Logo weiterlesen.de
Wie Wirtschaft funktioniert

INHALTSVERZEICHNIS

Grundlagen

WIRTSCHAFTEN

Ökonomische Ideengeschichte I

Ökonomische Ideengeschichte II

Modell des Homo oeconomicus

Tausch und Arbeitsteilung

Grundfragen des Wirtschaftens

WIRTSCHAFTSORDNUNGEN UND WIRTSCHAFTSSYSTEME

Rahmen wirtschaftlichen Handelns

Eigentumsordnung

Marktwirtschaft

Planwirtschaft

Soziale Marktwirtschaft

WIRTSCHAFTSRECHNUNGEN

Wirtschaftsstruktur

Produktionsfaktoren

Wirtschaftsstandorte

Einkommen und Konsum

Investieren und Sparen

Wirtschaftskreislauf

Volkswirtschaftliche Gesamtrechnungen

Umweltökonomische Gesamtrechnungen

Inlandsprodukt und Volkseinkommen

Schattenwirtschaft

Wohlstandsmessung

Betriebswirtschaft

BETRIEBSWIRTSCHAFT

Unternehmensgründung

Rechtsformen

Unternehmensführung

Mitbestimmung

Personalwirtschaft

Produktionswirtschaft

Marketing

Investition

Finanzierung

Kosten- und Leistungsrechnung

Jahresabschluss

Märkte und Gesamtwirtschaft

MARKT UND PREISBILDUNG

Marktformen

Produktions- und Kostenfunktionen

Angebot

Nutzenfunktionen

Nachfrage

Preisbildung

Preisbildung im Oligopol

Preisbildung im Monopol

Mängel des Preismechanismus

WETTBEWERB

Funktionen des Wettbewerbs

Beschränkungen des Wettbewerbs

Konzerne und Fusionen

Kartelle

KONJUNKTUR

Konjunktur und Konjunkturverlauf

Wachstum und Konjunktur

Konjunkturtheorien

Geld und Geldfunktionen

Geldmenge und Geldnachfrage

INFLATION UND ARBEITSLOSIGKEIT

Inflation und Stagflation

Inflationsmessung

Ursachen von Inflation

Deflation

Ursachen von Arbeitslosigkeit

Beschäftigung und Arbeitslosigkeit

Inflation und Beschäftigung

WACHSTUM, NACHHALTIGKEIT, VERTEILUNG

Wirtschaftswachstum

Nachhaltige Entwicklung

Wachstum und Strukturwandel

Räumliche Wirtschaftsentwicklung

Grenzen des Wachstums

Einkommensverteilung

Wirtschaft und Staat

WIRTSCHAFTSPOLITIK

Angebotspolitik

Nachfragepolitik

Wirtschaftspolitische Beratung

Magisches Viereck

WICHTIGE POLITIKFELDER

Konjunkturpolitische Instrumente

Fiskalpolitik

Geldpolitik

Wachstumspolitik

Wettbewerbspolitik

Regulierung und Deregulierung

Forschungs- und Technologiepolitik

Bildungspolitik

Struktur- und Regionalpolitik

Industriepolitik

Agrarpolitik

Verbraucherpolitik

Verbraucherschutz

Energiepolitik

Energiewende

Verkehrspolitik

Umweltpolitik

Arbeitsmarktpolitik

Lohn- und Tarifpolitik

Vermögenspolitik

Familienpolitik

Sozialpolitik

SOZIALE SICHERUNG

Soziale Sicherung

Arbeitslosenversicherung

Krankenversicherung

Rentenversicherung

Reform der Sozialsysteme

ÖFFENTLICHER SEKTOR

Öffentliche Güter

Sektor Staat

Öffentlicher Haushalt

Finanzkontrolle

Öffentliche Ausgaben

Subventionen

Öffentliche Einnahmen

Öffentliche Schulden

Föderalismus und Finanzausgleich

STEUERN

Einkommensteuer

Mehrwertsteuer

Ökosteuer

Besteuerung von Kapitalerträgen

Unternehmensbesteuerung

Steuerreform

Steuerwirkungen und Inzidenz

Weltwirtschaft

GLOBALISIERUNG UND AUSSENWIRTSCHAFT

Globalisierung

Reale Außenwirtschaftstheorie

Multinationale Unternehmen

Internationaler Kapitalverkehr

Protektionismus

Dumping

Internationale Wettbewerbsfähigkeit

Devisenhandel und Wechselkurse

Wechselkurssysteme

Zahlungsbilanz

Außenwirtschaftliches Gleichgewicht

Weltwirtschaftskrisen

WIRTSCHAFTSORGANISATIONEN

Internationale Handelsverträge

OECD, Weltbank, Weltwirtschaftsgipfel

Internationaler Währungsfonds

Entwicklungsländer

Wirtschaftsintegration

Wirtschaftsblöcke und Freihandelszonen

EUROPÄISCHE UNION

Europäische Union

Europäischer Binnenmarkt

Europäische Währungsunion

Europäische Zentralbank

Schuldenkrise in Europa

Börsen, Banken und Versicherungen

BÖRSENGESCHÄFTE

Internationale Finanzmärkte

Finanzmarktkrise

Börse

Spekulation, Kurssicherung und Arbitrage

Wertpapierbörsen in Deutschland

Aktien

Festverzinsliche Wertpapiere

Diversifikation und Investmentfonds

BANK- UND VERSICHERUNGSGESCHÄFTE

Versicherungen

Private Altersvorsorge

Bankgeschäfte

REGISTER

Grundlagen

Ökonomen gehen bei der Erklärung und Voraussage wirtschaftlichen Verhaltens von einem stark vereinfachten Menschenbild aus: dem des Homo oeconomicus. Bei der Suche nach den besten Regeln zur Erzeugung und Verteilung des Reichtums einer Gesellschaft orientieren sie sich an zwei Grundmodellen der Wirtschaftsordnung. Die Messung der Leistung einer Volkswirtschaft beruht auf der Idee, wirtschaftliche Vorgänge in Form eines Kreislaufs von Güter- und Geldströmen abzubilden.

Inhalt

WIRTSCHAFTEN

Ökonomische Ideengeschichte I

Ökonomische Ideengeschichte II

Modell des Homo oeconomicus

Tausch und Arbeitsteilung

Grundfragen des Wirtschaftens

WIRTSCHAFTSORDNUNGEN UND WIRTSCHAFTSSYSTEME

Rahmen wirtschaftlichen Handelns

Eigentumsordnung

Marktwirtschaft

Planwirtschaft

Soziale Marktwirtschaft

WIRTSCHAFTSRECHNUNGEN

Wirtschaftsstruktur

Produktionsfaktoren

Wirtschaftsstandorte

Einkommen und Konsum

Investieren und Sparen

Wirtschaftskreislauf

Volkswirtschaftliche Gesamtrechnungen

Umweltökonomische Gesamtrechnungen

Inlandsprodukt und Volkseinkommen

Schattenwirtschaft

Wohlstandsmessung

WIRTSCHAFTEN

Ökonomische Ideengeschichte I

Das Nachdenken über Wirtschaft reicht bis mindestens in die Antike zurück. Das Wissen um die ökonomischen Ideen früherer Zeiten ist aus drei Gründen nützlich: Ordnet man eine Theorie in ihren historischen Entstehungszusammenhang ein, so werden ihre Eigenheiten besser verständlich. Zudem wird klar, dass jede Theorie abhängig vom Entwicklungsstand der Gesellschaft ist. Schließlich bietet die Dogmengeschichte einen reichen Fundus an zeitlos gültigen Ideen.

Antike: Skepsis gegenüber dem Gewinnstreben

Die Konzepte der griechischen Philosophen mit ökonomischem Bezug entstanden vor dem Hintergrund einer landwirtschaftlich geprägten Gesellschaft, in der die Bürger der Stadtstaaten die Politik dominierten. Im Mittelmeerraum wurde bereits ein reger Fernhandel betrieben. Platon verwarf in seinem Werk „Politeia“ (Der Staat) das Gewinnstreben, weil sich in seinen Augen Eigennutz stets gegen das Gemeinwohl richtete. Aristoteles unterschied zwischen dem Gebrauchswert eines Gutes, der dessen Nutzen widerspiegelt, und dem Tauschwert, also dem Wert des Gutes in Geld oder im Vergleich mit anderen Gütern. Geld hatte für ihn keinen eigenen Wert. Deshalb lehnte er den Zins als Preis für das Verleihen von Geld ab.

Mittelalter: Gerechter Preis und Zinsverbot

Die Wirtschaftsordnung des Mittelalters war durch die Grundherrschaft und die im Hoch- und Spätmittelalter wachsende Bedeutung der Städte geprägt.

Der Scholastiker Thomas von Aquin beschäftigte sich vor diesem Hintergrund auch mit ökonomischen Fragen. Allerdings ging es ihm vor allem um die Verträglichkeit wirtschaftlichen Verhaltens mit der christlichen Lehre. In seiner Erörterung des gerechten Preises forderte er die Berücksichtigung der in ein Gut geflossenen Arbeit. Die Abneigung der Antike gegenüber dem Zins übernahm er. Im Kirchenrecht wurde das Verbot des Zinses (kanonisches Zinsverbot) verankert mit der Folge, dass die Christen den Juden das Geschäft des Geldverleihens überließen.

Der Zins wurde erst im Zuge der Reformation durch Johannes Calvin neu bewertet. Der Reformator rechtfertigte den Zins damit, dass man durch Geld ein Stück Land kaufen kann, das dann einen Ertrag abwirft. So wird die wirtschaftliche Entwicklung gefördert. Mit dieser positiven Bewertung des Kapitals wurden in der Reformation wichtige Grundlagen für die Herausbildung des neuzeitlichen Wirtschaftslebens gelegt.

Der Merkantilismus

Die unter dem Begriff des Merkantilismus zusammengefassten Denkrichtungen entstanden vor dem Hintergrund großer Umbrüche. Bereits im Mittelalter hatte die Arbeitsteilung an Bedeutung gewonnen und der Umfang von Handel und Geldwirtschaft zugenommen. Parallel dazu entstanden in Europa absolutistische Nationalstaaten, deren Herrscher vor allem bestrebt waren, die Macht und den Reichtum des Staates zu mehren.

Ohne über eine konsistente Theorie zu verfügen, gelangten die merkantilistischen Denker vom 16. bis zum 18. Jahrhundert zu einer Reihe von markanten wirtschaftspolitischen Schlussfolgerungen. Das Gewerbe sollte vom Staat gefördert werden, die Handelspolitik dem Ziel eines größtmöglichen Handelsbilanzüberschusses dienen. Als Instrumente dazu waren auch protektionistische Mittel, z. B. Einfuhrzölle, vorgesehen. So sollte ein möglichst großer Vorrat an Gold und Silber im Land angehäuft werden, denn dieser wurde als maßgeblich für den Reichtum eines Landes betrachtet. Durch die Förderung des Zuzugs und des natürlichen Wachstums sollte die Bevölkerung stetig wachsen und damit auch die Zahl billiger Arbeitskräfte, die den Reichtum mehren würden. Bei einem hohen Maß an Übereinstimmung gab es nationale Spielarten des Merkantilismus: in England den Bullionismus, in Frankreich den Colbertismus und in Deutschland den Kameralismus.

Die Physiokraten

Der Franzose François Quesnay, Leibarzt der Mätresse König Ludwigs XV. Madame Pompadour, begründete die physiokratische Denkrichtung. Der Begriff Physiokratie (Herrschaft der Natur) weist bereits auf den zentralen Gedanken dieser Schule hin: Einzig in der Landwirtschaft wird Wert geschaffen, weil diese den Güterbestand vermehrt. Handwerker und Manufakturen hingegen verändern lediglich bereits vorhandene Rohstoffe. Entsprechend forderte Quesnay, die Landwirtschaft besonders zu fördern. Einen bleibenden Beitrag zur Volkswirtschaftslehre lieferte er auf methodischem Gebiet. In seinem Hauptwerk „Tableau économique“ entwarf er ein Drei-Sektoren-Modell des gesamtwirtschaftlichen Güterkreislaufs, das als Vorläufer der modernen volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung (VGR) gilt.

Ideengeschichtliche Entwicklung im Zeitablauf: Von der Antike bis zur Physiokratie

Ökonomische Ideengeschichte II

Das Erscheinen des Werkes „An Inquiry into the Nature and Causes of the Wealth of Nations“ des Briten Adam Smith im Jahr 1776 markiert die Geburtsstunde klassischen ökonomischen Denkens. Es war die Zeit der frühen industriellen Revolution – sieben Jahre zuvor war die Dampfmaschine erfunden worden.

Liberalismus – die Befreiung der Märkte

Adam Smith nahm eine grundlegende Neubewertung eigennützigen Verhaltens vor: Während der Einzelne seine persönlichen Ziele verfolgt, fördert er unbewusst, geleitet jedoch durch die „unsichtbare Hand“ des Marktes, das Allgemeinwohl. Folglich sind Forderungen nach staatlichen Eingriffen in die Wirtschaft, die im Geist der absolutistischen Herrschaftsverhältnisse im Europa des 16. bis 18. Jahrhunderts erhoben wurden, abzulehnen. Der Staat soll sich auf die Bereitstellung des Rechtssystems und von öffentlichen Einrichtungen beschränken. Arbeitsteilung ist für Smith die Voraussetzung für wirtschaftliches Wachstum. Der Wohlstand der Nationen wird dadurch, aber auch durch die die Arbeitsproduktivität steigernde Kapitalbildung erhöht.

David Ricardo entwarf neben einer Theorie der Einkommensverteilung die Theorie der komparativen Kostenvorteile. In Letzterer wies er nach, dass es für jede Volkswirtschaft vorteilhaft ist, Außenhandel zu betreiben. Jean-Baptiste Say begründete die Quantitätstheorie des Geldes, die besagt, dass die Geldmenge maßgeblich die Höhe des Preisniveaus beeinflusst. Nach ihm ist außerdem das saysche Theorem benannt, demzufolge es ein dauerhaftes Überangebot an Gütern nicht geben kann, weil „sich jedes Angebot seine Nachfrage selbst schafft.“

Sozialismus – gegen die Auswüchse des Marktes

Unter all den seit Beginn des 19. Jahrhunderts entstandenen Theorien, die unter dem Begriff des Sozialismus zusammengefasst werden, hatten jene von Karl Marx – obgleich sie in der Praxis gescheitert sind – die größte Tragweite. Marx zufolge werden in der kapitalistischen Wirtschaftsordnung die Arbeiter durch die Kapitalisten ausgebeutet. Mit fortschreitender Anhäufung von Kapital sinkt dessen Ertragsrate. Immer häufigere Krisen führen in unbestimmter Zukunft zum Zusammenbruch des Kapitalismus. Marx forderte dessen Überwindung durch die proletarische Revolution. Mit der Abschaffung des Privateigentums ginge die Gesellschaft zum Sozialismus über, später dann zum Kommunismus – einer friedlichen Welt ohne Ausbeutung und ohne Grenzen.

Neoklassik – die Formalisierung der Theorie

Im Mittelpunkt der Neoklassik steht die sogenannte marginalistische Revolution. Während die Klassik den Wert eines Gutes aus den Produktionskosten ableitet (objektive Wertlehre), verweist die Neoklassik auf den subjektiv bestimmten Grenznutzen des Güterkonsums (subjektive Wertlehre). Der Grenznutzen ist der zusätzliche Nutzen, den die letzte Einheit eines Gutes dem Einzelnen stiftet. Durch die Ableitung ökonomischen Verhaltens aus dem individuellen Nutzenkalkül schufen die Neoklassiker das analytische Instrumentarium der modernen Mikroökonomie. Der Franzose Léon Walras leistete mit seinem allgemeinen Gleichgewichtsmodell einen markanten Beitrag zur mathematischen Formalisierung der zeitgenössischen Wirtschaftstheorie.

Staat oder Markt – Keynes und die Monetaristen

Die Weltwirtschaftskrise von 1929 bis 1933 offenbarte die Unzulänglichkeit sich selbst überlassener Märkte. In ihr erwies sich, dass es zu lang anhaltenden Ungleichgewichten auf den Arbeits- und Gütermärkten mit der Folge hoher Arbeitslosigkeit kommen kann. Vor diesem Hintergrund publizierte John Maynard Keynes im Jahr 1936 „The General Theory of Employment, Interest and Money“. Nicht jedes Angebot, so Keynes, schaffe sich selbst seine Nachfrage, denn es bestehe die Möglichkeit, dass das Einkommen nicht in Investitionen oder Konsum fließt, sondern in Teilen gespart wird. In solchen Situationen empfiehlt Keynes ein Gegensteuern durch Staat und Notenbank: Beispielsweise können kreditfinanzierte staatliche Ausgabenprogramme ein Vielfaches des eigenen Volumens an zusätzlicher Nachfrage schaffen („Multiplikatoreffekt“).

Bereits im Monetarismus von Milton Friedman wurde die theoretische Basis der keynesschen Rezepturen angezweifelt. In den 1970er-Jahren wurde das Versagen des Keynesianismus durch schwaches Wachstum bei zugleich steigenden Preisen (Stagflation) offenbar. Als Reaktion darauf entstand die Neuklassik, die klassisches Gedankengut wieder aufgriff und durch einzelwirtschaftliche Analysen fundierte. Spätestens 2008 jedoch, als weltweit eine schwere Rezession einsetzte, zeigte sich, dass Keynes’ Theorie, insbesondere hinsichtlich psychologischer Faktoren ökonomischen Verhaltens, keineswegs als widerlegt gelten kann.

Ideengeschichtliche Entwicklung im Zeitablauf: Von der Klassik bis zur Gegenwart

Modell des Homo oeconomicus

Das Denken in Modellen ist für die Wirtschaftstheorie kennzeichnend. Modelle sind immer vereinfachende Abbildungen eines Ausschnitts aus der Realität. Zu einem ökonomischen Modell gehört auch die Vorstellung eines typischen Menschen.

Warum die Ökonomie ein Menschenbild braucht

Ein Menschenbild ist eine allgemeine Vorstellung von einem Menschentyp und seinen biologischen, psychologischen oder kulturellen Wesensmerkmalen. Der Erklärungsgehalt eines ökonomischen Modells ist umso höher, je wirklichkeitsnäher das zugrunde liegende Menschenbild ist. Möchte man realistische Schlussfolgerungen aus der Betrachtung und Analyse ökonomischer Modelle ziehen, so muss auch das Menschenbild möglichst realistisch sein. Idealtypische Vorstellungen, etwa von einem „neuen“ und „besseren“ Menschen, stehen auf unsicherem Boden. Für die Gestaltung volkswirtschaftlicher Systeme ist der Mensch so zu nehmen, wie er ist. Er darf also nicht ideologisch verklärt werden. Nur so können die künftigen Auswirkungen wirtschaftspolitischer Maßnahmen realistisch abgeschätzt werden.

Der klassische Homo oeconomicus

Der Homo oeconomicus verkörpert das idealtypische Menschenbild der klassischen und neoklassischen Wirtschaftstheorie. Die Beschreibung des Homo oeconomicus ist auf diejenigen Wesenszüge begrenzt, die das wirtschaftliche Handeln betreffen.

Im strengen Sinne verfügt der Homo oeconomicus über ein widerspruchsfreies Zielsystem (ohne Zielkonflikte), und er entscheidet rational. Er wählt immer diejenige Maßnahme, die seinen Zielen am besten dient, und er handelt immer zu seinem Vorteil. Ein Unternehmer versucht, seinen Gewinn zu maximieren, eine Privatperson strebt danach, ihren Nutzen zu erhöhen. Eine Person handelt auch dann rational, wenn sie die teurere (kostenintensivere) Möglichkeit wählt, dafür aber die Variante nimmt, die z. B. ihren ethischen Zielen entspricht oder ihr mehr Freizeit verschafft.

Der Homo oeconomicus handelt nach dem ökonomischen Prinzip, d. h., er will entweder mit gegebenen Mitteln (z. B. Gütern) den größtmöglichen Erfolg (z. B. Nutzen) erzielen oder ein vorgegebenes Ziel (z. B. Output) mit dem geringstmöglichen Aufwand (z. B. Input) erreichen.

Weiterhin wird angenommen, dass der Homo oecono- micus alle Entscheidungsalternativen kennt, d. h., er besitzt vollständige Information. Die Wirtschaftstheorie spricht hier auch von vollständiger Markttransparenz. Schließlich hat er vollständige Voraussicht, kann also die Konsequenzen seiner Handlungsalternativen genau abschätzen und uneingeschränkt Information aufnehmen.

Entscheidungen unter Ungewissheit

Die moderne Wirtschaftstheorie kritisiert das strenge Menschenbild des Homo oeconomicus, denn Entscheidungssituationen, in denen sämtliche Alternativen und deren Konsequenzen bekannt sind, finden sich relativ selten. Außerdem besitzt der Mensch kein geschlossenes, widerspruchsfreies System von Zielen, Wünschen und Motiven, nach denen er handelt.

Demgegenüber geht die Entscheidungstheorie von weniger strengen Annahmen über die menschlichen Wesensmerkmale aus. Sie unterscheidet zwischen Sicherheit, Risiko und Unsicherheit der Entscheidungsfolgen. Die Entscheidungssituation unter Sicherheit entspricht dem Bild des Homo oeconomicus. Im Risikofall sind die Alternativen, nicht aber ihre Konsequenzen eindeutig bekannt. Allerdings kennt man die Wahrscheinlichkeiten, mit denen die Konsequenzen eintreten können. Bei Entscheidungen unter Unsicherheit sind hingegen nicht einmal solche Wahrscheinlichkeitsaussagen möglich. Eine Entscheidung des Homo oeconomicus unter Unsicherheit kann durchaus rational sein.

Die verhaltenswissenschaftliche Entscheidungstheorie hat das Konzept des beschränkt rational handelnden Individuums entwickelt, das vor allem auf der Erkenntnis basiert, dass der Mensch nur eine beschränkte Informationsmenge aufnehmen und verarbeiten kann. Seinen Entscheidungen liegt ein subjektives, unvollständiges, ungenaues und unsicheres Umweltbild zugrunde. Die Konsequenzen von Entscheidungen können nicht mehr eindeutig bewertet werden, da die menschliche Präferenzordnung weder widerspruchsfrei (konsistent) noch unveränderlich ist. Psychische und soziale Faktoren beeinflussen die Entscheidungsqualität ebenso wie auch die Risikobereitschaft.

Ein Anliegen der entscheidungstheoretischen Forschung liegt z. B. in der Entwicklung von Methoden zur Unterstützung von Entscheidungen, welche die Informationsbeschaffung und -verarbeitung erleichtern. Es wird auch untersucht, wie eine Organisation gestaltet werden sollte, die rationale Entscheidungen begünstigt.

1

Private Nutzenmaximierung

Ein Student, der in den Semesterferien einen Aushilfsjob annehmen möchte, muss sich entscheiden, wie viele Stunden er arbeiten möchte.

Sein Entscheidungsproblem lautet vereinfacht so: Je mehr er arbeitet, desto mehr kann er sich leisten, z. B. Pizza essen gehen, andererseits muss er jedoch Freizeit opfern, d. h., er kann nicht so häufig ins Freibad gehen. Der Student kennt alle Entscheidungsalternativen und deren Konsequenzen und kann nun rational entscheiden.

2

Die Nutzenfunktion für Arbeit (grün) und Freizeit (orange)

Der erzielte Nutzen lässt sich grafisch als Nutzenfunktion darstellen. Mit jeder zusätzlichen Einheit steigt der Gesamtnutzen. Aber der Nutzenzuwachs mit jeder weiteren Einheit wird immer kleiner, d. h., der Grenznutzen nimmt ab.

3

Grenznutzen von Arbeit und Freizeit

Bei einem Grenznutzen von null wird ein Sättigungspunkt erreicht, in dem eine weitere Einheit des Gutes keinen Nutzen mehr stiftet. Der Sättigungspunkt für den Nutzen von Arbeit könnte beispielsweise dann erreicht sein, wenn der Student schlichtweg keine Zeit mehr hat, sein Geld auszugeben, oder bereits so viele Pizzas konsumiert hat, dass ihm eine weitere Pizza nicht mehr schmecken würde. Es wird davon ausgegangen, dass der Student acht Stunden Schlaf braucht und daher theoretisch 16 Stunden Zeit verbleiben, die zwischen Arbeit und Freizeit aufgeteilt werden können.

4

Gesamtnutzen aus der Kombination von Arbeit und Freizeit

Es lässt sich eine Verhaltensregel ableiten. Man sollte so viele Stunden arbeiten, dass der Gesamtnutzen aus Arbeit und Freizeit seinen höchstmöglichen Wert erreicht. Das Maximum des Gesamtnutzens liegt im Schnittpunkt der Grenznutzenfunktionen für Arbeit und Freizeit. Der Student müsste also etwas mehr als neun Stunden pro Tag arbeiten, um seinen Nutzen zu maximieren. Vielleicht sollte er sich eine besser bezahlte Arbeit suchen …

Tausch und Arbeitsteilung

Wirtschaften – das ist jenes Handeln, das der Produktion, dem Tausch und dem Ge- und Verbrauch von Gütern gewidmet ist. Eine Studentin wirtschaftet, wenn sie morgens beim Frühstück ihre Zeitung liest. Brötchen und Zeitung werden konsumiert. Private Haushalte, Unternehmen, öffentliche Haushalte und andere Institutionen wirtschaften – sie sind Wirtschaftssubjekte.

Tausch – direkt oder indirekt

Eine Handlung, bei der ein knappes Gut von einem Wirtschaftssubjekt auf ein anderes übergeht, nennt man wirtschaftliche Transaktion – etwa der Erwerb der Zeitung am Kiosk. Wechselt bei der Handlung das Gut nicht das Wirtschaftssubjekt, spricht man von einer wirtschaftlichen Aktion – etwa das Lesen der Zeitung.

Der Tausch ist eine wirtschaftliche Transaktion, bei der knappe Güter von zwei oder mehreren Wirtschaftssubjekten abgegeben und empfangen werden (Abb.1). Der direkte Tausch oder Naturaltausch betrifft nur reale Güter. Die Studentin könnte etwa zum Kioskbesitzer gehen, ihm ein Stück selbst gebackenen Kuchen bringen und dafür eine Zeitung bekommen. Wenn die Studentin dem Hausmeister Kuchen backt, dieser dafür den Platz vor dem Kiosk fegt und als Gegenleistung die Studentin vom Kioskbesitzer ihre Zeitung erhält, dann ist das ein direkter Ringtausch. Beim indirekten Tausch werden Realgüter gegen Nominalgüter oder auch Nominalgüter gegen Nominalgüter getauscht. Dabei dient Geld als Tauschmittel. Die Studentin kann die Zeitung mit ein paar Münzen bezahlen (Real- gegen Nominalgut). Sie kann ihr Geld aber auch anlegen und dafür Zinsen bekommen (Nominalgut gegen Nominalgut).

Eine Wirtschaft, in der Realgüter direkt getauscht werden, nennt man Naturaltauschwirtschaft. Herrscht dagegen der indirekte Tausch vor, so handelt es sich um eine Tauschwirtschaft im engeren Sinn.

Tausch setzt Arbeitsteilung voraus

Im Gegensatz zu einem System der Selbstversorgung erfordert die Tauschwirtschaft arbeitsteiliges Wirtschaften. Jeder Einzelne stellt meist nur wenige Güter in größeren Mengen her, benötigt aber viele unterschiedliche Güter in kleinen Mengen. Der Ausgleich erfolgt im Tausch. Die Tauschwirtschaft ist sehr leistungsfähig, allerdings bringt die starke Verflechtung einen hohen Abstimmungsbedarf mit sich. Die Art und Weise der Abstimmung hängt von der Wirtschaftsordnung ab. In einer Marktwirtschaft werden die Pläne der Wirtschaftssubjekte durch die Preise koordiniert, die sich durch das Zusammenspiel von Angebot und Nachfrage bilden.

Schritt für Schritt die Arbeit teilen

Die Mitglieder einer sogenannten Robinsongesellschaft sind alle Selbstversorger. Jeder produziert und konsumiert ausschließlich für sich selbst. Wird dieses Prinzip aufgegeben und die Arbeitsleistung in Teilverrichtungen zerlegt, so spricht man von Arbeitsteilung.

Ausgehend von der Arbeits- bzw. Rollenverteilung zwischen den Geschlechtern kommt es auch innerhalb von Sippen, Stämmen oder Dorfgemeinschaften zu Arbeitsteilung. Einzelne Funktionen werden aus dem Haushalt ausgegliedert, Berufe bilden sich heraus. Spezialisierungen führen zu weiteren Berufsspaltungen. So entstehen aus dem Beruf des Schmiedes die Berufe Hufschmied und Nagelschmied. Im nächsten Schritt werden auch die einzelnen Arbeitsprozesse zerlegt. In der Hufschmiede etwa ist eine Person mit dem Erhitzen des Eisens beschäftigt, eine andere mit dessen Bearbeitung mit dem Schmiedehammer. Der gemeinsame Erfolg kann jetzt nur durch das Zusammenwirken der einzelnen, je für sich unselbstständigen Arbeiten erzielt werden.

Diese Form der Arbeitszerlegung findet sich bei frühen Jagdgemeinschaften ebenso wie bei der Fließbandfertigung. Auch räumlich kann Arbeit geteilt werden. Produktionsvorgänge werden in Regionen konzentriert, die die günstigsten Standortbedingungen bieten.

Arbeitsteilung – Licht und Schatten

Die Produktivität erhöht sich, da die Arbeitskraft z. B. aufgrund einer höheren Geschicklichkeit besser ausgenutzt wird. Arbeitsteilung ermöglicht auch den Einsatz spezialisierter Maschinen. Menschen mit den unterschiedlichsten Fähigkeiten können so im Produktionsprozess eingesetzt werden, dass ihre speziellen Fähigkeiten bestmöglich ausgeschöpft werden. Damit wird eine kostengünstige Massenproduktion möglich. Allerdings schwingt der Nachteil bei dem Wort „ausnutzen“ bereits mit: Der Mensch ermüdet schneller, die Arbeit wird eintönig und „entseelt“, wie es die sozialistische Kritik formuliert. Da nur noch Teile gefertigt werden, geht die Beziehung zum Arbeitsprodukt als Ganzem verloren. Deshalb verliert die Fließbandfertigung zugunsten modernerer Formen von Teamarbeit an Bedeutung (Abb. 2).

1

Tauschgeschäfte

Indirekter Tausch

Hier muss kein direktes Gleichgewicht zwischen den Mengen an Realgütern, die ausgetauscht werden, gefunden werden. Der Hausmeister fegt, so viel er will, die Studentin backt, so viel sie möchte, und kann ihre Zeitung mit ihrem Geld direkt bezahlen, das wahrscheinlich auch noch für weitere Konsumgüter reicht.

Direkter Tausch

Direkter Ringtausch

Hier muss ein Gleichgewicht zwischen den Mengen an Realgütern, die ausgetauscht werden, gefunden werden. Die Studentin muss genau so viel Kuchen backen, damit der Hausmeister genau so lang dafür fegt, wie es der Kioskbesitzer für den Wert einer Zeitung als erforderlich ansieht.

2

Auswirkung der Arbeitsteilung auf die Wirtschaftssubjekte

Die wesentlichsten positiven und negativen Auswirkungen der Arbeitsteilung werden einander gegenübergestellt:

Grundfragen des Wirtschaftens

Der Mensch benötigt Nahrung, Kleidung, Wohnung und medizinische Versorgung, um zu überleben. Zusätzlich zu diesen hat er weiter gehende Bedürfnisse, etwa nach Unterhaltung oder Bildung. Die Güter, die zur Bedürfnisbefriedigung zur Verfügung stehen, sind knapp. Dies ist das grundsätzliche Ausgangsproblem, mit dem sich die Volkswirtschaftslehre beschäftigt.

Was soll produziert werden?

Angesichts der Knappheit muss eine Gesellschaft die folgenden drei elementaren wirtschaftlichen Fragen beantworten: Was soll produziert werden? Welche Produktionsverfahren sollen verwendet werden? Für wen soll produziert werden?

Ein Gut ist allgemein jedes Mittel, das geeignet ist, menschliche Bedürfnisse zu befriedigen. Zu diesen Mitteln zählen nicht allein materielle Gegenstände, wie etwa Lebensmittel oder Kleidung, sondern auch Dienstleistungen, wie etwa ein Haarschnitt oder eine Theateraufführung.

Weiterhin kann man zwischen freien und knappen Gütern unterscheiden. Für freie Güter, die jedem unbegrenzt zur Verfügung stehen, stellt sich das grundlegende ökonomische Problem der Knappheit nicht. Dies gilt etwa für den Sand in der Wüste. Allerdings werden freie Güter immer seltener: Auch saubere Luft, unbelastetes Wasser und unberührte Natur, die in vergangenen Jahrhunderten praktisch noch freie Güter waren, sind angesichts des fortschreitenden Bevölkerungswachstums und der Umweltprobleme mehr und mehr zu knappen Gütern geworden.

Die Ressourcen, die zur Güterproduktion zur Verfügung stehen – die sogenannten Produktionsfaktoren – sind begrenzt. Daher muss entschieden werden, welche Güter in welchen Mengen hergestellt werden sollen. Dabei herrscht Verwendungskonkurrenz: Werden z. B. mehr Mittel in die Herstellung von Autos gelenkt, dann stehen weniger Mittel für den Wohnungsbau zur Verfügung.

Die Wahl der Produktionsverfahren

Ein und dasselbe Gut kann auf verschiedene Art und Weise produziert werden. Die Produktionsweisen haben sich im Lauf der industriellen Entwicklung stark verändert. War etwa die Herstellung eines Autos anfangs noch das Werk vieler Arbeiter (arbeitsintensive Produktionsweise), so hat heute oftmals der Industrieroboter und damit der Faktor Kapital die Arbeit menschlicher Hände übernommen (kapitalintensive Produktionsweise).

Für wen soll produziert werden?

Ist in einer Gesellschaft entschieden, welche Güter auf welche Weise produziert werden, dann stellt sich immer noch die dritte Frage: Wer darf die bereitgestellten Güter konsumieren? Hier wird die Unterscheidung zwischen privaten und öffentlichen Gütern wichtig. Öffentliche Güter, z. B. Dämme zum Schutz gegen Überflutung, kommen allen Menschen in der betreffenden Region zugute. Bei privaten Gütern, z. B. einem Liter Treibstoff, stellt sich hingegen das Problem der Rivalität: Wenn ein Autofahrer den Treibstoff verbraucht, dann steht dieses konkrete Gut anderen nicht mehr zur Verfügung.

Zentraler Plan oder Markt?

In der Wirtschaftsgeschichte hat es ganz unterschiedliche Versuche gegeben, die drei Grundfragen der Volkswirtschaftslehre zu beantworten. In der Zentralverwaltungswirtschaft sowjetischer Prägung entschied eine zentrale Planungsbehörde darüber, welche Güter auf welche Weise herzustellen waren. Auch das Problem der Verteilung der Güter wurde auf zentralstaatlicher Ebene durch die Festlegung der Einkommen der Bürger gelöst. In einer Marktwirtschaft hingegen überlässt die Gesellschaft die Beantwortung der ersten beiden Fragen in erster Linie dezentralen Entscheidungsträgern, die sich an Marktpreisen orientieren. Haushalte entscheiden aufgrund ihrer Vermögens- und Einkommensverhältnisse eigenverantwortlich darüber, welche Güter sie konsumieren und wie viel von ihrer Arbeitskraft sie gegen Entlohnung für die Güterproduktion zur Verfügung stellen. Unternehmen entscheiden vor dem Hintergrund ihrer Absatzmöglichkeiten und der verfügbaren Produktionsfaktoren und deren Kosten autonom darüber, welche Güter auf welche Weise erzeugt werden.

Der Staat als Umverteilungsinstanz

Allerdings greift der Staat auch in den marktwirtschaftlichen Ordnungen in die Beantwortung der dritten Frage ein: Im Rahmen der Besteuerung und der Systeme der sozialen Sicherung verteilt er die am Markt entstandenen Einkommen mehr oder weniger stark um. So soll vor allem sichergestellt werden, dass auch diejenigen, die etwa aufgrund von Krankheit oder Alter keine Arbeitskraft anbieten können, Zugang zu den Gütern haben, die sie zur Sicherung ihrer Existenz benötigen.

Einordnung der Volkswirtschaftslehre in die Wissenschaften

Kernfragen in den Einzeldisziplinen der volkswirtschaftlichen Theorie:

Mikroökonomie:

Wie treffen der einzelne Haushalt und das einzelne Unternehmen ihre ökonomischen Entscheidungen angesichts des grundlegenden Problems der Knappheit? Wie funktioniert der dezentrale Koordinationsmechanismus eines Marktes?

Makroökonomie:

Wie wirken sich die Entscheidungen von Unternehmen, Haushalten und Staat in ihrer Gesamtheit (d. h. in aggregierter Betrachtungsweise) aus? Wie kommt es zu Phänomenen wie etwa Arbeitslosigkeit und Konjunkturzyklen?

Außenwirtschaftstheorie:

Wie wirkt sich die Öffnung einer Volkswirtschaft gegenüber dem Ausland aus? Was bestimmt die Handels- und Kapitalströme? Wie bildet sich ein Wechselkurs?

Kernfragen der Wirtschaftspolitik:

Wie soll die Wirschaftspolitik angesichts der Erkenntnisse der Theorie handeln, um den volkswirtschaftlichen Koordinationsmechanismus zur Beantwortung der drei Grundfragen nach dem „Was“, „Wie“ und „Für wen“ zu verbessern?

Kernfragen der Finanzwissenschaft:

Wie wirkt sich die staatliche Tätigkeit in einer Volkswirtschaft auf die Einnahmeseite (Steuern und Abgaben) und die Ausgabeseite (Infrastruktur, Transfers) aus? Wie sollte die staatliche Aktivität hinsichtlich Niveau und Struktur gestaltet werden?

WIRTSCHAFTSORDNUNGEN UND WIRTSCHAFTSSYSTEME

Rahmen wirtschaftlichen Handelns

Die Wirtschaft scheint wie selbstverständlich zu funktionieren. Wir gehen in einen Supermarkt und finden dort alles, was wir brauchen. Die Waren liegen einfach in den Regalen. Wir nehmen sie heraus, bezahlen dafür und nehmen sie mit nach Hause. Das dichte Netz wirtschaftlicher Aktivitäten, die erforderlich sind, um sie verfügbar zu machen, ist uns dabei selten bewusst.

Bedarf und Produktion müssen in einer arbeitsteiligen Wirtschaft aufeinander abgestimmt und organisiert werden. Das Gefüge der für den Aufbau und die Abläufe in einer Volkswirtschaft notwendigen Regeln nennt man Wirtschaftsordnung.

Die Wirtschaftsordnung bildet den Rahmen für die Beziehungen der Wirtschaftssubjekte untereinander und legt den Entscheidungsspielraum der wirtschaftenden Menschen und Unternehmen gegenüber dem Verfügungsbereich des Staates fest. Die gesetzliche Verankerung dieses Rahmens nennt man Wirtschaftsverfassung. Darüber, wie die Wirtschaftsordnung beschaffen sein sollte, herrschen unterschiedliche Meinungen. Heute bestimmen in aller Regel staatliche Instanzen die Ausgestaltung des Regelwerks.

Wer entscheidet? Individuum versus Kollektiv

Die Organisation der Volkswirtschaft als Teil der Gesellschaftsordnung (Abb. 1) beruht auf einer ideologisch motivierten gesellschaftspolitischen Entscheidung. Je nach der Auffassung vom Wesen des Menschen und von seiner Rolle in der Wirtschaft lassen sich unterschiedliche Ideologien gegeneinander abgrenzen.

Im Mittelpunkt der individualistischen Gesellschaftsordnung steht der Einzelne mit seinem Recht auf Streben nach Glück. Oberster Grundsatz ist seine Entscheidungsfreiheit in wirtschaftlichen Angelegenheiten. Der Staat soll nur die Rahmenbedingungen für die Tätigkeiten und den Schutz des Einzelnen schaffen. Die wirtschaftlichen Entscheidungen werden hingegen von den Menschen in den Haushalten und Unternehmen eigenständig getroffen. Auf den Märkten bilden sich Preise, die Anreize für Produktion und Konsum schaffen. In einer Marktwirtschaft organisieren alle Wirtschaftssubjekte das Wirtschaftsgeschehen ohne zentrale Steuerung allein durch Angebot und Nachfrage.

In der kollektivistischen Gesellschaftsordnung haben nicht die Bedürfnisse des Einzelnen, sondern die gesellschaftlichen Bedürfnisse erste Priorität. Die Eigeninteressen des Menschen sind dem Gemeinwohl untergeordnet. Staat und Gesellschaft verfolgen übergeordnete Ziele, an deren Verwirklichung jeder Einzelne mitzuwirken hat. Die Abläufe in der Volkswirtschaft folgen einem zentralen Plan, der von einer zentralen Planstelle erarbeitet und dessen Einhaltung zentral überwacht wird.

In der Realität existier(t)en weder reine Markt- noch reine Planwirtschaften, wohl aber Mischformen dieser beiden Systeme (Abb. 2). Beispiele sind die soziale Marktwirtschaft in Deutschland sowie die Planwirtschaften der ehemals sozialistischen Staaten.

Merkmale von Wirtschaftsordnungen

Wirtschaftsordnungen werden in der Regel mithilfe von zwei grundlegenden Merkmalen voneinander abgegrenzt: nach der Form des Eigentums und nach dem Mechanismus zur Koordination wirtschaftlichen Handelns (Abb. 3). Die Eigentumsordnung legt fest, ob Produktionsmittel Privat- oder Gemeineigentum sind. In einem kapitalistischen System gehören die Produktionsmittel Privaten; in einem sozialistischen System hingegen sind sie Gemeineigentum.

Für Karl Marx (1818–1883) war das Eigentum an den Produktionsmitteln das grundlegende Unterscheidungsmerkmal. Demnach wäre eine Wirtschaftsordnung je nach ihrer Ausgestaltung dem Typus der Urgesellschaft, der Sklavenhaltergesellschaft, des Feudalismus, des Kapitalismus oder des Sozialismus bzw. Kommunismus zuzurechnen.

Der Koordinationsmechanismus bestimmt, was, wie und für wen produziert werden soll. Hier lassen sich grundsätzlich zentrale und dezentrale Koordination unterscheiden. Bei der zentralen Abstimmung übernimmt eine zentrale staatliche Instanz alle notwendigen Entscheidungen. Sie plant das „Was“, „Wie“ und „Für wen“. Eine solche Wirtschaftsordnung wird daher auch als Plan- bzw. Zentralverwaltungswirtschaft bezeichnet. Bei der dezentralen Koordination entscheiden Unternehmen und Haushalte; Angebot und Nachfrage steuern in einer solchen marktwirtschaftlichen Ordnung das Geschehen.

Dem Ökonomen Walter Eucken (1891–1950) zufolge ist Koordination bzw. Planung das elementare Klassifikationsmerkmal (Abb. 3). Je nach der Zahl der Planträger unterscheidet er idealtypisch zwischen dem Modell der „freien Verkehrswirtschaft“ (Marktwirtschaft) und dem der „zentral geleiteten Wirtschaft“ (Planwirtschaft).

1

Bereiche der Gesellschaftsordnung

2

Reale Wirtschaftsordnungen als Abweichung von den beiden Idealtypen

3

Klassifikation von Wirtschaftsordnungen

Eigentumsordnung

In einer Marktwirtschaft befindet sich das Kapital zumeist in Privateigentum. Nahezu jedes Stück Land, jedes Haus, jede Maschine gehört einer Person oder einem Unternehmen. Nur in seltenen, gesetzlich angeordneten Fällen stehen Güter in öffentlichem Eigentum.

Eigentumsrechte

Die Eigentumsordnung umfasst die Gesamtheit der Eigentumsrechte; sie ist Bestandteil der Wirtschaftsverfassung, d. h. des rechtlichen Rahmens der wirtschaftlichen Aktivitäten einer Volkswirtschaft.

Eigentumsrechte an Gütern beinhalten das Recht, diese Güter zu besitzen und über sie zu verfügen. Juristisch bedeutet Eigentum das umfassende Herrschaftsrecht an einer Sache, d. h., die beliebige Verfügung darüber, allerdings innerhalb der gesetzlichen Inhalts- und Schrankenbestimmungen des Eigentums. Eine Antiquitätensammlerin darf ihre alten Schränke in ihrer Wohnung aufstellen, sie verleihen, verkaufen, verschenken oder auch in einer kalten Winternacht im Kamin verfeuern. Schranken sind z. B. bau- und feuerpolizeiliche Verordnungen, das Verbot von Rechtsmissbrauch (etwa durch störendes Bauen) oder auch die nachbarschaftliche Rücksichtnahme. Beispielsweise muss der Eigentümer eines Grundstücks die Zuführung von Gasen, Dämpfen und Gerüchen vom Nachbargrundstück dulden, soweit diese ihn nur unwesentlich belästigen oder ortsüblich sind und nicht durch Maßnahmen vermindert werden können, die wirtschaftlich zumutbar sind.

Im alltäglichen Sprachgebrauch werden die Begriffe Eigentum und Besitz häufig verwechselt. So spricht man etwa vom Hausbesitzer, meint aber den Hauseigentümer. Das Recht, über ein Rechtsobjekt im gesetzlichen Rahmen frei verfügen zu können, bezeichnet man als Eigentum. Demgegenüber ist Besitz die tatsächliche Herrschaft über eine Sache. Leiht ein Ehepaar dem Nachbarn seinen Rasenmäher, so ist der Nachbar zeitweiliger Besitzer, während das Ehepaar Eigentümer des Rasenmähers bleibt.

Schutz des Eigentums

Den Schutz des Eigentums gewährt zunächst die Eigentumsordnung selbst. Der Eigentümer kann etwa die Herausgabe einer ihm unbefugterweise vorenthaltenen Sache gerichtlich erzwingen oder eine unbefugte Störung verhindern. Das Eigentum wird zudem durch das Strafrecht geschützt, wenn Eigentum gestohlen oder beschädigt wird. Auch das Verfassungsrecht schützt das Eigentum, denn der Staat versichert durch die Eigentumsgarantie (Art. 14 Grundgesetz), das Eigentum nicht ohne allgemeine gesetzliche Grundlage und nicht ohne Entschädigung zu beschränken oder zu entziehen (Abb. 1). Zwar ist das Eigentum als Freiheitsrecht des Einzelnen grundrechtlich geschützt. Zugleich gilt aber die Sozialpflichtigkeit des Eigentums, d. h., sein Gebrauch soll auch dem Wohl der Allgemeinheit dienen (Abb. 2).

Eigentumsrechte und wirtschaftspolitische Ziele

Die Eigentumsordnung legt fest, wie und unter welchen Bedingungen über Ressourcen verfügt werden darf. Die Frage, wie Nutzungsrechte für Ressourcen in einer Gesellschaft definiert werden müssen, damit die gesellschaftlichen Ziele erreicht werden, ist Gegenstand der Theorie der Nutzungsrechte. Güter, die nicht knapp sind, können frei verfügbar bleiben. Allerdings werden frei zugängliche Güter, wie etwa saubere Luft, immer seltener, sodass auch für solche Güter Nutzungsrechte festgelegt werden müssen, etwa indem die Abgabe von Schadstoffen beschränkt wird.

Die Eigentumsordnung muss Anreize schaffen, die dafür sorgen, dass sich Haushalte und Unternehmen im Gesamtinteresse verhalten. In der Vergangenheit hat sich Privateigentum als ein guter Anreiz zum sorgsamen Umgang mit Ressourcen erwiesen. So wird etwa ein Unternehmer stets versuchen, den Energieverbrauch möglichst gering zu halten, da er auf diese Weise einen höheren Gewinn erwirtschaftet.

Eigentum und Wirtschaftsordnung

In einer Marktwirtschaft werden Angebot und Nachfrage durch den Preis reguliert. Dieser Mechanismus kann nur funktionieren, wenn Haushalte und Unternehmen eigenverantwortlich über die Verwendung der Produktionsfaktoren und Güter entscheiden können. Ein Unternehmen wird nur dann gegründet, wenn der Gründer über seine Maschinen und seinen Gewinn verfügen kann. Haushalte fragen nur solche Güter nach, über deren Verwendung sie auch selbst bestimmen können.

Entscheidend ist, dass die mit Produktionsfaktoren und Gütern verknüpften Eigentumsrechte und sozialen Pflichten konkret definiert sind. Andernfalls kommt es, wie etwa bei einem unbeschränkten Schadstoffausstoß von Kohlekraftwerken, zu Konflikten zwischen privaten und gesellschaftlichen Interessen.

1

Grundrechtsträger im Rahmen der Eigentumsgarantie

Die Eigentumsgarantie des Art. 14 Grundgesetz (GG) begründet ein Individualrecht des Bürgers gegen den Staat und die anderen Hoheitsträger. Danach ist der Entzug des Eigentums oder dessen sonstige hoheitliche Beeinträchtigung zugunsten der Allgemeinheit nur gegen angemessene Entschädigung des Betroffenen zulässig. Inhalt und Schranken des Eigentums sind durch den Gesetzgeber bestimmt. Richtmaß hierfür ist die Sozialpflichtigkeit des Eigentums.