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Drei Babys und ein Daddy zum Verlieben

Lois Faye Dyer

Drei Babys und ein Daddy zum Verlieben

1. KAPITEL

Nicholas Fortune schloss die Computerdatei mit den aktuellen Bilanzen und dehnte die müden Glieder. Gähnend schob er den Schreibtischstuhl zurück und trat ans Fenster. Sein Büro lag im obersten Stockwerk der Fortune Foundation. Eine mondlose Nacht erstreckte sich über Red Rock. Der Himmel von Texas war eine schwarze Kuppel, in der Tausende Sterne funkelten.

„Was für ein Unterschied zu Los Angeles“, sinnierte er, als er die blinkenden Lichter eines Flugzeugs beobachtete, das über ihm seine Bahn zog. Aus dem Fenster seines alten Büros, mitten im Zentrum von Los Angeles in einem Hochhaus gelegen, hatte er statt der Sterne meistens nur Smog gesehen. Nein, Red Rock war von Kalifornien weiter entfernt als bloß ein paar tausend Kilometer – es war eine ganz andere Welt.

Nachdenklich blickte er in die Dunkelheit hinaus. Eigentlich war es eine gute Entscheidung gewesen, vor einem Monat hierher zu ziehen. Der Job als Finanzanalytiker bei der Kline Corporation in Los Angeles hatte ihn zum Schluss nur noch gelangweilt. Nick war auf der Suche nach neuen Herausforderungen, und während er für die Familienstiftung arbeitete, konnte er sich in aller Ruhe seinen nächsten Karriereschritt überlegen. Außerdem genoss er es, mehr Zeit mit seinem Bruder Darr zu verbringen.

Abgesehen vom Brummen des Staubsaugers eines Putzmanns im Foyer war es im Gebäude so still wie auf der Straße weit unter ihm. Nick ging zurück an seinen Schreibtisch und verstaute den Laptop in der Ledertasche. Gerade als er in sein Jackett schlüpfen wollte, klingelte das Telefon.

Er schaute auf seine Uhr. Viertel nach elf. Um diese Zeit hätte er den Anrufer normalerweise auf die Mailbox sprechen lassen, zumal er die Nummer auf dem Telefondisplay nicht kannte. Doch aus irgendeinem Grund nahm er das Gespräch entgegen. „Hallo?“

„Mr. Fortune? Nicholas Fortune?“

Eine fremde männliche Stimme. „Ja.“

„Gott sei Dank.“ Der Mann klang erleichtert. „Entschuldigen Sie den späten Anruf, aber ich versuche schon seit drei Tagen, Sie zu erreichen. Meine Assistentin hat gerade erst Ihre Nummer ausfindig machen können. Ich bin Andrew Sanchez, Stan Kennedys Nachlassverwalter.“

Nick runzelte die Stirn, als sich seine Finger fester um das schmale Handy schlossen. „Stan Kennedys Nachlassverwalter? Ist Stan etwas zugestoßen?“

„Es tut mir leid, der Übermittler einer schrecklichen Nachricht zu sein.“ In der Stimme des Anrufers schwang echtes Bedauern mit. „Mr. Kennedy und seine Frau sind vor drei Tagen bei einem Autounfall ums Leben gekommen.“

Nick schwieg schockiert.

„Mr. Fortune?“

„Ja.“ Nick riss sich zusammen. Er konnte keinen klaren Gedanken fassen. „Ja, ich bin noch da.“

„Soweit ich weiß, standen Sie und Mr. Kennedy sich sehr nahe?“

„Wir kennen uns vom College und haben uns damals ein Zimmer geteilt. Ich habe Stan zwar seit einem Jahr nicht mehr gesehen, aber der Kontakt ist nie abgerissen. Wir mailen und telefonieren miteinander. Ich war sein Trauzeuge.“ Wie Brüder, dachte Nick. „Im College waren wir wie Brüder.“

„Ich verstehe. Nun, das erklärt vermutlich, warum er Sie testamentarisch als Vormund seiner Kinder bestimmt hat. Die kleinen Mädchen befinden sich derzeit in der Obhut einer Pflegemutter, aber der Fürsorgebeamte würde Ihnen gern so schnell wie möglich die Verantwortung übertragen. Je früher sie in geordnete Verhältnisse kommen, desto besser.“

„Augenblick mal.“ Nick schüttelte den Kopf. Er war nicht sicher, ob er den Anwalt richtig verstanden hatte. „Stan hat mir die Pflege seiner Kinder übertragen?“

„So ist es.“ Der Anwalt machte eine Pause. „Haben Sie das nicht gewusst?“

Nick versuchte sich daran zu erinnern, was genau Stanley ihm über sein Testament erzählt hatte. Sie waren übereingekommen, sich gegenseitig um die geschäftlichen Angelegenheiten zu kümmern, falls einem von ihnen etwas zustoßen sollte. Er erinnerte sich noch genau daran, dass Stan ihn gebeten hatte, sich um Amy zu kümmern, falls ihm etwas zustoßen sollte. Auch wenn sie bei dem Gespräch eine Magnumflasche Champagner geleert hatten, wusste Nick, dass Stan sein Versprechen wichtig war, und er hatte es nicht leichtfertig gegeben.

Aber Babys? Und nicht nur eines, sondern gleich drei?!

„Die Drillinge waren noch nicht auf der Welt, als wir die Vereinbarung getroffen haben“, erklärte er dem Anwalt. Und keiner von uns beiden hatte im Traum daran gedacht, dass ihm und Amy etwas zustoßen könnte. „Aber ich habe Stan versprochen, für seine Familie zu sorgen, wenn er nicht mehr in der Lage dazu wäre.“

„Ausgezeichnet.“ Der Anwalt klang erleichtert. „Darf ich Sie dann morgen in meinem Büro erwarten?“

„Morgen?“, wiederholte Nick rau. Er hatte den Schock noch nicht überwunden.

„Ich weiß, es ist sehr kurzfristig“, entschuldigte Sanchez sich. „Doch wie ich bereits sagte, ist der Fürsorgebeamte sehr darum bemüht, dass die Babys so schnell wie möglich in geregelte Verhältnisse kommen.“

„Ja, das ist … wohl sinnvoll.“ Nick fuhr sich mit den Fingern durchs Haar und schaute auf den Kalender auf seinem Schreibtisch. „Morgen früh habe ich einen Termin, den ich nicht verschieben kann. Ich werde die erste Nachmittagsmaschine nehmen.“ Nick notierte die Adresse in Amarillo und beendete das Gespräch. Eine Weile lang blieb er auf der Schreibtischkante sitzen und starrte wie betäubt auf das Handy in seiner Hand.

Der Schock wich einem Gefühl der Traurigkeit. Er konnte nicht glauben, dass Stan und Amy nicht mehr lebten. Die beiden waren voller Lebensfreude und Fröhlichkeit gewesen. Und nun sollten diese beiden Energiebündel, von denen alle ihre Freunde profitierten, nicht mehr auf der Welt sein? Nicht zu fassen!

Als er sich das Gesicht rieb, merkte er, dass seine Hände feucht waren.

Er holte tief Luft und stieß sich von der Schreibtischkante ab. Viel Zeit zum Trauern um seine Freunde blieb ihm nicht. Drei kleine Mädchen hatten die Eltern verloren und brauchten Hilfe. Wieso, um alles in der Welt, die beiden zu dem Schluss gekommen waren, dass ausgerechnet er der beste Ersatzvater für die Drillinge war, blieb ihm allerdings nach wie vor rätselhaft.

Während seiner siebenunddreißig Jahre hatte er kaum mit Babys zu tun gehabt. Mit Brüdern, ja, davon hatte er vier, aber keine Schwestern, keine Verlobte und keine Ehefrau. Seine Mutter war vor zwei Jahren gestorben. Die einzige Frau in der Familie war Bethany, in die sich sein Bruder Darr vor einigen Monaten verliebt hatte. Bethany war schwanger. Aber bedeutete dies zwangsläufig, dass sie sich mit Babys auskannte?

Nick hatte keine Ahnung. Und für jemanden, der sein Leben zum größten Teil in der geordneten Welt von Zahlen und Bilanzen verbrachte, war Ahnungslosigkeit kein befriedigender Zustand.

Doch ihm blieb keine Wahl.

Obwohl er für diese Aufgabe absolut ungeeignet war, würde er am nächsten Tag nach Amarillo fliegen.

Und mit drei Babys nach Hause kommen.

Nick wusste nichts von Kindern. Vor allem nichts über kleine Mädchen.

Er würde sehr schnell lernen müssen …

Eilig durchquerte Charlene London die Abflughalle des Flughafens von Red Rock. Als der Schalter in Sicht kam, begann sie zu laufen. Die Maschine nach Amarillo stand bereit zum Abflug; nur noch einige Nachzügler warteten auf ihre Bordkarte. Zum Glück war die uniformierte Mitarbeiterin flink, und einige Minuten später schloss Charlene sich den Wartenden am Check-in an.

Zum ersten Mal seit Stunden atmete sie tief durch und entspannte sich. Die vergangenen drei Wochen waren hektisch und kompliziert gewesen. Die Trennung von ihrem Verlobten nach drei Jahren war schon schlimm genug gewesen. Hinzu kam, dass sie ihren Job aufgeben, die gemeinsame Wohnung auflösen und ihre Möbel lagern musste. Das alles hatte sie eine Menge Kraft gekostet. Nun wollte sie vorübergehend zu ihrer Mutter ziehen, die eine Eigentumswohnung in Amarillo besaß. Von dort aus würde sie eine neue Arbeit und eine neue Bleibe suchen.

Und ein neues Leben! Charlene war fest entschlossen, einen Schlussstrich unter ihre verkorkste Beziehung zu ziehen und ihre berufliche Karriere voranzubringen.

Sie nippte an ihrem Kaffee, während sich die Schlange langsam vorwärtsbewegte. In der Kabine herrschte ziemliches Gedränge. Passagiere suchten ihre Plätze, verstauten ihr Gepäck und blockierten die Gänge.

Sie war froh, dass sie dank ihrer Bonus-Meilen aus dem Vielfliegerprogramm ein First-Class-Ticket bekommen hatte. Nachdem sie einen Blick auf ihre Bordkarte geworfen hatte, suchte sie ihren Sitzplatz.

„Entschuldigen Sie bitte …“

Der Mann stand auf und stellte sich in den Gang, damit sie an ihren Fensterplatz gelangen konnte.

Ihr Nachbar duftete frisch und herb. Charlene kannte den Duft nicht. Vermutlich ein sehr teures Rasierwasser. Gott sei Dank nicht das Gleiche, welches Barry benutzt, dachte sie erleichtert.

Nichts sollte sie mehr an ihren Exfreund oder Exverlobten erinnern – oder wie auch immer man den Mann nennen wollte, mit dem sie drei Jahre zusammen gewesen war und von dem sie geglaubt hatte, dass er sie heiraten würde, bis sie entdeckte, dass er … doch nicht der Mann war, für den sie ihn gehalten hatte.

Sehr entmutigend.

„Soll ich das für Sie verstauen?“

Die tiefe, wohltönende Stimme riss Charlene aus ihren Gedanken.

„Wie bitte?“

Er deutete auf ihr Handgepäck. „Ach ja, vielen Dank.“

Mit einer schwungvollen Bewegung hievte er den Koffer in das Gepäckfach, während sie sich hinsetzte, ihre Handtasche unter den Vordersitz schob und sich anschnallte. Erst als die Maschine vom Gate zur Startbahn rollte, musterte sie den Mann neben sich verstohlen aus den Augenwinkeln.

Er blätterte durch die Bordzeitschrift, aber Charlene hatte den Eindruck, dass er nicht wirklich las. Er hatte hohe Wangenknochen, fein geschwungene, volle Lippen und ein energisches Kinn. Sein dunkles Haar war kurz geschnitten, und seine Wimpern waren erstaunlich lang und dicht. Sie überlegte flüchtig, welche Farbe seine Augen haben mochten.

Lange brauchte sie nicht auf eine Antwort zu warten. Er schaute auf, und ihre Blicke trafen sich.

Braun. Seine Augen waren braun. Die Art von Augen, in denen eine Frau sich verlieren kann, dachte sie.

Der Mann betrachtete sie ungeniert, und Charlene hielt den Atem an. Er verhehlte sein Interesse ganz und gar nicht. Ihr wurde heiß, und unwillkürlich richteten sich ihre Brustspitzen unter dem BH auf.

Obwohl Nick mit seinen Gedanken schon in Amarillo war, erregte die Frau, die im Gang stand, seine Aufmerksamkeit.

Als er aufstand, um sie auf ihren Platz zu lassen, berührten sich ihre Körper, und der Duft eines Parfüms stieg ihm in die Nase. Das kastanienbraune Haar fiel ihr ins Gesicht, als sie sich nach vorn beugte, um ihre Handtasche unter den Sitz zu schieben. Sie schob sich eine Haarsträhne hinters Ohr und schnallte sich an.

Dann drehte sie den Kopf in seine Richtung, und Nick musterte sie verstohlen. Ihre dicht bewimperten Augen waren grün wie frisches Frühlingsgras. Offenbar betrachtete sie ihn ebenfalls interessiert.

Sie war nicht nur hübsch, sondern wunderschön. Und wenn er die rosige Färbung ihrer Wangen richtig deutete, dann fühlte sie sich genauso zu ihm hingezogen wie er zu ihr – seit dem Moment, als sich ihre Blicke getroffen hatten.

„Alles in Ordnung?“, erkundigte er sich, als sie ihn stumm anschaute.

Sie blinzelte, und im Nu war der verträumte Ausdruck aus ihren Augen verschwunden. „Ja.“ Sie machte eine abwehrende Handbewegung. „Ich bin gerannt wie der Teufel, um das Flugzeug zu erwischen. Ich hasse es, mich zu verspäten.“

Nick nickte verständnisvoll und wollte etwas erwidern. Genau in diesem Moment heulten die Triebwerke auf, sie wurden in ihre Sitze gedrückt, und das Flugzeug hob ab. Die Frau neben ihm schloss die Augen und umklammerte ihre Sitzlehne.

Offenbar flog sie nicht gern. Nick wartete, bis die Maschine ihre Reiseflughöhe erreichte und seine Nachbarin ihre Finger, deren Knöchel weiß geworden waren, von der Lehne löste.

„Ich heiße Nicholas.“ Seinen Nachnamen verschwieg er wohlweislich. Die Fortunes waren in Red Rock weithin bekannt, und Mitglied einer reichen und einflussreichen Familie zu sein brachte manche Probleme mit sich. Schon früh hatte Nick erfahren, dass die Erwähnung des Namens in manchen Leuten bestimmte Erwartungen weckte.

„Charlene London“, erwiderte sie und holte eine Wasserflasche aus ihrer Tasche. „Fliegen Sie geschäftlich nach Amarillo?“, erkundigte sie sich, nachdem sie einen Schluck getrunken hatte.

„Nicht direkt.“

Charlene schob eine Haarsträhne, die ihr ins Gesicht gefallen war, hinters Ohr. Was sollte das heißen? „Ich verstehe“, sagte sie.

Er lachte kurz auf. „Ich wollte nicht so geheimnisvoll klingen. Die Gründe sind geschäftlich und privat.

„Ach so.“ Obwohl Charlene neugierig war, wollte sie ihn nicht mit Fragen löchern. Weiter hinten in der Economy-Class begann ein Baby zu schreien.

Nick schien intensiv zu lauschen, bis das Geschrei in ein Jammern überging. Als er Charlene ansah, wirkte er auf einmal ganz melancholisch. „Ein Freund aus alten Studientagen und seine Frau sind kürzlich ums Leben gekommen, und ich bin jetzt der Vormund ihrer Töchter. Ich fliege nach Amarillo, um die Kinder abzuholen.“ Er seufzte. „Zwölf Monate alte Drillinge.“

Schockiert sah Charlene ihn an. Einen Moment lang war sie sprachlos. „Sie machen Witze“, sagte sie schließlich.

„Leider nein.“ Er wirkte ebenso deprimiert wie ratlos.

„Haben Sie und Ihre Frau denn eigene Kinder?“

„Ich bin nicht verheiratet. Und ich habe auch keine Kinder“, fügte er hinzu. „Der Einzige, der von mir abhängig ist, ist Rufus, mein Hund.“

„Dann werden Sie sich also … ganz allein um die Babys kümmern?“

Er nickte. „Darauf läuft es wohl hinaus.“

„Das ist ja Wahnsinn.“

„Ja“, sagte er im Brustton der Überzeugung. „Der helle Wahnsinn.“

„Ich bin die Älteste von sechs Geschwistern. Zwei davon sind Zwillinge“, erzählte Charlene. „Wenn ich Ihnen einen Rat geben darf – nehmen Sie sich eine Kinderfrau. Je früher, desto besser.“

Nick stimmte ihr insgeheim zu. Alleine konnte er es unmöglich schaffen. Bevor er jedoch fragen konnte, ob sie sich mit Kinderfrauen auskannte, kam die Mutter mit dem schreienden Baby an seinem Sitz vorbei.

„Entschuldigen Sie bitte.“ Charlene stand auf. Als er in den Gang trat, um sie vorbeizulassen, streifte sie seine Brust mit der Schulter.

Sofort verspannte Nick sich, als hätte sie mit den Fingerspitzen seine nackte Haut berührt. Er holte tief Luft, wodurch er den Duft ihres Parfüms und die Wärme ihrer Haut nur umso intensiver wahrnahm.

Ihm stockte der Atem. Seit seinen Teenagerjahren hatte er nicht mehr so intensiv auf die Nähe eines weiblichen Wesens reagiert. Fast ärgerlich rief er sich zur Ordnung und versuchte, das plötzliche Lustgefühl zu ignorieren. Das war nun wirklich der unpassendste Moment. Schnell ließ er sich in seinen Sitz zurückfallen. Er hatte geglaubt, dass Charlene die Toiletten im First-Class-Bereich aufsuchen wollte.

Stattdessen wandte sie sich an die junge Mutter. „Hallo“, begrüßte sie die erschöpft wirkende Frau. „Sie sehen müde aus.“

Um Himmels willen. Die Frau mit dem Baby machte den Eindruck, als würde sie jeden Moment in Tränen ausbrechen. Gott sei Dank tat sie es nicht. Nick hasste weinende Frauen.

„Ich bin wirklich fix und fertig“, murmelte die Frau, während sie dem jammernden Baby beruhigend den Rücken tätschelte. „Die Kleine auch“, fügte sie mit Blick auf das Kind hinzu. „Wir beide haben in den letzten Tagen kaum länger als eine halbe Stunde am Stück geschlafen.“

„Oje. Mit meinem kleinen Bruder war das damals genauso“, sagte Charlene mitfühlend. „Er kam ein paar Wochen zu früh auf die Welt und hatte dauernd Sodbrennen. Wir brauchten eine Weile, bis wir herausfanden, wie wir ihn zum Schlafen bringen konnten.“

Die junge Mutter riss die Augen auf. „Wie denn?“

„Ich zeig’s Ihnen gerne“, bot Charlene an und streckte die Arme aus.

Die Frau zögerte. Offenbar wollte sie ihr Kind nicht so ohne Weiteres einer vollkommen Fremden anvertrauen.

„Ich verstehe, dass Sie die Kleine ungern hergeben, schließlich kennen wir uns ja gar nicht“, sagte Charlene. „Aber ich kann es leichter zeigen als erklären.“

In diesem Augenblick begann das Baby noch lauter zu jammern. Das war der Auslöser dafür, dass die Mutter ihr Baby von der Schulter nahm und es behutsam in Charlenes Arme legte.

Nick wusste nicht viel über Babys – außer dass man ihren Kopf immer an der Schulter abstützte, wenn man sie in den Arm nahm. Charlene jedoch legte das Baby bäuchlings auf ihren Arm, hielt den winzigen Kopf mit der Handfläche und schaukelte es sanft hin und her, während sie mit der anderen Hand über seinen Rücken streichelte. Das Baby fuchtelte müde mit den Armen, das Schreien ging in einen Schluckauf über, und schließlich wurde die Kleine still.

Nick starrte Charlene an. Das hatte sie wirklich gut gemacht.

Auch die Mutter des Babys sah überrascht aus. „Wie, um alles in der Welt, haben Sie das geschafft?“, flüsterte sie.

„Erfahrung“, lächelte Charlene, während sie fortfuhr, das Mädchen beruhigend zu streicheln. „Ich war zwölf, als mein Bruder geboren wurde.“ Sie betrachtete das rosa gekleidete Baby, das schlafend auf ihrem Arm lag. „Wenn Sie sie beim Windelwechseln oder beim Füttern leicht nach rechts drehen, hilft das auch gegen das Sodbrennen. Ich weiß nicht, ob Ihre kleine Tochter dieses Problem hat, aber wenn ja, dann sind die Schmerzen so unangenehm, dass sie sie am Einschlafen hindern oder aufwecken.“

Erleichtert nahm die Mutter ihr schlafendes Baby in den Arm und bedankte sich überschwänglich bei Charlene.

„Gern geschehen“, entgegnete diese und trat zur Seite, um der Frau Platz zu machen. Sie sah ihr nach, als sie zu ihrem Sitz zurückging.

Nick stand auf, um Charlene auf ihren Fensterplatz zu lassen. „Beeindruckend“, meinte er, als er sich wieder hinsetzte. „Wirklich sehr beeindruckend.“

Achselzuckend griff sie zu ihrer Wasserflasche. „Das sind Grundkenntnisse der Babypflege. Die meisten jungen Mütter wissen über solche Dinge nicht Bescheid und müssen sich ihr Wissen mühsam aneignen. Am besten, man fragt erfahrene Mütter.“

„Klingt vernünftig. Nichts geht über Erfahrung.“ Plötzlich wusste Nick, dass er seine Kinderfrau gefunden hatte. „So jemanden brauche ich auch. Wie wär’s mit Ihnen?“, fragte er.

„Was meinen Sie?“

„Sie werden die Kinderfrau für meine Drillinge. Ich zahle Ihnen das Doppelte des üblichen Lohns“, drängte er, als sie den Kopf schüttelte.

„Tut mir wirklich leid. Aber ich suche gerade eine Arbeit in Amarillo.“

„Wie wäre es mit einem ordentlichen Antrittsgeld – sagen wir: fünfundzwanzigtausend Dollar?“

Ihre Augen wurden groß. „Das ist ein sehr großzügiges Angebot. Da werden die Bewerberinnen Schlange stehen. Sie können sich Ihre Nanny aussuchen. Mich brauchen Sie da gar nicht.“

„Oh doch“, erwiderte Nick im Brustton der Überzeugung. „Ich zahle Ihnen sogar noch einmal dieselbe Summe, wenn Sie bleiben, bis ihre Tante kommt, um sich um sie zu kümmern. Ich bin mir nämlich sicher, dass Sie wie geschaffen für diese Aufgabe sind.“

Erstaunt sah Charlene ihn an. „Ihre Tante nimmt sie?“

„Ich bin nur vorübergehend für die Mädchen verantwortlich, bis der Anwalt Amys Schwester Lana ausfindig gemacht hat. Sie arbeitet als Lehrerin irgendwo in Übersee und unterrichtet Kinder in Ländern der Dritten Welt. Außerdem ist sie verheiratet.“ Im Gegensatz zu mir, dachte er. Ein überzeugter Junggeselle, der nicht die Absicht hatte, in absehbarer Zeit zu heiraten. „Dann haben die Mädchen wenigstens richtige Eltern und nicht nur mich.“

„Ich verstehe.“

Einen Moment lang glaubte Nick, Charlene würde sein Angebot akzeptieren.

Doch dann schüttelte sie erneut den Kopf. „Es tut mir leid, zumal ich weiß, wie schwierig es ist, sich um mehr als ein Baby zu kümmern. Aber ich habe andere Pläne.“

„Und Sie sind sicher, dass Sie Ihre Meinung nicht ändern werden?“

„Ganz sicher.“

„Schade.“ Er holte eine Visitenkarte aus der Innentasche seines Jacketts und schrieb etwas auf die Rückseite. „Das ist meine Handynummer – falls Sie es sich doch anders überlegen sollten. Ich bleibe einen Tag in Amarillo. Morgen früh, sobald ich Plätze gebucht habe, fliege ich mit den Mädchen zurück nach Red Rock.“

„Sie bleiben ja nicht lange“, sagte sie und steckte die Karte ungelesen in ihre Handtasche.

„Nein. Ich möchte die Drillinge so schnell wie möglich nach Hause bringen, damit sie sich an ihre neue Umgebung gewöhnen. Die Situation ist ohnehin schon schwierig genug für sie.“ Er zeigte auf ihre Handtasche, in der seine Karte steckte. „Rufen Sie mich an, wenn Sie sich anders entscheiden.“

„Ich behalte Ihre Karte“, erwiderte sie. „Aber es ist ziemlich unwahrscheinlich, dass ich meine Meinung ändere.“

Am Flughafen von Amarillo trennten sich ihre Wege. Nick lief zum Ausgang, und Charlene ging zur Gepäckausgabe.

Es fiel ihr nicht leicht, sich von ihm zu verabschieden. Eine Weile hatte sie überlegt, ihm ihre Telefonnummer zu geben – für den Fall, dass er sie anrufen wollte, um sie zu bitten … sie vielleicht später zu treffen.

Irgendwie hatte sie das Gefühl, dass Nick wichtig für sie werden könnte.

Das ist absurd. Mit erhobenem Kopf lief sie weiter, aber ihre Gedanken blieben bei Nick und kreisten immer enger um ihn, je mehr sie sich von ihm entfernte.

Noch nie hatte sie sich beim ersten Anblick so sehr zu einem Mann hingezogen gefühlt. Ihre Nerven waren bis aufs Äußerste angespannt gewesen, als sie sich mit ihm unterhalten hatte. Lust und sexuelle Anziehungskraft waren weitaus stärkere Triebfedern, als sie sich vorgestellt hatte. Auf dem Flug hatte sie gespürt, wie intensiv ihr Körper auf den richtigen Mann reagierte. Solche Gefühle hatte sie nicht einmal Barry gegenüber gehabt. Die Erkenntnis hatte sie wie ein Schock getroffen.

Trotzdem hatte sie sich mit Barry verlobt. Vielleicht war sie auf diesem Gebiet nicht so klug, wie sie immer gedacht hatte. Abgesehen davon war ein Mann momentan ohnehin das Letzte, was sie in ihrem Leben gebrauchen konnte. Am allerwenigsten einen, der praktisch über Nacht Vater von drei kleinen Mädchen geworden war.

Dennoch hatte ihr Nicks Bereitwilligkeit, sich um die Drillinge zu kümmern, sehr imponiert. Dieses Verantwortungsgefühl wäre ihrem Exverlobten völlig fremd gewesen. Sie konnte sich nicht vorstellen, wie Barry in Nicks Situation reagiert hätte. Wahrscheinlich hätte er es abgelehnt, sich um die drei Kinder zu kümmern. Er wollte auf keinen Fall Vater werden. Das war eines der Themen gewesen, über das sie andauernd gestritten hatten. Sie dagegen wünschte sich Kinder. Die Unvereinbarkeit ihrer Wünsche hatte sie schließlich davon überzeugt, dass sie nicht zusammenpassten.

Charlene nahm ihre drei Koffer und löste sich aus der Menschenmenge vor dem Gepäckband. Aus dem kleinsten Koffer zog sie eine Jacke. In Amarillo war es im März noch kühl – im Gegensatz zu Red Rock, das im Süden von Texas in der Nähe von San Antonio lag. Kaum hatte sie das Flughafengebäude verlassen, war sie froh über das Kleidungsstück. Sie zog den Kragen hoch und ließ ihren Blick über die Autos am Straßenrand schweifen.

„Charlene! Hier bin ich!“

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