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Egoistisch

Inhalt

  1. Cover
  2. Titel
  3. Impressum
  4. Egoistisch
  5. Stilettos Volltreffer
  6. Schmutzig weißer Briefumschlag
  7. Parkplatzparty vor dem Cedar Inn
  8. Unsere Empfehlungen

Rachel Kramer Bussel (Hg.)

EGOISTISCH

und andere erotische Hotelstorys

Aus dem amerikanischen Englisch von
Irma Motte

Egoistisch
Donna George Storey

Es gibt für alles ein erstes Mal.

Isabel richtete den Gurt ihrer Umhängetasche. Die Tasche war schwerer als sonst, was nicht verwunderlich war, schließlich enthielt sie eine Menge extra »Zubehör«. Noch einmal straffte sie die Schultern, dann sprach sie Christine an, die heute an der Kasse arbeitete.

»Ich hab einen Termin bei der Bank und muss danach noch was erledigen. Bis drei sollte ich aber zurück sein.«

Christine runzelte die Stirn.

»Also, die haben nicht vor, mir den Gerichtsvollzieher auf den Hals zu hetzen oder so was«, sagte Isabel leichthin. Es war eine Schande, die Sorge im perfekten Gesicht ihrer vierundzwanzigjährigen Kollegin zu sehen. »Alles Routine. Keine große Sache.«

Aber natürlich war es das. Eine verdammt große Sache sogar.

Tu einmal am Tag etwas für dich. Etwas Egoistisches. Einfach, weil du es willst.

Als Isabel in die Tiefgarage des Hyatt fuhr, dachte sie, dass sie bestimmt nicht die einzige Frau auf dem Planeten war, der unter Stress plötzlich die Stimme ihrer Therapeutin im Kopf herumspukte. Und war das nicht schließlich der Sinn einer Therapie: negative Selbstgespräche durch positive, lebensbejahende Monologe zu ersetzen?

Bis jetzt war sie Tracys Anweisungen für die Woche ohne Fehl und Tadel nachgekommen. Sie hatte ihren Mann gebeten, Abendessen zu machen und danach den Abwasch zu erledigen, als sie selbst wegen einer Lesung im Buchladen verhindert war. Sie hatte ihre Tochter dazu überredet, auf dem Weg vom Training im Bioladen vorbeizuschauen und dort die bestellte Lieferung abzuholen – eine große Zeitersparnis. Und sie hatte sich eine neue Kaffeetasse gegönnt, und das nur, weil ihr die helle Farbe gute Laune bereitete.

Das Geschenk, das sie sich heute machen wollte, war allerdings ziemlich anspruchsvoll: ein Hotelzimmer mieten, einen waschechten Banker verführen und sich danach neue, unanständige Reizwäsche zulegen. Sie bezweifelte, dass ihre Therapeutin das gut finden würde.

Isabel fuhr bis zum Parkservice-Bereich, wo ein Hotelmitarbeiter bereits darauf wartete, den nächsten Wagen einzuparken. Dort machte sie den Motor aus. Ihr Herz raste. Und sie war noch nicht mal beim schwierigen Teil angelangt.

Aber es gab für alles ein erstes Mal. Sogar mit vierundvierzig.

Obwohl sie sich in dem Moment, als sie dem jungen Pagen den Autoschlüssel übergab, eher wie achtzehn fühlte. Mit achtzehn hatte sie das erste Mal einen Mann verführt, weil sie vor dem College noch unbedingt ihre Jungfräulichkeit loswerden wollte. Dave war neunundzwanzig gewesen, lebte getrennt und war ein Freund ihres Schwagers. Sie hatte bemerkt, dass er sie attraktiv fand, und ihn kurzerhand zu sich nach Hause eingeladen, wo sie ihn zuerst küsste und dann fragte, ob er ihr Erster sein wollte. Nach einer längeren Pause, in der Isabel das Herz aus der Brust springen wollte, antworte Dave schließlich in seiner weisen, reifen Art: »Natürlich, Isabel. Ich würde mich geehrt fühlen, mit dir zu schlafen.«

Alles, was danach passierte, war irgendwie verschwommen, wie Bilderschnipsel aus einem Film, die in warmes, goldenes Sommerlicht getaucht waren: Daves geschlossene Augen, als seine Lippen ihre berührten. Der sanfte Druck seines Fingers zwischen ihren Brüsten. Als ob er ihr Herz streichelte. Doch heute wusste sie es besser: Obwohl er ihre Brüste geküsst und an ihren Nippeln geknabbert hatte, sodass ihre Muschi ganz feucht geworden war, und obwohl er sie ganz vorsichtig genommen hatte, hatte er sie doch niemals wirklich berührt. Beide waren nur mit sich selbst beschäftigt gewesen. Isabel, die vor sich hingestarrt und gedacht hatte: Das ist also vögeln … Ist das alles?, und Dave, der sich wie in Trance in ihr bewegte, wahrscheinlich – so vermutete sie heute – weil er deprimiert war und mit seinen eigenen Dämonen und Trieben genug zu tun hatte.

Es gab allerdings auch einen wertvollen Moment: der Anblick des Gesichts ihres ersten Liebhabers, als sie sich rittlings auf ihn setzte und ihre Pussy seinen harten Schwanz ohne Widerstände aufnahm und ihre geschwollenen Nippel vor seinen Lippen tanzten. Er hatte so unwahrscheinlich glücklich ausgesehen, und bei dem Gedanken daran machte ihr Herz einen Sprung.

War es das, was sie wollte? Noch einmal diese Macht fühlen?

Als Isabel die Hotelrezeption erreichte, schenkte sie dem jungen Angestellten dort ein kurzes Lächeln. Jeder, der ihr heute über den Weg lief, schien so verdammt jung zu sein. Bei genauerem Hinsehen bemerkte sie allerdings, dass der Rezeptionist doch schon Ende zwanzig sein musste, genauso alt wie Dave damals gewesen war. Sie spürte einen Anflug von nostalgischer Lust.

»Ich habe auf den Namen Isabel O’Shea reserviert. Mir wurde gesagt, dass Sie mir auch ein Zimmer vor der offiziellen Check-in-Zeit geben können.«

»Ja, das stimmt. Heute ist das auf jeden Fall möglich.«

Mit erhobenem Kopf sah Isabel sich in der Lobby um. Im Gegensatz zu den Leuten in Kinofilmen, die sich zum ersten Mal ein Hotelzimmer für das nachmittägliche Vergnügen nahmen, spürte sie absolute Zuversicht.

»Wie viele Zimmerschlüssel benötigen Sie?«

»Natürlich zwei«, antwortete sie und musterte ihn.

Er senkte den Blick. »Selbstverständlich.«

Im mittleren Lebensalter zu sein hatte durchaus seine Vorteile. Sie konnte viel besser flirten als früher, vor allem, wenn es nichts zu bedeuten hatte. Mit dem knackigen Rezeptionisten zu flirten war ein gutes Vorspiel für das, was sie später am Tag erwartete. Er reichte ihr die Schlüsselkarten, und ihre Finger berührten sich kurz. Sie lächelte vielsagend, bevor sie sich umdrehte und zu den Fahrstühlen schlenderte. Mit ihr betraten drei Geschäftsmänner den Aufzug, und schnell roch es in der kleinen Kabine nach einer Mischung aus Aftershave und Männerschweiß.

Isabel schluckte und spürte ihre Knie schwächer werden, so sehr berauschte sie dieser Duft. Vielleicht sollte sie den Banker sausen lassen und es stattdessen mit diesen drei Kerlen treiben? Von einem Gangbang hatte sie schon lange geträumt. Die drei müssten sich um sie herumstellen, sich ausziehen und dann würde sie sich an jedem einzelnen Schwanz laben. Was für ein Fest! Sie würde sie vergleichen: Wer hat den prallsten Schwanz, wer den längsten und wer die schönste Eichel? Anschließend würden sie sie kräftig durchficken, jeder in ein anderes Loch. Doch sie allein würde das Tempo bestimmen, bis zum endgültigen Kontrollverlust …

Tu einmal am Tag etwas für dich. Einfach, weil du es willst.

Der Fahrstuhl hielt im sechsten Stock, und die drei Anzugträger stiegen aus. Der Letzte von ihnen, ein braungelockter Adonis, drehte sich noch mal um, nickte ihr zu und lächelte keck. Als ob er Bescheid wüsste.

Ja, ganz genau. Ich bin eine geile Schlampe, die den Nachmittag im Bett mit einem schicken Anzugträger wie dir verbringen wird … Neidisch?

Isabel sprach ihre Gedanken jedoch nicht laut aus. Vielmehr lächelte sie dezent zurück, und zwar ihr Buchhändlerinnen-Lächeln, das auf Fremde höflich, aber nicht zu distanziert wirkte. Sie glaubte fest daran, dass ihr Laden so erfolgreich lief, weil sie sich intensiv um jeden Kunden kümmerte, immer bemüht, ihre Träume zu erfüllen. Denn nichts anderes waren Bücher schließlich: die Tür in eine andere Welt.

Ihr Zimmer befand sich im achten Stock, Nummer 815. Als sie vor der Tür stand, hatte sie eine genaue Vorstellung davon, welche Welt dahinter lag: ein Kingsize-Bett mit einem schwarz-weißen Poster darüber, das eine Häuserschlucht ...

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