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Mein geheimes Verlangen

Inhalt

  1. Cover
  2. Über dieses Buch
  3. Autorenvita
  4. Titel
  5. Impressum
  6. Drei sind keiner zu viel – Mein geheimes Verlangen
  7. In der nächsten Folge

Über dieses Buch

Josephine hat es langsam satt. Seit Jahren ist sie nur die heimliche Geliebte. Vergeblich wartet sie darauf, dass ihr Liebhaber sich endlich von seiner Ehefrau trennt. Als ob sie selbst nicht genug Probleme hätte, muss sie sich tagsüber auch noch geduldig die belanglosen Geschichten ihrer Kundinnen im Friseursalon anhören.

Doch eines Tages erzählt ihr eine Freundin von einem heißen Dreier, auf den sie sich am Wochenende eingelassen hat. Josephine entdeckt in sich eine ungeahnte Neugier auf dieses sexuelle Abenteuer. Ist es genau das, was sie aus ihrer Monotonie reißen kann?

Mein geheimes Verlangen erzählt die Geschichten von Frauen im besten Alter und der Erfüllung ihrer heimlichsten erotischen Wünsche.

Autorenvita

Nina Schott, Jahrgang 1972, lebt mit ihrem Mann und mehreren Söhnen in Berlin. Dem Testosteron-Überschuss im Haus wird sie als Autorin Herr, äh Frau, indem sie von Zeit zu Zeit in die Leben ihrer Protagonisten abtaucht. Ihr Herz schlägt für das Verfassen von erotischen Abenteuern sowie ChickLit-Komödien.

»Und dann?!«

Ich brannte darauf, das Ende zu erfahren!

»Na, dreimal darfst du raten …«

Jenni legte eine bedeutungsschwangere Pause ein und spannte mich damit auf die Folter, wie ihr Besuch im Kitty, wie die Berliner ihren Club der besonderen Art nannten, ausgegangen war. Meine Güte! Mit ihrem Gehabe brachte sie mich zur Weißglut. Wir wussten beide, dass die nächste Kundin bereits mit den Hufen scharrte, und sie zierte sich wie ein Schulmädchen. Dabei kannte sie mich gut genug. Ihre ausgestreckte Hand schaukelte wie ein Flugzeug kurz vor der Bruchlandung, was mich noch neugieriger machte. Ich ahnte, dass die Geschichte einem pikanten Höhepunkt entgegensteuerte. Warum rückte sie nicht einfach mit der Sprache heraus?

Wenn ich etwas noch mehr hasste als die langweiligen Geschichten meiner Kundinnen, dann eine Freundin, der ich alles aus der Nase ziehen musste. Doch noch bevor ich meinem Unmut Luft machen konnte, verkündete das Windspiel im Eingangsbereich neues Unheil.

»Tut mir leid, Fi, dein Ponyyy«, stichelte Jenni, bevor sie Richtung Tür nickte und mich an der Kaffeemaschine stehen ließ.

»Fi, dein Ponyyy«, äffte ich sie nach. Flüsternd natürlich. »Für dich immer noch Josephine!«

Wer hatte mir bloß diesen blöden Spitznamen verpasst?

Toller Übergang. Von Jennis Erlebnissen im sagenumwobenen KitKatClub zur schwierigsten Kundin aller Zeiten. Schweren Herzens beamte ich mich in meinen Friseursalon zurück, in den Lisa Müller soeben den Fuß setzte.

»Hallo Müllerin«, begrüßte ich mit aufgesetzt freundlicher Miene meine Stammkundin, die sofort einschnappte und zur beleidigten Leberwurst mutierte, wenn man das falsche Thema anschnitt. Austeilen, das konnte sie, aber einstecken war ihr fremd. Dazu kam, dass sie spätestens, wenn es ums Bezahlen ging, Theater machte. Dann fiel ihr plötzlich ein, dass die Farbe, die Länge oder der Schnitt doch nicht so ganz ihren Wünschen entsprach, und das Feilschen ging los. Das spärliche Trinkgeld von zwei Euro wartete fein abgezählt in ihrer Hosentasche, da ließ sie sich nicht lumpen. Geizknochen. Nie war es mehr, egal, was ich mit ihrem Haar gemacht hatte. Seit acht Jahren erfreute ich mich nunmehr ihrer regelmäßigen Besuche.

Wie oft schon hatte ich ernsthaft mit dem Gedanken gespielt, die eine oder andere Kundin aus dem Salon zu schmeißen. Einfach mal allen den Marsch zu blasen, die es verdient hatten. Aber so einfach ging das nicht. Das war ich auch Gerd schuldig. Er sagte immer: »Denk dran, die Kundin ist Königin.«

Wenn das immer so einfach wäre.

Er hatte in den letzten Jahren mehr als genug in den Laden investiert. Ohne seine Finanzspritzen hätte ich schon hundert Mal dichtmachen können.

Er war meine Stütze. Zumindest, was das Finanzielle anging. Evelin hingegen würde er nie verlassen, so viel stand fest.

Wie hätte ich auch einen Mann von Mitte sechzig dazu bewegen können, sich endgültig für mich zu entscheiden, wenn ich selbst kurz vor der Menopause stand und jedem Kinderwagen hinterherstarrte? Warum sollte sich Gerd das alles noch einmal antun – heiraten und eine Familie gründen –, wenn er im Begriff stand, in den wohlverdienten Ruhestand zu gehen? Für eine junge Geliebte war man nie zu alt, und seine Immobiliengeschäfte liefen fast von allein, auch wenn er nicht mehr der Jüngste war. Aber wo bitte schön blieb ich dabei?

Hör auf!, rief ich mich zur Vernunft, nicht schon wieder die alte Leier. Neununddreißig und kein bisschen weise.

Dabei hätte es den Zeitpunkt für einen Absprung gegeben.

Ich hätte einen anderen Weg einschlagen können.

Ich hätte …

»So viel kann ich dir verraten: Sie hat Weltklasse geküsst.«

Jenni riss mich aus meinen Gedanken, als sie hinter mir auftauchte, um Farbe anzumischen. Mein Kopfkino ratterte los.

Sie?! Hatte Jenni tatsächlich sie gesagt? Hatte sie etwa mit einer Frau geknutscht? O. Mein. Gott. Ich wollte alles erfahren!

»Hallo«, funkte Lisa Müller dazwischen, die zum Glück nicht mitbekommen hatte, worum es ging. Zu viel Privates mussten die Kunden nun wirklich nicht von uns erfahren.

»Ich habe keine Lust mehr auf Pony«, stöhnte die Müllerin.

Nun war meine Meinung als Fachfrau gefragt. Jennis Geschichte musste warten. Leider.

»Den Pony kannst du wohl kaum ablegen. Du musst ihn herauswachsen lassen oder dein Haar insgesamt kürzen«, ließ ich sie wissen.

»Es ist mir völlig egal, wie du das hinkriegst, aber mach mir diesen Pony weg.« Lisa Müller schnaubte.

Ging die mir auf die Nerven. Das würden wieder zwei nette Stunden werden. Aber ob ich wollte oder nicht, irgendwie mussten wir das Pony-Thema vom Tisch kriegen.

»Gut«, versuchte ich sie zu beruhigen. »Wie wäre es denn mit einer Kurzhaarfrisur?«, schlug ich vor.

»Bist du wahnsinnig?!«, echauffierte sie sich und sank mit einem lauten Seufzer auf den Frisierstuhl. »Kannst du dir mich mit kurzen Haaren vorstellen?«

Nein. Weder mit kurzen noch ohne Pony, aber das behielt ich lieber für mich.

»Wir können ja erst mal den Ansatz färben und dann weitersehen.«

Mein Vorschlag fiel auf fruchtbaren Boden. Zumindest ließ das ihr »Okay« vermuten. Die Kundin wollte mit ihren Wünschen und Problemen abgeholt werden. So lief das. Lisa Müller bildete da keine Ausnahme.

In der Regel führte ich mit meinen Kundinnen keine Gespräche. Denn meine Kundinnen hielten Monologe. Sie strebten nach einer optischen Veränderung und wollten nebenbei den ganzen Mist loswerden, der sie beschäftigte. Mehr nicht. Ich diente da letztlich nur als Zuhörerin.

Kein Wunder, dass ich mich abends wie eine ausgelutschte Zitrone fühlte. Diese Quasselstrippen fraßen meine letzten Energien. Eigentlich clever von ihnen, sich auf diese Weise den Therapeuten zu sparen.

Eigentlich müsste ich ihnen das Doppelte abknüpfen.

Auch mein Beitrag zur heutigen Unterhaltung beschränkte sich auf einsilbige Antworten, was jedoch gar nicht weiter auffiel.

Da könnte ich doch …

Nach dem Einarbeiten Dutzender Folien setzte ich Lisa Müller unter eine Trockenhaube und schlich mich auf leisen Sohlen in die Teeküche, wo ich Jenni zu treffen hoffte. Meine Neugier ließ mir keine Ruhe. Ich musste endlich erfahren, was genau passiert war.

Jenni war jedoch noch im Laden beschäftigt, wo Lisa Müller noch immer vor sich hinzuplappern schien. Offensichtlich führte sie sogar Selbstgespräche, wenn niemand neben ihr stand. Wieder so ein Tag, an dem die Stunden rückwärts liefen.

Als Jenni zu mir stieß, lehnte sie sich an die Spüle und schnappte sich ihre Tasse. Typisch Jenni. Es verging kein Tag, an dem sie nicht Unmengen von Kaffee in sich hineinschüttete. Schwarz und ohne Zucker. Es war ihre Art, mit dem unspektakulären Dasein als Friseurin zurechtzukommen. Und heute war noch dazu Samstag, ein Tag, an dem andere das Wochenende genossen. Wie gut konnte ich sie verstehen! Aber da ich nicht nur ihre Freundin, sondern auch ihre Chefin war, musste ich mit gutem Beispiel vorangehen. Also scherzte ich darüber, dass die Zeit heute wieder mal besonders schnell verginge. Doch dann kam ich schnell auf den Punkt.

»Nun sag schon, wen hast du geküsst?«, platzte es aus mir heraus.

Grinsend beugte Jenni sich vor und flüsterte mir ins Ohr. Ich war froh, dass sie so leise sprach. Der winzige Raum, der gleichzeitig unsere Teeküche war, war nämlich nur durch einen Perlenvorhang vom Hauptraum getrennt, sodass die Kundinnen leicht alles mithören konnten. Das galt es zu verhindern.

»Der Typ, von dem ich dir vorhin erzählt habe, war mit einer Frau da, was ich erst gar nicht gecheckt habe. Als er sie mir vorstellte, waren wir uns auf Anhieb sympathisch. Sie hat sich gleich zwischen uns gesetzt.«

Ich holte mir eine Tasse aus dem Schrank und schenkte mir ebenfalls Kaffee ein. Beinahe vergaß ich die Milch.

»Na ja, sie trug nur so ein leichtes Hängerchen und keinen BH darunter. Ich musste ständig auf ihre Nippel starren.«

Mir lief ein Schauer über den Rücken.

»Ihre Brüste waren zwar klein, aber die Nippel dafür umso größer. Als würden sie sich jeden Augenblick durch den Stoff bohren.«

Sofort stellten sich auch meine Brustspitzen auf. Unsichtbar für Jenni und unter dem Stoff meines Balconette-BHs. So hoffte ich wenigstens. Ich überlegte kurz, ob Jenni auf Frauen stand oder schon einmal etwas in der Art erwähnt hatte, aber ich konnte mich nicht daran erinnern.

»Und schwuppdiwupp hatte ich ihre Hand auf meinem Oberschenkel zu liegen. Das war vielleicht aufregend, hat mich voll angemacht.«

Verlegen nippte ich an meinem Kaffee, wobei ich den Geschmack kaum wahrnahm. Das leichte Ziehen in meinem Unterbauch spürte ich dagegen sehr deutlich.

»Worüber habt ihr euch unterhalten?«, wollte ich wissen und wurde mir im selben Moment bewusst, wie lächerlich die Frage klang.

»Hm, gute Frage, kann ich dir gar nicht sagen«, antwortete Jenni und kratzte sich nachdenklich am Kopf.

Ich dämliche Kuh. Lenk sie jetzt bloß nicht vom Thema ab.

»Na ja, jedenfalls hat sie meinen Oberschenkel gestreichelt, und weil ich sie machen ließ, hat sie das wahrscheinlich als Aufforderung verstanden.«

Jennis Mundwinkel gingen nach oben, und sie lächelte spitzbübisch. Es hatte den Anschein, als ließe sie den Abend vor ihrem geistigen Auge noch einmal Revue passieren.

»Hast du denn auch was gemacht?«, fragte ich neugierig.

»Nein.« Sie schüttelte den Kopf. »Aber irgendwann trafen sich unsere Blicke und …«

»… ihr habt euch geküsst«, fasste ich zusammen und seufzte. Vielleicht bildete ich mir auch nur ein, dass ich geseufzt hatte.

»Eigentlich hat sie mich geküsst, und ich hab nichts dagegen gehabt. Wahrscheinlich hat sie gedacht, dass ich leicht zu haben bin.« Dann legte Jenni ihre Stirn in Falten. »Schließlich hat sie mich gefragt, ob ich an einem Dreier interessiert wäre.«

Ich glaubte, mich verhört zu haben, und lief rot an.

»Warst du?«, hakte ich vorsichtig nach.

»Nö, aber ich habe Ja gesagt. Ich wollte nicht, dass sie aufhört, mich zu küssen. Ich sage dir, das war sensationell! Hab ich ja noch nie gemacht, und es war irgendwie anders als mit einen Kerl, aber doch ähnlich.«

Ich war verwirrt. Erregt. Neidisch. Die Geschichte toppte definitiv alles, was ich bisher erlebt hatte. Die meisten Frauen träumten doch davon, einmal eine andere zu küssen!

»Mit wem bist du eigentlich dort gewesen?«

»Greta«, erwiderte Jenni genervt, »aber die hat den ganzen Abend nur in einer Ecke gesessen und das Gesicht verzogen. Keine Ahnung, was mit der los war.«

Ich konnte es mir genau vorstellen. Greta hatte Muffensausen bekommen und sich verkrochen. Wäre mir nicht anders gegangen, dachte ich. Auf der anderen Seite spürte ich eine ungeahnte Lust in mir, es Jenni gleichzutun.

»Eine ganze Weile später, also nach dem Küssen und Rumfummeln, sind wir dann nach draußen gegangen«, berichtete sie weiter.

»Wie«, fragte ich, »ihr drei?«

»Ja. Ich dachte mir, wenn ich mich schon auf so etwas einlasse, dann muss es ja nicht jeder mitbekommen. Ist zwar nichts Besonderes im Kitty, aber irgendwie war es mir doch lieber so.«

Das konnte ich gut verstehen. Trotzdem hatte Jenni etwas getan, was ich mich nie trauen würde. Allein davon zu hören war spannender als jeder Krimi.

»Na ja, und als wir draußen waren, haben wir uns hinter einer Bushaltestelle zu dritt geküsst. War auch nicht schlecht.«

Mir stockte der Atem. Die Vorstellung, abwechselnd einen Mann und eine Frau zu küssen, löste bei mir ein wahres Gefühlschaos aus. Mein Puls beschleunigte sich, und mein Herz schlug wie wild. Ich hoffte nur, Jenni würde es nicht mitbekommen.

»Guck mal lieber nach der Müllerin«, wechselte meine Kollegin das Thema, doch ich wollte mehr hören.

»Egal«, sagte ich, »die wird sich schon melden, wenn das Ding piept.«

»Schon gut.« Jenni lachte. »Der Rest ist schnell erzählt. Wir haben uns gegenseitig angefasst und dem Typen zusammen einen geblasen. Aber irgendwann wurde mir die Sache dann zu blöd, und ich bin wieder reingegangen. Die beiden haben dann allein noch ’ne Nummer geschoben.«

Ich war platt. Jenni hatte gemeinsam mit einer anderen Frau einem wildfremden Kerl einen geblasen. Unvorstellbar.

Trotzdem kam ich nicht umhin, etwas wie Neid zu verspüren.

»Sag Bescheid, wenn ihr wieder mal dorthin geht«, meinte ich deshalb so beiläufig wie möglich. »Vielleicht komme ich dann mit.«

Ich wunderte mich selbst über meine Worte, aber nun war es heraus. Ich wollte diesen Club auch mal von innen sehen und gucken, ob es stimmte, was man sich darüber erzählte. Gerd musste ja nichts davon erfahren.

Sofort bekam ich ein schlechtes Gewissen. Ich machte mir Gedanken darüber, was Gerd wohl dazu sagen würde. Als ob ich nicht allein entscheiden konnte, wozu ich Lust hatte. Aber selbst als Geliebte hatte ich gewisse Spielregeln einzuhalten. So kam es mir jedenfalls vor. Und was ist mit Gerd? Der macht doch auch, was er will!

Wurde höchste Zeit, dass sich für mich etwas änderte. Und wenn es nur ein verrückter Abend mit Jenni und ihrer Freundin war.

Apropos Zeit.

»Um Himmels willen«, kreischte ich los, »der Ansatz von der Müllerin!«

Erschrocken fuhr Jenni zusammen und verschüttete fast den Rest ihres Kaffees.

»Schöner Mist«, kicherte sie und nahm mir meine Tasse ab. »Das gibt Ärger.«

Noch hatte Lisa Müller keinen Grund, sich zu wundern, als ich durch den Glasperlenvorhang spähte. Entweder hatte sie kein Zeitgefühl oder der Artikel in der Gala über Heidi Klums neuen Lover war so interessant, dass sie darüber ihre Haare vergessen hatte. Meine Chance.

»Und, ist sie glücklich?«, fragte ich meine Kundin, nachdem ich mich neben sie gestellt hatte. Sie, die mich sonst ohne Punkt und Komma zutextete und anschließend jeden Quadratzentimeter auf ihrem Kopf untersuchte, um eine Ermäßigung zu bekommen, zuckte nur mit den Schultern. Ohne den Blick zu heben, murmelte Lisa Müller: »Denke schon.«

Glücklicherweise studierte mein Oxidationsopfer ausführlich den Klum’schen Pony, während ich die Trockenhaube zur Seite schob. Wahrscheinlich war sie im Begriff, mit ihrem Frisurwunsch zurückzurudern, und sehnte sich nach einem Look wie diesem.

Hoffentlich ist da noch was zu retten.

Obwohl?!

Böses Mädchen, ermahnte ich mich. Irgendwann würde ein Gerät erfunden werden, mit dem man Gedanken lesen konnte. Spätestens dann musste ich den Laden zumachen.

Doch wie Lisa Müller jetzt aussah, war definitiv furchtbar!

Als ich mit dem Fingernagel die Wasserstoffpaste an einer Strähne entfernte, wurden die Folgen meiner langen Abwesenheit sichtbar. Das war kein Blond, was ich da sah. Das war noch nicht einmal ein Weiß. Es war eine einzige Katastrophe!

Hektisch forderte ich die Ahnungslose auf, mir zum Waschbecken zu folgen. Lisa Müller gehorchte augenblicklich, nachdem sie meinen Blick im Spiegel bemerkt hatte. Der kam ihr nicht geheuer vor. Sogleich rannte sie los. Dabei hörte ich sie »O Gott!« jammern, bevor Jenni und ich in gemeinschaftlicher Arbeit begannen, die Folien zu entfernen. Ich hoffte inständig, dass sich die Haare nicht allesamt verabschiedeten und betete um jedes einzelne, von denen die Gute ohnehin nicht übermäßig viele auf dem Kopf trug.

So ein Pech aber auch.

Während ich zitternd den Wasserhahn betätigte, wurde mir schnell klar, dass ich heute eine Menge Lehrgeld bezahlen würde. Ein Büschel nach dem anderen verschwand im Abfluss.

Sie wird mich köpfen, befürchtete ich.

Erst als die Wäsche beendet war und Lisa Müller wieder vor dem Spiegel Platz nahm, wurde das ganze Ausmaß der Katastrophe sichtbar.

An den Stellen, wo die Haare den Färbe-Marathon überstanden hatten, ragten einzelne Inseln langer Strähnen aus einem Rest von Fusseln heraus, die nur mit viel gutem Willen als Kurzhaarfrisur zu betiteln waren.

Verflucht, verflucht, verflucht!

Selbst ein Azubi mit Augenproblemen hätte sofort bemerkt, dass das Gelb kein Aschblond war, sondern dem Ergebnis eines dreißigjährigen Nikotinmissbrauchs entsprach.

Nie wieder werde ich eine rauchen, schwor ich mir. Hoch und heilig.

Mit ernster Miene betrachtete die Verunstaltete ihr neues Gegenüber im Spiegel, blieb aber für ihre Verhältnisse erstaunlich ruhig. Wahrscheinlich weil ich so geschockt aussah. Soeben sah ich meinen Namen als Inhaberin des Salons Was geht ab? den Bach heruntergehen.

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