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Dr. Stefan Frank - Folge 2222

Inhalt

  1. Cover
  2. Impressum
  3. Zwei neue Kollegen für Dr. Waldner
  4. Vorschau

Zwei neue Kollegen für Dr. Waldner

… doch einer spielt ein falsches Spiel

Dr. Ulrich Waldner ist erleichtert: Endlich hat er zwei fähige junge Chirurgen gefunden, die ihn bei seiner Arbeit unterstützen können. Dr. Christian Klose und Dr. Tom Hellmann sind beide hervorragende Operateure, und so wundert sich der Leiter der Waldner-Klinik auch, als die Mutter der herzkranken Lili ihn eindringlich darum bittet, dass ihr Kind nicht von Dr. Hellmann operiert wird. Was hat sie nur gegen den nicht nur äußerst erfahrenen, sondern zudem sehr sympathischen Arzt?

Als Laura Seewald ihm zur Erklärung einen Brief vorlegt, traut Dr. Waldner seinen Augen nicht! Offenbar hat ein anonymer Verfasser der jungen Frau mitgeteilt, dass Dr. Tom Hellmann schon einmal ein Kind auf dem OP-Tisch verloren hat – durch Fahrlässigkeit! Nichts an dieser Behauptung entspricht der Wahrheit, doch davon kann der Chefarzt die besorgte Mutter nicht überzeugen. Schweren Herzens übernimmt er selbst den Fall der kleinen Lili. Doch wie soll er Tom beibringen, dass ihm ausgerechnet die Frau, an die er sein Herz verschenkt hat, nicht vertraut?

„Hast du das verstanden, Lili?“, fragte Dr. Tom Hellmann.

„Jaha“, antwortete das kleine Mädchen ernsthaft. „Du stopfst das Loch in meinem Herzen, und dann bin ich nicht mehr krank.“

„So ist es. Du musst nach dem Eingriff noch ein bisschen Geduld haben, aber bald kannst du toben und rennen wie andere Kinder auch.“

„Ich will aber schneller sein“, verlangte Lili.

„Wenn du ordentlich trainierst, schaffst du das.“

„Was ist trainieren?“

„Üben. Aber damit darfst du auch nicht gleich beginnen. Dein Körper muss sich ja erst an das gesunde Herz gewöhnen.“

Lilis Blick wurde kritisch. Sie war ein süßes Mädchen von fünf Jahren, mit einem hübschen runden Gesicht und dunklen Haaren.

„Du darfst mich nicht anlügen!“

„Lili!“, mahnte ihre Mutter leise.

„Ich lüge dich nicht an, das würde ich nicht wagen“, versicherte Tom. „Hast du sonst noch Fragen?“

Lili schüttelte den Kopf und rutschte von ihrem Stuhl. Langsam ging sie zu dem Regal an der gegenüberliegenden Wand.

Tom wandte sich Dr. Laura Seewald zu. Lilis Mutter war Kinderärztin. Sie hatte ein sehr ausdrucksvolles Gesicht mit einer zierlichen Nase, sinnlichen Lippen und Augen, deren Farbe je nach Lichteinfall – oder auch nach Stimmung – zwischen grün, blau und braun wechselte. In diesem Moment waren sie sehr dunkel. Lili ähnelte ihrer Mutter.

Laura Seewald beschäftigte Tom mehr, als gut für sein inneres Gleichgewicht war. Aber so sehr er sich auch bemühte, er schaffte es einfach nicht, in ihr lediglich die Mutter seiner kleinen Patientin zu sehen. Sie hatte ihn vom ersten Augenblick an fasziniert, und diese Faszination war bei jedem ihrer Treffen gewachsen.

Natürlich behielt er das für sich. Sie war außer sich vor Sorge um ihre kleine Tochter und wäre sicherlich befremdet gewesen, wenn er versucht hätte, mit ihr zu flirten.

Manchmal fragte er sich, ob er es nach der Operation wagen konnte, sich ihr zu nähern: wenn alles gut verlaufen war und sie den Kopf wieder frei hatte, wenn sie nicht länger Angst um ihre Tochter haben musste … Aber er wusste im Grunde genommen schon, dass er den Mut nicht aufbringen würde.

„Haben Sie noch Fragen, Frau Seewald?“

„Nein.“ Sie schüttelte den Kopf und erhob sich ebenfalls. „Danke, dass Sie sich noch einmal so viel Zeit für uns genommen haben, Herr Hellmann. Am Dienstag ist es also so weit?“

„Ja, Sie müssen Lili am Montag zu uns in die Klinik bringen, am Dienstagmorgen ist sie dann gleich die Erste.“

Sie reichte ihm die Hand, und er hielt sie einen Augenblick zu lange fest, was ihr aber nicht aufzufallen schien.

„Ich wünschte, es wäre bereits vorüber“, sagte sie leise, als er ihre Hand losließ.

„Das wünscht sich in Ihrer Situation jeder“, erwiderte er. „Aber Lili ist guter Dinge, und jetzt ist der richtige Zeitpunkt für den Eingriff. Sie haben doch selbst gesagt, dass ihre Tochter in letzter Zeit öfter zu Hause bleiben musste, weil sie sich zu schwach gefühlt hat, um aufzustehen.“

Laura Seewald nickte.

„Komm, Lili“, sagte sie liebevoll. „Wir fahren nach Hause.“

Die Kleine hatte sich vor das Regal gesetzt. Jetzt sah sie gar nicht mehr munter aus, sondern eher erschöpft. Tom bemerkte den sorgenvollen Ausdruck auf dem Gesicht ihrer Mutter, als sie Lili half aufzustehen.

Er brachte die beiden zur Tür und sah ihnen noch nach. Auf halbem Weg zum Aufzug nahm Laura Seewald ihre Tochter auf den Arm und trug sie.

Leise schloss er die Tür und kehrte zu seinem Schreibtisch zurück, um sich noch ein paar Notizen zu machen.

Wenig später klopfte es kurz. Dr. Ulrich Waldner, sein Chef, betrat den Raum aber nicht, sondern blieb an der Tür stehen.

„Alles klar wegen Lili Seewald? Sie und ihre Mutter sind mir gerade begegnet. Die Kleine sah nicht gut aus.“

„Ich weiß. Es ist höchste Zeit für den Eingriff. Ich bin froh, dass es nächste Woche so weit ist.“

„Ja, das sehe ich auch so.“ Ulrich Waldner nickte. „Gut, dass Frau Seewald sich dazu durchgerungen hat. Wir sehen uns später noch.“

Er verschwand wieder, sodass Tom seine Notizen beenden konnte. Vielleicht half ihm ja der Zufall, und er begegnete Laura Seewald nach der Operation an einem Ort, wo er sie ganz unbefangen fragen konnte, ob sie nicht Lust hätte, einen Kaffee mit ihm zu trinken. Eigentlich glaubte er nicht an solche Zufälle, aber an diesem trüb-grauen Wintermorgen gefiel es ihm, sich ein wenig in solchen Vorstellungen zu verlieren.

Kurz darauf wurde er jedoch unsanft in die Realität zurückbefördert.

„Schwerer Hinterwandinfarkt nach Autounfall“, rief seine Kollegin Dr. Eva Körner, die Leiterin der Unfallambulanz. „Der Chef und Herr Klose sind bereits im Einsatz. Kannst du einspringen?“

„Bin schon unterwegs“, antwortete Tom.

***

„Frau Dr. Seewald ist da, Chef.“ Martha Giesecke, Stefan Franks langjährige Mitarbeiterin, war ins Sprechzimmer gekommen und hatte die Tür hinter sich geschlossen. Sie sprach mit gedämpfter Stimme. „Sie hat keinen Termin, bittet Sie aber um ein Gespräch. Ich denke, es geht um ihre kleine Tochter.“

„Wie liegen wir im Zeitplan, Schwester Martha?“

„Wir können es einrichten, wenn Sie nicht allzu lange mit ihr sprechen. Soll ich sie dann gleich hereinschicken? Ich denke, das wäre besser, als sie bis zum Schluss warten zu lassen.“

Stefan Frank nickte. Als Martha Giesecke das Sprechzimmer verlassen hatte, stand er auf.

Dr. Laura Seewald war eine junge Kollegin. Sie arbeitete als Kinderärztin halbtags in einer Gemeinschaftspraxis in Grünwald, wo sich auch Stefan Franks Praxis befand.

Es klopfte kurz.

„Frau Dr. Seewald, Chef“, meldete Martha Giesecke.

Er ging der schönen jungen Frau entgegen. Als sie ihm die Hand reichte, lächelte sie nicht.

„Bitte, setzen Sie sich, Frau Seewald“, bat Stefan Frank.

Laura Seewald war seine Patientin geworden, als sie nach ihrer Scheidung hierher gezogen war. Damals hatte er auch ihre kleine herzkranke Tochter Lili kennengelernt. Dr. Frank war es auch gewesen, der ihr die Waldner-Klinik empfohlen hatte, als sich herauskristallisiert hatte, dass Lili am Herzen operiert werden musste.

Die Waldner-Klinik wurde von seinem Freund Ulrich Waldner geleitet, mit dem er schon seit vielen Jahren zusammenarbeitete. Stefan Frank hatte Belegbetten in der Klinik, obwohl sie in München-Schwabing lag und damit relativ weit entfernt von seiner Praxis. Doch er nahm den langen Weg gern in Kauf, wusste er doch, dass er sich auf Ulrich Waldner und sein Team hundertprozentig verlassen konnte.

Zu diesem Team gehörte auch Ulrichs Frau. Ruth Waldner war eine hervorragende Anästhesistin, die ihren Mann außerdem bei seinen Leitungsaufgaben unterstützte.

Vor Kurzem hatten sie zwei neue junge Herzchirurgen eingestellt, die vor allem Ulrich entlasten sollten. Außerdem hatte er noch etliche seiner Aufgaben als Klinikchef seinem Stellvertreter Dr. Jochen Schlüter übertragen, um sich etwas mehr Luft zu verschaffen.

„Sie haben etwas auf dem Herzen?“, fragte Stefan Frank.

Laura Seewald nickte. Sie wirkte nervös und fahrig.

„Es geht um Lili, Herr Frank“, sagte sie leise. „Ich … ich will nur sicher sein, dass ich alles richtig mache. Sie wissen ja, dass Lili von Herrn Hellmann operiert werden soll. Meinen Sie nicht, dass er vielleicht zu jung und unerfahren ist? Ich meine, ich hatte ein sehr gutes Gefühl bei meinen Gesprächen mit ihm, aber …“

Sie brach ab, wusste nicht weiter.

Tom Hellmann war einer der beiden neuen Herzchirurgen. Die Kardiologie an der Waldner-Klinik war mittlerweile eine der größten Stationen, auch deshalb war eine Verstärkung des Personals dringend geboten gewesen.

Stefan Frank hatte sich sowohl mit Tom Hellmann als auch mit dem zweiten neuen Kollegen, Christian Klose, bereits mehrfach unterhalten. Beide schienen sich gut in das Team der Waldner-Klinik einzufügen, fachlich gehörten sie ohnehin zu den Besten.

„Herr Hellmann ist trotz seiner Jugend mit dem neuen Verfahren, nach dem Lili operiert werden soll, am besten vertraut“, erwiderte er ruhig. „Das hat er Ihnen doch sicherlich gesagt.“

„Ja, natürlich!“ Laura Seewalds Augen füllten sich mit Tränen. „Und immer, wenn ich mit ihm spreche, bin ich ganz ruhig und davon überzeugt, dass wir die beste Lösung gewählt haben. Aber sobald ich allein bin, kommen die Zweifel wieder, und ich frage mich, ob ich alles bedacht habe und ob die Operation zum jetzigen Zeitpunkt wirklich das Beste für Lili ist.“

„Lili hat ein Loch im Herzen, Ihnen als Ärztin muss ich doch nicht sagen, was das bedeutet, Frau Seewald. Ihr Herz muss viel zu viel arbeiten, und deshalb sollte sie sogar ganz dringend operiert werden, damit sie endlich ein normales Leben führen kann – eines, bei dem sie nicht ständig nach Luft ringen muss. Heutzutage ist eine solche Operation keine große Sache mehr, wirklich nicht.“

„Aber sie ist doch erst fünf, und ihr Körper ist schwach! Sie hat nicht genügend Abwehrkräfte, da muss ja nur eine Winzigkeit schiefgehen …“

„Das passiert nur äußerst selten. Ich kann gut nachvollziehen, warum Sie solche Gedanken haben, aber sie helfen Ihnen nicht. Im Gegenteil, sie schaden Ihnen und damit auch Ihrer Tochter, die natürlich Ihre Ängste spürt. Für wann ist die Operation geplant?“

„Für Dienstagmorgen. Ich habe mich ja nur gefragt, ob es nicht doch besser wäre, wenn Herr Waldner selbst …“

„Die Methode, nach der Lili operiert wird, kennt Herr Hellmann am besten, deshalb wurde er für die OP ausgewählt“, unterbrach Stefan die junge Frau. „Sie wissen ja, dass ich mit Ulrich Waldner befreundet bin. Er wird assistieren und seinem jüngeren Kollegen dabei genau über die Schulter sehen. Wir haben erst gestern noch einmal darüber gesprochen, wie froh er ist, sich in Ruhe diese neue Technik aneignen zu können.“

Vereinfacht gesagt würde dabei mithilfe eines Katheters ein kleiner Schirm bis zu Lilis Herzen geführt werden. Dieses Schirmchen würde geschlossen durch das Loch geschoben und dann aufgespannt werden und das Loch auf diese Weise verschließen. Es war ein minimalinvasiver Eingriff, die schonendste Möglichkeit für die Patienten, die es im Augenblick gab. Niemand in der Klinik zweifelte daran, dass es für Lili die beste Lösung war.

Laura Seewald versuchte zu lächeln, es misslang ihr jedoch kläglich.

„Ich benehme mich wie eine hysterische Mutter und nicht wie eine Ärztin, die eigentlich genau weiß, dass alles Menschenmögliche für ihre Tochter getan wird. Ich hätte nicht herkommen sollen, Herr Frank, entschuldigen Sie, dass ich Ihnen Ihre Zeit gestohlen habe. Eigentlich weiß ich alles, was Sie mir gesagt haben, aber ich komme gegen die Panikattacken einfach nicht an.“

„Sie müssen sich nicht entschuldigen. Ich kann mir sehr gut vorstellen, wie es in Ihnen aussieht. Und wenn Sie vor dem kommenden Dienstag noch einmal eine Panikattacke bekommen, melden Sie sich bitte. Sie müssen das nicht allein durchstehen.“

Wieder füllten sich die Augen der jungen Frau mit Tränen.

„Sie sind sehr freundlich zu mir“, sagte sie leise. „Ich habe mich in diesem Jahr in München oft allein gefühlt. Wenn man arbeitet und dazu noch eine kranke kleine Tochter hat, bleibt nicht viel Zeit, sich Freunde zu suchen. Außerdem hatte ich immer noch an meiner Scheidung zu knacken, das war auch nicht hilfreich bei dem Versuch, Kontakte zu knüpfen. Ich habe also sonst niemanden, bei dem ich mich ausweinen könnte. Eine meiner Kolleginnen vielleicht, aber die hat selbst genug Sorgen.“

„Nach Lilis Operation wird das anders aussehen“, erwiderte Stefan Frank ruhig. „Sie wird ein gesundes kleines Mädchen sein, bald in die Schule gehen und Sie damit schockieren, dass sie anfängt, bayerisch zu sprechen.“

Dieses Mal brachte Laura Seewald ein Lächeln zustande.

„Damit hat sie schon angefangen. Wenn es ihr einigermaßen gut geht, besucht sie ja einen Kindergarten.“ Sie stand auf. „Ich habe Sie lange genug aufgehalten, vielen Dank für Ihre Geduld, Herr Frank. Und vor allem danke für Ihren Zuspruch. Ich … ich wusste einfach nicht, zu wem ich sonst hätte gehen sollen.“

„Auch dafür sind Hausärzte da, Frau Seewald.“ Stefan Frank begleitete seine Patientin bis zur Tür seines Sprechzimmers und sah ihr nach, wie sie mit gesenktem Kopf die Praxis verließ.

Als er sich einige Notizen zu diesem Besuch machte, erschien Martha Giesecke wieder.

„Sie macht sich Sorgen, ob sie die richtige Entscheidung getroffen hat, oder?“, fragte sie.

Er nickte nur. Martha Giesecke hatte ein scharfes Auge für die Nöte der Patientinnen und Patienten, außerdem konnte sie gut zuhören. Sie bekam einiges erzählt, wenn sie ihnen Blut abnahm oder den Blutdruck maß, und sie speicherte jede Information, um sie irgendwann, wenn sie nützlich sein konnte, abzurufen. In der Vergangenheit hatte sie Stefan Frank schon manchen wertvollen Hinweis geben können.

„Brauchen Sie noch Zeit, oder kann es weitergehen, Chef?“

„Es kann weitergehen, Schwester Martha. Wer ist denn der Nächste?“

„Die kleine Emma vom Ende der Straße“, sagte Martha Giesecke. „Ich fürchte, da hat es ein Unglück gegeben, bei ihr und ihrem Freund.“

„Reden Sie von Emma Gehrmann?“ Er sah sie erstaunt an. „Die ist doch höchstens vierzehn, fünfzehn.“

„Sechzehn“, korrigierte Martha Giesecke, „gerade geworden.“

„Und Sie denken, sie ist schwanger?“

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