Logo weiterlesen.de
Allgemeinbildung kompakt

Inhalt

DATEN ZUR GESCHICHTE

RELIGIONEN

PHILOSOPHIE

MYTHOLOGIE

KUNST

MUSIK

LITERATUR

SPRICHWÖRTER UND REDENSARTEN

DER MENSCH

TIERWELT

PFLANZENWELT

NATURWISSENSCHAFTEN

TECHNIK

INTERNATIONALE ORGANISATIONEN

DIE ERDE

DATEN ZUR GESCHICHTE

vor 2,5 Mio. Jahren Der Homo habilis stellt erste Werkzeuge aus Steinen und Knochen her.

vor 400 000 Jahren Der Mensch erlangt die Kontrolle über das Feuer.

33 000 v. Chr. Die frühesten Höhlenmalereien entstehen in Südfrankreich und Nordspanien. Dargestellt werden fast ausschließlich Tiere.

9. Jt. v. Chr. Beginn der »neolithischen Revolution«. Pflanzliche und tierische Domestikationen. Mit dem Anbau von Getreide und der Haltung von Haustieren wird der Mensch sesshaft.

7. Jt. v. Chr. Mit der Entwicklung der Töpfer- und Webkunst beginnt sich der Mensch auf der Erde häuslich einzurichten.

ab 6./5. Jt. v. Chr. Die Metallverarbeitung bringt neben Gebrauchsartikeln auch Schmuckgegenstände hervor. Kupfer, später Bronze und Eisen verändern die Welt.

5. Jt. v. Chr. Der Beginn der Seefahrt erschließt dem Menschen neue Lebensräume.

ab 5. Jt. v. Chr. Die Monumentalgräber der Megalithkulturen Europas sind Zeichen für einen Jenseitsglauben.

um 3100 v. Chr. In Babylonien entsteht die erste Schrift.

4./3. Jt. v. Chr. Der Erfindung des Rades folgt die Erfindung des Fahrzeugs.

3100 v. Chr. Durch die Vereinigung von Ober- und Unterägypten entsteht unter dem sagenhaften König Menes der ägyptische Staat.

3. Jt. v. Chr. Die Hochkulturen entwickeln unterschiedliche Kalender zur Einteilung der Zeit und geben damit dem Leben eine erste Ordnung.

ab 2700 v. Chr. Beginn der Geldwirtschaft: Die ersten Zahlungsmittel mit festgelegten Werteinheiten sind Gerste, Kupfer und Silber.

2600 v. Chr. Die Cheopspyramide, die größte der Pyramiden von Giseh, wird gebaut.

2500 v. Chr. Der Städtebau am Indus erreicht seinen Höhepunkt. Die Metropole Mohenjo-Daro entsteht.

2230 v. Chr. Sargon von Akkad schafft in Mesopotamien den ersten Territorialstaat.

2. Jt. v. Chr. Die Erfindung von Sonnen- und Wasseruhren ermöglicht eine weitere Einteilung der Zeit.

18. Jh. v. Chr. Der Codex Hammurapi wird in eine Stele eingemeißelt. Er ist die älteste und größte überlieferte Sammlung von Gesetzestexten des alten Orients.

776 v. Chr. Die Olympischen Spiele werden erstmals in einer schriftlichen Quelle erwähnt.

um 700 v. Chr. In Babylonien wird das Sexagesimalsystem, das erste vollständige Zahlensystem, entwickelt.

6. Jh. v. Chr. Thales von Milet gilt als der erste Philosoph der griechischen und europäischen Denktradition.

um 597 v. Chr. Nebukadnezar II. erobert Jerusalem, zerstört den salomonischen Tempel und führt die Bevölkerung in die Babylonische Gefangenschaft.

um 560–480 v. Chr. Siddharta Gautama, genannt Buddha (»der Erleuchtete«), legt den Grundstein für eine der ältesten Weltreligionen.

539 v. Chr. Durch den Sieg über das Neubabylonische Reich begründet Kyros II. das persische Weltreich.

5. Jh. v. Chr. Mit der Ausdehnung der politischen Entscheidungsgewalt auf alle Bürger entsteht in Athen die Demokratie.

4. Jh. v. Chr. Das Weltreich Alexanders des Großen zerfällt nach seinem Tod 323 v. Chr. in die Diadochenreiche.

ab 264 v. Chr. Rom steigt zur ersten europäischen Weltmacht auf.

2. Jh. v. Chr. Der griechische Astronom Aristarchos von Samos entwickelt ein heliozentrisches Weltbild.

um 150 v. Chr. Die griechische Astronomie liefert bahnbrechende Erkenntnisse über die Himmelskörper und berechnet erstmals Sonnen- und Mondfinsternisse.

44 v. Chr. Der römische Diktator Gaius Julius Caesar wird von einer Gruppe oppositioneller Senatoren an den Iden des März (15. 3.) ermordet.

zwischen 9 und 4 v. Chr. Jesus von Nazareth wird geboren.

64 n. Chr. Unter Nero kommt es nach dem Brand Roms zur ersten Christenverfolgung.

70 Der jüdische Aufstand gegen die römische Herrschaft endet nach vier Jahren mit der Eroberung Jerusalems und der Zerstörung des Tempels.

312 Der im Zeichen des Kreuzes errungene Sieg Kaiser Konstantins in der Schlacht an der Milvischen Brücke verhilft dem Christentum zum Durchbruch.

ab 375 Der Einfall der Hunnen nach Südrussland löst die germanische Völkerwanderung aus.

451 In der Schlacht auf den Katalaunischen Feldern erleiden die Hunnen unter Attila gegen ein weströmisches Heer, die Westgoten und die Franken eine schwere Niederlage.

455 Vandalen plündern Rom.

528–542 Kaiser Justinian lässt den »Corpus Iuris Civilis«, eine Sammlung des römischen Rechts, zusammenstellen, die in Deutschland als »Gemeines Recht« bis zum Jahr 1900 Gültigkeit hatte.

618–903 China erreicht unter der Tang-Dynastie seine bis dahin größte Ausdehnung.

622 Mohammed, Begründer des Islam, verlässt mit Anhängern Mekka und wandert nach Medina. Die Hidjra ist der Beginn der islamischen Zeitrechnung.

714 Die Mauren erobern das Westgotenreich auf der Iberischen Halbinsel.

722–1492 Ganze 770 Jahre dauert die Reconquista, die christliche Rückeroberung Spaniens von den Arabern.

786–809 Unter Harun ar-Raschid erlebt das Abbasidenreich mit der Hauptstadt Bagdad seinen politischen und kulturellen Höhepunkt.

800 Karl I., der Große, wird von Papst Leo III. zum Römischen Kaiser gekrönt.

955 In der Schlacht auf dem Lechfeld gelingt einem zahlenmäßig weit unterlegenen Reiterheer unter dem deutschen König Otto I. der Sieg über die Ungarn.

1066 Herzog Wilhelm von der Normandie (Wilhelm der Eroberer) besiegt in der Schlacht von Hastings die Angelsachsen.

1096–1270 In sieben Kreuzzügen ziehen mehr als eine Million Menschen ins Heilige Land.

1099 Bei der Eroberung Jerusalems richten die Ritterheere der Kreuzfahrer ein furchtbares Blutbad unter der Bevölkerung an.

um 1200 In Italien werden mit der Entstehung der ersten Banken die Grundlagen des modernen Finanzverkehrs gelegt.

um 1200 In Bologna schließen sich Rechtsstudenten zu Genossenschaften zusammen und gründen die erste Universität.

1206 Temüdschin (»der Schmied«) wird zum Khan aller mongolischen Teilvölker erhoben und führt fortan den Namen Dschingis Khan.

1215 König Johann Ohneland stellt unter dem Druck von Magnaten, Klerus und der Londoner Bürgerschaft die Magna Charta Libertatum aus.

1291 Die drei Talgemeinden Uri, Schwyz und Nidwalden schließen einen ewigen Landfrieden. Dieser Bund ist die Keimzelle der Schweizer Eidgenossenschaft.

13.–19. Jh. Die Inquisition überzieht Europa mit ihrem Schrecken. Hunderttausende fallen ihr zum Opfer.

1339–1453 Im sogenannten Hundertjährigen Krieg zwischen England und Frankreich führt das Auftauchen der Jeanne d’Arc, der Jungfrau von Orléans, 1429 die Wende zugunsten Frankreichs herbei.

1347–51 Die Große Pest bricht über die Menschen herein. Mindestens ein Viertel der Bevölkerung Europas fällt dem »Schwarzen Tod« zum Opfer.

1389 Die Schlacht auf dem Amselfeld endet mit einer Niederlage der christlichen Balkanvölker gegen die muslimischen Osmanen.

15. Jh. Die Chinesische Mauer erhält unter der Ming-Dynastie ihre heutige Form.

um 1450 Die Erfindung des Buchdrucks mit beweglichen Metalllettern durch Johannes Gutenberg revolutioniert die Informationsverbreitung.

1453 Mit der Eroberung Konstantinopels durch die Osmanen endet das Byzantinische Reich.

1492 Anstatt des Seewegs nach Indien entdeckt der Genueser Christoph Kolumbus, ohne es zu wissen, Amerika, die »Neue Welt«.

1519–1556 Das Reich Kaiser Karls V. ist das erste Weltreich, in dem »die Sonne nicht untergeht«.

1517 Am 31.10., so die Überlieferung, heftet Martin Luther 95 Thesen an die Schlosskirche von Wittenberg und setzt damit die Reformation in Gang.

1519–1521 Der portugiesische Seefahrer Ferdinand Magellan beweist mit der ersten Weltumsegelung die bis dahin angezweifelte Kugelgestalt der Erde.

1519–1521 Die Konquistadoren unter Hernán Cortés erobern und vernichten das Reich der Azteken.

1532 Francisco Pizarro erobert das Reich der Inka.

1535 König Heinrich VIII. löst die Kirche von England von Rom und schafft die anglikanische Staatskirche.

1543 Nikolaus Kopernikus’ Schrift zum heliozentrischen Weltbild erscheint.

1547–1584 Unter der Herrschaft Iwans IV., des Schrecklichen, wird Russland Großmacht.

1555 Mit dem Augsburger Religionsfrieden werden die Religionskämpfe der Reformationszeit beigelegt.

1558–1603 Elisabeth I. wird Königin von England, das unter ihrer Herrschaft eine Blütezeit erlebt (Elisabethanisches Zeitalter).

1572 In der sogenannten Bartholomäusnacht (23./24.8.) werden in Frankreich bis zu 10 000 Hugenotten und ihre Führer ermordet.

1588 Sieg der englischen Flotte über die spanische Armada.

1618 Der Prager Fenstersturz löst den Dreißigjährigen Krieg aus, in dessen Verlauf weite Teile Europas verwüstet und nahezu entvölkert werden.

1643–1715 Unter Ludwig XIV., dem Sonnenkönig, erlebt der französische Absolutismus seine Glanzzeit und wird zum Vorbild für die Fürsten Europas.

1648 Der Westfälische Friede (24.10.), der in Münster und Osnabrück geschlossen wird, beendet den Dreißigjährigen Krieg.

1649 Im Zuge der puritanischen Revolution in England wird König Karl I. hingerichtet.

1653–1658 Oliver Cromwell herrscht als Lordprotector über England, das er mit Schottland und Irland zusammenschließt.

1679 Die Habeas-Corpus-Akte, eines der grundlegenden Gesetze zum Schutz der persönlichen Freiheitsrechte, entsteht unter König Karl II. von England.

1682–1725 Zar Peter I., der Große, führt tief greifende Reformen durch und macht Russland zur europäischen Großmacht.

1683 Nachdem Wien zwei Monate lang der Belagerung standgehalten hat, besiegt ein Entsatzheer unter dem polnischen König Jan Sobieski die türkischen Truppen in der Schlacht am Kahlenberg.

1688/89 Die Glorious Revolution, in der das englische Parlament König Jakob II. stürzte, endet mit der Thronbesteigung Wilhelms von Oranien. Seither ist die englische Monarchie an eine Verfassungsordnung, die Bill of Rights, gebunden.

18. Jh. Die Briten legen das Fundament für das größte Reich der Weltgeschichte: das British Empire.

18. Jh. Die Ideen der Aufklärung entwerfen die Grundlagen der modernen bürgerlichen Gesellschaft.

1740–1786 Unter Friedrich II., dem Großen, der als der »Alte Fritz« eine volkstümliche Gestalt wird, steigt Preußen zur europäischen Großmacht auf.

1740–1780 Maria Theresia führt in Österreich, Böhmen und Ungarn tief greifende Reformen durch.

1762–1796 Kaiserin Katharina II., die Große, festigt durch eine erfolgreiche Machtpolitik die Stellung Russlands.

1776 Mit ihrer Unabhängigkeitserklärung vom 4. Juli lösen sich die 13 englischen Kolonien in Amerika vom Mutterland.

1787 Der Konvent in Philadelphia verabschiedet die amerikanische Verfassung, die – mit einigen Änderungen – bis heute gilt.

1789 Am 14.7. stürmt das Volk das Pariser Stadtgefängnis, die Bastille, und gibt damit das Signal für die Französische Revolution. Am 26.8. verkündet die Nationalversammlung eine Erklärung der Bürger- und Menschenrechte.

1793 Der französische König Ludwig XVI. und seine Frau Marie Antoinette sterben durch die Guillotine.

1799 Napoleon Bonaparte reißt in einem Staatsstreich die Macht an sich.

1804 Napoleon krönt sich zum Kaiser der Franzosen.

1814/15 Nach dem Ende der napoleonischen Herrschaft verhandelt der Wiener Kongress die Neuordnung Europas.

1837–1901 Unter der Herrschaft Königin Victorias (seit 1877 auch Kaiserin von Indien) erlebt das britische Empire den Höhepunkt seiner Macht.

1848 Karl Marx und Friedrich Engels veröffentlichen in London das »Kommunistische Manifest«.

1848 Eine Revolutionswelle erfasst ganz Europa bis auf Russland und England.

1848 In der Frankfurter Paulskirche tritt die Deutsche Nationalversammlung zusammen.

1849 Die Revolutionen in Deutschland, Österreich und Italien werden niedergeschlagen.

1853–1856 Der Krimkrieg gegen das mit England und Frankreich verbündete Osmanische Reich endet mit der Niederlage Russlands.

1861–1865 Der Sezessionskrieg zwischen den Nord- und den Südstaaten spaltet die USA.

1863 Auf Betreiben des Genfer Bankiers und Schriftstellers Henri Dunant wird das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) geschaffen.

1864 In London wird die Erste Internationale gegründet, mit der Karl Marx versucht, der Arbeiterbewegung eine straffe internationale Organisation zu geben.

1871 Wilhelm I., preußischer König, wird in Versailles zum Deutschen Kaiser proklamiert; damit wird das Deutsche Reich gegründet. Otto von Bismarck wird erster Reichskanzler.

um 1890 Zur Verbesserung der Situation der Industriearbeiter entstehen sozialistisch orientierte Gewerkschaften.

1896 Die ersten Olympischen Spiele der Neuzeit finden in Athen statt.

1900/01 In China schlägt ein Expeditionskorps der europäischen Mächte den sogenannten Boxeraufstand nieder.

1905 Am »Blutsonntag« (9.1.) beginnt eine Welle revolutionärer Unruhen in Russland, die das Zarenreich in seinen Grundfesten erschüttert.

1906 Als erstes Land Europas führt Finnland das Frauenwahlrecht ein; Deutschland folgt 1918, die Schweiz 1971, Liechtenstein als letztes europäisches Land 1976.

1911/12 Die Chinesische Revolution endet mit dem Sturz der Mandschu-Dynastie und der Ausrufung der Republik.

1914 Das Attentat von Sarajevo (28.6.), bei dem der serbische Nationalist Gavrilo Princip den österreichischen Erzherzog Franz Ferdinand und seine Frau tötet, löst den Ersten Weltkrieg aus.

1915 Im April setzt Deutschland an der Westfront bei Ypern erstmals die Massenvernichtungswaffe Giftgas ein.

1916 Die deutsche Armee beendet im Dezember die erfolglose Schlacht um Verdun. Der seit Februar andauernde Stellungskrieg forderte 700 000 Opfer.

1917 Die USA treten in den Krieg ein.

1917 Die Machtübernahme von Wladimir Iljitsch Lenin nach der Oktoberrevolution beendet eine monatelange revolutionäre Bewegung.

1918 Frieden von Brest-Litowsk zwischen Sowjetrussland und dem Deutschen Reich mit seinen Verbündeten (3.3.); Revolution in Berlin, Abdankung Wilhelms II., Ausrufung der Republik, Übertragung der Regierungsgeschäfte auf Friedrich Ebert (9.11.); Unterzeichnung des Waffenstillstands bei Compiègne (11.11.).

1918 Bürgerkrieg in Russland; Ermordung des Zaren Nikolaus II. und seiner Familie.

1919 Gründung des Völkerbunds (28.4.); Unterzeichnung des Versailler Vertrags (28.6.).

1919 Nach ihrer Verhaftung werden die Führer des niedergeschlagenen Spartakusaufstands, Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht, von rechtsradikalen Offizieren in Berlin ermordet (15.1.).

1919 Wahl Friedrich Eberts zum Reichspräsidenten; Beginn der Weimarer Republik. Mit der Weimarer Verfassung erhält Deutschland erstmals eine demokratische republikanische Verfassung.

1922 Mit dem »Marsch auf Rom« erzwingt Faschistenführer Benito Mussolini von König Viktor Emmanuel II. den Auftrag zur Regierungsbildung.

1923 Kemal Atatürk proklamiert die Türkische Republik.

1923 Im Münchener Bürgerbräukeller erklärt Adolf Hitler die bayerische und die Reichsregierung für abgesetzt (Hitlerputsch).

1923 Die Währungsreform mit der Ausgabe der Rentenmark beendet die Inflation in Deutschland.

1924 Im Vertrag von Locarno erkennt Deutschland die im Versailler Vertrag festgelegte Westgrenze an.

1926 Deutschland wird Mitglied im Völkerbund.

1929 Der »Schwarze Freitag« (25.10.), der Zusammenbruch der New Yorker Börse, löst die Weltwirtschaftskrise aus.

1930 Zum Abschluss der Zweiten Haager Konferenz wird die Haager Schlussakte unterzeichnet, die die Reparationsleistungen Deutschlands endgültig regelt.

1933 Adolf Hitler wird von Reichspräsi-dent von Hindenburg zum Reichskanzler ernannt (»Machtergreifung«; 30.1.). Der Reichstagsbrand (27.2.) wird den Kommunisten angelastet. In Dachau errichten die Nationalsozialisten das erste Konzentrationslager (März). Der Reichstag verabschiedet das »Ermächtigungsgesetz«, das der Regierung diktatorische Vollmachten verleiht (23.3.).

1934 Bei einem Putschversuch österreichischer Nationalsozialisten wird Bundeskanzler Dollfuß ermordet.

1934 Nachfolger des verstorbenen Reichspräsidenten Paul von Hindenburg wird Adolf Hitler als »Führer und Reichskanzler« (2.8.).

1934/35 Während des »Langen Marsches« der chinesischen Kommunisten und ihrer Streitkräfte von Südost- nach Nordwestchina setzt sich Mao Zedong als Parteiführer durch.

1935 Mit den »Nürnberger Gesetzen« werden die juristischen Grundlagen für die Judenverfolgung geschaffen.

1936–1939 In Spanien tobt ein blutiger Bürgerkrieg zwischen der gewählten Regierung und den von General Francisco Franco Bahamonde geführten rechtsgerichteten Kräften.

1938 »Anschluss« Österreichs an das Deutsche Reich (13.3.).

1938 Im Münchner Abkommen (29.9.) zwischen Großbritannien, Frankreich, Italien und Deutschland wird verfügt, dass die Tschechoslowakei das Sudetenland an das Deutsche Reich abzutreten hat.

1938 Die Reichsprogromnacht (9.11.) (beschönigend auch »Reichskristallnacht« genannt) ist das größte Judenpogrom in der deutschen Geschichte.

1939 Mit dem Einmarsch deutscher Truppen in Polen (1.9.) beginnt der Zweite Weltkrieg.

1941 Der deutsche Angriff auf die Sowjetunion beginnt (»Unternehmen Barbarossa«; 22.6.).

1941 Die Japaner überfallen ohne Kriegserklärung den amerikanischen Marinestützpunkt Pearl Harbor auf Hawaii (7. 12.). In der Folge erklären die USA Japan den Krieg. Kriegserklärungen Deutschlands und Italiens an die USA folgen.

1942 Auf der »Wannseekonferenz« (20.1.) erläutert Reinhard Heydrich, der Chef des Reichssicherheitshauptamtes und stellvertretender Reichsprotektor in Böhmen und Mähren, den Vertretern der obersten Reichs- und Parteibehörden die Maßnahmen zur Ausrottung der Juden in den von deutschen Truppen besetzten Gebieten (»Endlösung der Judenfrage«).

1943 Die in Stalingrad eingeschlossene 6. deutsche Armee unter General Friedrich Paulus kapituliert (31.1./2.2.). Die 90 000 Überlebenden der ursprünglich 270 000 Soldaten kommen in russische Gefangenschaft.

1943 Propagandaminister Joseph Goebbels proklamiert den »totalen Krieg« (18.2.). Am selben Tag werden in München die Mitglieder der Widerstandsgruppe »Weiße Rose« verhaftet. Hans und Sophie Scholl und Christoph Probst werden am 22. 2. hingerichtet.

1943 Mit einem Aufstand (19.4. bis 16.5.) wehren sich die letzten 60 000 der ursprünglich 400 000 Bewohner des jüdischen Gettos in Warschau gegen ihre Deportation. Dabei werden fast alle getötet.

1943 Benito Mussolini wird gestürzt (25.7.). Italien erklärt den Aliierten seine Kapitulation (8.9.).

1943 Auf der Konferenz von Teheran festigen die »Großen Drei« Churchill, Stalin und Roosevelt ihre Zusammenarbeit und beschließen ihr weiteres militärisches Vorgehen gegen Deutschland (u. a. Errichtung einer »zweiten Front« in Frankreich) sowie die Westverschiebung Polens an die Oder-Neiße-Grenze.

1944 Die Landung der Alliierten unter General Dwight D. Eisenhower in der Normandie beginnt (»D-Day«; 6.6.).

1944 Das Bombenattentat des Generalstabschefs des Ersatzheeres, Claus Graf Schenk von Stauffenberg, auf Adolf Hitler misslingt (20.7.). In der Folge werden über 200 Mitglieder des Widerstands hingerichtet, etwa 7000 verhaftet, von denen nur etwa 2000 überleben.

1944 In Warschau erheben sich militärische Verbände des polnischen Widerstands gegen die deutsche Besatzung (1.8. bis 2.10.). Der Aufstand wird von der SS niedergeschlagen.

1945 Sowjetische Truppen befreien im KZ Auschwitz-Birkenau 5000 überlebende Insassen (27.1.). In Auschwitz starben von 1940 bis 1945 etwa 2,5 Millionen Menschen. Insgesamt fielen dem Holocaust rund 6 Millionen europäische Juden zum Opfer.

1945 Hitler begeht im Bunker der Reichskanzlei in Berlin Selbstmord (30.4.). Im amerikanischen Hauptquartier in Reims unterzeichnet Generaloberst Alfred Jodl die Gesamtkapitulation der deutschen Wehrmacht (7.5.), einen Tag später wird die Kapitulation im sowjetischen Hauptquartier in Karlshorst von General Wilhelm Keitel unterzeichnet. Sie tritt am 9.5. um 0.01 Uhr in Kraft. Die vier Besatzungsmächte übernehmen die Regierungsgewalt in Deutschland (5.6.).

1945 In San Francisco unterzeichnen die Vertreter von 51 Nationen die Charta der Vereinten Nationen (26.6.).

1945 Die amerikanische Luftwaffe wirft über den japanischen Städten Hiroshima (6.8.) und Nagasaki (9.8.) Atombomben ab. Daraufhin kapituliert Japan bedingungslos (2.9.).

1945/46 22 als Hauptkriegsverbrecher eingestufte Mitglieder der NS-Führung und der Wehrmacht werden in den Nürnberger Prozessen wegen Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit angeklagt. Zwölf werden zum Tode verurteilt.

1947 Mit der Truman-Doktrin beginnen die USA eine Politik der Unterstützung der freien Völker und Staaten unter drohendem kommunistischem Einfluss. Der Marshall-Plan dient der Förderung des Wiederaufbaus Europas.

1947 Mahatma Gandhi führt Indien in die staatliche Unabhängigkeit. Der Subkontinent wird in die vorwiegend von Hindus bevölkerte Republik Indien und in die islamische Republik Pakistan aufgeteilt.

1948 Am 14.5. wird der Staat Israel proklamiert. Einen Tag später bricht der erste israelisch-arabische Krieg aus.

1948/49 Mit der Währungsreform (20.6.1948) wird in den drei Westzonen Deutschlands die DM eingeführt. Die Sowjetunion reagiert darauf mit der vollständigen Blockade der Zufahrtswege nach Berlin. Die Westalliierten versorgen die Bevölkerung daraufhin über die »Luftbrücke« (26.6.1948 bis 12.5.1949).

1949 In Washington wird die NATO gegründet.

1949 Das Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland wird verkündet (23.5.). Die Gründung der Deutschen Demokratischen Republik erfolgt am 7.10.

1949 Mao Zedong proklamiert in Peking die Volksrepublik China (1.10.).

1950 In Südafrika werden die Apartheidgesetze verabschiedet.

1950 Chinesische Truppen besetzen Tibet.

1950–1953 Krieg zwischen dem kommunistischen Nord- und dem westlich orientierten Südkorea, in den die UNO unter amerikanischer Führung auf der Seite Südkoreas eingreift.

1952 Mit dem Inkrafttreten des Friedensvertrags zwischen Japan und den USA und ihren Verbündeten (28.4.) erlangt Japan bedingte Souveränität. Auch die Bundesrepublik Deutschland erhält nach der Unterzeichnung des Deutschlandvertrags (26.5.) eine eingeschränkte Souveränität.

1955 Als Reaktion auf den Beitritt der Bundesrepublik Deutschland zur NATO wird der Warschauer Pakt gegründet.

1955/56 Der schwarze Baptistenpfarrer Martin Luther King organisiert den gewaltlosen Widerstand der amerikanischen Bürgerrechtsbewegung.

1956 Der Volksaufstand in Ungarn wird von sowjetischen Truppen blutig niedergeschlagen.

1957 Die Sowjetunion startet Sputnik 1, den ersten künstlichen Satelliten.

1959 Die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft (EWG) wird gegründet.

1961 Die Sowjetunion schickt den ersten Menschen ins All. Der Major der Luftwaffe Juri Gagarin landet am 12.4. nach 108-minütiger Erdumkreisung sicher in Südrussland.

1961 Am 13.8. beginnt die DDR den Bau der Berliner Mauer.

1962 In Israel wird der ehemalige SS-Obersturmbannführer Adolf Eichmann hingerichtet, der verantwortlich war für den Tod von Millionen Juden.

1963 Der amerikanische Präsident John F. Kennedy wird in Dallas (Texas) ermordet (22.11.).

1965 Präsident Lyndon B. Johnson autorisiert amerikanische Truppen zu Offensivaktionen in Vietnam. Damit befinden sich die USA offiziell im Kriegszustand mit Nordvietnam.

1966–1969 Mit der Kulturrevolution will Mao Zedong noch wirksame Lebens und Denkweisen traditioneller chinesischer oder westlicher Prägung zum Verschwinden bringen.

1968 Die Proteste der Studentenbewegungen in den USA und Europa richten sich gegen Menschenrechtsverstöße und gegen den Vietnamkrieg, gegen verkrustete Strukturen und überkommene Autoritäten.

1968 Truppen des Warschauer Paktes setzen dem Prager Frühling (Liberalisierungs- und Demokratisierungsbemühungen in der ehemaligen Tschechoslowakei) ein blutiges Ende.

1969 Als erster Mensch betritt der amerikanische Astronaut Neil Armstrong den Mond (20.7.).

1970 Die Unterzeichnung des Warschauer Vertrags und der Kniefall Willy Brandts vor dem Mahnmal für die Toten des Aufstands im Warschauer Getto sind wichtige Schritte auf dem Weg zur Aussöhnung Deutschlands mit Polen.

1971 Ostpakistan wird als Bangladesh unabhängig.

1972 Bei den XX. Olympischen Spielen in München überfallen arabische Terroristen des »Schwarzen September« das Quartier der israelischen Olympiamannschaft und nehmen neun Sportler als Geiseln. Bei einem Befreiungsversuch werden die neun Geiseln, fünf Attentäter und ein Polizist getötet.

1973 In Chile kommt General Augusto Pinochet Ugarte durch einen blutigen Staatsstreich gegen den gewählten sozialistischen Präsidenten Salvador Allende an die Macht.

1974 Der seit 1969 amtierende amerikanische Präsident Richard Nixon sieht sich wegen der Watergate-Affäre zum Rücktritt gezwungen.

1975 Spanien wird nach dem Tod von General Franco Monarchie.

1975 Der Vietnamkrieg endet mit der Kapitulation Südvietnams.

1975–1979 Die Terrorherrschaft der Roten Khmer in Kambodscha fordert rund zwei Millionen Todesopfer.

1977 Im »Deutschen Herbst« erreicht der Terrorismus in der Bundesrepublik seinen Höhepunkt.

1978 Ägyptens Präsident Anwar as-Sadat und Israels Ministerpräsident Menachem Begin unterzeichnen den Friedensvertrag von Camp David.

1979 Ayatollah Ruhollah Khomeini ruft die Islamische Republik Iran aus.

1980 Sowjetische Truppen marschieren in Afghanistan ein.

1980–1988 1. Golfkrieg zwischen Iran und Irak.

1982 Krieg zwischen Großbritannien und Argentinien um die Falklandinseln; Großbritannien behält sein Überseegebiet.

1985 Unter der Parole »Glasnost« und »Perestroika« (russisch »Öffnung« und »Umgestaltung«) leitet der neue sowjetische Parteichef Michail Gorbatschow einschneidende innen- und wirtschaftspolitische Reformen ein. Sie sind die Vorboten umwälzender Veränderungen in Mittel- und Osteuropa.

1986 Bedienungsfehler und mangelhafte technische Sicherheitsvorkehrungen führen in der ehemaligen Ukrainischen SSR zur Havarie des Blocks 4 des Kernkraftwerks Tschernobyl (26.4.). Die Ereignisse werden auf der offiziellen INES-Skala als »katastrophaler Unfall« eingestuft.

1987 Die 1. Intifada beginnt in den von Israel besetzten palästinensischen Gebieten.

1988 Die letzten sowjetischen Truppen verlassen Afghanistan.

1989 Die Demokratiebewegung in China wird auf dem Platz des Himmlischen Friedens in Peking von der Volksbefreiungsarmee blutig niedergeschlagen (4.6.).

1989/90 In den kommunistischen mittel- und osteuropäischen Staaten führen Reformprozesse zum Zusammenbruch der Regime. Die DDR öffnet die Berliner Mauer (9.11.1989) und die innerdeutsche Grenze. Am 3.10.1990 ist die Einheit Deutschlands wiederhergestellt.

1990/91 Nach dem Überfall des Irak auf das Emirat Kuwait bricht der 2. Golfkrieg aus, in dem eine von der UNO bevollmächtigte internationale Streitmacht unter der Führung der USA Kuwait befreit.

1991 Der Warschauer Pakt löst sich auf. Die Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken zerfällt. Der Rücktritt von Staatspräsident Gorbatschow (25.12.) läutet das Ende der Sowjetunion ein (31.12.).

1991–1995 Durch die Unabhängigkeitserklärungen der Gliedstaaten Slowenien und Kroatien, denen sich Makedonien sowie Bosnien und Herzegowina anschließen, kommt es zu einem mit großer Grausamkeit gegenüber der Zivilbevölkerung geführten Bürgerkrieg auf dem Gebiet des ehemaligen Jugoslawien.

1992 In Südafrika wird die Apartheid abgeschafft.

1993 Mit der Trennung in die zwei unabhängigen Staaten Tschechische Republik und Slowakische Republik endet die 75-jährige Geschichte der Tschechoslowakei.

1993 Die Präsidenten der USA und Russlands, George Bush und Boris Jelzin, unterzeichnen das START-II-Abkommen zur Reduzierung der strategischen Atomwaffen.

1993 Mit einem historischen Händedruck besiegeln Israels Ministerpräsident Yitzhak Rabin und PLO-Chef Jassir Arafat das Gaza-Jericho-Abkommen (13.9. über eine palästinensische Teilautonomie.

1993 Eliteeinheiten der russischen Armee schlagen einen nationalkommunistischen Putschversuch nieder.

1993 Der Maastrichter Vertrag tritt in Kraft; damit ist die Bildung der Europäischen Union vollzogen (1.11.).

1994 Bei einem Raketenangriff auf ihr Flugzeug werden die Präsidenten der beiden Staaten Ruanda und Burundi getötet (6.4.). Daraufhin bricht in Ruanda der 1993 beigelegte Bürgerkrieg zwischen der Bevölkerungsmehrheit der Hutu und der Tutsi-Minderheit erneut aus. Dabei werden bereits in den ersten vier Wochen mehr als 200 000 Menschen getötet.

1994 Nelson Mandela, Symbolfigur des Kampfs gegen die Apartheid, wird bei den ersten freien Wahlen in Südafrika zum Staatspräsidenten gewählt.

1994 Die Unterzeichnung der »Washingtoner Erklärung« beendet nach 26 Jahren den Kriegszustand zwischen Israel und Jordanien.

1994 Truppen des Innenministeriums und der Armee marschieren in der russischen Teilrepublik Tschetschenien ein, die im Oktober 1991 ihre Unabhängigkeit erklärt hatte.

1995 Das Schengener Abkommen tritt in Kraft (26.3.). Damit entfallen die Grenzkontrollen zwischen Deutschland, Frankreich, den Benelux-Staaten, Spanien und Portugal.

1995 Mit der Ermordung (4.11.) des israelischen Ministerpräsidenten Yitzhak Rabin durch einen jüdischen Extremisten wird dem Friedensprozess im Nahen Osten ein vernichtender Schlag zugefügt.

1996 Die von Pakistan und den USA unterstützten islamisch-fundamentalistischen Taliban (»Koranschüler«) erobern die Hauptstadt Kabul und erklären Afghanistan zum »islamischen Gottesstaat«. Der letzte kommunistische Staatspräsident Najibollah wird hingerichtet.

1997 Britische Wissenschaftler geben bekannt, dass ihnen die Klonierung eines Schafs (»Dolly«) gelungen ist.

1997 Das Treffen der Staats- und Regierungschefs der G-7-Staaten (20.6.) wird durch die Aufnahme Russlands als gleichwertiger Partner zum G-8-Gipfel.

1997 Die britische Kronkolonie Hongkong fällt an China zurück (l.7.).

1998 Unter Druck anhaltender sozialer Proteste tritt der indonesische Präsident Suharto nach mehr als 30 Jahren Amtszeit zurück (21.5.).

1998 Bei zwei Bombenanschlägen einer islamistischen Terrororganisation auf die amerikanischen Botschaften in Kenia und Tansania kommen 259 Menschen ums Leben, mehr als 5000 Personen werden verletzt (7.8.). Als Vergeltung für die Anschläge bombardieren die USA eine angebliche Giftgasfabrik im Sudan (20.8.).

1998 Erstmals in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland wird eine Bundesregierung abgewählt. Die SPD wird mit 40,9 % der Stimmen klarer Sieger, Gerhard Schröder löst Helmut Kohl (CDU) als Bundeskanzler ab.

1999 Die Einführung der gemeinsamen Währung Euro als Buchgeld in zwölf EU-Ländern ist ein historischer Schritt auf dem Weg zur wirtschaftlichen Verschmelzung Europas.

1999 Ungarn, Polen und die Tschechische Republik werden Mitglieder der NATO (12.3.).

1999 Mit dem Kosovokrieg greift die NATO erstmals ohne UNO-Mandat in einen innerstaatlichen Konflikt ein. Mit Luftangriffen auf serbische Ziele werden die »ethnischen Säuberungen« der serbischen Armee im Kosovo beendet.

2000 Ein provokativer Besuch des israelischen Likud-Vorsitzenden Ariel Scharon und weiterer Abgeordneter sei ner Partei auf dem Jerusalemer Tempelberg löst die 2. Intifada (Al-Aksa-Intifada) der Palästinenser aus (28.9.).

2000 Mehr als eine halbe Million Menschen demonstrieren in Belgrad (5.10.) gegen das Regime von Präsident Milosevic und leiten dessen Sturz ein.

2001 Bei Terroranschlägen islamistischer Selbstmordattentäter kommen in den USA rund 3000 Menschen ums Leben (11.9.). Zwei entführte Passagiermaschinen werden in die Türme des World Trade Centers in New York gesteuert, wo sie explodieren; die beiden 420 Meter hohen, brennenden Türme fallen wenig später in sich zusammen. Ein drittes Flugzeug stürzt auf das Verteidigungsministerium in Washington und löst einen Großbrand aus; ein Teil des Pentagons stürzt ein. Ein viertes Passagierflugzeug zerschellt in der Nähe von Pittsburgh; es hatte vermutlich das Weiße Haus zum Ziel. An Bord der vier entführten Flugzeuge waren insgesamt 266 Menschen. Die Anschläge werden von Präsident George Bush als Angriff auf die USA gewertet und führen erstmals in der Geschichte der NATO zur Ausrufung des Bündnisfalles. Als Verantwortlicher gilt der saudi-arabische Terroristenführer Osama bin Laden, dem das Taliban-Regime in Afghanistan Gastrecht und Unterstützung gewährt.

2001 Nachdem die afghanische Taliban-Regierung die Auslieferung bin Ladens abgelehnt hat, beginnen amerikanische und britische Flugzeuge mit der Bombardierung Afghanistans (7.10.). Bis zum Ende des Jahres sind die Taliban entmachtet, Osama bin Laden ist auf der Flucht. In Afghanistan wird eine Übergangsregierung eingesetzt.

2002 Nach der Ausgabe der Euro-Münzen und -Banknoten in 12 EU-Staaten verlieren die nationalen Währungen ihre Gültigkeit als Zahlungsmittel.

2003 Ohne Zustimmung der internationalen Staatengemeinschaft greifen alliierte Truppen unter Führung der USA den Irak an (20.3.). Begründet wird der Angriff mit Massenvernichtungswaffen, die im Besitz Iraks sein sollen, und der angeblichen Zusammenarbeit des Regimes von Saddam Husain mit der Terrororganisation El Kaida. Bis Mitte April gelingt es den Angreifern, den gesamten Irak zu kontrollieren.

2004 Bei Terroranschlägen in Madrid sterben mehr als 200 Menschen, etwa 1500 werden verletzt. In vier Pendlerzügen explodieren während des morgendlichen Berufsverkehrs nahezu zeitgleich insgesamt zehn Bomben. Urheber der Anschläge sind Terroristen der islamistischen El-Kaida-Organisation (11.3.).

2004 Sieben ost- und mitteleuropäische Staaten treten der NATO bei (29.3.): Bulgarien, Estland, Lettland, Litauen, Rumänien, der Slowakischen Republik und Slowenien. 2009 kommen noch Albanien und Kroatien hinzu.

2004 Die Europäische Union feiert die Aufnahme der zehn neuen Mitgliedsländer Estland, Lettland, Litauen, Malta, Polen, Slowakische Republik, Slowenien Tschechische Republik, Ungarn und Zypern (1.5.). Der EU gehören nun 25 Staaten mit insgesamt rund 450 Mio. Einwohnern an.

2004 Aus den amerikanischen Präsidentschaftswahlen (2.11.) geht Amtsinhaber George Bush als Sieger hervor.

2004 Ein schweres Seebeben vor der Küste der indonesischen Insel Sumatra löst im Indischen Ozean eine gigantische Flutwelle aus (26.12.). An den Küsten Indonesiens, Thailands, Indiens und Sri Lankas reißt der Tsunami mehr als 300 000 Menschen in den Tod und richtet katastrophale Zerstörungen an.

2005 Der deutsche Kardinal Joseph Ratzinger wird als Nachfolger des am 2. April verstorbenen Johannes Paul II. als Benedikt XVI. neuer Papst (19.4.). Er ist der erste deutsche Papst nach fast 500 Jahren.

2005 Der »Vertrag über eine Verfassung für Europa« tritt nach ablehnenden Referenden in Frankreich (29.5.) und den Niederlanden (1.6.) nicht in Kraft.

2005 Im Iran setzt sich der bisherige ultrakonservative Teheraner Bürgermeister Mahmud Ahmadinedjad bei der Stichwahl um das Präsidentenamt mit 62 % der Stimmen überraschend gegen seinen Kontrahenten Haschemi Rafsandjani durch (24.6.).

2005 Eine Gruppierung des islamistischen Terrornetzwerkes El Kaida verübt Terroranschlägen in der Londoner Innenstadt. 56 Menschen werden getötet und über 700 verletzt (7.7.).

2005 Die Union wird bei der vorgezogenen Bundestagswahl mit 35,2% der Stimmen erstmals seit 1994 wieder stärkste Kraft im Parlament. Die SPD kommt auf 34,3% (18.9.). Am 22. August wird die aus Ostdeutschland stammende frühere Bundesministerin und seit 2000 amtierende CDU-Vorsitzende Angela Merkel vom Bundestag zur Bundeskanzlerin gewählt. Sie ist damit die erste Frau an der Spitze einer Bundesregierung.

2006 Überraschender Sieger der ersten Parlamentswahl in den Palästinensischen Autonomiegebieten nach zehn Jahren wird die von der EU und den USA als Terrorgruppe eingestufte islamistische Hamas-Bewegung. Sie kann 76 der 132 Sitze im Parlament erringen. Die bisher regierende Fatah stellt nur noch 43 Abgeordnete (25.1.).

2006 Der vor dem Internationalen Kriegsverbrechertribunal wegen Kriegsverbrechen sowie wegen Völkermord und Verbrechen gegen die Menschlichkeit angeklagte frühere jugoslawische Präsident Slobodan Milošević stirbt im UN-Gefängnis in Den Haag an einem Herzinfarkt (11.3.).

2006 Bei einem Referendum über die Souveränität Montenegros sprechen sich 55,5 % der Wähler für die Unabhängigkeit der Teilrepublik vom Staat Serbien und Montenegro aus (21.5.).

2006 Nach der Entführung von zwei Soldaten durch die radikalislamische Hizbollah beginnt mit dem Einmarsch der israelischen Armee in den Süden des Libanon der Libanonkrieg (12.7.), der am 14. August mit dem von der UNO geforderten Waffenstillstand endet.

2006 In Bagdad wird der frühere irakische Diktator Saddam Husain hingerichtet (30.12.). Saddam war wegen des Massakers an der schiitischen Bevölkerung der Stadt Dudscheil im Jahr 1982 am 4. November zum Tod durch den Strang verurteilt worden.

2007 Die Gesundheitsminister der Bundesländer einigen sich auf ein umfassendes Rauchverbot, das in allen öffentlichen Räumen gilt (23.2.).

2007 Bei der Stichwahl um das Amt des französischen Präsidenten (6.5.) setzt sich der favorisierte rechtsbürgerliche Kandidat Nicolas Sarkozy gegen seine sozialistische Kontrahentin Ségolène Royal durch.

2007 In Berlin tritt die aus der Fusion der Linkspartei (bis 2005 PDS) und der Wahlalternative Arbeit und soziale Gerechtigkeit (WASG) entstandene neue Partei »Die Linke« zu ihrem Gründungsparteitag zusammen. Zu Vorsitzenden werden Oskar Lafontaine und der bisherige Parteichef der PDS, Lothar Bisky, gewählt (16.6.).

2008 Kosovo erklärt seine Unabhängigkeit (17.2.), die jedoch nur von einem Teil der UN-Mitglieder, darunter die Staaten der EU, anerkannt wird.

2008 Der Zusammenbruch der US-amerikanischen Investmentbank Lehman Brothers (15.9.) löst die weltweit größte Finanz- und Wirtschaftskrise seit Ende der 1920er-Jahre aus.

2008 Bei der Präsidentenwahl in den USA stimmt die Mehrheit der Wähler für den demokratischen Kandidaten Barack Obama (4.11.). Damit wird zum ersten Mal ein Schwarzer zum Präsidenten der Vereinigten Staaten gewählt.

2009 Die Unionsparteien werden bei der Wahl zum Deutschen Bundestag (27.9.) mit 33,8 % der Stimmen erneut stärkste Kraft. Die SPD kommt auf nur noch 23,0%. Die FDP kann ihr Ergebnis von 9,8 auf 14,6 % steigern. Mit 11,9 % liegt die Linkspartei noch vor den Grünen, die 10,7 % der Stimmen erhalten.

2009 Am 1.12. tritt der EU-Reformvertrag von Lissabon in Kraft.

2010 Ein Erdbeben der Stärke 7,0 richtet in weiten Teilen Haitis Verheerungen an (12.1.). Nach offiziellen Angaben fordert das Beben bis zu 300 000 Todesopfer, rund 1,2 Mio. Menschen werden obdachlos.

2010 Der polnische Präsident Lech Kaczynski stirbt beim Absturz einer Regierungsmaschine bei Smolensk (10.4.).

2010 Rücktritt des seit 2004 amtierenden Bundespräsidenten Horst Köhler. Nachfolger wird der bisherige Niedersächsische Ministerpräsident Christian Wulff.

2010 Der Konservative David Cameron wird Chef der ersten britischen Koalitionsregierung nach dem Zweiten Weltkrieg.

2011 Arabischer Frühling: In nahezu allen – islamisch-arabisch geprägten – Staaten des Großen Maghreb und in Ägypten eskalieren langjährige politische und soziale Krisen in zum Teil blutigen Unruhen. Die Machthaber in Tunesien (14.1.), Ägypten (11.2.) und Libyen (20.11.) werden gestürzt.

2011 Ein Erdbeben der Stärke 9,0 und ein nachfolgender Tsunami verwüsten weite Teile der Ostküste der japanischen Hauptinsel Honshū und fordern Zehntausende Opfer (11.3.). In mehreren Kernreaktoren in der Präfektur Fukushima kommt es zu folgenschweren Störfällen, die auf der offiziellen INES-Skala als »katastrophaler Unfall« eingestuft werden.

2011 Der Südsudan erklärt seine Unabhängigkeit vom Sudan (9.7.).

2012 Rücktritt des Bundespräsidenten Christian Wulff. Nachfolger wird Joachim Gauck, der von 1990–2000 erster Bundesbeauftragte für die Stasi-Unterlagen war.

2012 Bei der Stichwahl um das Amt des französischen Präsidenten (6.5.) setzt sich der Kandidat des Parti socialiste, François Hollande, gegen Amtsinhaber Nicolas Sarkozy durch.

2013 Papst Benedikt XVI. verkündet seinen Amtsverzicht (11.2.). Zum Nachfolger gewählt (13.3.) wird der argentinische Jesuit Jorge Mario Bergoglio, der den Papstnamen Franziskus annimmt.

2013 Die Unionsparteien werden bei der Wahl zum Deutschen Bundestag (22.9.) mit 41,5 % der Stimmen erneut stärkste Kraft. Die SPD kommt auf 25,7 %. Die Linke erzielt 8,6 %, die Grünen 8,4 %. Die FDP verfehlt erstmals den Einzug in den Bundestag.

2014 Zwei Krisen erschüttern das politische System der Ukraine: Die Krim erklärt sich für unabhängig und tritt der Russischen Föderation bei (18.3). International wird dieser Beschluss nicht anerkannt. Insbesondere in den Oblasten Luhansk und Donezk kämpfen Milizen gegen ukrainische Regierungstruppen für einen Anschluss der Ostukraine an Russland.

2014 Die Terrorgruppe Islamischer Staat (IS) gewinnt im Nahen Osten an Einfluss. Im Verlauf des seit 2011 andauernden Bürgerkriegs in Syrien hat sie etwa ein Drittel des Landes unter ihre Kontrolle gebracht. Außerdem kontrolliert sie weite Teile des irakischen Nordens. Ziel ist die Errichtung eines Kalifats, das Syrien, den Irak, den Libanon, Israel, Palästina und Jordanien umfassen soll.

RELIGIONEN

Die neun großen Religionen

Judentum

Das Judentum ist die älteste monotheistische Religion. Ihre Grundlage ist das Bekenntnis zu dem einen Gott (Jahwe), der seinen Willen für die Menschen verbindlich in der Thora (»das Gesetz«) offenbart hat. Nach jüdischem Glauben hat Gott in Abraham das Volk Israel dazu auserwählt, den Glauben an den einen Gott in der Welt zu bekennen. Am Ende der Zeiten wird der aus dem Geschlecht Davids stammende Messias das Reich Gottes als Reich des Friedens für die Juden und die »Gerechten« aus allen Völkern aufrichten. Das Judentum kennt weder eine verbindliche Dogmatik noch eine oberste Instanz in Glaubensfragen noch Sakramente. Die Gemeinden sind weitgehend autonom. In ihnen ist der Rabbiner Lehrer, Prediger und religionsgesetzliche Autorität. Zentrum der Gemeinde ist die Synagoge, in der dreimal täglich der Gottesdienst stattfindet. Daneben bestimmen u. a. die Heiligung des Sabbats und besondere Fasten-, Reinheits- und Speisegesetze das religiöse Leben. Hauptfeste sind Passah, das Laubhütten- und das Wochenfest. Neben dem Alten Testament, das in den fünf Büchern Mose die Thora enthält, zählt v. a. der Talmud (rabbinische Kommentare und Texte zur Auslegung der Thora) zu den normativen Schriften.

Christentum

Das Christentum ist die größte der Weltreligionen und geht auf Jesus Christus († 29/31 n. Chr.) zurück. Nach christlichem Glauben ist Jesus Christus der von Gott gesandte, im Alten Testament verheißene Messias. Diese Verheißung erfüllt sich im Neuen Testament. Durch seinen Kreuzestod und die Auferstehung erlöst Jesus Christus die Menschheit, befreit sie von der Erbsünde und ermöglicht ihr das Heil, das ewige Leben. Die Erlösung wird der Menschheit ohne Vorbedingungen, nur aufgrund der Gnade Gottes, geschenkt. Im Mittelpunkt der christlichen Theologie steht die Lehre der Trinität. Danach stellt der eine Gott eine Einheit dreier wesensgleicher »Personen« dar: Vater, Sohn und Heiliger Geist. Jesus Christus wirkt weiter in der Welt durch den Heiligen Geist, der die Heilskraft der Sakramente bewirkt. Die christliche Ethik ist vor allem von der Nächstenliebe geprägt. Diese Glaubensinhalte sind für alle christlichen Kirchen gleich. In der Auslegung des Glaubens und in ihrer Organisation weichen sie jedoch voneinander ab. Kennzeichnend für die katholische Kirche sind der Papst als höchste und unfehlbare Autorität in Glaubens- und Sittenfragen sowie die Auffassung, dass die Heilige Schrift nur in der Tradition der Kirche authentisch ausgelegt werden kann. Die orthodoxen Kirchen (Ostkirchen) lehnen vor allem die Autorität des Papstes ab und haben – wie die orientalischen Nationalkirchen (syrische, armenische, koptische Kirche) – eine eigene liturgische Tradition ausgebildet. Die evangelischen Kirchen, die aus den Reformbestrebungen von Luther, Zwingli und Calvin hervorgegangen sind, lehnen ebenfalls die Autorität des Papstes ab und anerkennen als Offenbarungsquelle nur die Bibel. Die anglikanische Kirche (Church of England) entstand 1534 durch den Bruch König Heinrichs VIII. mit Rom aus persönlichen und politischen Gründen, nicht aufgrund dogmatischer Differenzen. In der christlichen Theologie sind die Sakramente Zeichenhandlungen, die die Gnade Gottes vermitteln und die Nähe Gottes für die Gläubigen persönlich erlebbar werden lassen. Die katholische und die orthodoxe Kirche kennen sieben Sakramente: Taufe, Firmung (Myronsalbung), Eucharistie, Buße, Krankensalbung (Heilige Ölung), Priesterweihe, Ehe. Die Sakramente der evangelischen Kirche sind Taufe und Abendmahl.

Islam

Der Islam wurde von dem aus Mekka stammenden Kaufmann Mohammed (*um 570, †632), der sich durch Gesichte und Stimmen zum Gesandten Gottes (Rasul Allah) berufen sah, zwischen 622 und 632 in Medina gestiftet und ist die jüngste monotheistische Weltreligion. In seinem Mittelpunkt steht die »völlige Hingabe [an den Willen Gottes]« (Islam), wie er im Koran, dem heiligen Buch des Islam, nach Mohammeds Offenbarung niedergelegt ist. Der Koran ist religiöses und zugleich weltliches Gesetzbuch. Der Mensch ist zu sittlicher Verantwortung verpflichtet und wird beim Jüngsten Gericht vor Gott zur Rechenschaft gezogen. Die gottgewollten Verhaltensweisen (Rechtsnormen, Kultvorschriften und ethische Normen) sind in der Scharia, dem islamischen Recht, niedergelegt. Den Gläubigen sind fünf Hauptpflichten (Säulen des Islam) vorgeschrieben: das Glaubensbekenntnis zu dem einen Gott (Allah) und Mohammed, seinem Prophe ten, das tägliche fünfmalige Gebet, das Fasten im Monat Ramadan, das Almosengeben und eine Wallfahrt nach Mekka (Hadjdj) einmal im Leben. Der Genuss von Schweinefleisch und Wein sowie das Glücksspiel sind verboten. Der Wochenfeiertag der Muslime ist der Freitag. Die islamische Zeitrechnung beginnt mit der Hidjra, dem Auszug Mohammeds nach Medina, im Jahr 622. Der Islam spaltet sich in zwei Hauptrichtungen: Die Sunniten verstehen sich als islamische Orthodoxie und berufen sich neben dem Koran auch auf die Sunna, eine Sammlung von überlieferten Aussprüchen und Handlungsweisen Mohammeds. Die Schiiten erkennen – im Unterschied zu den Sunniten – nur die Nachkommen Alis, des vierten Kalifen und Schwiegersohns des Propheten, als geistige Führer an. Eine mystische Strömung bildet der Sufismus, der durch Meditation eine Vereinigung mit der absoluten Wahrheit zu erreichen sucht.

Buddhismus

Der Buddhismus ist benannt nach dem Ehrentitel »Buddha« (»der Erleuchtete«) seines Stifters Siddharta Gautama (*um 560, † um 480 v. Chr.). Der Buddhismus lehrt, dass jede Daseinsform die kausale Folge eines früheren Lebens ist. Je nach gutem oder bösem Karma, das durch gute oder böse Taten angesammelt wird, wird der Mensch nach dem Tod in eine neue gute oder schlechte Existenz wiedergeboren. Kern des Buddhismus ist die Lehre von den »Vier edlen Wahrheiten«: Alles Leben ist leidvoll; Ursachen des Leidens sind Ichsucht und Lebensgier; das Leiden kann überwunden werden; der Weg dahin ist der »Edle Achtfache Pfad«, d. h. rechte Anschauung und Gesinnung, rechtes Reden, rechtes Handeln und Leben, rechtes Streben, Denken und Sichversenken. Das Ziel der Erlösung ist der Ausstieg aus dem Geburtenkreislauf, das Nirwana, die vollständige Ruhe. Hauptformen des Buddhismus sind der sogenannte Hinayana-Buddhismus (verbreitet in Sri Lanka, Birma, Thailand, Laos und Kambodscha) und der später entstandene sogenannte Mahayana-Buddhismus (verbreitet vor allem in China, Korea, Japan und Tibet). Die letztgenannte, abgemilderte Lehre setzt an die Stelle der egoistischen Selbsterlösung die Erlösungstat des Bodhisattva, eines erleuchteten Wesens, das vor seinem Eintritt ins Nirwana seine Verdienste auf alle Wesen überträgt und ihnen so zur Erlösung verhilft. Eine Schulrichtung des Mahayana-Buddhismus ist der Zen-Buddhismus.

Tibetischer Buddhismus (Lamaismus)

Der Lamaismus ist eine Form des Buddhismus und entstand im 8. Jahrhundert in Tibet. Er ist eine reine Mönchsreligion und stark von der einheimischen tibetischen Bon-Religion (Dämonen- und Zauberglauben) sowie dem indischen Tantrismus (Zauberformeln und magische Praktiken) beeinflusst. Im Zentrum der Lehre steht die Vorstellung, dass alles auf der Welt Existierende nur trügerische Illusion (»Leerheit«) ist. Die Erlösung liegt daher in der Loslösung von der vordergründigen Wirklichkeit. Sie wird durch Meditation, Yoga und magische Rituale erreicht. Charakteristisch ist das sich ständig wiederholende Aufsagen magischer Formeln. Die mündliche Rezitation kann oft sogar durch das Drehen der sogenannten Gebetsmühlen ersetzt werden. Das politische und geistliche Oberhaupt des tibetischen Priesterstaates ist der Dalai-Lama (zu mongolisch dalei »Ozean des gelehrten Wissens« und tibetisch lama »Lehrer«). Er gilt als Verkörperung eines Bodhisattva, eines Wesens, das auf dem Weg ist, ein Buddha zu werden. Wegen der gelben Mützen eines Teils seiner Anhänger wird der Lamaismus auch »Gelbe Kirche« genannt.

Daoismus (Taoismus)

Der Daoismus ist eine religiöse Lehre in China, die den von Laotse (4.–3. Jh. v. Chr.) begründeten philosophischen Daoismus mit okkultisch-magischen und alchemistischen Elementen vermischt. Der grundlegende Begriff des Daoismus ist Dao (chinesisch »Weg«, »Bahn«, »Ablauf der Natur«), der Urgrund alles Seienden. Dao wirkt in der Welt, indem er das Universum hervorbringt, erhält und alle Elemente durchdringt (De). Die richtige Lebenseinstellung des Menschen besteht daher im »Nichttun« (Wuwei), dem bedingungslosen Annehmen der eigenen Natur. Denn sie ist im Kleinen so ideal wie die Natur des Dao im Großen. Die daoistische Ethik entfaltet sich in dem »Dao-de-jing« (4. Jh. v. Chr.), einer Aphorismensammlung, die Laozi (Laotse) zugeschrieben wird. Laozi selbst wurde im religiösen Daoismus zum kosmischen Welterlöser.

Schintoismus

»Shinto « ist der chinesisch-japanische Name für die einheimische Religion Japans und bedeutet »Weg der Götter«. Der Schintoismus ist gekennzeichnet durch Naturverehrung, Ahnenkult und Verehrung der Klan-Gottheiten. Da sowohl Gegenstände und Erscheinungen der Natur als auch Ahnen göttlichen Charakter (Kami) erhalten können, ist die Anzahl der Gottheiten im Schintoismus groß. Der Himmelsvater Izanagi und die Erdmutter Izanami gelten als Schöpfer Japans. Ninigi, der Enkel der Sonnengöttin Amaterasu, gilt als der göttliche Ahnherr der bis heute herrschenden japanischen Dynastie. Der japanische Kaiser ist der Tenno, d. h. der Himmelsherrscher. Der Kult des Schintoismus besteht in der Darbringung von Zweigen des Kirschbaumes, Speiseopfern und rituellen Gebeten. Er wird an den Miya (»erlauchtes Haus«) genannten Schreinen vollzogen, die an fließendem Wasser errichtet sind, um den vorgeschriebenen Reinigungsritus zu ermöglichen. Die schintoistische Ethik betont Pflichttreue, Ehrlichkeit und Selbstbeherrschung und ist in dem Ideal des »lauteren Herzens« (Magokoro) zusammengefasst. Der Schintoismus hat das japanische Volk vor allem in Form von Werten, Verhaltens- und Denkmustern beeinflusst. Viele Japaner praktizieren sowohl den Schintoismus als auch den buddhistischen Glauben.

Anteil der Religionen in der Weltbevölkerung (in %)

Religionszugehörigkeit

1900

2000

2025*

Christen

33,4

33,0

34,8

Muslime

12,4

19,6

24,4

Hindus

12,5

12,9

13,4

Buddhisten

7,8

6,0

5,4

Stammesreligionen

6,6

4,1

3,7

neue Religionen

0,4

1,7

1,4

Sikhs

0,2

0,4

0,4

Juden

0,8

0,3

0,2

Nichtreligiöse

0,2

15,4

13,1

* Prognose

Konfuzianismus

Der auf den Philosophen Konfuzius (*551, †479 v. Chr.) zurückgehende Konfuzianismus ist neben dem Taoismus und dem Buddhismus die einflussreichste philosophische Richtung in China und Ostasien. Er war vom 2. Jahrhundert bis 1912 verbindliche Staatslehre. Der Konfuzianismus ist weniger eine Religion als vielmehr eine praktische moralische Philosophie. Sein zentrales Anliegen ist die Einbettung des Einzelnen in Familie und Staat. Die Moral wird als Menschlichkeit verstanden. Sie schlägt sich in den fünf konfuzianischen Kardinaltugenden nieder: gegenseitige Liebe (chung), Rechtschaffenheit (i), Weisheit (chi), Sittlichkeit (li) und Aufrichtigkeit (hsin). Die Übung der Tugenden gewinnt vor allem in den »fünf Beziehungen« in der Gemeinschaft (zwischen Fürst und Staatsdiener, Vater und Sohn, Mann und Frau, älterem und jüngerem Bruder, Freund und Freund) besondere Bedeutung. Die heiligen Texte des Konfuzianismus sind das Buch der Lieder (Shijing), das Buch der Geschichten (Shujing), das Buch der Wandlungen (Yi-jing), das Buch der Sitte (Li-ji) sowie die Frühlings- und Herbstannalen (Chun-qiu).

Hinduismus

Der Hinduismus ist keine Stifterreligion, sondern entstand als eine Mischung aus den Traditionen des indischen Brahmanismus und volkstümlichen Kulten seit dem 1. Jahrtausend v. Chr. Der Hinduismus kennt keine verbindliche Dogmatik. Seine Grundlage bilden die mündlich überlieferten Veden. Allen Glaubensrichtungen gemeinsam ist jedoch die Lehre vom Karma und von der Wiedergeburt. Danach durchwandert jedes Wesen (auch die Götter) in einem ewigen Kreislauf die Welt, je nach seinen guten oder bösen Taten als Gott, Mensch, Tier oder in der Hölle. Ein gutes Karma kann durch die Erfüllung der spezifischen Pflichten der Kaste, in die jeder hineingeboren wird, geschaffen werden. Das Ziel der Erlösung ist es, dem endlosen Kreislauf der Wiedergeburten (Samsara) zu entrinnen. Zu ihm führen zahlreiche Wege, z. B. Askese, Yoga Gottesliebe (Bhakti) oder magische Praktiken. Der Hinduismus kennt rund 33000, häufig regionale Gottheiten, wobei Brahma (der Schöpfer der Welt), Vishnu (der Erhalter) und Shiva (der Zerstörer) in ganz Indien verehrt werden. Die Götter können menschliche Gestalt annehmen. Die bekanntesten Inkarnationen Vishnus sind Rama und Krishna. Die Bilder eines Gottes werden im Tempel kultisch verehrt, der Mittler zwischen Gott und den Gläubigen ist der Priester (Brahmane). Höhepunkt der jährlichen großen Wallfahrten der Gläubigen ist ein rituelles Reinigungsbad im heiligen Fluss Ganges.

Die Bibel

Die von der christlichen Kirche als Urkunden der göttlichen Offenbarung und als verbindlich für Glauben und Lehre anerkannten Schriften sind das hebräische Alte Testament (A.T.) und das griechische Neue Testament (N.T.).

Die 39 alttestamentlichen Schriften, die auch heute noch die heilige Schrift der Juden sind, wurden innerhalb der jüdischen Gemeinde vom 5. bis zum 2. Jh. v. Chr. zusammengestellt. Das A. T. gliedert sich in drei Teile: das Gesetz (Thora), die Schriften und die Propheten. Die christliche Kirche erweiterte den alttestamentlichen Textbestand durch die in der hebräischen Bibel nicht enthaltenen deuterokanonischen Bücher oder Apokryphen.

Das Neue Testament entstand zu einem großen Teil im 1. Jh. n. Chr. Es enthält insgesamt 27 Bücher: fünf geschichtliche Bücher (Evangelien und Apostelgeschichte), 21 briefliche Lehrschriften und eine prophetische Schrift (Offenbarung des Johannes).

Die Apokryphen

Zur Zeit der Entstehung der christlichen Kirche war die hebräische Bibel in der griechischen Übersetzung verbreitet, der Septuaginta. Diese älteste und wichtigste griechische Version des Alten Testaments enthält einige in der hebräischen Bibel fehlende Schriften, die sogenannten Apokryphen. Die katholische Kirche nahm die Apokryphen als deuterokanonische (griechisch deutero »nächst…«, »zweit…«) Schriften in den Kanon auf. Luther fand sie »gar nützlich zu lesen, aber nicht den Übrigen gleich« und nahm sie in den Anhang der Bibel auf. Von den reformierten Kirchen werden die Apokryphen ganz abgelehnt. Zu den Apokryphen des N. T. gehören u. a. die 1945/46 in Nag Hammadi (Ägypten) gefundenen Texte, unter ihnen das »Evangelium nach Thomas« und das »Evangelium nach Maria (Magdalena)«, in dem die herausgehobene Stellung der Maria im Verhältnis zu Jesus geschildert wird.

Bibelübersetzungen

Die älteste und wichtigste griechische Übersetzung des Alten Testaments ist die Septuaginta (lateinisch »siebzig«). Sie wurde der Legende nach unter Ptolemaios II. Philadelphos in Alexandria von 72 jüdischen Gelehrten innerhalb von 72 Tagen erstellt (3.-1. Jh. v. Chr.). Weitere wichtige Bibelübersetzungen sind die syrische (2. Jh.), die koptische und die lateinische, die in der katholischen Kirche als Vulgata (4. Jh.) für authentisch erklärt wurde. Um 370 übersetzte Bischof Wulfila die Bibel ins Gotische.

Maßgebend für die evangelische Kirche wurde die deutsche Übersetzung Martin Luthers (1521–34). Vollständige Übersetzungen der Bibel liegen heute in über 360 Sprachen vor, Übersetzungen des Neuen Testaments in über 900 Sprachen, Voll- und Teilübersetzungen insgesamt sogar in über 2200 Sprachen. Mit der Herstellung und Verbreitung der Bibel befassen sich v.a. die Bibelgesellschaften.

Die Bücher des Alten Testaments1

Vulgata

Lutherbibel

Genesis

1. Buch Mose

Exodus

2. Buch Mose

Leviticus

3. Buch Mose

Numeri

4. Buch Mose

Deuteronomium

5. Buch Mose

Josua

Buch Josua

Richter (Judicum)

Buch der Richter

Ruth

Buch Ruth

1 Samuel (1 Könige, 1 Regum)

1. Buch Samuel

2 Samuel (2 Könige, 2 Regum)

2. Buch Samuel

1 Könige (3 Könige, 3 Regum)

1. Buch von den Königen

2 Könige (4 Könige, 4 Regum)

2. Buch von den Königen

1 Chronik

1. Buch der Chronik

2 Chronik

2. Buch der Chronik

Esdras (1 Esdras)

Buch Esra

Nehemias (2 Esdras)

Buch Nehemia

Tobias (Tobit)

Buch Tobias

Judith

Buch Judith

Esther

Buch Esther

1 Makkabäer

1. Buch der Makkabäer

2 Makkabäer

2. Buch der Makkabäer

Psalmen

Psalter

Job (Hiob)

Buch Hiob

Sprüche (Proverbia)

Sprüche Salomos

Prediger (Ecclesiastes)

Prediger Salomos

Hohes Lied (Canticum canticorum)

Hohelied Salomos

Buch der Weisheit (Sapientia)

Weisheit Salomos

Jesus Sirach (Ecclesiasticus)

Buch Jesus Sirach

Isaias

Jesaja

Jeremias

Jeremia

Klagelieder (Threni)

Klagelieder Jeremias

Baruch

Buch Baruch

Ezechiel

Hesekiel

Daniel

Daniel

Oseas (Osea, Hosea)

Hosea

Joel

Joel

Amos

Amos

Abdias

Obadja

Jonas

Jona

Michäas

Micha

Nahum

Nahum

Habakuk

Habakuk

Sophonias

Zephanja

Aggäus

Haggai

Zacharias

Sacharja

Malachias

Maleachi

1) Apokryphen kursiv

Bücher des Neuen Testaments

Vulgata

Lutherbibel

Matthäus-Evangelium

Evangelium des Matthäus

Markus-Evangelium

Evangelium des Markus

Lukas-Evangelium

Evangelium des Lukas

Johannes-Evangelium

Evangelium des Johannes

Apostelgeschichte

Apostelgeschichte des Lukas

Römerbrief

Brief des Paulus an die Römer

1. und 2. Korintherbrief

1. und 2. Brief des Paulus an die Korinther

Galaterbrief

Brief des Paulus an die Galater

Epheserbrief

Brief des Paulus an die Epheser

Philipperbrief

Brief des Paulus an die Philipper

Kolosserbrief

Brief des Paulus an die Kolosser

1. und 2. Thessalonicherbrief

1. und 2. Brief des Paulus an die Thessalonicher

1. und 2. Timotheusbrief

1. und 2. Brief des Paulus an Timotheus

Titusbrief

Brief des Paulus an Titus

Philemonbrief

Brief des Paulus an Philemon

Hebräerbrief

Brief des Paulus an die Hebräer

Jakobusbrief

Brief des Jakobus

1. und 2. Petrusbrief

1. und 2. Brief des Petrus

1., 2. und 3. Johannesbrief

1., 2. und 3. Brief des Johannes

Judasbrief

Brief des Judas

Geheime Offenbarung

Offenbarung des Johannes

Gestalten des Alten Testaments

Adam und Eva

Im Schöpfungsbericht (1. Mose 1) werden Adam und Eva als erstes Menschenpaar und Stammeltern aller Menschen genannt. Der Genuss der verbotenen Frucht vom Baum der Erkenntnis führte zum Verlust ihrer Unschuld und zu ihrer Vertreibung aus dem Paradies. Von nun an sollte die Arbeit mit Mühe und Leid, die Geburt mit Schmerzen verbunden sein. Paulus (Römer 5, 12–21) erblickt in Adam den Urheber der Sünde, der später als »alter Adam« zum Inbegriff der sündhaften Menschseins wird. »Den alten Adam ausziehen« steht dem entsprechend für das Ablegen der eigenen Fehler und den Beginn eines gottgefälligen Lebens.

Kain und Abel

Kain, erstgeborener Sohn von Adam und Eva, war Bauer, Abel, sein Bruder, Hirte (1. Mose 4, 8). Als beide Gott ein Opfer darbrachten und Gott wohlwollend auf das Opfer Abels blickte, Kains Opfer jedoch zurückwies, erschlug Kain aus Zorn über diese Missachtung seinen Bruder. Von Gott nach seinem Bruder gefragt, antwortete Kain nur: »Bin ich der Hüter meines Bruders?« Zur Strafe wurde Kain von Gott zu rastlosem Umherirren verdammt. Das Kainszeichen, ein Mal auf der Stirn, schützte ihn vor Blutrache.

Abraham

Abraham ist der älteste der drei biblischen Patriarchen und Stammvater Israels. Der biblischen Gestalt (1. Mose 11–25) liegt wahrscheinlich ein Hirte aus der Nähe von Hebron zugrunde, der zwischen 1200 und 1500 v. Chr. lebte. Aus Gehorsam gegenüber Gottes Befehl war Abraham bereit, seinen Sohn Isaak als Opfer darzubringen. Die Redewendung »sicher wie in Abrahams Schoß« geht zurück auf das Gleichnis vom armen Lazarus im Neuen Testament (Lukas 16, 22), wonach Lazarus nach seinem Tod von den Engeln in Abrahams Schoß getragen wurde.

Noah

Als Gott angesichts der Bosheit der Welt alles irdische Leben vernichten wollte, fand allein Noah »Gnade vor dem Herrn« (1. Mose 6–9). Mit seiner Familie sollte Noah die bevorstehende Sintflut überleben. Er schloss mit Gott einen Bund und erhielt von ihm den Auftrag, eine Arche zu bauen, in die er von allen Tieren je ein Paar mitnehmen sollte. Noah erkannte das Abnehmen der Flut, als eine ausgesandte Taube mit einem frischen ...

Wollen Sie wissen, wie es weiter geht?

Hier können Sie "Duden - Allgemeinbildung kompakt" sofort kaufen und weiterlesen:

Amazon

Apple iBookstore

ebook.de

Thalia

Weltbild

Viel Spaß!



Kaufen






Teilen