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Dr. Stefan Frank - Folge 2217

Inhalt

  1. Cover
  2. Impressum
  3. Fahr mit mir in die Stadt der Liebe
  4. Vorschau

Fahr mit mir in die Stadt der Liebe

Doch rettet die Reise wirklich Lisas Ehe?

Die hübsche Restauratorin Lisa Sommerburg versteht die Welt nicht mehr. Was ist nur los mit ihrem Mann? Früher haben sie und Adrian sich immer alles erzählt, sie haben gelacht und viel miteinander unternommen, sind gemeinsam um die halbe Welt gereist. Doch seit einigen Monaten distanziert sich Adrian mehr und mehr von ihr. Er arbeitet lang, spricht wenig und geht ihr aus dem Weg, wo er nur kann.

Lisa hat keine Ahnung, warum Adrian das tut, aber eins weiß sie nach wie vor ganz sicher: Sie liebt ihren Mann! Wie sehr wünscht sie sich, dass alles wieder wie früher wird, dass sie einander wieder nah sind, dass sie wieder gemeinsam reisen – am liebsten nach Paris, in die Stadt der Liebe …

Lisa Sommerburg schaute ungeduldig auf ihre Uhr. Wo Adrian nur blieb?

Nun ja, er hatte sie gewarnt, dass es ein wenig später werden könne, aber inzwischen war er schon eine gute halbe Stunde über die verabredete Zeit. Das war mehr als bloß „ein wenig später“, oder? Früher hätte er sie niemals so lange warten lassen!

Die hübsche junge Frau mit den langen, hellbraunen Haaren senkte den Blick und spielte mit dem Besteck. Sie fühlte sich unbehaglich, dabei hatte sie sich doch so auf diesen Abend gefreut.

Lisa wusste, dass es nicht so war, dennoch hatte sie das Gefühl, von allen angestarrt zu werden. Um sie herum schienen sich die Gäste bestens zu amüsieren, unterhielten sich gut gelaunt, lachten. Es war brechend voll bei „Luigi“, einem der besten italienischen Restaurants in München. Nur sie saß ganz allein an ihrem Tisch.

Verdammt, Adrian, jetzt komm endlich, dachte sie verärgert.

Luigi, der Wirt, trat an ihren Tisch.

„Lisa, bella mia, ich habe eine ganz, ganz große Bitte an dich“, begann er. „Du siehst ja, wie voll es hier ist. Und hier bei dir sind die einzigen noch freien Plätze. Darf ich jemanden zu dir an den Tisch setzen?“

Lisa wollte ablehnen. Sie hatte keine Lust, irgendwelchen fremden Leuten ein freundliches Gesicht zu zeigen.

„Der Dottore sagt, dass er dich kennt, und du sollst bitte, bitte Mitleid mit ihm haben“, fuhr der Wirt schon fort, bevor sie antworten konnte. „Er sagt, wenn er wieder gehen müsse, würde er verhungern.“

Lisa blickte in die Richtung, in die Luigi zeigte, und sah ein Paar am Eingang stehen. Der Mann winkte ihr zu.

„Ja, natürlich“, stimmte sie zu und musste unwillkürlich lachen, als Luigi ihr eine Kusshand zuwarf.

Einen Moment später trat Dr. Frank mit seiner Begleiterin an ihren Tisch.

„Wunderbar, Frau Sommerburg, dass wir uns zu Ihnen setzen dürfen“, meinte er lächelnd. „Ich habe einen Bärenhunger, und wenn ich hier nichts zu essen bekommen würde … wer weiß, wen oder was ich dann in meiner Verzweiflung anknabbern müsste. – Ihr kennt euch?“, fragte er und sah zwischen Alexandra Schubert und Lisa hin und her.

Lisa nickte.

„Ja. Hallo, Frau Dr. Schubert“, sagte sie und fügte an Dr. Frank gewandt hinzu: „Dr. Schubert hat mir vor einiger Zeit Erste Hilfe leisten müssen, als mir ein Holzsplitter ins Auge geflogen war. Ich hatte nicht aufgepasst, als ich im Garten ein paar Äste abschnitt.“

„Ach du je, das ist aber unangenehm“, erwiderte der Grünwalder Arzt, während er Alexandra den Stuhl zurechtrückte. „Es kann sogar richtig gefährlich werden, wenn solch ein Fremdkörper ins Auge eindringt. Aber es scheint ja, als sei alles gut gegangen, nicht wahr?“

„Ja“, bestätigte Alexandra. „Ich habe den Splitter unter dem Spaltmikroskop von der Hornhaut entfernt. Glücklicherweise hat er keinen ernsthaften Schaden angerichtet.“

„Außer dass ich zwei Tage lang einen Augenverband tragen musste.“ Lisa lächelte. „Ehrlich gesagt, eine Augenklappe hätte ich irgendwie schicker gefunden. Piratenmäßiger. Aber so oder so, ich war froh, als ich das Ding wieder los war.“

„Ihr Mann hat doch sicher einen Schrecken bekommen, als er sie mit dem Verband gesehen hat, oder?“, erkundigte sich der Grünwalder Arzt, der inzwischen auch Platz genommen hatte.

Lisas Gesicht verdüsterte sich für einen Moment.

„Nein, hat er nicht“, erwiderte sie. „Ich meine, er hat mich gar nicht mit dem Verband gesehen. Er war nicht da. Er ist jetzt oft nicht da. Adrian ist seit einiger Zeit beruflich sehr eingespannt und häufig auf Geschäftsreise.“

Sie zuckte mit den Schultern.

„Das war ja auch der Grund, weshalb ich nicht aufgepasst habe“, erzählte sie. „Weil ich so wütend war, dass er schon wieder fort musste. Und weil wieder einmal andere Pläne deswegen geplatzt sind. Ich habe meinen ganzen Zorn an dem armen Baum ausgelassen und ihm ziemlich rabiat viele schöne Äste abgeschnitten.“

Dr. Frank lachte.

„Oje, was ein Psychologe daraus machen könnte!“, erwiderte er.

„Stefan!“, sagte Alexandra mahnend.

„Ach, Sie wissen doch, wie ich das meine, nicht wahr?“, fügte Stefan schnell hinzu und legte eine Hand auf Lisas Arm. „Keine Bange, Alexandra. Frau Sommerburg und ich kennen uns schon ziemlich lange, und sie und ihr Mann sind eins der glücklichsten Paare, die mir je begegnet sind.“

Ach, dachte Lisa, wenn‘s doch nur so wäre. Irgendwie scheint uns das Glück in letzter Zeit abhandengekommen zu sein.

„Sind Sie deshalb heute Abend allein hier?“, fuhr der Grünwalder Arzt fort. „Weil Ihr Mann wieder beruflich unterwegs ist und Sie sich mit Luigis köstlichem Essen darüber hinwegtrösten wollen?“

Lisa schüttelte den Kopf, doch bevor sie antworten konnte, trat der Wirt an ihren Tisch, drei Speisekarten in der Hand, und sah die junge Frau fragend an.

„Willst du nicht doch schon bestellen, bellissima?“, fragte er, während er den beiden Ärzten die Karten reichte. „Oder möchtest du immer noch warten, bis dein Mann kommt?“

Wie aufs Stichwort begann Lisas Magen zu knurren.

„Sie sind nicht der Einzige, der einen Bärenhunger hat“, sagte Lisa zu Dr. Frank und nahm die Speisekarte. „Ja, ich bestelle jetzt auch, Luigi. Adrian ist selbst schuld, wenn er gleich allein essen muss.“

Der Wirt ließ sie wieder allein.

„Mein Mann und ich waren eigentlich schon vor einer Dreiviertelstunde hier verabredet“, erklärte Lisa nach einem weiteren Blick auf die Uhr.“ Sie seufzte. „Wie ich eben schon sagte: Wir nehmen uns etwas vor, und dann klappt es nicht. Heute Morgen noch hat er mir hoch und heilig versprochen, dass wir uns einen schönen Abend machen werden. Heute Mittag rief er dann an und meinte, dass es vielleicht ein wenig später werden könnte. Und jetzt … Entschuldigung.“

Sie zog ihr Handy hervor, das sie auf Vibrationsalarm gestellt hatte, und las die Nachricht, die für sie eingegangen war.

„Tja, und jetzt kommt er gar nicht mehr“, schloss sie und steckte das Handy wieder weg.

Lisa wirkte so traurig, dass Alexandra spontan ihre Hand nahm.

„Ach, er meint es ja nicht böse, oder?“, sagte die Ärztin. „So ist das eben, wenn einen der Beruf ganz in Anspruch nimmt, nicht wahr, Stefan?“ Sie lächelte Dr. Frank an. „Uns geht es oft ganz genauso. Da machen wir die allerschönsten Pläne, und dann hat ein Patient Probleme, und wir müssen uns drum kümmern.“

„Ja, aber bei Ihnen sind es Menschen, die Hilfe brauchen“, wandte Lisa ein. „Das ist etwas ganz anderes. Bei Adrian sind es bloß dumme Maschinen, die nicht mehr richtig funktionieren.“ Sie stieß einen tiefen Seufzer aus. „Ich hätte nie gedacht, dass ich einmal auf Maschinen eifersüchtig sein könnte, weil die von meinem Mann mehr Zuwendung bekommen als ich.“

„Ich bin ganz sicher, dass Ihr Mann Sie wesentlich attraktiver findet als seine Maschinen“, erwiderte Dr. Frank und lächelte. „War er denn schon immer so eingespannt in seinem Job?“

„Nein.“ Lisa schüttelte den Kopf. „Er hat vor einem Jahr die Stelle gewechselt, ist zu einem großen Unternehmen gegangen und dabei die Karriereleiter ein Stück nach oben geklettert. In seiner alten Firma ging es ein bisschen gemächlicher zu, da war der Druck nicht so groß. Adrian musste zwar auch früher verreisen, aber jetzt ist er fast nur noch weg. Und wenn er mal da ist, dann gibt‘s irgendwelche Projektbesprechungen, die sich weit in den Abend ziehen.“

Sie wandte sich Alexandra zu.

„Mein Mann ist Maschinenbauingenieur“, erklärte sie. „Und er muss immer dann ran, wenn irgendwo etwas nicht mehr richtig funktioniert oder neue Maschinen, beziehungsweise Fertigungswege, eingesetzt werden.“

„Habt ihr euch schon etwas ausgesucht?“, wollte Luigi wissen, der wieder zu ihnen zurückgekehrt war.

„Oje, jetzt habe ich so viel gejammert, dass ich gar nicht in die Karte geschaut habe“, meinte Lisa. „Aber ich weiß eh, was ich nehme: Saltimbocca alla Romana.“ Sie reichte Luigi die Karte, dann sah sie Dr. Frank und dessen Begleiterin an. „Ich verspreche, dass ich ab jetzt den Abend genießen werde. In so netter Gesellschaft dürfte mir das nicht schwerfallen, oder?“

„Auf unser aller Wohl“, meinte der Grünwalder Arzt und prostete den beiden Frauen zu. „Heute wäre mir eigentlich nach Champagner zumute, doch weil ich gleich noch fahren muss, werde ich mich mit Wasser zufriedengeben.“

Er strahlte plötzlich übers ganze Gesicht.

„Ich habe nämlich heute ein Kind bekommen – na ja, nicht ich“, fügte er hinzu, als er Lisas verdutzten Gesichtsausdruck sah. „Eine Patientin von mir. Ich war schon bei so vielen Geburten dabei, aber diesmal war es auch für mich etwas ganz Besonderes, ein richtiges kleines Wunder. Weil meine Patientin nämlich schon so viel Schlimmes durchmachen musste: Zwei Babys hatte sie durch Fehlgeburten verloren, ein Kind starb einen Tag nach der Geburt. Natürlich hatte sie schreckliche Angst, dass wieder etwas schiefgehen könnte. Doch heute hat sie ganz ohne irgendwelche Komplikationen ein Prachtmädel zur Welt gebracht. Alles ist bestens gelaufen, Mutter und Tochter sind gesund und munter. Wenn das kein Grund zum Feiern ist!“

„Wie schön“, sagte Lisa leise. Sie liebte Babys, war völlig hingerissen von diesen kleinen Wesen, auch wenn sie, wie eine Freundin von ihr immer behauptete, hauptsächlich aus Lungen bestanden.

Wenn es nach ihr gegangen wäre, hätte sie schon längst Kinder bekommen, doch Adrian hatte noch warten wollen.

„Wir sind doch noch so jung“, sagte er jedes Mal, wenn sie das Thema zur Sprache brachte. „Lass uns unser Leben genießen, schöne Reisen unternehmen … wenn erst mal Nachwuchs da ist, sind wir gebunden. Da verschieben sich die Prioritäten.“

Nun ja, irgendwie haben sich auch jetzt schon die Prioritäten verschoben, dachte Lisa mit leichter Ironie. Nur ganz anders, als ich mir das vorgestellt hatte.

***

Es war schon halb zwölf, als Lisa nach Hause kam.

Tatsächlich war es noch ein schöner Abend geworden. Dr. Frank war in Bestlaune gewesen, und Lisa hatte sich herrlich amüsiert, nachdem sie alle Gedanken an Adrian beiseitegeschoben hatte. Sie alle hatten gar nicht so lange bleiben wollen, doch schließlich hatte sich Luigi noch zu ihnen gesetzt und eine Runde ausgegeben.

So viel habe ich schon lange nicht mehr gelacht, dachte Lisa, als sie leise die Tür aufschloss. Ob es mit Adrian auch so lustig geworden wäre?, fragte sie sich unwillkürlich, wagte es aber nicht, sich selbst eine Antwort zu geben.

Im Haus war es ruhig.

Entweder ist Adrian noch gar nicht nach Hause gekommen, überlegte sie, oder er liegt schon im Bett und schläft. Na wunderbar!

Lisa ging in die Küche, goss sich etwas zu trinken ein und nahm ihr Glas. Sie war noch viel zu aufgedreht, um müde zu sein. Vielleicht würde sie noch ein bisschen fernsehen, irgendeine Doku oder eine Komödie, um abschalten zu können.

Unter der Wohnzimmertür schimmerte Licht hindurch. Also war Adrian doch noch wach! Hatte er auf sie gewartet? Wollte er sich entschuldigen? Würde er ihr sagen: „Oh Liebes, ich habe dich so vermisst?

Sie öffnete die Tür.

Der Fernseher lief, aber der Ton war abgestellt. Adrian lag auf der Couch und schlief. Er schnarchte leise.

Lisa nahm die Fernbedienung und schaltete das TV-Gerät aus. Dann stand sie da und blickte auf ihren Mann hinab.

Wie erschöpft er wirkt, stellte sie fest, und für einen Moment war ihr Herz von Mitleid erfüllt. Es tut ihm nicht gut, dass er so viel arbeitet.

Doch gleich darauf empfand sie wieder Ärger. Es tut mir nicht gut, dass er so viel arbeitet, dachte sie. Uns tut es nicht gut. Aber gibt es überhaupt noch ein „uns“? Ich bin doch eh die ganze Zeit allein.

Was wäre gewesen, wenn Dr. Frank und Dr. Schubert heute Abend nicht zu Luigi gekommen wären? Vielleicht hätte sie vor lauter Frust gar nichts mehr bestellt und wäre nach Hause gefahren, oder sie hätte doch etwas gegessen, es jedoch vor lauter Ärger gar nicht genießen können.

Ihr Blick wanderte zu dem Blumenstrauß, der – noch in seiner Verpackung – auf dem Tisch lag. Die Blüten ließen bereits die Köpfe hängen.

Tankstelle, dachte sie, aber immerhin. Hat er also doch ein schlechtes Gewissen. Zu Recht!

Lisa hatte bereits nach dem Strauß gegriffen und wollte die durchsichtige Folie entfernen, um die Blumen in eine Vase zu stellen, doch dann wallte von Neuem Zorn in ihr auf. Sie marschierte in die Küche und stopfte die armen Blumen in den Mülleimer, der bereits ziemlich voll war, sodass der Deckel nicht mehr richtig schloss und die Stiele herausragten.

Anschließend ging sie in ihr Schlafzimmer. Dort überlegte sie einen Moment, ob sie eine Decke nehmen und über Adrian breiten sollten.

Ach, verdammt, soll er doch frieren, dachte sie dann. Ich friere auch. Innerlich. Weil ich Angst um unsere Ehe habe.

***

Gegen Morgen wachte Adrian auf. Ihm war kalt, und der Rücken tat ihm weh. Als er sich umdrehen wollte, wäre er fast vom Sofa gefallen.

Vom Sofa?

Adrian richtete sich auf, fuhr sich mit der Hand durch die Haare und verstrubbelte sie noch mehr. Offensichtlich war er auf der Couch eingeschlafen.

Das Licht brannte immer noch. Er blickte auf seine Uhr. Halb fünf.

Ob Lisa noch nicht zu Hause war? Sie hätte doch bestimmt das Licht ausgeschaltet. Ihn geweckt, statt ihn auf der Couch weiterschlafen zu lassen. Oder ihm zumindest eine Decke und ein Kissen gebracht, falls sie ihn nicht wach bekommen hätte. Niemals hätte sie ihn so liegen lassen.

Dabei war es gar nicht ihre Art, die halbe Nacht wegzubleiben! Ihr würde doch nichts passiert sein?

Ach was, sagte er sich. Bestimmt hat sie jemanden getroffen, den sie kennt.

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