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Dr. Stefan Frank - Folge 2208

Endlich bist du da!

Warum Tatjana lange um ihr Baby bangen musste

Silvio Forlani ist entsetzt! Seine Tochter Tatjana ist schwanger? Noch dazu von einem Mann, mit dem sie nur eine einzige Nacht verbracht hat? Aber andererseits: Wenn es Liebe auf den ersten Blick war … Leider kann Tatjana den jungen Arzt, in den sie sich so unsterblich verliebt hat, nicht wiedersehen, denn der musste bereits am nächsten Morgen nach Angola reisen, wo er für ein Jahr den Ärmsten der Armen hilft. Natürlich wollte ihn Tatjana nicht davon abhalten, doch ist die Situation jetzt nicht eine andere? Muss dieser Niko nicht wissen, dass er Vater wird – und dass Tatjana Tag und Nacht an ihn denkt?

Blöderweise weigert sich Silvios störrische Tochter, ihren Liebsten anzurufen. Es ist besser so, meint sie. Doch dann droht sie, ihr Kind zu verlieren, und auf einmal sieht alles ganz anders aus – zumindest für Silvio. Kurz entschlossen setzt er sich in ein Flugzeug nach Angola, er will den Vater seines Enkelchens nach Hause holen. Noch während er fort ist, spitzt sich die Lage in München zu …

„Wer ist denn der Typ, der gerade hereingekommen ist?“, erkundigte sich Tatjana Forlani bei ihrer Freundin Britta Krone. „Den habe ich ja noch nie gesehen.“

„Der Typ“ war ein breitschultriger Blonder, mittelgroß, mit einem Kinn, das auf Eigensinn schließen ließ, und sehr blauen Augen. Sein Blick wanderte suchend durch den Raum, in dem sich mindestens dreißig Leute drängelten. Er hatte eine markante Nase, einen festen Mund – und ein auffallend strahlendes Lächeln, als er das Geburtstagskind endlich entdeckte.

„Ich stelle ihn dir gleich vor, wenn er es schaffen sollte, sich zu uns durchzukämpfen. Aber verlieb dich nicht in ihn, das ist für längere Zeit sein letzter Abend in Deutschland. Ich feiere Geburtstag, er seinen Abschied.“

Tatjana kam nicht mehr dazu, sich zu erkundigen, um welche Art von Abschied es sich handelte, denn der Blonde stand schon vor ihnen. Er umarmte Britta liebevoll, gratulierte ihr zum Geburtstag und überreichte ihr ein kleines Päckchen.

„Damit du mich nicht vergisst“, sagte er mit vergnügtem Grinsen.

Lief da was zwischen den beiden? Tatjana kam sich überflüssig vor, zugleich ärgerte sie sich, dass Britta ihr bis jetzt nichts von diesem Mann erzählt hatte. Aber bevor sie sich entschließen konnte, Britta und ihn allein zu lassen, sagte ihre Freundin auch schon:

„Tatjana, darf ich dir Niko Steinfeld vorstellen? Er ist Arzt und geht morgen für ein Jahr nach Afrika, genauer gesagt nach Angola. Niko, Tatjana ist meine beste Freundin.“

Die blauen Augen wandten sich von Britta ab und Tatjana zu. Einen wahnsinnigen Blick hatte der Mann!

„Wieso hast du mir diese Freundin bisher vorenthalten?“, erkundigte sich Niko bei Britta.

„Ich wollte auch gerade fragen, wieso ich noch nie von einem Freund namens Niko gehört habe“, sagte Tatjana.

Britta und Niko lachten, und Tatjana fing schon wieder an, sich zu ärgern, weil sie sich ausgeschlossen fühlte. Was war so komisch gewesen an ihrer Bemerkung?

„Wir kennen uns erst seit ein paar Tagen“, gestand Britta. „Wir sind uns zufällig bei Daniel begegnet, und Niko hat spontan beschlossen, dass meine Geburtstagsparty sein Abschiedsfest wird.“

„Britta!“, rief jemand. „Wir brauchen Getränkenachschub, der Kühlschrank ist leer.“

„Entschuldigt mich, die Getränke liegen in der Badewanne auf Eis, aber das hat sich offenbar noch nicht herumgesprochen.“ Britta verschwand.

Tatjana begegnete dem Blick aus den blauen Augen und stellte fest, dass ihr heiß wurde. Rasch sah sie wieder weg. Sie würde sich von Niko Steinfeld nicht aus dem Konzept bringen lassen.

„Tanzen wir?“, fragte er.

„Gern“, sagte sie, obwohl sie wusste, dass es ein Fehler war.

Es war in der Tat ein Fehler, jedenfalls wenn sie Brittas Warnung ernst nehmen wollte, und das hatte sie eigentlich vorgehabt. Das Nebenzimmer war leer geräumt worden, damit Platz zum Tanzen war. Die Musik, die gerade gespielt wurde, war langsam und verträumt.

Zu Beginn hielten sie noch Distanz, doch je länger sie sich gemeinsam im Takt der Musik bewegten, desto näher kamen sie sich, bis schließlich kein Blatt Papier mehr zwischen sie gepasst hätte. Ihre Wangen lagen aneinander, ab und zu berührten Nikos Lippen Tatjanas Schläfe. Sie spürte seinen Herzschlag, also spürte er auch ihren. Sie hätte bis in alle Ewigkeit so weitertanzen mögen.

Als die Musik wechselte, blieben sie beide beinahe erschrocken stehen, unfähig, sich auf die plötzliche Lautstärke und den schnellen Rhythmus einzustellen. Nur zögernd lösten sie sich voneinander.

Niko griff nach Tatjanas Hand und zog sie aus dem Zimmer. Auf der Suche nach einem ruhigen Platz in Brittas übervölkerter Wohnung landeten sie in ihrem winzigen Arbeitszimmer. Niko schloss die Tür, drehte den Schlüssel im Schloss herum und zog Tatjana wieder in seine Arme.

„Ausgerechnet heute musst du mir begegnen“, sagte er, bevor er sie küsste.

Tatjana vergaß ihre Vorsätze. Es war verrückt, was sie hier tat, aber sie wollte es. Sie wollte diesen Mann, von der ersten Sekunde an war das klar gewesen.

Sie erwiderte seine Küsse, sie erwiderte seine Zärtlichkeiten, und als er atemlos fragte: „Sollen wir gehen?“, nickte sie nur.

Es war Brittas Geburtstag, und natürlich gehört es sich nicht, ihr Fest zu einem so frühen Zeitpunkt zu verlassen, aber ihnen blieb ja nur dieser eine Abend. Britta würde dafür Verständnis haben.

Das hatte sie auch.

„Ich habe dich gewarnt“, raunte sie ihrer Freundin zu, aber sie lächelte dabei. „Wir sehen uns morgen. Und jetzt ab mit euch.“

Sie legten den Weg zu Tatjanas Wohnung zu Fuß zurück. Zuerst küssten sie sich alle paar Meter, doch je näher sie der Wohnung kamen, desto schneller gingen sie. Sie hielten sich an den Händen, sahen einander ab und zu an, beide atemlos von dem, was gerade mit ihnen geschah, und dem, was gleich in Tatjanas Wohnung geschehen würde.

Sie hatten die Tür kaum hinter sich geschlossen, als sie auch schon begannen, einander auszuziehen. Als sie beide nackt waren, trat Niko einen Schritt zurück, plötzlich schien er es gar nicht mehr eilig zu haben.

„Du bist so schön, Tatjana“, sagte er andächtig.

Er legte beide Hände auf ihre Hüften und wanderte langsam mit ihnen nach oben, bis er damit ihre Brüste umfassen konnte. Sanft liebkoste er sie. Sie schloss die Augen, während kleine Wellen der Erregung ihren Körper erschauern ließen. Langsam lösten sich Nikos Hände von ihren Brüsten, und er zog sie an sich.

„Bist du sicher, dass du das hier wirklich willst?“, fragte er leise.

Sie schlang beide Arme um seinen Hals und schmiegte sich an ihn.

„Ganz sicher“, antwortete sie.

Er hob sie hoch, als wöge sie nicht mehr als eine Feder.

„Wohin?“, fragte er. „Ich kenne mich hier ja nicht aus.“

Sie lachte leise und verbarg ihr Gesicht an seinem Hals.

„Geradeaus ins Schlafzimmer“, sagte sie.

Er legte sie behutsam auf ihrem breiten Bett ab, und auch jetzt ließ er sich wieder Zeit. Abermals betrachtete er sie mit einem zärtlichen Lächeln und strich mit seiner Hand langsam über ihren Körper.

„Ich muss jeden Quadratzentimeter von dir kennenlernen und mir alles einprägen“, sagte er. „Die meisten Leute müssen etwas sehen, um es sich anzueignen, bei mir läuft es über das Fühlen.“

Besonders lange verweilte er auf ihren Brüsten, ihrem Bauch, ihren Oberschenkeln. Als sich seine Hand ihrem Schoß näherte, stöhnte sie leise – und dann war sie es, die es vor Ungeduld nicht länger aushielt.

Sie umschlang ihn mit Armen und Beinen und zog ihn zu sich. Als sie ihn in sich spürte und merkte, dass er seine Erregung so wie sie die ihre nicht länger zügeln konnte, war sie glücklich. Sie erreichten den Höhepunkt fast gleichzeitig, und sie wusste, dass sie diese Nacht bis an ihr Lebensende nicht mehr würde vergessen können.

Natürlich war es verrückt, mit einem Mann zu schlafen, den sie nicht kannte und von dem sie nur wusste, dass er am nächsten Tag für ein Jahr nach Angola gehen würde. Aber manchmal musste man wohl einfach verrückt sein.

Viel Schlaf bekamen sie nicht in dieser Nacht. Niko blieb bis zum Morgen. Gegen sechs Uhr liebten sie sich ein letztes Mal, dann sagte er bedauernd:

„Ich muss gehen, Tatjana. Mir bleiben nur noch ein paar Stunden, bis wir fliegen. Das war die schönste Nacht meines Lebens, aber ich werde jetzt nicht anfangen, dir Versprechungen zu machen. Ein Jahr ist lang, da kann viel passieren.“

„Ich will gar keine Versprechungen hören“, erwiderte sie, und sie meinte es auch so.

Sie kochte ihm einen Kaffee, während er duschte. Als er ihn getrunken hatte, brachte sie ihn zur Tür.

„Soll ich mich mal melden?“, fragte er.

„Nur, wenn du willst“, sagte sie. „Keine Versprechungen.“

„Ist gut.“ Er küsste sie ein letztes Mal, dann ging er.

Tatjana legte sich wieder ins Bett, an die Stelle, an der Niko geschlafen hatte. Sie schnüffelte am Kopfkissen. Ja, das war sein Geruch, den hatte sie gleich gemocht.

Eigentlich hatte sie alles an ihm gleich gemocht. Sie meinte, seinen Körper noch zu spüren, seine Hände auf ihrem Rücken, ihren Brüsten, ihren Hüften. Seine zärtlichen Finger, die so genau wussten, wo sie sie berühren mussten, um sie zu erregen …

Sie schlief noch einmal ein, und im Traum war Niko immer noch bei ihr.

***

„Was war das denn jetzt mit Niko und dir?“, fragte Britta einige Tage später, als sich die beiden Freundinnen zum Mittagessen trafen.

Sie hatten sich seit der Party nicht mehr gesehen: zu viel Arbeit, zu viel Stress. Britta verkaufte Telefonanlagen an Großkunden, Tatjana arbeitete als Chemikerin in einem bekannten Forschungslabor. Sie waren beide sehr gut in ihren Jobs, und ehrgeizig noch dazu.

„Es war eine sehr schöne Nacht, mehr nicht“, antwortete Tatjana.

„Na, ich weiß nicht.“ Brittas Zweifel waren ihr deutlich vom Gesicht abzulesen.

„Aber ich!“, erklärte Tatjana nachdrücklich. „Er ist in Angola. Wir haben darüber gesprochen, dass es wenig Sinn hat, sich etwas zu versprechen, was man nicht halten kann. In einem Jahr kann schließlich viel passieren.“

„Schon klar. Aber was wünschst du dir denn? Würdest du gern mit ihm in Kontakt bleiben? Hättest du es gern, dass mehr daraus würde als diese eine Nacht?“

Tatjana wollte erneut abwehren, hielt aber doch inne.

„Ich weiß es nicht, Britta“, gestand sie. „Wenn er hiergeblieben wäre, hätte ich deine Frage ohne zu zögern mit Ja beantwortet. Aber er ist eben nicht hier, und ich will mir keine Illusionen machen. Ich schätze mal, ihm geht es genauso. Wir sind uns zum falschen Zeitpunkt begegnet, das kommt vor. Es ist nicht zu ändern. Ich habe eine wunderschöne Erinnerung, und es tut mir nicht leid, dass wir diese Nacht miteinander verbracht haben.“

„Nicht, dass du mir noch Liebeskummer kriegst“, sagte Britta und tätschelte besorgt die Hand ihrer Freundin.

„Ganz bestimmt nicht, dafür habe ich zum Glück gar keine Zeit“, behauptete Tatjana. „Wir haben gerade so viel Arbeit im Institut, das kannst du dir nicht vorstellen. Die Veröffentlichung unserer letzten Studie steht bevor, und alle drehen am Rad. Keiner wird rechtzeitig fertig mit dem Teil, den er schreiben muss, und da ich es übernommen habe, das Ganze zu koordinieren, habe ich jetzt auch den Ärger und kann den Leuten hinterherrennen.“

Britta sah nicht ganz überzeugt aus, widersprach aber nicht mehr.

„Gehen wir am nächsten Wochenende mal wieder zusammen ins Kino?“

„Gern, ich habe weiter nichts vor.“

„Ich würde ihn anrufen“, murmelte Britta.

„Wen jetzt?“

„Na, Niko.“

„Lass gut sein, Britta. Er hat gesagt, er meldet sich vielleicht mal, aber das kann er auch nur so dahergesagt haben. Er muss sich ja auch erst einmal dort eingewöhnen. Das ist bestimmt hart, da hat man nicht viel Sinn für romantische Erinnerungen.“

„Das ist Quatsch!“, stellte Britta mit der ihr eigenen Direktheit fest. „Ein Telefongespräch dauert nicht lange, und man muss ja auch gar nicht viel sagen. ‚Ich denke an dich‘ reicht schon.“

Tatjana stand auf. Sie wollte dieses Gespräch nicht fortsetzen. Einiges von dem, was Britta gesagt hatte, war ihr schon selbst durch den Kopf gegangen, aber das machte die Sache nicht besser. Die Wahrheit war nämlich: Sie dachte sehr viel an Niko – viel mehr, als für ihr Seelenheil gut war.

Sie umarmte ihre Freundin zum Abschied.

„Ich muss wieder los, Britta, bis bald.“

„Bis bald, meine Süße.“

Tatjana atmete auf, als sie das Lokal verlassen hatte. Solche Gespräche musste sie in Zukunft unbedingt vermeiden, sie taten ihr nicht gut. Je eher es ihr gelang, Niko Steinfeld zu einer angenehmen Erinnerung ohne jeglichen Einfluss auf ihre Gegenwart zu machen, desto besser.

Aber das war ganz offensichtlich schwieriger als gedacht.

***

„Der Nächste ist Herr Forlani“, teilte Martha Giesecke ihrem Chef Dr. Stefan Frank nach der Mittagspause mit.

Das Wartezimmer seiner Praxis in der Gartenstraße in Grünwald war schon wieder voll, mindestens die Hälfte der Patienten war ohne Termin gekommen, sie mussten irgendwie eingeschoben werden. Solche Tage waren nicht nur für Stefan Frank, sondern auch für seine beiden Mitarbeiterinnen Martha Giesecke und Marie-Luise Flanitzer besonders anstrengend. Zum Glück gab es nicht allzu viele davon.

Martha Giesecke arbeitete schon sehr lange für ihren Chef – so lange, dass sie mittlerweile in Ehren ergraut war. Marie-Luise Flanitzer war viel jünger, sie saß meistens vorn am Empfang, bediente Computer und Telefon und führte den Terminkalender. Die beiden so ungleichen Frauen waren mit dieser Arbeitsteilung sehr zufrieden, sie kamen überhaupt gut miteinander aus.

Silvio Forlani hatte seinen Termin ordentlich vereinbart und kam mit nur einer Viertelstunde Verspätung an die Reihe. Schwungvoll betrat er das Sprechzimmer seines Arztes. Als er Stefan Frank die Hand reichte, strahlte sein rundes Gesicht mit den dunklen Augen und dem kleinen Schnauzbart, den er gewissenhaft pflegte.

Er war neunundfünfzig Jahre alt, lebte seit über dreißig Jahren in Deutschland und betrieb einen gut gehenden Feinkosthandel für italienische Spezialitäten. Für Stefan Frank war er der Inbegriff des lebensfrohen Südländers, der jede Gelegenheit, zu lachen oder es sich gut gehen zu lassen, nutzte. Dabei arbeitete Silvio Forlani hart, sonst hätte er nicht so viel Erfolg gehabt.

„Haben Sie etwa Beschwerden, Herr Forlani?“

Ein vergnügtes Lachen antwortete ihm.

„Ich doch nicht, Herr Doktor. Aber Sie haben ja gesagt, ich soll mich regelmäßig bei Ihnen blicken lassen, zur Vorsorge.“

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