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Dr. Stefan Frank - Folge 2257

Inhalt

  1. Cover
  2. Impressum
  3. Mit dem Herbst kam die Liebe
  4. Vorschau

Mit dem Herbst kam die Liebe

Als Claras Traum endlich wahr wurde

Dr. Frank ist ratlos! Wie nur soll er seine Patientin Clara Bachmann dazu bewegen, endlich abzunehmen? Inzwischen wiegt die junge Frau über zweihundert Kilo, und noch immer stopft sie jede Menge Fast Food in sich hinein! Der Arzt weiß: Wenn sie so weitermacht, wird sie das Essen eines Tages umbringen! Doch Clara ist uneinsichtig, sind die kalorienhaltigen Leckereien doch das Einzige, was ihren tristen Alltag etwas bunter erscheinen lässt.

Einer spontanen Eingebung folgend, überweist Dr. Frank Clara in ein Sanatorium für Übergewichtige im Bayerischen Wald. Und tatsächlich: Die schöne Umgebung, die liebevolle Betreuung und der Umgang mit Menschen, die das gleiche Problem haben wie sie, wirken bei Clara wahre Wunder. Als der Grünwalder Arzt sie dort ein Jahr später besucht, traut er seinen Augen kaum: Aus Clara Bachmann ist eine wunderschöne junge Frau geworden. Dennoch schaut sie Dr. Frank aus tieftraurigen Augen an. Sie weiß, wenn sie nach Grünwald zurückkehrt, hat sich an ihren Problemen nichts geändert. Noch immer ist sie einsam und allein … Oder?

„Ich fürchte, es handelt sich hier um ein Missverständnis. Du hast mich wohl vorhin falsch verstanden, liebe Theresa.“ Dr. Stefan Frank lächelte der bildhübschen jungen Frau, die eben jetzt langsam und mit unsicheren Schritten die Treppe herunterkam, freundlich entgegen. „Ich wollte eigentlich Clara Bachmann besuchen.“

„Was du nicht sagst, mein lieber Stefan.“ Theresa Eggert, die fünfundvierzigjährige Leiterin des Sanatoriums, das inmitten der wunderschönen Landschaft des Bayerischen Waldes lag, blickte den Grünwalder Arzt mit hochgezogenen Augenbrauen an.

„Du meinst, ich hätte den Namen falsch verstanden, den du mir genannt hast? Diese bezaubernde junge Dame kennst du also gar nicht? Die hast du noch nie zuvor gesehen?“

„Nein, das Vergnügen hatte ich bisher leider noch nicht“, erwiderte Stefan und wunderte sich ein wenig über den sonderbaren Blick, mit dem Theresa Eggert ihn, fast ein bisschen spöttisch, anschaute.

Er wandte sich wieder an die junge Frau mit dem schulterlangen kastanienbraunen Haar und den funkelnden tiefblauen Augen, die in einiger Entfernung von ihm stehen geblieben war und befangen ihre Hände knetete.

„Es tut mir sehr leid, dass man Sie meinetwegen unnötig gestört hat“, entschuldigte er sich bei ihr.

Die junge Frau senkte verlegen den Kopf, blieb aber abwartend stehen. Die Situation war ihr offensichtlich ziemlich unangenehm, und sie wusste nicht, was sie sagen sollte.

„Frau Bachmann, Clara Bachmann, meine Patientin, du weißt schon“, wiederholte Stefan, an Frau Eggert gewandt. „Ich hatte zufällig in der Gegend zu tun und wollte sie bei dieser Gelegenheit gerne wieder einmal besuchen, um zu sehen, wie es ihr geht und welche Fortschritte sie gemacht hat.“

„Du warst schon länger nicht hier, nicht wahr, mein lieber Stefan?“ Im Gesicht der attraktiven Medizinerin, die Stefan Frank seit vielen Jahren kannte und schätzte, begann es zu zucken.

„Ja, das stimmt“, gab der Grünwalder Arzt zu. „Mein letzter Besuch ist wohl mindestens vier Wochen her. Ich hatte in letzter Zeit ziemlich viel um die Ohren.“

„Ich glaube vielmehr, es waren mindestens acht Wochen.“ Theresa Eggert schüttelte lachend den Kopf. „Stefan, Stefan! Mach doch mal die Augen etwas weiter auf, und schau ganz genau hin. Das ist Frau Bachmann. Clara Bachmann. – Na, was sagst du jetzt?“

„Nein! Das ist doch nicht möglich! Willst du mich auf den Arm nehmen, Theresa?“ Stefan Frank schaute die junge Frau mit offenem Mund an. So lange, bis er sich dessen bewusst wurde, wie unhöflich das von ihm war und wie unwohl sie sich unter seinem prüfenden Blick offensichtlich fühlte. „Das kann doch nicht sein! Oder doch? Clara? Ist es wirklich wahr?“

Er ging langsam auf sie zu und streckte ihr beide Hände offen entgegen.

Zaghaft und schüchtern legte sie die ihren hinein, hob den Kopf ein bisschen höher und lächelte scheu.

„Ja, ich bin es wirklich, Herr Frank“, bestätigte sie.

So etwas passierte ihm nur sehr selten, aber jetzt wurden Stefans Augen feucht.

„Nein … unmöglich.“ Er konnte nur immer wieder den Kopf schütteln. „Kommen Sie, Clara, ich muss mich jetzt unbedingt kurz setzen, ich bin vollkommen überwältigt. Ich kann es noch immer nicht glauben. Ihre Stimme erkenne ich jetzt wieder. Sonst aber nichts, rein gar nichts.“

Dr. Frank führte die zarte junge Frau zu einer der gemütlichen Sitzgruppen in der Eingangshalle des Sanatoriums. Ohne den Blick von Clara abzuwenden, wartete er, bis sie auf einem der Stühle Platz genommen hatte, und ließ sich dann auf einen anderen fallen.

„Na, da haben wir dich jetzt aber eiskalt erwischt, was?“ Theresa Eggert lachte schallend. „Es kommt ja recht selten vor, dass dir die Worte fehlen. Kaffee, Stefan? Oder brauchst du nach dieser Überraschung vielleicht doch etwas Stärkeres? Wir haben einen wunderbaren selbstgemachten Kirschlikör.“

„Oh, vielen Dank, lieber keinen Alkohol, ich muss ja noch nach Grünwald fahren. Aber ein Kaffee wäre jetzt wirklich großartig, Theresa.“

Der Blick des Grünwalder Arztes klebte noch immer an dem bezaubernden jungen Gesicht und der beinahe elfenhaft zarten Figur Claras. Er konnte noch immer nicht glauben, was er doch mit eigenen Augen sah.

„Gut, den sollst du haben! Ich könnte jetzt auch eine Tasse gebrauchen. Und du, Schätzchen?“, wandte sich Frau Dr. Theresa Eggert mit einem liebevollen Lächeln an ihre Patientin. „Auch einen Kaffee?“

„Sehr gerne, Theresa. Vielen Dank.“

Clara hielt die Hände auf ihrem Schoß gefaltet und wagte es kaum, den Kopf zu heben. Sie stand nicht gerne im Mittelpunkt. Wenn jemand sie anschaute oder gar über sie redete, zog sie automatisch den Kopf zwischen die Schultern und wollte sich am liebsten in einem Mauseloch verkriechen.

Die Leiterin des Sanatoriums ging zu einer Tür am anderen Ende der Eingangshalle, öffnete sie und rief laut:

„Anna! Sei ein Schatz, und bring uns bitte drei Tassen Kaffee auf die Terrasse!“

Dann winkte sie Dr. Frank und Clara zu sich.

„Kommt, Kinder! Setzen wir uns raus, bevor die Sonne untergeht. Es ist so herrliches Wetter heute, das muss man einfach ausnutzen.“

Clara, die schrecklich befangen war, nutzte die Gelegenheit, um wenigstens vorübergehend die Flucht zu ergreifen.

„Ich helfe Anna beim Kaffeemachen“, sagte sie leise und verschwand rasch in die Küche.

Noch immer fassungslos schaute Stefan ihr nach.

„Unglaublich“, murmelte er. „Was für eine Verwandlung! Nichts erinnert mehr an die Clara, die sie noch vor anderthalb Jahren gewesen ist. Wäre ich ihr irgendwo auf der Straße begegnet, ich wäre an ihr vorbeigelaufen, ohne sie wiederzuerkennen.“

„Ja, nicht wahr? Die unansehnliche Raupe hat sich in einen prächtigen Schmetterling verwandelt.“

Theresa Eggert hakte sich bei Stefan unter und führte ihn auf eine sonnige Terrasse hinaus, von der aus man einen herrlichen Blick über sanft abfallende blühende Wiesen und schier endlose Wälder hatte. Nur wenige Häuser – meist Bauernhöfe – schmiegten sich an die saftig grünen Hügel. Unterhalb der Anhöhe, auf der das Sanatorium stand, schlängelte sich das breite blaue Band der Isar durch die idyllische, beinahe märchenhaft anmutende Landschaft.

Der Grünwalder Arzt ließ seinen Blick über die herrliche Natur schweifen.

„Wunderschön!“, seufzte er und setzte sich auf den Stuhl, den Theresa für ihn zurechtgerückt hatte.

„Die Aussicht oder Clara?“, fragte die Ärztin lachend.

„Beides!“, erwiderte Stefan Frank, der noch immer vollkommen überwältigt war.

Kurz darauf sprang Theresa Eggert wieder auf, weil sie den Gärtner erblickte, der aus einem der Nebengebäude kam. Er schickte sich eben dazu an, in seinen Wagen zu steigen, um nach Hause zu fahren.

„Ich bin gleich wieder da, Stefan, ich muss Herrn Moser nur schnell was sagen“, rief Theresa und entfernte sich rasch.

Dr. Frank streckte behaglich seufzend die Beine weit von sich und kehrte in Gedanken in die Vergangenheit zurück.

***

Anderthalb Jahre zuvor …

Es war ein wunderschöner Sommermorgen mit Sonnenschein und einem wolkenlosen blauen Himmel.

Der Grünwalder Arzt hatte gerade vor wenigen Minuten seine Praxis geöffnet und saß jetzt im Behandlungsraum hinter seinem Schreibtisch, um noch rasch einige Anrufe zu erledigen, bevor die ersten Patienten kamen.

„Geben Sie mir bitte noch zwei oder drei Minuten, Martha“, bat er, ohne aufzusehen, als sich die Tür öffnete und Martha Giesecke, seine langjährige Mitarbeiterin, den Kopf in den Behandlungsraum steckte.

„Nein! Kommen Sie bitte raus, Chef! Sofort!“

Als er den Ernst in Schwester Marthas Stimme hörte, ließ er – nach einem knappen: „Ich melde mich wieder, Kollege Huber!“ – augenblicklich den Hörer auf das Telefon fallen, sprang auf und eilte hinter der Pflegerin her, die bereits im Laufschritt in das Wartezimmer unterwegs war.

Und dort hockte sie in dem speziell für sehr übergewichtige Patienten angefertigten Stuhl: Clara Bachmann – zweiundzwanzig Jahre jung – weit über zweihundert Kilo schwer.

Sie saß aufrecht da, aber nur deshalb, weil die Fettmassen ihres unförmigen Körpers ein Nachvornekippen längst nicht mehr zuließen. Ihr flacher Atem ging stoßweise und unregelmäßig, ihre Hände zitterten, ihr Gesicht war schneeweiß, die Lippen bläulich verfärbt, die Augen fast geschlossen.

„Clara!“ Stefan hob einen der wulstigen Arme hoch, die zu beiden Seiten des massigen Körpers leblos hinabhingen, und grub seine Finger fest in das schneeweiße schwammige Gewebe über dem Handgelenk, in der Hoffnung, den Puls fühlen zu können.

Er fühlte ein schwaches, unregelmäßiges Pochen, das sich alle paar Sekunden zu einer erschreckenden Geschwindigkeit steigerte und dann wieder abebbte.

Clara Bachmanns Herz schien seine letzten Reserven zu mobilisieren und auf Hochtouren zu arbeiten, würde es aber wohl nicht mehr lange schaffen, den Kreislauf aufrechtzuerhalten.

„Soll ick gleich einen Rettungswagen rufen, Herr Frank?“ Martha Giesecke war bereits wieder auf halbem Weg zu ihrem Schreibtisch zurück.

„Ja, bitte, Martha.“ Stefan nickte. „Aber … Sie wissen schon …! Na ja, keinen …“

„Ick mache det schon, Chef!“, fiel ihm die Pflegerin energisch ins Wort.

Stefan war froh, dass es bei Schwester Martha nicht nötig war, auszusprechen, was Clara seit frühester Kindheit ständig zu hören bekam.

Bereits in der Grundschule hatte sie nicht mehr auf einen normalen Stuhl gepasst. Unter dem lautstarken Gelächter der anderen Kinder war gleich am ersten Schultag der Stuhl unter ihr zusammengebrochen, und der Hausmeister der Schule hatte einen massiven Hocker für sie gezimmert.

Clara passte nicht in einen dieser winzigen Aufzüge, wie man sie in den meisten Häusern und sogar in vielen öffentlichen Gebäuden vorfand. Sie passte in keine Umkleidekabine, und sie passte in kein normales Auto. Sie passte nicht durch die Sicherheitsschleuse am Flughafen und nicht durch das Drehkreuz am Eingang des Tierparks. Sie passte in keinen Kinosessel, in keinen Friseurstuhl, in kein Tretboot, keine Badewanne, in keinen Zahnarztstuhl …

Bei dem ersten und einzigen Besuch eines Freizeitparks, mit dem eine Verwandte ihr eine Freude machen wollte, hatte sie sehnsüchtig den anderen Kindern zugeguckt, wie sie Spaß gehabt hatten. Sie selbst war überall zurückgewiesen worden. Clara hatte mit keinem der Karussells fahren dürfen, mit keiner Achterbahn, noch nicht einmal mit dem Piratenschiff, das ihr so gut gefallen hatte.

„Tut mir leid, aber da passt du nicht rein“, hatte sie überall zu hören bekommen, während die anderen Kinder sie unverhohlen angestarrt und deren Eltern über sie getuschelt hatten.

Sie passte nirgendwo rein. Diese Welt war nicht für Clara gemacht, sie passte nicht hinein.

Sie müssen die Feuerwehr rufen, denn sie passt nicht in einen normalen Rettungswagen. Sie passt auch auf keine normale Rolltrage, und normale Sanitäter können sie nicht hochheben – das hätte Stefan zu einer weniger einfühlsamen und routinierten Arzthelferin, als Martha Giesecke es war, sagen müssen.

Obwohl sie längst daran gewöhnt sein musste, war Stefan froh, seiner jungen Patientin diese demütigende Aussage ersparen zu können.

„Bitte, Herr Frank! Ich will …“ Clara hob die Lider ein wenig hoch und schaute Stefan hilfesuchend an.

„Was? Was wollen Sie, Clara? Was denn?“ Stefan beugte sich tiefer zu der jungen Frau hinab, deren Stimme nur noch ein heiseres Flüstern war. Er sah eine einzelne Träne, die sich aus einem der halb geschlossenen Augen löste und über die schwammige Wange abwärts floss.

„Sterben … Bitte … können Sie mir nicht was geben, damit es endlich vorbei ist?“

„Nein, ganz im Gegenteil“, protestierte der Grünwalder Arzt erschrocken. „Jetzt packen wir es endlich gemeinsam an, jetzt führt kein Weg mehr daran vorbei. In etwa einem Jahr können Sie ein völlig normales Leben führen, wenn Sie mir die Verantwortung für Ihre Gesundheit uneingeschränkt übertragen und mich dabei unterstützen, Ihnen zu helfen. Vertrauen Sie mir, Clara?“

„Ja.“

„Und diesmal werden Sie die Therapie nicht wieder abbrechen und weglaufen?“

„Nein.“ Ihr leises gequältes Aufschluchzen schnitt Stefan Frank tief ins Herz. „Wie denn auch? Ich kann doch nicht einmal mehr laufen. Ich kann gar nichts mehr.“

„Sie werden wieder laufen können. Bald, Clara.“ Stefan drückte die Hand, die er noch immer hielt. „Wenn Sie mir dabei helfen, werden wir es schaffen, das verspreche ich Ihnen! Wir werden jeden Tag einen kleinen Schritt vorwärts machen. Auch mit ganz kleinen Schritten kann man eine große Reise machen.“

„Oh, es tut mir sehr leid, aber wir haben wegen eines Notfalls jeschlossen“, hörte er seine Arzthelferin draußen sagen. „Wenn Sie bloß ein Rezept brauchen, denn kann ick Ihnen det geben, aber der Doktor ist erst am Nachmittag wieder zu sprechen.“

Für diese Worte hätte Stefan seine Assistentin küssen können. Martha einzustellen, war eine der besten Entscheidungen seines Lebens gewesen.

„Zehn Minuten ungefähr.“ Martha kam in den Warteraum zurück und hatte auch gleich die Sauerstoffmaske, einige Ampullen mit verschiedenen Medikamenten und ein paar der speziell für fettleibige Patienten angefertigten Spritzen dabei, um die er die Pflegerin bei ihrer Rückkehr hatte bitten wollen. Er wollte Clara nicht alleine lassen.

„Oh, Sie sind unschlagbar, Martha!“

„Weiß ick!“

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