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ED - Die Ankunft

Titel:

ED – Die Ankunft

(Episode 1)

STEVEN J. HARRISON

 

Text Copyright © 2014

Alle Rechte vorbehalten

Coverbild: © JohanSwanepoel - Fotolia.com

Fassung: 1.1

 

Die komplette Geschichte ist frei erfunden. Alle Ähnlichkeiten mit lebenden Personen und/oder realen Handlungen sind rein zufällig.

Inhalt:

Es trifft Mutter Erde ebenso überraschend, wie unvorbereitet. Eine unvorstellbar große Menge Antimaterie landet irgendwo im ländlichen Ohio und sucht sich als Hüter ausgerechnet Stillwaters Dorftrottel aus: Ed!

Schnell wird klar, dass dieser sonderbare Besucher nicht unter Kontrolle zu bringen ist, ganz im Gegenteil. Während die Supermächte – aus purer Angst heraus – zu den absonderlichsten Mitteln greifen, erhält Ed ungeahnte Verstärkung. Eine lange Reise beginnt, die in ihrem Verlauf die gesamte Welt an ihren Abgrund führen könnte …

Die Teile 2-5 sind bereits in (fast) allen bekannten Shops verfügbar.

Steven J. Harrison per Mail: stevenjharrison@online.de

Auf facebook unter: Steven J. Harrison

Homepage: ThomasHerzberg.de

Prolog

David Summer rannte über die Flure des Weißen Hauses, als würde ihn eine ganze Armee von Geistern verfolgen. Atemlos erreichte er das Oval Office und verschwendete nicht mal Zeit für ein Anklopfen.

»David, bei aller Liebe – sind Sie verrückt geworden?«, protestierte der Präsident wütend. »Ich sitze hier mit meinen Stabschefs und Sie kommen rein, als ob wir eine Studentenparty feiern.«

Ohne auf diesen Protest überhaupt einzugehen, sprang David Summer zum großen Flachbildfernseher und schaltete ihn ein.

»Entschuldigen Sie, Mr. President«, begann er keuchend, »wenn Sie die Nachrichten sehen, werden Sie feststellen, dass es für eine Party auch kaum einen Grund gibt.«

Jetzt flimmerten die ersten Bilder über den riesigen Bildschirm. Als sich Summer zum Präsidenten und den Stabschefs umdrehte, fand er die Männer, wie erwartet, mit offenen Mündern vor. Sie sahen wie eine Klasse von Hilfsschülern aus, denen ein genervter Lehrer das “Ohmsche Gesetz“ zu erklären versucht ...

1

Wie an jedem Morgen trank Ed nach dem Aufstehen erst einmal eine ganze Flasche eiskalte Milch. Auch Spike bekam wie üblich einen kleinen Schluck in seinen Napf und schlabberte den mit grenzenloser Begeisterung.

»Spike! Du musst langsam trinken, sonst bekommst du noch Magenschmerzen«, ermahnte er den alten Hund, der ihm vermutlich einen ähnlichen Ratschlag erteilt hätte.

Zwei dick bestrichene Marmeladenbrote und einen halben Liter Kakao später nahm Ed seine Arbeitsjacke vom Haken und machte sich zum Gehen auf. »Komm Spike, wir haben heute `ne Menge im Garten zu tun. Und nicht dass du mir wieder nur faul herumliegst oder Schmetterlinge jagst. In diesem Hause muss sich ein Hund sein Futter verdienen.« Ed liebte diesen Kerl wie einen Sohn. Seit zwölf Jahren lebten Spike und er nun schon zusammen. Es verging kein Tag, an dem er sich nicht darüber freute, dass er den alten Schäferhund damals vor der Einschläferung gerettet hatte. Es waren sogar drei Welpen, die er heimlich in den kleinen Pappkarton gesteckt und am Ende mit nachhause genommen hatte. Lucy, Spikes Schwester, war bereits nach acht Jahren gestorben. Krebs! Oscar, sein großer Bruder, im letzten Winter. Fast tausend Dollar hatte Ed zum Tierarzt getragen, bevor dieser ihm behutsam erklärte, dass der altersschwache Hund sich nur noch quälte. Selbst heute, gute sechs Monate später, gab es Tage, an denen in Ed Tränen aufstiegen, wenn er nur an Oscar dachte oder sich Fotos von ihm anschaute.

Er stieß die Tür zum Garten auf und ließ Spike den Vortritt. Verdammt! Er hatte seine Handschuhe vergessen. Nachdem er durchs ganze Haus geirrt war, fand er sie endlich – auf dem Fernseher. Wie sie dorthin gekommen waren, konnte er sich nicht erklären.

Spike bellte draußen schon, seitdem er ihn in den Garten gelassen hatte. Irgendetwas oder irgendjemand schien ihm nicht zu gefallen. Als Ed ihm dann, mit seinen Handschuhen und einer weiteren Flasche Milch bewaffnet, in den Garten folgte, wollte er es gar nicht glauben. Mitten in seinem Vorgarten, zwischen Kohlköpfen, Karotten und Sellerie, lag ein riesiger ...

Ja – was war es eigentlich? Ein Ball ... eine Art Globus. Ed erinnerte sich an seine Schulzeit zurück. Auf dem Pult hatte der Lehrer einen solchen aufgestellt und sie hochwichtig darüber aufgeklärt, dass dies die Erde sei. Ihre Heimat, ihr Planet, den es zu schützen und behüten galt.

Aber dieses Teil war wesentlich größer. Wie ein Auto, eher noch ein kleiner Truck. Seine Arme gehorchten Ed nicht mehr und so glitten ihm zuerst die Handschuhe und dann auch die Milch aus den Fingern. Krachend donnerte die Glasflasche auf die Stufen vor ihm und zerbarst in tausend Stücke.

»Was ist das, Spike?«

Der Hund antwortete ihm nicht. Kein Wunder! Stattdessen bellte und bellte er, bis kurz darauf sogar seine Stimme ein wenig heiser klang.

»Es hat meinen ganzen Kohl unter sich begraben. Wie soll ich denn jetzt die Sellerie ernten, wenn sich dieses Ding in meinem Garten breitmacht?« Ed setzte sich auf die oberste Stufe und starrte verzweifelt auf seine Pflanzen. »Hoffentlich hat dieses riesige Teil nicht so viele Raupen erwischt.«

Ed liebte Raupen. Eigentlich alles, was kreuchte und fleuchte. Jedem Käfer, der auf dem Rücken lag oder einem Schmetterling, der sich in einem Spinnennetz verfangen hatte, eilte er zur Hilfe, als ob es der Letzte auf Erden wäre.

Wieder dachte er an die Schule zurück. An den Unterricht, aber auch an die Namen, die boshafte Kinder ihm auf dem Schulhof hinterherriefen: Trottel, Idiot ... am Ende gerne Missgeburt.

Nach sechs Klassen, von denen er drei wiederholt hatte, war für Ed die Schule vorüber. Es würde keinen Sinn mehr machen, hatten die Lehrer damals gemeint. Er wäre eben etwas zurückgeblieben, wenn man es freundlich ausdrücken wollte. Andere waren da weitaus gefühlloser. Aber er hatte sich schon lange mit der Situation abgefunden und er freute sich sogar, wenn er einmal in der Woche nach Stillwater rüberfuhr, um dort einzukaufen. In diesem winzigen Nest kannte jeder jeden. Wenn es an einem Abend bei den Mannings ehelichen Krach gab, dann konnte schon am nächsten Morgen jeder darüber berichten. Wusste genau zu sagen, warum Kate ihrem Walter wieder mal das Nudelholz über den Schädel gezogen hatte.

Wenn Ed in den kleinen Ort kam, dann waren alle freundlich zu ihm. Sie lachten und scherzten; stellten ihm alberne Fragen und amüsierten sich über seine Antworten wie übermütige Kinder. Mr. Peebody schenkte ihm manchmal sogar ein Eis. Meistens ein kaputtes, das ihm wahrscheinlich beim Befüllen der Kühltruhe heruntergefallen war – aber er schenkte es ihm – und nur das zählte.

Wie viele Raupen dieses Ding wohl bei seiner Landung unter sich begraben hat? Womöglich sogar eines der Kaninchen, die sich so gerne in den frühen Morgenstunden an meinem Salat erfreuen. Hoffentlich nicht!

Ed stand träge auf und schlurfte in seinen Garten. Er schaute über die Felder vor ihm und schüttelte den Kopf. Das nächste Haus war über drei Meilen entfernt. Mit Hilfe war also kaum zu rechnen. Vielleicht konnte er es ja beiseite ziehen? Oder es anheben – irgendwie – und auf die große Weide hinter dem Haus bringen? Hauptsache runter von seinen Beeten – raus aus seinem Garten. Danach würde er die Schäden beseitigen und einfach weitermachen, als ob nichts passiert wäre. Wenn es tatsächlich ein Kaninchen erwischt hatte, und es noch lebte, dann würde er es behutsam in seinen Fahrradkorb legen und mit ihm zum Tierarzt rüberfahren.

Ed sah erschrocken auf. Gleich vier von diesen riesigen schwarzen Vans, die er nur aus dem Fernsehen kannte, rasten auf sein Grundstück zu. Als sie in einer gewaltigen Staubwolke endlich anhielten, sprang sofort ein gutes Dutzend Männer heraus. Alle trugen dunkle Anzüge und machten ernste Gesichter. Was wollten diese Typen von ihm? Und warum hatten sie alle Waffen?

2

 

Weißes Haus, am Abend zuvor.

»Was ist das?«, entfuhr es dem Präsidenten, nachdem er sekundenlang fassungslos auf den Bildschirm gestarrt hatte.

»Die Experten sind sich bislang alles andere als einig«, erwiderte David Summer nüchtern. »Fest steht bisher nur, dass es kein Asteroid ist oder Weltraumschrott.«

»Warum?«

»Ganz einfach: Es ist in eine Erdumlaufbahn getaucht und kreist seit einer guten Stunde um unseren Planeten. So, als ob es uns beobachtet.«

»Ist es gefährlich?«

»Wenn ich Ihnen das sagen könnte, dann wäre ich Gott oder ...«

»Peter«, begann der Präsident nachdenklich, »wir gehen auf DEFCON-3, damit sind wir zumindest vorbereitet.«

»Ja, Mr. President.« Peter Jobs, der Verteidigungsminister der Vereinigten Staaten, eilte aus dem Oval Office.

»Ich will alle namhaften Experten hier im Weißen Haus! In der nächsten Stunde gebe ich eine Pressekonferenz, also lassen Sie sich bis dahin `was einfallen, David.«

Wieder fielen die Blicke aller auf den Bildschirm.

»Was machte es denn jetzt?«, schrie der Präsident auf.

»Es scheint zu wachsen.«

Die Bilder zeigten, dass sich das Objekt nun auszudehnen begann. Es wuchs mit einer solchen Geschwindigkeit, dass die Kamera kaum mit dem Herauszoomen folgen konnte.

»Ist das ...?« Der Präsident wirkte völlig fassungslos.

»Ich schätze schon«, auch David Summer war wie gelähmt, »es ist unsere Erde – also eine Kopie davon.«

 

Eine gute Stunde später betrat der Präsident den East Room, der, als größter Saal im Weißen Haus, in der Regel für Pressekonferenzen genutzt wurde. Die vorhandenen Stühle reichten nicht einmal ansatzweise aus, um die aufgebrachte Meute von Journalisten unterzubringen. Fast bis an das Rednerpult heran standen Mikrofone und Kameras.

Präsident Henschler legte seinem Pressesprecher sanft die Hand auf die Schulter und versuchte ihn durch ein zaghaftes Lächeln zu ermutigen. Der Mann schaute seinen Chef nur verwirrt an und trat jetzt erleichtert beiseite.

»Liebe Freunde«, begann der Hausherr in versöhnlichem Ton, »jeder von uns ist mit dieser Situation bis an seine Grenzen gefordert.« Das Stimmengewirr verstummte langsam. »Lassen Sie mich Ihnen über das berichten, was unsere Experten bis zur Stunde herausgefunden haben.«

»Ist es kriegerisch?«, wollte einer der Reporter aus der ersten Reihe wissen.

»Hat es Waffen an Bord?«, erkundigte sich ein anderer.

»Noch einmal! Ich werde Ihnen jetzt berichten, was unsere Wissenschaftler bis zum jetzigen Zeitpunkt über dieses Objekt wissen. Und bitte vergessen Sie nicht, dass es sich dabei um einige der weltweit erfahrensten Experten auf diesem Gebiet handelt.«

»Auf welchem Gebiet«, bohrte Linda Brenner, eine Reporterin der Times.

Der Präsident zögerte und jeder konnte erkennen, dass er innerlich um eine Antwort rang. Nach weiterem Zögern setzte er leise an: »Für außerirdische Lebensformen.«

Im ganzen Saal brach ein Tumult aus. Erst als der Pressesprecher mit dem Rauswurf der meisten drohte, verstummte die aufgebrachte Meute allmählich.

»So führt das zu nichts«, brüllte Ike Henschler ins Mikrofon.

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