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Dr. Stefan Frank - Folge 2259

Neles Geheimnis

Warum niemand von ihrer Liebe wissen durfte

Nele ist verliebt – das ist für niemanden zu übersehen. Doch zur Überraschung aller, die sie kennen, will sie die Identität ihres Liebsten nicht preisgeben. Weder verrät sie ihrer Freundin Marina, an wen sie ihr Herz verloren hat, noch ihrem Hausarzt Dr. Frank, dem sie sonst alles anvertraut. Ja, nicht einmal ihrem besten Freund André will sie etwas erzählen! Aber der ist eigentlich ganz froh darüber, Neles verliebte Schwärmerei könnte er ohnehin nicht vertragen. Denn was die hübsche Studentin nicht ahnt: André ist selbst in sie verliebt, schon seit ihrer ersten Begegnung. Umso entsetzter ist er, als er schließlich durch einen Zufall doch erfährt, um wen es sich bei Neles mysteriösem Freund handelt: Es ist niemand anderes als der Schönling Niko, der in ihrer Stammdiskothek eine Frau nach der anderen abschleppt! Außerdem erzählt er dort immer von seiner psychisch kranken Ehefrau. Ob Nele über das Doppelleben ihres Liebesten Bescheid weiß?

„Der ist ja süß“, flüsterte Marina Baer ihrer Freundin Nele Althaus zu, als ein großer Blonder mit sehr blauen Augen in der offenen Tür erschien. Dort blieb er stehen, lässig und entspannt, und ließ seinen Blick gemächlich durch den Raum wandern, als müsste er sich orientieren, bevor er ihn betrat.

Der Typ war tatsächlich attraktiv, sah Nele, und natürlich wusste er es auch. Groß, durchtrainiert, flacher Bauch, breite Schultern. Dazu die blonden Haare, die er ziemlich lang trug, diese unglaublichen Augen, das leichte Lächeln, das seine Lippen umspielte, das markante Profil – er hätte ohne weiteres ein umjubelter Leinwandheld sein können.

Da er in diesem Moment zu ihr herübersah, wandte sie den Blick ab. Er sollte sich bloß nichts einbilden.

„Ja, ganz nett“, sagte sie betont gleichmütig.

„Ganz nett?“ Marina konnte es nicht fassen. „Spinnst du? So einer wie der läuft einem vielleicht einmal im Jahr über den Weg, wenn überhaupt. Siehst du, wie sie sich um ihn reißen?“

„Ja, das sehe ich.“ Der Typ war schon von mehreren Frauen umringt, die um seine Aufmerksamkeit buhlten. Wie konnten sie nur! „Er sieht gut aus, aber das kann ja nicht alles sein, oder? Wahrscheinlich hat er einen ganz miesen Charakter. Ich brauche jetzt jedenfalls was zu trinken.“

Marina und sie waren auf der Geburtstagsparty ihrer gemeinsamen Freundin Lola Maron, die ihren fünfundzwanzigsten Geburtstag ganz groß feierte. Das erste Vierteljahrhundert ist schon vorüber!, hatte auf ihrer Einladung gestanden.

Nele und Marina waren drei Jahre jünger als Lola, sie studierten Sozialpädagogik und standen kurz vor dem Abschluss.

In diesem Augenblick hörten sie einen von Lolas berühmten Quietschern. Im nächsten Augenblick schoss die Gastgeberin auf den Neuankömmling zu und flog ihm an den Hals.

„Niko!“, quietschte sie.

Er umarmte sie lachend, küsste sie auf beide Wangen und schwenkte sie übermütig herum, bevor er sie behutsam wieder auf die Füße stellte, während die anderen Frauen ungeduldig darauf warteten, dass Lola wieder verschwand.

Nele wandte sich entschlossen ab.

„Das ist ja widerlich, wie die sich alle an den ranschmeißen“, sagte sie. „Brauchst du auch was zu trinken?“

„Ich komme jedenfalls mit in die Küche“, sagte Marina. „Ich habe plötzlich so ein Loch im Magen, ich sollte noch eine Kleinigkeit essen.“

Marina trug die Haare im Augenblick rosa, sie wechselte oft. Ihre Naturfarbe, nussbraun, fand sie nicht aufregend genug.

Sie drängelten sich zur Küche durch, wo, wie üblich, der stärkste Andrang herrschte. Hier war das Büfett aufgebaut, und es gab es eine reichliche Auswahl an Getränken im Kühlschrank.

Marina belud ihren Teller, Nele ließ sich ihr Weinglas noch einmal füllen.

„Iss lieber auch noch was, solange noch etwas da ist“, riet Marina. „Das Büfett ist schon ziemlich abgegrast.“

Nele sah, dass sie recht hatte, und nahm noch einmal von dem leckeren Garnelensalat.

Danach verließen sie die Küche auf der Suche nach einem etwas ruhigeren Plätzchen, das sie schließlich auch fanden: in Lolas Schlafzimmer. Sie setzten sich auf den Fußboden vors Bett und streckten die Beine weit von sich.

„Herrlich“, seufzte Marina.

Als sie sich gestärkt hatten, warfen sie sich wieder ins Getümmel. Marina wurde von einem dunkelhaarigen jungen Mann, den sie beide nicht kannten, ins Tanzzimmer gezerrt, Nele blieb allein zurück. Sie machte sich nicht viel aus Partys, aber natürlich hatte sie bei Lolas fünfundzwanzigstem Geburtstag nicht fehlen können.

„Du siehst aus, als würdest du gern gehen“, sagte eine Stimme neben ihr.

Sie sah überrascht auf, direkt in die blauen Augen des schönen Blonden, der offenbar Niko hieß.

„Stimmt“, gab sie zu. „Partys sind nicht so mein Ding.“

„Meins auch nicht“, erwiderte er zu ihrer Überraschung.

„Tatsächlich? Ich hätte eher das Gegenteil angenommen.“

Er schüttelte den Kopf.

„Ich unterhalte mich lieber“, sagte er.

Sie sah ihn misstrauisch an. War das jetzt eine Masche? Aber sein Blick war ernsthaft und aufrichtig, er schien tatsächlich zu meinen, was er sagte.

Er deutete ihren Blick offenbar richtig.

„Mein Aussehen sorgt dafür, dass ich mit vielen Vorurteilen zu kämpfen habe“, sagte er mit entwaffnender Offenheit. „Die meisten Leute, die mich das erste Mal sehen, halten mich für einen oberflächlichen Typen, der nichts im Sinn hat, als seinen Körper in Form zu halten und Frauen aufzureißen. Mein Pech, aber es ist schon ziemlich lästig, muss ich sagen. Ich heiße übrigens Nikolas, aber fast alle sagen Niko zu mir.“

„Nele.“

Er sah also nicht nur gut aus, sondern war auch noch sympathisch. Ihr erstes Urteil über ihn war bereits kräftig ins Wanken geraten. Aber vielleicht spielte er ihr den netten Blonden ja auch nur vor.

„Wollen wir nicht von hier verschwinden?“, fragte er. „Irgendwohin, wo man in Ruhe miteinander reden kann? Es gibt doch bestimmt noch geöffnete Lokale in Schwabing. Ich würde dich gern näher kennenlernen, du bist mir gleich aufgefallen.“

„Jetzt lügst du aber! Als du gekommen bist, haben sich doch gleich mindestens zehn Frauen auf dich gestürzt.“

„Immerhin hast du das bemerkt. Ich bin dir also auch aufgefallen.“

Nele biss sich auf die Lippen. Ganz so war es nicht gewesen, aber sie war ja selbst schuld, dass sie diesen Eindruck erweckt hatte.

„Eher anderen Leuten, die mich auf dich aufmerksam gemacht haben“, erklärte sie vage. „Ich will dich nicht beleidigen, aber du bist überhaupt nicht mein Typ.“

Er lachte schallend, nicht im Geringsten beleidigt.

„Das höre ich gern, ehrlich. Ich könnte bei dir also sicher sein, dass es dir nicht nur um mein Äußeres geht.“

Sie lachte auch, er war echt witzig. Außerdem hatte er seinen Vorschlag offenbar ernst gemeint, denn er kam im Verlauf der nächsten Stunde, in der er nicht von ihrer Seite wich, immer wieder darauf zurück.

„Okay, gehen wir“, gab sie sich schließlich geschlagen.

Sie hielt Ausschau nach Marina, die jedoch so selbstvergessen in den Armen ihres Verehrers tanzte, dass Nele sie nicht stören wollte. Als Niko und sie sich von Lola verabschiedeten, machte diese große Augen.

„Du hast das große Los gezogen, wie hast du das gemacht?“, flüsterte sie Nele ins Ohr. „Er ist ein Knaller, alle sind scharf auf ihn.“

Nele verzichtete auf eine Erwiderung – vor allem, weil ihr keine passende einfiel. Was hätte sie sagen sollen? Etwa: Es ist nicht so, wie du denkst? Das wäre ihr albern vorgekommen, und Lola hätte ihr sowieso nicht geglaubt. Also beschränkte sie sich auf ein vielsagendes Lächeln.

Niko und sie fanden bereits nach kurzer Suche ein Lokal, in dem es mehrere freie Tische und nur leise im Hintergrund spielende Musik gab. Sie suchten sich die abgelegenste Ecke aus, bestellten zwei Gläser Wein und schwiegen erst einmal.

Nele wurde plötzlich unsicher. Was tat sie hier eigentlich?

„Mach dir keine Gedanken“, sagte er. „Lola ist uns nicht böse.“

„Ach, das nehme ich auch nicht an. Wir sind ja nicht schon nach einer Stunde von ihrer Party verschwunden, dann hätte sie vielleicht Grund gehabt, beleidigt zu sein. Aber so?“ Sie warf einen Blick auf ihre Armbanduhr. „Es ist eins!“

„Ich weiß“, sagte er.

Als Nele das nächste Mal auf die Uhr sah, war es drei Uhr morgens. Sie hatte keine Ahnung, wo die Zeit geblieben war.

Niko saß mittlerweile neben ihr, sein Arm ruhte auf ihrer Schulter. Sie sprachen über alles, was sie bewegte, und sie hätte nicht einmal sagen können, wie es dazu gekommen war, dass sie ihm sogar ihre intimsten Gedanken anvertraute. Manchmal fuhr er ihr zärtlich mit seinen Fingern durch die hellen Haare, und irgendwann gab er ihr den ersten Kuss.

Sie fand, dass alles, was geschah, folgerichtig war, es hatte so kommen müssen. Nele war rettungslos verliebt in diesen attraktiven Blonden, und sie musste nur in seine Augen sehen, um zu wissen, dass Niko ebenso rettungslos in sie verliebt war.

„Gehen wir zu dir?“, fragte er leise. Seine linke Hand hatte den Weg unter ihr T-Shirt gefunden und liebkoste ihre rechte Brust. Ihr Körper war längst in Aufruhr, sie wollte ihn ebenso, wie er sie wollte.

Sie konnte nur nicken, bevor er sie ein weiteres Mal küsste, dann zog er seine Hand zurück.

„Etwas muss ich dir vorher aber noch sagen“, erklärte er. „Ich will von Anfang an ehrlich zu dir sein, weil du mir wichtig bist.“

Sie verstand nicht, was er meinte. Alles, was sie wollte, war, so schnell wie möglich das Lokal zu verlassen und mit ihm in ihre Wohnung zu gehen. Sie würden sich die Kleidung vom Leib reißen und wie ausgehungert übereinander herfallen …

„Ich bin noch verheiratet“, hörte sie Niko in ihre Fantasie hinein sagen.

Die Worte brauchten eine Weile, bis sie in ihr Bewusstsein gelangt waren. Nele war nicht betrunken, aber doch angeheitert, und vor allem war sie erregt; sie wollte mit diesem Mann ins Bett, so schnell wie möglich.

Seine Worte passten einfach nicht, sie waren falsch, grundfalsch. Als sie ihren Sinn endlich realisiert hatte, rückte sie von ihm ab.

„Was hast du gesagt?“

„Ich habe einen Fehler gemacht“, sagte er. „Ich habe meine erste Liebe geheiratet, obwohl mir alle davon abgeraten haben, aber leider musste ich meinen Willen durchsetzen. Unsere Ehe besteht nur noch auf dem Papier, aber meine Frau hat psychische Probleme, ich kann mich nicht einfach von ihr scheiden lassen, bevor wir das nicht irgendwie in den Griff bekommen haben. Verstehst du?“

Neles Ernüchterung war brutal und vollständig. Sie rückte noch weiter von ihm ab und schob seinen Arm weg, der noch immer auf ihrer Schulter lag.

„Findest du nicht, du hättest mir das früher sagen müssen?“, fragte sie.

„Tut mir leid“, erwiderte er kleinlaut. „Ich wollte wirklich nur mit dir reden, Nele, ich habe nicht damit gerechnet, dass es zwischen uns so schnell und so heftig funkt.“

Seine Worte besänftigten sie nicht. Sie zog einen Geldschein aus der Tasche, warf ihn auf den Tisch und stand auf.

„Das war’s dann“, sagte sie. „Ich fange nichts mit verheirateten Männern an.“

„Jetzt warte doch mal“, protestierte Niko, doch sie beachtete ihn nicht mehr, sondern marschierte direkt zur Tür hinaus in die kühle Nachtluft.

Die Tränen hielt sie zurück, bis sie zu Hause war. Dort zog sie sich aus und stellte sich unter die Dusche, wo ihre Tränen von dem heißen Wasserstrahl einfach weggespült wurden.

Als Lola am nächsten Tag anrief und neugierig fragte:

„Wie war’s mit Niko?“, hatte Nele große Mühe, darauf nicht mit wilden Beschimpfungen zu reagieren. Sie schaffte es aber, einigermaßen ruhig zu sagen: „Es ist nichts passiert. Du weißt, dass ich nichts mit verheirateten Männern anfange. Lola, du hättest mich vorwarnen müssen.“

„Aber die Ehe besteht doch nur noch auf dem Papier!“, rief Lola. „Das ist überhaupt keine Ehe mehr; Niko wird sich scheiden lassen, sobald seine Frau sich einigermaßen stabilisiert hat. Wenn du mich fragst: Sie spielt ihre Depressionen nur, damit er bei ihr bleibt. Das habe ich ihm auch schon öfter gesagt, aber davon will er nichts hören. Er fühlt sich für sie verantwortlich.“

„Du hättest es mir trotzdem sagen müssen“, wiederholte Nele und beendete das Gespräch. Sie war sauer auf Lola, und das sollte die Freundin ruhig auch merken.

Kurz darauf meldete sich Marina.

„Stimmt es, dass du gestern mit dem schönen Niko von der Party verschwunden bist?“, wollte sie wissen. „Ich habe das irgendwie überhaupt nicht mitbekommen.“

„Es stimmt. Ich wollte mich von dir verabschieden, aber dann wollte ich dich nicht stören. Du hast so schön getanzt und sahst so glücklich aus in den Armen von diesem …“

„Manuel“, sagte Marina mit verträumter Stimme. „Er ist ein ganz toller Typ, Nele.“

„Freut mich für dich.“

„So hört es sich aber nicht an. Ist was schiefgelaufen mit Niko?“

„Erwähn den Namen in meiner Gegenwart bitte nicht wieder. Er ist verheiratet, will sich aber angeblich scheiden lassen. Lola wusste das, hat es aber nicht für nötig gehalten, es mir mitzuteilen, als sie gesehen hat, dass wir zusammen weggehen wollten.“

„Er ist verheiratet?“, fragte Marina ungläubig. „Er ist doch höchstens siebenundzwanzig, und da ist seine Ehe schon wieder am Ende? Wie früh hat er denn geheiratet?“

„Keine Ahnung“, bemerkte Nele trocken. „Wie gesagt, lass uns nicht mehr über ihn reden. Für mich ist er gestorben. Immerhin hat er es mir gesagt, bevor wir im Bett gelandet sind. Er wollte ehrlich sein. Rührend, nicht?“

„Na ja, das war schon anständig, oder? Er hätte es dir auch erst hinterher sagen können.“

Nele dachte nach.

„Ich weiß nicht, ob das anständig war“, sagte sie schließlich und wechselte dann entschlossen das Thema. „Sehen wir uns nachher?“

Marina zögerte.

„Äh … Manuel wollte noch mal vorbeikommen“, sagte sie schließlich. „Er wusste noch nicht, wann er hier sein kann. Also klappt das heute mit uns nicht. Sei mir bitte nicht böse, Nele.“

„Ich bin nicht böse“, versicherte Nele.

Das stimmte auch, böse war sie nicht, aber enttäuscht. Dieses war kein Tag, den sie gern allein verbringen wollte. Sie musste sich ablenken, sie kannte sich schließlich: Tat sie das nicht, würde sie nur über Niko nachdenken. Über seine Zärtlichkeiten, wie verrückt er sie damit gemacht hatte, wie gut sie sich mit ihm hatte unterhalten können. Und dann sein überraschendes Geständnis.

Es fing schon an: Sie dachte über Niko nach. Wenn es nicht den ganzen Sonntag so weitergehen sollte, musste sie etwas unternehmen.

Kurz entschlossen rief sie André an, André Scheffer, ihren besten Freund und Vertrauten. Auf ihn war immer Verlass. Er würde nicht nachbohren, um zu erfahren, was ihr zu schaffen machte, wenn sie ihm sagte, dass sie nicht reden wollte. Er würde sie in Ruhe lassen, sie aber trotzdem ablenken. Darin war er Weltklasse!

Als er sich mit seiner ruhigen Stimme meldete, kamen ihr vor Erleichterung noch einmal die Tränen, die sie ...

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