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Ebbe & Blut

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WENN UNS BEI ALLEN VORSTELLBAREN UNTERSCHIEDEN EINE SACHE EINT, DANN DASS WIR ALLESAMT GANZ WOHLFUNKTIONIERENDEN GEBÄRMÜTTERN ENTSTAMMEN. DAS IST EINE TATSACHE, DIE AUF BASISROMANTISCHE WEISE MÄNNER WIE FRAUEN STAUNEN LASSEN SOLLTE.
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Luisa Stömer und Eva Wünsch kommen aus der Nähe von Nürnberg und studierten bis 2016 zusammen Grafik Design &  Illustration an der TH Nürnberg. Seit Beginn des Studiums sind sie ein unschlagbares Team und entwickelten zusammen das Konzept von »Ebbe & Blut«.

Warum sie machen, was sie machen: »In allererster Linie – noch weit bevor wir zusammen Bücher machen, gemeinsam über Adobe Illustrator verzweifeln, an Grundrechenarten scheitern und uns Steuererklärungstipps mailen – sind wir Freundinnen. Und zwar nicht irgendwelche, sondern ziemlich dicke.«

ÜBER DIE SCHÖNHEIT DES MITTELSCHMERZES, DIE ÄSTHETIK VOLLGEBLUTETER UNTERHOSEN UND DIE RAFFINESSE DER EISPRUNGPHASE. AUF ÜBER ZWEIHUNDERT SEITEN WIRD DEM WEIBLICHEN ZYKLUS SO VIEL PLATZ GEGÖNNT, WIE IHM ZUSTEHT. ES GEHT HIER NÄMLICH NICHT UM EINE SCHÜRFWUNDE AM KNIE, SONDERN UM NICHTS GERINGERES ALS DIE WIEGE DES LEBENS. UND DIE IST SEHENSWERT.

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EINFÜHREN
VAGINALMONOLOGE

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VAGINALMONOLOGE

Ein Buch über etwas zu schreiben, das eigentlich so gegenwärtig sein müsste wie der Alltag im weiblichen Unterbauch – und das auch noch im 21. Jahrhundert, im Zeitalter der in die Daumenhaut verpflanzten Mikrochips, mag auf den ersten Blick überflüssig wirken. Ist ja doch wohl klar, was da passiert! Frauen kriegen eben ihre Tage, es blutet ein bisschen, die meisten haben dabei schlechte Laune, weil es so viel Blut ist. Außerdem tut alles weh, und der Bauch ist auch dick. Nach vier bis fünf Tagen ist alles gewuppt und wieder so wie vorher. Das weiß wohl jedes Kind in diesen Zeiten – in einem Jahrhundert, in dem Achtklässler mit Fahrradhelm Pornos auf ihren Kindertelefonen anschauen können.

Völlig überholt also, dieses Buch. Jetzt schon, beim Vorwort. Wir sind so aufgeklärt, wir wissen eben genau, wie eine Muschi von innen aussieht. Da ist mal jemand mit der Webcam rein und … Tja, nein, so ist es eben nicht. Also das mit der Webcam vielleicht schon, aber wenn man genau hinhört, grundlegende Fragen stellt und nur ein wenig an der Oberfläche der Frauenzeitschriften kratzt, merkt man rasch, dass eigentlich keiner unserer Freunde wirklich Bescheid weiß. Auch wir nicht. Bei längerem Hinhören merken wir, dass das nicht an unserem Freundeskreis liegt und auch nicht an unserem Bildungshintergrund.

Es liegt daran, dass trotz Google, gutefrage.net und Mädchenabenden grundlegendes Wissen an uns vorbeigegangen ist. Und »grundlegend« ist nicht einfach so dahingesagt. Den Ursprung jedes Individuums bilden zweifelsohne Samenzelle und Eizelle.

Aber dass jeden Monat die volle Hölle los ist in Unterbäuchen überall auf dem Planeten, nur um die Weichen dafür zu stellen, dass eine Eizelle überhaupt nur bereit für eine Samenzelle ist, vergisst man manchmal. Der klassische Promieffekt: Den Babybauch kennt jeder, aber bei der Basaltemperatur, die anzeigt, wann die Eizelle reif genug ist für die Befruchtung, wird es schon schwieriger.

Es ist also viel Wissen irgendwie an uns vorbeigerannt. An uns jungen Frauen und an unseren männlichen Alterskollegen. Und fast an allen anderen Älteren oder Jüngeren, mit denen wir über dieses Buch gesprochen haben. Klar, mit 12 Jahren haben wir in der Schule mal an einem Samstag in roten und blauen Pullis Samenzelle und Eizelle gespielt. Das schnellste blaue Spermium war Hanna, und sie hat ein Knoppers bekommen, als sie bei der Eizelle angekommen war. Anschließend gab’s ein Heftchen mit nach Hause. Wir haben über die Bilder von Brüsten gelacht, und ein paar Jahre später haben wir uns in der Englischklausur ganz diskret Tampons unter den Tischen hin und her gereicht.

»DESINTERESSE, INFORMATIONSFAULHEIT UND DIE MACHT DER VERDRÄNGUNG, WENN ES UM DEN EIGENEN KÖRPER GEHT, SIND JEDOCH NICHT NUR IN EINZELFÄLLEN EIN PROBLEM. SIE STEHEN SYMPTOMATISCH FÜR EINE GENERATION JUNGER FRAUEN, DIE ZWAR WISSEN, WIE MAN SICH DAS GESICHT KONTURIERT, BEIM EIGENEN INTIMBEREICH ABER GERNE MAL BEIDE AUGEN ZUDRÜCKEN.«

Verena Bogner, broadly vice

Damals schluckten die meisten unserer Freundinnen die Pille. Das war der Renner, man kriegte nämlich Brüste davon, und die Haut wurde auch super, stand auf der Packung. Heute schlucken die meisten sie immer noch – ist so schön einfach. Wieso man eigentlich aber seine Tage bekommt, obwohl dem Körper vorgegaukelt wird, dass er schwanger ist, um nicht schwanger zu werden, weiß aber auch keiner. Und die Freundin der Nachbarin ist ein Pillenkind. Wieso auch immer. Ja, wir sind so aufgeklärt …

Hier liegt der wahre Grund für dieses Buch begraben. Und bei der Frage eines Freundes, warum wir Mädchen eigentlich pinkeln können, wenn wir doch gerade einen Tampon drinstecken haben. Wieso der Bauch eigentlich wehtut, wenn wir unsere Periode haben, obwohl es sich trotz des Blutes nicht um eine Verletzung handelt. Ob man mit dem Tageblut von einem Monat wohl eine Bierflasche vollkriegen könnte. Und was die Gebärmutter eigentlich macht, wenn sie nicht blutet. Dieses Buch handelt davon, was wirklich passiert. Wieso, wie lange das dauert und was danach passiert. Davon, dass die Eizelle nur für wenige Tage befruchtet werden kann, und das nur einmal im Monat. Dass es sich beim weiblichen Zyklus nicht nur um die Tage des Blutens handelt, sondern um eine intelligente, sehr charmante und hocheffiziente Wahnsinnserfindung des Frauenkörpers. Und die ist es wert, sich damit auszukennen. Quantenphysik in allen Ehren, aber der Eierstock erbringt wundersame Höchstleistungen, die man sich ansehen sollte. Je länger man sich mit diesem Thema beschäftigt, desto wütender könnte man werden. Über die Versäumnisse der letzten Jahrzehnte, den Kindern nicht nur Smartwatches und die Postzustellung durch Drohnen zu erklären, sondern den Uterus, aus dem sie kamen. Oder darüber, dass in unserer Gesellschaft dem weiblichen Zyklus absolut kein Raum gegeben wird. Frauen müssen funktionieren, dürfen keine Schwäche zeigen. Nicht zuletzt, um von Männern ernst genommen zu werden. »Die hat mal wieder ihre Tage« klingt fast schon wie eine Beschimpfung. Frauen sind nun mal nicht jeden Tag gleich: Empfindsamkeit, Stimmung und Empathie verändern sich im Laufe des Zyklus, und das ist völlig normal.

Dass die meisten Frauen diese Schwankungen gern mit Medikamenten betäuben bzw. es sogar von ihnen verlangt wird, in Beruf und Alltag, ist wohl eher eine traurige Nebenwirkung dieser schnelllebigen Zeit. Ohne Rücksicht auf Verluste. Die Periode ist eine nervige Begleiterscheinung und wird wegbetäubt. Aus dem Unterbauch und aus dem Bewusstsein. Das Blut ist eine Randnotiz – und in der Werbung sogar blau.

»Ebbe & Blut« setzt sich mit diesen Versäumnissen auseinander und beantwortet Fragen, die wir uns viel zu selten stellen. Wir haben geniale, leistungsfähige und wunderschöne Frauenkörper. Körper, die so individuell wie ihre Bedürfnisse sind und die es in ihrer Vielfalt wert sind, verstanden zu werden. Ein großes Argument, warum wirklich jeder ein Interesse an diesem Thema haben sollte, ist jenes, dass dem Zyklus mit all seinen sonderbaren Auswirkungen, seinen Krämpfen und Stimmungsschwankungen, eine zentrale Genialität zu Grunde liegt – und zwar die der Fruchtbarkeit. Es handelt sich nämlich nicht um ein wiederkehrendes »Problem«, sondern um nichts Geringeres als den Ursprung des Lebens.

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INVENTAR
FORM FOLLOWS FUNCTION

INVENTAR
FORM FOLLOWS FUNCTION

Neben Herz, Lungen, Harnröhre, Leber, Nieren, Gehirn, Beckenboden und anderen wichtigen Dingen existieren im Körper einer Frau auch einige sehr exklusive Errungenschaften, die einen Zyklus erst möglich machen. Welche Organe, Hormone und Hirndrüsen eine wichtige Rolle im Reproduktionsapparat spielen, wird im folgenden Kapitel übersichtlich erklärt.