Stadt. Es kamen sogar kichernde Frauengrüppchen aus Virginia. Männer kauften für ihre Frauen ein – oder sie suchten einen Flirt. Bei uns bekam man Sachen, die andere Buchläden nicht bieten konnten, und wenn man unser Hinterzimmer noch dazuzählte, waren wir fast unwiderstehlich.

Das Hinterzimmer war mein Lieblingsbaby. Es enthielt eine Sammlung von Erotika aus aller Welt, ein echter Schatz zum Entzücken. Kundinnen schrieben Dankesbriefe, weil ich einen sicheren Ort zum Kaufen und Erforschen geschaffen hatte. Ich war glücklich über den Zuspruch und wusste, wie sich die Frauen fühlten.

Ich überlegte, wie schon mehrmals in letzter Zeit, ob es nicht an der Zeit war, eine zweite Buchhandlung zu eröffnen.

Benommen von meinem eigenen Erfolg winkte ich Keith zu, dem Verkaufsassistenten der Frühschicht. Ich lehnte den Kaffee ab, den er mir anbieten wollte, und ging aufs Büro zu, das ich mir mit meiner Partnerin Marianne teilte.

Marianne war meine Schwägerin – eigentlich meine Ex-Schwägerin, denn ihr großer Bruder war bei Nacht und Nebel abgehauen. Seit vielen Jahren war sie meine engste Freundin, die einzige Freundin, die mir nach meiner Scheidung geblieben war. Das Zusammenleben mit Tom hatte meine gehässige Seite zum Vorschein gebracht. Er war der Charmeur. Deshalb hatten unsere gemeinsamen Freunde keine Schwierigkeiten damit, seiner Version der Tatsachen zu glauben. Für sie war ich der Hausdrache und er die still und geduldig leidende Seele.

Manchmal dachte ich, der einzige Grund, warum Marianne es besser wusste, war der, dass Tom mit ihrer Tochter durchgebrannt war.

Bei meinem verspäteten Eintreffen blickte sie von der Inventurliste auf dem Computer hoch und hob eine Braue. »Lange Nacht?«

Ich brummte irgendwas. Marianne liebte es, von ihren Affären zu erzählen, aber ich zog es vor, meine für mich zu behalten – erst recht, seit ich sie davor gewarnt hatte, bei meinen Mietern landen zu wollen. Ich hatte ihr geschworen, dass sie absolut sicher und hundertprozentig schwul wären.

Jetzt strich sie mit gespreizten Fingern, die Nägel silbrig lackiert, über den Schreibtisch. Marianne hatte sich in letzter Zeit dem Gothic Look verschrieben: weißes Gesicht, tintenschwarzes Haar, hautenges Leder. Es stand ihr gut; eine der wenigen Frauen, die in dieser Aufmachung nicht wie eine Leiche auf Urlaub aussah.

Auf mein fortgesetztes Schweigen reagierte sie mit einem Schmollmund. Das Schürzen der Lippen ist bei ihr besonders wirkungsvoll, denn sie sind knallrot und sehen oft wie geschwollen aus. »Ich schätze, du willst nichts von meiner Begegnung mit Keith hören, was?«

Gegen meinen Willen war ich interessiert. »Unser Keith? Himmel, Marianne, er ist gerade mal achtzehn.«

»Neunzehn«, korrigierte sie mich und grinste wie die Katze, die an der Milch geschleckt hat. »Und er fährt voll auf seine Hormone ab.«

Ich sah mich im Zimmer um, als wollte ich irgendwelche Hinweise auf Koitus feststellen, Spermaspuren oder Lippenstift an der Wand.

»Doch nicht hier«, sagte Marianne und sah mich mit leuchtenden Augen an. »Ich hab ihn zufällig gestern Abend am Rittenhouse Square getroffen. Er war mit dem Rad unterwegs, ich war spazieren. Wir blieben stehen und kamen ins Gespräch. Es stellte sich heraus, dass er derjenige war, der sich meine schönen italienischen Schuhe ausgeliehen hat.«

Ich nahm meinen Stuhl, rollte ihn nach vorn zu ihrem Schreibtisch und setzte mich. »Ein Transvestit?«

»Nein, nein.« Sie fuhr mit ihren silbernen Krallen durch die Luft. »Nur ein Fußfetischist. Er sagt, ich hätte das beste Fußgewölbe, das er je gesehen hat. Ich hätte nie gedacht, wie inspirierend solche Bewunderung sein kann.« Ihre geschwärzten Wimpern senkten sich vor Freude. »Kennst du die Mauer hinter dem Brunnen im Park?«

Ich nickte.

»Als er begriffen hatte, dass sein Geständnis mich nicht entsetzte, stellte er sein Rad dort ab und setzte mich auf den Sattel. Er schwang sein Bein über die Stange, sah mich an und zog meine Schuhe aus. Zuerst massierte er ganz, ganz langsam meine Füße. Oh, das war eine schöne Erfahrung, vor allem, weil ich sehen konnte, wie er es genoss. Seine Hände zitterten förmlich. Er konnte kaum still sitzen. Er trug diese Bikershorts aus Stretchstoff.« Sie sah mich mit einem lasziven Lächeln an. »Kein Suspensorium und hart wie ein Stein in sechs Sekunden. Ich konnte alles sehen, jede Ader, sogar die genauen Umrisse. Er hat die größten Bälle, die ich je gesehen habe, jeder füllt eine Hand aus, weißt du?«

Ich wusste es nicht, aber ich konnte es mir vorstellen. Ich drückte mich tiefer in das Kissen auf meinem Bürostuhl. Warum ließ ich mir das von Marianne antun? »Und dann?«

»Dann leckte er mich. Nicht nur die Zehen, sondern alles – Absatz, Knöchel, Rist. Ich wusste gar nicht, dass meine Füße so viele schöne Nerven haben, und sie alle führen direkt zu meiner Pussy. Ich sage dir, ich hätte sogar den Sattel gebumst.«

»Wollte er dich bumsen?«

»Wollen Enten quaken? Zum Glück trug ich meinen schwarzen Lieblingsmini, den mit den Nieten an einer Seite. Er schob ihn hoch und zückte sein Schweizer Messer.« Sie lachte und warf ihr glattes schwarzes Haar zurück. »Ich liebe Männer, die ihr Werkzeug immer bei sich haben. Also, er schlitzte meinen Slip auf und kam so nahe, dass niemand sehen konnte, was wir da trieben – außer Küssen natürlich. Er war auch ein guter Küsser. Gute Zungenbewegungen. Ich zog ihm die Lycrahose hinunter, bis mir sein Schaft entgegensprang, und schon glitt ich an ihm hinab. Es war prima, Kate, heiß und stark.« Sie fächelte sich Luft zu. »Junge Männer sind ja so stürmisch.«

»Besonders, wenn sie ihre Fantasien ausleben dürfen«, sagte ich und musste an Sean und die Gleitcreme denken.

»Genau. Es dauerte nur ein paar Sekunden, bis es ihm kam. Ich war enttäuscht, aber dann begriff ich, dass er sich nur aufgewärmt hatte. ›Bitte, geh nicht‹, sagte er, als ich vom Sattel steigen wollte. ›Wenn mich eine Frau so heiß macht, ist einmal nicht genug.‹ Wie du dir vorstellen kannst, blieb ich sitzen. Das zweite Mal dauerte es länger, ja, ewig. Wir mussten vorsichtig sein wegen all der Leute, die vorbeikamen. Er konnte nicht richtig wild zustoßen, nur kleine Schübe waren möglich, und der verdammte Sattel drückte sich in meinen Po. Er musste mir mit dem Daumen über die Klitoris reiben, bevor es mir kam, aber als es dann so weit war, dachte ich, mir fliegt die Schädeldecke weg. Dann sind wir gemütlich zu meinem Auto gegangen.«

»Zu deinem Auto?« Marianne fuhr einen klassischen VW Käfer.

»Bis zu mir nach Hause konnte er es nicht aushalten. Ich sage dir, Kate, der Junge hat was drauf. Auf der Rückbank war es verdammt eng, aber ich bin da flexibel. Er besorgte es mir noch zweimal, dann fuhr ich ihn zum Campus zurück. Er studiert an der Universität von Pennsylvania.« Sie tippte sich mit einem Finger an die Nase. »Vielleicht kennt er deine Untermieter.«

Ich ahnte Visionen von Orgien, die ihr durch den Kopf schwirrten. In meinem Kopf läuteten die Alarmglocken. Obwohl ich Marianne sehr mag, hatte ich nicht vor, mein Sexleben mit ihr zu teilen – und auch meine neuen Sexgefährten nicht.

»Sean und Joe haben ihre ersten Examen schon hinter sich«, sagte ich, »und Keith ist erst in seinem zweiten Jahr.«

Marianne hob die Schultern. »Es war nur so ein Gedanke. Kein Grund, beleidigt zu sein.«

Ihre Gleichgültigkeit war natürlich vorgetäuscht. Wenn ich ihr auch nur die geringste Ermunterung gäbe, dann hätte sie uns alle innerhalb einer Stunde im Bett – wobei meine Anwesenheit nicht unbedingt erforderlich war. Ich wusste nicht, was sie tun würde, wenn sie erführe, dass ich ihre Fantasie bereits umgesetzt hatte. Marianne wollte immer aus allem einen Wettbewerb machen – und natürlich gewinnen.

Ich zog meinen Stuhl zu meinem Schreibtisch zurück und begann, die Post zu öffnen. Rechnungen, Autorenfotos, eine Ansichtskarte von meinem liebsten Verlagsvertreter. Ich sortierte die Post wie ein Roboter und dachte: Pass bloß auf, dass sie es nicht herausfindet, sonst … Sie würde es mir nie verzeihen.

Gegen Mittag schlenderte Sean mit einem Strauß gelber Chrysanthemen herein. Ich dankte dem lieben Gott, dass Marianne zum Mittagessen gegangen war.

»Für dich«, sagte er, dann drehte er sich um und betrachtete den Buchladen.

Ich beobachtete ihn von meinem Platz hinter der Verkaufstheke. Joe war schon öfter ins Geschäft gekommen, aber Sean noch nie. Zwei Collegemädchen erröteten, als er sie ansah, aber ihre Reaktion schien er gar nicht zu beachten, warum ich mich ein wenig sorgte. War es eine große Ausnahme, dass er sich zu mir hingezogen fühlte? Wenn das so war, könnte unser Trio schnell auseinanderbrechen. Ich war mir nicht sicher, wie Joe darauf reagieren würde. Joe war ein sehr loyaler junger Mann. Er konnte mich vielleicht auch aufgeben, wenn er glaubte, dass sein Freund nicht glücklich war.

»Du hast es hübsch hier«, sagte Sean, nachdem er sich umgesehen hatte. »Wäre ich eine Frau, würde ich hier einkaufen.«

»Wenn du ein Mann wärst, der darauf aus ist, ein Mädchen anzubaggern, könntest du auch bei mir einkaufen«, sagte ich, dann errötete ich, weil mir bewusst wurde, was ich vielleicht angedeutet hatte. »Eh, womit habe ich die Blumen verdient?«

Er grinste. »Was glaubst du denn? Sie sind ein Dankeschön von uns beiden – und eine Entschuldigung. Wir wollten eigentlich früh aufwachen und noch einen wegstecken, aber ich fürchte, wir sind beide keine Morgenmenschen.«

Das hieß wohl, dass meine Frühstücksverabredungen mit Joe ein größeres Opfer für ihn waren, als mir bisher bewusst gewesen war. Ich ärgerte mich, dass ich mich über diese Tatsache freute, denn schließlich hatte ich mir vorgenommen, die Dinge leicht und unverbindlich zu nehmen.

Ich griff unter der Theke nach einer Vase. »Sie sind wunderschön. Bist du auf dem Weg zur Uni, oder hast du ein bisschen Zeit?«

Meine Einladung verwirrte ihn. Ein paar Sekunden lang sah er wie ein Mauerblümchen aus, das nicht glauben konnte, zum Tanz aufgefordert zu werden. Es war gut, dass ich ihn gefragt hatte.

»Ich kann noch etwas bleiben.«

»Gut, dann führe ich dich mal herum.«

Ich ging mit ihm die große Tour – neue Bücher, alte Bücher, die Kaffee-Ecke auf dem Balkon. Wir beendeten die Tour im Hinterzimmer. Er ging sofort auf die alte Rollleiter zu und kletterte ganz hinauf. Das Kind in mir meldete sich.

»Halt dich fest«, sagte ich und stieß ihn mit kräftigem Anschub die ganze Wand entlang.

Er jauchzte vor Vergnügen. »Ich liebe diese Leitern. Meine Mutter war Bibliothekarin, aber sie hat mich nie mit ihnen spielen lassen.«

»Das war bestimmt nicht erlaubt.«

Er nickte, aber in seinem Gesicht standen widersprüchliche Emotionen. Wie kompliziert Menschen doch sein können, wenn du sie erst einmal etwas besser kennst. Er rieb sich den Nasenrücken. »Kann man die Tür abschließen?«

»Ja, aber …«

Ohne auf den Rest meiner Antwort zu warten, stieg er herunter und legte den Riegel vor.

»Ein Kunde will vielleicht herein«, sagte ich, aber die Entschlossenheit in seinem Gesicht ließ meinen Widerstand dahinschmelzen – und meine Knie.

Er lehnte sich mit dem Rücken gegen die Tür. »Komm her.«

Ich ging auf ihn zu und wartete. Seine welligen goldblonden Haare bedeckten ein Auge. Vorne lang und hinten kurz, passte der Schnitt zu seinem mürrischen Böser-Junge-Gesicht. Student des Rechnungswesens oder nicht, Sean hatte das Gesicht eines gut aussehenden Arbeiters in der frischen Luft. Mit seinen prägnanten Zügen, den vollen sinnlichen Lippen und den schweren Lidern sah er wie ein Mann aus, der an Wochenenden zu viel trank, seine Frau immer wieder schwängerte und bei Sportveranstaltungen obszöne Zwischenrufe brüllte.

Abgesehen von einer Vorliebe für Obszönitäten traf alles andere nicht zu.

»Ich habe dich noch nicht geküsst«, sagte er. »Er hat dich geküsst, aber ich nicht.«

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