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Dr. Stefan Frank - Folge 2285

Inhalt

  1. Cover
  2. Impressum
  3. Allein in unserm Paradies
  4. Vorschau

Allein in unserm Paradies

Dr. Frank und eine traurige Wendung des Schicksals

 

Manchmal glaubt Juliane, dass sie nur träumt. Kann ein Mensch allein so viel Glück haben? Sie liebt ihren Verlobten Daniel über alles, und gemeinsam haben sie sich ihren Traum von einem eigenen Hotel erfüllen können. Aber das Allerschönste ist: Juliane erwartet ein Kind!! Nur wenige Monate noch, dann werden die beiden ihr Baby in den Armen halten …

Doch dann wird Juliane eines Abends von einem heranrasenden Sportwagen erfasst. Ihr Körper wird durch die Luft geschleudert, und als er den Boden wieder berührt, ist nichts mehr, wie es einmal war. Juliane erwacht im Krankenhaus und erfährt, dass sie ihr Baby verloren hat. Und nicht nur das: Sie wird auch niemals mehr ein Kind bekommen können. In den kommenden Wochen hat sie so heftig mit ihrer Trauer zu kämpfen, dass Daniel es nicht mehr aushält und sie verlässt. Als sie nach Hause zurückkehrt, ist sie ganz allein in ihrem einstigen Paradies. Was soll nun werden?

Dr. Stefan Frank schlug den Kragen seiner Regenjacke hoch und fragte sich nicht zum ersten Mal an diesem Tag, wann das Wetter endlich besser werden würde. Es regnete schon seit Tagen! Bleigraue Wolken ballten sich über Grünwald zusammen und ließen keinen Strahl Sonne durch. Dazu fauchte ein kühler Wind durch die Straßen, als wäre Februar und nicht schon Mai.

Ein Auto rauschte an ihm vorbei durch eine Pfütze. Wasser spritzte hoch, und der Arzt entkam einer kalten Dusche nur durch einen geistesgegenwärtigen Satz zur Seite.

„Herrschaftszeiten“, murmelte er und schaute an sich hinunter.

Seine Hose war vom Regen feucht geworden, und seine Schuhe waren durchgeweicht. So konnte er unmöglich zu seiner Verabredung mit Alexandra gehen! Er würde sich daheim umziehen müssen, ehe er sie abholte.

Ein Abend im Kino in der nassen Kleidung kam nicht infrage. Er konnte förmlich spüren, wie es bei dem Gedanken in seinem Hals anfing zu kratzen.

Ausgerechnet an diesem Abend stand sein Auto in der Werkstatt. Die Klimaanlage war defekt und würde frühestens morgen früh repariert werden können.

Bei seiner Frage nach einem Leihwagen hatte der Mechaniker nur müde den Kopf geschüttelt und etwas von „Mangelware bei diesem Wetter“ gemurmelt. So war Stefan Frank nichts anderes übriggeblieben, als seine Hausbesuche zu Fuß zu erledigen.

Zum Glück waren an diesem Tag nur zwei Besuche zu erledigen gewesen: bei einem pensionierten Lehrer mit Hexenschuss und einem Kind mit Mumps. Beide Patienten wohnten nicht weit von seiner Villa in der Gartenstraße entfernt.

Der Abend dämmerte zeitig herauf. Während Stefan Frank nach Hause stapfte, schalteten sich die Straßenlaternen an und warfen orangefarbene Lichtinseln auf den Gehweg. Er spähte hinauf zur Burg Grünwald, aber die tiefhängenden Wolken hüllten die Anlage ein und verbargen sie vor Blicken.

Außer ihm war kaum ein Mensch unterwegs. Wer nicht unbedingt hinaus musste, blieb bei diesem Wetter lieber daheim im Warmen.

Der Arzt setzte seinen Weg fort und stutzte, als ihm auf dem Gehweg ein nasses Fellbündel entgegenstürmte und schwanzwedelnd vor ihm stehen blieb. Es war ein weißer Terrier.

Der kleine Hund war tropfnass, als hätte man ihn gerade aus der Isar gezogen. Mit schräg gelegtem Kopf schaute er zu Stefan Frank auf und fiepte.

„Wo kommst du denn her, Kleiner?“ Der Arzt blieb stehen und schaute sich nach allen Seiten um. Es war niemand zu sehen, dem der Hund gehören könnte.

Der Hund blickte aus dunklen Knopfaugen zu ihm auf.

„Bist du etwa ausgerissen?“

Stefan Frank bückte sich und untersuchte das Halsband des Terriers. Daran war eine silberfarbene Marke befestigt, auf der einige Worte standen: Ich heiße Molly. Daneben war eine Adresse ein paar Straßen weiter eingraviert.

„Also da gehörst du hin? Am besten bringe ich dich nach Hause, Molly. Du brauchst unbedingt ein warmes Fleckchen.“

Er richtete sich wieder auf und hob die Hündin auf seinen Arm. Sie reckte den Kopf und leckte einmal quer über seine Wange.

„Das soll wohl Danke heißen, was?“, fragte Stefan lächelnd.

Mit der Hündin auf dem Arm machte er sich auf den Weg zu der Adresse, die auf der Marke angegeben war. Während der Regen auf ihn niederprasselte, eilte er die Straßen hinunter. Seine Hose klebte ihm nass und schwer an den Beinen.

Endlich erreichte er sein Ziel: ein mit Efeu bewachsenes Haus im Jugendstil. Ein einzelnes Fenster im Erdgeschoss war erleuchtet. Der Rest des Hauses lag im Dunkeln.

Der Garten war verwildert. Unkraut und Gras standen kniehoch und gehörten dringend geschnitten. Am Apfelbaum baumelte eine Schaukel im Wind.

Stefan Frank stieg die drei Stufen zur Eingangstür hinauf und kniff die Augen zusammen, um das spärlich beleuchtete Namensschild zu entziffern. Gisela Porstl, stand darauf.

Er presste den Daumen auf den Klingelknopf und hörte von drinnen das gedämpfte Läuten. Dann wartete er, aber niemand öffnete ihm.

„Sind wir hier richtig, Molly?“

Die Hündin auf seinem Arm wedelte sacht.

„Das nehme ich mal als Ja.“ Stefan Frank klingelte noch einmal. Doch wieder rührte sich im Inneren des Hauses nichts.

Dafür erklangen hinter ihm Schritte. Schuhsohlen schmatzten auf dem regennassen Gehweg. Eine silberhaarige Frau duckte sich unter einen Regenschirm und spähte zu ihm herüber.

„Die Frau Porstl ist bestimmt daheim“, rief sie. „Vielleicht hört sie über dem Fernseher nichts. Klingeln Sie nur noch einmal.“

Stefan Frank versuchte es und ließ den Daumen diesmal länger auf der Klingel. Wieder blieb sein Versuch ergebnislos. Dabei brannte im Haus das Licht. Ihm schien es auch so, als würde er aus dem Inneren ein Klopfen hören, sicher war er sich jedoch nicht.

Was sollte er tun? Die Hündin gehörte dringend ins Warme. Und was war mit ihrer Besitzerin?

„Kennen Sie Frau Porstl?“, fragte er die Rentnerin mit dem Schirm.

„Freilich. Ich wohne gleich dort drüben.“ Die Fremde deutete über die Straße zu einem Mehrfamilienhaus.

„Wissen Sie zufällig die Telefonnummer von Frau Porstl?“

„Oh, leider nicht aus dem Kopf.“

„Dann versuche ich es bei der Auskunft.“ Er holte sein Mobiltelefon aus der Tasche und wählte die Nummer der Auskunft.

Kurz darauf wurde er mit dem Anschluss von Frau Porstl verbunden. Es klingelte am anderen Ende der Verbindung, aber niemand meldete sich.

Ratlos ließ er sein Telefon sinken. Ein ungutes Gefühl beschlich ihn. Es war bestimmt kein gutes Zeichen, dass die Hündin allein herumstromerte und im Haus das Licht brannte, obwohl niemand öffnete.

„Hat Frau Porstl Angehörige?“

„Sie hat eine Tochter, aber die lebt mit ihrem Mann an der Nordsee. Einen Enkelsohn gibt es auch, aber der war schon viele Jahre nicht mehr hier. Ich glaube nicht, dass es ihn kümmert, was mit ihr ist.“

Stefan Frank überlegte, was er tun sollte, da hörte er aus dem Inneren des Hauses erneut das Klopfen.

Mit einem Mal waren all seine Sinne in Alarmbereitschaft. Was, wenn der Bewohnerin etwas zugestoßen war und sie Hilfe brauchte?

Er durfte auf keinen Fall unverrichteter Dinge wieder gehen. Womöglich fand sich irgendwo im Garten ein Ersatzschlüssel? Dann könnte er im Haus nach dem Rechten sehen …

Kurzentschlossen machte er sich auf die Suche und hatte Glück: Unter einer regennassen Schildkröte aus Keramik fand er einen Zweitschlüssel. Er öffnete die Haustür.

„Hallo?“, rief er. „Ist jemand daheim?“

„Ich … bin … hier … drüben“, kam es schwach zurück.

Oha, das hörte sich gar nicht gut an! Alarmiert setzte er die Hündin im Flur ab.

Molly sauste sofort los, als wäre sie frisch aufgezogen. Er folgte ihr und fand wenige Augenblicke später eine silberhaarige Frau am Fuß der Treppe.

Sie lag auf dem Dielenboden und krümmte sich vor Schmerzen. Ihr Gesicht war kalkweiß, und Schweißperlen standen auf ihrer Stirn. Ihr rechter Fuß stand in einem ungewöhnlichen Winkel ab. Sie hatte eine lange Hose und eine Regenjacke an, als wäre sie drauf und dran gewesen, auszugehen, als sie gefallen war.

„Gott sei Dank kommt jemand“, stieß sie mühsam hervor.

Molly ließ sich neben ihr nieder und schleckte ihr die Hand ab, als wollte sie ihre Besitzerin trösten.

Stefan Frank kniete sich neben die Verletzte und tastete nach ihrem Puls.

„Mein Name ist Frank, ich bin Arzt“, erklärte er, während er die Schläge ihres Herzens zählte. „Was ist denn passiert, Frau Porstl?“

„Ich wollte meine abendliche Runde mit Molly gehen“, stöhnte die Rentnerin. „Ich hatte schon die Haustür geöffnet, als mir einfiel, dass ich bei diesem Wetter statt des Rocks lieber eine lange Hose anziehen sollte. Also bin ich noch mal nach oben gegangen, um mich umzuziehen. Als ich wieder loswollte, bin ich die Treppe heruntergefallen. Der Wind muss die Haustür zugeworfen haben. Molly konnte nicht mehr herein. Ich wollte Hilfe rufen, aber ich komme nicht hoch. Mein Fuß …“

Sie wimmerte leise, als sie sich bewegte.

„Bleiben Sie ganz ruhig liegen, Frau Porstl. Ich werde einen Rettungswagen anfordern, der Sie ins Krankenhaus bringt. Ihr Fuß muss geröntgt werden.“ Er holte sein Handy erneut hervor und bat in der Leitstelle um einen Rettungswagen. Dann beugte er sich wieder über die Verletzte. „Der Wagen kommt gleich.“

„Bitte“, stöhnte sie. „Jemand muss Molly versorgen.“

„Darum werde ich mich kümmern“, versprach er und zog eine Spritze mit einem schmerzstillenden Medikament auf, das er ihr injizierte.

Es war gut, dass er gerade von seinen Hausbesuchen kam und seine Arzttasche dabeihatte. So konnte er den verletzten Fuß der Rentnerin mit einer Schiene ruhigstellen. Das verhinderte, dass ihre Verletzung schlimmer wurde, und wirkte gleichzeitig den Schmerzen entgegen.

Er blieb bei ihr, bis der Rettungswagen eintraf und zwei Sanitäter die Sorge um die Verletzte übernahmen.

Kurz darauf brauste der Wagen mit Blaulicht in Richtung Waldner-Klinik davon.

Stefan Frank verließ mit Molly auf dem Arm das Haus und schloss hinter sich ab. Die Nachbarin stand noch auf dem Gehweg und sah ihm fragend entgegen.

„Was ist denn geschehen?“, erkundigte sie sich.

„Frau Porstl ist unglücklich gestürzt und hat sich den Fuß verletzt. Können Sie sich eine Weile um ihren Hund kümmern?“

„Oh! Leider nicht. Ich bin allergisch auf Tierhaare.“ Sie hob die Hände und nieste zur Bestätigung. „Nicht mal einen Hamster kann ich mir halten.“

„Verstehe.“ Er überlegte kurz. Allein konnte die Hündin auf keinen Fall bleiben. Offenbar blieb ihm nichts anderes übrig, als sie mitzunehmen und sich um sie zu kümmern, bis es der Rentnerin besser ging. Alexandra würde Augen machen, wenn er mit der Hündin auftauchte …

Mit einem Mal fiel ihm siedend heiß etwas ein. Oh nein! Alexandra! Das Kino! Wie spät war es?

Er warf einen Blick auf seine Armbanduhr und zuckte zusammen. Seine Freundin würde sich schon fragen, wo er blieb. Sie waren vor einer halben Stunde verabredet gewesen!

***

Das Landhotel „Alpenblick“ machte seinem Namen alle Ehre. Es stand am Rand einer kleinen Gemeinde vor den Toren von München und bot an schönen Tagen einen weiten Ausblick auf die Alpen. Umgeben von grünen Wiesen und gold-blühenden Rapsfeldern lag das Hotel überaus idyllisch.

Es war ein weißes Gebäude. In der ersten Etage führten mit Holz verkleidete Balkone um das ganze Haus herum. Im Erdgeschoss lud ein Wintergarten zum Verweilen ein.

Ein Garten umgab das Hotel. Hier blühten Rhododendren, Rosen und Alpenblumen. Er war der ganze Stolz der Hotelbesitzer. Sie hatten mit liebevoller Hand ein kleines Paradies geschaffen. Selbst im Regen wirkte das hell beleuchtete Hotel anheimelnd und gemütlich.

Juliane Wegener bewirtschaftete das Haus zusammen mit ihrem Verlobten. Daniel und sie hatten sich auf der Hotelfachschule kennengelernt und ineinander verliebt. Es war ihr Traum gewesen, ein eigenes Hotel zu eröffnen – und im vergangenen Jahr hatten sie ihr Ziel erreicht.

Juliane hatte keine Familie mehr. Ihre Eltern waren vor acht Jahren bei einem Lawinenabgang verunglückt. Seitdem stand sie allein auf der Welt. Daniel und das Hotel waren ihre Familie.

Sie stand oft mehr als zehn Stunden am Tag an der Rezeption und kümmerte sich um das Wohl ihrer Gäste, doch sie hätte es auch gar nicht anders haben wollen. Weil sie ihren Beruf liebte, ließ sie sich immer etwas Neues einfallen, um ihren Gästen eine schöne Zeit zu bereiten. In dieser Woche standen beispielsweise eine Lesung mit einem Münchner Krimiautor und eine Spezialitätenwoche im Hotelrestaurant auf dem Plan.

Draußen regnete es in Strömen, aber im Inneren der Hotelhalle war es angenehm warm. Juliane hatte ein Feuer im Kamin angezündet, das nun munter vor sich hin prasselte.

Einer ihrer Gäste hatte ein Problem mit seiner Dusche gemeldet, deshalb verließ Juliane kurz ihren Posten und eilte zum Arbeitszimmer von Vincent Haller hinüber. Der Siebenundsechzigjährige hatte zwei Jahre nach seiner Pensionierung entschieden, dass ihm der Ruhestand nicht bekam, und sich kurzerhand im Hotel als Handwerker beworben. Er war für die jungen Hotelbesitzer ein Geschenk des Himmels, denn es gab keinen tropfenden Wasserhahn und keinen defekten Rasenmäher, den er nicht reparieren konnte.

Juliane klopfte an seiner Tür. Von drinnen erklang ein undeutlicher Ruf.

Sie drückte die Klinke nieder. „Vincent, könntest du bitte …“

„Nicht jetzt!“ Von drinnen wurde die Tür energisch wieder zugeschoben.

Juliane trat verwundert einen Schritt zurück. Was war denn da los? Warum ließ Vincent sie nicht eintreten?

Da wurde die Tür einen Spalt weit aufgezogen, und Vincent erschien vor ihr. Er war ein Hüne von einem Mann, mit breiten Schultern und Händen wie Schaufeln, die überraschend sanft sein konnten, wenn er im Garten mit Pflanzen hantierte.

Rasch zog er die Tür wieder hinter sich zu.

„Was gibt es denn?“, wollte er wissen.

Juliane spähte hinter ihn. „Warum tust du so heimlich, Vincent? Hast du eine Frau da drinnen?“

„Eine Frau? Was sollte ein alter Kerl wie ich wohl mit einer Frau anfangen?“

„Du weißt doch, was man über das Feuer unter schneebedeckten Schornsteinen sagt, oder?“ Sie zwinkerte ihm zu. „Es brennt angeblich besonders heiß.“

„Tatsächlich? Davon höre ich heute zum ersten Mal. So was muss einem doch gesagt werden.“ Schmunzelnd schob er seine Mütze in den Nacken. Darunter kam ein weißer Schopf zum Vorschein. „Ich habe keinen Damenbesuch. Mehr wirst du auch nicht aus mir herausbekommen. Nicht vor deiner Hochzeit jedenfalls.“

„Sag bloß, du bastelst an einem Geschenk für uns?“

„Das verrate ich nicht. Und jetzt keine weiteren Fragen, bitte, in Ordnung?“ Er kniff verschmitzt ein Auge zu.

Julianes Herz machte einen kleinen Satz. In wenigen Wochen würde sie Daniels Frau sein. Sie konnte den großen Tag kaum erwarten.

Juliane Hartmann, das klang gar nicht schlecht, oder? Nur noch 29 Tage und 14 Stunden, dann waren Daniel und sie Mann und Frau.

Oh, wo sie gerade an ihn dachte – wo blieb ihr Schatz eigentlich? Es war schon spät.

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