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Dr. Stefan Frank - Folge 2258

Inhalt

  1. Cover
  2. Impressum
  3. Zeig aller Welt, wie schön du bist!
  4. Vorschau

Zeig aller Welt, wie schön du bist!

Dr. Frank und eine verunsicherte Patientin

Endlich hat sich Patricia den Traum von einer eigenen Tierhandlung erfüllt! Eigentlich müsste sie jetzt überglücklich sein – und das wäre sie auch, wäre da nicht ihre Neurodermitis, die immer ausbricht, wenn sie nervös ist. Als Patricias Beziehung zu ihrem Freund Daniel in die Brüche geht, ist sie überzeugt, dass Daniel sie wegen ihrer Hautkrankheit verlassen hat. Sie fühlt sich hässlich und geht kaum noch unter Menschen. Abends trifft sie sich nicht mehr mit Freunden, sondern tauscht sich mit Tierhaltern in einem Internetforum aus. Besonders sympathisch ist ihr ein Hundebesitzer namens Bernhard. Schon bald beginnt es zwischen den beiden zu knistern, doch als Bernhard auf ein Treffen drängt, erschrickt Patricia zutiefst. Sicher, auch sie sehnt sich danach, ihren „Seelenverwandten“ persönlich kennenzulernen. Doch mit der Entzündung in ihrem Gesicht will sie nicht vor ihn treten. In ihrer Verzweiflung wendet sie sich an Dr. Frank …

„Sag bloß, wir haben das nicht toll hinbekommen?“ Amüsiert sah Patricia, wie ihre Freundin Iris die Arme ausbreitete, als wollte sie den ganzen Raum umarmen. „Das ist keine Tierhandlung, das ist schon fast ein richtiger Zoo.“

Patricia ließ ihren Blick über die lange Wand mit den geräumigen, hübsch ausgestatteten Tierkäfigen schweifen und musste der Freundin recht geben: Sie konnten wirklich stolz auf ihr Werk sein.

Iris und Patricia kannten sich von klein auf. Ihre Liebe zu Tieren hatte sie schon im Kindergarten zu besten Freundinnen gemacht, und schon damals hatten sie sich ausgemalt, wie sie einmal in einer Welt voller Vierbeiner leben würden. Jetzt hatten sie sich ihren lang gehegten Traum erfüllt: Sie hatten ihre Ersparnisse zusammengeworfen, ein heruntergekommenes Ladengeschäft gemietet und wochenlang geschuftet, um sich ihre eigene Tierhandlung einzurichten.

Arche Noah hatten sie ihr Geschäft getauft. Das bunt gemalte Türschild, bei dem jeder Buchstabe die Form eines Tieres hatte, hing weithin sichtbar über dem Eingang.

Jetzt fehlten nur noch die Bewohner, die morgen früh einziehen würden: die Vögel und Fische, die Meerschweinchen, Zwergkaninchen, Hamster und Landschildkröten. Patricia wusste jetzt schon, dass ihr bei jedem einzelnen verkauften Tier der Abschied schwerfallen würde.

Andererseits war es wunderschön, mitzuerleben, wie viel Freude ein Tier bereiten konnte, und als Tierhändler konnte sie immerhin versuchen, dafür zu sorgen, dass jedes von ihnen in gute, liebevolle Hände kam.

Außerdem hatte Patricia einen Trost, der ihr selbst über die schmerzhafteste Trennung hinweghelfen würde. Hinter dem Ladentisch lag er zu ihren Füßen und blickte mit treuen braunen Augen zu ihr auf: ihr Hund Cuno, ein ausgewachsener Bernhardinerrüde, der ein bisschen aussah wie ein Teddybär mit Hängeohren.

Ihr Leben lang hatte Patricia sich einen solchen Hund gewünscht, aber in der Wohnung ihrer Eltern hätte das große Tier keinen Platz gehabt. Doch jetzt, wo sie sich mit ihrem Freund Daniel ein kleines Häuschen mit Garten im beschaulichen Grünwald teilte, hatte sie sich ihren Herzenswunsch erfüllen können. Cuno war ursprünglich für die Bergrettung ausgebildet worden, hatte sich dafür aber als zu schreckhaft entpuppt und war nun dankbar, bei Patricia ein neues Zuhause gefunden zu haben.

Ein Glücksfall war, dass sie ihren Hund mit in die Tierhandlung bringen konnte. Daniel war als Versicherungsvertreter ständig unterwegs, und den ganzen Tag allein lassen wollte sie Cuno nicht.

„Und ob du ihn mitbringst“, hatte Iris gesagt. „Das Riesen-Fellknäuel ist doch der wandelnde Kundenmagnet für unseren Laden!“

Damit hatte sie recht. Der freundliche Bernhardiner zog Menschen förmlich an. Vor allem Kinder wollten ihn unbedingt streicheln, und Cuno ließ sich das nur allzu gern gefallen.

Patricia kraulte ihrem vierbeinigen Freund den Hals.

„Ich kann es noch gar nicht glauben, dass wir wirklich fertig sind und dass es morgen losgeht“, sagte sie zu Iris.

„Was meinst du, gehen wir noch schnell auf ein Glas Wein ins Bel tempo?“, fragte Iris. „Verdient haben wir es uns – und wir müssen auf unsere Arche Noah doch anstoßen.“

„Heute nicht“, antwortete Patricia. „Ich war die ganze Woche so spät zu Hause, dass ich Daniel kaum zu Gesicht bekommen habe. Heute möchte ich gerne mal wieder mit ihm zusammen essen, ich sehne mich nach ihm. Verstehst du das?“

Patricia hatte sich schon den ganzen Tag über auf den Abend gefreut. Sie wollte unterwegs eine Pizza kaufen, damit sie nicht zu kochen brauchte, und auf der Terrasse den Tisch decken, um mit ihrem Liebsten den schönen Frühlingsabend zu genießen.

„Sicher verstehe ich das.“ Iris lachte. „Macht’s euch hübsch, ihr zwei. Aber sei morgen pünktlich zur Eröffnung zur Stelle. Vergiss nicht: Wir haben zweihundertfünfzig Ballons zu verteilen!“

„Das vergesse ich auf keinen Fall!“ Die bunten Ballons hatten sie eigens für die Eröffnung mit dem Logo des Geschäfts – einer Arche, aus der sympathische Tierköpfe herausschauten – bedrucken lassen.

Patricia umarmte die Freundin. Schon lange hatte sie sich nicht mehr so rundum glücklich gefühlt.

Ihre Hochstimmung erhielt allerdings einen Dämpfer, als sie in dem kleinen Badezimmer hinter dem Verkaufsraum vor den Spiegel trat, um sich vor dem Heimweg rasch die Haare zu kämmen. Erschrocken schlug sie sich die Hand vor den Mund. Auf ihrer Wange zeichnete sich einer der rauen, roten Flecken ab, der zu allem Unglück in diesem Moment zu jucken begann.

Nicht zu fassen! Warum musste ausgerechnet jetzt ihre verhasste Hautkrankheit ausbrechen und ihr den schönen Tag verderben?

Natürlich kannte sie den Grund: Sie war aufgeregt und ein bisschen nervös wegen der morgigen Eröffnung, und das wirkte sich, wie so oft, auf ihre Haut aus. Solange sie denken konnte, litt Patricia an Neurodermitis.

„Eine leichte Form“, hatte damals ihr Kinderarzt versucht, sie zu trösten. „Manche Menschen müssen mit unerträglichem Juckreiz am ganzen Körper leben und kratzen sich wund, aber bei dir sind es nur ein paar kleine Stellen, die schnell wieder abheilen.“

Natürlich hatte er damit recht. Patricia wusste, dass andere Menschen viel schlimmer dran waren. Dennoch: Bei ihr traten die unschönen roten Hautstellen häufig im Gesicht auf, wo sie jeder sehen konnte. Oft schämte sie sich für ihr Äußeres.

Als Teenager hatte Patricias Selbstbewusstsein so sehr unter ihrer Hautkrankheit gelitten, dass sie sich oft nicht getraut hatte, mit ihren Freundinnen auszugehen. Lange hatte sie sich nicht vorstellen können, dass sich jemals ein junger Mann für sie interessieren würde.

Umso wunderbarer war es gewesen, als sie auf einer Party bei Iris’ Freund Christian schließlich Daniel kennengelernt hatte. Auch Daniel entsprach nicht dem gängigen Schönheitsideal. Er hatte mit ein paar „Rettungsringen“ um die Taille zu kämpfen und gab sich morgens alle Mühe, die kahle Stelle auf seinem Hinterkopf zu verdecken.

Patricia aber machten solche Äußerlichkeiten nichts aus. Für sie war ihr Daniel der schönste und liebenswerteste Mann der Welt!

Als sie bemerkt hatte, dass er ihre Gefühle erwiderte, hatte sie sich gefühlt wie im siebten Himmel. Inzwischen waren sie ein Jahr zusammen und hatten sich vor ein paar Monaten ihr erstes gemeinsames Zuhause eingerichtet.

Patricia kaufte auf dem Heimweg eine Riesenpizza mit Meeresfrüchten und eine Flasche von ihrem italienischen Lieblingsweißwein. So konnte sie mit Daniel von der Reise nach Italien träumen, die sie sich leisten wollten, wenn die Tierhandlung erst einmal richtig angelaufen war.

In der stillen Seitenstraße, in der sie wohnten, ließ sie Cuno von der Leine und sah lachend zu, wie der Bernhardiner mit wedelndem Schwanz auf das kleine Haus zustürmte, um Daniel als Erster zu begrüßen.

„Liebling, wir sind wieder zu Hause!“, rief Patricia und drückte auf den Klingelknopf am Gartentor.

In der milden Abendluft standen die Fenster weit offen, sodass Daniel sie längst hätte hören müssen. Dennoch kam er nicht an die Tür, um ihnen zu öffnen.

Sicher ist er beschäftigt, dachte Patricia, kramte ihren Schlüssel aus der Tasche und schloss selbst Tor und Tür auf.

Genau in dem Augenblick, in dem sie das Haus betrat, kam Daniel die Treppe hinunter. Über seiner Schulter trug er die kleine Reisetasche, die er für seine Geschäftsreisen benutzte. Er musste doch wohl nicht noch einmal weg?

Nein, sein Feierabend war ihm heilig. Sicher benutzte er die Tasche nur, um irgendetwas zu transportieren.

„Hallo, Liebling!“, rief Patricia fröhlich. „Hast du auch so furchtbaren Hunger? Schau, was ich uns mitgebracht habe, um die Eröffnung der Zoohandlung zu feiern.“

Daniel blieb stehen, schob den Hund, der an ihm hochspringen wollte, zurück und warf einen gleichgültigen Blick auf die Pizza.

„Ich bin in der Stadt zum Essen verabredet“, sagte er. „Hier gab es schließlich schon seit Wochen kein Abendessen mehr.“

Patricia musste schmunzeln, doch eine Bemerkung darüber, dass er nicht gerade verhungert aussah, verkniff sie sich. Sie wusste, wie sehr er unter seinem kleinen Bäuchlein litt, und wollte ihn auf keinen Fall kränken.

„Dann sag die Verabredung doch schnell ab“, schlug sie vor. „Die Pizza ist noch heiß, ganz frisch aus dem Steinofen.“

Daniel schaute sie eine Weile einfach nur an, dann schüttelte er den Kopf.

„Tut mir leid, Patty. Die Pizza wirst du allein essen müssen – meine Verabredung kann ich nicht absagen.“

„Warum denn nicht? Deine Arbeitskollegen werden es doch bestimmt verstehen …“ Jäh verstummte Patricia, als sie den Ausdruck auf seinem Gesicht bemerkte.

„Ich gehe nicht mit meinen Kollegen essen“, sagte Daniel. „Hör zu, es hat ja keinen Sinn, es aufzuschieben. Das mit uns beiden hat sich in letzter Zeit doch sowieso totgelaufen. Du lebst nur für deine Tiere, und was ich mache, interessiert dich nicht. Da ist es eben passiert.“

„Was ist passiert?“, fragte Patricia. Ihr Herz klopfte, und ihre Hand fuhr unwillkürlich an ihre Wange, die erneut zu jucken begann.

„Du hast wieder dein Ekzem“, stellte Daniel fest. „Wer weiß, ob du nicht sogar allergisch gegen Tierhaare bist.“

„Ich bin nicht gegen Tiere allergisch“, widersprach Patricia und zwang sich, ihre Wange in Ruhe zu lassen, obwohl das Jucken sie schier verrückt machte. „Das ist alles schon vor Jahren getestet worden. Für Neurodermitis gibt es nicht immer einen bestimmten Auslöser. Bei mir bricht sie aus, wenn ich Stress habe oder mich aufrege, das habe ich dir doch erklärt.“

„Dann musst du dir eben nicht so viel Stress machen.“ Daniel zuckte mit den Schultern. „Ich habe dir gleich gesagt, dass die Eröffnung einer Tierhandlung eine Schnapsidee ist, aber du wolltest ja um jeden Preis deinen Kopf durchsetzen. Ich muss jetzt gehen. Und damit du Bescheid weißt: Ich komme heute Nacht nicht nach Hause.“

„Du kommst heute Nacht nicht nach Hause? Ja, aber … aber warum denn nicht?“

„Weil ich ab heute bei Lena wohne“, erwiderte Daniel.

„Bei Lena?“ Patricia verstand nicht, was er ihr damit sagen wollte. Lena arbeitete als Sekretärin für die Versicherungsgesellschaft, bei der er angestellt war. Die beiden machten manchmal zusammen Überstunden, aber warum sollte er bei ihr übernachten?

„Lena und ich, wir haben uns ineinander verliebt“, erklärte Daniel. „Wir wollen zusammenbleiben. Natürlich zahle ich hier für diesen Monat noch meinen Mietanteil. Auf Dauer wirst du dir aber wohl etwas Kleineres suchen müssen.“

„Aber, Daniel …“, war alles, was Patricia herausbekam.

Er winkte ab. „Ich weiß schon, was du sagen willst: Du kannst dir nichts Kleineres nehmen, weil dann der Hund nicht genug Platz hat. Das tut mir zwar leid für dich, aber darauf kann ich keine Rücksicht nehmen. Ich habe dir von Anfang an gesagt, der verdammte Hund ist viel zu groß.“

Als hätte Cuno seine Worte verstanden, gab er den Versuch, ihm die Hände zu lecken, auf, machte kehrt und kam zu Patricia. Wie immer spürte das Tier, dass es ihr nicht gut ging, und rieb tröstlich seinen großen Kopf an ihrer Hüfte.

Patricia stand wie betäubt da und wusste nicht, was sie sagen sollte.

„Dann also nichts für ungut, Patty.“ Daniel ging lässig an ihr vorbei. „Schönen Abend – und für deine Tierhandlung wünsche ich dir viel Erfolg.“

Patricia hob die Hand, um ihn zurückzuhalten, aber er wich ihr aus und öffnete die Tür. Fassungslos starrte sie ihm nach, während er den Gartenweg hinunter ging, ohne sich noch einmal nach ihr umzudrehen.

***

„So, Frau Gehrke, das hätten wir.“ Dr. Stefan Frank zog das Stethoskop zurück und lächelte seiner Patientin aufmunternd zu. „Sie können sich wieder anziehen.“

„Ist denn alles halbwegs in Ordnung, Herr Doktor?“, fragte Resi Gehrke ängstlich.

Die ehemalige Kindergärtnerin, eine Freundin seiner unentbehrlichen Sprechstundenhilfe Schwester Martha, hatte vor einem Jahr einen leichten Herzanfall erlitten. Seither kam sie regelmäßig zu ihm zur Kontrolle und war immer ein wenig besorgt.

Obwohl seit Kurzem in Rente, gehörte Resi Gehrke zu jenen Menschen, die ständig beschäftigt waren und an allen Ecken und Enden gebraucht wurden. Zwar hatte sie keine eigenen Kinder und Enkel, doch sie nahm jeden, der Hilfe benötigte, unter ihre Fittiche.

Schwester Martha hatte Stefan Frank erzählt, dass Resi in der Straße, in der sie wohnte, als guter Geist fungierte. Sie kochte den Kranken Hühnersuppe, hütete die Kinder der berufstätigen Mütter und schenkte den Einsamen ein offenes Ohr. Seit ihrem Herzanfall plagte Resi nun die Angst, für ihre Schützlinge bald nicht mehr da sein zu können.

„Es ist alles mehr als in Ordnung“, versuchte Dr. Frank, seine Patientin zu beruhigen. „Das EEG könnte nicht besser sein, und Sie haben ein Blutbild wie ein junges Mädchen. Kein Wunder“, fügte er mit einem Augenzwinkern hinzu. „Sie sehen ja auch wie eines aus.“

„Oho!“, rief Resi Gehrke und drohte ihm scherzhaft mit dem Finger. „Lassen Sie das nicht Ihre reizende Frau Dr. Schubert hören, Sie Charmeur.“ Dann wurde sie ernst. „Ich bin so erleichtert, Herr Doktor. Gerade jetzt kann ich es mir doch überhaupt nicht leisten, krank zu werden.“

„Warum gerade jetzt nicht?“, fragte Stefan Frank.

„Ach Gott, Herr Doktor.“ Resi Gehrke seufzte aus tiefster Seele. „Ich mache mir doch solche Sorgen um meine Nachbarin. Patricia Stöver, die nette junge Frau mit dem kuscheligen Riesenhund – ich habe Ihnen doch das letzte Mal von ihr erzählt!“

„Die Tierhändlerin?“, vergewisserte sich Dr. Frank.

„Genau die!“ Resi Gehrke strahlte. „Sie ist eine so liebenswerte Person. Immer freundlich, immer fleißig – und dazu ein ganz aparter Typ.

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