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Dr. Aegidius Strauch

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Über den Autor:

Wolfgang Armin Strauch wurde 1953 in Bad Freienwalde geboren. Nach dem Jurastudiums interessierte er sich für Hard- und Software. Als Organisationsberater entwickelte er eigene Programme, die bundesweit zum Einsatz kamen.

Bei der Mitarbeit an einem Buch über Herkunft seiner Familie, stieß er auf die Geschichte von Dr. Ägidius Strauch. Recherchen in deutschen, polnischen, britischen und schwedischen Archiven und im Internet erbrachten ein umfangreiches Quellenmaterial. Verwunderlich war, dass bisher keine Biografie existierte und die vorhandenen Aussagen in vielen Fällen den authentischen Quellen widersprachen. Die Erkenntnisse seiner Forschungen führte er in der vorliegenden Biografie zusammen.

Gegenwärtig arbeitet er an Romanen und einer weiteren Biografie.

Wolfgang Armin Strauch ist verheiratet, hat zwei erwachsene Kinder und zwei Enkel. Er wohnt in der Nähe von Frankfurt (Oder).

Wolfgang Armin Strauch

Dr. Aegidius Strauch

Gefangener des Kurfürsten Friedrich Wilhelm von Brandenburg

© 2018 Wolfgang Armin Strauch

Verlag und Druck: tredition GmbH, Hamburg

ISBN  
Paperback: 978-3-7469-3406-8
Hardcover: 978-3-7469-3407-5
e-Book: 978-3-7469-3408-2

Das Werk, einschließlich seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung ist ohne Zustimmung des Verlages und des Autors unzulässig. Dies gilt insbesondere für die elektronische oder sonstige Vervielfältigung, Übersetzung, Verbreitung und öffentliche Zugänglichmachung.

Inhaltsverzeichnis

Inhaltsverzeichnis

Vorwort

Familiäre Herkunft

Verbindungen zur Familie Cranach

Kindheit und Jugend von Aegidius Strauch II.

Professuren an der Universität Wittenberg

Die Geschichte und Situation in der Stadt Danzig

Die Ankunft von Aegidius Strauch II. in Danzig

„Die Tage Purim“

Konflikte mit dem Rat

Absetzung Strauchs von seinen Ämtern

Alle für einen, einer für alle

Versuch des Rates zur Rücknahme seiner Entscheidung

Das Echo in Polen und Reaktionen von Aegidius Strauch

Der Rat erhöht den Druck

Der schwedische Gesandte Andreas Liliehoeck

Ein Angebot vom Kurfürsten von Brandenburg

Kriegsvorbereitungen

Das Angebot Schwedens

Gewerke beim polnischen König

Der Verräter Johann Nixdorff

Erneute Unruhen

Abschied von Danzig

Überfall vor Wollin

Freilassung in Kolberg und anschließende Festnahme

Die Rolle des Rates bei der Festnahme Strauchs

Strauchs erste Reaktionen nach der Inhaftierung

Bemühungen der schwedischen Regierung

Bemühungen von St. Jacobi aus Hamburg

Bemühungen des sächsischen Kurfürsten

Strauchs Darstellung der Verbindung zu Liliehoeck

Der Kurfürst befiehlt verschärfte Haft

Kompromisse aus Sachsen werden abgelehnt

Bemühungen des Königs von Polen

Anklage durch den Ratsherrn Michael Behm

Klage der Ehefrau gegen den Danziger Rat

Diplomatie des Königs von Polen in Danzig

Danziger Bürger werden tätig

Konspirative Verbindungen zu Strauch

Der polnische König wird aktiv

Danziger Deputierte sollen Strauch befreien

Exzess gegenüber Karmelitern in Danzig

Verhandlungen mit dem Kurfürsten

Der Kurfürst stellt Bedingungen für Freilassung

Aegidius Strauch wird freigelassen

Ankunft in Danzig

Beilegung der Unruhen von Danzig

Unruhen nach Provokationen

Der Rat schmiedet Intrigen

Der Tod von Aegidius Strauch

Nachwirkungen und letzte Werke

Die familiären Verhältnisse des Aegidius Strauch

Bildnisse von oder über Aegidius Strauch

Medaillen

Kupferstiche

Ölgemälde

Lieder und Gedichte

Ist denn der Herr der Herrlichkeit

Cüstrinisches Weyhe- oder vielmehr Weine Nacht Lied

Aegidius Strauch in der Literatur

Albert Emil Brachvogel

Günter Grass

Geschichtsfälschungen und Irrtümer

1683

1686

1714 / 1715

1726

1727

1731

1740

1748

1769

1775

1791

1801

1828

1836

1837

1840

1848

1863

1893

1904

1930

1958

1967

1971

1983

1990

2001

2007

2011

Fazit

Anhänge

Abbildungen

Sekundärquellen und Literatur (Auswahl)

Druckschriften von und über Aegidius Strauch II.

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Familiäre Herkunft

Normalerweise beginnen Biografien mit der Geburt des Protagonisten und enden mit dessen Tod. Das Leben von Dr. Aegidius Strauch erklärt sich erst, wenn man seine Herkunft beleuchtet. Daher umfasst die Biografie einen Zeitraum von fast 200 Jahren.

Dr. Aegidius Strauch (im folgendem auch Aegidius Strauch II. bezeichnet) gehört zu den wenigen Menschen, die zu ihren Lebzeiten den eigenen Nachruf geschrieben haben. Dafür gab es naheliegende Motive. Zu oft gab es Diffamierungen, gegen die sich Strauch wehren musste. Persönliche Angriffe, Unterstellungen und falsche Verdächtigungen füllen ganze Bücher. Zumindest nach dem Tod wollte er die Sicht auf sein Leben nicht dem Zufall überlassen. Trotz aller Anfeindungen stimmen die Worte eher versöhnlich. Neben den üblichen theologischen Aussagen hat er einen ausführlichen Lebenslauf hinterlassen.

Seine Lebensbeschreibung beginnt nicht mit der Kindheit, sondern mit Verweisen auf den Vater und vor allem dem Großvater:

„Mein Groß-Vater/Väterlicher Linie / ist gewesen der Edle und Ehrenveste Herr Egidius Strauch aus Braband/ welcher wegen der schweren Verfolgung in Niederland / zun Zeiten des Duc de Alba / aus und Hoff/ nebenst seinem meisten Gut umb des Evangelii willen verlassende/ sich gen Wittenberg begeben / und Kauffmanschaft daselbst getrieben hat.“ 6

Sein Urgroßvater, Johann Strauch, war ein Patrizier und um 1500 in Löwen (Leuven, damals Holland, heute Belgien) geboren. Löwen galt zu dieser Zeit als eine Hauptstadt des Humanismus. An seiner Universität lehrten u. a. Erasmus von Rotterdam und der spätere Papst Hadrian VI.

In den Niederlanden nutzte Johann Strauch den Namen „Strudigk“, eine Übersetzung seines Nachnamens, und den Namen Johann Strauch zu Löwen. Als wohlhabender deutscher Handelsherr heiratete er standesgemäß ungefähr 1525 Susanna von Waterlett (geboren in Antwerpen), die Tochter des Patriziers Gilles von Waterlett, der in Antwerpen und Löwen wirkte. Aus dieser Ehe ging der Großvater von Aegidius Strauch II., Egidius Strauch (* 1530 in Brabant, † 30. Dezember 1597 in Wittenberg) hervor. Er bekam mit Egidius die deutsche Form vom Vornamen seines Großvaters „Gilles“.7 Die unterschiedlichen Schreibweisen (Egidius, Aegidius) resultieren aus der Nutzung der lateinischen Sprache im privaten, wissenschaftlichen oder geschäftlichen Umfeld.

Im Alter von 10 Jahren verlor Egidius Strauch seinen Vater. 1567 flüchtete er von Zwijndrecht bei Antwerpen vor der Verfolgung durch den Herzog Alba nach Wittenberg. Es ist nicht bekannt, welche Geschäfte er betrieb. In seiner neuen Heimat wurde er als Handelsmann bezeichnet. Der relativ frühe Zeitpunkt der Flucht, unmittelbar nach dem Eintreffen von Alba, und der daraus resultierende Verlust von Hab und Gut deuten auf massive Gründe hin, die den Argwohn des Herzogs erregt haben müssen. Interessant ist der Umstand, dass er offensichtlich in den Niederlanden zu den Lutheranern gehörte, da er Brabant „des Evangelii Willen“ verlassen hatte. Die lutherische Gemeinde war relativ klein. Die meisten Lutheraner stammten von Personen ab, die deutscher oder skandinavischer Abstammung waren oder Verbindung zu ihnen unterhielten. Dieser Umstand stützt die später erläuterte These, dass die Familie aus der Gegend um Nürnberg oder Würzburg kam.

Von 1567 bis 1573 übernahm Herzog Alba die Aufgabe als Statthalter der spanischen Niederlande. Er trat die Nachfolge der Halbschwester des Königs, Margarethe von Parma, an. Um die immer stärker werdende religiöse und politische Rebellion zu unterdrücken, führte er ein Schreckensregime ein, das ihm die Bezeichnung „Henker der Niederlande“ einbrachte. Als Teil seiner Repressionen versuchte er, Kontrolle über die Buchdruckereien und Verlage zu erlangen. Missliebige Drucker und Verleger wurden enteignet, verbannt oder exekutiert. Bücher gelangten auf den päpstlichen Zensurindex. Alba ließ Bücher der Universität Löwen, die sich für den Freiheitswillen der Niederlande aussprachen oder sich gegen die katholische Kirche richteten, öffentlich verbrennen.

Sondergerichte, wie der sogenannte Blutrat von Brüssel, verurteilten Albas Gegner. Mehr als 6000 Befürworter der Unabhängigkeit der Niederlande richtete man hin. Im November 1567 griffen Albas Truppen Antwerpen an und plünderten die Stadt drei Tage lang. Dieses Ereignis ging als „Spanische Raserei“ in die Geschichtsbücher ein. Bei den Gemetzeln in Mechelen, einem Nachbarort von Löwen, und Antwerpen ließ Alba über 18 000 Menschen hinrichten.

Warum der Großvater von Aegidius Strauch II. ausgerechnet nach Wittenberg floh, ist nicht überliefert. Die Religion allein ist als Grund eher unwahrscheinlich, da auf dem Weg bis nach Sachsen genügend andere Orte lagen, in denen Lutheraner nicht verfolgt wurden. Im Vergleich zu Antwerpen war Wittenberg für eine Tätigkeit als Handelsmann denkbar ungeeignet, da die Stadt nicht an den großen Handelswegen lag. Es gibt einige Umstände, die die Entscheidung nachvollziehbar erscheinen lassen.

So gab es enge Kontakte zwischen der Universität Löwen und der Universität Wittenberg. Darüber hinaus konnten im Umfeld von Martin Luther (Abbildung: Bild von Lucas Cranach d. Ä.) mehrere Personen mit dem Namen Strauch ermittelt werden, die einen familiären Grund begründen könnten. Ein Johannes Strauch, der Verbindung nach Würzburg hatte und 1516 an der Universität in Erfurt und 1517 in Leipzig immatrikuliert war, wird als Freund Martin Luthers bezeichnet.8 Es ist unklar, ob es sich hier um den Vater von Egidius Strauch, Johann Strauch, aus Löwen gehandelt hat. Johann und Johannes wird in historischen Unterlagen oft gleichbedeutend genannt. Ferner gibt es einen Brief Martin Luthers, in dem er am 15. Januar 1531 den damaligen Bürgermeister von Nürnberg, Lazero Spengler, um ein Stipendium für den Studenten Laurentius Strauch aus Nürnberg bat.9

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Laurentius Strauch erhielt offensichtlich diese Unterstützung. Luther, der mit tausenden Personen Kontakt hatte, musste schon einen wichtigen Grund für sein Verhalten gehabt haben. Naheliegend ist, dass seine Ehefrau ihn dazu veranlasst hatte. Laurentius Strauch wollte die Schwester des Stadtschreibers Philipp Reichenbach heiraten. Bei ihm hatte Luthers Ehefrau, Katharina von Bora, nach ihrer Flucht aus dem Kloster gelebt. Ende 1534 oder Januar 1535 erfolgte die Eheschließung Strauchs. Zu dem Zeitpunkt war Strauch Syndikus von Guben.10 Lucas Cranach war 1525 Trauzeuge bei Luthers Heirat mit Katharina von Bora. Die zweite Ehefrau seines Sohnes Lucas, Magdalena Schurff, war wiederum eine Nichte von Philipp Melanchthons. Diese Umstände könnten die Verbindungen zur Familie Cranach erklären, die Egidius Strauch nach seiner Ankunft in Wittenberg unterhielt.

Verbindungen zur Familie Cranach

Laurentius Strauch studierte seit 1528 an der Universität in Wittenberg und verließ sie im gleichen Jahr wie Hieronymus Schurff (* 12. April 1481 in St. Gallen; † 6. Juni 1554 in Frankfurt (Oder)). Dessen Bruder Augustin Schurff (* 6. Januar 1495 in St. Gallen; † 9. Mai 1548 in Wittenberg) war der Schwiegervater von Lucas Cranach dem Jüngeren und Leibarzt des Sächsischen Kurfürsten.

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Die Familie Schurff hatte enge Beziehungen zu Luther. Hieronymus Schurff (Abbildung) begleitete ihn 1521 auf dem Weg zum Wormser Reichstag und unterstützte ihn als Rechtsberater. Als der Kurfürst von Sachsen die Schlacht bei Mühlberg verloren hatte, floh Schurff nach Frankfurt (Oder) und nahm dabei einige seiner Studenten und Anhänger mit. Unter ihnen befand sich Laurentius Strauch, der später die Protektionen Schurffs für seine Karriere als Jurist nutzen konnte. Rasch stieg er die Karriereleiter nach oben.

1545 war er unter dem Namen Dr. Laurentius von Strauch bei Niemitzsch, Biebersteinscher Kanzler zu Sorau, Syndikus des Markgraftums Niederlausitz11 und ab 1556 am Königlich-Kaiserlichen Appellationsgericht in Prag als Rat tätig.12