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Dr. Stefan Frank - Folge 2211

Du wärmst mein Herz

Mit der Kälte kam die Liebe

Was für eine wundervolle Frau, denkt Simon Bethmann gleich beim ersten Mal, als ihm die hübsche Kostümbildnerin Sandra Albertz auf Korsika begegnet. Doch leider findet das auch sein Freund Tobias Kirchhoff, und der hat wesentlich mehr Erfahrung darin, Frauenherzen zu erobern – nur dass ihn das Herz in der Regel gar nicht interessiert. Es kommt, wie es kommen muss: Tobias erobert Sandra und lässt sie wenige Wochen später wieder fallen, um sich der nächsten Frau zu widmen.

Als sich die beiden Cliquen im November beim Skilaufen in den Alpen erneut begegnen, ist Sandra zu sehr mit ihrem Groll auf Tobias beschäftigt. Wieder bemerkt sie nicht den stillen und aufmerksamen Simon, der bereit wäre, alles für sie zu tun. Doch dann kommt es zu einem tragischen Unfall, der von einer Sekunde auf die andere alles verändert …

„Hallo, Sandra! Hier ist Simon. Simon Bethmann.“

Sandra Albertz musste einen Augenblick überlegen.

„Simon!“, rief sie dann. „Das ist ja nett, dass du dich meldest. Bist du in München?“

„Ja, übers Wochenende, bei einem Freund. Deshalb rufe ich auch an. Hast du Zeit, mit mir einen Kaffee trinken zu gehen?“

Sandra musste nicht lange nachdenken. Simon gehörte zur selben Freundesclique aus Augsburg wie Tobias Kirchhoff, jener junge Mann, in den sie sich in ihrem letzten Urlaub Hals über Kopf verliebt hatte.

Sie hatte Tobias und seine Freunde auf Korsika kennengelernt und viel Zeit mit ihnen verbracht. Am Ende freilich hatte sie sich meistens allein mit Tobias getroffen. Er war seitdem schon zwei Mal bei ihr in München gewesen. Eigentlich hatte sie ihn auch an diesem Wochenende erwartet, aber seit seinem letzten Besuch überraschend nichts mehr von ihm gehört.

Die Clique wusste nichts von ihrer Beziehung mit Tobias, er hatte gemeint, es sei schöner, wenn sie ihr Geheimnis noch eine Weile für sich behielten. Wenn sie Simon also aushorchen wollte, warum Tobias plötzlich auf Tauchstation gegangen war, würde sie es unauffällig tun müssen, aber das traute sie sich zu.

„Gern“, erwiderte sie, ohne zu zögern. „Wann hattest du denn gedacht?“

„Keine Ahnung, ich habe vorsichtshalber gar nichts gedacht, weil ich ja nicht wusste, was du vorhast. Heute Abend will mein Freund mich ins Münchener Nachtleben einführen, aber bis dahin habe ich Zeit. Morgen muss ich leider schon relativ früh wieder zurück.“

Sandra warf einen Blick auf ihre Armbanduhr.

„Jetzt ist es halb zwölf. Wollen wir uns um eins treffen und eine Kleinigkeit zusammen essen?“

„Das wäre super!“ Er klang, als freute er sich aufrichtig.

Sie schlug den Englischen Garten als Treffpunkt vor, als er ihr sagte, er sei ohnehin in Schwabing.

„Am Chinesischen Turm“, sagte sie, „den findest du leicht. Bis nachher dann.“

Sie hatte Simon als sympathisch und klug in Erinnerung, gut aussehend, mit Dreitagebart und dunklen Augen, aber unauffällig. Einer mit leisem Humor, der sich lieber im Hintergrund hielt. Sie hatte ihn gleich gemocht, dann aber ein wenig aus den Augen verloren, als Tobias seine Charmeoffensive gestartet hatte.

In der Clique war Simon einer der Ruhigsten gewesen, aber sein Wort hatte Gewicht gehabt. Ihr fiel eine Szene wieder ein, eines Abends in einem Lokal, sie waren alle schon reichlich angeheitert gewesen. Der Wirt hatte sie darauf hingewiesen, dass er sein Lokal in Kürze schließen wolle. Tobias hatte sich wahnsinnig darüber aufgeregt und angefangen, Stunk zu machen. Simon hatte ihn mit wenigen Worten dazu gebracht, damit aufzuhören, und kurz darauf waren sie alle zusammen ganz friedlich aufgebrochen. Es war eigentlich keine besonders bemerkenswerte Situation gewesen, aber vielleicht typisch für Simon.

Ansonsten hatte sie ihm nach dem Kennenlernen nicht mehr allzu viel Aufmerksamkeit geschenkt. Dazu war sie zu sehr damit beschäftigt gewesen, den blonden, großen und schlanken Tobias mit den tiefblauen Augen zu bewundern. Was für ein toller Mann – obwohl er eigentlich nicht unbedingt ihr Typ war. Aber er sah nicht nur gut aus, er war auch unglaublich cool. Allein seine lässigen Klamotten und wie er sich bewegte …

Natürlich hatte er die Blicke sämtlicher Frauen am Strand auf sich gezogen. Selbst hier in München hatten sie sich bewundernd nach ihm umgedreht.

Sie seufzte. Neben ihm kam sie sich manchmal richtig unscheinbar vor, dabei konnte auch sie sich durchaus sehen lassen. Aber Tobias hatte so etwas Strahlendes an sich. Sie fand, er hätte gut und gern Hollywoodschauspieler sein können. Das passende Auftreten sowie das Aussehen brachte er allemal mit.

Als er eines Abends plötzlich in ihrem Hotel aufgekreuzt war, war sie außer sich gewesen vor Glück. Der super-attraktive Tobias hatte sich ausgerechnet in sie verliebt! Wie auf Wolken schwebend war sie aus dem Urlaub zurückgekehrt.

Sie erledigte rasch noch ein paar Einkäufe und räumte ein wenig auf. Dann zog sie sich kurz entschlossen um, schminkte sich dezent und bürstete ihre dunklen Haare, bis sie glänzten. Wenn Simon in Augsburg erzählte, dass er sich mit ihr getroffen hatte, wollte sie nicht, dass er etwa sagte: „Also, ich fand, im Urlaub hat sie besser ausgesehen …“ Denn er würde doch bestimmt mit Tobias über sie reden?

Etwas nagte an ihr, wenn sie an Tobias dachte. Eine ganze Woche war sie schon ohne Nachricht von ihm! Dabei hatte sie ihm mehrere SMS geschickt, schließlich musste sie fürs Wochenende planen. Aber er hatte einfach nicht reagiert, auch nicht auf ihre Nachrichten auf seiner Mailbox. Als Simon angerufen hatte, war sie fest davon überzeugt gewesen, es müsste Tobias sein, der sich endlich meldete.

Sie bemerkte die kleine scharfe Falte, die sich bei diesen Gedanken über ihrer Stirn gebildet hatte, und lächelte ihrem Spiegelbild rasch zu. Viel besser!

Hastig zog sie die Lippen nach, mit dem warmen Rotton, der ihr am besten stand, und wenig später verließ sie das Haus. Ein bisschen freute sie sich sogar darauf, Simon wiederzusehen.

Als sich ihr Handy meldete, machte ihr Herz wieder einmal einen aufgeregten Satz, aber wieder wurde sie enttäuscht.

„Hallo, Laura“, sagte sie zu ihrer besten Freundin. „Wo steckst du?“

„Noch zu Hause, ich putze“, stöhnte Laura Böttcher. „Das hätte ich schon letztes Wochenende dringend machen müssen, ich konnte es unmöglich noch länger aufschieben. Ich hasse Putzen.“

„Ich auch“, bemerkte Sandra. „Rate, mit wem ich mich gleich treffe!“

„Sag bloß, der schöne Tobias hat sich endlich gemeldet!“, rief Laura. Sie hatte Tobias noch nicht kennengelernt, aber natürlich kannte sie jede Einzelheit von Sandras Liebesgeschichte.

„Nein, aber Simon, einer seiner Freunde. Der rief eben an, um zu fragen, ob wir uns sehen können.“

„Meinst du, er bringt dir einen Liebesbrief von Tobias mit?“, erkundigte sich Laura.

„Quatsch!“ Sandra tat so, als sei das ein abwegiger Gedanke, dabei war er ihr auch schon gekommen. Wenn man eine Woche lang nichts von sich hatte hören lassen, dann wäre ein leidenschaftlicher Liebesbrief eine ganz gute Methode gewesen, um Abbitte zu leisten.

Aber vermutlich war Tobias kein guter Briefeschreiber. Er ließ lieber seine schönen Augen und seine zärtlichen Hände sprechen. Darin freilich war er ein Meister.

„Dann frag diesen Simon mal, wieso Tobias sich nicht bei dir gemeldet hat, obwohl ihr praktisch fürs Wochenende verabredet wart.“

„Na ja, so direkt kann ich ihn das nicht fragen. Es weiß ja noch immer niemand außer dir, dass wir zusammen sind.“

„Blöde Geheimnistuerei“, maulte Laura. „Kommst du später noch mal vorbei? Ich glaube, wenn ich hier fertig bin, brauche ich etwas Aufheiterung. Und wenn ich weiß, dass du kommst, kann ich mich jetzt schon darauf freuen.“

„Ich komme“, versprach Sandra. „Bis dann, meine Süße. Putz nicht zu viel, das ist garantiert ungesund.“

Laura gab ein letztes Stöhnen von sich, aber sie lachte dabei.

Die beiden jungen Frauen hatten sich an der Oper kennengelernt. Sandra arbeitete dort als Kostümbildnerin, Laura war in den Werkstätten beschäftigt, wo die Bühnenbilder gebaut wurden. Sie hatte eine Ausbildung als Schreinerin, zugleich aber auch eine künstlerische Ader, die sie an der Oper ausleben konnte.

Endlich hatte Sandra den Englischen Garten erreicht, eilig lief sie weiter. Vor ein paar Tagen war es kalt geworden, in den Bergen lag bereits Schnee.

Sie freute sich aufs Skilaufen mit Tobias. Bestimmt lief er glänzend, aber das tat sie auch. Auf diesem Gebiet machte ihr so schnell keiner etwas vor.

Simon wartete bereits auf sie. Als er sie sah, verzog sich sein Gesicht zu einem breiten Lächeln, und sie stellte erstaunt fest, dass er viel weniger unauffällig aussah, als sie ihn in Erinnerung gehabt hatte.

Er umarmte sie zur Begrüßung und küsste sie auf beide Wangen.

„Es ist richtig schön, dich wiederzusehen, Sandra.“

„Das finde ich auch. Wollen wir erst noch ein bisschen herumlaufen oder gleich essen?“

„Ich habe es nicht eilig, ich laufe gern noch ein bisschen.“

Es war nicht schwer, sich mit Simon zu unterhalten. Er berichtete sehr amüsant über die winzige, aber trotzdem teure Wohnung seines Münchener Freundes, dessen enges Sofa ihm als Bett diente.

„Als er mir gesagt hat, was er für diese zwei kleinen Zimmer bezahlt, bin ich beinahe umgefallen. Aber er behauptet, er hätte es sogar noch einigermaßen gut getroffen, weil die Wohnung mitten in Schwabing liegt, wo viele Leute gerne wohnen wollen.“

Er erkundigte sich eingehend nach Sandras Arbeit bei der Oper und erzählte von seiner eigenen Tätigkeit als Trainer für den Fußballnachwuchs. Das tat er mit so viel Begeisterung, dass Sandra für eine Weile vergaß, an Tobias zu denken, geschweige denn, nach ihm zu fragen.

Doch er fiel ihr ein, als sie im Restaurant saßen. Sie bestellte Spaghetti, Simon wählte Pizza.

„Und, wie geht es den anderen aus der Clique?“, fragte Sandra beiläufig, als sich die Kellnerin entfernt hatte.

„Alles beim Alten“, meinte Simon und begann aufzuzählen: „Freddy hat sich bei drei weiteren Schauspielschulen beworben, er will einfach nicht aufgeben. Marie jammert über ihre schöne jüngere Schwester, die von den Eltern vorgezogen wird; Sara hat eine neue Diät begonnen; Silke hat ihren Freund wieder bei sich aufgenommen, nachdem sie ihn schon drei Mal rausgeschmissen hat; und Toby ist wie immer schwer beschäftigt.“

„Womit denn?“, fragte Sandra.

Er sah sie so erstaunt an, als könnte sie ihre Frage unmöglich ernst gemeint haben.

„Du hast ihn doch im Urlaub erlebt“, sagte er. „Er hat immer mindestens drei Freundinnen gleichzeitig, das gehört bei ihm dazu. Mich wundert nur, dass die Frauen das mitmachen, denn verborgen bleiben kann es ihnen eigentlich nicht. Er gibt sich ja nicht einmal große Mühe, sein ausladendes Liebesleben geheim zu halten.“

Für Sandra fühlte es sich so an, als fiele ihr ein schwerer Gegenstand auf den Kopf. Einige Augenblicke lang war sie wie betäubt und konnte nicht reagieren.

Das war auch nicht nötig, denn Simon begriff die Wahrheit schneller, als ihr lieb war.

„Oh nein!“, sagte er betroffen. „Ich wusste nicht, dass du …“

Sie stand auf, bevor er den Satz beenden konnte. Der Appetit war ihr vergangen.

„Das kannst du jetzt ja leicht sagen!“, fuhr sie ihn an. „Vielen Dank, dass keiner aus eurer Clique auf die Idee gekommen ist, mich zu warnen. Das wäre fair gewesen. Aber so … Ich hoffe, ihr hattet wenigstens euren Spaß.“

„Niemand hat etwas davon mitbekommen!“, beteuerte er. „Jetzt setz dich bitte wieder hin, Sandra.“

Sie sah ihm an, dass er es ernst meinte, und sie kam sich ein wenig lächerlich vor. Zögernd setzte sie sich wieder. Am liebsten hätte sie geweint, so elend fühlte sie sich.

„Er war zwei Mal bei mir in München“, sagte sie leise, „und eigentlich wollte er an diesem Wochenende auch kommen, aber er hat sich seit einer Woche nicht mehr gemeldet.“

„Tut mir leid“, erwiderte Simon. „Echt, es tut mir leid.“

Die Tränen brannten hinter ihren Augen. Da war ja schon die ganze Woche dieses ungute Gefühl gewesen, das sie nach Kräften zu verdrängen versucht hatte, und nun hatte sie die Bestätigung dafür, dass es berechtigt gewesen war.

Sie zweifelte nicht eine Sekunde an Simons Worten, dafür trafen sie ihre eigenen Befürchtungen zu genau. Hatte sie nicht im Grunde von Anfang an geahnt, dass die Sache mit Tobias und ihr zum Scheitern verurteilt war?

„Ich mag Toby, ehrlich“, sagte Simon, „aber in Bezug auf Frauen hat er eine Meise.“

„Und ich war blöd genug, auf ihn hereinzufallen“, bemerkte Sandra bitter, nachdem es ihr gelungen war, die Tränen hinunterzuschlucken.

„Er sieht aus wie ein Leinwandgott, und er schafft es, sich auch so zu verhalten“, bemerkte Simon. „Wäre ich eine Frau, mich würde das auch beeindrucken.“

Sie sah das Lächeln in seinen Augen, und sie bemerkte auch, dass er sich nicht etwa über sie lustig machte, sondern versuchte, sie zu trösten. Er war wirklich nett!

Ihr Essen wurde gebracht. Nachdem Sandra zuerst geglaubt hatte, keinen Bissen hinunterbringen zu können, entwickelte sie dann doch erstaunlichen Appetit. Aber so war das bei ihr schon immer gewesen. Andere konnten bei Kummer nichts mehr essen, sie langte dann erst richtig zu.

„Wie macht er das eigentlich?“, fragte sie, als sie die letzten Reste vom Teller kratzte. „Trennt er sich jetzt per SMS von mir? Oder ruft er noch einmal an? Wie wird der schöne Tobias seine Frauen wieder los?“

„Er macht, so viel ich weiß, gar nichts“, antwortete Simon nach kurzem Nachdenken. „Er geht davon aus, dass die Frauen von selbst merken, wenn er sich nicht mehr meldet, und dass sie daraus dann schon die richtigen Schlüsse ziehen.“

„Sehr bequem“, bemerkte Sandra, die schon wieder den Tränen nahe war.

Doch zugleich begann eine ungeheure Wut in ihr zu kochen. Was bildete der Kerl sich denn ein, dass er glaubte, so mit ihr umspringen zu können?

„Ich sag dir ja, er hat eine Meise, was Frauen angeht. Sonst ist er ganz in Ordnung, aber sobald es um Frauen geht, rastet in seinem Gehirn etwas aus. Er muss jede Frau erobern, die ihm attraktiv genug erscheint, und wenn ihm das gelungen ist, verliert er sehr schnell das Interesse.“

„Was ist mit den Frauen aus eurer Clique?“, erkundigte sich Sandra.

„Er hatte mit ...

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