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Dr. Stefan Frank - Folge 2238

Inhalt

  1. Cover
  2. Impressum
  3. Meine Zukunft gehört dir!
  4. Vorschau

Meine Zukunft gehört dir!

Dr. Frank, eine schöne Braut und ein großes Versprechen

Linda Hubertin ist rundum zufrieden mit ihrem Leben. Gemeinsam mit ihrer Nichte bewohnt sie ein gemütliches Häuschen auf der spanischen Insel Mallorca, und das Zusammenleben mit der fünfzehnjährigen Valerie könnte nicht schöner sein. Wozu sollte sie also einen Mann in ihrem Leben brauchen?

Leider bewertet Valerie die Dinge ganz anders. Sie möchte nur zu gerne einen Papa haben! Am allerliebsten wüsste sie natürlich, wer ihr leiblicher Vater ist, doch das Geheimnis um seine Identität hat ihre Mutter Clara mit ins Grab genommen.

Eines Tages machen sich Tante und Nichte gemeinsam auf die Suche nach dem geheimnisvollen Fremden, der vor sechzehn Jahren Clara geschwängert hat. Das Einzige, was Valerie und Linda wissen, ist, dass er dunkelhaarig ist und in München lebt, und so gestaltet sich ihre Suche äußerst schwierig …

„Valerie, Liebes, rückst du ein Stückchen zur Seite?“ Linda Hubertin setzte sich neben ihre Nichte auf die Bank und legte ihr einen Arm um die schmalen Schultern.

Wie so oft wollten sie auch heute den Tag gemeinsam auf der schönen Terrasse beenden, hoch über dem Meer. Gemeinsam würden sie zuschauen, wie die Sonne unterging, und diesen ganz besonderen Moment genießen, bevor die Nacht endgültig hereinbrach.

Linda sah zu dem jungen Mädchen hinüber. Ihre Nichte wirkte stiller als sonst, aber das war an diesem Tag ja auch kein Wunder.

„Hast du heute auch so oft an sie gedacht?“, fragte Valerie leise.

„Natürlich.“ Linda wuschelte ihrer Nichte liebevoll durch das dunkle Haar. „Schließlich ist es ein Tag mit ganz besonderen Erinnerungen.“

Sie ließ ihren Blick schweifen. Ruhig lag das Meer da, bleigrau, als würde es sich kaum bewegen, doch unten hörten sie die Wellen gegen die Felsen schlagen. Die Sonne stand bereits tief, eine riesige, helle Scheibe, die den Himmel hinter sich glutrot in Flammen gesetzt hatte.

„Oh Mann, das ist Drama pur“, murmelte Valerie vor sich hin, die ebenso fasziniert wie ihre Tante das Naturschauspiel beobachtete.

Dann blickte sie wieder zu Linda hin.

„War das damals eigentlich auch ein Drama für dich, als Mama starb und du plötzlich ein fremdes Kind an der Backe hattest?“, fragte sie unvermittelt. „Ich meine, Tia, du warst erst zwanzig!“

Linda drückte das Mädchen kurz an sich. Sie mochte es, wenn Valerie sie „Tia“ nannte. Das spanische Wort hörte sich netter an als das deutsche „Tante“ – das fand sie jedenfalls.

„Kein fremdes Kind – schließlich bist du meine Nichte!“, antwortete sie.

„Aber du hattest mich bis dahin doch nie gesehen!“

„Stimmt. Doch ein Blick auf dieses süße Mädchen mit den dunklen Locken und den großen braunen Augen hat gereicht, um mein Herz zum Schmelzen zu bringen.“ Linda zuckte mit den Schultern. „Ich wusste sofort, dass ich dich nicht im Stich lassen konnte. Ich hätte dich auch dann bei mir behalten, wenn deine Mutter mich nicht darum gebeten hätte.“

Valerie schwieg lange. Sie schaute erneut aufs Meer hinaus, wo die kräftigen Farben allmählich zu verblassen begannen.

„Du bist mit Mama nicht so gut zurechtgekommen, oder?“, fragte sie schließlich.

„Nein, nicht wirklich.“ Ihre Tante schüttelte den Kopf. „Vielleicht lag’s ja daran, dass Clara zehn Jahre älter war als ich. Oder …“

Sie brach ab. Sie wollte nicht schlecht über ihre Schwester reden.

„Oder was?“

„Nun ja, deine Mutter war … ein etwas schwieriger Charakter.“ Linda seufzte. „Sie hat es einem nicht immer ganz leichtgemacht, sie zu mögen. Carla war …“

Wieder redete sie nicht weiter.

„Mama war was?“, hakte Valerie nach.

Linda zögerte mit der Antwort.

„Du brauchst nicht zu denken, du tust mir weh“, sagte Valerie leise, und ihr trauriges Lächeln traf Linda mitten ins Herz. „Ich weiß, dass viele Leute sie nicht gemocht haben. Einmal, als ich bei Consuela war, habe ich zufällig mitbekommen, wie ihre Eltern mit ein paar Freunden über Mama gesprochen haben. Sie haben keine besonders netten Dinge über sie gesagt, und ich denke nicht, dass sie das erfunden haben. Ich habe mich furchtbar geschämt. Warum war sie so, Tia?“, fragte sie heftig. Dann, nach einem Moment, fügte sie hinzu: „Aber ich bin doch nicht wie sie, oder? Ich möchte nicht so sein!“

Linda zog ihre Nichte eng an sich, und Valerie legte ihren Kopf auf ihre Schulter.

„Nein, Liebes, du kommst so gar nicht auf deine Mama. Nicht vom Aussehen her, und schon gar nicht vom Charakter.“

Valerie hob für einen Moment den Kopf und grinste ihre Tante an. Die Leute hielten sie fast immer für Mutter und Tochter, weil sie sich so ähnlich sahen. Dann lehnte sie sich wieder an Linda.

Der Sonne war nun ganz im Meer versunken, nur ein paar blasse rote Streifen zogen sich noch über den Horizont. Der Himmel über ihnen war immer dunkler geworden, jetzt zeigte er ein samtiges Blau, und die ersten Sterne blitzen auf. Der Mond, noch nicht ganz rund, stieg langsam hinter den Hügeln am anderen Ende der Bucht auf und schickte einen schmalen Silberstreifen über das Wasser.

Es war ein so schöner Anblick, so voller Ruhe und Frieden, doch Linda wusste, dass ihre Nichte alles andere als Frieden empfand. Valerie war aufgewühlt von den Erinnerungen am Todestag ihrer Mutter.

„Ich denke, Kleines, deine Mutter war die meiste Zeit ihres kurzen Lebens unglücklich. Sie hat sich immer so sehr nach Liebe gesehnt, aber gleichzeitig war da ihr fataler Hang, diejenigen, die ihr Zuneigung entgegenbrachten, vor den Kopf zu stoßen und zu verletzen. Unsere Mutter, meinen Vater, der sie immer wie eine eigene Tochter behandelt hat, und natürlich auch mich. Mit der Zeit hat es uns alle irgendwie … müde gemacht. Wir haben resigniert. Weißt du, Valerie, wenn man Liebe anbietet, doch immer nur hässliche Worte als Dank bekommt, dann will man irgendwann nicht mehr.“

Linda lächelte reuevoll.

„Als sie mit achtzehn von zu Hause fortging, habe ich mich vor meinen Eltern aufgebaut, die Arme verschränkt und trotzig gesagt: ‚Ich bin froh, dass sie weg ist. Jetzt kann sie nicht mehr gemein zu mir sein‘. Ich hatte Angst, dass meine Eltern deshalb mit mir schimpfen würden, aber Vater hat mir nur kurz durch die Haare gewuschelt und sich dann abgewandt. Und Mutter nahm mich in die Arme und drückte mich ganz fest. – Tja, Valerie, Carla konnte sehr wütend und böse werden, wenn sie dachte, man würde sie ungerecht behandeln. Und das hat sie fast immer gedacht …“

„Ich kann mich kaum noch an Mama erinnern“, murmelte Valerie. „Ich war ja erst drei, als sie starb. Nur eins weiß ich noch ganz genau: dass sie oft mit mir geschimpft und mich angeschrien hat. Ich hatte Angst vor ihr.“

„Oh Liebes!“, sagte Linda mitleidig. Sie hatte gehofft, dass Valerie diese Erinnerungen vergessen oder zumindest verdrängt hatte, schließlich war sie damals ja noch so klein gewesen.

Sicher, Valerie hatte damals verängstigt und eingeschüchtert gewirkt, doch Linda hatte das zunächst auf ganz andere Gründe geschoben: auf Carlas Krankheit und darauf, dass ihre Schwester die Kleine nach München gebracht hatte, in eine fremde Stadt, zu fremden Menschen. Doch sie war schon bald eines Besseren belehrt worden.

„Warum hast du nie mit mir darüber geredet?“, wollte sie jetzt wissen.

Valerie hob den Kopf und schaute ihre Tante an.

„Weil es nicht mehr wichtig war, nachdem du mich zu dir genommen hattest“, erwiderte sie mit einem Lächeln. „Ich habe Mama nie wirklich vermisst“, gestand sie. „Okay, es tut mir leid, dass sie so früh sterben musste. Aber mal ehrlich, Tia: Bei ihr hätte ich niemals eine so schöne Kindheit gehabt. Ich war glücklich, dass ich bei dir bleiben durfte, weil du ganz anders warst als Mama. Du hast mich gedrückt, du hast mit mir gelacht und gespielt, und ich hab immer gespürt, wie viel ich dir bedeute.“

Sie schwieg einen Moment.

„Ich hab dich so lieb, Linda“, fügte sie dann hinzu.

„Ich dich doch auch, Kleines!“, versicherte Linda mit Tränen in den Augen.

Valerie gab einen merkwürdigen Laut von sich, eine Mischung aus Lachen und Schluchzen.

„Du sollst nicht heulen!“, sagte sie. „Wenn du weinst, dann muss ich auch weinen!“

Kaum hatte das Mädchen diesen Satz ausgesprochen, da brachen auch schon die Dämme. Tante und Nichte hielten sich in den Armen und heulten.

„Jetzt reicht’s aber“, meinte Linda nach einer Weile, kramte ein Taschentuch aus der Packung, die auf dem Tisch lag, und tupfte sich die Tränen weg. „Da soll mir einer noch mal was von Wasserknappheit auf Mallorca erzählen! Hätten wir unsere Tränen aufgefangen, hätten wir glatt den ganzen Garten damit gießen können.“

Valerie grinste ein bisschen verlegen und wischte sich mit dem Handrücken die Wangen, obwohl Linda auch ihr ein Taschentuch hinhielt.

„Trotzdem, du bist die beste Mutter, die ich je hatte.“

„Und du die beste Tochter!“ Linda lachte.

„Kunststück, du hast ja nur eine!“ Valerie rückte ein wenig von ihr ab und blickte auf das dunkle Meer hinaus. Weiter draußen konnte man die Lichter eines großen Schiffs erkennen, das auf den Hafen von Palma zusteuerte. „Hast du eigentlich nie ein eigenes Kind haben wollen?“, fragte sie dann leise.

„Wozu? Ich hab doch dich!“

„Ich mein ja nur.“ Valerie zuckte mit den Schultern. „Ich hab in letzter Zeit viel darüber nachgedacht. Irgendwie hab ich dir doch deine Jugend gestohlen, oder? Andere Frauen genießen mit zwanzig ihr Leben, ziehen mit ihren Freunden durch die Gegend, machen einen drauf. Sie studieren oder sind in der Ausbildung, suchen sich einen Mann. Du hast dich plötzlich um ein fremdes Kind kümmern müssen. – Apropos Mann: Hast du nie ans Heiraten gedacht? Schließlich bist du schon zweiunddreißig. Da wird’s doch langsam Zeit, oder? Was ist denn mit José? Wär der nichts für dich?“

Linda hob lachend die Hände.

„Hilfe!“, sagte sie. „Gibt’s einen Schalter, an dem man dieses Kind ausstellen kann?“ Doch dann wurde sie wieder ernst. „Valerie, wirklich, mach dir nicht so viele Gedanken um mich. Ich habe nichts vermisst, echt nicht. Und schon gar keinen Mann. Vergiss José – und wage es ja nicht, noch mal solche ‚unauffälligen‘ Verkuppelungsversuche zu unternehmen“, fügte sie halb ernst, halb amüsiert hinzu.

Dann legte sie ihre Hände auf Valeries Schultern und sah ihre Nichte eindringlich an.

„Ich bin glücklich mit meinem Leben. So, wie es jetzt ist“, sagte sie, nun ganz ernst, „und auch so, wie es in den letzten Jahren war.“

Und dennoch fragte sie sich: Stimmt das wirklich? Bin ich glücklich? Wäre es nicht schön, jemanden zu haben, der mir zu Seite steht? Jemanden, der mich zum Lachen bringt? Jemanden, der mich tröstet, wenn ich traurig bin?

Flüchtig dachte Linda an Manuel, der ihr immer wieder beteuert hatte, wie sehr er sie lieben würde. Dass er ohne sie nicht leben könne.

Ja, eine Zeit lang hatte sie tatsächlich geglaubt, sie könnten eine richtige kleine Familie werden – Mutter, Vater und Kind –, denn Manuel schien Valerie aufrichtig zu mögen. Doch als er Linda schließlich einen Antrag gemacht hatte, hatte sich schnell herausgestellt, dass er Valerie keineswegs mit in seine Pläne eingeschlossen hatte. Linda solle sie weggeben, hatte er gefordert.

„Sie ist doch nicht einmal dein eigenes Kind“, hatte er gesagt. „Kein Mensch weiß, wer ihr Vater ist und was für schlechte Eigenschaften sie von ihm …“

Linda hatte Manuel nicht ausreden lassen. Voller Zorn hatte sie ihm erklärt, dass sie durchaus ohne ihn leben könne, nicht aber ohne ihre Nichte.

Nein, sie hatte ihn in all der Zeit nicht vermisst, seit er beleidigt davongerauscht war.

Doch, ich bin glücklich, sagte sich Linda nun. Ich mag mein Leben so, wie es ist.

Dann wandte sie sich wieder ihrer Nichte zu.

„Was hältst du davon, wenn wir jetzt das Thema wechseln und uns aufs Abendessen konzentrieren?“, schlug sie vor.

„Was?“, fragte Valerie, noch ganz in ihre Gedanken versunken. „Essen? Ja, klar. Ich hab Hunger. Was gibt’s denn? – Du, sag mal, Linda: Was meinst du, weshalb hat Mama nie jemandem verraten, wer mein Vater ist?“

***

Eine Viertelstunde später saßen sie wieder auf der Terrasse. Während Linda den Schinken klein geschnitten und das Omelette zubereitet hatte, hatte Valerie den Salat gemacht. Viel geredet hatten sie dabei nicht.

Auch während des Essens schwiegen sie die meiste Zeit. Als sie fertig waren, räumte Valerie den Tisch ab und stellte das Geschirr in die Spülmaschine. Ihre Tante folgte ihr in die Küche und machte sich einen Kaffee. Dann kehrten sie auf die Terrasse zurück.

Linda trank einen Schluck und wartete darauf, dass ihre Nichte etwas sagte.

Valerie sah sie an.

„Wieso hat Mama das gemacht?“, nahm sie den Faden wieder auf. „Wieso hat sie in meine Geburtsurkunde ‚Vater unbekannt‘ eintragen lassen? Hat sie sich denn gar nicht überlegt, was das für mich bedeutet? Jeder will doch wissen, woher er kommt. Es ist gemein, seinem Kind nicht zu sagen, wer sein Vater ist. Ich … ich komme mir so unvollständig vor, Tia.“

„Ach, Liebes, wenn ich dir doch nur helfen könnte …“ Linda legte tröstend eine Hand auf Valeries Arm. „Und nein, ich glaube nicht, dass deine Mutter darüber nachgedacht hat.“

Carla hat nie über andere Menschen nachgedacht, dachte sie, sprach es aber nicht laut aus.

„Selbst als sie nach München kam, als sie wusste, dass sie nicht mehr lange leben wird, hat sie noch geschwiegen. Warum?“ Valerie blickte ihre Tante flehend an. „Und sie hat wirklich nichts gesagt? Nicht mal eine Andeutung gemacht? Irgendeine? Du warst doch bei ihr, als sie starb.“

Linda schüttelte stumm den Kopf und senkte den Blick. Die Erinnerung an Carlas letzte Momente war eine der bittersten ihres Lebens. Bis zu dem Augenblick, an dem ihr Herz schließlich aufhörte zu schlagen, hatte ihre Schwester mit dem Tod gehadert. Vor allem aber damit, dass es sie traf und nicht Linda.

„Es ist so typisch: Immer kriege ich alles Schlechte ab. Es macht mich wahnsinnig, dass du weiterleben darfst und ich nicht. Es ist so ungerecht!“ – Das waren die letzten Sätze gewesen, die Linda von Carla gehört hatte. Obwohl sie kaum noch hatte sprechen können, hatte sie diese letzten Worte fast herausgeschrien.

Jahrelang hatten diese Worte Linda verfolgt und gequält. Obwohl sie wusste, dass es nicht ihre Schuld war, dass Carla so krank geworden war – dass es niemandes schuld war! –, hatte sie sich schuldig gefühlt.

„Nein, Liebes, sie hat mir nichts verraten“, meinte ...

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