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Dr. Stefan Frank - Folge 2225

Inhalt

  1. Cover
  2. Impressum
  3. Wir hätten auf dich hören sollen!
  4. Vorschau

Wir hätten auf dich hören sollen!

Warum ein Ausflug nach München ein tragisches Ende nahm

Die hübsche Studentin Linette Knechtstedt kann sich nur noch wundern! Was ist nur plötzlich mit ihren Freunden los? Micha, ihr fester Freund, ist ständig gemein zu ihr; ihre Freundin Caro distanziert sich mehr und mehr von der Gruppe; und selbst Vicky und Chris, die sonst sehr glücklich miteinander sind, streiten sich plötzlich nur noch! Aber warum?

Was Linette nicht ahnt: Micha und Caro haben schon seit einiger Zeit ein Verhältnis miteinander. Chris und Vicky wiederum ahnen das, sind sich aber nicht einig, ob sie mit Linette darüber reden sollen. Als die fünf sich eines Abends auf den Weg nach München machen, um dort in einer Diskothek zu feiern, droht die Situation zu eskalieren! Und auf einmal ist nicht nur ihre Freundschaft, sondern auch ihrer aller Leben in Gefahr …

Unwillkürlich lächelte Dr. Frank, als er den alten Beatles-Song im Radio hörte: „When I’m Sixty-Four“.

Wie es mir wohl ergehen wird, wenn ich erst mal vierundsechzig bin?, überlegte er. Ob ich dann auch noch so fit und lebenslustig bin wie die drei alten Damen, die ich eben besucht habe?

Der Grünwalder Arzt hatte einen ausgesprochen vergnüglichen Samstagnachmittag hinter sich. Helga Birnbrenner, die er seit vielen Jahren kannte, hatte ihn zu ihrem achtzigsten Geburtstag eingeladen. Die Einladung hatte er nur zu gerne angenommen, denn er mochte und bewunderte die alte Dame und ihre beiden Freundinnen.

Die drei Frauen hatten vor ein paar Jahren beschlossen, ihren Lebensabend gemeinsam zu verbringen, und sich in Deisenhofen, nicht weit von Grünwald entfernt, ein Haus gekauft. In ihrem „Dreimaderlhaus“, wie sie es stolz nannten, wurde viel gelacht und nur selten mal gejammert. Die drei Frauen ließen sich nicht unterkriegen: weder vom Leben noch vom Alter – und schon gar nicht von der nicht immer freundlich gesonnenen Verwandtschaft.

Alle drei waren sie um die achtzig, und auch wenn sie manchmal von dem ein oder anderen Zipperlein geplagt wurden, ging es ihnen gut. Sie waren neugierig geblieben, pflegten ihre Hobbys, unternahmen viel, und – was wohl am wichtigsten war – jede wusste, dass sie sich auf die beiden anderen verlassen konnte.

Tja, dachte Dr. Frank, wenn man auf diese Weise alt werden darf, dann ist das wahrhaftig ein Geschenk.

Und sicher wird sich dieser Sven Hillfach bei ihnen wohlfühlen, überlegte er weiter.

Stolz hatte Helga ihm erzählt, dass sie nun sogar einen „gut aussehenden, charmanten jungen Mann“ im Haus hätten, der von ihnen allen verwöhnt würde. Auf Stefans fragenden Blick hin war sie in Lachen ausgebrochen.

„Nein, nein, Dr. Frank, keine von uns hat plötzlich Frühlingsgefühle“, hatte sie gesagt und hinzugefügt, dass es sich um ihren Enkel handele, den Sohn ihrer „nichtsnutzigen Tochter“. „Aber Gott sei Dank kommt er mehr auf mich. Er ist übrigens Mediziner, genau wie Sie, und ich hoffe, dass er auch einmal ein ebenso guter und menschlicher Arzt wird. Ach ja, und er arbeitet in ‚Ihrem‘ Krankenhaus: in der Waldner-Klinik. Kennen Sie ihn? Er ist dort als Assistenzarzt eingestellt worden. Dr. Waldner ist wohl sehr angetan von ihm“, fügte sie stolz hinzu. „Heute hat er leider Dienst, sonst hätte er mit uns gefeiert.“

Nein, Dr. Frank kannte den jungen Kollegen noch nicht, doch Helgas Worte hatten ihn neugierig gemacht. Vielleicht fragte er Ulrich Waldner, seinen besten Freund, mal nach ihm.

Nun war der Grünwalder Arzt auf dem Heimweg, gerade fuhr er durch Oberhaching. Er war später dran, als er vorgehabt hatte, Alexandra würde sicher schon auf ihn warten. Aber die drei alten Damen hatten ihn so sehr gedrängt, noch zum Abendessen zu bleiben, dass er nicht hatte ablehnen können. Und das, obwohl er gar keinen Hunger mehr gehabt hatte, denn Helga und die beiden anderen konnten ausgezeichnet backen, und so hatte er zum Kaffee zwei Stück Kuchen gegessen und noch ein ganz kleines drittes dazu – schließlich musste von jeder ein „Werk“ probiert werden.

Da werde ich wohl ein paar Extrarunden joggen müssen, dachte Dr. Frank reuevoll. Aber ab und zu darf ich auch mal sündigen, oder?

Die Straße machte weiter vorn einen großen Bogen. In dessen Mitte befand sich ein Kreisverkehr. Dort musste er nach rechts abbiegen, um zur Landstraße nach Grünwald zu gelangen, die sich dann ein ganzes Stück durch den Grünwalder Forst zog.

Kurz bevor er den Wagen in die Kurve lenken wollte, bemerkte er an der Seite ein paar junge Leute, drei Mädchen und zwei Burschen. Plötzlich blieben sie stehen und redeten heftig aufeinander ein. Es schien ganz so, als würden sie sich streiten. Die beiden jungen Männer bauten sich drohend voreinander auf, nahe an der Straße. Viel zu nahe.

Dr. Frank, der ohnehin nicht schnell fuhr, verringerte instinktiv das Tempo noch weiter.

Plötzlich fing der eine an, den anderen zu schubsen. Eines der Mädchen mischte sich ein, wollte die beiden trennen, doch nun gab der junge Mann auch ihr einen Stoß, und sie stolperte auf die Straße – direkt vor Dr. Franks Wagen.

Der Grünwalder Arzt hatte bereits hart auf die Bremse getreten. Nur ein paar Zentimeter vor der jungen Frau kam er zum Stehen.

Ist der denn völlig verrückt geworden!, dachte er erbost, während er aus dem Wagen sprang. Wenn ich nicht so langsam gefahren wäre, dann hätte wer weiß was passieren können!

Doch zum Glück war die junge Frau mit dem Schrecken davongekommen.

„Alles in Ordnung?“, erkundigte er sich.

Sie nickte nur und sah ihn aus großen, entsetzten Augen an, während sie sich an der Motorhaube seines Wagens abstützte.

Eine ihrer Freundinnen legte ihr einen Arm um die Schultern und führte sie zurück auf den Gehweg. Die andere stand ein wenig hilflos daneben.

Dr. Frank wandte sich den beiden jungen Männern zu, die für den Moment ihre Streitigkeiten vergessen hatten.

Der Grünwalder Arzt stutzte. Den einen – den, der das Mädchen gestoßen hatte – kannte er; er hatte ihn jedoch wegen der langen Haare nicht gleich erkannt.

Micha Bruggrieder hielt den Kopf gesenkt.

„Micha, hast du eigentlich völlig den Verstand verloren?“, fragte Dr. Frank, und Zorn klang deutlich in seiner Stimme mit. „Du weißt ja wohl, was geschehen wäre, wenn ich nicht mehr hätte bremsen können? Deine Freundin wäre schwer verletzt worden. Mindestens. Es hätte ihr sogar noch Schlimmeres passieren können.“

Der junge Mann schaute auf und hob die Hände. In seinen Augen lag ein trotziger Ausdruck.

„Okay, okay, Doc, ist ja schon gut“, meinte er.

Dr. Frank konnte es nicht leiden, wenn ihn jemand auf diese Weise „Doc“ nannte. Und gut war erst recht nichts.

Micha schob die Hände in die Hosentaschen.

„Sie brauchen sich gar nicht so aufzuregen“, fand er. „Schließlich konnten Sie noch bremsen, also regen Sie sich wieder ab. Ist ja nix passiert.“

„Was ganz bestimmt nicht dein Verdienst ist!“, fuhr der Grünwalder Arzt ihn an. So leicht wollte er den jungen Mann nicht davonkommen lassen.

Doch da spürte er eine Hand auf seinem Arm. Dunkle Augen schauten ihn bittend an.

„Danke, dass Sie mir helfen wollen“, sagte die junge Frau, die ihm fast vors Auto gefallen wäre. „Aber das ist wirklich nicht nötig. Wir regeln das schon allein. Micha hat recht: Gott sei Dank ist nichts passiert.“

Dr. Frank zögerte. Wieso ergriff sie Michas Partei? Der junge Mann hatte es verdient, dass ihm jemand ordentlich die Meinung sagte. Typen wie Micha glaubten sowieso, dass sie immer mit allem durchkamen, dem musste man nicht auch noch Vorschub leisten.

Aber sie sah ihn so bittend an, dass er schließlich nachgab.

Er schaute zu Micha hin.

Wir zwei sind noch nicht miteinander fertig, stand in seinem Blick zu lesen – eine Botschaft, die der junge Mann verstand. Er wandte sich ab.

Ich werde ein Wörtchen mit Michas Vater reden, nahm Dr. Frank sich vor, während er zu seinem Wagen zurückkehrte und wieder einstieg.

Als er losfuhr, sah er im Rückspiegel, wie die fünf ihm hinterher schauten. Dann legte Micha einen Arm um die junge Frau, doch sie trat beiseite und schob ihn weg.

Gut so, dachte Dr. Frank. Lass dich bloß nicht wieder von ihm einwickeln!

***

„Ich geh nach Hause“, erklärte Linette Knechtstedt. „Ich hab die Nase voll.“

„Ach, komm schon, stell dich nicht so an“, meinte Micha.

Er trat wieder einen Schritt auf sie zu und streckte eine Hand nach ihr aus, doch Linette wandte sich ab.

„Hey, tut mir leid. Echt. War wirklich keine Absicht.“ Er blickte zu den anderen hin. „Was schaut ihr mich so an?“, wollte er wissen, und plötzlich klang wieder Aggressivität in seinen Worten durch. „Mein Gott, seid ihr langweilige Spielverderber! Wollt ihr hier Wurzeln schlagen oder was? Lasst uns endlich weitergehen. Ich hab Durst auf ein kühles Bier.“

„Davon hast du heute schon genug in dich reingekippt“, erwiderte Christian Nöthener.

Dann machte er unvermittelt ein paar Schritte auf Micha zu und packte ihn am Shirt.

„Verdammt, Micha, du hättest Linette umbringen können!“, zischte er. „Wenn Dr. Frank nicht so langsam gefahren wäre, wäre sie jetzt vielleicht tot. Stell dir vor, der wäre hier mit fünfzig oder sechzig entlanggerast!“

„Ist er aber nicht.“ Micha versuchte, sich aus Christians Griff zu lösen, doch der packte ihn an den Handgelenken. „Nimm endlich deine Finger weg!“, fuhr er wütend fort. „Sonst …“

„Sonst was? Willst du dich mit mir prügeln? Dann komm doch!“

Micha wich zurück, und Christian ließ ihn los.

„Ach, jetzt auf einmal nicht mehr?“, spottete er. „Aber ich sag dir was, Micha: Wenn du Linette noch einmal wehtust – egal, auf welche Weise –, dann lass ich dich nicht mehr einfach so davonkommen. Dann kriegst du endlich, was du verdienst!“ Er blickte die beiden Mädchen an, die die Auseinandersetzung schweigend verfolgt hatten. „Was ist mit euch?“

Vicky Rappten trat zu ihrem Freund.

„Du bist echt ein mieser Typ.“ Verächtlich sah sie Micha an. „Wenn Dr. Frank nicht so super reagiert hätte, dann wärst du jetzt vielleicht ein … Mörder! – Lass uns gehen, Chris.“

Micha verdrehte die Augen.

„Die Drama-Queen steht dir nicht“, erwiderte er.

Vicky wurde blass vor Zorn.

„Lass ihn“, meinte Christian und legte beruhigend eine Hand auf ihren Arm. „Und du, Caro?“, fuhr er fort.

Carolin Arkwang blickte zögernd zwischen Micha und Linette hin und her.

„Ich geh noch mit Micha einen trinken“, sagte sie schließlich leise und strich sich ihre langen blonden Haare hinter die Ohren. „So, wie wir es alle vorgehabt hatten. Warum lasst ihr ihn eigentlich immer im Stich? Wir sind doch Freunde!“

Vicky sah sie erbost an.

„Vielleicht schaltest du mal dein Gehirn ein?“, erwiderte sie. „Wenn sich hier einer nicht wie ein Freund benimmt, dann wohl Micha.“ Sie nahm Christians Hand. „Lass uns endlich von hier verschwinden.“

Christian ließ seinen Blick zwischen Carolin und Micha hin und her schweifen.

„Und du denkst an das, was ich dir eben gesagt habe, Micha: Wenn du Linette noch einmal wehtust, dann bist du dran!“ Nach einem Moment fügte er hinzu: „Was übrigens auch für dich gilt, Caro!“

***

„Linette, bist du das?“, rief Marga Knechtstedt, als sie hörte, wie die Haustür aufgeschlossen wurde.

„Wer denn sonst?“, murmelte Linette vor sich hin, laut aber antwortete sie: „Ja, Mama.“

„Wieso bist du denn schon hier?“ Marga trat in den Flur, sich die Hände an einem Küchenhandtuch abtrocknend. „Ihr wolltet doch alle zusammen ausgehen. Ist was passiert?“

Und ob was passiert ist, dachte Linette, aber das werde ich dir ganz bestimmt nicht auf die Nase binden.

„Nein.“

„Wo ist denn Micha?“ Marga Knechtstedt konnte nicht verhindern, dass sich ihr Gesicht verdüsterte, als sie seinen Namen aussprach. Sie konnte den Freund ihrer Tochter nicht leiden, aber andererseits: Sie hatte noch nie einen von Linettes Freunden leiden können. Linette suchte sich immer so merkwürdige Typen aus. Keinen, der als künftiger Schwiegersohn vor ihren Augen Gnade gefunden hätte.

„Mama, bitte, ich bin nach Hause gekommen, weil ich entsetzliche Kopfschmerzen habe. Frag mir jetzt keine Löcher in den Bauch, sondern lass mich in Ruhe, ja? Ich gehe nach oben und leg mich hin.“

„Ich will dir doch nichts Böses, Kind!“ Marga blickte ein wenig beleidigt drein.

„Hab ich auch nicht gesagt.“

„Soll ich dir einen Tee machen? Dir ein Kühlkissen bringen? Du bist schrecklich blass. Oder möchtest du eine Kleinigkeit essen? Ich kann dir ganz schnell etwas Leichtes zubereiten.“

„Bitte, Mama!“ Linette legte die Hände an ihren Kopf, der jetzt tatsächlich schmerzte. „Lass mich einfach nur allein.“

Marga drehte sich abrupt um und stapfte in die Küche zurück, während ihre Tochter die Treppe nach oben stieg.

Mit einem tiefen Seufzer zog Linette die Tür hinter sich zu, und nach einem Moment des Zögerns drehte sie auch den Schlüssel im Schloss herum. Sie wusste, ihre Mutter würde heraufkommen und hereinschauen wollen, obwohl sie sie gebeten hatte, das nicht zu tun. Wenn ihre Mutter die Klinke herunterdrückte, würde sie einfach so tun, als schliefe sie.

Linette seufzte erneut, dann zog sie die Vorhänge vors Fenster und legte sich in ihr Bett. Sie kroch unter die Decke und rollte sich zusammen wie ein kleines Kind.

Und plötzlich konnte sie sich nicht länger beherrschen. Während des ganzen Nachhausewegs hatte sie sich wie betäubt gefühlt, doch nun begannen die Tränen, die sie die ganze Zeit zurückgehalten hatte, in Strömen zu fließen. Auf einmal zitterte sie am ganzen Körper.

Das ist nur der Schock, versuchte sie sich zu beruhigen, eine ganz normale Reaktion. Micha hat es ganz sicher nicht böse gemeint. Es war keine Absicht. Bestimmt nicht. Er war ja selbst erschrocken.

Doch tief in ihrem Herzen lauerte ein namloses Entsetzen, das sich nicht vertreiben lassen wollte. Egal, was sie sich sagte, sie wurde dieses Bild nicht los, das ihr ständig vor Augen stand: wie der Wagen des Grünwalder Arztes immer näher kam. Direkt auf sie zu.

Und dann die Angst, dass ihr gleich etwas Schreckliches passieren würde! Sie hatte schreien wollen, doch kein Laut war über ihre Lippen gekommen.

Durch die Windschutzscheibe hatte sie Dr.&

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