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Dr. Stefan Frank - Folge 2227

Inhalt

  1. Cover
  2. Impressum
  3. Kinderfasching in der Waldner-Klinik
  4. Vorschau

Kinderfasching in der Waldner-Klinik

Wie Dr. Frank seine kleinen Patienten glücklich machte

Bereits seit seinem Studium hegt Dr. Karl-Heinz Langer einen tiefen Groll gegen den Grünwalder Allgemeinmediziner und Geburtshelfer Dr. Stefan Frank. Viele, viele Jahre hat er auf eine Gelegenheit gewartet, dem Kollegen eins auszuwischen. Und nun ist es endlich so weit: Karl-Heinz Langer kauft sich eine Villa, deren Grundstück an den Garten von Stefan Frank angrenzt, und verbaut ihm die Sicht. Doch das ist nicht der einzige Bereich, in dem er den alten Rivalen bedrängt. Hinter Stefan Franks Rücken besucht er die Schulklasse, die Stefan ärztlich betreut, und behauptet den Kindern gegenüber, Dr. Frank würde sie nicht mehr mögen. Fortan werde er, Dr. Langer, regelmäßig nach ihnen sehen. Das tut er auch, doch ohne großes Interesse. Und so übersieht er eine gefährliche Salmonellen-Epidemie, die nicht nur die Faschingsparty der Erstklässler gefährdet, sondern auch ihre Leben …

„Frank? Stefan Frank?“

„Ja, das ist sein Name.“ Arne Müller, der Angestellte der Frankfurter Ärztekammer, hob den Kopf und blickte den sechsundvierzigjährigen Mediziner mit den pechschwarz getönten Dauerwellen verwundert an. „Sie kennen ihn, Herr Dr. Langer?“

„Das kann man wohl sagen. Stefan Frank und ich haben gemeinsam studiert. Wir sind alte …“

… Feinde, wollte Karl-Heinz Langer eigentlich sagen, aber dass er alleine beim Klang dieses Namens rotsah, musste er diesem humorlosen Aktenordner ja nicht unbedingt auf die Nase binden.

„… Freunde“, beendete er den Satz stattdessen. „Alte Freunde sind wir.“

„Wie schön! Aber dennoch, wie ich bereits sagte: Grünwald würde ich an Ihrer Stelle nicht in Betracht ziehen. Dort gibt es bereits ein Überangebot an Allgemeinmedizinern. Die meisten von ihnen finden mit Mühe und Not gerade so ihr Auskommen, während die Praxis von Dr. Frank, wie es scheint, sehr stark frequentiert ist. Er hat einen unglaublich guten Ruf. Sowohl bei den Patienten als auch bei der Ärzteschaft. Aber als sein guter Freund werden Sie ja wissen, warum.“

„Natürlich. Er war schon immer … der Beste.“

„Sieht fast so aus. Er scheint recht erfolgreich zu sein, wenn ich mir die Daten hier so ansehe.“ Herr Müller beugte sich nach vorne und starrte eine Weile versonnen auf den Bildschirm seines Computers. „Sehr erfolgreich sogar.“

Karl-Heinz Langer räusperte sich, um den Beamten daran zu erinnern, dass es jetzt um ihn ging und nicht um … um diesen …

„Ach ja! Also, wie ich schon sagte: Im ländlichen Bereich stehen die Chancen, sich eine gutgehende Praxis aufzubauen, natürlich ungleich besser. Die meisten Mediziner drängen ja leider in die Großstädte. In den Ballungszentren haben wir längst eine sogenannte Ärzteschwemme, während die ländlichen Bereiche medizinisch unterversorgt sind. Mal sehen …“

Arne Müller blätterte in einigen Unterlagen, die er für dieses Beratungsgespräch vorbereitet hatte.

„Wenn es Sie ins schöne Bayern zieht, könnte ich Ihnen zum Beispiel Zwiesel an der tschechischen Grenze empfehlen. Der dortige Allgemeinmediziner, Herr Dr. Habermann, ist bereits seit einiger Zeit auf der Suche nach einem Nachfolger. Er ist bereits fast siebzig und möchte sich endlich zur Ruhe setzen. Sie könnten die Praxis mitsamt den Patienten sofort übernehmen.“

„Zwiesel an der tschechischen Grenze“, wiederholte Dr. Langer. „Das klingt ja nach einer echten Herausforderung.“

Herr Müller blickte irritiert von seinen Unterlagen auf. Er war sich nicht ganz sicher, ob er sich den sarkastischen Unterton in der Stimme des Arztes nur eingebildet hatte. Vermutlich …

Obwohl, Herr Dr. Langer schien ihm insgesamt ein wenig seltsam zu sein. Zum einen waren da diese affigen Dauerwellen, die wie schwarz lackierte Rollmöpse nebeneinander hockten und die von Naturlocken so weit entfernt waren wie Zwiesel von Panama. Zum anderen schien er enorm viel Wert auf sein Äußeres zu legen: Armani-Anzug, Hermes-Schlips, goldene Rolex und Lackschuhe. Herr Langer sah aus, als wohne er seiner eigenen Konfirmation bei. Dabei war dies doch nur ein unverbindliches Beratungsgespräch.

„Es ist halt keine große Stadt“, fuhr Arne Müller freundlich fort, „aber dafür ruhig und friedlich. Dort lässt es sich bestimmt hervorragend leben. Und Sie wären dann der einzige Allgemeinmediziner im Umkreis.“

Wie schön, du Pfeife!, dachte Karl-Heinz Langer. Wenn du es gerne ruhig und friedlich hast, dann kauf dir doch eine Kuckucksuhr in Zwiesel an der tschechischen Grenze, und zieh ein! Laut sagte er: „Klingt gut. Was haben Sie sonst noch Schönes im Angebot?“

„Hier ist eine Praxis, die seit zwei Jahren leer steht. Da wäre auch direkt eine schöne Wohnung über den Praxisräumen mit dabei. In Wurmannsquick.“

„An der …?

„Wie bitte?“

„An welcher Grenze ist das denn? An der zu Transsilvanien oder an der zu Dschibuti?“

„Nein, das ist eine reizende kleine Marktgemeinde in der Region Landshut in Niederbayern.“

„Klingt auch sehr vielversprechend.“

„Ja? Schön, dass Sie so positiv eingestellt sind. Was ich Ihnen ebenfalls empfehlen könnte, wäre …“

„Nein danke!“ Dr. Langer sprang auf und schüttelte Herrn Müller überschwänglich die Hand. „Vielen Dank, aber diese beiden Tipps reichen mir schon. Ein Vorschlag schöner als der andere. Ich weiß gar nicht, für welchen der beiden Orte ich mich entscheiden soll. Es hört sich beides so unglaublich verlockend an.“

„Ja? Meinen Sie?“ Herr Müller wurde aus diesem Arzt nicht recht schlau. Er sagte zwar sehr nette Sachen, das allerdings in einem Tonfall, als meinte er genau das Gegenteil von dem, was er sagte.

„Klar doch. Sie haben mir wirklich sehr geholfen, Herr Müller. Danke. Vielen Dank.“

„Gern geschehen. Dazu ist die Ärztekammer ja unter anderem da – nicht nur, um von unseren Mitgliedern jeden Monat die Beiträge einzutreiben.“ Herr Müller lachte herzlich über seinen Scherz.

Karl-Heinz lachte aus Höflichkeit mit, obwohl er die Bemerkung ähnlich amüsant fand wie die Vorstellung von einem Leben in Zwickel an der Knatter – oder wie das Kaff hieß.

„Soll ich vielleicht gleich den Kontakt zu den beiden Besitzern der Arztpraxen herstellen?“

„Nein, nein, danke, das ist nicht notwendig“, wehrte Karl-Heinz Langer hastig ab. Er hatte keineswegs die Absicht, den Rest seines Lebens in Wiesel an der polnischen Grenze oder in Wurm …dingsda zu verbringen. „Ich fahre demnächst einmal dorthin und sehe mich um, um herauszufinden, wo es mir am besten gefällt.“

„Machen Sie das, aber machen Sie es bald, sonst ist die Praxis weg.“

Klar!, dachte Karl-Heinz spöttisch. Darauf verwette ich meinen linken Arm, du Pflaume!

Zufrieden darüber, dass die Beratung so positiv verlaufen war, erhob sich Arne Müller, brachte Karl-Heinz noch bis zur Tür des großen Büros und schüttelte ihm dort gut zwei Minuten lang die Hand.

„Also dann: Ich wünsche Ihnen sehr viel Glück und Erfolg für Ihren Neustart. In diesem Fall passt der Glückwunsch ja wörtlich: Hals- und Beinbruch! Möglichst viel davon. Aber natürlich sollen Sie sich nichts brechen, sondern die Zwieseler! Oder noch besser: Mögen sie alle einen Schnupfen bekommen, das macht nicht so viel Arbeit.“ Abermals brach der Mann in schallendes Gelächter aus.

Karl-Heinz Langer hörte ihn noch wiehern, als er bereits die feudale Marmortreppe hinunterlief. Er versetzte der gläsernen Drehtür einen so heftigen Stoß, dass er sich sputen musste, um nicht hinauskatapultiert oder wie in einer Waschmaschine geschleudert zu werden.

Gut gelaunt lief er über die Straße, betrat das Café Zentral und eilte auf einen der Tische im hinteren Bereich zu.

„Hallo Dumpfbacke! Nett, dass du auf mich gewartet hast.“ Er tätschelte Lisbeth, seiner vierundzwanzigjährigen Freundin, die Schulter und ließ sich seufzend auf einen der Stühle fallen.

„Und? Wie ist es gelaufen?“, fragte Lisbeth lispelnd. Was hat dir der Berater empfohlen?“

„Grünwald, Dumpfbacke!“, erwiderte Karl-Heinz triumphierend. „Wir eröffnen eine Praxis in Grünwald. Die exklusivste und beste Praxis, die es dort jemals gegeben hat.“

Leise murmelnd, beinahe unhörbar, fügte er hinzu:

„Zieh dich schon mal warm an, Stefan. Die fetten Jahre sind vorbei – zumindest für dich!“

***

Zur gleichen Zeit in Grünwald …

„Steffi! Sie soll Steffi heißen! Schließlich ist sie deine Freundin, und du heißt doch Stefan!“ Lukas, ein siebenjähriger Junge mit abstehenden Ohren, die sich eben jetzt vor Eifer dunkelrot färbten, und blonden Locken, ließ sich kichernd wieder auf seinen Stuhl fallen und blickte triumphierend in die Runde. „Oder?“

„Ja, genau!“ Die kleine Maja, die neben ihm saß, brach in lautes Gelächter aus. „Dr. Stefan und seine Steffi, das passt gut!“

„Dann musst du die Steffi aber heiraten, Dr. Stefan! Wie alt ist die denn? Hast du sie schon mal geküsst? Warum hat die Steffi keine Schuhe an? Bist du in die verliebt?“

Alle Kinder riefen wild durcheinander und wanden sich vor Gelächter auf ihren kleinen Stühlen. Ständig überboten sie sich gegenseitig mit lustigen Fragen und guten Vorschlägen.

Wie einmal in jedem Jahr saß Dr. Stefan Frank in der Turnhalle der Grünwalder Grundschule und hielt eine große Stoffpuppe auf seinem Schoß. Um ihn herum, in einem Sesselkreis, saßen die aufgeregten Erstklässler und amüsierten sich königlich! Sie hatten heute bereits alles über gesunde Ernährung und Vitamine gelernt, waren auch alle untersucht, gewogen und gemessen worden, und zum Abschluss wollte Dr. Stefan ihnen anhand der Puppe noch die wichtigsten Erste-Hilfe-Maßnahmen erklären.

„Also gut“, sagte der Grünwalder Arzt schmunzelnd, ohne dabei die Stimme zu erheben. Er wusste, wenn man versuchte, aufgebrachte Kinder zu übertönen, konnte man nur verlieren.

Als die Kinder sahen, dass Dr. Frank redete, klappten sie sofort die Münder zu und lauschten, um nur ja kein Wort zu verpassen.

„Damit heißt sie also nun Steffi“, gab sich der Arzt geschlagen. „Und sollte ich sie jemals heiraten, dann seid ihr natürlich alle ganz herzlich zur Hochzeit eingeladen.“

Stefan gab den Kindern wieder eine Minute Zeit, um sich die verrückte Hochzeit in den schillerndsten Farben auszumalen, dann stand er auf und legte die Puppe auf eine der weichen Matten, die auf dem Boden vorbereitet waren.

„Die arme Steffi ist vom Fahrrad gefallen, Kinder. Sie ist bewusstlos, und weit und breit ist kein Erwachsener in der Nähe, der helfen könnte. Was machen wir also mit Steffi, damit es ihr bald wieder gut geht?“

„Man muss ihr Luft in den Mund pusten, damit sie wieder lebendig wird!“, rief Melanie, ein kleines schwarzhaariges Mädchen. „Das habe ich mal im Fernsehen gesehen.“

„Sehr gut, Melanie“, lobte Stefan. „Aber noch wissen wir ja gar nicht, ob Steffi nicht ohnehin noch selbst genug Luft bekommt. Wir prüfen also zunächst einmal, ob sie noch atmet. Wie machen wir das?“

„Wir fragen sie einfach!“, schlug Sebastian vor.

„Die ist aber doch gewusstlos, Basti!“, erinnerte Maja ihren Klassenkameraden. „Da kann die doch nichts sagen. Gewusstlos, das ist fast ein bisschen wie tot. Man muss fühlen, ob es am Handgelenk pocht, das macht der Dr. Stefan auch immer, wenn ich Fieber habe.“

„Ich sehe schon, ihr seid ja die reinsten Experten!“ Stefan lachte. „Wie man den Puls fühlt, um herauszufinden, ob das Herz zu schnell, zu langsam oder vielleicht gar nicht mehr schlägt, zeige ich euch dann gleich. Um den Atem zu prüfen, schauen wir, ob die Brust sich hebt und senkt, und wir horchen am Mund, ob wir ein Atemgeräusch hören.“

„Steffi ist tot, sie atmet nicht mehr!“, rief Leonie kichernd, die ihr Ohr an den Mund der Puppe hielt. „Wahrscheinlich ist sie auf den Kopf gefallen und hat sich das Gehirn gebrochen.“

Abermals riefen, lachten und scherzten sie alle durcheinander:

„Arme Steffi! Dr. Stefan muss sie operieren.“ – „Gib ihr eine Spritze, Dr. Stefan!“ – „Nein, wir müssen sie beerdigen, die wird nicht mehr.“ – „In die Klinik! Steffi muss in die Waldner-Klinik!“

„Quatsch!“, rief Johannes seine Freunde zur Ordnung. „Steffi ist doch bloß eine Puppe. Puppen atmen nie. Zum Atemprüfen brauchen wir einen lebenden Menschen.“

„Da hat Johannes völlig recht, Kinder.“ Stefan nickte dem blassen Jungen, der gut einen Kopf kleiner war als alle anderen, lächelnd zu. Ihm war direkt zu Beginn aufgefallen, dass Johannes außergewöhnlich ernsthaft und klug war. „Wir brauchen einen Freiwilligen.“

„Sonja ist freiwillig! Au ja, Sonja soll das machen! Bitte, bitte! Komm Sonja, leg dich auf die Matte!“

Stefan drehte sich zu der achtundzwanzigjährigen bildhübschen Lehrerin um, die die ganze Zeit über still im Hintergrund gesessen hatte, und blinzelte ihr schmunzelnd zu.

„Sonja! Sonja! Sonja!“, brachen die Kinder jetzt in einen Sprechchor aus und klatschten dabei in die Hände.

„Okay.“ Sonja Bergmann stand auf und hob die Hände. „Ist ja gut, Kinder, ich komme ja schon. Aber wehe ihr stellt fest, dass ich nicht richtig atme und in die Klinik muss, nur damit ihr dann ein paar Tage schulfrei habt“, scherzte sie und ließ sich auf der Matte nieder.

„Du musst stillliegen!“, mahnte Maja. „Du bist ja vom Fahrrad gefallen und gewissenlos.“

„Ah ja! Gut, ich bin jetzt bewusstlos. Weckt mich auf, wenn ich einschlafen sollte.“ Sonja Bergmann streckte sich auf der weichen Matte aus und schloss die Augen. „Gute Nacht, Kinder.“

Der Reihe nach stellte jedes Kind fest, dass die Lehrerin zum Glück noch lebte, und Stefan zeigte ihnen auch gleich, wie man den Puls fühlte.

Danach kam wieder Steffi, die Puppe, an die Reihe. Jedes einzelne Kind prüfte, ob der Mund frei war, drehte sie in die stabile Seitenlage, tippte die Notrufnummer in ein Spielzeughandy und gab den genauen Standort und den Zustand der armen Verunglückten bekannt.

„Sehr gut, Kinder!“, lobte Stefan abschließend. „Sollte ich jemals vom Fahrrad fallen und einer von euch ist in der Nähe, dann weiß ich, dass ich mich auf euch verlassen kann und sicher in die Klinik komme.“

„Vielen Dank, Herr Dr. Frank. Die Kinder haben sehr viel Spaß gehabt und dabei eine ganze Menge gelernt“, bedankte sich die Lehrerin bei Stefan, als die Stunde vorüber war.

„Mir hat es mindestens ebenso viel Spaß gemacht, liebe Frau Bergmann“, versicherte der Grünwalder Arzt. „Man kann nicht früh genug anfangen, sich mit den wichtigsten lebensrettenden Maßnahmen vertraut zu machen. Ich finde es großartig, was Sie mit den Kindern alles unternehmen. Man spürt förmlich, dass Ihre Schützlinge gerne in die Schule gehen.“

„Ja, es gibt nichts Schlimmeres als täglich derselbe langweilige Trott. So war es in meiner Schule, und ich habe jeden Morgen nach einem guten Grund gesucht, nicht hingehen zu müssen.“

Die Lehrerin holte rasch Stefans Mantel aus dem Lehrerzimmer, als dieser sich suchend danach umblickte.

„Nächste Woche kommt Frau Dr. Schubert zu uns“, verriet sie. „Sie macht mit den Kindern Sehtests und erklärt ihnen alles Wissenswerte über die Augen. Auch darauf freuen sie sich schon riesig.“

„Ach ja, Alexandra hat mir davon erzählt“,

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