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Dr. Stefan Frank - Folge 2207

Ende gut, alles gut

Als die hübsche Larissa mit Dr. Franks Hilfe ihre wahre Liebe fand

Als die blutjunge Larissa ein Kind von ihrem Freund David erwartet, freuen sich die beiden sehr, haben aber gleichzeitig auch große Angst. Sie haben doch gerade erst ihr Abitur gemacht, das ganze Leben liegt noch vor ihnen. Bedeutet ein Baby da nicht eine viel zu große Verantwortung? Überfordert und gereizt, wie sie in den ersten Monaten nach Dominiks Geburt sind, streiten sie sich immer mehr, und eines Tages beschließen sie, sich zu trennen.

In den kommenden Jahren lebt jeder von ihnen sein eigenes Leben, dennoch können sie einander nicht vergessen. Als sie sich schließlich in der Waldner-Klinik wiederbegegnen, scheint es, als habe es die vergangenen fünf Jahre nie gegeben. Sofort ist die alte Liebe wieder da. Aber inzwischen ist Larissa gebunden, zudem an einen schwer kranken Mann. Darf sie diese Beziehung für ihre alte Liebe opfern? Und wie würde der kleine Dominik das aufnehmen? Ratlos wendet sie sich an Dr. Frank …

„Dominik, bist du schon fertig?“, rief Larissa zu ihrem Sohn in die Umkleidekabine hinüber.

„Ich komme jetzt. Soll ich mein Handtuch mitnehmen? Und das Duschzeug auch?“

„Ja, nimm alles mit.“

Larissas Mann Clemens musste heute länger arbeiten, und so konnten Larissa und ihr achtjähriger Sohn Dominik den frühen Abend getrost im Schwimmbad verbringen. Üblicherweise gingen Larissa und Dominik ins Grünwalder Schwimmbad, doch das hatte zurzeit wegen Renovierungsarbeiten geschlossen, und so waren sie heute ins Münchener Stadtbad ausgewichen. Larissa war in ihrer Jugend häufig hier schwimmen gewesen, sie verband viele Erinnerungen mit dem Münchener Bad.

Während sie auf ihren Sohn wartete, schaute Larissa in den kleinen Spiegel, der neben den Schränken an der Wand hing. Sie strich ihre hellblonden Haare zurück und band sie mit einem Haargummi zusammen. Die Haare waren gerade noch lang genug, um sie zu einem Pferdeschwanz zu binden.

Bis vor drei Wochen hatten ihr die Haare noch bis weit über die Schultern gereicht. Lange Zeit hatte sie sich nicht getraut, sie abschneiden zu lassen, obwohl ihre beste Freundin ihr schon länger dazu geraten hatte.

„Du hast so ein hübsches Gesicht, Larissa. Wenn du die Haare kürzer trägst, kommt es noch viel besser zur Geltung.“

Und tatsächlich gefiel die neue Haarlänge Larissa sehr gut.

„Mama, der doofe Schlüssel passt aber nicht in den Schrank“, rief ihr Sohn von nebenan.

„Warte, Junge, ich helfe dir“, ertönte eine hilfsbereite, etwas gesetzte Männerstimme aus der Männerumkleide. „Oh ja, das Schloss klemmt. Dann nimm einfach den Schrank hier nebenan.“

Larissa ging schon mal in die Halle. Während sie noch einen Moment auf Dominik wartete, schaute sie sich um. Schon als Kind und später als Jugendliche war sie gerne hier schwimmen gegangen. Der Sprungturm, die Rutsche – sie kannte das alles noch gut.

Hier war Larissa auch häufig mit David gewesen. Mit ihm zusammen hatte sie den ersten Sprung vom Fünfmeterbrett gewagt. Sie waren gemeinsam gesprungen, Hand in Hand. Der Bademeister hatte ordentlich geschimpft, als er das gesehen hatte, doch das war ihnen egal gewesen. Sie waren einfach viel zu verliebt gewesen, um sich etwas aus den Bemerkungen anderer Leute zu machen.

Aber nein! Hastig versuchte Larissa die Gedanken und sehnsüchtigen Erinnerungen abzuwehren, die nun auf sie einstürmten. Sie wollte nicht mehr an David denken! Es war doch vorbei.

Wieso klopfte ihr dummes Herz denn immer noch so heftig, wenn er in ihren Gedanken auftauchte? Sie sollte ihn endlich loslassen, schließlich hatte David sie schmählich im Stich gelassen. Sie und Dominik.

Larissa hatte David geliebt, doch er sie anscheinend nicht. Oder ließ man seine Freundin einfach mit dem gemeinsamen Kind allein, wenn man sie liebte? Ganz sicher nicht.

Sie schüttelte sich, als könnte sie auf diese Weise die unerwünschten Gefühle loswerden. Das war doch alles schon ewig her! Vor sieben Jahren war David gegangen.

Es war ein Fehler, hierher zukommen, dachte sie. Ich hätte mit Dominik doch etwas anderes unternehmen sollen, als ausgerechnet in dieses Schwimmbad zu gehen.

Aber Larissa hatte geglaubt, sie hätte längst überwunden, was damals geschehen war. Sie hatte sich doch inzwischen ein neues Leben geschaffen, ein schönes Leben in Grünwald.

Warum war sie damit nicht zufrieden? Warum konnte sie die Vergangenheit nicht ruhenlassen? Verflixt – sie war doch sonst nicht so sentimental!

Larissa hatte inzwischen ihren Mann Clemens, der sie liebte und der Dominik ein guter Vater war. Sie wohnten in einem schönen, großen Haus im Grünwalder Süden, besaßen zwei Autos und konnten es sich leisten, mindestens einmal im Jahr in den Urlaub zu fahren.

Clemens war Unternehmer in einer Werbeagentur, die er vor zwei Jahren selbst gegründet hatte. Die Agentur lief gut, aber Clemens war auch ungeheuer fleißig und ehrgeizig. Von nichts kommt nichts, war seine Devise.

Manchmal wurde es Larissa richtig unheimlich zumute, wenn sie sah, was ihr Mann beruflich alles auf die Beine stellte. Ihm war nichts zu viel.

„So, wie es ist, ist es schon in Ordnung“, sagte Larissa zu sich selbst und war froh, als in diesem Moment Dominik herauskam.

„Ist das Ihr Sohn?“, fragte der ältere Herr an seiner Seite und lächelte nett. „Er war kaum von der Kaltwasserdusche wegzubekommen. Mir wurde schon vom Zuschauen ganz kalt. Ich schaffe es immer nur ganz kurz darunter, aber der Junge – alle Achtung.“

Dominik schlotterte am ganzen Körper, grinste aber dabei.

„Mama, komm schnell ins Warme.“ Er griff mit seinen eisigen Fingern nach der Hand seiner Mutter und zog sie zum Beckenrand. Schwupps, war er im Wasser, und auch Larissa sprang mit einem kleinen Hopser ins Becken.

„Das Springen vom Beckenrand ist nicht erlaubt“, schimpfte der Bademeister und zeigte auf das entsprechende Schild. „Wenn das alle so machen würden. Nehmen Sie bitte Rücksicht auf die anderen Badegäste!“

Das ist beinah wie früher, dachte Larissa und musste nun ebenfalls grinsen. Wie früher, als ich mit David hier war …

***

„Nein, Frau Quandt. Ich schaffe wirklich keinen Nachschlag mehr.“ Dr. Frank stieß einen tiefen Seufzer aus und lehnte sich zufrieden auf seinem Stuhl zurück.

„Die Käsespätzle waren ganz ausgezeichnet“, fand auch seine Freundin Alexandra, die ihm am Esstisch gegenübersaß. „Aber wenn ich jetzt noch eine Gabel voll esse, dann gibt es einen lauten Knall, und ich bin geplatzt.“

Sie legte ihr Besteck auf den Teller und seufzte ebenfalls genussvoll.

Alexandra Schubert und Stefan Frank waren noch nicht sehr lange zusammen. Dr. Frank empfand es als ein großes Glück, dass Alexandra in sein Leben getreten war. Sie war Augenärztin und arbeitete mit ihrer etwas älteren Kollegin Dr. Helene Braun in einer Gemeinschaftspraxis in Grünwald.

In dieser Woche war Helene Braun auf einer augenärztlichen Fortbildung in Passau, und Alexandra hatte alle Hände voll damit zu tun, sie zu vertreten. Doch solch ein hervorragendes Abendessen von Frau Quandt ließ sie sich – trotz der vielen Arbeit und der großen Zahl an Patienten, die sie betreute – nicht entgehen.

Heute hatte der letzte Patient um sieben die Augenarztpraxis verlassen, und Alexandra war direkt in Dr. Franks Villa in der Gartenstraße gekommen.

„Es freut mich, dass es Ihnen geschmeckt hat“, sagte Frau Quandt. Sie stand in der Küchentür und trocknete gerade die Auflaufform ab. „Möchten Sie jetzt noch ein hausgemachtes Erdbeersorbet zum Nachtisch? Oder soll ich es für später kalt stellen?“

„Bitte später, Frau Quandt“, sagte Dr. Frank hastig und erhob sich. „Sie kochen einfach zu gut, da kann man den Nachtisch meist nicht direkt im Anschluss schaffen.“

Während Frau Quandt die Küche aufräumte, ließen sich Alexandra und Stefan auf dem Sofa nieder.

„Meine Hose spannt ein wenig“, seufzte er, und Alexandra musste laut lachen.

Sie legte einen Arm um seine Schulter.

„Ich liebe dich trotzdem, Stefan“, sagte sie mit mühsam ernstem Gesicht und gab ihm einen liebevollen Kuss auf den Mund. „Auch wenn du in die Breite gehst, was man im Übrigen gar nicht sieht. Aber was hältst du davon, wenn wir ein wenig mehr Sport treiben? Dann könnten wir auch das gute Essen von Frau Quandt noch mehr genießen.“

„Das ist eine gute Idee. An was hast du denn gedacht?“

„Ich hab hier was.“ Alexandra holte ihre Handtasche und zog eine Broschüre daraus hervor. „Das habe ich gestern von dem Fitnessstudio in der Windeckstraße mitgenommen. Wir könnten dort einfach mal ein Probetraining mitmachen. Ein paar mehr Muskeln an den richtigen Stellen tun uns beiden sicher gut. Dann spannen unsere Hosen auch nicht mehr.“

„Aber bei dir spannt doch gar keine Hose.“ Stefan Frank zog seine Freundin wieder dichter an sich heran. „Du bist gertenschlank.“

„Bist du dir da so sicher?“, fragte sie neckisch und tippte auf ihre Bluse, die sich über dem Hosenbund ein wenig bauschte. „Du weißt doch gar nicht, wie es darunter aussieht.“

„Auf Wiedersehen, Herr Frank. Ich gehe dann jetzt nach Hause“, rief Frau Quandt aus dem Flur.

„Vielen Dank. Bis morgen, Frau Quandt.“

Als die Haushälterin die Wohnung verlassen hatte, stand Stefan Frank vom Sofa auf und zog Alexandra mit sich hoch.

„Komm, hier auf dem Sofa ist es mir zu eng. Wir gehen in mein Schlafzimmer. Dort schaue ich mal, was mit deinem vermeintlich spannenden Hosenbund los ist. Und heute Nacht bleibst du einfach bei mir.“

„Aber ich …“

Doch Alexandra konnte nicht weiterreden, denn Stefan verschloss ihr den Mund mit einem Kuss.

„… habe keinen Schlafanzug dabei“, nuschelte sie.

„Das macht doch nichts. Ich leihe dir einen von meinen.“

„Na gut“, sagte sie rasch. „Schon überredet. Ich bleibe hier.“

***

„Hm, lecker. Krieg ich noch was?“, fragte Dominik.

„Na klar. Du kannst essen, so viel du willst. Schließlich bist du noch im Wachstum.“ Larissa grinste und gab ihrem Sohn noch eine Portion Nudelauflauf auf den Teller.

Nudelauflauf war Dominiks Lieblingsessen. Wenn es den zum Abendessen gab, langte er immer ordentlich zu.

Larissa und Dominik waren schon fast mit dem Essen fertig, als Clemens nach Hause kam. Er hatte im Moment so viel in seiner Agentur zu tun, dass es bei ihm abends immer spät wurde.

„Wie war dein Tag, Schatz?“, erkundigte sich Larissa. „Du siehst müde aus.“

„Och ja, ganz okay.“

Clemens redete selten über seine Arbeit. Überhaupt war Clemens kein Mensch, der sein Herz auf der Zunge trug. Er machte die Dinge gerne mit sich selbst aus.

Clemens strubbelte seinem Sohn durch die Haare und gab seiner Frau einen Begrüßungskuss. Dann setzte er sich an den Esstisch. Seine Finger klopften unruhig auf der Tischplatte herum.

„Papa, liest du mir gleich noch was vor?“, bettelte Dominik. „Ich habe mir heute aus der Schulbücherei ein tolles Buch über Ufos ausgeliehen.“

„Ja, ich komme gleich. Einen Moment noch, ja? Zieh dir schon mal den Schlafanzug an.“

Dominik stand auf und verschwand im Kinderzimmer, wo man ihn wenig später in der Legokiste kramen hörte.

„Larissa, ich esse nachher was, in Ordnung?“, fragte Clemens nervös. „Ich muss gleich noch mal kurz ins Arbeitszimmer. Ich hab noch was zu tun.“

„Aber du kommst doch gerade erst von der Arbeit.“ Larissa schaute ihren Mann erstaunt an. „Wieso musst du jetzt zu Hause direkt weiter arbeiten? Iss doch erst mal in Ruhe etwas, Clemens.“

„Ich habe nun mal ein dringendes Projekt, das bis übermorgen fertig sein soll“, erklärte er genervt. „Dafür muss ich jetzt unbedingt noch ein paar Dinge aus dem Internet raussuchen.“

„Aber du kommst doch kaum noch vor halb acht nach Hause“, entgegnete Larissa. „Könntest du denn nicht mal eines deiner vielen Projekte absagen – oder zumindest auf einen späteren Zeitpunkt verschieben? Deine Agentur läuft so gut, da musst du nicht jeden Auftrag annehmen, oder? Wir wissen doch kaum mehr, wie wir das ganze Geld, das du verdienst, überhaupt ausgegeben sollen.“

Das war natürlich etwas übertrieben. Clemens verdiente wirklich ganz gut, aber Geld im Überfluss hatten sie nicht. Abgesehen davon machte sich Larissa ohnehin nicht viel aus Geld. Sie brauchte keinen teuren Schmuck und auch keine Designerklamotten. Und sie zog es auch nicht auf die Malediven oder zur teuren Afrika-Safari. Sie war völlig zufrieden damit, ihren Familienurlaub in Deutschland oder in Österreich zu verbringen.

Clemens murmelte bloß etwas Unverständliches vor sich hin, dann stand er vom Tisch auf und ging zu Dominik ins Kinderzimmer.

Larissa machte sich allmählich Sorgen um ihren Mann. Sie hatte das Gefühl, dass er sich mit seiner Agentur übernahm. Er überforderte sich selbst und stresste dadurch auch die Familie.

Larissa ging in die Küche und startete die Spülmaschine. Dann wollte sie hinaus in den Garten, um noch ein wenig die laue Abendluft zu genießen. Heute war es den ganzen Tag über sommerlich warm gewesen, und das schöne Wetter hatte sich bis in den Abend hinein gehalten.

Auf ihrem Weg in den Garten blieb sie einen Moment in der geöffneten Kinderzimmertür stehen. Clemens saß auf der Bettkante und las Dominik etwas vor.

Es war ein schönes Bild, wie sie da saßen. Einen Moment lehnte Larissa sich gegen den Türrahmen und betrachte die beiden. Ihre kleine Familie, dachte sie. Vater und Sohn.

Wie wäre es wohl, wenn dort sein richtiger Papa sitzen würde und nicht sein Adoptivvater, überlegte sie.

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