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Dorian Hunter - Folge 010

Inhalt

  1. Cover
  2. Impressum
  3. DER FOLTERKNECHT
  4. Kapitel 1
  5. Kapitel 2
  6. Kapitel 3
  7. Kapitel 4
  8. Kapitel 5
  9. mystery-press
  10. Vorschau

Auf Schloss Lethian an der österreichisch-slowenischen Grenze gerät der Reporter Dorian Hunter in ein Abenteuer, das seinen Verstand übersteigt. Die acht Männer, die seine Frau Lilian und ihn begleiten, sind seine Brüder – gezeugt in einer einzigen Nacht, als die Gräfin von Lethian, selbst eine Hexe, sich mit dem Teufel Asmodi vereinigte! Dorians Brüder nehmen die Offenbarung euphorisch auf. Nur Dorian will sein Schicksal nicht akzeptieren. Er tötet seine Mutter und wird daraufhin von seinen Brüdern gejagt. Es gelingt ihm, das Schloss in Brand zu stecken und mit seiner Frau zu entkommen. Aber Lilian ist nicht mehr sie selbst. Sie hat bei der Begegnung mit den Dämonen den Verstand verloren. Übergangsweise bringt Dorian sie in einer Wiener Privatklinik unter, die auf die Behandlung psychischer Störungen spezialisiert ist – und begegnet kurz darauf der jungen Hexe Coco Zamis, die von ihrer Familie den Auftrag erhalten hat, Dorian zu töten. Doch Coco verliebt sich in den Dämonenkiller und wechselt die Seiten, wodurch sie nicht nur ihre magischen Fähigkeiten verliert, sondern darüber hinaus aus der Schwarzen Familie ausgestoßen wird.

Coco wie auch Dorian sind nun gleichzeitig Jäger und Gejagte, denn Dorian hat sich geschworen, seine Brüder, die das Feuer auf Schloss Lethian offenbar allesamt überlebt haben, zur Strecke zu bringen. In London tötet er Roberto Copello, nachdem dieser den Secret-Service-Agenten Donald Chapman auf Puppengröße geschrumpft hat. Mit Hilfe des Secret Service gründet Dorian die »Inquisitionsabteilung«, der nicht nur er selbst, sondern auch Coco und der Puppenmann Chapman fortan angehören. Ein weiteres »inoffizielles« Mitglied ist der geheimnisvolle Hermaphrodit Phillip, dessen Adoptiveltern von Dämonen getötet wurden. Zum Hauptquartier der Inquisitionsabteilung wird die Jugendstilvilla in der Baring Road, in der Phillip aufgewachsen ist, doch gleichzeitig stöbert Dorian Hunter weiter in der Bibliothek seines alten Reihenhauses in der Abraham Road nach Hinweisen auf dämonische Umtriebe – und stößt auf das Tagebuch des Barons Nicolas de Conde, der auf dem Eulenberg nahe Nancy im Jahr 1484 seine Seele dem Teufel verkaufte.

De Conde verriet seine Familie und erlangte dafür die Unsterblichkeit. Später bereute er seine Tat und wurde Mitautor des »Hexenhammers« und einer der schlimmsten Hexenjäger – nur um zu erkennen, dass er dem Teufel erneut auf den Leim gegangen war, denn oft starben auf dem Scheiterhaufen nicht echte Hexen, sondern Menschen, die fälschlich angeklagt waren … De Conde starb als vermeintlicher Ketzer – und der Fluch erfüllte sich. Seither wird seine Seele nach jedem Tod in einem neuen Körper wiedergeboren, in dem er zunächst mühsam nach seinen alten Erinnerungen suchen muss – zuletzt im Körper von Dorian Hunter!

DER FOLTERKNECHT

von Ernst Vlcek

Vergangenheit, Anno Domini 1484, Dezember

Letzte Nacht habe ich den Teufel angerufen, und das hat mein Leben mit einem Schlag verändert. Es mag unverständlich und seltsam klingen, dass ich, Baron Nicolas de Conde, mich mit der Schwarzen Magie beschäftige. Mir hat es bisher an nichts gefehlt, und ich hatte immer alles im Leben, was ich mir nur wünschte. Ich bin mit Reichtum, einer klugen und schönen Frau und zwei Kindern gesegnet; und ohne mir schmeicheln zu wollen, kann ich ruhig behaupten, dass ich das bin, was man landläufig einen gelehrten Mann zu nennen pflegt; mein Studium der Naturwissenschaften habe ich in deutschen Landen mit Auszeichnung abgeschlossen. Mein Schloss nahe dem Eulenberg von Nancy wird von vielen als das schönste in weitem Umkreis gepriesen; meine Ländereien, ausgedehnte Wälder und fruchtbare Felder, von ehrbaren und fleißigen Bauern bestellt, erbringen mir jährlich einen so großen Gewinn, dass ich um die Zukunft der meinen keine Sorge zu haben brauche. Und dennoch kann ich nicht recht glücklich und zufrieden sein. Wahrscheinlich, weil mir nur alles Glück dieser Welt zu Füßen liegt.

1. Kapitel

Ich möchte die letzten Geheimnisse ergründen, doch die Naturwissenschaft hat ihre Grenzen. So kam ich zwangsläufig dazu, mich für die Geheimlehren zu interessieren. Mit Alchimie beschäftigte ich mich nur kurz, da ich bald erkannte, dass das etwas für Narren war. Keiner, der auf die Alchimie schwört, wird jemals Gold erzeugen können, wenn er nicht überirdische Gehilfen hat. Man muss sich schon der schwarzen Magie anvertrauen, wenn man Steine in Gold verwandeln oder sich das ewige Leben verschaffen will. Man muss den Mut haben, mit dem Teufel einen Pakt zu schließen. Darüber hinaus bedarf es aber auch noch eines großen Wissens. Denn dass man sich erzählt, der Teufel hätte schon so manchen überlistet und ihm seine Seele genommen, ohne eine Gegenleistung dafür erbracht zu haben, das kommt nicht von ungefähr.

Ich habe letzte Nacht die Teufelsbeschwörung vorgenommen, und Asmodi hat mich erhört. Er ist mir erschienen: nicht etwa nur im Traum, wie angeblich der Heiland so manchem Frommen, sondern wirklich und wahrhaftig und mit Pech und Schwefel und Blitz und Donner. Er war keineswegs freundlich oder erfreut, denn ich hatte ihn bei den Vorbereitungen zu einem Hexensabbat gestört. Er war ungehalten, ja, böse über die Störung, doch musste er zugeben, dass er nicht anders gekonnt hatte, als meinem Ruf Folge zu leisten. Daraus ersah ich, wie wertvoll es war, alle Arten der Teufelsbeschwörung in der Theorie zu beherrschen, bevor man zur Praxis überging.

Ich hatte einen magischen Kreis gezogen, in dem er nun wütend herumtänzelte und gar fürchterlich fluchte. Als er sich endlich beruhigt hatte, fragte er: »Was willst du von mir, erbärmlicher Sterblicher? Du hast mich doch nicht nur gerufen, weil es dich gelüstete, mich zu sehen?«

Ich hatte mich von meinem ersten Schreck und der Überraschung, dass mir Asmodi in Fleisch und Blut gegenüberstand, rasch erholt. »Sieh an, der Fürst der Finsternis zappelt in meinem Netz«, spottete ich. »Was drängt dich denn, meiner Gastfreundschaft so schnell wieder zu entsagen, Asmodi?«

»Ein Sabbat steht bevor, werter Baron. Es gilt, das große Fest vorzubereiten, die Instrumente zu stimmen, den Festplatz zu entweihen, damit auch alle den Weg zu mir finden. Vergeude also nicht meine kostbare Zeit und nenne dein Begehr!«

»Ich habe dich gerufen, um dir ins Gesicht zu sagen, dass ich an deiner Macht zweifle.«

Er lachte schauerlich. »Nun, ich bin gekommen, und zwar schnell, obwohl ich fern von deinem Schloss war. Das sollte dich erahnen lassen, was ich alles kann. Aber ich sehe, dass du mich nur täuschen willst. Denn würdest du wahrlich an mir zweifeln, dann wäre es dir nicht so trefflich gelungen, mich herzurufen.«

»Dein Erscheinen allein beeindruckt mich noch nicht. Das hätte jeder Scharlatan, jeder geschickte Gaukler geschafft. Du musst mir schon einen überzeugenderen Beweis deiner Macht geben, wenn ich an dich glauben soll.«

»Und woran habt Ihr gedacht, werter Baron?«, fragte er lauernd.

Ich holte tief Atem und sagte dann: »Wenn du wirklich so mächtig bist, wie du überall verkündest, dann müsstest du einem Sterblichen auch das ewige Leben geben können.«

»Das kann ich«, behauptete Asmodi. »Viele Menschen, die sich von mir taufen ließen und der Schwarzen Familie angeschlossen haben, besitzen die Unsterblichkeit und beherrschen darüber hinaus noch die schwarze Magie.«

»Dann müsstest du auch mir das ewige Leben schenken können.«

»Das wäre mir freilich möglich«, behauptete Asmodi, »aber warum sollte ich das tun? Welche Gegenleistung kann ich von dir erwarten?«

»Nenne deine Bedingungen«, forderte ich ihn auf, »aber bevor du das tust, möchte ich dich warnen. Ich lasse mich nicht von dir hinters Licht führen. Ich weiß, dass du schon oft Versprechen gegeben hast, die du dann nicht einhieltest.«

»Mir scheint, du weißt tatsächlich viel über mich. Aber ganz so, wie du sagst, war es nicht. Die sich von mir betrügen ließen, haben es nicht anders verdient. Nur wenige sind auserwählt, in die Schwarze Familie aufgenommen zu werden, denn sie müssen gewisse Veranlagungen besitzen, die es ihnen erlauben, ihrem bisherigen Leben abzuschwören. Du scheinst mir geeignet zu sein. Aber um sicherzugehen, müsste ich dich erst noch auf die Probe stellen. Bestehst du die Prüfung, dann schenke ich dir die Unsterblichkeit.«

»Nenne mir deine Bedingungen!«, wiederholte ich.

Asmodi rieb sich die Hände.

»Höret, werter Baron, was ich von Euch verlange«, sagte er mit satanischem Grinsen. »Ich verlange, dass Ihr in der nächsten Nacht beim zwölften Schlag der Turmuhr von Nancy mit den Euren auf dem Eulenberg erscheint. Dort findet der Sabbat statt. Ihr müsst nämlich wissen, dass ich Euch keinen Wunsch erfüllen kann, ehe Ihr nicht die Taufe der Schwarzen Familie erhalten habt.«

»Die will ich gern über mich ergehen lassen«, sagte ich beklommen, »aber was meine Familie anbelangt …«

»Ich kann Euch nur taufen, wenn Ihr Euch von Eurer Frau und Euren Kindern lossagt«, unterbrach mich Asmodi mit grollender Stimme. »Ihr müsst zulassen, dass sie während des Hexensabbats entweiht werden, und zwar vor Eurem Angesicht. Ohne einen Beweis Eurer Treue zu mir kann ich Euch das ewige Leben nicht schenken.«

»Ihr meint, ich soll meine Familie symbolisch entweihen lassen?«, fragte ich, eine Gelegenheit witternd, den Fürsten der Finsternis zu hintergehen.

»Erscheint nur persönlich auf dem Eulenberg, dann bin ich schon zufrieden«, sagte Asmodi. »Aber Ihr müsst aus freien Stücken kommen, Baron, Euch aktiv am Sabbat beteiligen und alles das tun, was ich von Euch verlange. Wenn Ihr nicht sicher seid, dass Ihr die Taufe der Schwarzen Familie empfangen wollt, dann bleibt dem Eulenberg besser fern, werter Baron.«

»Ich werde kommen.«

»Gut, sehr gut. Dann ist dir das ewige Leben gewiss, Nicolas.«

Darauf verschwand er wieder mit Blitz, Donner und Schwefelgestank.

Beim ersten Tageslicht schon traf ich Vorbereitungen, meine Familie in Sicherheit zu bringen. Meine Frau verstand nicht, warum ich auf dieser überstürzten Abreise bestand, aber sie fügte sich. Ein befreundeter Graf, der ein Gut an der Grenze zu Deutschland bewirtschaftete, war von einem vorausreitenden Boten von der Ankunft meiner Familie verständigt worden. In dem Begleitschreiben nannte ich keinen Grund, warum ich meine Frau und meine zwei Kinder zu ihm schickte, bat ihn jedoch, mein Erbe zu verwalten, falls mir etwas zustoßen sollte.

Während die Habe meiner Frau und meiner Kinder in die Kutsche verladen wurde, ließ ich mir ein Pferd satteln. Ich geleitete die Kutsche bis zur Brücke, die über die Meurthe führte. Meine Frau weinte beim Abschied. Die Kinder freuten sich über die unerwartete Reise, denn sie mochten den Grafen sehr. Außerdem hatte ich ihnen versprochen, in einigen Tagen nachzufolgen.

Ich wartete an der Brücke, bis die Kutsche meinen Blicken entschwunden war, dann kehrte ich auf das Schloss zurück und harrte voller Ungeduld der Nacht. Ich hatte dem Kutscher aufgetragen, unbedingt bis zu einer Herberge nahe des gräflichen Gutes durchzufahren, denn ich wollte, dass meine Frau und die Kinder so weit wie möglich vom Eulenberg entfernt waren, wenn der Hexensabbat begann.

Je näher Mitternacht rückte, desto ruhiger wurde ich. Ich sah der Begegnung mit Asmodi gelassen entgegen, denn ich war sicher, ihn überlistet zu haben.

Schließlich war es Zeit zum Aufbruch. Ich hatte dem Gesinde vorher Anweisung gegeben, sich nicht um jenen späten Besucher zu kümmern, der in einen schwarzen Mantel gekleidet war und sein Gesicht unter einer Kapuze verbarg, und ihn unbehelligt aus dem Schloss zu lassen.

So schlich ich mich, von niemandem erkannt, wie ein Dieb aus meinem Schloss und begann dann durch den Wald den Aufstieg auf den Eulenberg. In den vergangenen Tagen war der erste Schnee gefallen, so dass es ziemlich hell war. Kurz vor Mitternacht brach der Vollmond durch die Wolken und überflutete den Eulenberg mit einem fahlen Licht. Unheimliche Geräusche, die lauter wurden, je näher ich dem Gipfel kam, drangen von allen Seiten auf mich ein.

Der Eulenberg war nicht viel mehr als sechshundert Meter hoch, und ich hatte ihn schon oft bestiegen, so dass ich mir leicht ausrechnen konnte, wie rasch ich gehen musste, um gegen Mitternacht am Ziel zu sein.

Wer hatte nicht schon von Hexensabbaten gehört und von den schauerlichen Dingen, die dabei passierten? Ich war im Grunde vorbereitet, dennoch beeindruckte mich die Szenerie auf dem Berggipfel stark. Männer und Frauen tummelten sich fast durchweg nackt auf der Lichtung. In der Mitte brannte ein großer Scheiterhaufen, über dem Tiere gebraten und irgendwelches Zeug verbrannt wurde, das einen grässlichen Gestank verbreitete. Manche der Leute, die auf gefällten Bäumen, Steinblöcken oder mitgebrachten Hockern saßen, in Kesseln rührten oder tanzten, trugen Masken vor dem Gesicht, andere wiederum zeigten sich ungeniert.

Ich erkannte einige Männer und Frauen, Leute von Adel, aber auch Bürger und gemeines Volk: Den Bäcker aus Nancy, der uns mit Brot belieferte, einen Astrologen und seine drei Mätressen – ja, sogar einen hohen Regierungsbeamten. Letzterer kam auf einem Ziegenbock geritten; er war völlig nackt und hatte seinen Körper mit Tierblut besudelt. Es konnte auch Menschenblut sein, aber daran glaubte ich zu dieser Stunde noch nicht.

Niemand kümmerte sich um mich. Ich wurde in den teuflischen Reigen aufgenommen, so als hätte ich schon immer zu den Dämonenbeschwörern gehört. Obwohl die Temperatur sehr tief gesunken war, schienen die Gäste des Hexensabbats die Kälte nicht zu spüren. Immer mehr entledigten sich ihrer Kleider, trieben Unzucht und verspotteten Gott und die heilige Kirche. Als ich mich einmal bekreuzigen wollte, verbrannte ich mir die Finger dabei.

Und dann erschien Asmodi auf einem großen Opferstein. Er kam nicht als Teufel mit Hörnern, einem Pferdehuf und einem Schwanz, sondern er hatte einen Eselskopf auf. Doch das war nur eine Maske, die er abnahm und in die Menge schleuderte. Die Maske fiel mir in die Arme, was bestimmt kein Zufall war. Als ich sie genauer ansah, erkannte ich, dass es sich um einen echten Eselskopf handelte. Aus dem Hals floss noch warmes Blut. Ich war nicht fähig, den Kopf fallen zu lassen; so als würde mich eine böse Macht dazu zwingen, verkrallte ich meine Hände in dem Fell …

»Schwörst du allem Menschlichen ab und willst du das Sakrament des Bösen empfangen, Bruder?«, gellte Asmodis Stimme über die Lichtung.

»Ja, ich will«, sagte ich wie von selbst.

Der Scheiterhaufen fiel in sich zusammen, und dann war die Lichtung nur noch vom Mondlicht erhellt, ja, mir war sogar, als verblasse der Mondschein, während die Gestalten einen Kreis um mich bildeten. Plötzlich fühlte ich mich in die Enge getrieben, gefangen. Ich musste mich sehr zusammennehmen, um nicht in wilder Panik davonzulaufen. Aber ich wäre ohnehin nicht weit gekommen, also blieb ich auf meinem Platz, den Eselskopf immer noch in Händen haltend.

»Willst du alle weltlichen Bindungen abstreifen und in der Schwarzen Familie Unsterblichkeit erlangen?«, rief Asmodi.

»Ja, ich will«, wiederholte ich mit krächzender Stimme.

»Dann musst du alles verdammen, was Menschen gutheißen, und von nun an dem huldigen, was sie als böse anprangern.«

»Das werde ich tun«, sagte ich.

»Wirst du deine Frau und die Kinder deines eigenen Fleisches und Blutes verstoßen und die aus der Schwarzen Familie als deine Brüder und Schwestern anerkennen?«

Ich zögerte und musste erst einen Kloß hinunterschlucken, bevor ich sagen konnte: »Das will ich tun.«

Dabei dachte ich aufatmend daran, dass sich meine Frau und die Kinder in Sicherheit befanden. Es war sehr klug von mir gewesen, sie noch rechtzeitig fortzuschicken; nun waren sie so weit weg, dass Asmodi keine Macht mehr über sie hatte.

»Dann entweihe deine Familie und nimm die Sakramente der Schwarzen Familie entgegen!«

Die Gestalten umtanzten mich und gerieten dabei immer mehr in Ekstase. »Verfluche deine Frau!«, soufflierte mir der Chor. »Du hast ihren Kopf in Händen. Wirf ihn weg!«

Ich ließ unwillkürlich den Eselskopf fallen.

»Da sind die Arme deiner Frau!«

Jemand drückte mir zwei Eselsbeine in die Hand.

»Zerbrich sie!«

Ich schleuderte die abscheulichen Reliquien von mir.

»Hier die Augen! Zerquetsche sie!«

Ich übergab mich beinahe, als ich etwas Glitschiges in meinen Händen fühlte.

»Ihr Herz – bring es zum Stillstand!«

Der warme, weiche, feuchte Klumpen zwischen meinen Fingern schien zu pulsieren.

»Wirf ihren Körper den Buhlern vor!«

Ich schleuderte den Eselskörper gegen die Tanzenden, die sich wie wilde Tiere darauf stürzten.

Ich habe versucht, die nachfolgenden Geschehnisse aus meinem Gedächtnis zu verbannen, aber ich habe sie später noch oft in meinen Träumen durchlebt. Es genügt, wenn ich von diesen Alpträumen geplagt werde. Deshalb schreibe ich sie nicht auch noch nieder, damit andere davon verschont bleiben. Doch kann ich nicht verschweigen, dass ich hier, auf dem Gipfel des Eulenberges, von keinen Abscheulichkeiten verschont blieb. Ich erfuhr Demütigungen wie kein Mensch zuvor, musste Dinge über mich ergehen lassen, für die ich mich bis in den Tod schäme, und bei dem Gedanken an die Exzesse wird mir vor Ekel übel. Ja, ich habe mir dort auf dem Eulenberg den Tod gewünscht, denn ich erkannte, dass ich mich nie zum Bösen bekennen und nie ein vollwertiges Mitglied der Schwarzen Familie werden konnte. Aber ich bekam nicht den Gnadenstoß, sondern das ewige Leben.

»Nun habt Ihr die von Euch so begehrte Unsterblichkeit, Baron de Conde!«, verkündete Asmodi und ließ seinen Worten ein höhnisches Gelächter folgen, das in meinen Ohren noch nachhallte, als ich mich längst schon im ...

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