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Dunkle Leidenschaft – Shadows of Love

Inhalt

  1. Cover
  2. Über die Autorin
  3. Titel
  4. Impressum
  5. Dunkle Leidenschaft
  6. In der nächsten Folge

»Shadows of Love« sind in sich abgeschlossene erotische Liebesgeschichten von unterschiedlichen Autoren. Die Folgen erscheinen monatlich als Romanheft und E-Book.

Über die Autorin

Inka Loreen Minden schreibt auch unter den Pseudonymen Lucy Palmer, Mona Hanke (Erotik) und Monica Davis (Jugendbuch). Sie ist eine bekannte deutsche Autorin erotischer Literatur. Von ihr sind bereits zahlreiche Bücher erschienen, die regelmäßig unter den Online-Jahresbestsellern zu finden sind.

Neben einer spannenden Rahmenhandlung legt sie Wert auf eine niveauvolle Sprache und lebendige Figuren. Explizite Erotik, gepaart mit Liebe, Leidenschaft und Romantik, ist in all ihren Storys zu finden, die an den unterschiedlichsten Schauplätzen spielen.

Mehr über die Autorin auf ihrer Homepage:
www.inka-loreen-minden.de

Absolute Geheimhaltung und kein Wort an die Öffentlichkeit!, stand in seinem Brief. Dieser Satz hallt ständig durch meinen Kopf, während mich ein Taxi die Auffahrt zur Burg hinaufbringt.

Sterling Castle liegt idyllisch, aber einsam, zwischen grünen Hügeln und Tälern im Lake District Nationalpark. Wie graue Zähne ragen die Zinnen der vier Ecktürme in den blassblauen Himmel. In unmittelbarer Nähe befindet sich keine Ortschaft; dies ist ein idealer Platz zum Ausspannen, Wandern, Urlaub machen.

Doch ich bin zum Arbeiten hier.

Warum hat der Earl gerade mich ausgesucht? Sonderanfertigungen sind zwar meine Stärke und ich arbeite meist für die Reichen und Schönen, die sich in Malibu tummeln, aber in England gibt es sicherlich genügend Raumausstatter, die ihr Handwerk genauso gut beherrschen.

Je näher wir heranfahren, desto mehr Details erkenne ich an dem imposanten Gebäude. Hohe, teils vergitterte Fenster, Erker, Schießscharten. Der graubraune Mauerstein wirkt verwittert, dennoch strahlt das Anwesen etwas Mächtiges, Kraftvolles aus, wie es majestätisch auf dem Hügel thront. Aber es macht auch einen düsteren Eindruck. Vielleicht liegt es daran, dass sich die Nachmittagssonne hinter einer dicken Wolke versteckt.

Dieses alte Gemäuer scheint genauso geheimnisvoll zu sein wie sein Besitzer, um den sich etliche Gerüchte ranken. Natürlich habe ich mich über Nathan Sterling, den Earl of Lindsay, informiert. Er ist einer der reichsten Männer Englands, fünfunddreißig Jahre alt, alleinstehend, sportlich, mit schwarzem Haar und hellgrauen Augen … kurz: Er sieht einfach unverschämt gut aus.

Nachdem seine Frau vor drei Jahren starb, hat er sich weitgehend aus der Öffentlichkeit zurückgezogen. Angeblich soll er sogar Schuld am Tod seiner Gattin haben, zumindest behaupten das diverse Klatschblätter. Diese Gerüchte halten das weibliche Geschlecht allerdings nicht davon ab, ungehemmt mit dem Earl zu flirten, sobald er Wohltätigkeitsveranstaltungen oder andere Events besucht. Wahrscheinlich haben sie es nur auf sein Geld abgesehen.

Als ich vor sieben Jahren noch in England lebte, habe ich die Geschichten des Adligen ebenfalls verfolgt und einiges über seine Affären mit Schauspielerinnen, Models und der Tochter eines Politikers gelesen. Auch dass er heimlich Autorennen fährt oder sich an ausschweifenden Partys beteiligt. Klatsch und Tratsch eben. Danach habe ich den Mann aus den Augen verloren und mir erst kurz vor der Abreise die neusten Artikel im Internet zu Gemüte geführt.

Angeblich vermehrt er sein Vermögen mit Aktiengeschäften oder steckt es in industrielle Großprojekte. Von Finanzgeschäften verstehe ich nichts, obwohl mathematisches Verständnis für meinen Beruf eine Grundvoraussetzung ist. Und ich habe die künstlerische Seele meiner Oma geerbt. Daher erkenne ich sofort die Schönheit dieser Traumlage und freue mich auf das neue Projekt. Nur diese seltsame Geheimhaltungsklausel verursacht mir Magengrummeln. Was hat es damit auf sich?

Leise seufzend lege ich die Finger ans kühle Fensterglas. Mia, worauf hast du dich eingelassen? So weit weg von Amerika … Wobei ich England vermisst habe, immerhin wurde ich hier geboren. Leider habe ich hier nur noch eine Tante, die in der Nähe von London wohnt. Meine Eltern starben vor ein paar Jahren. Erst Dad an einem Herzinfarkt, zwei Jahre später Mom an einem Schlaganfall. Ich bin ihr einziges Kind; meine Mutter war fast fünfzig, als sie mich bekommen hat. Sie hat nicht damit gerechnet, überhaupt noch schwanger werden zu können. Na ja, ich schlage mich gut allein durch und hab mit meinen siebenundzwanzig Jahren schon viel erreicht, habe mir ein gut laufendes Unternehmen aufgebaut und kann daher den Betrieb auch mal Kerry überlassen. Sie ist eine tolle Mitarbeiterin und wird alles managen, solange ich weg bin.

Aber ich bin wohl kein bisschen besser als diese leichten Frauen, die hinter dem Vermögen des Earls her sind. Ich habe den Job auch nur angenommen, weil mir Nathan Sterling sehr viel Geld dafür geboten hat.

Gut, meine Heimat wollte ich ebenfalls schon lange wieder besuchen, aber der Auftrag hat den Ausschlag gegeben. Zwar verdiene ich gut, doch so eine Gelegenheit lasse ich mir trotzdem nicht entgehen.

Ich kurble im Taxi das Fenster herunter und atme die frische Landluft ein, während wir eine Allee entlangfahren. Die Burg liegt nur noch wenige Meter vor uns. Groß. Gigantisch.

Ein Windstoß wirbelt die Baumkronen durcheinander und Laub segelt auf die Straße. Es riecht nach Herbst.

Schon passieren wir ein gigantisches Mauertor, vor dem im Mittelalter bestimmt ein Eisengitter angebracht war, und rollen in den Burghof. Kies knirscht unter den Reifen, als der Fahrer bremst.

Wow, Sterling Castle ist eine waschechte Ritterburg. Es kommt mir vor, als würde ich mich tatsächlich in einer früheren Zeit befinden. Fast glaube ich, das Wiehern von Pferden und das Hämmern eines Hufschmiedes zu hören. Nur der Carport mit den drei teuren Autos sticht heraus. Der schnittige weiße Bentley, der silberfarbene Porsche Cabrio und der schwarze BMW X5 gehören sicher dem Earl. Daneben stehen weitere Fahrzeuge, wahrscheinlich die der Angestellten.

Aus einem Vorbau eilt ein älterer Herr mit grauem Haar – ich schätze ihn auf über fünfzig Jahre – und ein etwas jüngerer Mann. Beide tragen dunkle Anzüge und weiße Handschuhe. Das müssen der Butler und ein weiterer Bediensteter sein.

»Willkommen, Ms Ferris«, begrüßt mich der Butler, nachdem er mir die Autotür geöffnet hat. »Ich bin Mr Harper. Wir hatten telefoniert.«

Mit Mr Harper hatte ich nach meiner Zusage telefonisch alles Weitere geregelt, während ich vom Earl bisher nur den einen Brief mit dem Auftrag bekommen habe.

»Ich hoffe, Sie hatten einen angenehmen Flug?«

Ich begrüße ihn ebenfalls und ergreife seine Hand, mit der er mir aus dem Wagen hilft. Mein Rock sitzt eine Spur zu eng. Ich sollte endlich abnehmen. »Es war alles bestens, Mr Harper, vielen Dank.«

Er beeilt sich, den Taxifahrer zu bezahlen, bevor ich das übernehmen kann, und ich bedanke mich bei ihm.

Mr Harper lächelt mich an. »Der Earl hätte Sie gerne persönlich abgeholt, aber seine Geschäfte lassen ihn heute kaum zu Luft kommen. Er hat aber versprochen, in einer Stunde Feierabend zu machen, um für Sie da zu sein.«

Das passt mir gut, dann habe ich Zeit, mich umzuziehen. Mein Kostüm ist leicht zerknittert, meine Haare bestimmt ein einziges Durcheinander. So möchte ich ihm nicht entgegentreten.

Der jüngere Angestellte trägt meine drei Koffer zum Eingang, und der Butler weist ihn an, alles ins Gästezimmer zu bringen.

Wie viel Personal ein Earl wohl hat? Ich werde bestimmt die meisten seiner Bediensteten kennenlernen, immerhin soll ich mindestens einen Monat bleiben.

Ich schaue hinauf zum Wehrgang, den Zinnen und dem düsteren Himmel. Alles wirkt wie ausgestorben, nicht mal einen Vogel sehe ich. Es ist still im Innenhof, nur das Motorengeräusch des wegfahrenden Taxis ist zu vernehmen.

»Wer wohnt alles auf Sterling Castle?«, frage ich Mr Harper, während er mich in die Burg führt. Wir betreten eine große Empfangshalle, deren Boden wie ein Schachbrett gefliest ist. Dunkelrote, teils mit Holz vertäfelte Wände werden von marmornen Bögen, Wandteppichen und Ritterrüstungen unterbrochen.

»In diesem Südteil wohnen nur der Earl und ich, aber ich habe mein Quartier im Erdgeschoss. Die restlichen Angestellten sind im Nordteil untergebracht. Der Earl beschäftigt zwei Köchinnen, eine Hauswirtschafterin, einen Hausmeister, einen Gärtner und eine Handvoll weiteres Personal, wie seinen Privatsekretär, der jedoch gerade Urlaub hat. Und bei besonderen Anlässen begleitet ihn manchmal ein Bodyguard.«

Bodyguard – wow! »Hat er keinen Chauffeur?«, frage ich zwinkernd.

Mr Harper wirft einen Blick aus dem Fenster. »Der Earl liebt es, selbst zu fahren.«

Ob an den Geschichten, er würde Rennen fahren, doch etwas dran ist?

Weiter geht es eine breite Treppe nach oben in den ersten Stock. Zu beiden Seiten erstrecken sich lange Gänge, in denen wie Laternen geformte Lampen ein mattes Licht spenden. Auch dort stehen Rüstungen, und ein roter Läufer bedeckt den alten Steinboden. Die Burg ist zum Glück nicht so groß, dass ich mich darin verlaufen könnte, trotzdem erscheint sie mir riesig für nur einen Mann.

Ein Hausmädchen kommt uns mit einem Stapel gefalteter Wäsche entgegen und nickt uns zu, ansonsten wirkt auch hier alles seltsam verlassen.

»Hier ist Ihr Zimmer, Ms Ferris«, sagt der Butler und lässt mich durch eine Tür in einen großen Raum treten. Meine Koffer stehen bereits vor einem gigantischen Himmelbett mit dicken, kunstvoll geschnitzten Pfosten. An den dunkelgrün tapezierten Wänden hängen Landschaftsbilder, vor den beiden Fenstern weiße Vorhänge. Es gibt eine weitere Tür, die wohl ins Badezimmer führt, eine Fernsehecke mit Sofa und einen Schreibtisch. Das Zimmer sieht gemütlich aus. Hier kann man es aushalten.

Mr Harper zeigt mir einen Kühlschrank mit Erfrischungsgetränken, der in einem Sideboard eingebaut ist. Darauf steht eine Schale mit Obst. Dann deutet er auf ein Telefon neben dem Türrahmen. »Wenn Sie etwas brauchen oder zum Beispiel Tee, Kaffee oder ein Stück Kuchen möchten, wählen Sie die Eins. Sie werden direkt mit meinem Handy verbunden.« Lächelnd klopft er auf die Tasche in seinem Jackett.

Was für ein Service! »Vielen Dank, Mr Harper.« Ich könnte nach den dürftigen Snacks im Flugzeug durchaus schon wieder etwas essen, bin aber zu nervös. Ich kann es kaum erwarten, den Earl kennenzulernen.

»Wo finde ich das Arbeitszimmer?«, frage ich schnell, bevor der Butler das Zimmer verlässt.

»Ich hole Sie in einer Stunde ab und bringe Sie hin.«

♡♡♡

Hastig dusche ich, lege neues Make-up auf und schlüpfe in ein knitterfreies Kostüm. Vor dem Ankleidespiegel drehe ich mich und schnaube mein Bild an. Auch dieser Rock schmiegt sich eng an meinen Po, und die Bluse spannt ein wenig über meinem Busen. Ich sollte endlich wieder mit Joggen anfangen, oder ich darf mich bald neu einkleiden. Ich bin zwar nicht gerade dick, aber von einer Modelfigur weit entfernt. Besonders unter meinen großen Brüsten habe ich zu leiden. Manch eine Frau mag mich dafür beneiden, aber wenn alle Welt einem zuerst darauf starrt, ist das kein schönes Gefühl. Hinzu kommt mein draller Hintern … Gewiss falle ich nicht in das Beuteschema des Earls.

Himmel, was mache ich mir für Sorgen? Ich muss dem Mann nicht gefallen, nur meine Arbeit muss überzeugen. Davon abgesehen: Was sollte ein Adliger auch von einer einfachen Bürgerlichen wollen?

♡♡♡

Mr Harper kommt pünktlich; ich schnappe mir meine Handtasche, und er geleitet mich auf demselben Gang weiter. »Hier befinden sich übrigens die Wohnräume des Earls«, sagt er leise, als wir an der nächsten Tür vorbeigehen.

Sofort schießt mir Hitze ins Gesicht. Mein Herz klopft ohnehin aufgeregt genug. Warum weist mich der Butler darauf hin? Ich bin gewiss keine dieser Frauen, die sich an den reichsten Junggesellen Englands heranschmeißen wird. In Geld zu schwimmen wäre zwar schön, doch ich komme gut zurecht; meine Firma wirft genügend ab.

Mia, tadele ich mich, du hattest bereits Fantasien, die in diese Richtung gingen.

Mr Harper hat bestimmt keine Hintergedanken, sondern erklärt mir nur, wo welche Räume liegen …

Urplötzlich fällt mir ein, dass ich gar nicht weiß, wie ich den Earl ansprechen soll. Darüber habe ich mir keine Gedanken gemacht, weil ich immer nur mit Mr Harper telefoniert habe.

Wie ist das bei Adligen … Wie hat er in seinem Brief unterschrieben?

Er heißt Nathan Sterling und ist der Earl of Lindsay. »Mr Sterling« kommt dann wohl nicht in Frage. Mylord? Lord Lindsay?

Als ich mich beim Butler informieren möchte, stehen wir bereits vor einer weiteren Holztür. Er klopft an, ein kräftiges »Herein!« ertönt und meine Knie werden noch weicher.

»Ms Ferris, Sir«, sagt Mr Harper.

»Danke, Henry.«

So klingt also ein Earl. Die Stimme gefällt mir. Sie besitzt ein melodiöses Timbre.

Als der Butler mich hereinlässt und ich meinen Auftraggeber zum ersten Mal live sehe, gerät mein Herzschlag ins Stocken. In natura ist er noch viel attraktiver. Charmant lächelt er mich an, wobei ihm eine dicke Strähne seines schwarzen Haares in die Stirn fällt. Er streicht sie zurück und erhebt sich hinter seinem massiven Schreibtisch.

Mit ausgestreckter Hand kommt er auf mich zu. »Willkommen auf Sterling Castle, Ms Ferris. Ich freue mich sehr, dass Sie hier sind.«

Sein einnehmendes Lächeln geht mir durch und durch. Fasziniert starre ich ihn an, versuche jedes Detail seiner Ausstrahlung in mich aufzunehmen. Mein Blick fällt auf das winzige Grübchen in seinem Kinn, die einen Tick zu große, aber gerade Nase und die gepflegten Zähne.

Ich habe erwartet, den Earl in einem Anzug vorzufinden, eher steif – typisch adlig eben. Aber er trägt ein helles Hemd, das er ein Stück hochgekrempelt hat und gebräunte, leicht behaarte Unterarme entblößt, sowie eine Jeans. Sie steht ihm unverschämt gut und betont seine langen Beine.

»Lord Lindsay …«, bringe ich heiser hervor, ohne nachzudenken, ob ich den Earl nun korrekt anspreche.

Bitte, Mia, mach bloß keinen Fehler!

Als er meine Hand ergreift, überläuft mich ein Prickeln. Seine Rechte ist warm und groß, die Finger schlank. Der Earl überragt mich um einen Kopf, deshalb habe ich seinen Hals und den Ausschnitt des Hemdes vor Augen. Es steht einen Knopf zu weit offen und enthüllt ein Stück Männerbrust, nicht behaart. Ob er sich dort rasiert?

Hilfe, was habe ich plötzlich für Gedanken? Mir wird heiß und bestimmt leuchte ich wie eine rote Ampel.

»Bitte, nennen Sie mich Nathan.« Durchdringend schaut er mich an. »Wir werden für lange Zeit eng zusammenarbeiten.«

»Mia«, hauche ich und lasse seine Hand los. Danach räuspere ich mich, um den Frosch in meinem Hals zu verscheuchen. Wie unprofessionell ich mich benehme – unglaublich! »Ihre Burg ist faszinierend«, fahre ich fort. »Welche Räume sollen denn neu gestaltet werden?« Ich kann es kaum erwarten, meinen Arbeitsplatz zu sehen und der verwirrenden Ausstrahlung dieses Mannes zu entfliehen. Und wie er riecht! Er benutzt ein leicht rauchig-balsamisches Männerparfüm, von dem es mir ganz schwindlig wird. Oder setzt er diesen Duft als Waffe ein, um Frauen herumzubekommen? Kein Wunder, dass alle ihn anhimmeln, er besitzt definitiv das gewisse Etwas. Das kann sogar ich erkennen, obwohl ich nicht viel Erfahrung mit Männern habe.

»Zuvor bitte ich Sie, diesen Vertrag zu unterschreiben.« Er winkt mich zu seinem Tisch und holt ein Blatt aus der Schublade. Teures Papier, versehen mit dem Familienwappen, das mir auf einigen Schilden in der Halle bereits aufgefallen ist: eine Eiche, um die sich ein Drache windet.

Hastig überfliege ich das Schreiben. Es ist ein Geheimhaltungsvertrag, damit nichts über meine Arbeit nach außen dringt.

Mein Wort reicht ihm nicht, er möchte es schriftlich. Ich fühle mich ein wenig gekränkt. Ich bin ein Profi in meinem Job, und er kann auf meine Diskretion zählen, aber er kennt mich ja nicht.

»Noch können Sie gehen«, sagt er ruhig, »wobei ich es sehr schade fände, wenn Sie den Auftrag ablehnten.« Sein Blick trifft mich wie ein Wüstenwind, heiß und ungestüm. Wieso sieht er mich derart an? Als ob er mein Innerstes nach außen kehren möchte. Dabei betrachtet er mein Gesicht und nicht meine auffälligen Brüste, oder er versucht es wenigstens.

Aber es sind seine Worte, die mein Herz einen Satz machen lassen. Noch können Sie gehen …

»Sie verwickeln mich doch in nichts Illegales?« Möchte er mich bezirzen? Er flirtet mit mir, gewiss! Das macht mich beinahe wütend, weil er sein gutes Aussehen und seinen Charme als Waffe missbraucht. Bekommt er mit diesem verwegenen Piratenlächeln alles von seinen Weibchen?

Obwohl ich zugeben muss, dass mich der Earl ebenfalls schwach macht, möchte ich standhaft bleiben. So eine bin ich nicht!

Er schmunzelt. »Keine Angst, es ist nichts, das Ihnen zum Schaden gereicht. Ich möchte der Presse nur nicht noch mehr Klatsch liefern.«

Da stimme ich ihm nickend zu. Ein Mann, auf den die Öffentlichkeit ständig ein Auge hat, verdient genauso Privatsphäre.

»Weitere Fragen?« Seine Brauen heben sich und seine Mundwinkel zucken. Zarte Fältchen liegen darum, genau wie um seine sturmgrauen Augen. Der Earl ist ein Mann in den besten Jahren und entlockt mir beinahe ein Seufzen.

Noch weiß ich nicht, wie ich ihn einschätzen soll, aber er macht mich verdammt neugierig. Was soll die Presse nicht erfahren? Dass er auf Nippes und rosa Plüschmöbel steht?

Als ich nichts erwidere, fügt er hinzu: »Natürlich dürfen Sie sich in der Burg frei bewegen oder sie verlassen, um in die Stadt zu fahren. Allerdings brauchen Sie meinem Butler nur Bescheid zu geben, falls Sie etwas benötigen. Er kann Ihnen alles besorgen. Die nächste Ortschaft ist mehrere Meilen entfernt.«

Er möchte mich unbedingt. Warum gerade mich? Wieso hat er niemanden aus der Gegend beauftragt? Aber die Frage kann ich selbst beantworten: Weil ich England in einem Monat wieder verlassen werde und hier niemanden kenne, dem ich mögliche Geheimnisse weitererzählen könnte.

Bis auf meine Tante. Ob er weiß, dass ich in Birmingham geboren und aufgewachsen bin?

Mutig setze ich meine Unterschrift neben seinen Namen. Mia Ferris. Er hat nur mit Nathan Sterling unterschrieben. Beinahe komme ich mir vor, als würde ich einen Ehevertrag unterzeichnen.

Während ich mich über den Tisch beuge, bemerke ich aus den Augenwinkeln, wie der Earl mich erneut mustert. Diesmal gleitet sein Blick ungeniert über meine Kurven. Macht er das bei allen Frauen? Ich komme mir wie ein Ausstellungsstück vor.

Hitze durchströmt mich vom Scheitel bis zu den Zehenspitzen, während er um mich herumgeht. Starrt er mir auf den Hintern?

Als plötzlich der Riemen meiner Handtasche von der Schulter gleitet, streckt er blitzschnell den Arm aus und schiebt den Träger wieder zurück an seinen Platz. Dabei spüre ich seine Berührung durch meine Bluse wie einen Stromschlag.

Sofort richte ich mich auf und übergebe ihm das Schreiben. »Wir sind im Geschäft.«

Der Earl … Nathan … lächelt so breit, dass seine hellen Zähne aufblitzen. Für einen Moment kommt der Junge in ihm durch; er wirkt erleichtert und beinahe schelmisch, als würde er etwas aushecken. Er verstaut das Schriftstück in seiner Schublade. Mit einem weiteren Handschlag besiegeln wir unsere Geschäftsbeziehung, wobei er raunt: »Ich freue mich auf unsere Zusammenarbeit.«

»Ich mich auch«, erwidere ich und grinse ihn unsicher an. Jetzt wird es ernst. »Aber nun bin ich wirklich neugierig zu erfahren, welche Räume ich umgestalten soll.«

»Meine Spielzimmer. Kommen Sie, ich zeige sie Ihnen.«

Spielzimmer?

Während ich sein Büro verlasse, stellt sich eine gewisse Enttäuschung bei mir ein. Ich hatte gehofft, prunkvolle Räume in der Burg neu zu gestalten. Einen repräsentativen Salon, sein Arbeitszimmer, die Bibliothek … Aber egal, er bezahlt mich ausgezeichnet – ich würde ihm sogar neue Toiletten entwerfen. Mein Gehirn läuft auf Hochtouren.

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