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Drachenglut - Liebe bedeutet Freiheit

Celia Williams

Drachenglut - Liebe bedeutet Freiheit

Gay Romance / Fantasy


Ich danke an dieser Stelle meiner lieben Freundin Ursula für die viele Zeit, die sie in meine Bücher investiert. Ebenso danke ich Iris für ihre aufmerksame und feinfühlige Überarbeitung. Ebenso danke ich meiner Familie, die mich immer unterstützt und mir beisteht. Ein danz besonderes Dankeschön sende ich von hier aus an euch alle, an meine Leser. Um es in der BookRix-Sprache zusagen: Ich füge euch bei den Favoriten hinzu! Eure Celia


BookRix GmbH & Co. KG
80331 München

Wichtige Hinweise

Sämtliche Personen dieser Geschichte sind frei erfunden und Ähnlichkeiten daher nur zufällig.

 

E-­Books sind nicht übertragbar und dürfen auch nicht kopiert oder weiterverkauft werden.

 

Dieses Buch enthält homoerotische Handlungen und ist für Leser unter 18 Jahren und für homophobe Menschen nicht geeignet. Im wahren Leben gilt ein verantwortungsbewusster Umgang miteinander und Safer‐Sex!

Weitere Bände der Drachengefährtenreihe:

Band 1: Drachenfeuer – Liebe ist universell

Band 2: Drachenglut - Liebe bedeutet Freiheit

Band 3: Drachenhitze - Liebe überwindet alles

Band 4: Drachensiegel - Liebe findet ihren Weg

Band 5: Drachenmagie - Von Liebe erweckt

Band 6: Drachengefährten

Band 7: Drachensohn - Liebe braucht ihre Zeit

Band 8: Drachenmagie - Die Liebe des Magiers

Band 9: Drachenseele - Die Liebe des Bewahrers (in Arbeit)

(Bonusbände: Drachenreise und Perlen für den Drachen – Kostenlos bei BookRix lesen!)

Dunkelheit

Der Boden bestand aus Stein, aber er war nicht kalt. Als Bahier die Augen einen Spalt weit öffnete, stellte er fest, dass es dunkel war, nicht stockdunkel, aber fast. Wo war er? Wie war er hier gelandet? Vorsichtig sah er sich um. Seine guten Drachenaugen und sein extrem scharfes Gehör ermöglichten es ihm, alles im Raum wahrzunehmen. Er überblickte seine Lage. Mit ihm befanden sich fünf andere Männer im Verlies. Ja, es war mit Sicherheit eine Art Kerker, der Boden und die Wände waren aus grob behauenem Stein. Die Öffnung in der Decke war vergittert und das Wenige, das man durch das Gitter sehen konnte, war ein Ausschnitt des Nachthimmels. Der Stand der Sterne und das Fehlen des Mondes sagten Bahier gleich mehrere Dinge: Erstens, es war etwa zwei Stunden nach Mitternacht und zweitens, er konnte sich nicht erinnern, was in den letzten drei Tagen geschehen war. Seine letzte Erinnerung zeigte ihm seine Reise im Grenzgebiet. Er war auf einer Erkundungsmission gewesen und dann wusste er nichts mehr. Zu diesem Zeitpunkt stand der Mond in der abnehmenden Phase, nur noch drei Tage bis zum Neumond und diesen hatten sie nun.

Bahier sah sich nun genauer um. Die schlafenden Männer in seiner Nähe hatte man an die Wand gekettet. Ein jeder trug Handeisen, die mit einer etwa armlangen Kette miteinander verbunden waren und eine weitere in derselben Länge führte zum Haltering in der Wand. Bahier besah sich seinen eigenen Körper und zog Resümee: Kleidung verdreckt, teilweise zerrissen und seine Handgelenke wurden ebenfalls von Eisenringen umschlossen. Vorsichtig spannte er die Armmuskeln an und erprobte die eisernen Glieder. Er wollte dabei so wenige Geräusche wie möglich erzeugen. Auf gar keinen Fall wollte er jemanden aufwecken, also bewegte er sich extrem langsam. Die Kette spannte und er zog weiter, seine dicken Armmuskeln dehnten die Kettenglieder. Ja, er konnte sie problemlos sprengen. Sie war für das Fesseln von Menschen ausgelegt, doch Bahier war ein Drache, also konnten ihn diese Ketten nicht halten. Selbst in seiner menschlichen Gestalt war er viel stärker als jeder Mensch. Doch dieser Drache war kein dummer, er überlegte erst, was am sinnvollsten war. Er hatte keine Ahnung wo er war, wie er hier her gekommen war und was man von ihm wollte. Er hatte die Mission, etwas über die Magier und ihre Angriffspläne herauszufinden, denn der Krieg verlief nur so lala. Mal gewannen die Magier eine Schlacht, mal der Menschen-Drachen-Bund. Daher hatten die Könige Uralen, ein Mensch, und Taliqu Killian, genannt Killian, ein Drache, beschlossen, dass Spionage weiterhelfen konnte. Bahier galt als guter Stratege und konnte trotz seiner beeindruckenden Erscheinung recht unauffällig unter Menschen agieren. Er hatte einfach ein angeborenes Talent in diesem Bereich. Killian war zwar beunruhigt, aber da es keine adäquate Alternative gab, hatte sein Vater dem Einsatz Bahiers zugestimmt. Es hatte ihm nicht gefallen, seinen einzigen Sohn ins feindliche Lager zu schicken. Nun, wie es aussah, waren die Bedenken gerechtfertigt gewesen. Er hatte es nicht einmal bis ins Feindesland geschafft, er war bereits im Grenzgebiet gefangen genommen worden. Hatte man ihn erkannt? Ahnte jemand, wer oder was er war? Nein, sonst hätten sie seine Eisen mit Magie verstärkt, um ihn zu bändigen.

Doch bevor er jetzt etwas Unbedachtes unternahm, wollte er erst einmal die Lage sondieren und dies war mitten in der Nacht nicht möglich, also beschloss er noch etwas weiterzuschlafen. Hoffentlich lenkte ihn der Schlaf auch von dem nagenden Hungergefühl ab. Drachen konnten lange fasten, wochenlang, wenn es sein musste, aber sie taten es nicht gerne. Die Tagesration eines so großen Drachen, wie Bahier einer war, war ein ausgewachsenes Reh oder ein halbes Rind. Doch der Feuerspucker hatte jetzt seit mindestens drei Tagen nichts mehr gegessen und er war hungrig. Seufzend rutschte er an der Steinwand etwas tiefer und schloss ergeben die Augen. Er konnte weder an der aktuellen Situation etwas ändern, noch die Zeit zurückdrehen.

In Gefangenschaft

Als der Morgen dämmerte erwachten die Angeketteten und begannen sich zu regen. Die so gesteigerte Geräuschkulisse weckte nach und nach alle auf. Die Gefangenen beäugten sich gegenseitig und versuchten einander einzuschätzen. Bahier stellte eine Sache sofort fest, jeder der Männer war groß und durchtrainiert. Nicht jeder so muskulös wie er selbst, einige sahen eher aus, als läge ihr Leistungsvermögen im Bereich der Ausdauer. Andere waren definitiv Kämpfer, Soldaten oder, aufgrund von anderer körperlicher Arbeit, stark und kräftig. Doch jede Spekulation wäre verfrüht, also lauschte Bahier den einsetzenden Gesprächen unter den Insassen. Sie tauschten Namen und Ursprungsorte aus, erzählten, womit sie ihren Lebensunterhalt bestritten und welchen familiären Hintergrund sie hatten. Es war ein Bauer dabei, der alleine für seine fünfköpfige Familie sorgte. Ebenso fand man unter den Inhaftierten zwei desertierte Soldaten der Magierstreitmacht. Sie hatten Glück gehabt, dass sie nicht kurzerhand exekutiert worden waren. Die anderen beiden waren Räuber, gefangengenommen während ihres Beutezuges. Mit ihnen hatte der Drache kein Mitleid. Verbrecher gab es unter den Flugechsen sehr wenige. Das Wesen eines Feuerspuckers wurde durch Integrität und Ehre bestimmt, daher wurde es als ehrlos angesehen zu stehlen, zu rauben und zu morden. Ebenso logen sie nicht, wenn mal eine Biegung der Wahrheit vorkam, handelte es sich eher um Unterlassungen. Es wurden Informationen zurückgehalten oder welche gegeben, die eigentlich für die Situation vollkommen unnötig waren.

Mit jeder vergehenden Stunde wurde es wärmer. Für Bahier war dies kein Problem, er war ein Drache und somit Hitze gewohnt, aber die Menschen begannen zu schwitzen und dieses drückende Klima war ihnen zunehmend unangenehm, da ihnen auch kein Trinkwasser zur Verfügung stand. Doch diese enorme Wärme war für den Drachen auch ein Hinweis. Die Magierlande galten als warme Wüstenregion, daher war er wahrscheinlich genau dort, wo er hin wollte.

Noch bevor die Sonne direkt durch die Deckenöffnung scheinen konnte, also etwa am späten Vormittag, öffnete sich die Tür und ein schlanker, etwa ein Meter siebzig großer Magier betrat den Raum.

Die Magier waren androgyne zweigeschlechtliche Wesen. Sie vereinten sowohl männliche als auch weibliche Geschlechtsmerkmale und waren extrem sexuell orientiert. Ihr ganzes Wesen war auf die Gefühlswelt ausgelegt. Jede Empfindung wurde in ihrer Kultur ins Extreme gesteigert.

Bahier befand sich wirklich im Magierland, dort hatte er auch hingewollt, also war seine Mission noch nicht gescheitert. Er würde abwarten.

Der Magier hüllte sich vollständig in dünne Seidenbahnen. Der Stoff schimmerte in unterschiedlichen Rottönen und umspielte die schlanken eleganten Glieder. Sein Gesicht und das schwarze glatte Haupthaar blieben unbedeckt. Der Blick des Zauberers fiel taxierend aus. Er inspizierte jeden Angeketteten und schüchterte diesen ein, denn seine Aura war bezwingend. Die Gespräche verstummten sofort und die Nerven aller waren zum Zerreißen gespannt.

Der Magier kommentierte die Lage der Gefangenen: „Ihr seid Eigentum des Mogul Aktall, dem Herrscher der Rotmagier. Ihr habt keinen eigenen Willen mehr, wer sich wiedersetzt, wird sterben und der Mann links neben ihm mit ihm.“ Der Seidenverhüllte hatte recht attraktiv gewirkt, doch seine Stimme und was er sagte, zerstörten diesen Eindruck sofort. Seine Tonlage war extrem hoch, falsettartig und nasal. Bahier lief eine unangenehme Gänsehaut über den Rücken und er musste ein angewidertes Schütteln unterdrücken.

„Ihr habt die Ehre in der Arena des Moguls zu kämpfen. Wer erfolgreich kämpft, kann seine Freiheit erstreiten, wer versagt stirbt“, und erneut verkündete er ausschließlich Unangenehmes.

Bahier überdachte seine Lage. Er war ein Sklave, ein Gladiator, ohne Rechte, doch im Gegensatz zu seinen Mitgefangenen in der Position, sich jederzeit befreien zu können. Also für ihn keine hoffnungslose Ausgangslage und wenn er Glück hatte, konnte er hier doch noch einige Informationen erhalten, bevor er floh. Er setzte einen betrübten Gesichtsausdruck auf und betrachtete den Boden vor seinen Füßen.

Der Magier inspizierte die Gefangenen einen nach dem anderen, beurteilte ihre Stärken und Schwächen und stellte Fragen. Wenn einer der Männer nicht antwortete, wurde er bestraft und das auf äußerst unangenehme Weise. Der Zauberer schickte Schmerz in den Körper des Gefangenen und steigerte diesen bis ins Extreme. Wenn er von den Gefesselten abließ, krümmten diese sich gepeinigt auf dem Boden und antworteten anschließend stockend und wimmernd auf die zuvor gestellte Frage. Das Schlimme war, dass man eine Folter auch heraufbeschwören konnte, wenn die Antwort nicht gefiel. Doch da man die Stimmung des Zauberers nicht einzuschätzen konnte, musste man sich auf Mutmaßungen verlassen.

Dann kam der Magier zu Bahier. „Warum hast du in deinem jungen Alter graue Haare?“, fragte die hohe Quietschstimme.

Bahier seufzte und antwortete: „In meiner Familie haben einige diese Haarfarbe, sie wird vererbt.“ Der Drache war fast neunzig Jahre alt, für einen seiner Art noch jung, aber die Haarfarbe entsprach seiner Schuppenfarbe und diese war stahlgrau mit silbernem Schimmer. Dieser Zusammenhang war bei Flugechsen meistens so.

Der Zauberer kippte den Kopf leicht seitlich und stellte eine für Bahier extrem unangenehme Frage: „Wie sind deine sexuellen Vorlieben?“ Dies hatte er alle anderen Männer auch gefragt und der Drache hatte sich bereits davor gefürchtet, denn er wusste, die Antwort würde dem Magier nicht gefallen.

„Ich habe keine sexuellen Präferenzen, ich bin impotent“, Bahiers Stimme klang abweisend. Die Antwort war nur bedingt eine Lüge. Drachen hatten keinen Sex, sie empfanden kein Verlangen. Die Fortpflanzung hatte bei seiner Spezies nichts mit Geschlechtsverkehr zu tun und sexuelle Regungen empfanden die Feuerspucker nur bei ihren Bindungspartnern, ihren Gefährten oder Gefährtinnen. Dabei handelte es sich immer um Menschen, sie entsprachen gewissermaßen der zweiten Hälfte der Drachenseele. Auf keinen Fall konnte er diese Information preisgeben, da er dem Magier sonst offenbaren würde, dass er kein Mensch war, denn dieser hielt ihn für einen. Diesen Vorteil wollte Bahier unbedingt wahren und es konnte sich nur als Vorteil erweisen, wenn die Magier über ihn nicht Bescheid wussten.

Der Magier schnaufte und blickte äußerst ungläubig. Doch dann schüttelte er den Kopf und meinte nur lapidar: „Dienen kannst du trotzdem als Spielgefährte, wer sagt denn, dass es dir Vergnügen bereiten muss. Es wird eine Herausforderung werden, dich zu knacken.“

Bahier lief es eiskalt über den Rücken. Wenn er es zuließ, würde man ihn missbrauchen! Tief durchatmend entspannte er die Unterarme und zwang sich die geballten Fäuste wieder zu lockern. Er würde es nicht zulassen, er hatte eine Wahl.

Wieder taxierte ihn der Androgyne und fragte hämisch: „Deine Kleidung spricht von Wohlstand. Da bist du wohl von ganz oben nach ganz unten abgerutscht. Womit hast du deinen Lebensunterhalt bestritten?“

Dem Drachen schoss der Schreck in alle Glieder. Diese Frage hatte er bisher niemandem gestellt, daher hatte er sich darauf nicht vorbereitet und keine Überlegungen dazu angestrengt. Jetzt musste sein Talent zu improvisieren ihn retten. Er versuchte also mit seiner Antwort so dicht wie möglich an der Wahrheit zu bleiben: „Mein Vater ist ein reicher Mann.“ Bahier ließ seine Stimme so arrogant klingen wie nur möglich.

Der Magier lachte und ein gemeines Grinsen lag auf seinen eleganten Gesichtszügen. „Dann sind die vielen Muskeln nur Blendwerk“, hämisch klangen die schneidenden Worte.

Der Drache reagierte rein instinktiv, er knurrte. Und wieder lachte der Zauberer und marschierte einfach weiter.

Sein wütender Blick folgte dem Magier, als dieser zum letzten Gefangenen ging und die Befragung beendete.

Bahiers Stimmung war zweischneidig, einerseits fühlte er sich beleidigt und in seiner Ehre angegriffen, andererseits erleichtert, dass der Magier nicht nachgebohrt hatte. Er hatte ihn als Söhnchen eines reichen Mannes akzeptiert.

Die Arena

Direkt nach der Befragung wurden die Gefangenen von jeweils einem Magier abgeholt. Auch diese waren schlank, nicht all zu groß und androgyn. Sie dirigierten die Menschen durch einen schmalen Gang in den Hof. Dort in der prallen Mittagshitze mussten sie sich entkleiden und sich in dem im Boden eingelassenen Becken waschen. Das unangenehm warme Wasser erfrischte überhaupt nicht, aber wenigstens war es sauber. Da sie mit den Handeisen die Hemden nicht auszuziehen konnten, wurden diese kurzerhand durchgeschnitten und dies taten die Magier nicht mit Hilfe eines Messers oder einer Schere, nein, sie benutzten Magie. Diese pulsierte unangenehm über die Haut, durchtrennte den Stoff und sollte so jedem der Männer zeigen, wie leicht auch sie in Stücke geschnitten werden konnten.

Bahier wusste, dass ihn diese Art der Magie nur sehr gering verletzen konnte. Seine Drachenphysiologie schützte ihn vor solch einfacher Zauberei, gegen ihn musste man schon härtere Geschütze auffahren. Selbst dann musste der Angriff überraschend erfolgen, denn wenn ein Feuerspucker sein inneres Feuer, seine Hitze, durch sich fließen ließ, schützte ihn das gegen Magie. Nur diese eine Schrecksekunde, den Überraschungsmoment, konnte man als Schwachpunkt ansehen. Kein Drache war in der Lage, nonstop seine Hitze fließen zu lassen, es erschöpfte ihn und laugte ihn aus. Also tat man es nur, wenn man unbedingt musste.

Ein Zauberer postierte sich hinter dem Drachen und die Funken flogen über den schmutzigen Leinenstoff des Hemdes, dabei zerfielen die Fasern, als wäre das Hemd bereits Jahrzehnte und nicht Tage alt. Während Bahier noch über die Art des Zaubers nachdachte, schnappte der Magier nach Luft. Durch das Entfernen des Stoffes waren am unteren Rücken die Flammensymbole auf der Drachenhaut sichtbar geworden. Der Gefesselte verkrampfte sich und hielt den Atem an. War seine Tarnung aufgeflogen? Seine Glyphen konnte er nicht verstecken. Sie gehörten zu ihm wie sein grausilbernes Haar. Ein Teil seiner Natur, seines Wesens und ebenso wenig zu verbergen, wie seine Körpergröße. Der wachhabende Magier betrachtete die Flammenzungen und kommentierte in lapidarem Ton: „Na, wenigstens kannst du Schmerzen aushalten.“

Bahier atmete erleichtert auf. Er hatte es für Tätowierungen gehalten, er hatte nicht die Verbindung zum Drachen in ihm hergestellt. Wobei, selbst die Menschen wussten erst seit der Vereinigung vom Drachenkönig mit dem Heerführer der Menschen, dass Drachen auch eine menschliche Gestalt besaßen und diese nach Belieben annehmen konnten. Wenn die Magier nicht ein ausgezeichnetes Spionagenetzwerk unterhielten, konnte ihnen diese Tatsache noch nicht bekannt sein. Es wurde schließlich nicht öffentlich darüber gesprochen.

Während sich die Männer säuberten, fanden sich auf der umlaufenden Balustrade des Gebäudes immer mehr Beobachter ein. Es waren Magier und Menschen, die die Gefangenen ausgiebig begutachteten. Sie fühlten sich wie käufliche Ware, Bahier verabscheute es. Die Menschen oben auf dem Rundgang eilten dienstfertig umher und bedienten die in Seide gehüllten Magier. Bahier gefiel dieser Fleischbeschau nicht, aber er ließ es notgedrungen über sich ergehen, denn wenn er aufmuckte, könnte seine Tarnung gefährdet sein. Der rotgewandete Magier, der im Verließ die Befragung durchgeführt hatte, ging von Magier zu Magier und sprach mit allen. Ob er wohl die erhaltenen Informationen der zukünftigen Gladiatoren weiter gab?

Die Magier deuteten auf die Gefangenen und stritten sich leise, es kam dem Drachen vor, als handelten sie untereinander aus, wer für welchen Gladiator zuständig sein würde.

Kurz darauf wurde Bahier diese Annahme bestätigt. Er wurde von einem Menschen abgeholt und so splitterfasernackt wie er war, zu einem Magier auf die Balustrade geführt.

„Ich bin Abdul Zahier Agadis, ich bin dein Mentor. Du kämpfst für mich in der Arena und du wirst mich gut vertreten, haben wir uns verstanden? Deine Ausbildung wird hart sein, da du ja bisher ein verwöhntes Leben geführt hast. Mach dich bereit.“, erläuterte der Magier im arroganten Tonfall.

Bahier atmete tief durch, beruhigte sein Temperament und nickte dann ergeben. Gänzlich unpassend knurrte in diesem Moment der Magen des zukünftigen Arenakämpfers. Die Gefangenen hatten bisher keine Nahrung erhalten und der Drache hoffte darauf, dass sich dies bald ändern würde.

„Rupha bringt dich in mein Haus und heute Nachmittag beginnt deine Ausbildung zum Gladiator. Und Rupha, gib ihm etwas zu Essen, das klingt ja schauderhaft.“ Die Worte klangen abschließend und absolut, ließen keine Interpretation zu, keinen Spielraum und Bahier beschloss kommentarlos zu gehorchen. Bisher kam er ohne große Stolperer hindurch und er hoffte, es würde so bleiben. Langsam machte er kehrt und folgte dem Diener. Im selben Moment wurde er von Abdul nochmals aufgehalten: „Was bedeuten die Zeichnungen auf deinen Beinen und deinem Arsch?“

Bahier blickte zu dem Zauberer zurück und erwiderte: „Es sind Familiensymbole. Sie zeigen, wer ich bin und woher ich komme.“ Mit diesen Worten verließ er die Balustrade.

Zumindest hatte der Magier nicht nach seiner sexuellen Leistungsfähigkeit gefragt, es schien also für diesen kein Thema zu sein, hoffte der Drache zumindest.

Rupha führte den immer noch gefesselten Feuerspucker durch die Stadt. Dass er unbekleidet und in Eisen durch die Gegend lief, schien hier niemanden aufzuregen, aber es streiften ihn oft begehrliche und anzügliche Blicke. Sogar Kommentare wurden abgegeben und einige davon fielen äußerst anzüglich aus.

Bahier sah sich neugierig um. Eine typische Stadt in heißem Wüstenklima, mit schmalen und daher schattigen Straßen. Die Häuser hatten alle mindestens zwei Stockwerke und bestanden aus hellen Tonziegeln. Die Dächer waren flach und jedes wurde als Garten oder als Nutzfläche gebraucht. Die Häuser hatten schmale, kleine Fenster, um die Hitze draußen zuhalten. Die Wände waren zur Isolierung relativ dick, auch bei kleinen Gebäuden. Rundum machte die Ansiedlung einen sauberen gepflegten Eindruck, nur die Passanten störten etwas diesen positiven Eindruck. Die Magier waren alle schlank, androgyn und gepflegt. Doch bei den Menschen sah die Sache anders aus. Sie wirkten wie oder waren tatsächlich Leibeigene, sie sahen abgerissen aus, waren durchweg schäbig gekleidet, mager und ausgezehrt. Über den Status, den Menschen in diesem Land inne hatten, war sich Bahier noch nicht klar, aber er würde es schon noch herausfinden. Der eher kurze Weg vermittelte dem Feuerspucker aber einen Eindruck über die Größe der Stadt. Ebenso hoffte er, im Laufe seines Aufenthaltes noch etwas über die Befestigung und die militärische Bedeutung der Ansiedlung herauszufinden. Ebenfalls musste er erkunden, wo genau er sich im Magierland befand und wie weit es zur Grenze war. Kam Zeit - kam Rat, diesem Leitspruch folgte Bahier.

Sein Mentor besaß ein großes, beeindruckendes Haus und als bedeutende und wohlhabende Persönlichkeit, bot er die perfekte Ausgangsposition für einen Spion. Der Drache triumphierte innerlich. Ihm wurde ein kleines und spärlich möbliertes Zimmer zugewiesen. Ein Stuhl, ein Tisch und ein Bett standen darin und auf Letzterem lag eine lange weite Leinenhose. Der Diener wies ihn an, diese anzulegen und zu warten. Bei jedem Handgriff klirrten die Ketten und dem Drachen ging diese ständige Mahnung an seinen neuen Status gehörig auf die Nerven. Wenige Momente später brachte Rupha eine Schale mit einem Stück kalten Braten und eine Kante Brot. Beides verspeiste Bahier schnell, genau wissend, dass es nur einen Tropfen auf den heißen Stein war.

Wieder wurde er aufgefordert, dem Diener zu folgen. Diesmal verließen sie das Gebäude durch den Hinterausgang und überquerten den kleinen Platz. Vor ihnen ragte ein großes Gebäude auf. Bahier vermutete, dass man dessen enorme Ausmaße nur im Flug würde ermitteln können.

„Die Arena“, erklärte der Mensch und führte ihn hinein.

Der Zugang wurde durch einen hohen Rundbogen markiert und es folgte ein langer schmaler Tunnel, der ebenerdig in einen Wartebereich führte. Am Eingang stand ein Magier Wache und öffnete ihnen die schwere Gittertür. Dort mutete es an wie in einer Rüstkammer. Mittig standen Bänke, darauf warteten Kleiderbündel auf ihre Besitzer. An den Wänden hingen und standen alle möglichen Waffen. Schwerter, Äxte, Netze, Speere, Dreizacke, Beile, Kriegshämmer und Schilde harrten dort auf Benutzung. In einer Ecke stand ein Holzregal, darin befanden sich Lederhosen und Lendenschurze aus selbigem Material, ein echt martialischer Anblick. Schuhwerk gab es keines. Auch die Menschen auf der Straße gingen barfuß, nur die Magier trugen elegante Zehensandalen aus Wildleder oder irgendeinem geflochtenen Naturmaterial.

Aus dieser Kammer gab es zwei Ausgänge, durch den ersten waren sie herein gekommen und der zweite führte erneut in einen Tunnel, auch dieser war mit einer schweren Gittertür versehen. Rupha geleitete Bahier nur bis zum Durchgang und wies ihn an, alleine weiter zu gehen. Wieder öffnete ein Magier das schwere Gitter und verschloss es sofort wieder nach dem Passieren. Mit Hilfe von Magie nahm er dann dem Drachen die schweren Eisen ab. Die Metallringe um die Handgelenke wiesen keine Nähte auf, ohne Unterbrechung, nun schmolzen sie wie Wachs auseinander. Ihn legte man in Ketten, aber Rupha bewegte sich vollkommen ohne Beeinträchtigung. Hatten sie einen unterschiedlichen Status? Wo lag der Unterschied? Bahier beobachtete dieses Vorgehen schweigend und warf dem Magier einen fragenden Blick zu.

„Menschen sind Eigentum, eine Ware. Die Wertvollen werden bewacht und es gibt nichts Kostbareres als gut ausgebildete Gladiatoren“, antwortete dieser auf die unausgesprochene Frage und deutete dem Kämpfer an weiterzugehen. Seufzend folgte der Drache dem leicht ansteigenden Gang. Menschen hatten hier wohl keine große Bedeutung. Wahrscheinlich galt bei den Magiern sogar das Nutzvieh als wertvoller.

Er trat in das grelle Sonnenlicht. Der ebene Boden unter seinen Füßen fühlte sich sandig an. Bahiers Augen gewöhnten sich schnell an die veränderten Lichtverhältnisse, auch hier half ihm sein Drachenwesen. Sein Blick schweifte durch die Arena. Die runde Fläche hatte drei weitere Zugänge, wie der, durch den er gekommen war. In Jedem Viertel der sandigen Fläche stand eine Gruppe Kämpfer, welche Waffenübungen durchführten. Ihre Körper steckten in Lederhosen oder in Lendenschurzen. Der restliche Körper blieb unbedeckt. Keine Rüstungen, als einzigen Schutz verwendeten sie Schilde unterschiedlicher Machart. Diese Art des Kampfes war für Menschen gefährlich und brachte leicht Wunden und Verletzungen ein. Schnell konnte man sein Leben verlieren und Bahier vermutete, dass so die Spreu vom Weizen getrennt werden sollte.

Ein warmer und daher nicht erfrischender Wind zog durch die Arena und wirbelte den Sand auf. Der Drache fasste seine Kampfeinheit ins Auge und sein Herz setzte aus. Als er einatmete traf ihn der berauschende Duft wie ein Hammerschlag, er roch nach feuchtem Sand bei Sommergewitter und Moschus. Bahier entdeckte seinen Gefährten. Er musste alle seine Sinne zusammen nehmen, um nicht über das ganze Gesicht zu lächeln. Auch musste er den irrsinnigen Impuls unterdrücken, einfach nach vorne zu stürmen, den großen Mann zu packen und ihn fliegend davonzutragen.

Der Gefährte

Gordun erwartete den neuen Kämpfer, sein Herr hatte ihn ankündigen lassen. Agadis hatte bei der heutigen Auswahl unbedingt punkten wollen und es war Gordun klar gewesen, dass sein Meister sich nicht übertrumpfen lassen würde. Etwas geschmälert wurde die Erwartung durch das Vorwissen, dass der neue Kämpfer wohl der Sohn eines reichen Mannes gewesen war und keine Ahnung vom Kämpfen haben würde. Doch die Optik stimmte schon einmal, daraus würde der Ausbilder etwas machen können. Der Mann war groß, extrem muskulös, hatte einen breiten Rücken und schmale Hüften. Seine Beine und Arme waren lang und ebenfalls mit Muskeln bepackt. Sein neuer Schüler hatte ein rundes Gesicht mit eckigem Kinn, hoher Stirn und gerader Nase. Die Augen konnte er aus dieser Entfernung nicht erkennen, aber das außergewöhnliche Haar fiel auf. Sein unterer Rücken war tätowiert, in Schwarz-, Rot- und Grautönen. Der junge Mann, mindestens fünfzehn Jahre jünger als er selbst, hatte graues Haar. Eigentlich war es silberfarben, aber sei es drum. Doch, daraus konnte er definitiv etwas machen.

 

Bahier ging auf den etwa vierzig Jahre alten und großgewachsenen Mann zu. Seine Statur ähnelte seiner eigenen, Muskeln wohin man sah und ebensoviele Narben dazu. Die gekrümmte Nase dominierte das schmale ovale Gesicht, wahrscheinlich wies sie mehrfache und nichtmehr ganz gerade zusammengewachsene Brüche auf. Der Drache hatte sich nie einen Gefährten gewünscht oder gar vermisst. Wie sollte man auch Empfindungen vermissen, die man nie kennengelernt hatte? Doch jetzt überspülten sie ihn. Sein Herz raste, sein Glied wurde mit Blut vollgepumpt und es rauschte heiß durch seine Adern. Jeder Atemzug sorgte dafür, dass der betörende Geruch seines Gefährten tiefer in ihm haften blieb und seine Erregung anstieg. Der Drache versuchte sich zu beruhigen, er musste sich beruhigen. Wenn das jemand bemerkte, würde das unweigerlich zu Fragen führen, die er nicht beantworten wollte. Bahier dachte an eiskaltes Gletscherwasser, an den Gestank der verwesenden Toten auf dem letzten Schlachtfeld und an zerstückelte menschliche Körper. Zum Glück brachte er seinen Körper damit unter Kontrolle.

 

Mit jedem Schritt, den der Drache dem imposanten Mann näher kam, wurde er langsamer. Bahier blieb auf Armeslänge vor seinem Gefährten stehen und musterte diesen nochmals ausgiebig.

Der Blick des Mannes taxierte ihn stechend und einschätzend: „Ich bin Gordun, dein Ausbilder, ich entscheide in den ...

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