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Wie schreibt man wissenschaftliche Arbeiten?

Checkliste

Äußere Form

  Titelblatt, Inhalts- und Literaturverzeichnis vollständig?

  Zitate richtig gekennzeichnet?

  Textmarkierungen und Formatierungen einheitlich?

Darstellung des Themas

  Relevantes Material ausgewertet?

  Begriffe geklärt?

  Fragestellung formuliert und berücksichtigt?

Strukturierung

  Thematische Ordnung nachvollziehbar?

  Proportionen der Teile angemessen?

  Einleitung und Schluss aufeinander abgestimmt?

Perspektive

  Fokus auf Thema bezogen?

  Darstellungsart sachlich-neutral?

  Aussagen auf die Beantwortung der Fragestellung ausgerichtet?

Argumentation

  Gedankengänge nachvollziehbar?

  Absätze/Abschnitte zweckmäßig?

  Zitate sinnvoll eingesetzt und eingebunden?

Sprachliche Gestaltung

  Ausdruck flüssig? Wortwahl angemessen?

  Formulierungen verständlich? Bezüge klar?

  Fachsprache adäquat verwendet?

Korrektheit

  Wortbedeutung

  Grammatik

  Rechtschreibung/Zeichensetzung

INHALT

SCHREIBEN IM STUDIUM

Wissenschaftlich Schreiben

Wissenschaftliches Arbeiten

Sieben Etappen wissenschaftlichen Schreibens

Mitschrift, Referat und schriftliche Arbeit

Die Mitschrift

Das Referat

Die Hausarbeit

Weitere Textsorten

Die Abschlussarbeit

Die Bachelorarbeit

Die Masterarbeit

Ausblick: die Dissertation

ETAPPE 1: THEMA UND TEXT EINORDNEN

Der Zugang zum Thema

Die Art der Arbeit

Die Literaturarbeit

Die Forschungsarbeit

Die Arbeit im Praxisbezug

Das Thema formulieren

Das Zeitmanagement

Literatur recherchieren

Orientierendes Lesen

Die Überblicksrecherche

Ein Logbuch führen

ETAPPE 2: DEN TEXT VORBEREITEN

Literatur auswerten

Bibliografieren

Bibliothekskataloge und Datenbanken

Effektiv lesen

Drei Formen des Lesens

Strategien des Lesens: Wann welcher Text?

Strategien des Lesens: Wann worauf achten?

Fokussierte Exzerpte schreiben

ETAPPE 3: DAS MATERIAL ORDNEN

Zusammenhänge darstellen

Das Denken visualisieren: die Mindmap

Das Thema eingrenzen

Die Frage formulieren

Die Struktur erarbeiten

Das Layout gestalten

Das Seitenlayout

Ein Layoutvorschlag

Funktionen des Textverarbeitungsprogramms

Das Exposé

ETAPPE 4: DEN TEXT PLANEN

Logisch gliedern

Das chronologische Prinzip

Das stoffliche Prinzip

Das argumentative Prinzip

Das IMRaD-Schema

Nachvollziehbar argumentieren

Argumentationsmuster

Typen von Argumenten

Sinnvoll und richtig zitieren

Sinnvoll zitieren: Funktionen

Richtig zitieren: Regeln

ETAPPE 5: DEN TEXT ERARBEITEN

Die Rohfassung erarbeiten

Den Text aufbauen

Zwischen Sach- und Theorieebene vermitteln

Sachbezogen schreiben

Für Leser/-innen schreiben

Den richtigen Ton treffen

Verständlich formulieren

Flüssig schreiben

Schreibstrategien einsetzen

Schreibzeit effektiv nutzen

So schreibt man wissenschaftliche Arbeiten

ETAPPE 6: DEN TEXT ÜBERARBEITEN

Die Rohfassung überarbeiten

Der erste Blick: das Textganze

Der zweite Blick: der Inhalt

Der dritte Blick: die Formulierung

ETAPPE 7: DEN TEXT FERTIGSTELLEN

Korrektur lesen

Der erste Blick: Ist der Text vollständig?

Der zweite Blick: Ist der Text einheitlich strukturiert?

Der dritte Blick: Ist der Text sprachlich korrekt?

Abkürzungen

Tipps zum Tippen

Register

Schreiben im Studium

 

Was ist und was leistet wissenschaftliches Arbeiten? Worauf ist zu achten? Und: Gibt es ein besonderes wissenschaftliches Schreiben? Fragen wie diese stellen sich, wenn Sie zu einem fachbezogenen Thema eine wissenschaftliche Arbeit schreiben wollen. Im ersten Kapitel finden Sie Antworten darauf.

 

Vielleicht haben Sie bereits eine Haus-, Seminar- oder Facharbeit verfasst und festgestellt, dass Ihnen diese Aufgabe einiges abverlangt hat, womit Sie nicht gerechnet haben? Vielleicht fehlt Ihnen aber auch nur die Erfahrung des Schreibens längerer Texte und Sie möchten eine Vorstellung davon gewinnen, was auf Sie zukommt? Wichtig ist es, die nötigen Vorarbeiten in der richtigen Reihenfolge zu erledigen.

WISSENSCHAFTLICH SCHREIBEN

Schreiben begleitet das wissenschaftliche Studium in allen Fächern, in den Sciences (Natur-, Human- und Ingenieurwissenschaften) wie in den Arts (Geistes-, Kultur- und Sozialwissenschaften). In Ihrem Studium werden Sie fachspezifische Unterschiede in Lernstilen, in Methoden und in Texten bemerken und feststellen, dass das Ihnen aus der Schulzeit gewohnte Auf-einen-Rutsch-Schreiben für wissenschaftliche Arbeiten kaum geeignet ist. Wissenschaftliches Schreiben zielt darauf, wissenschaftliche Erkenntnisse einzuordnen, sie nachzuvollziehen und weiterzudenken. Dies erfordert ein Zusammenspiel von Informations-, Text-, Lese- und Schreibkompetenz. Die schriftliche Arbeit als Übungs- oder Prüfungsform dient nicht dazu, Informationen oder auswendig gelerntes Wissen zu reproduzieren, sondern dazu, Erkenntnisse zu vernetzen und eigenständiges Denken zu lernen. Vorbild für die schriftliche Hausarbeit ist der wissenschaftliche Aufsatz.

Wissenschaftliche Texte zeigen bereits in ihrem äußeren Erscheinungsbild, dass ihnen eine gründliche gedankliche und handwerkliche Arbeit zugrunde liegt: Zitate, Tabellen, Abbildungen, Diagramme und Verzeichnisse belegen dies. Vergleicht man wissenschaftliche Aufsätze verschiedener Fächer, wird deutlich, dass es unterschiedliche Traditionen und Konventionen des Textaufbaus sowie der Kennzeichnung und des Umgangs mit Zitaten gibt. Verbindend aber ist: Wissenschaftliche Texte sind Teil der Wissenschaft. Sie verarbeiten wissenschaftliche Erkenntnisse anderer, indem sie diese wiedergeben, zueinander in Beziehung setzen, kommentieren und zur Grundlage eigener Überlegungen machen.

Es geht den Autoren wissenschaftlicher Texte also nicht darum, zu zeigen, dass sie etwas wissen, sondern darum, nachvollziehbar zu machen, wie sie zu diesem Wissen gelangt sind und was sie darüber denken. Wenn Texte publiziert, gelesen und zitiert und so zum Anknüpfungspunkt für neue Erkenntnisse werden können, werden sie Teil der Wissenschaft.

Im Studium üben Sie die für Texte dieser Art notwendigen Strategien des Schreibens mithilfe kleinerer Schreibaufgaben – in der Regel in mehreren Fächern. Sie erfahren, wie verschieden wissenschaftliche Themen in den Fächern auf wissenschaftliche Weise so behandelt werden, dass interessierte Leser mitdenken können. Wenn Sie wissenschaftliche Aufsätze in Fachzeitschriften lesen, können Sie ohne Vorkenntnisse nicht auf Anhieb erkennen, dass wissenschaftliches Schreiben auf Nachvollziehbarkeit und Transparenz zielt. Auch werden Sie nicht beobachten können, dass die Texte erläutern, wie Erkenntnisse entstanden sind.

In Ihren ersten Semestern arbeiten Sie mit Lehrbüchern, die Ihnen die nötigen Vorkenntnisse vermitteln wollen. Sie dienen aber nicht als Vorbild für Ihre wissenschaftliche Arbeit. Denn eine wissenschaftliche Arbeit ist grundverschieden vom Lehrbuch, das Fachwissen dokumentieren will. Sie soll zeigen, dass (und wie) die Verfasserin bzw. der Verfasser

  • sich Wissen verschafft hat,

  • die Forschungslage kennt,

  • mit Blick auf ein bestimmtes fachliches Erkenntnisinteresse Texte anderer verarbeitet hat,

  • vom Gegenstand und vom Ergebnis der Untersuchung her denkt.

Wissenschaftliches Arbeiten

Wer eine wissenschaftliche Arbeit im Anschluss an eigene Beobachtungen oder Untersuchungen verfasst, kann auf die eigenen Notizen, Mess- oder Beobachtungsprotokolle, Berichte oder ein Laborbuch zurückgreifen. Schreibaufgabe ist es, in der wissenschaftlichen Arbeit die ermittelten Ergebnisse darzustellen und Bezüge zu anderen wissenschaftlichen Arbeiten herzustellen, um die selbst erhobenen Daten in den Kontext der Forschung einzubinden.

Wer eine wissenschaftliche Arbeit im Anschluss an die Lektüre wissenschaftlicher Texte verfassen will, hat die Aufgabe, das Gelesene nachzuvollziehen, mit Blick auf ein bestimmtes Erkenntnisinteresse weiterzudenken und dabei die Grenze zwischen fremden und eigenen Überlegungen nicht zu verwischen. Ein Blick auf eigene Texte, die die gedankliche Arbeit begleiten (Logbuch, Bibliografie, Exzerpte), dürfte Klarheit schaffen: Dort sollten sich in aller Regel eigene Gedanken finden lassen – nicht zuletzt als gedanklicher Bezug zwischen den Erkenntnissen aus verschiedenen Texten. Und daraus entstehen neue Ordnungen.

So oder so – wenn Sie das wissenschaftliche Schreiben ernst nehmen und sich darauf einlassen, werden Sie die Erfahrung machen, dass Sie sich jeden Text »erschreiben« müssen, dass Sie, wenn Sie Zeit und Konzentration investieren, nicht nur nach-, sondern mit-, weiter-, aber auch umdenken und dabei Erkenntnisse produzieren können, dass also Ihr Text tatsächlich Ihr eigener Text ist. Es liegt in der Natur des wissenschaftlichen Schreibens, dass Sie, wenn Sie mehr Zeit investieren würden, weitere Texte einbeziehen könnten, dass Sie hinzulernen und andere Darstellungen bevorzugen oder die gewählten inhaltlich anders absichern würden.

Jeder wissenschaftliche Text versteht sich als ein Beitrag zum Diskurs innerhalb des betreffenden Fachs (bei verschrifteten Referaten lässt sich dies beobachten). Das bedeutet: Wissenschaft ist als Gemeinschaftsarbeit auf Interaktion, auf Austausch und Zusammenarbeit angelegt. Daher ist ein Beitrag auch nicht die Dokumentation des Wissensstands der Person, die ihn verfasst hat, sondern ein Beleg wissenschaftlicher Lese-, Denk- und Forschungsarbeit im Sinne der und für die Gemeinschaft. Wissenschaftliches Wissen ist somit nicht als Ergebnis und Antwort, sondern als Entwicklung und Frage aufzufassen. Wissenschaft kommt nicht ohne Diskurs, ohne Austausch, Zweifel, Kritik und Argumentation aus. Jeder Text ist als Beitrag zum Diskurs eine Momentaufnahme, denn er wird in einem begrenzten Zeitraum erarbeitet und kann daher unmöglich das gesamte verfügbare Wissen bzw. alle lesbaren Texte zu einem Themenbereich berücksichtigen.

Beispiel Maike Hirt studiert für das Lehramt und steht vor der Bachelorarbeit. Im Verlauf ihres Studiums hat sie mehrere Hausarbeiten geschrieben; die Anforderungen waren immer andere – schon bezogen auf den Umfang (22 000 Zeichen, 33 000 Zeichen, zehn Seiten und 3000 bis 3500 Wörter). Auch bezogen auf das Zitieren und das Literaturverzeichnis hat sie unterschiedliche Formen kennengelernt: das Harvard-System und die deutsche Zitierweise. Immer aber wurde ihr gesagt, dass nicht die Form das Wichtige beim wissenschaftlichen Arbeiten sei, sondern die auf ein Erkenntnisinteresse hin formulierte Frage. Eine im vorgegebenen Rahmen bearbeitbare Fragestellung zu formulieren, das versteht sie jetzt als ihre wichtigste Aufgabe. Sie bereitet sich vor, um sich in einem Sprechstundengespräch beraten zu lassen.

Wenn Sie also mit dem Schreiben beginnen wollen, sollten Sie zunächst die Anforderungen der Schreibaufgabe (Textsorte und Umfang des Textes) und die Struktur des Textinhalts klären – also mit konzeptionellen Überlegungen beginnen. Wird ein gewisser Seitenumfang gefordert, sollten Sie klären, ob (und wie) Zusätze wie ein Anhang mitzählen. Je klarer Ihre Vorstellung von der Funktion, vom Aufbau und vom Inhalt des Textes ist, desto leichter wird es Ihnen fallen, ihn zu schreiben.

Tipp

Machen Sie sich das Ziel Ihres Schreibens klar!

Wissenschaftlich schreiben heißt, eine beobachtende Perspektive einnehmen, Informationen nicht einfach weitergeben, sondern Zusammenhänge berücksichtigen. Für wissenschaftliche Arbeiten, aber auch für Referate und andere Texte, die Sie während Ihres Studiums anfertigen, sollten Sie die notwendigen Schritte planen und sich das Ziel (den zu schreibenden Text) deutlich vor Augen führen.

Bis aus einer ersten Idee ein Text (eine Hausarbeit) geworden ist, sind zahlreiche Arbeitsschritte nötig. Im Folgenden wird der Weg zur wissenschaftlichen Arbeit als Etappenstrecke beschrieben. Diese Darstellung will Sie dazu auffordern, sich Etappenziele zu stecken und Ihre Arbeit Etappe für Etappe voranzubringen.

Sieben Etappen wissenschaftlichen Schreibens

Erst denken, dann schreiben – das sind zwei Etappen, den Text vor der Abgabe lesen und überarbeiten, bilden eine dritte. Weitere Etappen ergeben sich, wenn man weiter differenziert und die Vorüberlegungen sowie die Rahmenbedingungen einbezieht, die Inhalte und thematische Zusammenhänge sowie die Textgliederung und die Textgestaltung. So lassen sich insgesamt sieben Etappen unterscheiden. Idealerweise schließt man eine Etappe ab, bevor man die nächste beginnt. Bei umfangreichen Texten wie Seminar- und Abschlussarbeiten empfiehlt es sich jedoch, rekursiv vorzugehen und die einzelnen Etappen beispielsweise Kapitel für Kapitel zu durchlaufen.

Etappe 1: Thema und Text einordnen – sich orientieren

Bevor Sie mit dem Schreiben beginnen, müssen Sie sich einen Überblick verschaffen, damit Sie entscheiden können, wie Sie Ihr Schreibvorhaben angehen wollen. Sie sollten sich Umfang und Ziel sowie das Thema des zu schreibenden Textes klarmachen: Verschaffen Sie sich lesend einen Überblick: Worum geht es? Was ist das Wesentliche?

Aus welcher Perspektive ist es zu bearbeiten? Wie? Ist eine bestimmte Methode anzuwenden? Wie viel Zeit steht zur Verfügung? Welche Vorgaben gelten für den zu verfassenden Text?

Etappe 2: den Text vorbereiten – recherchieren und exzerpieren

Sie wissen nun, was zu Ihrem Thema gehört (und was nicht), haben in der Sprechstunde das Erkenntnisinteresse Ihrer Arbeit und Ihre wissenschaftliche Frage festgelegt und können daher gezielt mit einer intensiven Sammel-, Sortier- und Lesephase beginnen, die Sie schreibend mithilfe von fokussierten Exzerpten begleiten. Je nach Umfang des zu verfassenden Textes gehen Sie hierbei kapitelweise vor.

Etappe 3: das Material ordnen – strukturieren

Da Sie auf dem durch die Vorgaben der Lehrenden, des Fachs bzw. der Prüfungsordnung klar begrenzten Raum nicht alles, was Sie zum Thema herausgefunden haben, weiterverarbeiten können, gilt es nun, ein-, um- und vermutlich auch auszusortieren. Führen Sie sich für Ihre weitere Arbeit die zentralen Begriffe vor Augen: Werden sie in allen hinzuzuziehenden Texten gleich verwendet oder sind unterschiedliche Auffassungen zu berücksichtigen? Planen Sie einen groben Textaufbau, um beim Schreiben den idealen Umfang der Kapitel berücksichtigen zu können.

Etappe 4: den Text planen – argumentieren und gliedern

Nachdem Sie nun die Struktur Ihres Textes vor Augen haben, können Sie den roten Faden bestimmen: Nicht selten gibt es mehrere Möglichkeiten, komplex vernetzte logische Zusammenhänge in einer linearen Folge anzuordnen; spielen Sie sie gedanklich durch. Auch die Art, wie Sie Erkenntnisse darstellen (Einbindung wörtlicher oder sinngemäßer Zitate, von Daten und Abbildungen) sollten Sie sich bewusst machen.

Etappe 5: den Text erarbeiten – schreiben und formulieren

Nun haben Sie sich sowohl den Textinhalt als auch einen Plan für den Textverlauf erarbeitet. Auf dieser Grundlage sollten Sie eine Rohfassung schreiben. Formulieren Sie für jedes Kapitel eine Frage (die sich auf die Frage der gesamten Arbeit bezieht) und beantworten Sie diese (eventuell in mehreren Schritten). Dabei können Sie auf fokussierte Exzerpte zurückgreifen, die Sie in Etappe 2 angefertigt haben, um Leseergebnisse zu sichern.

Etappe 6: den Text überarbeiten – edieren

Jetzt müssen Sie versuchen, Ihren Text mit den Augen eines kritischen Herausgebers oder einer kritischen Herausgeberin (englisch: editor) zu betrachten, der bzw. die der Öffentlichkeit gegenüber die Verantwortung für den Text übernimmt und den Text ediert (herausgibt): Prüfen Sie Ihren Text nun in Bezug auf Relevanz und inhaltliche Geschlossenheit. Achten Sie darauf, dass die Abfolge der Inhalte, Überlegungen und Begründungen nachvollziehbar ist. Jetzt ist auch die Gelegenheit, am sprachlichen Ausdruck zu arbeiten, Wortwiederholungen zu beseitigen, Schachtelsätze zu entzerren und nach dem treffenden Wort zu suchen.

Etappe 7: den Text fertigstellen – korrigieren

Abschließend gilt es, die sprachliche und formale Richtigkeit in den Blick zu nehmen: Richten Sie Ihre Aufmerksamkeit auf Rechtschreibung, Zeichensetzung, Grammatik und Umsetzung der formalen Vorgaben und Einheitlichkeit im Layout. Prüfen Sie in einem ersten Korrekturdurchgang Zitate und Belege sowie das Literaturverzeichnis auf Vollständigkeit (in beide Richtungen: Sind alle im Literaturverzeichnis angegebenen Texte zitiert? Sind alle zitierten Texte im Literaturverzeichnis angegeben?), lesen Sie dann mit Blick auf Rechtschreibung und Zeichensetzung und ein drittes Mal mit Blick auf die Formatierung.

MITSCHRIFT, REFERAT UND SCHRIFTLICHE ARBEIT

Was wird mit der Seminar- oder der Abschlussarbeit von mir verlangt? – Um diese Frage zu beantworten, sollten Sie die Schreibaufgabe »wissenschaftliche Arbeit« im Studium mit anderen schriftlichen Studienleistungen bzw. Schreibaufgaben vergleichen, die Sie bereits aus dem Schulalltag kennen und im Hochschulschalltag neu kennenlernen.

Die Mitschrift

In der Schule müssen die Schüler und Schülerinnen nicht selten das Tafelbild abschreiben bzw. abzeichnen. An der Hochschule wird von Ihnen verlangt, dass Sie das Wichtigste sowohl aus dem mündlichen Vortrag als auch aus der schriftlichen oder aus der visualisierten Darstellung mitschreiben – und selbstständig entscheiden (lernen), was das Wichtige ist. Es ist unmöglich, alles Gesagte zu notieren – von den mehr als 120 in einer Minute gesprochenen Wörtern lassen sich etwa 30 aufschreiben. Man muss also auswählen und lernt dadurch, den roten Faden des Gesagten nachzuvollziehen.

Die Mitschrift dient dazu, das Gesagte festzuhalten und das Mitdenken in der Vorlesung und im Seminar zu unterstützen. Sie ist grundsätzlich aber immer auch eine persönliche Annäherung an den Stoff, die vom Kenntnisstand des bzw. der Mitschreibenden geprägt ist: Erste Mitschriften zu einem Themengebiet fallen umfangreicher aus als später folgende. Dennoch sind zwei, drei Stichworte eher Notizen als Mitschriften. Auch wer meint, im Thema zu Hause zu sein, sollte sich bemühen, den Gedankengang des Vortrags nachzuvollziehen und in seiner Struktur zu erfassen.

Außerdem ist es sinnvoll, wichtige Definitionen, Namen und zentrale Fakten festzuhalten. Hinweise des Dozenten und Fragen zum Stoff sollten ergänzt werden – so kann die Mitschrift zum Instrument des Lernens werden: Legt man sie neben ein Lehrbuch, zeigt die vergleichende Lektüre das Gelernte im Verhältnis zu einem möglichen Lernpensum. Sie bildet nicht allgemeines Lehrbuchwissen, sondern den konkreten Seminardiskurs ab. Insoweit soll die Mitschrift das Wesentliche erfassen und den roten Faden abbilden: Sie soll festhalten, was in einer Vorlesung oder einem Seminar in welchen Schritten erarbeitet wurde – eine Mitschrift übernimmt in erster Linie eine Darstellungsfunktion; sie bildet ab.

Tipp

Mitschreiben und Mitdenken

Effektives Mitschreiben trainiert Schreib- und Textkompetenzen, die für das Schreiben wissenschaftlicher Arbeiten wesentlich sind: so zum Beispiel das bewusste Nachvollziehen eines Gedankengangs. Mitschreiben ist nicht abschreiben, deshalb dürfen Sie auslassen und/oder ergänzen. Damit Ihre Mitschrift ein sinnvolles Arbeitsinstrument wird, sollten Sie Fachbegriffe, Literaturhinweise, Namen und Daten festhalten sowie Ihre Fragen und eigene Gedanken notieren (weiterdenken). So können Sie später (etwa bei der Klausurvorbereitung oder der Planung einer schriftlichen Arbeit) mithilfe Ihrer Mitschrift zielgerichtet nach ergänzenden Informationen recherchieren.

Wer mitschreibt, unterstützt sich selbst beim Merken, Lernen, Denken und bildet somit eine Basis für das Verstehen. Wer mitschreibt, verhindert das gedankliche Abschweifen, lässt sich das Gehörte durch den Kopf gehen und trainiert das Mitdenken durch die Konzentration auf das Wesentliche, bildet das Gehörte nicht eins zu eins ab, sondern kürzt und ergänzt bei Bedarf und versucht vor allem, die Struktur des Gesagten, den roten Faden, zu erfassen.

Die Mitschrift verfassen Sie zwar in erster Linie für sich selbst und nicht unbedingt zum Weitergeben, dennoch sollten Sie sie lesbar und übersichtlich gestalten. Nur dann können Sie sie sinnvoll nutzen, wenn Sie später darauf zurückgreifen. Das erreichen Sie am zuverlässigsten, wenn Sie

  • pro Seminarsitzung oder Vorlesungseinheit nicht mehr als eine bis zwei Seiten notieren;

  • den Mitschriften eine feste Form geben (neue Vorlesung – neue Seite, Kopf mit Datum und Seminartitel, rechts ausreichend Rand für nachträgliche Notizen, festes Repertoire verwendeter Markierungen, Abkürzungen und Hilfszeichen);

  • nicht sofort schreiben, sondern zunächst mitdenken und eine Aussage identifizieren und erst dann schreiben, wenn Ihnen Sinn, Thema und Aussage klar sind;

  • versuchen, die Struktur des Vortrags vollständig zu erfassen – also auch Teilthemen mitnotieren, die bereits bekannt sind;

  • Pausen nutzen, um Stichworte zu ergänzen.

Das Referat

Wenn Sie ein Referat übernehmen, sind Literatur und Arbeitszeitraum in der Regel festgelegt, das heißt, das Themengebiet ist stark eingegrenzt, Sie können sich nicht so leicht verzetteln. Ihre Aufgabe ist es, das Gelesene zu reformulieren, die Informationen aufzubereiten, um die Zuhörerschaft über wesentliche Zusammenhänge in einem Fachgebiet zu informieren. Weniger wichtig ist das wörtliche Zitat und das vergleichende Weiterdenken verschiedener Positionen.

Das Referat ist also in der Regel ein kurzer Vortrag, der die wichtigsten Fakten und Forschungsergebnisse zu einem Thema zusammenfasst. Vorbereitet wird er durch die Bearbeitung von (vorgegebenen) Materialien, deren Umfang in der Regel überschaubar ist. Dabei heißt es zielgerichtet lesen, um diejenigen Informationen zu ermitteln, die zentral sind. Das Referat ist ein Arbeitsinstrument für die Gruppe: Die Zuhörenden erhalten Informationen, die idealerweise durch Beispiele, Grafiken oder Fotos verständlich aufbereitet wurden, sodass sie mitdenken und im Anschluss diskutieren können.

Der Referatsvortrag

Gute Referate sind weder Erzählungen darüber, wie man sich das Thema erarbeitet hat, noch Berichte über das, was man zum Thema weiß, sondern Argumentationen mit einem bestimmten Ziel: nämlich die Zuhörenden in einer ihrem Vorwissen angemessenen Form in Kenntnis zu setzen, ihnen neues Wissen zu vermitteln und sie zum Mitdenken anzuregen. Referieren trainiert die Fähigkeit, Inhalte auszuwählen und angemessen zu portionieren, das heißt, das zum Thema angeeignete Wissen so aufzubereiten, dass die Zuhörer Schritt für Schritt folgen können. Wenn es sich anbietet, dann dürfen in der Einleitung und/oder im Schluss Bezüge zum bereits Erarbeiteten hergestellt werden; das ist jedoch nicht Pflicht.

Nutzen Sie die Vorteile des Schreibens auch für Ihren Referatsvortrag: Indem Sie Ihr Referat schriftlich ausformulieren, sind Sie zu einem hohem Maß an Gründlichkeit und Konzentration gezwungen – Sie werden mit dem Stoff intensiver vertraut, Sie gewinnen dadurch an Sicherheit, und Sie werden beim Schreiben feststellen, ob die Argumentation verständlich und geschlossen ist. Ist sie es nicht, gehen Sie sie erneut durch und ändern Sie sie.

Definieren Sie die zentralen Begriffe und binden Sie, wo sinnvoll, Beispiele und visualisiertes Anschauungsmaterial ein. Um die Argumentationsschritte zu vermitteln, können Sie sie jeweils mit einer Frage einleiten, die sie anschließend mit Ihren Ausführungen beantworten.

Aber: Lesen Sie Ihr schriftlich ausgearbeitetes Referat oder Ihre Präsentation nicht einfach vor. Das ermüdet die Zuhörenden und senkt ihre Aufmerksamkeit. Mündliche Rede und schriftliche Ausarbeitung folgen unterschiedlichen Gesetzmäßigkeiten. Für den mündlichen Vortrag bereiten Sie sich am besten Karten vor mit Stichworten, die Sie wie ein roter Faden leiten.

Erleichtern Sie den Zuhörenden das Mitdenken: Bauen Sie Wiederholungen ein, erwähnen Sie Wichtiges in anderen Worten noch einmal oder verweisen Sie zurück auf etwas, was schon Erwähnung fand. So machen Sie den Zuhörenden Zusammenhänge und Bezüge deutlich.

Checkliste

Referatsvortrag

  Arbeiten Sie Ihr Referat schriftlich aus, um gründlich vorbereitet zu sein, und geben Sie vorab einen Überblick über die Gliederung.

  Definieren Sie die zentralen Begriffe.

  Binden Sie, wo sinnvoll, Beispiele und Anschauungsmaterial ein.

  Vielleicht stellen Sie jedem Argumentationsschritt eine Frage voran, die Sie dann mit Ihren Ausführungen beantworten.

  Lesen Sie Ihren Vortrag nicht ab.

  Arbeiten Sie bewusst mit Wiederholungen.

Das schriftlich ausgearbeitete Referat

Das schriftlich ausgearbeitete Referat ist etwas anderes als ein Manuskript zum Vortrag oder eine ausführliche Abschrift der Präsentation. Wenn Ihre Hausarbeit eine Ausarbeitung zu einem Referat darstellt, wurde Ihnen das Thema vorgegeben. Soll die schriftliche Arbeit vorgelegt werden, bevor Sie das Referat halten, ist die Vorgehensweise eine andere, als wenn Sie sie danach ausarbeiten können.

Im ersten Fall dient der Text (das Manuskript) dazu, den Vortrag gründlich vorzubereiten. Es kann sein, dass Ihnen sowohl das Referatsthema als auch der Text (oder auch mehrere Texte) auf die Sie sich beziehen sollen, genannt oder auch zur Verfügung gestellt werden. Ihre Aufgabe ist es nun, das Thema in den Forschungs- und den Seminarkontext einzuordnen, das vorgegebene Material zu portionieren und die Hauptaussagen sowie zentrale, den Zuhörern vermutlich unbekannte Fachbegriffe zu erläutern. Ihr Text ist Ergebnis eines Denkprozesses.

Im zweiten Fall haben Sie dieselben Vorbereitungen angestellt und vielleicht – obwohl nicht verlangt – einen ausformulierten Manuskripttext vorbereitet. Sie sind eingearbeitet, haben den Referatsvortrag gehalten und wissen aus der anschließenden Diskussion, was für die Zuhörenden gut verständlich war und was nicht. Idealerweise haben Sie in der Diskussion mitgeschrieben und besitzen dadurch einige Hinweise, ob und wie Sie Ihre Perspektive neu ausrichten sollten. Sie könnten nun gezielt nachrecherchieren, um Argumentationsweisen des wissenschaftlichen Diskurses einzubeziehen. Am nachträglich verschriftlichten Referat zeigt sich deutlich, dass wissenschaftliches Denken Gemeinschaftsarbeit ist: Den Arbeitsschritten Verstehen und Formulieren (und dabei Erläutern, Veranschaulichen, Belegen) folgt das Diskutieren (und dabei mit Erkenntnissen anderer vernetzen und andere Perspektiven berücksichtigen) und schließlich das Neu-Verstehen und -Formulieren.

Die Hausarbeit

Ziel Ihrer Hausarbeit (Seminararbeit) ist es, aus einer angemessenen Perspektive auf den Gegenstand zu fokussieren und Ihre Erkenntnisse aus der Lektüre von Fachliteratur nachvollziehbar aufzubereiten. Dazu ist ein Themengebiet einzukreisen, auf ein Thema zu reduzieren, die Forschungslage zu sichten und die passendste Literatur auszuwählen. Darüber hinaus sind zu einem Thema unterschiedliche Positionen oder Quellen nicht nur zusammen- und darzustellen, sondern auch nachvollziehbar in den Text einzuarbeiten. Beim Verfassen einer Hausarbeit brauchen Sie nicht nur eine beobachtende, objektivneutrale Haltung gegenüber dem Untersuchungsgegenstand, sondern auch eine abwägende Haltung gegenüber den Positionen anderer, und vor allem eine über allem stehende Frage, die das Erkenntnisinteresse zum Ausdruck bringt.

Mit einer schriftlichen Hausarbeit als Prüfungsleistung sollen Sie zeigen, dass Sie das wissenschaftliche Arbeiten in einem bestimmten Fach beherrschen, das heißt, dass Sie ein Thema den Erfordernissen des Fachs entsprechend inhaltlich, formal und argumentativ angemessen erörtern, also sach- und fachbezogen vertieft darstellen können.

Die Arbeit dient dem Nachweis dreier Kompetenzen:

1. ein Thema zu erarbeiten und einzugrenzen sowie eine Frage zu formulieren,

2. die entsprechende wissenschaftliche Literatur zu recherchieren und auszuwerten,

3. einen Text zu verfassen, der für interessierte Leser/-innen aus dem Fach nachvollziehbar ist.

Mit einer Hausarbeit sollen Sie Ihren Lesern und Leserinnen ein anschauliches Bild eines Gegenstands bzw. Sachverhalts einerseits und der wissenschaftlichen Forschung dazu andererseits vermitteln. Lassen Sie ihre Leser/-innen an ihren beim Lesen wissenschaftlicher Arbeiten zum Thema gewonnenen Erkenntnissen teilhaben. Sie sind zwar aller Wahrscheinlichkeit nicht in Ihr Thema eingearbeitet, aber sie sind vom Fach; gängige Fachbegriffe brauchen Sie also nicht zu erklären. Entfalten Sie Ihr Thema und definieren Sie nur diejenigen Begriffe, die in Ihrem Fach unterschiedlich verwendet werden, also umstritten sind. Sie sollten keine eigenen Definitionen entwickeln, sondern auf bekannte Definitionen zurückgreifen, die Sie zitieren, um die Grundlage ihrer Arbeit nachvollziehbar zu machen.

Orientieren Sie sich an Ihrem Erkenntnisinteresse und Ihrer Fragestellung und antworten Sie schrittweise auf alle ihre Aspekte, indem Sie nachvollziehbar für die Leser/-innen auf wissenschaftliche Arbeiten anderer Bezug nehmen. Kein anderer betrachtet das Thema genauso wie Sie mit Ihrem Vorwissen und Ihrem Erkenntnisinteresse. Kein anderer wählt die hinzuzuziehende Literatur genauso wie Sie und bezieht sich auf genau dieselben Stellen. Das genau macht das Wissenschaftliche einer Arbeit aus: dass die eigene Frage, das eigene Erkenntnisinteresse zu Texten und Erkenntnissen anderer in Bezug gesetzt werden. Also ist nicht jeder Satz Ihrer Arbeit ein Zitat.

Die Hausarbeit berücksichtigt die allgemeinen Merkmale des wissenschaftlichen Arbeitens: Sachbezogenheit, Nachvollziehbarkeit und Nachprüfbarkeit. Die auf der Basis einer wissenschaftlichen Frage ausgewählten und auf diese hin kommentierten wissenschaftlichen Erkenntnisse anderer müssen so gekennzeichnet sein, dass sie von den Lesern und Leserinnen nachvollzogen werden können. Auch das ist ein wesentliches Merkmal von Wissenschaftlichkeit, das den Kennzeichnungskonventionen für Belege und Zitate in wissenschaftlichen

Tipp

Der Zeitschriftenaufsatz als Vorbild

Machen Sie sich Folgendes klar: Als Vorbild für die schriftliche Hausarbeit gilt der in einer Fachpublikation veröffentlichte wissenschaftliche Aufsatz. Ihn nimmt eine Leserschaft zur Kenntnis, die wenn auch nicht jedes einzelne Thema, wohl aber das größere Fachgebiet mit Interesse verfolgt. Diese Leserschaft verfügt über Vorwissen – sowohl zu fachlichen Gegenständen als auch zu grundlegenden wissenschaftlichen Positionen und Diskussionen. Also gilt es, diesen Lesern bzw. Leserinnen die relevanten Grundlagen nachprüfbar, nachvollziehbar und verständlich zu vermitteln, sodass sie mit- und weiterdenken können.

Texten ihren Sinn gibt. Auch wenn die Konventionen von Fach zu Fach, manchmal sogar innerhalb eines Fachs variieren, so verbindet sie alle doch ein Anliegen: die Nachvollziehbarkeit der Aussagen zu sichern. Nur vollständige Belege und Literaturangaben gewährleisten, dass Leser/-innen auf die zitierten Texte zugreifen und bei der Gelegenheit erkennen können, ob diese sinnvoll eingebunden wurden.

Beispiel Jan Henze studiert Soziologie. Im ersten Semester hat er eine Übungsarbeit geschrieben, die gut bewertet wurde. Die Hausarbeit im dritten Semester geht er genauso an, muss sie jedoch überarbeiten. »Nicht wissenschaftlich« ist die Begründung. Dabei hat er doch drei Texte zitiert! Die Dozentin erklärt ihm, dass die erste Hausarbeit dazu diente, die Zitiertechniken einzuüben und zu lernen, formal genau zu arbeiten: »Dies ist ab sofort eine Selbstverständlichkeit, nun steht das wissenschaftliche Denken im Vordergrund. Stellen Sie also in Ihrem Text Vernetzungen her, indem Sie mehrere Texte so zitieren, dass Sie Aussagen aufeinander beziehen.« Dies habe er nicht erreicht, wenn er jedem seiner drei Kapitel genau einen Text zugrunde lege, quasi einen Text nach dem anderen referiere.

Deutlich werden die Unterschiede der drei Textsorten Mitschrift, Referat und Hausarbeit im Vergleich: Anders als die Mitschrift wird die Hausarbeit nicht für den Schreibenden selbst, sondern für Leser/--innen verfasst, anders als beim Referat jedoch sind Adressat und Thema der Hausarbeit nicht fest umrissen: Sie wird nicht für eine konkrete Person, deren Kenntnisstand man ermessen kann (der themenstellende Dozent, der die Arbeit betreut, fungiert als Vertreter der Fachöffentlichkeit) zu einem allgemeinen Thema verfasst, sondern sie ist die Antwort auf eine für die Leserschaft nachvollziehbare Frage. Die schriftliche Hausarbeit ist als wissenschaftliche (Übungs-)Arbeit ein anspruchsvoller Text, der gut vorbereitet werden muss – sie lässt sich nicht an einem Tag erarbeiten. Dass Hausarbeiten zu einem bestimmten Termin abgegeben werden müssen, hat für das Schreiben einen erfreulichen Nebeneffekt: Sie können sie nicht beliebig lange vor sich herschieben.

Weitere Textsorten

Bevor Sie im Studium aufgefordert sind, eine Hausarbeit, eine Bachelor- oder eine Masterarbeit anzufertigen, haben Sie höchstwahrscheinlich andere Textsorten kennengelernt – in Form von kleineren Texten, die Sie als schriftliche Studienleistungen oder als Schreibaufgabe im Seminar verfasst haben. Je nach Fach können dazu Seminar- und Laborprotokolle gehören, Exzerpte und Zusammenfassungen oder Thesenpapiere. Diese Texte haben im wissenschaftlichen Alltag ihre je eigene Funktion – und sie alle können das wissenschaftliche Schreiben trainieren. Gerade deshalb spielen sie im Studium eine besondere Rolle.

Seminar- und Vorlesungsprotokolle

Seminar- und Vorlesungsprotokolle dienen dazu, den Inhalt einer Seminarsitzung bzw. Vorlesungseinheit zu dokumentieren. Sie sollen weder den detailgetreuen chronologischen Verlauf von Seminardiskussionen oder Vorträgen abbilden – was einem Verlaufsprotokoll entspräche – noch Diskussionsbeiträge und -ergebnisse dokumentieren – was Aufgabe eines Ergebnisprotokolls wäre. Seminar- oder Vorlesungsprotokolle sind zumeist eine Mischung aus Verlaufs- und Ergebnisprotokoll. Sie sollen die Kernaussagen des Seminarverlaufs bzw. Vorlesungsvortrags und die zugehörigen Positionen mit ihren Begründungen und Gegenargumenten festhalten und systematisieren.

Tipp

Protokollieren ist Schreibtraining

Nutzen Sie die Gelegenheit, ein Seminarprotokoll zu verfassen dazu, Ihre wissenschaftlichen Kompetenzen zu trainieren! Protokolle verlangen im Kleinen, was viele Textsorten wissenschaftlichen Schreibens im Großen verlangen: das konzentrierte Aufnehmen komplexer Inhalte, das bewusste Mitschreiben, also das Verschriftlichen von Mündlichem, das Festlegen dessen, was wichtig und was unwichtig ist, und vor allem das Formulieren nachvollziehbarer Gedankengänge.

Seminarprotokolle haben das Ziel, die behandelten Themen in eine logische Ordnung zu bringen, die Kernaussagen mündlicher Beiträge zu erfassen und zu strukturieren, kurz: mit Blick auf das Seminarthema die Ergebnisse einer Sitzung losgelöst vom Verlauf nachvollziehbar zu machen und zu verschriftlichen. Grundlage von Protokollen sind Mitschriften. Sie werden für ein Protokoll nicht abgeschrieben, sondern reformuliert. Das heißt, die für das Seminar wesentlichen Aussagen werden herausgearbeitet, sodass ein klares Bild von Thema und Erkenntnisinteresse des Seminars entsteht.

Wer als Dozent die Anfertigung von Seminarprotokollen anregt, erhofft sich zweierlei: zum einen, dass nicht alle Seminarteilnehmer mit dem Schreiben beschäftigt sind, sodass die Mehrheit den Inhalten folgen kann, zum anderen, dass eine Person bewusst und konzentriert mitschreibt, das heißt, nicht irgendetwas mitkritzelt, sondern versucht, Strukturen zu entdecken. So verstandene Seminar- oder Vorlesungsprotokolle sind keine unsinnige Quälerei, sondern dienen der Entwicklung von Routinen, die schon im Studium, aber auch im späteren Berufsleben nützlich sind.

Seminarprotokolle beruhen auf Mitschriften aus der Seminarsitzung, aber die persönliche Mitschrift, die auf den individuellen Wissensstand abgestimmt ist und das individuelle Erkenntnisinteresse widerspiegelt, reicht nicht. Daher muss im Vorhinein bestimmt werden, wer protokolliert.

Versuchen Sie nicht, alles wörtlich mitzuschreiben – der Sinn des Seminarprotokolls liegt in der Ordnung der Gedanken. Zitieren Sie nur die wichtigsten Definitionen, Formulierungen und Begriffe. Als Protokollant oder Protokollantin dürfen Sie die Sitzung unterbrechen, um zu fragen, falls Ihnen Informationen fehlen. Helfen können Ihnen Zwischenüberschriften, Marginalien, Pfeile, Klammern, Hilfszeichen, farbige Markierungen usw. Entwickeln Sie Ihre persönliche Methode des Mitschreibens!

Seminarprotokolle sollen das Seminargeschehen reproduzieren, das heißt, sie dürfen keine eigene Wirklichkeit schaffen, keine neuen Informationen oder Inhalte produzieren. Sie dienen als Arbeitsgrundlage für das Seminar, zur Erinnerung und/oder zur Prüfungsvorbereitung und halten offene Fragen oder Hinweise auf die nächste Sitzung fest. Hilfreich ist es, den Protokollen zu einem Seminar eine feste Form zu geben, zum Beispiel mit Angaben zu Ort, Zeit, Beteiligten und Gesprächsanlass sowie Literatur bzw. Quellen. Diese Angaben sollten sich auf jedem Protokoll zu einer Veranstaltungsreihe wiederfinden. Aufgabe von Protokollierenden ist es,

  • beim Mitschreiben gesprochene Sprache, also vermutlich auch umgangssprachliche Formulierungen in Schriftsprache zu überführen,

  • das Gesagte zu pointieren und zu bündeln, dabei vom Gesagten auf das Gemeinte zu schließen und

  • Bezüge zum Gelernten zu zeigen und mit angesprochene Kontexte zu notieren.

Beim Protokollieren wird die Sprachkompetenz geschult. Die Verschriftlichung des Protokolls in ganzen Sätzen übt Sie darin, mündliche Sprache in Schriftsprache zu überführen und so einen auch für Außenstehende nachvollziehbaren Text zu produzieren. Indem Sie das in Ihrer Mitschrift Notierte strukturieren und so den Seminarverlauf verständlich machen (ohne ihn zu verfälschen), trainiert das Seminarprotokoll das Schreiben eines Textes, der sachorientiert (also nicht bezogen auf Verfasser/-in und Beteiligte) und präzise (also ohne Wertung, Übertreibung oder Mutmaßung) über die Inhalte der Seminarsitzung informiert.

Das pointierende Exzerpt

Einen Text zu exzerpieren heißt seiner ursprünglichen, aus dem Lateinischen stammenden Bedeutung nach (wörtlich »herauspflücken«), einen Auszug aus einem Text herzustellen. Stehen Sie vor der Aufgabe, ein Exzerpt anzufertigen, so ist in der wissenschaftlichen Praxis in aller Regel gemeint, dass Sie anhand der zentralen Aussagen Erkenntnisinteresse, Gang der Argumentation und das Fazit des vorliegenden Textes kurz und knapp ...

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