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Dr. Stefan Frank - Folge 2209

Ärzte in Not

Als ein verzweifelter Patient die Ärzte der Waldner-Klinik bedrohte

Dieses ständige Piepen der Apparate macht ihn noch ganz verrückt! Dabei ist Detlef Berander sich ganz sicher, dass das alles ein groß angelegter Schwindel ist. Sicher täuschen die Ärzte an der Waldner-Klinik nur vor, dass seine geliebte Lucia sterben wird. Wahrscheinlich will sie sich nur klammheimlich aus dem Staub machen und irgendwo anders ein neues Leben beginnen. Aber nicht mit ihm! Wenn dieser Dr. Waldner ihm seine Frau wegnimmt, dann wird er es ihm mit gleicher Münze heimzahlen!

Nur wenige Tage später ist es so weit. Lucia sei tot, behauptet Ulrich Waldner, doch Detlef glaubt ihm nicht. Er besorgt sich ein langes, scharfes Messer und macht sich auf den Weg zu Ruth Waldners Büro. Auge um Auge, Zahn um Zahn, ist das Letzte, was er denkt, bevor er die Tür auftritt …

Lucia Berander war bewusst, dass sie viel zu schnell fuhr. Regen hatte eingesetzt. Die Wolken hingen tief, sie schienen sich fast in den Spitzen der Tannen zu verfangen.

Ich will nach Hause, dachte die hübsche blonde Frau, will mit Clemens reden, ihn anrufen, seine Stimme hören.

Bald hatte sie es geschafft, dann würde sie endlich bei ihm sein, für immer bei dem Mann, den sie liebte – der aber nicht der Mann war, mit dem sie verheiratet war.

Lucias Blick flog zu Detlef, ihrem Ehemann, der neben ihr auf dem Beifahrersitz saß, ihr leicht zugewandt, die Augen halb geschlossen. Er wirkte schläfrig, doch sie wusste, dass er alles andere als schläfrig war, dass er sie genau beobachtete. So, wie er sie immer beobachtete. Nicht eine Sekunde ließ er sie aus den Augen, wenn sie zusammen waren, denn stets wollte er wissen, was sie tat, was sie sagte, was sie dachte.

Wie ich ihn verabscheue, dachte sie und trat noch ein wenig mehr aufs Gas.

Sie hatte sich verfahren, war irgendwann vorhin falsch abgebogen, und nun leitete das Navi sie über dieses schmale, kurvige Strecke Richtung München.

Die Straße machte ihr Angst. Von beiden Seiten schien der düstere Wald sie zu bedrängen, schienen die Äste nach ihr greifen zu wollen, um sie festzuhalten und wie in einem Gefängnis einzuschließen. So, wie sie in ihrer Ehe gefangen war.

Lucias Lippen wurden zu einem schmalen Strich. Dass ein Mensch sich so verändern konnte! Wie charmant Detlef vor ihrer Ehe gewesen war, wie großzügig und liebevoll.

Er ist ein Traum von einem Mann, hatte sie ihren Freundinnen glücklich erzählt, doch längst war ein Albtraum daraus geworden. Detlef erstickte sie, ließ ihr keinen Raum zum Atmen, war krankhaft eifersüchtig, wollte ihr gesamtes Leben bestimmen und kontrollieren. Nur Gretas wegen war sie überhaupt bei ihm geblieben.

Für einen Moment spielte ein Lächeln um ihren Mund. Greta, ihre süße kleine Tochter, niedliche vier Jahre alt, ein Geschenk des Himmels. Sie war trotz der bedrückenden Atmosphäre im Elternhaus ein Kind mit sonnigem Gemüt, und ihr Lächeln erwärmte jedes Herz. Nur nicht das ihres Vaters.

Nein, Detlef liebte seine Tochter nicht, er behauptete sogar, sie wäre nicht sein Kind. Und doch hatte er ihr, Lucia, angedroht, ihr die Kleine zu nehmen, falls sie je auf die Idee kommen sollte, ihn zu verlassen. Er würde dafür sorgen, dass sie Greta nie wiedersähe, hatte er ihr versichert – und sie glaubte ihm. Sie wusste ja, wie überzeugend er lügen konnte. Niemand würde ihr auch nur ein Wort glauben, wenn sie erzählte, was für ein Mensch in Wirklichkeit hinter seiner charmanten Maske steckte.

Und so achtete Lucia sorgsam darauf, Greta von ihrem Vater fernzuhalten. Sooft es ging, brachte sie die Kleine zu ihrer Schwester, ihrer einzigen Vertrauten. Bei Tina hatte sie auch Clemens kennengelernt, hatte sich schließlich in ihn verliebt, und gemeinsam hatten sie einen Plan geschmiedet, wie sie Detlef entkommen konnte.

„Denkst du gerade an mich?“ Die spöttische Stimme ihres Mannes riss Lucia aus ihren Gedanken.

„Ich denke immer an dich“, erwiderte sie, den Blick fest auf die Straße gerichtet.

Detlefs Lachen klang hässlich.

„Das will ich dir auch geraten haben“, meinte er. „Wer ist er?“

Wer soll wer sein?“ Das Herz schlug Lucia plötzlich bis zum Hals.

„Der Kerl, für den du mich verlassen willst.“

„Warum sollte ich dich verlassen wollen?“, fragte sie und umklammerte das Lenkrad so fest, dass ihre Knöchel weiß hervortraten.

Wusste Detlef tatsächlich, dass es einen anderen gab? Oder war seine Bemerkung, wie schon so oft, einfach ein Schuss ins Blaue? Wollte er sie damit so verunsichern, dass sie sich verriet? Irgendwie?

„Ja, warum wohl …“ Detlef hatte sich aufgerichtet, sein Gesicht wirkte plötzlich hart und gefährlich. „Schließlich weißt du ja, was passiert, wenn du fortgehst – oder?“

In diesem Moment klingelte ihr Handy. Detlef wollte danach greifen, doch Lucia war schneller. Mit einer Hand hielt sie sich das Telefon ans Ohr, mit der anderen lenkte sie.

„Lucia? Du musst sofort nach Hause kommen!“ Die Stimme ihrer Schwester klang ganz atemlos. „Ich war wirklich nur einen Moment, einen einzigen Moment abgelenkt.“

Lucia wurde ganz blass. War irgendetwas mit Greta passiert?

Doch bevor sie etwas sagen konnte, redete ihre Schwester schon weiter.

„Ich war mit deiner Tochter im Park, und wir waren eben auf dem Weg nach Hause, als ein Wagen neben uns hielt – und plötzlich hat so ein Kerl versucht, Greta in sein Auto zu zerren. Ich hab sie festgehalten und geschrien, und Gott sei Dank war so ein bulliger Typ in der Nähe, der wollte sich den Kerl gleich schnappen und ihm eine reinhauen, aber da ist der Wagen auch schon davongerast. Wir konnten beide das Kennzeichen nicht erkennen, ich war ja eh viel zu fertig, und Greta hat geheult, und ich wollte auch nicht zur Polizei, weil ich irgendwie das Gefühl hatte, dass Detlef …“

Tina brach ab.

Doch Lucia wusste auch so, was ihre Schwester hatte sagen wollen: dass Detlef dahintersteckte.

„Ich bin eh schon auf dem Heimweg“, sagte sie nur. „Spätestens in einer Stunde müsste ich bei dir sein“, fügte sie hinzu und beendete dann das Gespräch.

„Ist was mit Greta?“, fragte Detlef mit falscher Freundlichkeit. „Eine überraschende Begegnung vielleicht?“

Er lächelte, doch Lucia hätte ihm dieses Lächeln am liebsten aus dem Gesicht gekratzt. In diesem Moment wusste sie mit absoluter Sicherheit, dass ihr Mann für diesen Entführungsversuch verantwortlich war.

Detlef lehnte sich zurück und schloss die Augen.

„Na, willst du mich jetzt immer noch verlassen?“, meinte er wie beiläufig.

Es war purer Hass, der Lucia alle Vorsicht vergessen ließ. Hass und Zorn über all das, was Detlef ihr angetan hatte.

Am schlimmsten war, dass er versucht hatte, ihrer Tochter etwas anzutun! Damit hatte er eine Grenze überschritten. Nichts, aber auch gar nichts mehr würde sie sich von ihm gefallen lassen! Was ihrem Kind alles hätte zustoßen können! Greta zuliebe würde sie sich endlich wehren.

Flüchtig dachte sie an den Streit zurück, der sie vorhin aus ihrem Wochenendhaus in den Bergen getrieben hatte – Detlef hatte sie gezwungen, ihn dorthin zu begleiten. Eigentlich hatten sie bis zum nächsten Tag bleiben und erst am Sonntagabend zurückkehren wollen. Doch dann hatte er ihr eine besonders hässliche Szene gemacht, ihr wieder einmal vorgeworfen, sich jedem Mann, den sie sah, an den Hals zu werfen.

Plötzlich hatte sie alles so sattgehabt, dass sie einfach aus dem Haus gerannt war. Sie hatte nur noch weg gewollt, zurück nach München, zu Clemens.

Aber Detlef war schnell. Im letzten Moment war er in den Wagen gesprungen, den sie bereits gestartet hatte.

„Und ob ich dich verlassen werde!“, stieß Lucia hervor.

Der Motor heulte auf, als sie erneut Gas gab. Der Wagen raste über die schmale Straße.

„Es ist aus, Detlef. Aus und vorbei. Such dir jemand anderen, den du quälen kannst. Ich spiele nicht mehr mit.“ Ihre Worte überschlugen sich fast. „Ja, ich fange ein neues Leben an. Mit einem anderen. Mit einem Mann, der mich wirklich liebt.“

Sie schaute nicht zu Detlef hin, und so sah sie nicht, wie sich sein Gesicht verzerrte. Sie sah auch nicht die Hand, die zu ihr herüberschoss.

„Oh nein, du wirst mich nicht verlassen, niemals, Liebes!“, zischte er. „Wenn ich dich nicht mehr haben kann, soll dich auch kein anderer haben!“

Mit diesen Worten griff er ihr ins Lenkrad und riss es herum.

Greta, dachte Lucia entsetzt, meine Kleine, meine Süße! Was soll jetzt aus dir werden? Du brauchst mich doch!

Es war der letzte klare Gedanke, den Lucia hatte.

***

Der Wagen schleuderte, streifte einen Baum und hinterließ tiefe Spuren in dem nassen Boden am Straßenrand. Einen Moment schien er innezuhalten, bevor er kippte und dann fiel – immer tiefer, den steilen Hang hinab, der sich an dieser Stelle neben der Straße befand, genau dort, wo der Wald endete. Hier wuchsen nur ein paar Büsche, die nicht stark genug waren, um das Auto aufzufangen.

Das Auto überschlug sich, einmal, zweimal, prallte gegen einen Felsbrocken, der aus dem Boden ragte, und kam dann endlich zum Stehen. Nach all dem Krachen und Kreischen von sich verbiegendem Metall herrschte auf einmal unheimliche Stille.

Detlef Berander hatte für eine Weile das Bewusstsein verloren. Als er wieder erwachte, versuchte er, sich zu bewegen, nach seiner Frau zu greifen.

Doch Detlef konnte sich nicht rühren. Die Brust tat ihm weh, als hätte jemand mit einer Riesenfaust dagegen gedrückt, sein Kopf schmerzte höllisch, und etwas Warmes sickerte seine Schläfe herab.

Er blutete.

Unwillkürlich wollte er nach der Wunde tasten, und erst da merkte er, dass er eingeklemmt war. Das Dach war eingedrückt, genau wie die Beifahrertür, und es wollte ihm nicht einmal gelingen, den Gurt zu lösen.

Hilflos hing er in seinem Sitz.

„Lucia“, flüsterte er. „So hilf mir doch!“

Doch Lucia antwortete nicht. Sie saß in ihrem Sitz, nach vorn über das Lenkrad gebeugt, als ob sie schliefe. Nicht mehr als die rechte Wange konnte er von ihr sehen – und dass ihr blondes Haar von Blut dunkel gefärbt war.

„Lucia! Jetzt sag doch was!“

Aber sie sagte nichts.

Ob sie tot war?

Doch dann hörte er, wie sie einen Atemzug tat, und er schöpfte neue Hoffnung. Sicher war sie nur bewusstlos, genau wie er vorhin, und gleich würde sie wieder aufwachen und ihm helfen. An ihrer Seite war der Wagen kaum eingedrückt, bestimmt konnte sie sich bewegen und ihn aus seiner misslichen Lage befreien.

Dass seine Brust aber auch so schmerzen musste! Und das Atmen fiel ihm irgendwie schwer.

Verdammt. Das war alles nur ihre Schuld! Hätte sie vorhin nicht so einen Unsinn geredet, wäre das alles nie passiert. Es war ihre verdammte Pflicht und Schuldigkeit, aufzuwachen und ihm zu helfen!

Doch Lucia wachte nicht auf.

***

Detlef hatte keine Ahnung, wie viel Zeit mittlerweile vergangen war. Inzwischen war es dunkel geworden, stockdunkel, und der Regen fiel unaufhörlich weiter, pochte in stetigem, entnervenden Rhythmus auf das Autodach.

Ihm war kalt. Das Blut an seiner Schläfe war geronnen. Die Brust schmerzte immer noch, dort, wo die Rippen saßen. Ein paar Mal hatte er den Versuch unternommen, sich aus dem Gurt, doch stets schnell wieder aufgegeben.

Sein Zorn war Verzweiflung gewichen. Er steckte fest. Er kam hier nicht heraus. Und Lucia wollte einfach nicht aufwachen. Beängstigend still und reglos saß sie da, reagierte auf nichts. Er hatte sie angeschrien, gebettelt, sie beschworen, endlich etwas zu tun, etwas zu sagen, ein Wort nur, ein einziges Wort.

„Ich liebe dich doch“, flüsterte er irgendwann, doch nicht einmal das schien sie zu erreichen.

Und dann kam die Angst. Dass Lucia doch noch sterben könnte. Dass er mit ansehen müsste, wie das Leben aus ihr schwand, wie sie ihm entglitt, ohne dass er sie aufhalten konnte. Dass sie ihn doch noch verließ. Für immer.

Sie durfte nicht sterben! Er brauchte sie!

Alle Sinne angespannt, lauschte Detlef Berander auf jeden Atemzug seiner Frau. Jedes Mal, wenn ihr Atem für einen Moment stockte, hielt er selbst die Luft an.

Es wurde die längste Nacht seines Lebens.

***

Unruhig lief Tina in ihrer kleinen Wohnung auf und ab. Wo Lucia nur blieb? Höchstens eine Stunde, hatte sie gesagt, dann wäre sie da – und nun waren bereits drei Stunden vergangen. Sie machte sich solche Sorgen!

„Ob ihr irgendetwas passiert ist?“, fragte sie Clemens und blieb stehen. „Ich meine, sie wollten doch erst morgen zurückkommen, aber sie war schon auf dem Heimweg. Detlef ändert nie seine Pläne. Nie. Wenn er sagt, sie bleiben bis Sonntag, dann tun sie das auch. Irgendwas muss da vorgefallen sein. Ich fand, sie hat sich auch so komisch angehört.“

Tina schwieg einen Moment.

„Oder vielleicht hatten sie einen Unfall“, fügte sie dann hinzu. „Vielleicht sollte ich die Polizei informieren …“

„Ach was.“ Clemens winkte ab. „Wenn irgendwas passiert wäre, dann hätte man dir längst Bescheid gegeben.“

„Aber wieso kommt sie dann nicht her? Wenn nichts passiert ist, müsste sie doch schon hier sein.“

„Wer weiß, was dieser Detlef sich wieder hat einfallen lassen.“ Clemens’ Stimme klang müde. „Ich versteh einfach nicht, warum sie ihn nicht längst verlassen hat. Es gibt doch Frauenhäuser, da hätte sie mit Greta Zuflucht gefunden.“

Tina seufzte.

„Wir haben schon so oft darüber geredet“, erwiderte sie. „Du kennst ihn eben nicht. Er ist schlau und berechnend, und irgendwie hat er immer instinktiv gespürt, wenn Lucia versucht hat, sich ihm zu entziehen. Einmal, als Greta noch ein Baby war, hat er sie sich einfach geschnappt und ist eine Woche lang mit ihr verschwunden. Lucia ist fast durchgedreht. Ein Warnschuss sei das gewesen, hat er gesagt, als er damals mit der Kleinen zurückgekommen ist.“

Sie schwieg einen Moment.

„Du weißt doch, was heute passiert ist“, fuhr sie dann fort. „Detlef hat keine Skrupel, und er weiß genau, dass er meine Schwester mit Greta erpressen kann. Sie würde es nicht ertragen, wenn sie ihre Tochter verlieren würde.“

„Bei einer Scheidung würde man Greta doch garantiert ihr zusprechen.“

„Hast du eine Ahnung!“ Tina lachte bitter auf. „Er hat ihr das mal in aller Ausführlichkeit erklärt. Dass es kein Problem für ihn wäre, jede Menge falsche Zeugen aufzutreiben, die beschwören würden, was für eine schlechte Mutter sie sei und wie oft ...

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