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Easy Love – Seinem Charme verfallen

KRISTEN PROBY

Easy Love

Seinem Charme verfallen

Roman

Ins Deutsche übertragen
von Stephanie Pannen

Zu diesem Buch

Eli Boudraux’ Familie baut seit Generationen Schiffe und Boote in Louisiana. Mit dreißig Jahren ist er der jüngste CEO, der jemals Bayou Enterprises vorstand. Neben seiner Familie bestimmt die Arbeit sein Leben. Als er entdeckt, dass ein Mitarbeiter der Firma Geld unterschlägt, heuert er Kate O’Shaughnessy an, eine ehemalige Collegefreundin seiner Schwester, die sich auf solche Fälle spezialisiert hat. Sie lässt sich bei Bayou Enterprises anstellen und setzt alles daran, den Dieb zu entlarven. Obwohl man sie vor Eli gewarnt hat, verfällt sie seinem Charme im Laufe der Ermittlungen immer mehr und muss feststellen, dass hinter der Fassade des rücksichtslosen Geschäftsmanns und Playboys viel mehr steckt, als sie gedacht hat. Und auch Eli entdeckt auf einmal, dass es neben der Arbeit noch andere Dinge in seinem Leben geben könnte …

Dieses Buch ist K. P. Simmon gewidmet.
Weil du nicht nur die weltbeste Presseagentin bist,
sondern auch meine beste Freundin.
Du stehst zu mir und ich zu dir.

Und Eli liebt dich auch.

Prolog

~Eli~

»Du arbeitest zu viel«, sagt eine Stimme hinter mir. Ich stehe an meinem Schreibtisch und blicke aus dem Fenster meines Büros im dreiundfünfzigsten Stock auf das French Quarter und den Mississippi hinaus. Es ist erst acht Uhr morgens, aber da draußen herrschen bereits schwüle dreißig Grad. Das ist viel heißer als die angenehme Kühle meines Büros hier in New Orleans.

Es kommt mir so vor, als wäre das alles, was ich momentan tue: die Welt aus diesem Bürofenster betrachten.

»Erde an Eli«, sagt Savannah hinter mir trocken.

»Ich habe dich gehört.« Ich stecke meine Hände in die Hosentaschen, spiele mit der silbernen Halbdollarmünze, die mir mein Vater geschenkt hat, als ich diese Position übernahm, und drehe mich um. Meine Schwester steht in einem ihrer üblichen adretten Anzüge vor meinem Schreibtisch. Heute hat sie sich für einen blauen entschieden. Ihr volles Haar ist hochgesteckt, und in ihren haselnussbraunen Augen liegt Besorgnis. »Und wer im Glashaus sitzt, sollte nicht mit Steinen werfen.«

»Du wirkst erschöpft.«

»Es geht mir gut.« Sie wirft mir einen strengen Blick zu und atmet tief durch. Unwillkürlich muss ich lächeln. Ich liebe es, sie zu ärgern.

Es ist lächerlich einfach.

»Bist du gestern Abend überhaupt nach Hause gegangen?«

»Für so etwas habe ich jetzt keine Zeit, Van.« Ich setze mich auf meinen Sessel und bedeute ihr, ebenfalls Platz zu nehmen, was sie auch tut, nachdem sie mir eine Banane unter die Nase geschoben hat.

»Aber du hast Zeit, aus dem Fenster zu starren?«

»Versuchst du, einen Streit mit mir anzufangen? Denn da mache ich gerne mit. Du musst mir nur vorher sagen, worüber wir eigentlich streiten.« Ich schäle die Banane und beiße hinein. Plötzlich bemerke ich, wie hungrig ich bin.

Savannah seufzt und schüttelt den Kopf. Dabei murmelt sie etwas über dickköpfige Männer.

Inzwischen habe ich ein breites Grinsen im Gesicht.

»Macht Lance dir Probleme?« Bei dem Gedanken daran, diesem Mistkerl endlich eine reinzuhauen, ballen sich meine Hände zu Fäusten. Savannahs Ehemann gehört nicht zu meinen Lieblingsmenschen.

»Nein.« Ihre Wangen werden rot, aber sie sieht mir nicht in die Augen.

»Van.«

»Oh gut, ihr seid beide hier«, sagt Beau, als er in mein Büro marschiert, die Tür hinter sich schließt, neben Savannah Platz nimmt, mir meine halb aufgegessene Banane aus der Hand stiehlt und den Rest davon mit zwei Bissen aufisst.

»Das war meine.« Mein Magen ist nicht im Geringsten zufriedengestellt und knurrt leise. Ich spiele kurz mit dem Gedanken, meine Assistentin zu bitten, ein paar Beignets zu besorgen.

»Gott, du bist so ein Baby«, erwidert Beau, und wirft die Schale in den Mülleimer. Mein älterer Bruder ist zweieinhalb Zentimeter größer als ich mit meinen eins fünfundneunzig und noch genauso schlank wie in der Highschool. Aber ich kann es trotzdem mit ihm aufnehmen.

»Warum zum Teufel seid ihr beiden in meinem Büro?« Ich lehne mich zurück und streiche mir mit der Hand über den Mund. »Ich bin mir ziemlich sicher, dass ihr jede Menge zu tun habt.«

»Vielleicht haben wir dich vermisst«, sagt Savannah mit einem falschen Lächeln und klimpert mit den Wimpern.

»Du bist so eine Klugscheißerin.«

Sie nickt nur wissend, aber dann werfen sie und Beau sich einen Blick zu, der dafür sorgt, dass sich meine Nackenhaare aufstellen.

»Was ist los?«

»Jemand bestiehlt uns.« Beau wirft eine Akte voller Kalkulationstabellen in meine Richtung. Sein Kiefer zuckt, als ich sie aufschlage und die Zahlenreihen betrachte.

»Wo?«

»Das wissen wir noch nicht«, fügt Savannah mit leiser, aber stählerner Stimme hinzu. »Wer immer das tut, verwischt seine Spuren gut.«

»Wie habt ihr es herausgefunden?«

»Durch Zufall«, erwidert sie, jetzt wieder ganz sachlich. »Wir wissen, dass es in der Buchhaltung passieren muss, aber es ist so tief vergraben, dass die Fragen Wer und Wie ein Rätsel bleiben.«

»Feuert die ganze Abteilung und fangt von vorne an.« Ich klappe die Akte zu und lehne mich zurück, während Beau lacht.

»Wir können nicht über vierzig Leute feuern, von denen die meisten unschuldig sind, Eli. So funktioniert das nicht.«

»Es muss eine Papierspur geben«, beginne ich, aber Savannah schüttelt nur den Kopf.

»Wir sind ein papierloses Büro, erinnerst du dich?«

»Ach ja, um die verdammten Bäume zu retten. Willst du mir damit sagen, dass keiner weiß, was zum Teufel hier vor sich geht?«

»Es ist keine Riesensumme, aber groß genug, um mich wütend zu machen«, sagt Beau leise.

»Wie viel?«

»Etwas über einhunderttausend Dollar. Zumindest soweit wir bisher herausgefunden haben.«

»Ja, das ist genug, um mich ebenfalls wütend zu machen. Hier geht es nicht darum, dass jemand ein paar Büromaterialien mitgehen lässt.«

»Und es ist vollkommen sporadisch. Wenn es ein regelmäßiger Betrag wäre, der routinemäßig verschwindet, könnten wir es problemlos herausfinden. Aber ich will in der Firma keine Massenhysterie verursachen. Ich möchte nicht, dass alle denken, dass wir ihnen dauernd über die Schulter schauen.«

»Jemand bestiehlt uns, und du sorgst dich um die Gefühle der Angestellten?«, frage ich mit hochgezogener Augenbraue. »Wer zum Teufel bist du?«

»Aber er hat recht«, sagt Savannah. »Es wäre schlecht für die Arbeitsmoral, wenn die Geschäftsführer den Angestellten hinterherschnüffeln würden.«

»Dann lassen wir das einfach die Finanzleitung übernehmen«, erwidere ich in Anspielung auf Savannahs Fachbereich. Sie schüttelt den Kopf und lacht.

»Nein, das denke ich nicht.«

»Wir drehen also einfach Däumchen und lassen uns von diesem Arschloch weiter als privaten Geldautomaten missbrauchen?«

»Nein.« Savannah grinst breit, und ihr hübsches Gesicht erhellt sich. »Ich will Kate O’Shaughnessy hinzuziehen.«

»Deine Collegefreundin?« Ich werfe Beau einen Blick zu, doch das Gesicht meines Bruders ist vollkommen ausdruckslos. Typisch.

»Sie macht das beruflich.«

»Sie schnüffelt beruflich anderen Leuten hinterher? Mann, die muss ja beliebt sein.«

»Du hast gerade einen Lauf, oder?«, fragt Beau leise.

»Kate arbeitet mit Firmen zusammen, in denen Gelder veruntreut werden. Sie wird als reguläre Mitarbeiterin eingeschleust und ermittelt verdeckt.«

»Und hat sie auch eine Ahnung von dem, was sie tut? Ansonsten wird dieses verdeckte Ermitteln nämlich nicht funktionieren.«

»Sie hat einen Abschluss in Betriebswirtschaft, Eli. Aber ich möchte sie als Verwaltungsassistentin einsetzen. Die sehen und wissen alles und tauschen sich untereinander aus. Sie ist eine äußerst sympathische Person.«

»Okay, klingt gut.« Ich sehe zu Beau. »Was denkst du?«

»Ich denke, dass es der richtige Weg ist«, stimmt er zu. »Keiner von uns dreien hat die Zeit, es selbst zu machen, und ich möchte es nur ungern an jemand anderes delegieren. Wie Van schon gesagt hat, die Leute tauschen sich untereinander aus. Ich würde die Sache gerne unter Verschluss halten. Kate wird alle nötigen Stillschweigevereinbarungen unterschreiben, und soweit ich gehört habe, ist sie wirklich gut.«

»Eine Sache noch«, sagt Van und lehnt sich vor, um mich anzustarren, so wie sie es immer tut, wenn ich richtig in Schwierigkeiten stecke. »Du darfst auf keinen Fall mit ihr anbändeln.«

»Ich bin doch kein Arschloch, Van …«

»Nein, es ist dir untersagt, deine Aufreißergriffel auch nur in ihre Nähe zu bringen.«

»Hey! Ich bin kein …«

»Doch, bist du«, sagt Beau grinsend.

Ich seufze und zucke mit den Schultern. »Sich nicht zweimal mit derselben Frau zu verabreden, macht einen nicht gleich zum Aufreißer.«

Van zieht nur eine Augenbraue hoch. »Lass sie einfach in Ruhe.«

»Ich bin ein Profi, Van. Ich schlafe nicht mit Angestellten.«

»Hast du das auch zu der Assistentin gesagt, die uns vor ein paar Jahren verklagt hat?«

»Nicht mehr.«

»Gott.« Van schüttelt ihren Kopf, während Beau lacht. »Sie ist wirklich nett, Eli.«

Statt etwas zu erwidern, werfe ich meiner Schwester einen bösen Blick zu und drehe mich mit meinem Sessel herum. Kate ist eine erwachsene Frau, und wahrscheinlich werde ich mich ohnehin nicht zu ihr hingezogen fühlen.

Es ist Jahre her, dass mich überhaupt etwas über einen längeren Zeitraum hinweg gefesselt hat. Das würde bedeuten, dass ich etwas empfinde.

»Ruf sie an.«

1

~Kate~

»Hallo?«, frage ich atemlos, während das Taxi, in dem ich mich befinde, die Interstate entlangrast, direkt ins Herz von New Orleans.

»Wo bist du gerade?«, fragt Savannah mit einem Lächeln in der Stimme.

»Im Taxi auf dem Weg vom Flughafen. Bist du sicher, dass ich mir nicht doch besser ein Hotelzimmer nehmen soll?«

»Auf keinen Fall. Bayou Enterprises besitzt dieses wunderschöne Loft, und während du hier bist, werden wir vorgeben, dass du es mietest. Komm direkt ins Büro. Ich habe ein Meeting, also werde ich dich nicht begrüßen können. Tut mir leid.«

»Schon gut«, erwidere ich und beiße mir auf die Lippe, als der Taxifahrer einen anderen Wagen schneidet. Mir dreht sich der Magen um. »Ich hoffe, ich komme heil an. Es besteht die Möglichkeit, dass ich diese Fahrt nicht überlebe.«

Savannah lacht leise, dann höre ich sie mit jemand anderem in ihrem Büro flüstern. Ich muss aufhören. Eli wird dich in Empfang nehmen.«

»Eli? Ich dachte, ich treffe mich mit Beau …«

»Eli ist nicht so schrecklich, wie wir dich haben glauben lassen. Ich schwöre.« Und dann ist sie weg. Das Taxi schert erneut aus, und ich danke Gott, dass ich an diesem Morgen auf mein Frühstück verzichtet habe, während ich mir mit der Hand Luft zufächle.

Es ist verflixt heiß im Big Easy.

In all den Jahren, die ich mit Savannah und ihrem Zwillingsbruder Declan auf dem College war, habe ich es nie geschafft, sie hier zu besuchen, und ich kann es kaum erwarten, das French Quarter zu entdecken, Beignets zu essen, mir die Karten legen zu lassen und alles in mich aufzunehmen.

Natürlich würde ich das alles lieber tun, während ich etwas luftiger angezogen bin. Wer hätte gedacht, dass es im Mai schon so heiß sein würde? Ich befreie mich aus meinem Blazer, falte die Ärmel so, dass sie nicht verknittern, und sehe überirdisch schöne Friedhöfe, alte Gebäude und eine Menge Leute an mir vorbeirasen.

Eli ist der Einzige der Boudreaux-Geschwister, den ich nie getroffen habe. Ich habe Fotos des hübschen Bruders gesehen und viel darüber gehört, dass er stoisch, kompliziert und ein absoluter Schürzenjäger sein soll. Van sagt, die Geschichten sind übertrieben. Ich nehme an, ich werde es jetzt selbst herausfinden.

Abgesehen von der Schürzenjägersache, natürlich. Das geht mich nichts an.

Endlich bleibt das Taxi abrupt stehen. Auf der einen Seite steht eine rote Kabelbahn, auf der anderen ein Gebirge aus Beton. Ich trete in den heißen Montagnachmittag hinaus, und sofort bilden sich auf meiner Stirn Schweißtropfen.

Es ist nicht einfach nur heiß. Es ist wahnsinnig schwül.

Aber obwohl ich mich unwohl fühle, lächle ich, gebe dem rücksichtslosen Taxifahrer ein Trinkgeld und ziehe meinen Rollkoffer in das glücklicherweise klimatisierte Gebäude, in dem eine Frau hinter einem langen eleganten Empfangstisch sitzt, auf eine Computertastatur einhackt und gleichzeitig telefoniert.

»Mr Boudreaux ist gerade nicht zu sprechen, aber ich werde Sie zu seiner Assistentin durchstellen, einen Augenblick bitte.« Sie tippt auf der Tastatur herum, dann blickt sie lächelnd zu mir auf.

Sie lächelt ganz schön viel.

»Ich bin Kate O’Shaughnessy.«

»Willkommen, Miss O’Shaughnessy«, sagt sie. Ihr Lächeln wirkt wie einbetoniert. »Mr Boudreaux erwartet sie.« Wieder tippt sie wild auf ihrer Tastatur herum und beginnt erneut zu telefonieren. »Hallo, Ms Carter, Miss O’Shaughnessy ist hier, um mit Mr Boudreaux zu sprechen. Ja, Ma’am.« Effizient beendet sie das Gespräch. »Bitte nehmen Sie Platz. Darf ich Ihnen ein Glas Wasser bringen?«

»Nein, vielen Dank.«

Miss Effizient nickt nur und wendet sich wieder ihren klingelnden Telefonen zu. Bevor ich die Gelegenheit habe, mich zu setzen, tritt eine hochgewachsene Frau in schwarzer Hose und roter ärmelloser Bluse aus dem Aufzug und marschiert geradewegs auf mich zu.

»Miss O’Shaughnessy?«

»Bitte nennen Sie mich Kate.«

»Hallo Kate. Mr Boudreaux ist in seinem Büro. Bitte folgen Sie mir.« Sie lächelt und bietet an, meinen Koffer zu nehmen, aber ich schüttle den Kopf und ziehe ihn in den Aufzug. Sie stellt mir keine Fragen, und ich bin dankbar dafür. Durch diesen Beruf habe ich gelernt, gut zu lügen, aber ich weiß nicht, was man ihr bereits gesagt hat. Ich werde an einem offenen Arbeitsbereich vorbei und in das größte Büro geführt, das ich jemals gesehen habe. Der massive schwarze Schreibtisch steht vor einer Wand aus bodenlangen Fenstern. Die Möbel sind groß und teuer, wirken aber bequem. Es gibt zwei Türen an gegenüberliegenden Seiten des Raums. Unwillkürlich frage ich mich, wohin sie führen.

»Miss O’Shaughnessy ist hier, Sir.«

»Kate«, füge ich hinzu, ohne nachzudenken. Dann schwindet jegliche Hoffnung aufs Nachdenken, als sich der hochgewachsene Mann, der vor diesen spektakulären Fenstern steht, zu mir umdreht. Die Fotos werden ihm nicht gerecht.

Mjam.

Die Tür schließt sich hinter mir, und ich atme tief durch. Während ich auf ihn zugehe, versuche ich, mir nicht anmerken zu lassen, dass meine Knie ganz weich geworden sind.

»Kate«, wiederhole ich und strecke ihm über seinen Schreibtisch hinweg meine Hand entgegen. Seine Lippen zucken, während er mich mustert. Seine wachen whiskeyfarbenen Augen wandern an meinem Körper hinab, bevor sie zu meinem Gesicht zurückkehren. Du meine Güte, er ist größer, als ich erwartet habe. Und breiter. Und er trägt seinen Anzug, als wäre er damit geboren worden.

Was in gewisser Hinsicht wohl zutrifft. Bayou Enterprises besteht bereits seit fünf Generationen, und Eli Boudreaux ist der eleganteste Geschäftsführer, den die Firma seit Jahren gesehen hat.

Er geht um seinen Schreibtisch herum und ergreift meine Hand, aber anstatt sie zu schütteln, hebt er sie an seine Lippen und haucht einen zarten Kuss auf meine Fingerknöchel.

»Es ist mir ein Vergnügen«, raunt er mit seinem gedehnten New-Orleans-Akzent. Du lieber Himmel, ich könnte auf der Stelle explodieren. »Ich bin Eli.«

»Ich weiß.« Er zieht fragend eine Augenbraue hoch. »Ich kenne Fotos von Ihnen.«

Er nickt kurz, lässt meine Hand aber immer noch nicht los. Sein Daumen kreist sanft über meinen Handrücken. Mir wird ganz schwindlig. Meine Brustwarzen werden steif und drängen sich gegen meine weiße Bluse, und ich wünschte, ich hätte meinen Blazer nicht ausgezogen.

»Bitte nehmen Sie Platz«, sagt er und zeigt auf den schwarzen Sessel hinter mir. Anstatt an seinen Schreibtisch zurückzukehren, setzt er sich auf den Sessel neben meinem und beobachtet mich mit seinen erstaunlichen Augen.

Eine dunkle Haarsträhne ist ihm in die Stirn gefallen, und mir juckt es in den Fingern, sie ihm aus dem Gesicht zu streichen.

Komm mal wieder runter, Mary Katherine. Man könnte meinen, ich hätte noch nie zuvor einen attraktiven Mann gesehen.

Denn das habe ich.

Declan, der jüngste der Boudreaux-Brüder, ist ebenfalls ziemlich nett anzusehen und er ist einer meiner besten Freunde. Aber in seiner Nähe habe ich nie weiche Knie bekommen oder das Bedürfnis nach einem großen Glas eiskaltem Wasser verspürt. Oder einem Bett. Oder danach, ihm die Klamotten vom Leib zu reißen.

Hoppla.

»Hat Ihnen Savannah erzählt, was hier vor sich geht?«, fragt Eli mit ausdrucksloser Miene. Er schlägt die Beine übereinander und verschränkt die Finger, ohne mich auch nur einen Moment aus den Augen zu lassen.

»Ja, wir haben ausführlich miteinander gesprochen, und sie hat mir die Unterlagen aller neuen Angestellten sowie die Stillschweigevereinbarungen geschickt, die ich ausgedruckt und unterschrieben habe.« Ich ziehe die Dokumente aus meiner Aktentasche und reiche sie Eli. Unsere Finger berühren sich, und unwillkürlich spanne ich meine Oberschenkel an, aber er wirkt ungerührt.

Typisch. Im Allgemeinen verdrehen sich Männer nach mir nicht den Kopf. Besonders nicht Männer, die wie Eli aussehen. Was vollkommen in Ordnung ist, denn er ist mein Boss und der Bruder meiner beiden besten Freunde, und ich bin hier, um zu arbeiten.

Ich räuspere mich und streiche mir eine kastanienbraune Haarsträhne hinters Ohr. Dank der hohen Luftfeuchtigkeit hier werden meine Haare innerhalb kürzester Zeit ein lockiges Chaos sein.

»Das ist ein sehr schöner Ring«, sagt er plötzlich und nickt in Richtung meiner rechten Hand, die ich immer noch neben meinem Ohr halte.

»Vielen Dank.«

»Ein Geschenk?«

Er scheint sich gerne knapp auszudrücken.

»Ja, von meiner Großmutter«, erwidere ich und lege meine Hände in den Schoß. Er nickt nur und wirft einen Blick auf die Papiere in seiner Hand. Er runzelt die Stirn und sieht zu mir hoch, aber bevor er etwas sagen kann, schwingt seine Bürotür auf und Declan marschiert mit einem breiten Grinsen auf seinem hübschen Gesicht herein.

»Da ist ja mein Superstar«, quietsche ich, springe auf und werfe mich in seine Arme. Dec drückt mich fest und wirbelt mich in der Mitte des großen Büros umher. Schließlich setzt er mich wieder ab, legt seine Hände auf meine Wangen und gibt mir einen dicken Schmatzer auf den Mund. Dann umarmt er mich erneut, dieses Mal ein wenig sanfter. »Wie geht es dir?«, flüstert er mir ins Ohr.

»Großartig.« Ich blicke zu Decs liebem Gesicht auf, und Jahre der Erinnerungen und Gefühle überwältigen mich. Lachen und Tränen, Traurigkeit und Zuneigung. »Es ist so schön, dich wiederzusehen.«

»Hast du schon was Tolles erlebt, seit du in der Stadt bist?«

»Ich wäre fast in einem Taxi gestorben«, erwidere ich lachend. »Ich bin direkt vom Flughafen hergekommen.«

»Dann führe ich dich heute Abend aus. Zeige dir das French Quarter. Ich kenne da dieses großartige Restaurant …«

»Das wird nicht nötig sein«, unterbricht Eli. Seine Stimme ist ruhig. Er steht jetzt und hat die Hände in die Hosentaschen gesteckt. Seine breiten Schultern lassen das geräumige Büro klein wirken. »Du hast heute Abend einen Auftritt«, erinnert er Declan.

»Wir können doch vorher ausgehen.«

»Mach dir um Kate keine Sorgen«, erwidert Eli. Nach außen hin wirkt er immer noch vollkommen ruhig, aber sein Kiefermuskel zuckt.

Ich habe das Gefühl, einem Tennismatch zuzusehen, während sich mein Kopf hin und her dreht und ich beide neugierig beobachte.

»Du weißt doch, was Savannah dir gesagt hat«, erinnert ihn Declan sanft.

Keine Antwort.

Declan dreht sich zu mir um. »Es macht mir wirklich nichts aus, den Auftritt abzusagen und dich stattdessen ein wenig herumzuführen.«

»Das ist wirklich nicht nötig, Dec.« Ich grinse und tätschle seine Brust. »Wo wirst du spielen?«

»In der Voodoo Lounge

»Vielleicht schaue ich mal vorbei.« Ich stelle mich auf die Zehenspitzen und gebe ihm einen Kuss auf die Wange.

»Ich möchte nicht, dass du dich nach Einbruch der Dunkelheit allein im French Quarter herumtreibst.«

»Ich werde sie begleiten«, bietet Eli an, was ihm einen verwunderten Blick von Declan einbringt. Dann schaut Letzterer zu mir hinab und küsst meine Stirn.

»Ich werde euch einen Platz reservieren«, erwidert er mit einem glücklichen Lächeln. »Hab einen schönen Nachmittag. Und lass dich vom großen Boss nicht herumscheuchen.« Er zwinkert mir zu und grinst Eli an, dann verschwindet er durch die Tür.

»Sie und Declan stehen sich nah«, bemerkt Eli, als ich mich wieder zu ihm umdrehe. Seine Hände stecken immer noch in seinen Hosentaschen.

»Ja. Er, Savannah und ich waren im College so etwas wie die drei Amigos.«

»Haben Sie vor, mit ihm zu schlafen?«

»Wie bitte?« Ich starre den attraktiven Mann vor mir an und spüre, wie mein Mund aufklappt. Dann stemme ich die Hände in die Hüften und werfe ihm einen eiskalten Blick zu. »Das geht Sie verflixt noch mal nichts an.«

Er schürzt die Lippen, als versuche er, ein Lächeln zu unterdrücken. »Verflixt noch mal?«

»Genau das habe ich gesagt?«

Er legt den Kopf schief und wirkt, als wollte er noch mehr sagen, schlendert aber dann zu meinem Koffer und zieht ihn hinter sich her. Dabei bedeutet er mir, ihm zu folgen.

Er wirft mich raus?

»Ms Carter, ich bin den Rest des Tages unterwegs. Bitte verschieben Sie meine Termine.«

Seine Assistentin starrt ihn an. Dann stammelt sie: »Aber Mr Freemont wartet bereits seit …«

»Ist mir egal. Verschieben Sie seinen Termin. Bis morgen dann.« Eli ruft den Aufzug. Während wir auf ihn warten, lässt er mich nicht aus den Augen. »Haben Sie hier auch legere Kleidung drin?«

»Ja. Meine übrigen Sachen werden verschifft und sollten morgen Nachmittag ankommen.«

Er nickt und lässt mich den Fahrstuhl als Erstes betreten.

»Eli?«

Die Luft zwischen uns knistert regelrecht, während er mich mit hochgezogener Augenbraue von Kopf bis Fuß mustert. Er hat mich kaum berührt, und doch befindet sich mein Körper im Alarmzustand und mein Kopf ist leer.

»Wohin gehen wir?«

»Zu Ihnen.«

»Sie wissen, wo ich wohne?«

»Das Loft gehört mir, cher.« Er seufzt, streckt die Hand aus und streicht meine widerspenstige Strähne wieder hinter mein Ohr. Ich erschauere. »Ist Ihnen kalt?«

»Nein.« Ich räuspere mich und trete einen Schritt zurück. »Geben Sie mir einfach die Adresse, dann nehme ich ein Taxi.«

»Ich würde nicht mal im Traum daran denken, Sie wieder in Lebensgefahr zu bringen«, erwidert er schmunzelnd, und jedes Haar an meinem Körper stellt sich auf. Mein Gott, was dieser Mann mit einem Lächeln anstellen kann.

Ich muss meine Hormone unter Kontrolle bringen. Es ist einfach zu lange her, dass ich Sex hatte, das ist alles. Und ich werde dieses Verlangen bestimmt nicht mit diesem speziellen Mann stillen. Er ist mein Boss. Der Bruder meiner beiden besten Freunde.

Auf keinen Fall. Nein.

»Kommen Sie?«, fragt er.

Aber gerne doch.

Ich bemerke, dass sich die Fahrstuhltüren geöffnet haben. Er steht neben mir und wartet darauf, dass ich zuerst aussteige.

»Natürlich.«

»Natürlich.« Er schmunzelt. »Wir könnten laufen … Es ist nicht weit. Aber es ist sehr heiß, also fahren wir.«

Ich nicke und folge ihm zu seinem schnittigen schwarzen Mercedes, den er gekonnt durch die engen Gassen des French Quarters steuert. Ich kann nicht anders, als mein Gesicht an die Scheibe zu drücken, um meine Umgebung genau in Augenschein zu nehmen.

»Es ist wunderschön«, murmle ich.

»Waren Sie schon mal hier?«

»Nein. Ich kann es kaum erwarten, herumzulaufen und mir alles anzusehen.«

Kaum drei Minuten nach unserem Start stellt er den Motor ab. »Wir sind da.«

»Schon?«

»Ich habe doch gesagt, dass es nicht weit ist.«

»Das Stück hätte ich auch laufen können, selbst in der Hitze.«

»Es ist nicht nötig, dass Sie sich verausgaben«, antwortet er einfach und steigt aus dem Wagen, holt meinen Koffer heraus und führt mich mit der Hand auf meinem Rücken zu einem Loft. Es liegt über einem Naturkosmetikladen mit dem Namen Bayou Botanicals. Ich rieche Salbei und Lavendel und bleibe stehen, um den schönen Anblick auf mich wirken zu lassen. Eli schließt die Haustür auf und führt mich hinein.

Das Äußere des Gebäudes ist gut erhalten und besteht aus wunderschönen roten Ziegeln und grünen Metallgeländern. Aber das Innere ist brandneu und schlicht und ergreifend opulent.

»Hier soll ich wohnen?«

»So ist es«, bestätigt er. Seine Stimme gleitet über meine Haut wie Honig. »Betrachten Sie dies als Ihr Zuhause, solange Sie bei uns sind. Hier sind Ihre Schlüssel.« Er reicht sie mir, dreht sich dann um und führt mich in die Küche. Sie besteht aus nagelneuen Haushaltsgeräten, dunklen Holzschränken und einer dazu passenden Granitarbeitsplatte. »Das Schlafzimmer ist dort drüben«, sagt er und führt mich in einen wunderschönen Raum mit einem Himmelbett. »Es ist frisch bezogen. Das Badezimmer ist hier.« Er deutet nach links, aber mein Blick ist auf die Türen gerichtet, die zum Balkon hinausführen. Er bietet eine wunderschöne Aussicht auf die Straße darunter. Und der Jackson Square ist nur einen Häuserblock entfernt.

»Manchmal wird es ein wenig laut wegen der Musik und der Menschenmassen, aber langweilig wird es im French Quarter nie.«

Ich nicke und drehe mich zu ihm um. »Vielen Dank. Sollen wir ins Büro zurück?«

»Es ist mitten am Nachmittag. Nehmen Sie sich den Rest des Tages, um sich einzuleben.«

»Oh, aber ich bin doch hier, um zu arbeiten. Ich kann doch bestimmt …«

»Es würde seltsam wirken, wenn eine neue Angestellte mitten am Tag anfängt, oder?«

Natürlich würde es das.

Ich lächle verlegen und nicke. »Sie haben recht. Ich werde von hier aus anfangen.« Ich lege meinen Blazer auf das Bett, hole meinen Laptop aus meinem Aktenkoffer und marschiere in die Küche. »Ich muss mich erst mal einarbeiten.«

»Kate, ich will nicht …«

»Ich kann nicht einfach so mit der Ermittlung anfangen. Es war richtig von Van, mir eine Assistentenstelle zu geben, aber das macht die Sache noch ein wenig komplizierter.« Während ich so vor mich hin plappere, binde ich meine Haare zu einem Pferdeschwanz zusammen und setze mich auf einen Küchenstuhl. Wenn ich über die Arbeit rede, starre ich ihn wenigstens nicht die ganze Zeit an. Auf diese Weise verhindere ich vielleicht den Verlust weiterer Gehirnzellen aufgrund seines bloßen Anblicks.

»Kate.«

»Ich muss eine Weile lang nach den Regeln spielen, mindestens ein paar Wochen. Die Leute müssen mir vertrauen, damit sie sich mir gegenüber öffnen.«

»Kate.«

»Ich …«

»Es reicht«, sagte er nachdrücklich.

2

Ruckartig drehe ich den Kopf, um Eli anzustarren. Er schiebt die Hände in die Hosentaschen und murmelt einen Kraftausdruck, während er den Kopf hängen lässt. Dann sieht er wieder zu mir auf, als ob er am liebsten gar nicht hier wäre und sich nicht sicher ist, ob er mich leiden kann.

»Sie müssen nicht bleiben«, informiere ich ihn steif.

»Ich erwarte von Ihnen heute nicht, dass Sie überhaupt arbeiten, sei es von hier oder vom Büro aus.«

»Und warum, wenn ich fragen darf?« Ich lehne mich zurück und sehe ihn fragend an. »Dafür bezahlen Sie mich doch.«

»Sie sind den ganzen Tag gereist, Kate. Ruhen Sie sich aus. Essen Sie etwas. Oder noch besser, ich führe Sie zum Essen aus.«

»Das ist wirklich nicht nötig.«

»Doch, das ist es.« Nachdem er seine Sonnenbrille aus der Innentasche seines Jacketts genommen hat, zieht er es aus und legt es über die Sofalehne. Dann krempelt er die Ärmel des weißen Hemds, das wie eine zweite Haut über seinem muskulösen Oberkörper liegt, bis zu den Ellbogen hoch, öffnet die obersten zwei Knöpfe und entfernt seine hellblaue Krawatte. »Schon besser. Ziehen Sie sich etwas Bequemeres an, und ich zeige Ihnen, wo es das beste Jambalaya gibt, das Sie jemals gegessen haben.«

»Ich habe noch nie Jambalaya gegessen«, erwidere ich mit heiserer Stimme. Ich kann meinen Blick nicht von seinen breiten Schultern abwenden.

»Dann wird Sie das hier für alle anderen Jambalayas verderben, das verspreche ich Ihnen.«

Ich runzle die Stirn und erwidere seinen Blick. Ich versuche, aus ihm schlau zu werden. »Sind Sie sicher?«

Er nickt und wartet geduldig. Ich habe das Gefühl, dass es nicht viele Menschen gibt, die Nein zu Eli Boudreaux

sagen.

»Ich werde nicht mit Ihnen schlafen.« Die Worte verlassen meinen Mund, bevor ich sie zurückhalten kann. Sofort schießt heißes Blut in meine Wangen, aber ich hebe trotzig das Kinn und straffe die Schultern.

»Ich habe Sie auch nicht darum gebeten«, erwidert er ruhig, aber seine Augen wirken amüsiert.

Ich nicke und gehe ins Schlafzimmer. Dort ziehe ich ein luftiges Sommerkleid an, trage eine Sonnencreme mit sehr hohem Lichtschutzfaktor auf, um meine helle sommersprossige Haut zu schützen, und kehre dann zu Eli zurück, der nun aus meinem Fenster blickt.

»Sie schauen immer aus irgendwelchen Fenstern«, bemerke ich mit einem Lächeln. Er dreht sich zu mir um, und seine Augen lodern förmlich, als er mich von Kopf bis Fuß mustert. Plötzlich habe ich das Gefühl, praktisch nackt vor ihm zu stehen.

»Sie werden verbrennen, cher

»Ich habe Sonnencreme aufgetragen.«

»Müssen Sie immer diskutieren?«, fragt er.

»Ich diskutiere doch gar nicht.«

Er sieht mich einen Moment lang an, dann lacht er auf, schüttelt den Kopf und führt mich zurück in den heißen Nachmittag.

»Lassen Sie uns zuerst hier langgehen.« Er wendet sich nach links und legt mir wieder galant seine Hand auf den Rücken, während er mich die Royal Street entlangführt. Wenn mir gestern jemand gesagt hätte, dass ich heute mit dem aufregendsten Mann, den ich jemals gesehen habe, das French Quarter erkunden würde, hätte ich dieser Person geraten, einen Arzt aufzusuchen.

Und Eli Boudreaux ist aufregend. Aber er ist nicht für mich bestimmt, und das wird er auch nie sein. Er ist mein Boss, und das hier ist reine Gastfreundschaft.

Ich atme tief durch, um diese Gedanken zu verscheuchen und New Orleans zu genießen, als Eli mich in eine schicke Boutique namens Head Over Heels zieht.

»Schuhe!«, rufe ich aufgeregt. Okay, dann zeigt dieser Mann mir eben Schuhe. Vielleicht schlafe ich doch mit ihm.

»Hüte«, korrigiert er mich.

»Heilige Scheiße, was macht ihr denn hier?« Eine Frau mit kurzen dunklen Haaren und vollen Lippen lächelt uns hinter der Kasse an.

»Kate braucht einen Hut«, erwidert Eli lächelnd, als ihn seine Schwester in die Arme zieht und fest drückt.

»Ist eine Weile her«, flüstert sie ihm ins Ohr. Eli grinst.

»Du hast mich letzten Sonntag bei Mama gesehen.«

»Ist eine Weile her«, wiederholt sie, tritt einen Schritt zurück und strahlt mich an. »Hallo Kate. Schön, dich wiederzusehen.«

»Gleichfalls, Charly.« Ich werde ebenfalls umarmt – die Boudreaux-Familie ist sehr herzlich, und Charlotte, die zweitälteste Schwester, bildet da keine Ausnahme.

»Was kann ich für euch zwei tun?«

»Kate braucht einen Hut«, wiederholt Eli.

»Ach ja?«

»Oh ja, Süße, du brauchst einen«, erwidert Charly mit einem Nicken. »Wir alle brauchen einen, um Gesicht und Schultern vor der Sonne zu schützen. Mal sehen …« Sie führt uns in den hinteren Teil ihres Ladens und nimmt drei Modelle aus dem Regal, alle mit breiter Krempe und sehr hübsch. »Ich denke, Grün wird dir mit deinen schönen rötlichen Haaren und den hübschen grünen Augen gut stehen.«

»Vielen Dank, aber bei dieser Luftfeuchtigkeit werden diese Haare schon bald zu einem einzigen Lockenchaos werden.«

»Das kenne ich. Wenn du willst, schreibe ich dir ein paar Haarpflegeprodukte auf, während du die hier anprobierst.« Sie eilt zur Kasse zurück, während ich den ersten Hut aufsetze. Er ist pink, nicht ganz so breitkrempig wie der grüne und lässt mich wie einen Pilz aussehen.

»Versuchen Sie mal den grünen«, schlägt Eli vor, doch stattdessen wähle ich einen kunterbunten. Er sieht aus, als wäre eine Schachtel mit Wachsmalstiften explodiert. Amüsiert beobachtet Eli mich im Spiegel und verschränkt die Arme vor seiner beeindruckenden Brust. »Sie haben wirklich schöne Haare.«

»Vielen Dank.« Sein Kiefer zuckt wieder. Wenn es so schlimm für ihn ist, Komplimente zu machen, warum sagt er dann überhaupt etwas?

»Oh nein, Liebling, den grünen«, sagt Charly, als sie wieder zu uns stößt. Ich grinse dämlich, während ich ihn aufsetze und seufze, als mir klar wird, dass sie und Eli recht hatten.

»Sieht aus, als hätten wir einen Gewinner«, sage ich. »Ich nehme ihn.« Ich hole die Geldbörse aus meiner Handtasche, aber Eli legt seine Hand auf meine und schüttelt den Kopf.

»Schick mir die Rechnung«, sagt er zu Charly, die lächelt und nickt. Dann reicht sie mir eine Liste mit Haarpflegeprodukten, die ich mal probieren soll, und winkt uns hinterher, als wir wieder auf die heiße Straße hinaustreten. »Besser?«

»Hmm«, murmle ich, aber, oh ja, es fühlt sich so viel besser an. »Danke für den Hut.«

»Gern geschehen«, erwidert er. Wieder jagt mir seine Stimme einen wohligen Schauer über den Rücken. Ich kenne diesen Mann erst seit ein paar Stunden und doch lässt mich alles, was er tut, erschauern.

Nicht gut. Gar nicht gut.

»Erzählen Sie mir etwas über sich«, sage ich und überrasche mich damit selbst. Ich weiß nur, dass ich mein Gehirn von der Testosteronmasse neben mir ablenken muss. Wir gehen den Bürgersteig entlang, ich an der Straße, und sofort tauscht Eli seinen Platz mit mir. »Es gibt also doch noch echte Gentlemen«, flüstere ich.

»Ein paar zumindest.« Er schenkt mir ein kleines Lächeln, bevor er mich zu einem Café mit einem wunderschönen Innenhof führt.

»Es ist erstaunlich kühl hier«, bemerke ich, nachdem man uns Plätze zugewiesen hat.

»Dafür sorgen die Bäume«, erklärt die Kellnerin lächelnd. »Brauchen Sie einen Moment mit der Speisekarte?«

»Mögen Sie Meeresfrüchte?«, fragt mich Eli.

»Ja«, antworte ich.

»Gut. Dann nehmen wir beide das Meeresfrüchtejambalaya, bitte.«

Die Kellnerin nickt und lässt uns allein.

»Dann erzählen Sie mal, wie Sie den Dieb in unserer Firma fassen wollen.«

»Sie haben nicht auf meine Bitte von vorhin reagiert«, erwidere ich, während ich eine Scheibe von dem Brot, das die Kellnerin uns hingestellt hat, mit Butter bestreiche.

»Welche Bitte?«

»Erzählen Sie mir etwas über sich.«

»Ich spiele keine Rolle«, sagt er ruhig, aber bestimmt. Endgültig. Er lehnt sich zurück, verschränkt die Arme, und sein Blick verhärtet sich.

Interessant.

»Es ist Ihre Firma, also denke ich doch, dass Sie eine Rolle spielen.«

»Über mich müssen Sie nur wissen, dass ich Ihr Boss bin. Sie werden pünktlich bezahlt, und ich erwarte von Ihnen bei diesem Auftrag lediglich, dass Sie Ihr Bestes geben.«

Ich lege mein Brot auf einen kleinen weißen Teller. Dann spiegle ich seine Pose, indem ich mich zurücklehne und die Arme verschränke. »Soweit ich weiß, war Savannah diejenige, die mich angeheuert hat, und ich gebe immer mein Bestes. Immer.«

Er zieht eine Augenbraue in die Höhe und legt den Kopf schief. »Beau, Savannah und ich sind zu gleichen Teilen an diesem Unternehmen beteiligt. Wir sind alle drei Ihre Bosse, Kate.«

»Verstanden.« Er beobachtet mich ein paar Minuten. Ich werde einfach nicht schlau aus ihm. In einem Moment ist er so liebenswürdig und nett und ich bekomme das Gefühl, dass er sich zu mir hingezogen fühlt, doch dann macht er plötzlich dicht und wirkt distanziert, unpersönlich und fast unhöflich.

Welcher von beiden ist der echte Eli?

Nicht dass es eine Rolle spielt, denn ab morgen werde ich ohnehin nur noch mit Savannah zu tun haben und den geheimnisvollen und attraktiven Eli kaum noch zu sehen bekommen.

Hoffe ich.

Ich schließe die Augen und atme die schwere Luft von New Orleans ein. Eine leichte Brise weht und kühlt meine erhitzte Haut ein wenig ab. Die Bäume über uns sind grün und üppig und lassen nur gelegentliche Lichtflecken durch ihr Blattwerk.

Unser Essen wird serviert, und während ich noch misstrauisch auf die Schüssel voller Reis, Garnelen, Muscheln und einem Haufen Zeug, von dem ich mir nicht sicher bin, was es ist, starre, bemerke ich, dass Eli bereits herzhaft zugreift.

»Sie werden es nicht bereuen«, sagt er schlicht und schiebt sich einen weiteren vollen Löffel in den Mund. Während er kaut, beobachte ich seinen breiten Kiefer, dann schaue ich wieder auf meine eigene Schüssel.

Warum nicht? Ich probiere und blicke überrascht auf. »Das ist gut.«

»Ich würde Ihnen doch nichts Schlechtes vorsetzen, Kate.« Er lacht leise und greift nach dem Brot. Das Jambalaya ist köstlich, und ich bin hungriger, als ich gedacht habe. Ich leere die Schüssel in wenigen Minuten. Schließlich lehne ich mich zurück und tätschle meinen Bauch.

»Das war großartig.«

Als die Rechnung bezahlt ist und wir auf dem Rückweg zu meiner Wohnung sind, wirft mir Eli einen Blick zu. Dann seufzt er und streicht sich durchs Haar.

»Wie sind Sie in diesem Beruf gelandet?«, fragt er leise.

»Oh, jetzt reden wir also doch über uns?« Ich ziehe fragend eine Augenbraue in die Höhe. »Sie brauchen wirklich nicht nett zu mir zu sein. Es ist schon in Ordnung, wenn Sie mich nicht mögen. Ich erledige meinen Job, und das sehr gut, wenn ich das hinzufügen darf, und bin in vier bis sechs Wochen wieder aus New Orleans verschwunden.«

»Vier bis sechs Wochen?«, fragt er skeptisch.

»Ja. Ich habe Ihnen vorhin doch gesagt, dass es einige Zeit braucht, das Vertrauen meiner Kollegen zu gewinnen. Ich kann mich nicht einfach nur an einen Schreibtisch setzen und die Akten durchsehen. Ich soll doch eine neue Angestellte darstellen, oder?«

Nachdenklich schüttelt er den Kopf. »Ich habe nicht gedacht, dass es so umständlich sein wird.«

»Es ist schwerer, als es aussieht, sonst würden Sie mich wohl nicht brauchen.«

»Wie kommen Sie darauf, dass ich Sie nicht mag?«, fragt er plötzlich.

»Wie bitte?«

»Sie haben vorhin gesagt, es sei in Ordnung, wenn ich Sie nicht mag. Wie kommen Sie darauf, dass dem so ist?«

Ich bleibe auf dem Bürgersteig stehen und starre ihn einen Moment lang an, dann bringt mich der verwunderte Ausdruck in seinem gefährlich schönen Gesicht zum Lachen. »Spielt keine Rolle, Eli.«

Ich gehe weiter, aber er bleibt ein paar Schritte zurück. Ich kann praktisch hören, wie es in seinem Verstand rattert

Schließlich erreichen wir meine Tür. Ich blicke mich um, als er mich einholt. »Danke für den Hut und das Essen.«

»Keine Ursache.«

Ich gehe hinein und will die Tür hinter mir schließen, doch Eli folgt mir und drückt die Tür hinter sich zu.

»Äh, kommen Sie doch herein?«

»Ich mag Sie.«

Ich verdrehe die Augen und werfe meine Handtasche auf das Sofa. Als ich den Hut dazulege, sehe ich sein Jackett und seine Krawatte, wo er sie vorhin abgelegt hat, und greife danach.

»Oh, fast hätten Sie …«

Elis harte Brust drückt sich gegen meinen Rücken, während er um mich herumgreift, mir das Jackett aus den Händen nimmt und es beiseitelegt. Dann wirbelt er mich herum und sieht mir direkt in die Augen.

»Ich mag Sie«, wiederholt er. Als ich zu Boden schauen will, legt er mir einen Finger unters Kinn und hebt es an. »Aber es ist keine gute Idee.«

»Was denn?«

»Das hier.« Er senkt sein Gesicht zu meinem und streicht mit seiner Nase sanft über meine. Seine Lippen haben meine noch nicht berührt, und doch kribbelt mein Mund und sehnt sich nach seinem. Seine Hände gleiten an meinen nackten Armen entlang zu meinem Hals hinauf, und seine Daumen beschreiben Kreise an meinem Kinn, während er sanft meinen Mundwinkel küsst. Ich höre ein leises Stöhnen. Wenn ich klar denken könnte, wäre ich sicher peinlich berührt, weil es von mir stammt, doch ich kann meine Gehirnzellen nicht finden.

Dieser Mann ist gefährlich. Alles in mir schreit: LAUF WEG!, doch stattdessen packe ich seine Hüften und ziehe ihn näher zu mir heran. Er braucht keine weitere Einladung. Er lässt seine unglaublichen Lippen über meine gleiten, leckt ein wenig an meiner Unterlippe, und als mich pure Lust aufstöhnen lässt, holt er zum entscheidenden Schlag aus.

Er schmeckt nach den Pfefferminzbonbons, die wir beide nach dem Essen gelutscht haben, und der leichte Dreitagebart reibt überaus verlockend an meiner Haut. Unwillkürlich frage ich mich, wie er sich an anderen Stellen meines Körpers anfühlen würde … In meiner Kniekehle, an meinen Brüsten, zwischen meinen Beinen.

Heiliger Strohsack, ich wette, er würde sich zwischen meinen Beinen unglaublich anfühlen.

Ich kralle mich in seinen Bizeps und mir wird klar, dass der Arm, den er um mich geschlungen hat, das Einzige ist, was mich aufrecht hält. Meine Knie existieren nicht länger. Wir atmen schwer, während er mit seinem Finger über meine Wange streicht und noch einmal an meinen Lippen knabbert. Dann zieht er sich zurück und starrt mich mit funkelnden whiskeyfarbenen Augen an.

»Das. Das ist keine gute Idee.«

3

~Eli~

»Und, wie war dein Rendezvous?«, fragt Beau, bevor er mich von hinten attackiert und seinen Arm um meinen Hals schlingt. Ich befreie mich aus seinem Griff, werfe ihn auf den Rücken und starre ihn schwitzend und keuchend an.

»Welches Rendezvous?«

»Hab gehört, du hast dir freigenommen, um Vans Freundin Kate auszuführen«, sagt Ben Preston, ein uralter Freund von uns und gleichzeitig der Krav-Maga-Experte, der uns viermal die Woche trainieren kommt. Sein nackter Oberkörper ist verschwitzt, aber er keucht kaum. Ben ist nicht so groß wie Beau und ich, aber viel stärker und ein knallharter Typ. »Und das, nachdem Van dir verboten hat, mit ihr anzubändeln. Sie ist übrigens stinksauer auf dich.«

»Es war kein Rendezvous«, murmele ich und wische mir mit einem Handtuch den Schweiß von der Stirn, bevor ich meine Aufmerksamkeit auf Ben richte. Ich wage einen Schlag, den er abwehrt, und wir kämpfen ein paar lange harte Minuten, bevor ich weitersprechen kann. »Beau und Van waren in einem Meeting. Jemand musste sie in Empfang nehmen und ihr die Wohnung zeigen.«

»Und ihr einen Hut kaufen und sie zum Essen ausführen?«, fragt Beau mit einem breiten Grinsen. »Van wird dir die Eier abschneiden.«

»Was seid ihr, ein Haufen Tratschweiber?« Ich ziehe mein durchgeschwitztes T-Shirt über den Kopf und stemme die Hände in die Hüften.

»Charly hat mich angerufen, nachdem du ihren Laden verlassen hast. Sie hat gesagt, dass du wie ein liebeskranker Teenager gewirkt hast.«

»So ein Quatsch«, brumme ich abfällig. »Ich bin niemals liebeskrank, und das weißt du auch. Charly hat also eine Telefonkette gestartet, um die Nachricht zu verbreiten, dass ich nett zu Kate war?«

Beau und Ben lachen, dann überrumpelt Ben mich und legt mich auf die Matte. Dieser Mistkerl. »Du bringst sie heute Abend also nicht zu Decs Auftritt mit?«

»Willst du vielleicht auch noch Mamas Rezept für ihren Pekannusskuchen?«, fauche ich.

»Wow, du bist aber ganz schön aggressiv für jemanden, der sich nicht für die hübsche Kate interessiert.«

»Sie ist nicht hübsch«, murmle ich. Sie ist verdammt noch mal wunderschön.

»Ja, ich persönlich stehe ja nicht so auf Rothaarige mit Sommersprossen. Aber als ich sie das letzte Mal gesehen habe, hatte sie einen ziemlich scharfen Körper«, sagt Beau zu Ben, der nachdenklich nickt.

Ich werde alle beide umbringen.

Mit meinen bloßen Händen.

»Wann hast du sie denn das letzte Mal gesehen?«

»Als ich Dec und Van im College besucht habe.« Beau zieht nun ebenfalls sein T-Shirt aus und wirft es auf den Boden. »Es ist schon eine Weile her. Vielleicht ist sie ja fett geworden.«

»Sie ist nicht fett«, erwidere ich und laufe geradewegs in seine Falle. »Hör zu, ich versuche einfach nur, nett zu ihr zu sein.«

»Aber sicher.« Ben nickt, kurz bevor er Beau auf die Matte schmeißt, aber Beau bringt ihn zu Boden, rollt sich auf ihn und landet einen Treffer. Ben befreit sich, und die nächsten paar Minuten kämpfen sie um die Oberhand.

Ich benehme mich nicht wie ein liebeskranker Teenager. Es stimmt, Kate ist mit ihrem vollen kastanienbraunen Haar und den großen grünen Augen sehr sexy, und die Sommersprossen in ihrem Gesicht und auf ihren Schultern schreien geradezu danach, geküsst zu werden. Aber sie ist verdammt noch mal eine Angestellte. Es ist einfach nur eine Weile her, dass ich Sex hatte. Länger, als mir lieb ist.

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