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Dorian Hunter - Folge 005

Inhalt

  1. Cover
  2. Impressum
  3. DER GRIFF AUS DEM NICHTS
  4. Kapitel 2
  5. Kapitel 3
  6. Kapitel 4
  7. Kapitel 5
  8. mystery-press
  9. Vorschau

Der ehemalige Reporter Dorian Hunter reist zusammen mit seiner Frau Lilian in ein einsames Dorf an der österreichisch-slowenischen Grenze. Begleitet wird er von acht ihm unbekannten Männern, die am selben Tag wie er geboren wurden.

In dem Dörfchen mit dem sonderbaren Namen Asmoda angekommen, findet die Reisegesellschaft keine Unterkunft. In ihrer Not suchen die Männer ein nahegelegenes Schloss auf und werden von der Schlossherrin, der Gräfin Anasthasia von Lethian, unerwartet freundlich empfangen. Lilian versucht Dorian zur Umkehr zu bewegen, aber Dorian weigert sich – und gerät in ein Abenteuer, das seinen Verstand übersteigt. Die Gräfin von Lethian ist eine Hexe. Vor dreißig Jahren zeugte sie zusammen mit dem Teufel in einer einzigen Nacht neun Kinder, die sie menschlichen Frauen unterschob. Sie sollten ganz normal aufwachsen und sich erst als Erwachsene ihrer Herkunft entsinnen.

Dorians Brüder nehmen die Offenbarung euphorisch auf. Schon immer spürten sie die dunkle Seite in sich. Nur Dorian will sein Schicksal nicht akzeptieren. Er tötet seine Mutter und wird daraufhin von seinen Brüdern gejagt. Es gelingt ihm, das Schloss in Brand zu stecken und mit seiner Frau zu entkommen. Aber Lilian ist nicht mehr sie selbst. Sie hat bei der Begegnung mit den Dämonen den Verstand verloren und kann den Weg zurück nach London nicht antreten. Übergangsweise bringt Dorian sie in einer Wiener Privatklinik unter, deren Personal auf die Behandlung psychischer Störungen spezialisiert ist.

Aber die unheimlichen Geschehnisse reißen nicht ab: In Wien begegnet Dorian der Hexe Coco Zamis – und fällt in ihren Bann! Coco hat von ihrer Familie den Auftrag erhalten, Dorian zu töten – doch sie verliebt sich in den Dämonenkiller und wechselt die Seiten, wodurch sie nicht nur ihre magischen Fähigkeiten verliert, sondern darüber hinaus aus der Schwarzen Familie ausgestoßen wird.

Coco wie auch Dorian sind nun gleichzeitig Jäger und Gejagte, denn Dorian hat sich geschworen, seine acht dämonischen Brüder, die offenbar den Brand auf Schloss Lethian überlebt haben, zur Strecke zu bringen. In London tötet er Roberto Copello, nachdem dieser den Secret-Service-Agenten Donald Chapman auf Puppengröße geschrumpft hat. Mit Hilfe des Secret Service gründet Dorian die »Inquisitionsabteilung«, der nicht nur er selbst, sondern auch Coco und der Puppenmann Chapman fortan angehören. Ein weiteres »inoffizielles« Mitglied ist der geheimnisvolle Hermaphrodit Phillip, dessen Adoptiveltern von Dämonen getötet wurden. Zum Hauptquartier der Inquisitionsabteilung wird die Jugendstilvilla in der Baring Road, in der Phillip aufgewachsen ist. Nachdem es Dorian gelingt, seinen Bruder Elmer Landrop zu vernichten, führt ihn die nächste Spur an die Westküste der USA, nach Kalifornien …

DER GRIFF AUS DEM NICHTS

Ernst Vlcek

1. Kapitel

Der schwarze Lincoln glitt fast lautlos den North Canyon Drive entlang, dann bog er in den North Crescent Drive ein und fuhr die Auffahrt der Nummer 725 hinauf. Der farbige Chauffeur in der silbernen Livree bremste den Wagen auf dem kiesbestreuten Rundweg vor dem im spanischen Kolonialstil erbauten Gebäude sanft ab, stieg aus und öffnete die hintere Tür. Er wartete geduldig. Zunächst passierte überhaupt nichts, dann drang aus dem Fond ein verhaltener Laut, als ob jemand einen Schluckauf unterdrücken wolle. Erst nach einer ganzen Weile wurde ein Paar recht ansehnlicher Beine sichtbar, die in roten Schuhen mit dicker Sohle und hohem, breitem Absatz steckten. Den Beinen folgte eine schlanke, gepflegte Hand, die aus einem giftgrünen Mantelärmel herausschaute und sich dem Chauffeur entgegenstreckte.

»Hilf mir – hicks – Jack!«, sagte eine rauchige Frauenstimme.

Der Chauffeur, der gewohnt war, seiner Herrin zu solch später Stunde unter die Arme zu greifen, kam der Aufforderung wortlos nach. Mit seiner Hilfe stieg Dorothy Malone, Filmdiva von gestern und Charakterdarstellerin von morgen, aus dem Wagen.

»War das eine Party!«, sagte sie schwärmerisch, entwand sich dem Chauffeur und machte einige ungeschickte Tanzschritte über den Kiesweg. Dabei wirbelte sie ihre Marabustola wie ein Lasso über dem Kopf und lachte glucksend.

»Das war eine Party, Jack!«, wiederholte sie. »Hedda hatte wirklich alles eingeladen, was Rang und Namen hatte. Davon wird man noch Monate reden. Und man wird vor allem von mir reden. Ich habe ihnen allen die Show gestohlen. Jetzt kann einfach niemand mehr ignorieren, dass ich wieder ganz oben bin.«

»Dort standen Sie doch immer, Dorothy«, sagte der Chauffeur pflichtgemäß. Er stand schon seit fünfzehn Jahren in ihren Diensten, seit damals, als sie in Beverly Hills erstmals groß ins Gespräch gekommen war und sich ihren ersten Rolls Royce angeschafft hatte. Jack hatte ihren Aufstieg und ihren Niedergang miterlebt. Zwischen ihnen bestand eine gewisse Vertrautheit, die es ihm erlaubte, sie mit dem Vornamen anzureden, wenn sie unter sich waren.

»Machen wir uns nichts vor, Jack«, sagte Dorothy und wurde mit einem Mal ernst. »Um mich ist es in der letzten Zeit ziemlich still gewesen. Ich konnte es nicht verkraften, dass mich keiner mehr für die blonden Rollen engagieren wollte, die Produzenten sich mit dem Gedanken nicht anfreunden konnten, meine schauspielerischen Fähigkeiten einzusetzen. Aber das ist jetzt alles anders. Ich habe die Rolle in Clarissa bekommen.«

»Das freut mich für Sie, Dorothy«, sagte Jack, und es klang ehrlich.

»Jetzt wird alles – alles! – anders«, wiederholte Dorothy. »Erinnere mich morgen daran, dass ich sofort eine Annonce aufgebe! Ich brauche mehr Personal. Wenn der Wirbel um mich erst richtig losgeht, wirst du den Aufgaben nicht mehr gewachsen sein. Und dann …«, sie trat wütend gegen den Vorderreifen des Lincolns, »… lasse ich dieses hässliche Vehikel verschrotten. Ich kann diese schwarze Karre nicht mehr sehen. Du bekommst einen Cadillac, Jack. Einen knallgelben Cadillac. Der kontrastiert gut mit deiner Hautfarbe. Und dann schaffen wir einen regenbogenfarbenen Rolls Royce an. Und dann …« Sie seufzte. »Mein Gott, bin ich müde.« Sie ließ die Stola fallen, und Jack fing das Kleidungsstück gerade noch rechtzeitig auf, bevor es auf dem feuchten Fußweg landete.

Mit unsicheren Schritten ging sie auf das Haus zu. Es war ein anstrengender Tag gewesen. Am Vormittag die Verhandlungen mit dem Produzenten, diesem Jeff Parker, dann die Besprechung mit Arnie, ihrem Agenten, der die einzelnen Punkte des Vertrages mit ihr durchgegangen war, und schließlich die überraschende Einladung zu Hedda Bishops Party. Hedda musste blitzschnell geschaltet haben, als sie davon erfuhr, dass Dorothy die Rolle in dem Film bekommen hatte. Jetzt würden sich wieder alle um sie reißen, sie gehörte auf einmal wieder zur absoluten Spitze des Filmgeschäfts. Was ein einziger Film alles ausmachen konnte!

Ihre Schritte hallten gespenstisch durch das wie ausgestorben daliegende Haus, und sie fröstelte, als sie die geschwungene Freitreppe ins Obergeschoss hinaufstieg. Es war tatsächlich ein totes Haus, aber das würde sich nun schlagartig ändern. In einigen Tagen würde North Crescent Drive 725 wieder voller Leben sein. Die alten Zeiten ließen sich nicht mehr zurückholen, das war klar. Dorothy Malone war keine Sexbombe mehr, aber sie würde all denen, die sie nur noch milde belächelt, von oben herab behandelt und längst abgeschrieben hatten, zeigen, dass sie das Comeback als Charakterdarstellerin schaffen konnte.

Auf der obersten Stufe der Treppe angekommen, fand sie wieder in die Realität zurück. Noch war das Haus tot. Stille überall. Die Gästezimmer und das Dienstbotenhaus standen seit einer Ewigkeit leer. In dem mit italienischen Fliesen ausgelegten Swimmingpool hatte seit undenklichen Zeiten niemand mehr gebadet. War es vor zwei oder gar vor drei Jahren gewesen, dass sie den Reporter hineingestoßen hatte? Nein, es war sicher schon länger her, dass dieser Lümmel ihre Publikumswirksamkeit in Frage gestellt hatte. In der letzten Zeit hätte man noch nicht einmal mehr ihre Meinung dazu hören wollen.

Dorothy suchte das Bad auf und entkleidete sich vor der Spiegelwand. Sie war immer noch schön, eine reife Frau zwar, aber immer noch ansehnlich, sie würde es sich sogar leisten können, eine Nacktszene zu drehen. Davon stand zwar nichts im Drehbuch, aber vielleicht kam dieser Parker noch auf die eine oder andere Idee. Er war einer, der auf der neuen realistischen Welle ritt, er hatte sich für diesen Film einen italienischen Regisseur kommen lassen, der in Europa durch seine brutalen Streifen berühmt geworden war.

Nachdem sie sich abgeschminkt hatte, ging sie, nackt, wie sie war, durch die Verbindungstür in ihr Schlafzimmer. Sie drehte das Licht an und schrie im nächsten Moment gellend auf. Auf ihrem Bett saß ein abscheuliches Wesen. Es war etwa einen Meter groß, hatte einen riesigen Kopf, viel zu kurze Arme und kleine, durchgebogene Beine. Seine Haut war durchscheinend, so dass man die Äderchen sehen konnte. Der Hinterkopf hatte noch keine Knochendecke und bestand aus einer weichen Masse, durch die das riesige Gehirn zu sehen war. Das Scheusal sah aus wie ein überdimensionaler Fötus.

Dorothy wich kreischend ins Badezimmer zurück. Der Riesenfötus erhob sich vom Bett und kam mit unbeholfenen Schritten auf sie zu. Dabei gab er seltsam schmatzende Laute von sich. Sie wartete am ganzen Leib zitternd darauf, dass sich der Spuk verflüchtigen werde, doch das Scheusal folgte ihr ins Bad. Dorothy tastete verzweifelt hinter sich, erwischte die Klinke einer zweiten Tür, rannte auf den Korridor hinaus und stolperte die Treppe hinunter. Sie wagte es nicht mehr, sich umzublicken. Sie wollte nur fort, hinaus aus diesem leeren, toten Haus mit seinem unheimlichen Gast.

Erst, als sie den Garten erreichte, wurde ihr bewusst, dass sie nackt war. Sie schlang die Arme um ihren Körper, hörte hinter sich ein Geräusch und drehte sich entsetzt um. Jack stand hinter ihr. Er zog wortlos seinen Morgenmantel aus und legte ihn ihr über die Schulter.

»Mach mir im Dienstbotenhaus ein Zimmer zurecht!«, sagte sie zähneklappernd. Als Jack unentschlossen stehenblieb, herrschte sie ihn an: »Hast du nicht verstanden? Willst du, dass ich mir hier draußen den Tod hole?«

Jack verneigte sich irritiert und verschwand.

Dorothy blickte zu dem erhellten Fenster ihres Schlafzimmers hinauf. Die Vorhänge bewegten sich leicht, und dann fiel der Schatten des abscheulichen Monstrums darauf. Sie presste ihre Faust auf den Mund, um einen Schrei zu ersticken, und rannte in Richtung des Dienstbotenhauses davon.

Es kam Dorian Hunter vor, als würde er in eine andere Welt geraten, als er aus der Richtung des International Airport kommend vom Sepulveda Boulevard in den Santa Monica Boulevard einbog und an dem Schild Beverly Hills vorbeifuhr. Auch wenn man von hier aus nur die Rückfront des Beverly Hilton Hotels zu sehen bekam, so zeigten die gepflegten Blumenbeete, die Palmen und die Eukalyptusbäume, die die Straßen umsäumten, doch, dass hier das Paradies begann.

Dennoch war Dorian Hunter nicht sonderlich beeindruckt. Er war nicht von London hierher geflogen, um die Heimstätte der legendären Hollywood-Helden zu bewundern; er war sozusagen geschäftlich hier. Seine Begleiterin, die den Dual-Ghia mit den Zebrastreifen steuerte und ihn vom Flughafen abgeholt hatte, schien das misszuverstehen.

»Geschäftlich?«, hatte sie wiederholt, und ihre dunklen Augen hatten verständnisvoll geleuchtet.

Ihr rotblondes Haar fiel in weichen Wellen über ihre Schultern und den Jaguarmantel, den sie nachlässig umgehängt hatte. Das gab ihr das Image eines Vamps, wenngleich sie nicht mehr als ein Starlet sein konnte, denn Dorian hatte ihren Namen noch nie gehört. Lorna Blue. Vielleicht würde man in einem Jahr schon von ihr reden.

»Geschäftlich?«, fragte sie noch einmal. »Dann hat Jeff Sie wohl für eine Rolle in seinem neuen Film vorgesehen. Wenn ich Sie mir so ansehe, mit Ihrem dichten Schnurrbart und dem stechenden Blick, dann könnte ich mir vorstellen, dass Sie einen vortrefflichen Roland in Jeffs Clarissa abgeben würden. Bin ich auf der richtigen Fährte, Dori-boy?«

Dorian seufzte und beteuerte zum wiederholten Male: »Ich bin ein Freund Jeff Parkers. Er hat mich eingeladen, mir seine Hollywood-Villa anzusehen. Und nebenbei wollen wir einige Geschäfte erledigen, die nichts mit dem Film zu tun haben.«

»Sagen Sie das nicht laut, sonst werden Sie gelyncht«, meinte Lorna Blue lachend.

»Dass wir nicht über Filmgeschäfte verhandeln?«, fragte Dorian.

»Nein.« Sie schüttelte lachend den Kopf, dass ihr rotblondes Haar nur so flog. »Dass Sie Beverly Hills mit Hollywood verwechseln. Hollywood ist ein Stadtteil von Los Angeles, Beverly Hills dagegen ist eine unabhängige Stadt innerhalb von Groß-Los Angeles. Hier leben die Filmstars. Und Jeff hat sich hier eine Villa gemietet. Ein toller Kasten. Sie werden sehen, Dori-boy.«

Dorian fragte sich, wieso ihm Jeff ausgerechnet diese Frau geschickt hatte, um ihn vom Flughafen abzuholen. Sie war recht niedlich anzusehen, ansonsten jedoch nervtötend. Warum war Jeff nicht selbst gekommen, dann hätte er ihm während der Fahrt gleich alles mitteilen können, was er in Erfahrung gebracht hatte. Er brannte darauf, die Neuigkeiten zu erfahren. Der Klatsch über Filmstars interessierte ihn dagegen überhaupt nicht. Er war in seiner Eigenschaft als Dämonenjäger nach Los Angeles geflogen.

Es hatte sich eigentlich ganz überraschend ergeben. Um neue Spuren zu finden, die zu der Schwarzen Familie der Dämonen führten, musste er selbst die Initiative ergreifen. Dorian wusste, dass die Dämonen überall in der Welt in der Maske von Menschen lebten und im Verborgenen ihr Unwesen trieben. Er musste sie nur hervorlocken, und es war naheliegend, dass er die Nachforschung auf jene Dämonen konzentrierte, deren Namen ihm geläufig waren. Da standen in vorderster Reihe die Namen seiner Brüder. Drei von ihnen hatte er bereits zur Strecke gebracht.

Der Nächste auf seiner Abschussliste war Dr. Robert Fuller. Dass Dorian ausgerechnet auf ihn verfiel, war reiner Zufall. Seine Nachforschungen hatten ergeben, dass Dr. Fuller vor seiner Europareise in einer Schönheitsklinik nahe Hollywood tätig gewesen war. Da Dorian wusste, dass sein Freund Jeff Parker in der amerikanischen Filmmetropole weilte, hatte er ihn gebeten, Nachforschungen über Fuller anzustellen. Er sagte ihm nicht, worum es dabei ging, da er ihn nicht über die Existenz der Dämonen informiert hatte. Er hatte Jeff gegenüber lediglich angedeutet, dass Dr. Fuller in illegale und verbrecherische Geschäfte verwickelt sei.

Die Antwort kam prompt und klang vielversprechend. Jeff forderte Dorian auf, sofort nach Hollywood zu fliegen, weil er wichtige Informationen für ihn hätte. Da in London kein wichtiger Fall vorlag, konnte die Inquisitionsabteilung auch einige Tage ohne ihn auskommen. Die anfallende Routinearbeit erledigten die Exekutor Inquisitoren inzwischen unter Cocos Leitung, und so hatte Dorian ohne zu zögern das nächste Flugzeug bestiegen. In einem leichten Reisekoffer hatte er nur ein paar Kleider zum Wechseln untergebracht.

Und jetzt war er da. Er konnte es kaum mehr erwarten, Jeff gegenüberzutreten.

Es war bereits Abend, als der Dual-Ghia über den Sunset Boulevard rollte, und Dorian war ganz benommen von den Lichtern der Neonreklamen und dem Plappern seiner Begleiterin. Er nahm nur unterbewusst wahr, dass der Wagen durch gewundene Prachtstraßen hügelaufwärts fuhr. Die Prunkvillen, an denen sie vorbeikamen und zu denen seiner Begleiterin sofort die Namen von berühmten Stars einfielen, beachtete er überhaupt nicht. Er war froh, als der Wagen endlich in eine Einfahrt einbog und vor einem hellerleuchteten Gebäude hielt. Dorian hätte nicht sagen können, welchem Baustil das Bauwerk nachempfunden war. Er sah nur weiße Wände, von dunklen Edelhölzern unterbrochen und großen Blütenranken überwuchert, Patios, Loggias, Erker, Fenster und ein Eingangsportal, das ihn an einen griechischen Tempel erinnerte.

»Da wären wir«, sagte Lorna Blue in einem Ton, als hätte sie ihn durch die Himmelstür ins Paradies geführt. Sie stieg elegant und filmreif aus dem Wagen und ließ die Tür offen. »Um Ihr Gepäck brauchen Sie sich nicht zu kümmern. Dafür werden die Angestellten schon sorgen.«

»Entschuldigen Sie, Sir«, sagte eine wohltönende Stimme hinter Dorian. »Wenn Sie Mr. Dorian Hunter sind, dann bitte ich Sie, mir zu folgen.«

Der Dämonenkiller drehte sich um und erblickte einen schwarz livrierten Mexikaner, der ihn auffordernd anblickte.

»Mr. Parker erwartet Sie bereits, Sir. Hier entlang, bitte!«

Der Mann ging auf einen Seiteneingang des in sich verschachtelten Gebäudes zu.

»Bis später!«, rief Lorna Blue, warf Dorian eine Kusshand zu und verschwand durch das Hauptportal.

Der Mexikaner führte Dorian in einen holzgetäfelten Korridor und von dort in eine ebenfalls mit Holz verzierte Bibliothek, die auf antik getrimmt worden war. Es war alles stilgerecht, selbst der Globus aus Leder fehlte nicht, und auf einem Tisch stand das Modell des heliozentrischen Sonnensystems, wie es Kopernikus entworfen haben mochte.

Kurz nach ihnen betrat ein Mann Ende dreißig die Bibliothek. Er trug einen knallroten Blazer und eine schwarze Hose und besaß einen schlanken, durchtrainierten Körper. Sein gebräuntes Jungengesicht mit den dunkelblauen Augen und dem blonden Haarschopf täuschte über sein tatsächliches Alter hinweg. Trotz seiner beachtlichen Körpergröße von einem Meter vierundachtzig wirkte er neben dem Dämonenkiller fast klein und zierlich.

»Dorian!«, rief er erfreut und breitete die Arme aus. »Welch eine Freude, dass du so schnell gekommen bist!«

Sie schüttelten einander die Hände, dann ergriff Jeff Parker Dorian bei den Oberarmen und betrachtete ihn wie eine mystische Erscheinung.

»Du hast dich nicht verändert. Warum trägst du immer noch diesen unvorteilhaften Schnurrbart? Ein scheußliches Ding! Wenn du mich fragst, ich würde ihn abrasieren. Die Mädchen hier mögen das nicht. Sowas ist hier seit mindestens zwanzig Jahren passé.«

Dorian lächelte. »Die Stadt übt einen schlechten Einfluss auf dich aus, Jeff. Du hast dir die seichten Redensarten angewöhnt, die man hier zu pflegen scheint.«

»Man muss mit den Wölfen heulen. Schließlich werde ich hier einen Film produzieren. Einen Drink?«

Als Dorian nickte, trug Jeff Parker dem Diener, der sich unauffällig im Hintergrund gehalten hatte, auf: »Zwei Whisky, Rudolpho. Einmal pur.«

Der Mexikaner feixte. »Pur, so wie ihn alle Schotten mögen.«

»Ich bin kein Schotte«, erklärte Dorian.

»Entschuldigen Sie, Sir«, sagte der Mexikaner und machte einen Diener.

Dorian nahm den Drink und wandte sich wieder Parker zu. Dieser zwinkerte ihm vielsagend zu. »Wenn du ausgetrunken hast, gehst du besser auf dein Zimmer, um dich frisch zu machen.

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