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Ein Augenblick für immer. Das dritte Buch der Lügenwahrheit

Für Gerlinde,
die bereits in der ersten Sekunde an uns geglaubt hat.
Bleib wild, frech und wunderbar!

Prolog

Das Heulen des Windes vermischte sich mit dem Tosen der Wellen. Die Bäume hinter mir beugten sich dem Sturm, da sie seiner gewaltigen Kraft nichts entgegenzusetzen hatten. Vor mir erhoben sich die schroffen Klippen. Sie waren umschlossen von einem düsteren Himmel mit schwarzen Wolken, die kein Künstler deprimierender hätte malen können.

Blitze zuckten am Horizont und ein Donnergrollen folgte dem nächsten. Gegen den Wind kämpfte ich mich voran, kämpfte mich Richtung Klippe, auf der eine einzelne Gestalt stand.

Ein dunkel gekleideter junger Mann.

Sein Mantel flatterte hektisch um seinen Körper, als wüsste er, was gleich passieren würde. Als wüsste er, dass uns nur noch ein Atemzug vor dem Unausweichlichen trennte.

In diesem Moment drehte sich Blake um. Sofort sah ich den hoffnungslosen Ausdruck in seinem Gesicht, nur in seinen blauen Augen leuchtete ein Feuer, das nicht von dieser Welt zu sein schien.

»June …« Seine Stimme klang so unglaublich traurig. »Was auch immer passiert, du musst deinen Gefühlen vertrauen. Versprich mir das.«

Bevor ich etwas erwidern konnte, bevor ich bei ihm war, wandte er sich wieder dem felsigen Abgrund zu und machte einen lautlosen Schritt über die Kante. Ein letztes Mal wurde sein dunkler Mantel von einem Windstoß aufgebauscht.

Dann fiel Blake. So tief, dass ich ihn nicht mehr sehen konnte.

Kapitel 1

»Mann, siehst du fertig aus. Hattest du wieder diesen Albtraum?«, begrüßte mich Lilly, nachdem sie mir die Tür geöffnet hatte. »Komm rein.«

Ich schloss meinen Regenschirm und trat über die Schwelle. Es war das erste Mal, dass ich bei Lilly zu Hause war. Lilly nahm mir den Regenschirm ab und lehnte ihn in die Ecke neben der Schuhkommode, auf der sich unzählige Sneakers türmten.

»Falls irgendwas am Boden liegt, steig einfach drüber.« Sie dirigierte mich durch die hübsche Diele. Unmengen von Fotos hingen an den olivgrünen Wänden. Sie zeigten Lilly mit ihren Eltern und ihren vier Brüdern an den unterschiedlichsten Schauplätzen. Einige Bilder waren in London und in Paris aufgenommen worden.

»Wow.«

»Was wow? Wow, ihr seid ganz schön viele oder wow, wie hältst du es nur mit denen aus, man sieht schon auf den ersten Blick, dass die Jungs total nervig sind?«

»Wow, ihr habt alle rote Haare.«

»Bis auf meinen Vater, ja. Überrascht dich das?« Ohne meine Antwort abzuwarten, zog mich meine Freundin durch einen aprikosenfarbenen Hausflur, der nach Vanille und Zimt duftete, in Richtung Treppe. Auf der untersten Stufe kauerte ein Junge mit kinnlangen roten Haaren, der ein paar Jahre jünger war als wir und sein Gesicht gegen das weiße Holz presste.

»Ignorieren und drübersteigen«, wies mich Lilly an, hielt sich am Treppengeländer fest und machte einen großen Schritt über ihren Bruder hinweg.

»Was macht er da?«, flüsterte ich.

»Wir spielen Verstecken«, erklärte der Junge, den ich auch auf den Fotos gesehen hatte und auf etwa elf Jahre schätzte.

»Sie spielen nicht Verstecken, er verarscht dich bloß«, erklärte Lilly genervt. »Sie fordern sich andauernd bei Wahrheit oder Pflicht heraus und jetzt muss Jeremy fünfzehn Minuten so tun, als würde er wegschauen, während Timothy im Küchenschrank sitzt, um Mum zu erschrecken.«

»Dafür bekommt er Ärger«, sagte Jeremy grinsend. »Und was für einen.«

»Und du bekommst Ärger, wenn ich Mum erzähle, dass du ihn da wieder reingeritten hast. Und zwar viel größeren Ärger.«

Jeremy zuckte mit den Schultern. »Timothy hat gestern in deinen Pudding gespuckt.«

»Deswegen habe ich ihn auch mit deinem vertauscht.«

Jeremy schnappte nach Luft. »Hast du nicht!«

»Doch!« Ein kurzes Lächeln huschte über Lillys Gesicht. »War’s lecker?«

»Das zahle ich dir heim.«

»Versuch’s doch.« Ihre Augen funkelten herausfordernd. Dann gab sie mir einen Wink und ich folgte ihr nach oben. Doch besonders weit kamen wir nicht.

»Hey, wo ist mein Autoschlüssel? Es schüttet schon wieder wie aus Eimern, dieses beschissene Wetter! Lilly!«, rief ein breitschultriger Typ mit tiefer Stimme, bei dem es sich um Lillys älteren Bruder Travis handeln musste. Mit seinen kurz geschorenen Haaren und der sportlichen Statur hätte er problemlos als Army-Mitglied durchgehen können.

»Entspann dich. Ich hab sie zurück auf die Kommode gelegt«, sagte Lilly.

»Dort sind sie aber nicht«, presste er ungeduldig hervor. »Du weißt doch, dass ich dringend zur Arbeit muss, weil seit Kurzem jeder dritte Idiot auf Ärger aus ist.«

Bei seinen Worten kam sofort das schlechte Gewissen in mir hoch. Seit Blake und ich uns auf den Klippen geküsst hatten, musste die Polizei mehrmals aktiv werden, da es in Darktrew und der näheren Umgebung vermehrt zu Handgreiflichkeiten gekommen war. Bei der Trauerfeier von Lord Musgrave hatten wir gedacht, dass der Spuk vorbei war, doch ein Teil der negativen Grundstimmung war leider geblieben. Genau wie das schlechte Wetter.

Lilly legte ruhig die Hand auf das Treppengeländer. »Du bist doch der Polizist. Kannst du nicht eine Fahndung nach deinen Schlüsseln ausrufen?«

»Sehr witzig.« Er lächelte humorlos, bevor er gleich wieder ernst wurde. Mit seinem unnachgiebigen Gesichtsausdruck konnte ich ihn mir gut bei einem Verhör vorstellen. »Wo sind die verdammten Dinger?!«

Jeremy hob auf der Treppe seinen Kopf, die Augen waren wieder geschlossen. »Frag Timothy, der hatte sie gerade eben noch, glaub ich zumindest. Er ist in der Küche.«

Selbst ein paar Stufen entfernt konnte ich Jeremys selbstgefälliges Grinsen sehen, das Lilly mit einem Kopfschütteln quittierte, während ihr älterer Bruder bereits davonstapfte.

»Bravo, Jeremy. Travis wird dich umbringen, wenn er erfährt, dass du ihn nur aus Gemeinheit in die Küche geschickt hast.«

»Hey, Travis bringt dich auch um, wenn er mitbekommt, dass die kleine Schramme an seinem Auto von dir stammt.« Er zuckte mit den Schultern. »Außerdem hat Timothy deine Zahnbürste benutzt, um seine Schuhe zu putzen.«

»Hat er nicht.«

Jeremy legte den Kopf wieder auf die Treppenstufe. »Wenn du meinst. Aber denk gut nach. Hat es das letzte Mal beim Zähneputzen vielleicht etwas geknirscht?«

Lilly kniff die Augen zusammen, bevor sie mich schnell in ihr Zimmer schob, wo Grayson schon auf uns wartete.

Er lümmelte auf dem Bett und grinste. »Was hat euch denn so lange aufgehalten? Oder besser gesagt welcher der lustigen Baker-Boys? Es ist göttlich hier, nicht wahr, June? Als hätte man seine eigene private Theatervorführung.«

»Es ist … interessant«, erwiderte ich diplomatisch und ließ meinen Blick durch Lillys Zimmer streifen. Die hellen Möbel und der flauschige Teppichboden verliehen dem Raum eine gemütliche Atmosphäre. Unter einer Dachschräge mit Fenster befand sich ein Schreibtisch, auf der gegenüberliegenden Seite stand ein Bett neben einem Schrank. An den blauen Wänden waren eine Menge bunter Postkarten befestigt, die Lilly offenbar sammelte.

»Wenn mein Leben ein Theaterstück sein soll, ist es definitiv ein Drama«, meinte Lilly, während sie sich auf den weißen Stuhl vor ihrem Schreibtisch fallen ließ. Dann deutete sie auf den Fußboden. »Such dir einfach einen Platz, June. Wie schlimm ist es?«

»Was? Meine Gefühlslage? Meine Albträume?«

Sie schüttelte den Kopf. »Nein, ich meine mein Zimmer. Der Plan war eigentlich, dass du diesen Schuhkarton niemals zu Gesicht bekommst. Wenn Mum nicht angerufen und mich gebeten hätte, auf die beiden Idioten aufzupassen, weil sie heute länger arbeiten muss, hätten wir uns garantiert woanders getroffen.«

Gähnend ließ ich mich neben dem Bett auf den Boden sinken. »Mir gefällt dein Zimmer. Aber sag mal, wartet Timothy nicht gerade im Küchenschrank auf deine Mum?«

Lilly grinste breit. »Timothy hat keine Ahnung, dass sie erst in ein paar Stunden kommt.«

»Lilly Baker, was bist du nur für ein fieses Ding!«, ermahnte Grayson sie, während der Regen noch immer gegen die schräge Fensterscheibe prasselte. »Der arme Junge.«

»Hey, der arme Junge hat mein Handy im Streit um den Geschirrspüldienst kaputt gemacht. Ein paar Stunden Schranksitzen wird ihn schon nicht umbringen.« Sie wandte sich mir zu. »Timothy ist zwar der Jüngste, aber er ist auch der Schlimmste. Er hat es faustdick hinter den Ohren. Du darfst ihm niemals – wirklich niemals – den Rücken zudrehen.«

Nach der Spucke-im-Pudding-Geschichte und der Schuhputz-Aktion mit Lillys Zahnbürste konnte ich mir das durchaus vorstellen.

»Ist Travis schon weg?«, fragte Grayson im nächsten Moment etwas zu beiläufig. Dabei schnippte er sich einen Fussel von seinem grünen Pullover und sah mich erwartungsvoll an. »Hast du Lillys heißen Polizisten-Bruder gesehen, June?«

»Bitte erwähne niemals wieder das Wort heiß im Zusammenhang mit Travis, Grayson. Das passt überhaupt nicht.«

»Und wie das passt.«

»Er ist mein Bruder. Ich weiß, wie oft er in die Badewanne gepinkelt hat.«

»Trotzdem ist er verdammt heiß.«

»Ich habe ihn nur kurz gesehen«, erklärte ich und gähnte.

Lilly funkelte Grayson an. »Siehst du, wie gelangweilt June von dem Thema ist? Kein Wunder.«

Grayson zog das Kissen hinter seinem Rücken hervor und warf es auf Lilly, die es schmunzelnd auffing. »June ist müde, weil sie schlecht schläft. Das ist kein Wunder, weil dieser uralte Fluch auf ihr lastet.« Er lehnte sich wieder an die Wand. »Okay, wie ist der Stand der Dinge?«

»Noch nicht besser als gestern«, erklärte ich resigniert. »Blake ist in der Gegend um Darktrew unterwegs und versucht, die älteren Leute mit seiner Gabe unauffällig zu befragen und herauszufinden, ob sie irgendetwas über den Fluch wissen. Bislang erfolglos, genauso wie Prestons Ausflug zum Steinkreis. Er hat nichts gefunden, was uns weiterhelfen könnte.«

Sogar die Bibliothek und den Geheimgang hatten die Jungs aus purer Verzweiflung unter die Lupe genommen, aber nichts Hilfreiches entdeckt. Obwohl Preston und Blake sich noch immer distanziert begegneten, teilten sie die Ansicht, dass wir etwas gegen den Fluch der Hexe unternehmen mussten.

»Auch im Internet habe ich nichts gefunden«, fuhr ich fort und rieb mir über die Augen. »Das Beste war noch eine schamanische Reise, in der man Kontakt zu den Geistern der Vergangenheit aufnimmt, um den Fluch zu brechen.«

Grayson räusperte sich. »Das war das Beste? Oje, dann müssen wir doch wieder auf Lillys Oma zurückgreifen.«

»Hey, meine Oma veranstaltet keine schamanischen Reisen. Aber sie hat ein Treffen mit ihrer Freundin Amanda arrangiert. Am Mittwoch sollen wir uns mit ihr in ihrem Antiquitätenladen in Blackcross treffen. Vielleicht bringt das ja was.«

In der letzten Woche hatten wir nach jedem Strohhalm gegriffen, den wir zu fassen bekamen. Leider hatte uns nichts davon weitergebracht, was das ungute Gefühl in meiner Brust immer mehr verstärkte. Wir hatten keine Ahnung, wie viel Zeit uns noch blieb, bis das eintrat, was die Hexe Scarlett prophezeit hatte. Um den Fluch nicht weiter zu beschleunigen, versuchten Blake und ich, uns möglichst aus dem Weg zu gehen. Zumindest körperlich. Es fiel mir schwer, aber zumindest telefonierten wir regelmäßig miteinander, um uns bei unseren Nachforschungen auf dem Laufenden zu halten. Glücklicherweise hatte Onkel Edgar bisher noch nichts von unserer Recherche mitbekommen, was vielleicht auch daran lag, dass er kaum auf Green Manor war. Betty hatte einmal fallen lassen, dass es offenbar eine neue Frau in seinem Leben gab. Wenn das wirklich stimmte, gönnte ich ihm sein Glück, auch wenn es mir offenbar versagt blieb.

»June, guck nicht so traurig. Wir werden herausfinden, wie viele Wochen oder Monate Blake noch hat.« Lillys Worte sollten aufmunternd klingen, aber sie bewirkten leider das Gegenteil.

»Vielleicht sind es keine Wochen oder Monate, sondern nur noch Tage.«

»Vielleicht sind es aber auch Jahre«, bemerkte Grayson optimistisch.

»Das glaube ich nicht.« Ich hob die Hand vor den Mund, denn ich musste schon wieder gähnen. »Entschuldigt, dieser verdammte Albtraum bringt mich um den Schlaf.«

»Der Traum, in dem Blake von der Klippe springt?«

Ich schloss für einen Moment die Augen. Sofort kehrten die Bilder zu mir zurück. Der Sturm. Blake. Sein letzter, trauriger Blick, bevor er sich in den Abgrund stürzt. »Ja. Es ist immer der gleiche Ablauf, ich kann ihn einfach nicht retten.«

»Und es ist genau die Klippe, von der auch Lord Musgrave gefallen ist?«, hakte Grayson nach. So wie er »gefallen« betonte, hätte man meinen können, dass er mich für Lord Musgraves Tod verantwortlich machen wollte.

»Er ist wirklich gefallen. Von alleine. Keiner hat ihn gestoßen oder so«, sagte ich.

»Das habe ich auch nicht behauptet. Ich finde es nur interessant, dass du immer wieder von diesem Ort träumst, Darling.«

Lilly richtete sich auf ihrem Schreibtischstuhl auf. »Es ist nicht interessant. Es ist logisch. Das war ein traumatisches Erlebnis. Wie oft hast du denn schon jemanden sterben sehen, Grayson?«

»Auf der Bühne sehr oft. Im wahren Leben glücklicherweise kein einziges Mal, obwohl es meinem Opa in letzter Zeit nicht so gut geht und wir davon ausgehen müssen, dass er nicht mehr lange bei uns ist. Aber zurück zum Thema. June scheint in ihrem Traum zwei Ereignisse miteinander zu verknüpfen. Die Vergangenheit und die Zukunft.«

Lilly hob die Augenbrauen. »Du machst schon wieder dein Terrier-Gesicht, Grayson.«

»Ich ignoriere diesen Kommentar und konzentriere mich stattdessen lieber auf meine bestechende Traumdeutung, mit der ich selbst Freud beeindruckt hätte. June ist gerade dabei, den Tod von Lord Musgrave zu verarbeiten. Sofern der wirklich gestorben ist, denn sein Leichnam wurde immer noch nicht gefunden, by the way.« Er zuckte mit den Schultern, bevor er weitersprach. »Gleichzeitig versucht sie jedoch auch, ihre Angst um Blake in den Griff zu bekommen, die über ihr schwebt und ihre Zukunft bestimmt. Schließlich läuft Blake Gefahr, von Preston ermordet zu werden.«

Lilly verschränkte ihre Beine zu einem Schneidersitz. »Mit dem Teil des Fluchs habe ich immer noch Probleme. Nicht dass ich Preston keinen Mord zutraue – aber sein eigener Bruder? Nur weil er June verfallen ist?«

»Preston ist mir nicht verfallen«, widersprach ich.

Grayson hob beide Augenbrauen. »Soll sie den Mann lieben, den sie nicht haben kann, möge sie seinen blauen Augen ganz und gar verfallen und ihrem Bann erliegen«, begann er die Zeilen aus dem Tagebuch zu rezitieren, als würde er vor einem großen Publikum auf der Bühne stehen. »Der Zauber seines Blickes wird sie gefangen nehmen, wird sie ihm ausliefern, bis sie sich Tag und Nacht nach dem Blauäugigen verzehrt. Aber auch der Bruder soll verflucht sein. In Sehnsucht soll er vergehen und das Verlangen nach der Grünäugigen ungestillt bleiben. Verflucht seien die drei!« Er räusperte sich. »Auch wenn es schwer zu ertragen ist, du bist voll und ganz in der neuen Version des Hexenmärchens gelandet, in dem du deine Vorfahrin Diana spielst. Die Diana, die eigentlich ihrem Ehemann Fletcher treu sein sollte, sich aber lieber mit dem dunklen Heathcliff vergnügt und damit den Fluch heraufbeschworen hat. Fletchers Part wird in der aktuellen Aufführung von Preston gespielt, während die Rolle des düsteren Heathcliff von Blake übernommen wird. Meine Eltern wären von dem Stück ganz hingerissen.«

Ich schnaubte. »Freut mich, dass wenigstens du etwas Positives darin sehen kannst.«

»Zumindest hattest du eine heiße Nacht mit Blake, Darling. Vergiss das nicht.«

»Die vergesse ich ganz bestimmt nicht. Und weißt du was: Wenn ich könnte, würde ich sie rückgängig machen.«

Auch wenn die Nacht mit Blake wunderschön gewesen war, nagten die Schuldgefühle an mir. Blake und ich waren dafür verantwortlich, dass es zu den ganzen Zwischenfällen gekommen war. Hätten wir keinen Sex gehabt, wäre der Fluch niemals ausgelöst worden.

»Das weiß ich doch. Ich gönne dir bloß nicht, dass du einen der Beaufort-Jungs abbekommen hast. Was machst du eigentlich, wenn du Blake morgen beim Ausflug in die Lost Gardens siehst?«

Aus Kostengründen fand der Besuch klassenübergreifend statt, aber ich wollte lieber nicht darüber nachdenken.

»Was soll ich denn machen? Ich werde Abstand zu ihm halten. Es wäre Blödsinn, den Ausflug deshalb sausen zu lassen, immerhin laufe ich ihm jeden Tag zwangsläufig über den Weg. Schließlich wohnen wir im selben Haus.«

»Auf demselben Anwesen«, korrigierte mich Grayson spitz.

In diesem Moment klingelte mein Handy. Abgelenkt zog ich es aus der Hosentasche und stockte, als ich Blakes Namen auf dem Display entdeckte. Augenblicklich geriet mein Herz aus dem Takt. Es war eine typische Reaktion meines Körpers, von der ich hoffte, dass sie irgendwann nachließ. Doch die physische Distanz zu Blake schien nicht zu helfen, sondern meine Sehnsucht noch zu verstärken. In der Hoffnung, dass man mir meine Gefühle nicht sofort ansah, nahm ich den Facetime-Anruf entgegen. Beim Anblick seines erschöpften Gesichtsausdrucks durchfuhr mich ein vertrauter Stich.

»Hey«, murmelte ich mit einem bemühten Lächeln.

»Hey, hast du eine Minute?« Blake saß in seinem Zimmer auf dem Bett. Seine blauen Augen sahen müde aus und die dunklen Klamotten verstärkten diesen Eindruck noch. Trotzdem breitete sich beim Klang seiner tiefen Stimme ein warmes Gefühl in meiner Brust aus.

»Klar. Ich bin gerade mit Grayson bei Lilly«, sagte ich und schwenkte mein Handy einmal herum, damit die beiden Hi sagen konnten.

Sofort robbte Grayson auf dem Bett in meine Richtung und verzog den Mund zu einem breiten Lächeln. »Dirty-Talk ist also passé. Außer ihr wollt Zuhörer, was für mich total okay wäre.«

»Deswegen rufe ich nicht an«, erklärte Blake ernst. Die Art, wie er es sagte, machte mich unruhig.

»Was ist? Hast du etwas herausgefunden?« Schlagartig schoss mein Puls in die Höhe.

Er atmete tief ein. »Es ist nicht viel. Ich habe mit einer alten Frau gesprochen, die etwas außerhalb von Darktrew wohnt. Sie konnte zu Scarletts Fluch nichts Konkretes sagen, hat aber ganz allgemein über die alten Cornwall-Flüche gesprochen.«

»Und?«, fragte Lilly dazwischen.

Blake beugte sich ein Stück vor. »Sie meinte, dass die schwarze Magie eines Fluchs nur von der Person aufgehoben werden kann, die ihn ausgesprochen hat.«

»Aber die Hexe ist doch schon lange tot.« Ich runzelte die Stirn, denn ich hatte keine Ahnung, worauf er hinauswollte.

Blake nickte langsam. »Scarlett lebt nicht mehr, aber was ist, wenn sie Nachfahren hat? Die alte Frau sagte, dass ein Teil jedes Menschen auf seine Nachkommen übergeht.«

»Du meinst, die Hexe hatte eine Tochter?«, schlussfolgerte Grayson. »Oder einen Sohn?«

»Könnte sein.«

Etwas an Blakes Tonfall machte mich stutzig. Es klang, als hätte er noch nicht alles gesagt, was er heute in Erfahrung gebracht hatte.

Lilly stand auf und setzte sich neben mich auf den Boden, sodass sie Blake direkt ansehen konnte. »Aber wie willst du diese Nachfahren ausfindig machen? Nach all der Zeit? Wir haben doch noch nicht mal einen Nachnamen.«

»Ich weiß es noch nicht«, gab Blake zu. Mit einer Hand strich er sich durch seine dunklen Haare. »Ich muss mir eben etwas einfallen lassen. Vielleicht gibt es irgendwo noch alte Geburtenregister – vorausgesetzt, dass die Hexe überhaupt ein Kind hatte.«

»Wenn sie ein Kind hatte, sind ihre Nachfahren garantiert rothaarig«, bemerkte Grayson trocken.

Lilly warf ihm einen bösen Blick zu. »Sehr witzig.«

Grayson zuckte schmunzelnd mit den Schultern. »Ich wusste schon immer, dass mehr in dir steckt.«

»Aber doch keine Hexe. Hast du Blake nicht gehört? Es ist ja nicht einmal sicher, dass Scarlett ihre Gene überhaupt weitergegeben hat.«

Für einen Moment sagte niemand etwas.

»Das war aber noch nicht alles, oder?«, hakte ich nach.

Blake holte tief Luft. »Wenn Scarlett keine Kinder hatte, gibt es noch eine Möglichkeit, wie sie die Zeit überdauert haben könnte. Die alte Frau ist davon überzeugt, dass Hexen mehrfach inkarnieren können und das auch recht gerne tun. Ich kann mir das nicht vorstellen, aber ich wollte dir die Info auch nicht vorenthalten.«

»Reinkarnation? Du redest von Wiedergeburt?«

Bei meinen Worten verschluckte sich Grayson beinahe, doch Blake nickte nur. Eine gespenstische Stille legte sich über uns, bis Lilly leise das Wort erhob.

»Du meinst, dass die Hexe eventuell schon hier ist? Dass sie unter uns lebt und in jedem Körper stecken könnte?« Als sie die Frage zu Ende gestellt hatte, erklang ein ohrenbetäubender Knall. Es war ein dunkles Geräusch, das mir durch Mark und Bein ging. Bis auf Blake zuckte jeder von uns zusammen.

»Was war das?«, fragte ich nervös, während sich eine eiskalte Gänsehaut auf meinem Körper ausbreitete.

Doch Blake lächelte nur. »Das war die Tür. Der Wind muss sie zugestoßen haben. Es ist alles okay.«

Ich mochte die Ruhe, die er ausstrahlte. Blake war wie ein Fels in der Brandung, selbst wenn wir alle vom heftigen Wellengang mitgerissen wurden. Eine zufallende Tür. Ich kam mir selbst ein bisschen blöd vor, dass ich mich so erschrocken hatte.

»Sicher?« Grayson setzte sich aufrecht hin. »Sicher, dass das nicht ein Zeichen war und die Hexe schon unter uns ist?«

Blake lachte leise. »Wo sollte sie denn bitte schön sein?«

Grayson schielte sofort zu Lilly, die nur die Augen verdrehte. »Also bitte. Wenn ich eine Hexe wäre, würde ich doch meine Fähigkeiten gleich nutzen und dich in einen Terrier verwandeln.«

»In einen Terrier?« Graysons Empörung war köstlich.

Lilly lächelte über ihre Retourkutsche. »Ja, dann passt der Rest deines Körpers endlich zu deinem Gesichtsausdruck.«

Als Grayson laut schnaubte, wanderte mein Blick zurück zu Blake. Es war schön, meine Freunde so unbeschwert zu erleben, doch gerade jetzt konnte ich mich ihrer Leichtigkeit nicht anschließen. Ich fühlte mich erdrückt und wünschte mir einfach, das alles wäre nur ein langer, schrecklicher Traum.

Ein Traum, in dem Blake hoffentlich nicht in die Tiefe sprang und für immer aus meinem Leben verschwand.

Kapitel 2

Der nächste Tag empfing uns mit einer pechschwarzen Wolkendecke. Obwohl ich mich inzwischen an das anhaltend schlechte Wetter gewöhnt hatte, spürte ich die Beklemmung wie ein straffes Seil um meinen Brustkorb, als ich mit Preston zur Schule fuhr. Um nicht ständig über den Fluch zu reden, unterhielten wir uns kurz über seinen nächsten Gig und hörten dann die meiste Zeit dem Radiomoderator zu, der eine neue Schlechtwetterfront ankündigte und fast nur depressive Songs spielte.

Mit Mad World als Ohrwurm im Kopf stieg ich schließlich aus dem Mini und verabschiedete mich von Preston, der auf dem Parkplatz schon von seinen Freunden erwartet wurde. Neben den schicken Autos hatte sich eine kleine Schülerhorde versammelt und ich sah mich nach Lilly und Grayson um. Auch heute Nacht hatte ich wieder den Albtraum gehabt und mich danach stundenlang wach herumgewälzt. Allerdings schien ich nicht die Einzige mit Schlafproblemen zu sein. Die meisten Schüler wirkten übermüdet und die Stimmung war ganz allgemein gedrückt, als würde sich keiner so recht freuen, mit Mr Chapman in die Lost Gardens of Heligan aufzubrechen.

»Hey, June«, begrüßte mich Lilly, nachdem ich endlich ihren roten Haarschopf in dem Gewusel entdeckt hatte. »Kaffee?« Sie hielt mir einen dampfenden Pappbecher unter die Nase. »Du siehst müde aus.«

Dankbar nahm ich den Becher an. »Du kannst Gedanken lesen.«

»Sag das bloß nicht, wenn Grayson in der Nähe ist.« Sie zog verärgert ihre Stupsnase kraus. »Seit gestern nervt er ununterbrochen damit, dass ich eine Reinkarnation von Scarlett sein könnte. Oder eine Nachfahrin. Oder beides.«

Ich schmunzelte. »Sieh es positiv. Dafür haben zumindest die Kleptomanie-Scherze aufgehört.«

Lilly schüttelte den Kopf und gab mir einen Klaps auf die Schulter. »Die Hexenscherze sind auch nicht besser. Ich wünschte wirklich, ich könnte ihn verhexen, damit er endlich damit aufhört.«

»Guten Morgen, Ladys«, begrüßte uns Grayson in dem Moment gut gelaunt, während ein Doppeldeckerbus in die Kiesauffahrt der King’s School einbog und schnaufend auf dem Parkplatz hielt. »Na, freut ihr euch auch schon so auf unseren Ausflug? Es wird sicher ganz …«, er betrachtete Lilly einen Moment lang intensiv, »zauberhaft

»Ich kann es kaum erwarten«, murmelte Lilly augenrollend, als zwei Mädchen in unserer Nähe zu streiten anfingen, weil die eine angeblich ein Geheimnis der anderen ausgeplaudert hatte.

»Immer diese negativen Schwingungen«, seufzte Grayson, während er uns sanft in Richtung des Busses dirigierte, vor dem sich bereits eine Schlange gebildet hatte.

»Wieso bist du eigentlich so gut drauf?«, fragte ich, da Grayson der Einzige zu sein schien, dem weder das miese Wetter noch die aufgeheizte Stimmung aufs Gemüt schlug.

Er zuckte mit den Schultern. »Ich versuche einfach, das Positive in der Situation zu sehen. Zum Beispiel, dass wir heute keinen Unterricht haben und stattdessen einen Ausflug mit den Deep-Blue-Twins machen.« Er schielte zu Preston hinüber, der sich mit ein paar Jungs aus der Parallelklasse unterhielt. Blake stand ein paar Schritte daneben und sprach mit Grace, die lächelnd an ihrer Silberkette spielte. Obwohl ich meinen Blick nur kurz über die beiden gleiten lassen wollte, ertappte ich mich dabei, wie ich sie anstarrte. Ich konnte zwar nur Blakes Profil sehen, trotzdem war die Müdigkeit auf seinem Gesicht deutlich zu erkennen. Wahrscheinlich hatte er heute Nacht genauso schlecht geschlafen wie ich. Als Grace nun etwas erzählte und dabei lachend mit der Hand in der Luft herumwedelte, glitt jedoch ein gelöster Ausdruck über seine Züge. Mit gemischten Gefühlen beobachtete ich, wie sie sich nach vorn beugte und beiläufig einen Fussel von seiner Jacke zupfte, während sie weiterredete. Ich gönnte es Blake von Herzen, nicht ständig an die drohende Gefahr denken zu müssen, aber einem Teil von mir wäre es lieber gewesen, er hätte sich von jemand anderem ablenken lassen. Blake hatte mir nach Lord Musgraves Tod zwar noch versichert, dass ihn mit Grace nur eine Freundschaft verband, doch wenn ich die beiden miteinander sah, fühlte es sich ganz anders an.

Lilly folgte meinem Blick und schnaubte vernehmlich. »Die schon wieder.«

»Ich sag es ja nur ungern, Darling, aber Grace versucht offenbar, sich deinen Deep-Blue-Twin zu angeln.«

Unwillig nippte ich an meinem Kaffee. Möglicherweise bildete ich mir das leichte Knistern zwischen den beiden ja doch nicht ein. »Grace und Blake sind nur Freunde«, erwiderte ich dennoch. »Und bitte sag nicht mehr Deep-Blue-Twins. Der Ausdruck ist entsetzlich.«

Lilly nickte sofort. »Ich war von Anfang an der Meinung, dass der Spitzname die beiden auf ungesunde Weise glorifiziert.«

»Dafür hast du ihn aber erstaunlich oft verwendet«, bemerkte Grayson halblaut, als Mr Chapman in die Hände klatschte. Unser Literaturlehrer, dem Lilly nach wie vor eine Ähnlichkeit mit Robin Hood nachsagte, trug heute einen beigefarbenen Trenchcoat und schien neben Grayson der Einzige zu sein, der sich auf den Ausflug freute. Das lag aber wahrscheinlich daran, dass er Tim Smit, den Autor unserer aktuellen Klassenlektüre »The Lost Gardens of Heligan«, persönlich kannte.

»Der Bus ist nun zum Einsteigen bereit, Ladies and Gentlemen. Bitte seid umsichtig bei der Platzwahl und achtet darauf, dass diejenigen mit einem schwachen Magen nicht ganz oben oder ganz hinten sitzen. Danke!«

»Ich fühle mich wie in der ersten Klasse«, sagte Grayson, als wir Schritt für Schritt in der Schlange weiterrückten.

»Ich auch«, erwiderte ich über die Schulter. »Nur, dass mir in der ersten Klasse bei Busfahrten immer schlecht geworden ist.«

Grayson verlor bei dieser Information etwas von seinem Strahlen. »Nun, ich hoffe, das hast du inzwischen überwunden, Sweetheart. Ich möchte nicht, dass mein neuer Burberry-Schal Flecken bekommt.«

»Inzwischen vertrage ich Busfahrten ganz gut. Außer, wenn ich Kaffee trinke.« Lächelnd nahm ich noch einen großen Schluck aus meinem Pappbecher.

Lilly kicherte, während Grayson nur den Kopf schüttelte. »Irgendwie hast du mir mit deiner bedrückten Stimmung besser gefallen.«

Die ersten Schüler im Bus belegten sofort die oberen Plätze. Mir war es eigentlich egal, wo ich saß, solange ich keinen direkten Blick auf Grace und Blake haben musste. Die beiden unterhielten sich immer noch, während sie in den Bus stiegen, wobei Blake ihr ganz gentlemanlike den Vortritt ließ. Als mein Handy den Eingang einer Nachricht ankündigte, war ich beinahe erleichtert, den Blick senken zu können.

»Schon wieder Carla?«, fragte Lilly, die das Bimmeln auch gehört hatte. »Was will sie denn diesmal?«

»Sie hat geschrieben, dass Jasper eine neue Freundin hat«, erwiderte ich, während ich die Zeilen überflog. »Das erklärt dann auch, warum er mich in letzter Zeit in Ruhe gelassen hat.«

»Immerhin etwas Gutes«, bemerkte Grayson hinter mir, der von einem nachkommenden Schüler angerempelt wurde und sich verärgert umdrehte. »Hey! Pass doch auf!«

»Pass doch selber auf«, erwiderte der rothaarige Typ schnippisch.

Rasch zog ich Grayson am Ärmel weiter. »Lass dich nicht provozieren. Wir wissen doch, woran es liegt«, flüsterte ich ihm zu.

»Ja, an der schlechten Erziehung dieses Kerls«, erwiderte Grayson lautstark.

»Ihr braucht weder zu drängeln noch zu schubsen«, verkündete Mr Chapman nachdrücklich, als wir in den Bus stiegen. »Es ist genug Platz für alle.«

Ich ließ meinen Blick über die teilweise besetzten Reihen wandern und musste unserem Lehrer recht geben. Es gab tatsächlich genügend freie Plätze. Weshalb Grace auch nicht unbedingt neben Blake hätte sitzen müssen, es aber dennoch tat. In diesem Moment schaute er auf und sah mir direkt in die Augen. Schon allein dieser unerwartete Blickkontakt bewirkte, dass mein Blut schneller durch meine Adern gepumpt wurde und mein ganzer Körper zu kribbeln begann.

Hinter mir spürte ich, wie Grayson unruhig wurde, während ich Blake noch immer anstarrte. Als mir das bewusst wurde, ging ich rasch weiter.

»Hier ist es doch schön«, sagte Lilly und deutete auf zwei freie Zweierreihen hintereinander.

»Sehe ich genauso«, erklang plötzlich Prestons warme Stimme, der sich bis zu uns durchgedrängelt hatte. »Rutsch mal rein, June.«

Ich schaute kurz zu Lilly und Grayson, die auf Prestons Auftauchen völlig gegensätzlich reagierten. Während Lillys Gesicht sich augenblicklich verschloss, hellte sich Graysons Miene auf.

»Wo sind denn deine Kumpels hin?«, fragte ich Preston, während ich zum Fensterplatz rutschte.

»Die checken irgendwelche Mädels ab.«

»Und da machst du gar nicht mit?«, ätzte Lilly, die sich auf den Platz schräg hinter mir fallen ließ.

»Wer sagt denn, dass ich nicht mitmache?« Preston drehte sich um und schenkte ihr ein spöttisches Lächeln.

»Ich denke nicht, dass du hier große Chancen hast, jemanden aufzureißen.«

Preston hob die Augenbrauen. »Unterschätz mich nicht, Rotschopf.«

»Nenn mich nicht so, Braunkopf.«

Bei Lillys merkwürdigem Konter tauschte ich einen kurzen Blick mit Grayson, der ebenfalls die Stirn runzelte.

Preston grinste nur noch spöttischer, während sich auf Lillys Hals vor lauter Aufregung rote Flecken bildeten. Ich überlegte gerade, wie ich ihr unauffällig zu Hilfe kommen könnte, als Grace ein paar Reihen vor uns hell auflachte. Obwohl es sich nur um ein Lachen handelte, fegte es jeden klaren Gedanken aus meinem Kopf und sorgte dafür, dass ich mir innerlich immer wieder vorsagen musste, dass die beiden nur Freunde waren.

Preston betrachtete mich eindringlich und zog dann eine Augenbraue hoch. »Interessant, was ein Lachen von Grace mit deinem Gesicht anstellt, June.«

»Grace stellt überhaupt nichts mit meinem Gesicht an«, erwiderte ich ein wenig zu schnell.

»Wenn du meinst.« Er beugte sich ein Stück näher zu mir, sodass mir sein angenehmer Duft in die Nase stieg. »Ich hätte schwören können, dass du eifersüchtig bist. Immerhin hast du mit Blake den Lord gekillt und tust jetzt alles dafür, um diesen beschissenen Fluch zu brechen, während Grace’ wichtigstes Thema die Planung eines langweiligen Abschlussfestes ist, das noch Monate in der Zukunft liegt.«

»Wir haben den Lord nicht gekillt«, gab ich genauso leise zurück. Da der Bus inzwischen schon recht voll war, ging unsere geflüsterte Unterhaltung im Lärm der anderen Schüler unter. »Wenn schon, haben wir ihn überlebt

»Ich bin schon froh, wenn wir die Busfahrt mit dir überleben«, mischte sich Lilly halblaut ein.

Preston drehte sich auf seinem Sitz um und betrachtete meine Freundin amüsiert. »Eine Busfahrt mit mir überlebt man nicht. Die genießt man.«

Lilly verschränkte abwehrend die Arme vor der Brust. »Das kann ich mir nicht vorstellen.«

»Ich schon«, warf Grayson gedehnt ein.

Preston betrachtete Lilly entspannt. »Hast du etwa vergessen, welche Möglichkeiten mir zur Verfügung stehen?« Er senkte die Stimme. »Immerhin kann ich jeden hier im Bus zum Lügen bringen. Ein kurzer Blickkontakt«, er sah ihr tief in die Augen, »und schon sagen die Leute, was ich möchte.«

Lilly schnaubte verächtlich. »Ich habe in meinem ganzen Leben noch niemanden getroffen, der so …« Sie stockte kurz, während gleichzeitig ein kalter Luftzug durch den Bus wehte. »Der so unattraktiv ist«, fuhr sie dann fort. »Wenn es nach mir geht, kannst du die ganze Busfahrt über mit June flirten, da ich absolut kein Interesse an dir habe und auch niemals haben werde.«

Im nächsten Moment lief Lilly rot an. Offenbar hatte sie etwas ganz anderes sagen wollen.

»Hast du etwa gerade deine Gabe bei ihr eingesetzt?«, flüsterte Grayson ungläubig, wobei eine Spur Begeisterung in seiner Stimme mitschwang.

Preston nickte. »Ich sagte doch, dass ein kurzer Augenkontakt reicht«, erwiderte er gedämpft.

»Blödsinn«, schimpfte Lilly. »Das war nicht deine Gabe. Ich habe jedes Wort so gemeint.«

»Ach ja?« Preston hob eine Augenbraue. »Soll ich es noch mal demonstrieren?«

»Ja, bitte, ich kann einfach nicht genug davon bekommen«, erwiderte Lilly wie aus der Pistole geschossen, bevor sie sich erschrocken die Hand vor den Mund hielt.

»Hey, jetzt lass sie in Ruhe«, verlangte ich entschieden.

»Wie ihr wollt.« Preston grinste breit. »Aber vergesst nicht, dass ich andere nur dazu bringen kann, zu lügen«, fügte er nachdrücklich hinzu.

Lilly drehte den Kopf zum Fenster und sagte kein Wort mehr.

»Die Lost Gardens existieren schon seit der Tudorzeit«, erklärte Mr Chapman gute zwei Stunden später, nachdem er die Tickets für unsere Klassen gelöst hatte. Wir standen gedrängt vor den verwunschenen Gärten, die bei dem regnerischen Wetter keinen großen Zauber auf mich ausübten. Was allerdings auch daran liegen konnte, dass die Busfahrt ziemlich anstrengend gewesen war, weil Lilly Preston nur böse angefunkelt hatte.

»Die Familie Tremayne hat die Gärten vierhundert Jahre lang bewirtschaftet, wobei in ihrer Blütezeit bis zu zweiundzwanzig Gärtner auf dem Gut arbeiteten«, fuhr Mr Chapman fort.

Langsam bewegte sich unsere Gruppe vorwärts und kam an einem bewachsenen Riesenkopf vorbei, der so aussah, als ob ein freundlicher Troll seinen Kopf direkt aus dem Rasen streckte. Das Gesicht mit der knolligen Nase war von Moos überwachsen und die Haare des Trolls wurden von langen grünen Blättern gebildet, die ihm verspielt in die Stirn hingen. Der Riesenkopf war echt süß und sorgte für allgemeine Erheiterung, bei der die schlechte Stimmung der Busfahrt ein Stück weit verflog. Wahrscheinlich half auch die räumliche Entfernung zu Darktrew, denn trotz der Wolken hatte ich das Gefühl, hier ein wenig freier atmen zu können.

»Im Ersten Weltkrieg zogen die meisten Gärtner in den Kampf«, erzählte Mr Chapman, während er uns Zeit ließ, Fotos zu machen. »Viele der Männer kamen jedoch nie zurück. 1919 konnten die Tremaynes schließlich nicht mehr genug Geld für die Pflege der Gärten aufbringen und das Anwesen verwilderte zusehends.«

Wir schlugen den Weg in einen lichten Wald ein und marschierten in Grüppchen über einen breiten Pfad.

»Vor knapp dreißig Jahren begann schließlich ein Nachkomme der Tremaynes die Lost Gardens mit einer Gruppe von Gartenbauspezialisten wieder in seinen ursprünglichen Zustand zu versetzen.« Mr Chapman blieb vor der ausgestreckten Skulptur einer schlafenden Riesin stehen, die so aussah, als würde sie mitten im Wald ein Nickerchen machen. Sie hatte den Kopf auf ihre Arme gelegt und war ebenfalls komplett mit Moos bewachsen, was ihr ein märchenhaftes Aussehen verlieh.

»Inzwischen ist Heligan mit mehr als dreihunderttausend Besuchern pro Jahr der meistbesuchte Garten Englands.«

»Nett hier«, sagte Grayson, der die schlafende Riesenlady intensiv betrachtete. »Ich könnte meinem Cousin Cooper die Lost Gardens als Hochzeitslocation vorschlagen. Immerhin ist seine Verlobte ebenfalls eine Riesin und fast einen Kopf größer als er, sie müsste sich hier wohlfühlen.«

»Dein Cousin Cooper heiratet?«, fragte Lilly ungläubig. »Ist Cooper der Fischer oder der Dachdecker?«

»Der Fischer. Und ja, er heiratet nächsten Frühling.«

»Aber ist er nicht ein bisschen jung, um zu heiraten?« Lilly strich sich die Haare aus dem Gesicht. »Der ist doch erst zwanzig, oder?«

Grayson grinste. »Als Nachfahrin von Scarlett könntest du ihm vielleicht einen Trank brauen, der ihn zumindest geistig reifer macht.«

»Diesen Trank würde ich dann aber zuerst dir verabreichen«, knurrte Lilly, als wir ein paradiesisches Fleckchen des Gartens erreichten. Dichte Farne, hohe Palmen und exotische Sumpfpflanzen wucherten rund um einen idyllischen kleinen Teich, der eingebettet in einem grünen Tal lag.

»Kurze Pause«, sagte Mr Chapman vor uns, was Lilly und Grayson nicht davon abhielt, sich weiter zu kabbeln. Ich ließ die beiden vorgehen und blieb kurz stehen, um den Ausblick zu genießen.

»Hey«, erklang in diesem Moment Prestons Stimme hinter mir. »Friedlich hier, nicht wahr?«

Ich drehte mich halb zu ihm um. Preston hatte die Hände in den Hosentaschen vergraben und wurde von ein paar Mädchen aus meiner Klasse hemmungslos angegafft, was er routiniert ignorierte.

»Ohne die beiden schon«, sagte ich scherzhaft und deutete mit dem Kopf auf Lilly und Grayson, die sich immer noch gegenseitig ärgerten.

Preston lächelte kurz, bevor er wieder ernst wurde. Er wirkte nachdenklicher als vorhin und trat zu mir an das hölzerne Geländer, von wo aus man einen herrlichen Blick auf den Teich hatte. Als die Wolkendecke aufriss, schimmerte das dunkelgrüne Wasser in der Sonne, die ich viel zu lange nicht mehr gesehen hatte.

»Woran denkst du?«, fragte ich leise.

»An vieles.« Er starrte auf das Wasser. »An zu vieles. Mein Kopf ist total zugemüllt von dem ganzen Mist.«

Ich schwieg für einen Moment. »Mich verfolgen die Gedanken auch überallhin. Morgen ist mein Aufnahmegespräch in Oxford und das Einzige, was mich Tag und Nacht beschäftigt, ist die Frage, ob wir jetzt endlich einen Schritt weiter sind oder sich die Sache mit Scarletts Nachfahren oder Reinkarnation auch nur wieder als Sackgasse entpuppt.« Mit einem tiefen Atemzug ließ ich meinen Blick über die anderen schweifen. Grace unterhielt sich gerade mit ihrer Freundin Brooke, die mich am Anfang des Schuljahres auf dem Hockeyplatz gefoult hatte. Blake hingegen konnte ich nirgendwo entdecken. Offenbar nahm er den Vorsatz, sich von mir fernzuhalten, sehr ernst.

»Ich hoffe, es bringt uns weiter.« Preston kickte mit der Fußspitze einen kleinen Stein ins Wasser. »Sackgassen hatten wir schließlich schon genug.«

Bei seinen Worten musste ich an all die verschiedenen Ansätze denken, die wir schon durch hatten. Blake und Preston hatten in der letzten Woche, als Onkel Edgar nicht da war, noch einmal die Sachen von Tante Catherine durchgesehen. Das hatten sie nach ihrem Tod bereits getan, doch jetzt gab es einen anderen Beweggrund. Wir hofften, dass Tante Catherine irgendwelche Aufzeichnungen zur Herkunft ihrer Gabe besessen hatte, die uns jetzt weiterhelfen konnten. Doch trotz der stundenlangen Suche in der Bibliothek und dem Atelier ihrer Mutter waren sie auf kein einziges Wort über Grüne, Blaue oder einen mysteriösen Hexenfluch gestoßen.

»Am Mittwoch treffen wir uns mit Lillys Granny Violet«, fuhr ich so optimistisch wie möglich fort. »Sie will uns ihre Freundin Amanda vorstellen, von der wir die Tagebuchseite der Hexe haben. Vielleicht finden wir auf diesem Weg etwas über Scarletts Nachfahren oder eine mögliche Reinkarnation heraus.«

Preston sah mich lächelnd an. »Du lässt dich einfach nicht unterkriegen, June Mansfield.« Der Klang seiner Stimme passte zu dem zärtlichen Ausdruck in seinen Augen, die viel sanfter wirkten als sonst. Es kam mir vor, als würde ich Stück für Stück einen Preston kennenlernen, der auch andere Seiten hatte als die herablassende oder unterhaltsame, die er sonst zeigte. Ein wenig befangen von dem unerwartet intimen Moment, wusste ich nicht sofort, was ich darauf erwidern sollte.

»Wenn der Besuch bei dieser Amanda neue Erkenntnisse bringt, ruf mich gleich an.« Er unterbrach den Blickkontakt und lächelte über meine Schulter hinweg irgendein Mädchen an, das mit einem verzückten Kichern reagierte. »Und jetzt lass uns das Thema wechseln, bevor wir uns vor lauter Frustration noch in den Teich stürzen und selbst reinkarnieren müssen.«

Erleichtert darüber, dass Preston wieder mehr er selbst war, kickte ich grinsend ein Steinchen ins Wasser. »Glaubst du denn an Wiedergeburt?« Irgendwie konnte ich mir das bei Preston nicht vorstellen.

»Bis jetzt noch nicht. Doch ich habe früher auch nicht an magische Gaben und Flüche geglaubt.«

»Touché.«

Preston kratzte sich an der Wange. »Wollten wir nicht das Thema wechseln, damit wir uns nicht in den Teich stürzen?«

»So ein Mensch bin ich nicht. Ich stürze mich nirgendwo hinunter, nur weil es schwierig wird.«

»Stimmt. Du bist ganz klar jemand, der andere hinunterstürzen lässt.«

Bei seinem spöttischen Lächeln kniff ich die Augen zusammen. »Vorsicht. Könnte sein, dass du recht hast.« Dabei gab ich ihm einen leichten Schubs in Richtung Teich, den er mit Leichtigkeit ausbalancierte. Im nächsten Moment hatte mich Preston am Handgelenk gepackt und hielt es spielerisch fest.

»Sorry, June, aber das Rempeln musst du noch üben.«

Mit einem Ruck wollte ich meinen Arm befreien, doch Preston lachte nur leise.

»Ich gehe jedes Jahr zum Hurling. Ich bin etwas mehr gewohnt als das.«

»Hurling? Wo die Ladenbesitzer von Darktrew ihre Schaufenster mit Brettern vernageln, weil erwachsene Männer glauben, mitten in der Stadt einer silbernen Kugel hinterherlaufen zu müssen?«, stieß ich hervor, während ich weiterhin versuchte, mich aus seinem Griff zu befreien. Dabei fielen mir die neugierigen Blicke einiger Mitschüler auf, die sich auf der Wiese rund um den Teich verteilt hatten.

Preston kam noch näher, sodass ich die Wärme seines Körpers spüren konnte, und beugte den Kopf zu mir hinunter. »Das hast du ziemlich gut zusammengefasst.« Seine Augen funkelten belustigt, als er mich endlich losließ und sich mit verschränkten Armen an das Holzgeländer lehnte. »Leider findet das Hurling nur einmal im Jahr statt, aber nächste Woche bin ich wieder mit dabei.«

»Glückwunsch.«

Preston grinste. »Willst du mir zusehen?«

»Wie du dich mit anderen Typen um einen Ball streitest?« Ich zog eine Augenbraue hoch. »Klingt zwar unheimlich verlockend, aber ich fürchte, da hab ich schon was vor.«

»Es ist eine ziemlich schwere Kugel«, präzisierte Preston. »Und es steckt mehr dahinter, als nur darum zu streiten.« Er beugte sich ganz nah zu mir, sodass ich seinen frischen Atem riechen konnte. »Es geht ums Gewinnen.«

»Und hast du das Hurling schon mal gewonnen?«

»Natürlich. Ich verliere nämlich nicht gerne.« Etwas in seiner Stimme irritierte mich, aber bevor ich weiter darüber nachdenken konnte, wurde Preston von einem seiner Kumpels gerufen. Er gab ihm ein Zeichen, gleich zu kommen, und drehte sich noch einmal zu mir um. »Also, bist du nächsten Dienstag dabei, um mich anzufeuern?«

»Mal sehen«, erwiderte ich unverbindlich.

Er lächelte zufrieden. »Gut. Ich kann’s kaum erwarten.«

Kapitel 3

»Und? Was wollte er?«, fragte Lilly, als Preston mit den Händen in den Hosentaschen davongeschlendert war.

»Er möchte, dass wir ihn auf dem Laufenden halten, wenn wir bei Amanda etwas herausfinden«, fasste ich das Wichtigste zusammen.

»Er wirkte anfangs ziemlich ernst.« Grayson sah Preston verzückt hinterher. »Und ziemlich sexy.«

»Echt jetzt?« Lilly schüttelte den Kopf. »Würdest du ihn auch noch sexy finden, wenn er mit blutbesudeltem T-Shirt vor dir steht, nachdem er gerade Blake ein Messer …« Sie unterbrach sich hastig und wurde rot.

Grayson pfiff durch die Zähne. »Wow! Und der Preis für den geschmacklosesten Kommentar geht an dich, Lilly Baker.«

Lilly warf mir einen verschämten Blick zu. »Sorry, June. So hab ich das nicht gemeint.« Dann funkelte sie Grayson an. »Aber wenigstens sabbere ich nicht Preston hinterher oder hänge mich wie eine blonde Klette an Blake.«

»Wie eine blonde Klette?« Bei der eiskalten Stimme in unserem Rücken drehten wir uns um.

Hinter uns stand Brooke. Offenbar hatte sie den letzten Teil des Satzes gehört, denn sie musterte uns wie einen Haufen toter Insekten. Grace starrte ein paar Schritte hinter Brooke auf ihr Handy. So wie es aussah, hatte sie von der Unterhaltung nichts mitbekommen.

»Ich glaube nicht, dass Grace sich freut, wenn ich ihr erzähle, wie ihr sie genannt habt«, fauchte Brooke.

»Dann behalte es doch einfach für dich«, erwiderte ich ruhig, als Grace von ihrem Handy aufsah und näher kam.

»Was ist los?«, fragte sie neugierig.

Brooke verzog ihr blasses Gesicht. »Sie haben dich als blonde Klette bezeichnet«, petzte sie fast schon triumphierend.

»Tatsächlich?« Grace richtete ihre hellen Augen auf mich und betrachtete mich langsam von oben bis unten. »Und ich dachte, wir wären nicht mehr im Kindergarten.«

»June hat nichts damit zu tun.« Lilly warf Brooke einen wütenden Blick zu.

»Sicher nicht?« Grace machte einen Schritt auf mich zu, wobei ihr Gesichtsausdruck noch kälter wurde. »Ich hatte schon immer das Gefühl, dass es dich stört, wenn ich mich mit Blake treffe. Aber ich dachte nicht, dass du so tief sinkst, es auch öffentlich zu zeigen.«

»Du halluzinierst«, erwiderte ich kopfschüttelnd.

»Ich sage die Wahrheit, auch wenn du sie nicht hören willst.« Grace starrte mich mit zusammengekniffenen Augen an. »Du bist anscheinend neidisch, weil er seine Zeit lieber mit mir verbringt als mit dir.«

Darauf fielen mir gleich drei unhöfliche Antworten ein, doch ich schluckte sie aus Rücksicht auf Blakes Freundschaft mit Grace hinunter. »Blake kann seine Zeit verbringen wie und mit wem er möchte.«

»Das ist wahr. Und ich bin mir auch ziemlich sicher, dass es einen Grund dafür gibt, warum er sie mit mir verbringt.«

Bei ihrem falschen Lächeln hätte ich ihr am liebsten in ihr perfekt geschminktes Gesicht geschlagen.

»Es ist statistisch erwiesen, dass der Wunsch, andere zu beleidigen, auf Unsicherheit und Angst zurückzuführen ist«, konterte ich ungerührt. »Wovor hast du Angst, Grace? Dass Blake irgendwann merkt, dass du doch nicht so nett bist, wie du immer tust?«

Verärgert öffnete sie den Mund, als Mr Chapman die Stimme erhob.

»Weiter geht’s!«, rief er laut und deutete auf einen schmalen Weg, der in den Wald hineinführte. »Nach ein paar Minuten kommen wir zu einer großen Hängebrücke. Bitte seid geduldig beim Hinübergehen und versucht, die Brücke nicht zum Schaukeln zu bringen.«

Grace blitzte mich noch einmal an und stapfte dann mit Brooke den anderen hinterher.

Grayson grinste anerkennend. »Treffer und versenkt, June.«

Ich winkte ab. »Die Statistik hab ich nur erfunden.«

»Das ist egal«, befand Lilly. »Entscheidend ist, dass ihr keine gute Antwort eingefallen ist.«

Grayson blickte Grace kopfschüttelnd hinterher. »Ich frage mich, was Blake an der findet.«

»Na ja, sie sieht aus wie die kleine Schwester von Barbie«, erwiderte Lilly trocken. »Nur smarter. Und sie hat eine verdammt gute Figur.«

Grayson räusperte sich leise.

»Was? Ich habe lauter Brüder, ich kenne mich mit so was aus. Die wichtigsten Kriterien in der Beurteilung von Mädchen sind Haare, Hintern und Busen.«

»Ich denke, das Gesicht und die Persönlichkeit spielen auch eine Rolle«, erwiderte Grayson stirnrunzelnd.

»Vielleicht eine untergeordnete. Bei Grace eher keine. Ich meine, sieh sie dir doch an.«

Lilly deutete auf Grace, deren Haare-Hintern-Busen-Bewertung wahrscheinlich durch die Decke ging. »Alles okay, June?«, fragte sie dann. »Hätte ich das lieber für mich behalten sollen?«

Ich bemühte mich um einen halbwegs fröhlichen Gesichtsausdruck. »Sagen wir so: Du solltest keine Diplomatin werden.«

»Sorry, June.«

»Schon gut.«

Als mein Handy eine neue Nachricht anzeigte, gab Grayson Lilly ein Zeichen. »Komm, lassen wir June deine geballte Ehrlichkeit erst mal verdauen.« Er zog sie weiter und war kurz darauf mit ihr auf dem schmalen Pfad verschwunden.

In der Zwischenzeit las ich die Textnachricht, die von meiner Mutter stammte. Sie wollte wissen, wie es mir ging, und ich schrieb mechanisch zurück, dass ich einen tollen Tag hatte. Als Beweis schickte ich ein Foto der Lost Gardens und atmete dann tief durch. Obwohl ich es mir nicht gern eingestand, wusste ich, dass Grace vorhin recht gehabt hatte. Ich war tatsächlich neidisch, weil sie Zeit mit Blake verbringen durfte und ich nicht. Ich war neidisch, dass sie ihn berühren konnte, ohne befürchten zu müssen, eine Katastrophe auszulösen. Dieser verdammte Fluch war so dermaßen ungerecht.

Hin- und hergerissen zwischen meiner Wut auf die Hexe und der Angst um Blake steckte ich das Handy wieder weg. Dann gab ich mir einen Ruck und folgte den anderen. Der Pfad durch den Wald war ziemlich eng und fiel auf der linken Seite steil ab, sodass man achtgeben musste, nicht auszurutschen. Kaum hatte ich den schmalen Weg betreten, stockte ich, denn nur ein paar Meter entfernt stand Blake vor einer Biegung und hielt mit ernster Miene sein Telefon ans Ohr.

»In Ordnung«, hörte ich ihn sagen. »Danke, Officer. Auf Wiederhören.« Sobald er das Gespräch beendet hatte, steckte er das Handy weg und blickte mich direkt an. »Hey.«

Seine warme Stimme rief unzählige Gefühle in mir hervor. Es war, als hätten sie nur darauf gewartet, von ihm mit diesen drei kleinen Buchstaben aus ihrer Deckung gelockt zu werden, damit sie jetzt völlig enthemmt durch meinen Körper stürmen konnten, um mich vollends zu verwirren.

»Hey«, erwiderte ich mit dem besten Pokerface, das ich zustande brachte, und blieb in sicherem Abstand zu ihm stehen. »War das die Polizei?«

Blake nickte. »Sie haben Musgraves Leiche immer noch nicht gefunden, weshalb er offiziell weiter als vermisst gilt. Der Polizist meinte, er hält mich auf dem Laufenden, falls sich etwas Neues ergibt.«

»Das ist gut.« Ich merkte selbst, wie unecht das Lächeln sein musste, das ich mir ins Gesicht klebte. Nicht nur, weil ich gerade erst eine Konfrontation mit Grace hinter mir hatte, sondern weil seine Nähe schon wieder so eine Sehnsucht in mir wachrief.

Keine starke Sehnsucht. Eine überwältigende Sehnsucht. Jede Zelle meines Körpers sehnte sich danach, den Abstand zwischen uns zu überwinden und die Hand nach ihm auszustrecken. Einfach nur seine Haut zu berühren, und sei es auch nur für einen Moment. Seinen Atem auf mir zu spüren. Seinen Duft einzuatmen, den ich fast schon körperlich vermisste.

»Alles okay, June?« Die Besorgnis in seiner Stimme machte es noch schlimmer.

»Es tut mir leid.« Sicherheitshalber wich ich ein wenig zurück. »Ich wollte dich nicht so anstarren, als ob …«

»Als ob was?«

Als ob ich jeden Moment über dich herfallen könnte.

Ich presste die Lippen aufeinander. »Vergiss es. Hast du seit gestern schon etwas Neues herausgefunden?« Es war ein kläglicher Versuch, das Thema zu wechseln, aber ich fühlte mich selbst so kläglich, dass mir im Moment nichts Besseres einfiel. Und Blake spielte mit, denn er überging meinen Moment der Schwäche und räusperte sich.

»Nein. Ich habe bei Pfarrer Bell angerufen und gefragt, ob es ein Tauf- oder Geburtenverzeichnis aus der Zeit gibt, in der Scarlett ungefähr gelebt hat. Aber die Kirche hat keine Unterlagen, die so weit zurückreichen. Der Pfarrer meinte, sie verfügen nur über ein Sterberegister.«

Wieder eine Sackgasse.

Ich nickte und versuchte, mir meine Enttäuschung nicht anmerken zu lassen. »Wir werden einfach weitersuchen. Es gibt sicher irgendwelche Historiker oder Ahnenforscher, die noch Aufzeichnungen haben.«

»Vielleicht.« Blake wirkte nicht nur müde, er wirkte desillusioniert. Als wäre er gerade dabei, den Fluch insgeheim zu akzeptieren und mit seinem Leben abzuschließen.

Ohne darüber nachzudenken, machte ich einen Schritt auf ihn zu. »Nicht vielleicht. Sicher, Blake.«

»Wir wissen nicht mal, ob Scarlett überhaupt Nachfahren hat, June. Und falls nicht, ob es so etwas wie Wiedergeburt tatsächlich gibt.«

»Wenn es sie gibt, hoffe ich, dein Onkel kommt nicht größer als eine Ameise zurück.«

Meine Worte brachten ihn zum Lächeln. Es war das erste echte Lächeln, das ich seit Tagen bei ihm gesehen hatte, und ich klammerte mich daran fest, als könnte es alles wieder in Ordnung bringen. Als könnte ein Moment der Unbeschwertheit – und sei er noch so kurz – den Schrecken der letzten Tage verblassen lassen. Dabei hatte ich das Gefühl, meine Angst um ihn machte mein Verlangen noch stärker. Mit trockener Kehle schluckte ich, während sich unsere Blicke trafen. Sofort begann mein Herz, seinen Rhythmus zu verändern.

»Wir sollten zu den anderen gehen.« Es kostete mich meine ganze Kraft, diese Worte auszusprechen.

Blake starrte mich noch immer auf eine Art an, dass mir die Knie weich wurden, bevor er schließlich langsam nickte. »Ja, sollten wir.«

Ich warf einen Blick über seine Schulter, wo das Lärmen unserer Klassenkameraden zu hören war. Doch obwohl wir uns einig waren, dass wir nicht länger hier stehen sollten, bewegten sich weder Blake noch ich von der Stelle. Mein ganzer Körper wurde in seine Richtung gezogen, als wären wir zwei Magnete, die einfach zueinander gehörten.

»Verzeihung, dürfen wir mal vorbei?« Die Stimme gehörte einem älteren Mann in einer gelben Regenjacke und mit weißem Vollbart.

Blake und ich wichen gleichzeitig an den Rand des Pfades zurück, als ein etwa siebenjähriger Junge vorbeifegte und mich anrempelte.

»Peter, pass doch auf!«, rief der Mann, als ich schon gegen Blake stolperte, der mich instinktiv auffing.

In der Sekunde, in der sich unsere Hände berührten, geschah etwas mit uns. Es dauerte nicht länger als einen Wimpernschlag. Dann entlud sich ein prickelnder Energiestrom an der Stelle, wo Blake mich angefasst hatte. Er jagte durch meinen Körper und erfüllte mich von den Fingerspitzen bis zu den Zehen mit einem so stürmischen Verlangen, dass ich das Gefühl hatte, von einer gewaltigen inneren Wärme erfüllt zu werden, die mich kompromisslos zu Blake hinzog.

Die Entschuldigung des alten Mannes für seinen Enkel hörte ich kaum, als ich in Blakes Augen blickte, die für einen Moment so aussahen, als ob glühende Lichtblitze darin zuckten. Gleichzeitig war die Luft aufgeladen von einer elektrisierenden Spannung, bei der ich eine Gänsehaut bekam. Mein Atem wurde flacher, mein Herz trommelte in meiner Brust. Blake hielt mich rechts und links an den Schultern, während sein Atem immer schneller wurde. Seine widerstreitenden Gefühle waren ihm deutlich anzusehen, doch er war genauso wenig in der Lage, mich loszulassen, wie umgekehrt.

Die Leidenschaft in seinem Blick weckte Empfindungen in mir, die gefährlich waren. Empfindungen, die ich nicht hätte haben sollen. Obwohl seine Berührung durch meine dicke Winterjacke gedämpft wurde, kam es mir vor, als würden warme Lichtstrahlen über meine Arme laufen und sich in meinem ganzen Körper miteinander vernetzen.

»Wir dürfen das nicht tun«, brachte ich schließlich hervor und versuchte, mich von Blake zu lösen. Aber obwohl ich es unbedingt wollte, blieben meine Beine wie angewurzelt stehen.

Er nickte, ohne mich loszulassen.

»Wir müssen Abstand halten«, hauchte ich.

»Ich weiß«, flüsterte er zurück, während er mit seinen Händen ganz sanft über meine Schultern nach oben strich, bis er schließlich bei meinem Hals angelangt war. Bei der ersten Berührung seiner Fingerspitzen auf meiner Haut schloss ich die Augen. Es fühlte sich an, als würde sich ein glühendes Band um mich legen, das mich Zentimeter für Zentimeter noch näher zu Blake zog. Ich konnte ihm nur noch in die Augen sehen, von denen ein unwirkliches Leuchten auszugehen schien. Das strahlende Blau füllte meinen ganzen Horizont, es war mein Himmel und meine Erde, es war praktisch alles, was mich umgab. Ich ertrank förmlich in einem Strudel aus Emotionen, den sein Anblick in mir auslöste und der jegliche Vernunft zum Verstummen brachte. Ein Strudel, der zu stark war, um dagegen anzukommen.

Alles, was ich wusste, war, dass ich Blake küssen wollte. Nichts anderes war mehr wichtig, nichts anderes zählte in diesem Moment, in dem Blake seine Hand auf meine Wange legte. Als er mit dem Daumen über meine Unterlippe strich, entfuhr mir ein tiefes Seufzen.

»June«, murmelte er leise.

Mehr brauchte es nicht.

Gleichzeitig fielen wir übereinander her. Seine Hände pressten mich an sich, während ich meine Arme fieberhaft um seinen Nacken schlang und seinen Kopf zu mir herunterzog. Blake küsste mich, als wäre es das letzte Mal, und ich erwiderte seinen Kuss nicht weniger stürmisch. Es war wie ein Rausch, der jeden klaren Gedanken auslöschte und mich nur noch fühlen ließ. Meine Finger krallten sich Halt suchend in seine seidigen Haare, während mir die Leidenschaft unseres Kusses den Boden unter den Füßen wegzog. Alles wurde hinweggespült, jeglicher Zweifel, jegliche Angst, jegliche Vernunft. Blake schien genauso zu empfinden, denn aus seiner Brust drang ein tiefes Stöhnen, das sich mit einem mächtigen Donnergrollen vermischte. Im nächsten Moment zerriss ein greller Blitz den düsteren Himmel.

»Damned!«, stieß Blake hervor, als wir auseinanderfuhren.

Ich fühlte mich, als würde ich aus einem Traum erwachen, und starrte erschrocken nach oben. In der nächsten Sekunde setzte ein prasselnder Regen ein, der uns innerhalb kürzester Zeit von Kopf bis Fuß durchnässte. Ich hörte die Stimmen unserer Mitschüler näher kommen und stolperte noch einen Schritt zurück, als der rothaarige Typ, der Grayson vor dem Bus weggeschubst hatte, mit eingezogenem Kopf an uns vorüberlief.

Verzweifelt biss ich mir auf die Lippe. Das hier war Scarletts Werk, eindeutig. Der Fluch dieser verdammten Hexe war uns bis hierher gefolgt.

Kaum hatte ich das gedacht, fuhr ein eisiger Wind über den Pfad. Gleichzeitig ging ein Ruck durch den Rothaarigen, der abrupt stehen blieb und sich Blake zuwandte. »Was hast du gesagt?« Seine Stimme klang so aggressiv, als ob Blake ihn gerade aufs Übelste beleidigt hätte.

»Ich habe überhaupt nichts gesagt«, erwiderte Blake irritiert, als der Junge auch schon auf ihn zutrat und ihm mit beiden Händen einen Stoß vor die Brust verpasste.

Erschrocken schrie ich auf. Blake stand nur einen Schritt vom Rand des steil abfallenden Pfades entfernt und ruderte mit den Armen, um sein Gleichgewicht zu halten.

»Hör auf!«, schrie ich den Typen an, als er mit einem bösartigen Lächeln erneut auf Blake losging. Doch diesmal duckte sich Blake blitzschnell unter den Armen seines Angreifers weg und verpasste ihm einen Schlag gegen die Nieren, bevor er hinter ihn glitt und ihm die Beine wegtrat. Mit einem Keuchen rutschte der Typ auf dem schlammigen Boden aus und schlug der Länge nach hin.

»Was ist eigentlich dein Problem?«, fuhr Blake ihn an. Sein Atem ging stoßweise und seine nassen Haare hingen ihm ins Gesicht.

»Keine Ahnung«, stöhnte der rothaarige Junge, während ich meinen Blick über unsere Mitschüler gleiten ließ, die gerade um die Wegbiegung kamen. Die meisten waren damit beschäftigt, sich gegenseitig anzubrüllen, auch Lilly und Grayson bildeten keine Ausnahme. Nur eine Person in einem schwarzen Umhang stand völlig still mitten unter ihnen und starrte unbewegt in unsere Richtung. Bei ihrem Anblick wurde es so kalt, dass sich eine Atemwolke vor meinem Mund bildete. Das Gesicht der Gestalt war unter der schwarzen Kapuze nicht zu erkennen, trotzdem zog sich mein ganzer Körper vor Unbehagen zusammen, als sie sich mit einer fließenden Bewegung abwandte und im nächsten Moment zwischen den Schülern verschwand.

Mit klopfendem Herzen reckte ich den Hals, während Mr Chapman angestrengt versuchte, mitten auf dem schmalen Pfad einen handfesten Streit zwischen zwei Jungs zu schlichten. Ich wollte Blake gerade auf meine unheimliche Entdeckung aufmerksam machen, als einer der Typen Mr Chapman mit dem Ellbogen an der Nase traf, aus der sofort Blut spritzte. Irgendein Mädchen schrie, während ich nur erstarrt dabei zusehen konnte, wie der Lehrer stöhnend ein paar Schritte zurücktaumelte und mit einem leisen Gurgeln über den Rand des steil abfallenden Pfades in die Tiefe stürzte.

»Mr Chapman!«, brüllte jemand hysterisch, bevor ringsum komplett die Hölle losbrach. Ein Mädchen spuckte den verantwortlichen Typen an, während mehrere andere Schüler den von Blättern übersäten Abhang hinunter zu Mr Chapman schlitterten, der bewusstlos auf der feuchten Erde lag und auf keine Rufe reagierte. Auch nicht auf die Schreie der anderen Parkbesucher, die nun ebenfalls auf die Situation aufmerksam geworden waren.

Fassungslos wechselte ich einen Blick mit Blake.

Das hier war einfach nur schrecklich.

Und es war alles unsere Schuld.

Kapitel 4

Die nächsten Stunden waren der absolute Horror. Mr Chapman hatte sich bei seinem Sturz das Schlüsselbein gebrochen und musste vom Rettungsdienst geborgen werden. Auf der Trage der Sanitäter war er kaum ansprechbar und wurde mit Verdacht auf eine schwere Gehirnerschütterung sofort in das nächstgelegene Krankenhaus eingeliefert.

Der Ausflug musste natürlich abgebrochen werden und der Busfahrer brachte uns wieder zurück nach Darktrew. Schon bei der Ankunft in der kleinen Stadt war klar, dass mein Kuss mit Blake nicht nur in den Lost Gardens für Aufruhr gesorgt hatte. Die Menschen stritten auf offener Straße, mehrfaches Sirenengeheul erfüllte die ganze Ortschaft.

Lilly und Grayson drückten stumm meine Hand. Nach dem Schock wegen Mr Chapman waren alle Streitigkeiten vergessen, sodass ich ihnen im Bus leise von dem Rempler des kleinen Jungen und dem darauffolgenden magischen Bann zwischen Blake und mir hatte erzählen können. Ebenso wie von der gruseligen Gestalt in dem schwarzen Umhang, die ich anschließend gesehen hatte. Seltsamerweise war sie weder Lilly noch Grayson aufgefallen, obwohl die Person mitten auf dem Weg zwischen den Schülern gestanden hatte. Was auch immer das alles zu bedeuten hatte – mir war klar, dass ich in Zukunft noch besser darauf achten musste, Blake nicht zu nahe zu kommen, da offenbar schon eine einzige Berührung reichte, dass wir die Kontrolle verloren und der Fluch zu wirken begann.

»Home sweet home!« Preston parkte seinen Mini in der Auffahrt vor dem stattlichen Herrenhaus und zog mit einem tiefen Atemzug den Zündschlüssel ab. Blake war zum Glück mit dem Motorrad nach Green Manor gefahren. Mit ihm und Preston in einem Auto sitzen zu müssen, wäre mir echt zu viel gewesen.

»Willst du darüber reden?« Mein Blick suchte den von Preston. Mir war das Ganze nicht gerade angenehm, aber ich wollte den Vorfall auch nicht totschweigen.

Preston schnaubte leise.

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