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Dr. Stefan Frank - Folge 2282

Inhalt

  1. Cover
  2. Impressum
  3. … und dann war sie allein
  4. Vorschau

… und dann war sie allein

Es sollte der schönste Tag ihres Lebens sein – es wurde ihr schlimmster

„Er hat Ja gesagt, Maria!“, jubelt Franziska. „Stell dir vor, wir werden heiraten!“

Maria reißt die Augen auf. „Du und Sascha, ihr heiratet? Heiraten … wie Hochzeit, Ehe, Standesamt?“

„Ja.“ Franziska nickt. „Und wie Kirche, glückliche Braut und meine allerbeste Freundin freut sich für mich.“

Tut deine allerbeste Freundin ganz bestimmt nicht, liegt es Maria auf der Zunge, doch sie reißt sich zusammen. In Gedanken wiederholt sie noch einmal, was ihre Freundin eben erzählt hat. „Wie – er hat Ja gesagt?“, fragt sie dann verblüfft. „Das muss doch heißen: Ich habe Ja gesagt, oder?“

„Nein, das war schon richtig. Ich habe Sascha einen Antrag gemacht, mit allem Drum und Dran.“ Franziska zuckt mit den Schultern. „Du kennst doch Sascha. Hätte ich auf seinen Antrag gewartet, hätte ich wohl noch ewig warten können …“

Na, das klingt ja nicht gerade nach einer romantischen Verlobung, denkt Maria. Sie mag Sascha nicht, hat ihn nie gemocht. Sie hat kein gutes Gefühl bei ihm, dunkle Vorahnungen plagen sie. Doch was Sascha ihrer besten Freundin dann tatsächlich antut, hätte selbst sie nie für möglich gehalten …

Es war ein wunderschöner Frühlingstag, so warm, dass man glauben mochte, bereits mitten im Sommer zu sein. Strahlend blau spannte sich der Himmel über der bayerischen Landeshauptstadt, und von der nahen Isar wehte eine sanfte Brise herüber. Die Sonne zauberte ein Lächeln auf die Lippen der Menschen; sie schlenderten ohne Eile den Bürgersteig entlang, lachten und unterhielten sich.

Maria Bengetheimer trank einen Schluck Tee, dann lehnte sie sich auf ihrem Stuhl zurück, hielt das Gesicht den wärmenden Strahlen entgegen und schloss für einen Moment die Augen. War das ein herrliches Wetter! Schade nur, dass sie schon bald wieder in ihr Büro zurückkehren musste.

Die Wärme machte sie ein wenig schläfrig. Noch schläfriger, als sie ohnehin schon war, weil sie in der Nacht noch so lange gelesen hatte – eine sehr romantische Geschichte. Sie liebte Romane, und dieser war so unglaublich dramatisch und fesselnd gewesen!

„Wirst du mir jetzt endlich verraten, weshalb wir uns unbedingt in der Mittagspause treffen mussten?“, murmelte sie. „Was ist denn so Wichtiges in der Zeit passiert, in der wir uns nicht gesehen haben?“

Maria war krank gewesen; heftige, höchst unangenehme Bauchschmerzen hatten sie geplagt. Sie gehörte zu den Menschen, die in Ruhe gelassen werden wollten, wenn es ihnen nicht gut ging, und ausgesprochen schlechte Laune entwickelten, wenn ihr Körper sie „im Stich ließ“, wie Maria es nannte.

Franziska Herninger, ihre beste Freundin, wusste das und hatte daher immer nur kurz mit Maria telefoniert. Dann war sie für zwei Wochen in den schon länger geplanten Urlaub gefahren, und auch nach ihrer Rückkehr hatte es irgendwie nicht geklappt, dass die beiden Freundinnen sich trafen.

Vor einer Stunde jedoch hatte Franziska angerufen und gesagt, dass sie Maria ganz dringend sehen müsste. Es gäbe aufregende Neuigkeiten, die sie aber nicht am Telefon verraten wollte. Und so hatten sie sich in diesem hübschen Straßencafé verabredet.

„Eine Menge ist passiert!“, antwortete Franziska nun und klang ganz aufgeregt. „Er hat Ja gesagt, Maria!“ Sie schob ihre Suppentasse weg, dabei hatte sie nicht einmal die Hälfte aufgegessen. „Stell dir vor, Sascha und ich, wir werden heiraten!“, fügte sie hinzu.

Maria fuhr hoch, riss die Augen auf, machte eine heftige Handbewegung und stieß dabei ihre Tasse um. Franziska konnte sie gerade noch auffangen, bevor sie herunterfiel.

Auf dem Tisch breitete sich der Tee zu einer Lache aus, doch Maria nahm das alles nicht wahr.

„Ihr heiratet?“, rief sie aufgeregt. „Du und Sascha? Wie Hochzeit, Ehe, Standesamt?“

Franziska stellte die Tasse zurück auf den Tisch, nahm eine Serviette und tupfte den Tee auf.

„Und wie Kirche und glückliche Braut und meine allerbeste Freundin freut sich für mich“, erwiderte sie und hielt den Blick gesenkt.

Tut deine allerbeste Freundin ganz bestimmt nicht, lag es Maria auf der Zunge, doch sie riss sich zusammen. Schweigend dachte sie nach. In Gedanken wiederholte sie noch einmal, was ihre Freundin eben erzählt hatte.

Dann machte sie ein verblüfftes Gesicht.

„Wie – er hat Ja gesagt?“, hakte sie nach. „Er? Das muss doch heißen: Ich habe Ja gesagt. Oder?“

Franziska begann zu lachen. „Nein, das war schon richtig. Weil ich Sascha einen Antrag gemacht habe. Vorgestern Abend, mit allem Drum und Dran. Tolles Essen, ein schöner Rotwein und zum Schluss Champagner, leise Musik, Kerzen, gedämpfte Beleuchtung, rote Rosen – das ganze Programm. Dann bin ich vor ihm auf die Knie gesunken …“

Maria verdrehte die Augen. „Bist du nicht, oder?“

Ihre Worte klangen so entsetzt, dass Franziska wieder lachen musste.

„Ja, natürlich, das gehört schließlich dazu, oder? Obwohl ich zugeben muss, dass ich mir dabei schon ein bisschen dämlich vorgekommen bin“, fügte sie grinsend hinzu.

Eine ganze Weile sagte Maria gar nichts, schüttelte nur immer wieder den Kopf.

Schließlich rettete sie sich in Spott.

„Und, hat ihm der Diamant gefallen?“, wollte sie wissen. „Oh mein Gott, ich stehe immer noch unter Schock.“

Franziska sah sie an.

„Welcher Diamant?“, fragte sie irritiert, aber dann begriff sie. „Ach, du meinst den Verlobungsring?“ Sie grinste. „Nö. So weit wollte ich dann doch nicht gehen. In der Beziehung lassen wir alles beim Alten.“

Sie streckte der Freundin ihre Hand hin.

„Hast du den denn noch gar nicht bemerkt? Eigentlich kann man ihn gar nicht übersehen. Den hat mir Sascha gestern dann gleich gekauft. Schön, nicht?“

„Hm.“ Maria betrachtete den Ring mit gerunzelter Stirn.

Der große, braun-grüne Stein war herzförmig geschliffen. Sie fand ihn nicht schön, überhaupt nicht, eher ein bisschen protzig – und sie war sich ziemlich sicher, dass er auch ihrer Freundin nicht wirklich gefiel.

Franziska liebte Schmuck, der ruhig auffällig sein durfte, solange er edel wirkte. Doch dieser Ring war nicht edel, er schrie einem einfach nur ins Gesicht: Seht her, wie teuer ich bin.

„Ich glaub das immer noch nicht“, meinte sie. „Und das ist wirklich kein Scherz, Franzi? Du wolltest mich nicht bloß zu Tode erschrecken?“

„Kein Scherz.“ Franziska schüttelte den Kopf. „Es ist mir ganz ernst. Und ich bin wahnsinnig glücklich.“

„Aber wieso hast du ihm den Antrag gemacht?“, wollte Maria wissen.

Ihre Freundin zuckte mit den Schultern.

„Du kennst doch Sascha. Hätte ich auf seinen Antrag gewartet, hätte ich wohl noch ewig warten können“, gab sie leise zu. „Aber ich will endlich heiraten. Das wollte ich doch schon immer“, fügte sie hinzu. „Heiraten. Kinder haben. Eine Familie. Ein Haus auf dem Land. Mitten im Grünen …“

„Du wohnst doch schon im Grünen“, warf Maria ein, weil ihr nichts Besseres einfiel – und weil sie das, was sie wirklich dachte, nicht aussprechen konnte. „Grünwald macht seinem Namen alle Ehre, oder?“

„Ach komm, du weißt genau, was ich meine.“ Franziska schwieg einen Moment. „Sascha und ich, wir sind jetzt seit über fünf Jahren zusammen. Lange genug, um sich kennenzulernen.“

Sie sah ihrer Freundin fest in die Augen, bevor sie fortfuhr:

„Ich liebe ihn, Maria. Er ist der Mann, mit dem ich mein Leben verbringen will. Na ja, und da ist auch meine biologische Uhr, die längst zu ticken begonnen hat. Ich bin dreiunddreißig, da bleibt mir nicht mehr so viel Zeit. Ich will Kinder, zwei oder drei. Und wenn ich nicht bald damit anfange, welche zu bekommen, dann wird es eng, finde ich.“

Sie seufzte leise.

„Jedenfalls hatte ich im Urlaub etliche Male Andeutungen gemacht, was Heiraten und so betrifft. Es war doch so romantisch in der Villa seiner Eltern! Bis auf die beiden Tage am Schluss hatten wir sie ganz für uns allein. Dieses wunderschöne weiße Haus liegt hoch über dem Meer. Unten schlagen die Wellen gegen die Felsen, oben hängt der Vollmond am samtdunklen Himmel, Tausende von Sternen funkeln, und wir zwei sind ganz allein auf der Terrasse. Aber Sascha hat da irgendwie auf Durchzug geschaltet.“

Was mich nicht überrascht, dachte Maria.

Sie mochte Sascha nicht, hatte ihn nie gemocht. Sascha Weinhuber, gut aussehend, Sohn von Beruf und so vermögend, dass er nicht einen Tag seines Lebens wirklich gearbeitet hatte. Ein Blender, ihrer Meinung nach. Schöne Fassade und nichts dahinter.

Sie hatte nie verstanden, was Franziska an ihm fand, und schon gar nicht, dass ihre Freundin es so lange mit ihm ausgehalten hatte. Ihr selbst fiel es immer noch schwer, ihn länger als fünf Minuten zu ertragen.

Seinetwegen war es damals zum ersten und einzigen ernsthaften Streit zwischen den beiden Freundinnen gekommen, die sich schon seit dem Kindergarten kannten. So ernsthaft, dass dieser Streit beinahe zum Bruch zwischen ihnen geführt hätte.

Doch dann hatte sich Maria gesagt, dass ein Typ wie Sascha es nicht wert war, eine so tolle Freundschaft aufzugeben, und sie hatte Franziska versprochen, sich in seiner Gegenwart zusammenzunehmen. Oder es zumindest zu versuchen.

Seit fünf Jahren tröstete sie sich damit, dass die Beziehung zwischen Franzi und Sascha bestimmt nicht ewig dauern würde. Dass die Freundin irgendwann ihren „Verstand zurückgewinnen“ würde, wie sie es nannte. Aber die Zeit war vergangen, und die beiden waren immer noch ein Paar.

Und nun wollten sie sogar heiraten!

Maria starrte auf ihre leere Suppentasse. Wie gut, dass sie ihre Suppe, eine einfache Hühnerbrühe, bereits gegessen hatte. Hätte Franzi ihr vorher von ihren Plänen erzählt, dann wäre ihr gleich der Appetit vergangen!

„Tja, da habe ich mir schließlich gedacht, ich versuche es mal auf andere Weise“, fuhr Franziska fort und riss Marie damit aus ihren Gedanken. „Du weißt doch, Sascha kann sich nie entscheiden; wichtige Dinge muss man ihm immer abnehmen. Also habe ich mir überlegt: Okay, dann bekommt er jetzt eben einen etwas festeren Schubs in die richtige Richtung. Deshalb habe ich ihm den Antrag gemacht.“

„Und? Wie hat Sascha reagiert?“

So flüchtig, dass Maria es kaum bemerkte, huschte ein Schatten über das Gesicht der Freundin.

„Na ja, zuerst hat er gelacht und gedacht, ich mache einen Scherz.“

„Und dann?“

„Dann hat er begriffen, dass es mir ernst war.“

„Und? Mensch, lass dir nicht jedes Wort aus der Nase ziehen!“

Franziska zuckte mit den Schultern, wandte für einen Moment den Kopf ab, sah dann jedoch die Freundin wieder an.

„Ich bringe dich um, wenn du jetzt eine dumme Bemerkung machst!“, drohte sie. „Also, er meinte: ‚Dann muss ich ja wohl, oder?‘, und nach einem Moment hat er hinzugefügt: ‚Wenn mich eine so schöne Frau bittet, sie zu heiraten, und auch noch vor mir auf die Knie fällt, dann kann ich ja schlecht Nein sagen‘.“

„Oh Gott“, murmelte Maria vor sich hin. Überschwängliche Freude hörte sich anders an, oder? Wenn sie an Franzis Stelle gewesen wäre, dann hätte sie ihm sein „Dann muss ich ja wohl“ um die Ohren gehauen! „Habt ihr bereits einen Termin ausgemacht?“, fügte sie nach einer Weile hinzu.

„Anfang oder Mitte Juli gefällt mir am besten.“

„Das ist ja schon in gut zwei Monaten! Da wollte ich eigentlich nach Italien fahren.“

„Oh nein!“ Franziska sah die Freundin erschrocken an. „Das wirst du nicht. Nach Italien kannst du immer noch fahren, aber ich heirate nur einmal. Und ich heirate garantiert nicht ohne dich. Ich möchte, dass du meine Trauzeugin wirst.“

„Das ist lieb.“ Maria zwang sich zu einem Lächeln. „Aber ich kann mir nicht vorstellen, dass Sascha damit einverstanden ist.“

Franziska lächelte leicht. „Stimmt schon, er hat ein Gesicht gemacht, als hätte er in eine Zitrone gebissen, als ich ihm das gesagt habe. Aber in dem Punkt lasse ich nicht mit mir handeln.“

„Hat er denn schon einen Trauzeugen?“ In Gedanken ließ sie alle Freunde von Sascha, die sie kannte, vor ihrem inneren Auge vorbeiziehen.

Oh bitte nicht, dachte sie, keiner von denen! Sie mochte sie genauso wenig leiden wie Sascha selbst.

„Nein“, erwiderte Franziska. „Nicht wirklich. Es gibt da einen entfernten Cousin, der immer schon Saschas großer Held war.“ Sie trank einen Schluck, winkte einem Bekannten zu, der eben vorbeiging, und fragte dann: „Willst du was von meinem Wasser?“

Maria schüttelte den Kopf. Wenn es doch nur eine Möglichkeit gegeben hätte, Franzi von dieser Heirat abzuhalten! Sie war so sicher, dass die Freundin geradewegs in ihr Unglück lief. Doch ein Blick auf Franziskas strahlendes Gesicht verriet ihr, dass jeder Einwand sinnlos gewesen wäre.

„Max oder so heißt er“, fuhr Franziska fort. „Ich kenne ihn noch nicht, weil er ewig lange in den USA war. Er hat dort ein Unternehmen aufgebaut, irgendwas mit Computern und Software. Laut Sascha hat er jetzt alles mit einem Riesengewinn verkauft und kehrt nun nach München zurück. Jedenfalls möchte er diesen Max als Trauzeugen haben. Ich hab aber keine Ahnung, ob er bereits mit ihm darüber gesprochen hat. Oder ob der Typ überhaupt schon hier ist.“

Dann schwieg sie, ganz in ihre Gedanken versunken.

Auch Maria sagte nichts, schaute schließlich auf ihre Uhr.

„Oje, Franzi, ich muss los! Meine Mittagspause ist gleich vorbei.“ Sie kramte in ihrem Portemonnaie und schob der Freundin Geld hin. „Zahlst du für mich mit? Ich kann nicht mehr warten, bis die Kellnerin kommt.“

Franziska schob das Geld wieder zurück.

„Behalt es, ich erledige das schon“, sagte sie, dann schien ihr etwas einzufallen. „Oje, jetzt habe ich gar nicht gefragt, wie es dir geht! Es ist doch alles wieder gut, oder?“

Maria zuckte mit den Schultern und stand auf.

„Na ja, halbwegs. Ich muss übermorgen noch mal zu Dr. Frank, um die letzten Blutwerte zu besprechen.“

Sie stieß einen tiefen Seufzer aus.

„Ehrlich, Franzi, ich hatte noch nie zuvor so fürchterliche Bauchschmerzen. Du kannst dir nicht vorstellen, wie schlimm das war. Mir war außerdem dauernd schlecht, und ich mochte nichts essen. Und dann hat Dr. Frank mir auch noch einen höllischen Schrecken eingejagt, als er sagte, wenn sich die Werte der Bauchspeicheldrüse nicht besserten, dann müsse ich sofort ins Krankenhaus. Du weißt, wie ich Krankenhäuser hasse. Das kommt bei mir gleich nach Gefängnis.“

„Hast du denn jetzt noch Schmerzen?“

„Nein, die sind endlich weg.

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