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Dr. Stefan Frank - Folge 2267

Inhalt

  1. Cover
  2. Impressum
  3. Bis Weihnachten bin ich gesund!
  4. Vorschau

Bis Weihnachten bin ich gesund!

Dr. Frank und das große Versprechen einer schwer kranken Patientin

Mit letzter Kraft schleppt sich Alissa Ermendorf in die Praxis von Dr. Frank. Noch nie in ihrem Leben hat sie sich so elend gefühlt! Jeder Knochen in ihrem Körper tut weh, ihr Kopf schmerzt unerträglich, und in ihrem Gesicht hat sich ein seltsamer Ausschlag ausgebreitet. Alissa ahnt: Sie muss sehr, sehr krank sein …

Ihre Befürchtung bestätigt sich nur wenige Minuten später. Mit dem Verdacht auf Denguefieber, eine tropische Viruserkrankung, lässt Dr. Frank seine junge Patientin in die Waldner-Klinik bringen. Der Grünwalder Arzt weiß: Vor ihr liegt eine sehr schwere Zeit. Es wird lange dauern, bis sie wieder gesund ist – wenn sie denn wieder gesund wird. Was er nicht ahnt: Alissa ist vor wenigen Tagen ihrer großen Liebe begegnet. Und für Jannik will sie kämpfen!

„Ich kann es immer noch nicht fassen“, sagte Jannik Holden. „Du wohnst in München, wo ich oft bin, weil ich Freunde dort habe – einer wohnt sogar in Grünwald, wie du –, trotzdem sind wir uns noch nie über den Weg gelaufen. Und dann machen wir Urlaub auf einer Insel im Indischen Ozean, die in Deutschland außer uns kaum jemand kennt, und ausgerechnet hier begegnen wir uns.“

Alissa Ermendorf und er lagen an einem Strand, der perfekt als Kulisse für ein Werbeplakat hätte herhalten können: schneeweißer Sand, der an einen kleinen Palmenwald grenzte, Wasser von tiefstem Smaragdgrün und ein strahlend blauer Himmel ohne eine einzige Wolke. Alissa hatte es kaum glauben können, dass es hier tatsächlich so aussah wie in ihren Träumen. Sie hatte von ihren Eltern zum bestandenen Examen eine Reise ihrer Wahl geschenkt bekommen und sich die Komoren ausgesucht, eine Inselgruppe im Indischen Ozean, vor der Ostküste Afrikas. Seit drei Wochen war sie hier, dies war ihr letzter Tag.

Janniks Urlaub hatte dagegen gerade erst begonnen, er war einige Tage zuvor mit anderen Reisenden in ihrem Hotel eingetroffen. Sie hatten sich angesehen und einander zugelächelt. Da war eigentlich schon alles klar gewesen.

Er zog sie in seine Arme und küsste sie.

„Es sind nicht einmal drei Wochen, bis wir uns wiedersehen“, sagte er. „Die vergehen wie im Flug.“

„Für dich vielleicht, du bist ja noch hier, aber weißt du, wie kalt es in Deutschland ist? Ich bin ein Sommertyp, für mich könnte es ruhig immer warm sein. Ich werde also schrecklich frieren und außerdem noch traurig sein, das ist schwer zu ertragen.“

Er küsste sie wieder.

„Lass uns bald ins Hotel zurückkehren“, flüsterte er, während er sie zärtlich streichelte. „Hier fühle ich mich immer so beobachtet.“

Sie lachte hell auf. Weit und breit war kein Mensch zu sehen, sie waren ganz allein. Alissa war oft hier gewesen in den vergangenen Wochen, wenn sie sich von ihren Erkundungstouren hatte erholen wollen. Sie mochte volle Strände nicht, deshalb hatte es ihr hier besonders gut gefallen. Der Strand lag ein wenig außerhalb von Moroni, der Hauptstadt der größten Komoreninsel.

Sie schmiegte sich an Jannik. „Es ist zwar niemand da außer uns, aber es ist trotzdem besser, wenn wir ins Hotel gehen. Ich möchte nur vorher noch einmal schwimmen.“

Sie sprang auf und lief auf das Wasser zu, geschmeidig und elegant. Sie hatte glänzende dunkelbraune Haare, die ihr bis über die Schultern reichten, und ein Gesicht, das er stundenlang ansehen konnte. Die dunklen, ausdrucksvollen Augen, der verlockende Mund, ihr hinreißendes Lächeln – er hatte genau eine Sekunde gebraucht, um sich in sie zu verlieben.

Zum Glück war es ihr mit ihm ähnlich ergangen, dabei fand er, dass er im Vergleich zu ihr allerhöchstens mittelmäßig aussah. Er war zwar groß, das immerhin, aber seine blonden Haare standen störrisch nach allen Seiten ab, wenn er sie nicht ganz kurz schneiden ließ oder mit viel Gel bändigte, was er hasste. Seine blauen Augen gefielen ihm recht gut, aber die Nase saß ein wenig schief, und der Mund war eindeutig zu groß.

„Was du immer mit deiner Nase und deinem Mund hast!“, hatte Alissa gesagt, als er einmal darauf zu sprechen gekommen war. „Die machen dein Gesicht doch gerade interessant! Es sind die kleinen Unregelmäßigkeiten, die einen Menschen anziehend wirken lassen.“

„Dann sag mir mal, wieso ich dich anziehend finde, wo es bei dir doch überhaupt keine Unregelmäßigkeiten zu entdecken gibt.“

Sie hatten beide lachen müssen, seitdem war das Thema erledigt.

Er sprang auf und folgte Alissa ins Wasser. Sie lag auf dem Rücken und ließ sich treiben. Eine richtige Erfrischung bot das Schwimmen nicht – Jannik schätzte, dass das Wasser fast dreißig Grad hatte  –, aber angenehm war es trotzdem. Man glitt ins Meer wie im heimischen Badezimmer in die Badewanne. Aber anders als zu Hause trug das Salzwasser, und es gab genügend Platz, um auf dem Rücken im Wasser zu liegen, sich die Sonne auf den Bauch und ins Gesicht scheinen und seine Gedanken dabei treiben zu lassen.

Sie blieben über eine halbe Stunde im Wasser, dann beschlossen sie, ins Hotel zurückzukehren. Der Nachmittag neigte sich dem Ende zu, es würde bald dunkel sein.

Jannik folgte Alissa in ihr Zimmer. Sie liebten sich unter der Dusche, genossen das lauwarme Wasser, das das Salz von ihrer Haut wusch, und konnten einander nicht nahe genug sein.

So war es vom ersten Moment an gewesen. Im Grunde genommen konnten sie sich beide nicht vorstellen, jetzt erst einmal für knapp drei Wochen getrennt zu sein. Sie hatten sich ja gerade erst gefunden!

Zwar versuchte Jannik immer, Alissa mit dem Hinweis zu trösten, dass die Zeit vergehen werde wie im Flug, aber im Grunde glaubte er das selbst nicht. Die Insel würde ihm ohne sie öde und langweilig vorkommen, das wusste er schon jetzt.

„Mein letzter Abend hier“, sagte Alissa, als sie später beim Abendessen saßen. „So ein Mist, Jannik, dass wir nicht für den gleichen Zeitraum gebucht haben.“

Sie saßen im kühlen Restaurant ihres Hotels. Am ersten Tag ihres Urlaubs holten sich die meisten eine Erkältung, weil sie nicht mit den höchst wirksamen Klimaanlagen rechneten, die hier überall liefen.

Alissa und Jannik hatten sich Jacken um die Schultern gelegt und betrachteten amüsiert ein bibberndes französisches Paar. Das lenkte sie zumindest ein wenig von ihrem Kummer wegen der bevorstehenden Trennung ab.

Als Janniks Handy summte und er aufs Display sah, verzog er unwillig das Gesicht.

„Was ist denn?“

„Schon wieder Lea“, murmelte er. „Wir sind schon seit Monaten getrennt, aber sie will es einfach nicht wahrhaben.“

Von Lea hatte Jannik Alissa schon am ersten Abend erzählt. Mit ihr war er fast zwei Jahre lang zusammen gewesen.

„Ich wusste schnell, dass das mit uns nichts für die Ewigkeit ist, aber ich habe die Trennung immer wieder aufgeschoben, bis wir wieder so einen blöden Streit wegen nichts hatten und mir mit einem Schlag klar wurde, dass ich es sofort beenden musste. Da hat sich dann herausgestellt, dass sie das mit dem Streiten überhaupt nicht schlimm fand, aber für mich war es unerträglich. Sie hat dann darauf bestanden, dass wir ‚Freunde‘ bleiben, aber selbst das ist mir zu viel. Lea ist eine sehr besitzergreifende Person, das kann ich nicht gut haben, wie ich mittlerweile weiß.“

„Irgendwann wird sie es schon begreifen.“

„Spätestens, wenn sie von dir erfährt.“

In der Nacht fanden sie wenig Schlaf. Sie hielten sich eng umschlungen und redeten leise miteinander. Auch liebten sie sich noch einmal, aber es war anders als sonst: nicht so leidenschaftlich, eher voller Wehmut über den bevorstehenden Abschied. Einmal weinte Alissa, und Jannik konnte sie nur mühsam trösten.

Sie musste sehr früh aufstehen, ein Taxi würde sie zum Flughafen bringen. Sie hatte Jannik verboten, sie zu begleiten.

„Das halte ich nicht aus, dann kann ich nicht weg, Jannik. Bitte, bleib im Hotel.“

Schweren Herzens blieb er also zurück, nach einer letzten stummen Umarmung. Sie stieg ins Taxi, winkte ihm mit tränenumflortem Blick noch einmal zu und war gleich darauf verschwunden.

Er blieb noch eine Weile regungslos stehen, den Blick auf die Stelle gerichtet, an der das Taxi hatte abbiegen müssen.

Wie seltsam, dachte er. Sie ist noch in meiner Nähe, aber es macht überhaupt keinen Unterschied. Sie könnte genauso gut schon in München sein, viele tausend Kilometer entfernt, und sie wäre auch nicht unerreichbarer für mich als jetzt.

Er kehrte ins Hotel zurück und schrieb ihr eine SMS – die erste von vielen weiteren, die folgen würden.

***

Der Flug war furchtbar gewesen, wie alle Langstreckenflüge, wenn man nicht gerade Erster Klasse flog. Sie hatten in Mosambik noch einmal aussteigen und mehrere Stunden warten müssen, eins der Triebwerke war ausgefallen.

Und dann hatte sie in Paris noch umsteigen und noch einmal eine Stunde auf einen Anschlussflug warten müssen! Alissa war froh, als sie mit mehr als dreistündiger Verspätung in München aussteigen konnte.

Sie war müde und aufgedreht zugleich. Außerdem hatte sie Hunger, die Verpflegung an Bord war nicht besonders gewesen. Aber sie freute sich darauf, Jannik zu schreiben. Was er wohl gerade machte? Saß er trübsinnig in seinem Zimmer und vermisste sie?

Es würde niemand am Flughafen sein, um sie abzuholen. Ihre Eltern lebten in Hannover, und ihre beste Freundin Toni Mauersperg war für eine Woche nach Stuttgart gefahren, um ihre Eltern bei der Pflege der Großmutter zu entlasten.

Toni war in Nigeria zur Welt gekommen, aber schon als Baby von ihren deutschen Eltern adoptiert worden. Ihre leiblichen Eltern hatten damals bereits zehn Kinder gehabt, die sie kaum ernähren konnten. Toni war schwarz, richtig schwarz, nicht etwa kaffeebraun, und das war es vor allem gewesen, was Alissa zunächst fasziniert hatte: Das Andersartige, Fremde hatte sie schon immer angezogen. Sie war mit Toni seit dem Kindergarten befreundet, nichts hatte sie seither trennen können.

Alissa kaufte in einem völlig überteuerten Laden Brot, Butter, Käse, Milch und etwas Obst ein, das musste für heute Abend und morgen früh reichen. Morgen hatte sie Zeit genug zum Einkaufen.

Als sie danach das Flughafengebäude verließ, schnappte sie erschrocken nach Luft. Der Unterschied war einfach zu groß, obwohl sie warme Sachen in ihren Rucksack gepackt und mittlerweile angezogen hatte.

Wie kalt es wohl war? Es kam ihr vor wie mindestens zehn Grad unter Null. Es war jedenfalls eisig. Der Winter war dieses Jahr früh gekommen, es war ja erst November.

Die Geschäfte rüsteten bereits für das Weihnachtsgeschäft, selbst am Flughafen war das zu merken. Bald würden die Straßen in der Stadt weihnachtlich geschmückt sein. Sie freute sich schon darauf.

Ihre Eltern hatten ihr eingeschärft, ein Taxi zu nehmen.

„Das gehört zu unserem Geschenk, nicht dass du nach dem langen Flug noch stundenlang mit öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs bist.“

Sie hatte eigentlich vorgehabt, das Geld zu sparen, aber jetzt entschied sie sich anders. Je schneller sie nach Hause kam, desto besser.

Im Taxi war es warm, der Fahrer war in Redelaune und fragte sie, woher sie gerade komme. Sie erzählte es ihm, und es stellte sich heraus, dass er selbst schon einmal auf den Komoren gewesen war, denn er war Ostafrikaner. Es gefiel Alissa, dass sie mit ihm über ihren Urlaubsort sprechen konnte, so fühlte sie sich Jannik gleich wieder ein wenig näher.

Alissa gab dem Mann ein ordentliches Trinkgeld und stieg hinauf in ihre Dachwohnung in Grünwald, die sie erst kürzlich ergattert hatte. Ihre erste Stelle als Lehrerin würde sie nämlich an einer Schule in Grünwald antreten, das stand bereits fest. Sie hatte großes Glück gehabt, sowohl mit der Stelle als auch mit der Wohnung.

Zu ihrer freudigen Überraschung war es zwar nicht direkt warm, als sie die Tür hinter sich geschlossen hatte, aber auch nicht eiskalt, weil ihre Nachbarn – die Mendigs – daran gedacht hatten, rechtzeitig die Heizung einzuschalten. Außerdem hatten sie ihr einen Blumenstrauß auf den Tisch gestellt und die Post daneben gelegt, zusammen mit einem kurzen schriftlichen Gruß.

Auch Alissas Pflanzen lebten alle noch. Sie war froh, dass sie daran gedacht hatte, Frau Mendig ein hübsches Tuch als Dankeschön mitzubringen. Herrn Mendig, der sich sicher für die Heizung verantwortlich gefühlt hatte, bekam ein Paket mit exotischen Gewürzen, weil Alissa wusste, dass er gerne kochte.

Sie drehte die Heizung voll auf und setzte sich erst einmal hin, um etwas zu essen. Zu ihrem Käsebrot machte sie sich einen Tee, der sie angenehm von innen wärmte. Während sie aß und trank, las sie die siebzehn Nachrichten, die Jannik ihr seit ihrer Abreise geschickt hatte.

***

„Ich sollte mich bald auf den Rückweg machen, Uli“, sagte Dr. Stefan Frank am nächsten Tag nach einem besorgten Blick aus dem Fenster.

Der Grünwalder Arzt saß mit seinem Freund Dr. Ulrich Waldner in dessen Büro, nachdem er seinen Patienten in der Klinik, die Ulrich leitete, einen Besuch abgestattet hatte. So hielt er es fast jeden Tag nach dem Ende seiner Sprechstunde.

„Die haben ja für heute Abend neuen Schnee angesagt, das Chaos kann ich mir vorstellen.“

„Schade“, seufzte Ulrich, „es ist gerade so gemütlich. Und natürlich könntest du auch bei uns übernachten, aber ich weiß, dass ich dir das gar nicht erst vorschlagen muss, du lehnst sowieso ab.“

Die beiden Männer hatten sich im Studium kennengelernt, seitdem waren sie Freunde, und seit Jahren arbeiteten sie außerdem noch zusammen. Während sich Stefan Frank als Allgemeinmediziner und Geburtshelfer im schönen Grünwald niedergelassen hatte, wo er im selben Haus wohnte und praktizierte, hatte Ulrich seine eigene Klinik eröffnet: die Waldner-Klinik, in München-Schwabing gelegen, in direkter Nachbarschaft zum Englischen Garten.

Stefan hatte dort Belegbetten, obwohl Schwabing und Grünwald nicht sonderlich nah beieinander lagen. Aber er nahm den langen Weg gern in Kauf, wusste er doch, dass seine Patienten nirgends besser aufgehoben sein konnten als in der Klinik seines Freundes. Es hatte schon öfter Situationen gegeben, in denen sie Menschen das Leben nur deshalb hatten retten können, weil sie wussten, wie der jeweils andere dachte und weil sie einander blind vertrauten. Auch mit Ulrichs Frau Ruth, die als Anästhesistin in der Klinik tätig war, verband Stefan eine enge Freundschaft.

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