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Dr. Stefan Frank - Folge 2201

Inhalt

  1. Cover
  2. Impressum
  3. Für dich werde ich mich ändern!
  4. Vorschau

Für dich werde ich mich ändern!

Um Tamaras Herz zu gewinnen, überwindet Christian seine Angst

Was für ein merkwürdiger Mensch dieser Christian Burger doch ist, wundert sich die hübsche Ärztin Tamara Sanders. Einerseits gefällt er ihr ja wirklich gut, aber andererseits ist er furchtbar reserviert. Wenn sie es nicht besser wüsste, würde sie meinen, dass er sogar Angst hat, ihr die Hand zu geben. Dabei scheint er sie eigentlich ganz attraktiv zu finden. Seltsam …

Als Christian sie dann doch eines Tages einlädt, sich mit ihm zu treffen, ist sie freudig überrascht. Und tatsächlich wird es ein netter Abend. Sie trinken Wein, essen gemeinsam – und dann passiert das, wonach sich Tamara in ihren schönsten Träumen gesehnt hat: Die beiden verbringen eine romantische Nacht miteinander. Doch am nächsten Morgen ist Christian verschwunden, und sie hat keine Ahnung, warum …

Seit etlichen Minuten hoffte Dr. Frank vergeblich darauf, dass sein Patient eine Atempause einlegte. Der Mann redete pausenlos, als ginge es um sein Leben.

„… schon als Achtjähriger mit Rückenschmerzen zu tun gehabt. Rückenschmerzen hat man aber doch nicht im Kindesalter! Meine Mutter hat natürlich den Ärzten die Hölle heiß gemacht. Darin war sie einmalig. Wenn sie einmal losgelegt hat, war sie nicht mehr zu bremsen …“

Ach wirklich?, dachte der Grünwalder Arzt zunehmend entnervt. Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm.

„… mein Vater war ein armer Schlucker. Hat zu allem Ja und Amen gesagt. Aber ich schweife ab. Wo waren wir noch mal? Ach ja, richtig, bei meinen Brustkorbschmerzen. Die müssen irgendwie mit dem Rücken zusammenhängen. Der Mensch ist ja auch ein Gesamtorganismus. Da kann man nicht einzelne Körperbereiche untersuchen und die anderen links liegen lassen. Eine Tante von mir ist neulich an Darmkrebs gestorben. Dabei ist sie wegen eines anderen Leidens in die Klinik überwiesen worden …“

Das Telefon auf Stefans Schreibtisch summte. Die Damen aus dem Vorzimmer. Er unterdrückte ein dankbares Aufseufzen.

„Ja?“

„Dauert es noch lange bei Ihnen?“, erkundigte sich Schwester Martha mit der ihr eigenen Resolutheit. „Sie halten den ganzen Verkehr auf. Das Wartezimmer ist gerammelt voll.“

„Danke für die Information“, sagte Stefan. „Ich werde das gleich erledigen.“

Dann wandte er sich wieder seinem redefreudigen Patienten zu.

„Sie können sich wieder ankleiden, Herr Winter. Ich konnte keine abnormen Werte finden. Der Blutdruck ist vielleicht eine Spur zu hoch, ansonsten ist alles so, wie es sein sollte. Die Befunde der Blutproben treffen in den nächsten Tagen ein.“

„Aber diese unerträglichen Schmerzen! Ich halte sie nicht mehr aus. Sie müssen mir helfen! Wozu sind Sie denn Arzt?“

„Ich könnte Ihnen noch einen Klinik-Check vorschlagen. In der Waldner-Klinik stehen alle geeigneten Geräte zur Verfügung. Geräte, denen nichts entgeht. Lassen Sie sich dort untersuchen. Ich gebe Ihnen eine Überweisung.“

„Das ist eine gute Idee.“ Manfred Winter, ein mittelgroßer Mann um die vierzig, nickte zufrieden. „Ich wollte das auch schon vorschlagen, Ihnen aber natürlich nicht reinreden. Denn Sie als Arzt wissen ja am besten, was mit Ihren Pappenheimern los ist, nicht wahr? Dass Sie die Waldner-Klinik vorschlagen, ist ja geradezu ein Glücksfall. Ich weiß, dass Sie dort Belegbetten haben. Bitte klären Sie doch gleich, wann ich kommen soll. Morgen passt es nicht, übermorgen auch nicht. Aber ab Montag stehe ich zur Verfügung. Wenn Sie also …“

„Ich denke nicht, dass Sie so schnell einen Termin bekommen“, fiel Stefan ihm energisch ins Wort. „Sie sind ja kein Notfall.“

Diese Bemerkung ließ den charmant lächelnden Mann verstummen. Seine Stirn runzelte sich, als müsse er sich unbedingt an einen wichtigen Namen erinnern, der ihm entfallen war.

Kein Notfall?“, wiederholte er ungläubig. „Lieber Herr Doktor, diese Bemerkung muss ich jetzt korrigieren, um nicht zu sagen: zurückweisen. Selbstverständlich bin ich ein Notfall. Ich kann vor lauter Schmerzen ja kaum noch schlafen! Jede Nacht wandele ich durch die Wohnung, weil ich nicht mehr liegen kann.“

„Herr Winter, so kommen wir nicht weiter. Ich will gern noch versuchen, für Sie einen Termin zu vereinbaren, aber machen Sie sich darauf gefasst, dass Sie noch eine längere Wartezeit vor sich haben.“

„Darf ich Ihnen einen kleinen Tipp geben?“ Manfred Winters Gesicht strahlte vor Schläue. „Ich habe nämlich gewisse Beziehungen zur Waldner-Klinik. Meine Frau arbeitet dort. Sie kann da ganz sicher was drehen.“

„Ach so, Ihre Frau? Das wusste ich nicht.“ Stefan Frank, der eigentlich alle Mitarbeiter der Waldner-Klinik kannte, ging im Schnellverfahren die Namen durch. Eine Frau Dr. Winter war nicht dabei.

„Bitte rufen Sie sie an!“ Jetzt grinste der Mann verschmitzt, als habe er noch eine Riesenüberraschung in der Hinterhand. „Sie heißt Dr. Tamara Sanders und ist bestimmt die schönste Ärztin in der ganzen Klinik. Sie müssen wissen, wir haben nicht den gleichen Namen. Tamara ist eine sehr selbständige Frau und wollte nun mal nicht Winter heißen. Und da ich ein großzügiger Mensch bin, habe ich natürlich auch nicht darauf gedrängt. Heutzutage kann ja jeder der beiden Ehepartner …“

„Ich werde später mit Ihrer Frau telefonieren. Im Augenblick geht das nicht. Die Patienten im Wartezimmer gehen vor.“

Stefan erhob sich und ging zur Tür. Er musste jetzt ein deutliches Zeichen setzen, sonst wurde er den Mann nicht los, der jetzt auch aufstand.

Endlich hat er begriffen, registrierte Stefan erleichtert und drückte die Klinke.

„Auf Wiedersehen“, sagte er und schob seinen Besucher, bevor er zu einem Abschiedsmonolog ansetzen konnte, kurzerhand zur Seite. Dann rief er den nächsten Patienten auf.

Zum Glück hatte er in seiner Praxis nicht jeden Tag mit solchen Leuten zu tun.

***

Gestern war der Fotoreporter Christian Burger ein vorläufig letztes Mal in der Klinik gewesen, um den versammelten Ärzten seine wiederhergestellte Hand zu präsentieren.

Die Chirurgin Tamara Sanders, deren Spezialgebiet die Handchirurgie war, hatte dafür von den Kollegen sehr viel Lob eingeheimst – ganz besonders von Klinikchef Ulrich Waldner, was sie über die Maßen freute. Zwar musste die Hand des Patienten mehrfach operiert werden, aber nun war sie fast so perfekt wie zuvor. Ja, sogar noch etwas perfekter, denn sie hatte auch seinen kleinen Finger, der nach einer Verletzung in seiner Jugendzeit leicht gekrümmt war, gerichtet.

„Meinen herzlichen Glückwunsch zu diesem Meisterwerk“, sagte Ulrich. „Sie haben dem Mann eine wunderschöne Hand modelliert. Ich bewundere Sie und Ihre Fähigkeiten. Wir wissen ja alle, was für eine äußerst komplexe Materie die Handchirurgie ist. Eine Verletzung oder Fehlbildung unserer Hände macht uns erst bewusst, dass ja nicht nur die Beweglichkeit eingeschränkt ist, sondern auch Gefühl und Kraft. Und darum bin ich sehr froh, dass wir Sie haben.“

Die Waldner-Klinik erfreute sich auf dem Gebiet der Wiederherstellungschirurgie großer Nachfrage, was natürlich zum großen Teil an den hervorragenden Medizinern lag. Aber auch die Kompetenz und die Warmherzigkeit des Personals trugen zur großen Beliebtheit dieser privaten Klinik am Englischen Garten bei.

Nach ihrer Ausbildung zur plastischen Chirurgin befasste sich Tamara Sanders insbesondere mit den oberen Extremitäten des Menschen, also mit Schulter, Ober- und Unterarm, Hand, Finger und Daumen. Einen Teil ihrer Weiterbildung hatte sie bei Dr. Ulrich Waldner absolviert, und heute wusste sie, dass es genau die richtige Entscheidung gewesen war.

Als sie am späten Nachmittag ihren Dienst beenden und nach Hause fahren wollte, betrat Dr. Frank das Gemeinschaftszimmer der Ärzte in der chirurgischen Abteilung. Er begrüßte sie herzlich.

„Ich sehe, Sie wollen gerade gehen. Haben Sie trotzdem noch ein Viertelstündchen Zeit für einen Kaffee in der Kantine?“

„Aber ja“, erwiderte Tamara.

Mit dem erfahrenen Kollegen unterhielt sie sich immer gern. Außerdem wartete zu Hause ohnehin niemand auf sie. Für später war sie mit ihrer Nachbarin Ulla noch auf ein Feierabend-Bier verabredet, aber dafür blieb immer noch Zeit genug.

„Es geht um einen Patienten“, verriet Stefan.

Tamara lachte unbekümmert.

„Das wundert mich nicht“, meinte sie. „Mediziner-Gespräche drehen sich doch fast immer nur um Patienten.“

„Da könnten Sie recht haben“, erwiderte Stefan schmunzelnd.

An der Selbstbedienungstheke nahm Tamara ein stilles Wasser, Stefan einen Kaffee.

„Aber eigentlich wollte ich mit Ihnen über Ihren Mann reden“, fuhr Stefan fort, als sie an einem Zweiertisch Platz nahmen.

„Über meinen Mann?“, wiederholte die schlanke Frau erstaunt. „Aber ich habe gar keinen Mann.“

„Wirklich?“ Stefan zog die Stirn kraus. „Ich hatte heute einen Patienten namens Manfred Winter …“

„Manfred! Ach du lieber Himmel!“, fiel Tamara dem Kollegen aus Grünwald ins Wort. „Er hat wirklich behauptet, ich wäre seine Frau? So ein verrückter Kerl! Also gut, um das gleich klarzustellen: Wir sind schon ewig geschieden, nicht einmal ein ganzes Jahr waren wir verheiratet.“

„Ach, so ist das. Darf ich auch erfahren, warum?“

Tamara nippte an ihrem Glas. Immer wieder schüttelte sie in einer Mischung aus Ärger und Belustigung den Kopf. Mit einer flüchtigen Handbewegung wischte sie eine rebellische Haarsträhne aus der Stirn, was aber nicht viel nutzte.

„Ich war in meiner Jugend ein sehr aufmüpfiges Ding“, berichtete Tamara selbstironisch. „Meine Mama hat sich nichts mehr als einen reichen Mann für ihre Tochter gewünscht. Das sei die beste Lebensversicherung für eine Frau, hat sie immer behauptet.“

„Und Sie waren davon nicht allzu überzeugt?“

„Nein, keineswegs. Und was macht so eine junge Studentin, um sich gegen Mutters Ansprüche zur Wehr zu setzen?“

„Kein Ahnung.“ Stefan neigte sich ein wenig vor. Tamaras Erzählung amüsierte ihn. „Aber ich bin wahnsinnig gespannt.“

„Ich hab mit knapp neunzehn geheiratet“, bekannte Tamara. „Natürlich war das keine gute Entscheidung, das weiß ich heute. Nach zehn Monaten war die Beziehung schon wieder am Ende. Und ja, Sie liegen genau richtig mit Ihrer Ahnung: Mein damaliger Ehemann hieß Manfred Winter. Was er sich da bei der Eheschließung gedacht hat, weiß ich allerdings nicht. Ich hielt alles für einen großen Spaß. Aber er ist zehn Jahre älter als ich“, sie kicherte, „war er damals schon. Er hätte eigentlich schlauer sein müssen als ich junges Ding.“

„Eine verrückte Geschichte“, stellte Stefan fest.

„Was wollte Manfred von Ihnen?“, erkundigte sich die junge Chirurgin. „Ich habe schon lange nichts mehr von ihm gehört. Ich wusste noch nicht einmal, dass er wieder in München ist.“

„Er klagte über vielfältige Beschwerden, aber ich konnte nichts feststellen. Blutdruck, Herz und Lunge waren in Ordnung. Die Laborwerte liegen noch nicht vor. Ich habe ihn hierher überwiesen. Nach meinem Dafürhalten wäre ein genereller Check sinnvoll. Allerdings hat er vorgeschlagen, gleich in den nächsten Tagen zu kommen – und Sie sollen das managen.“

„Ach so ist das. Ich hätte es mir denken können.“ Tamara lachte auf. „Wenn Manfred sich meldet, passiert das nie ohne Grund. Dann braucht er was!“

„Er ist ein ziemlich redseliger Mensch.“

„War er immer schon“, erklärte Tamara. „Obwohl … damals fand ich das cool. Wenn er sich bei mir meldet, werde ich ihm sagen, dass es für ihn keine Sonderkonditionen gibt. Er soll sich an die Verwaltung wenden. Die werden ihm schon einen passenden Termin geben. Ich habe darauf ohnehin keinen Einfluss. Und wenn ich ihn hätte, würde ich ihn nicht geltend machen. Wir haben genug Patienten, die schon länger warten.“

Sie zwinkerte dem Grünwalder Arzt zu und nahm wieder einen Schluck.

„Da wird man für meinen Exmann keine Ausnahme machen. Zumal er ja kein dringendes Problem hat.“

Stefan war froh, dass die junge Ärztin die Angelegenheit so sah wie er. Er trank seinen Kaffee aus.

„Ich hoffe, ich habe Sie nicht zu lange aufgehalten“, sagte er dann.

„Überhaupt nicht“, versicherte sie. „Ich rede immer gern mit Ihnen.“

„Das Kompliment kann ich nur zurückgeben“, erwiderte Stefan, dann verabschiedete er sich von Dr. Tamara Sanders.

Bevor er nach Grünwald zurückfuhr, wollte er noch Ulrich Waldner in seinem Büro einen Besuch abstatten. Doch er hatte Pech. Sein Freund hatte die Klinik schon Richtung Wien verlassen, wie ihm die Sekretärin mitteilte.

„Großer Chirurgenkongress“, sagte Ute Morell. „Der Chef ist erst Anfang nächster Woche wieder da.“

Jetzt erinnerte Stefan sich dunkel, dass Ulrich den Wiener Kongress irgendwann einmal erwähnt hatte. Er bedankte sich für die Information und machte sich auf den Heimweg.

Als er durch die große Halle im Erdgeschoss zum Ausgang marschierte, sah er Manfred Winter durch die breiten Glastüren eintreten. Der Mann ließ offensichtlich nichts unversucht, um seinen Willen durchzusetzen.

Stefan rette sich hinter eine der dekorativen Grünpflanzen. Erst als die Luft rein war, verließ er das Haus und eilte schnellen Schrittes zu seinem Wagen.

Den Abend gedachte er mit Alexandra zu verbringen. Sie wollten zusammen kochen. Auf dem Heimweg hielt er deshalb noch vor einem Delikatessenladen, um ein paar Leckereien einzukaufen. Als das erledigt war, setzte er gut gelaunt seinen Weg fort.

***

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