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Doppeltes Glück in Las Vegas

1. KAPITEL

Meine Sekretärin weint?

Verblüfft starrte Conall Donovan die Frau hinter dem Kirschholzschreibtisch an. Vanessa Valdez war seit über zwei Monaten bei ihm angestellt und verhielt sich immer professionell und sachlich. Beim besten Willen konnte er sich nicht erklären, was die Schleusen geöffnet haben mochte. Jedenfalls war er sich keiner Schuld bewusst. Er hatte sie nicht ein einziges Mal getadelt oder gar angeschrien. Denn sie war der Inbegriff einer perfekten Sekretärin.

Zögernd näherte er sich dem Schreibtisch. „Vanessa? Ist etwas passiert?“

Die zierliche Brünette betupfte sich die Wangen mit einem Taschentuch. Mit ihren fünfunddreißig Jahren sah sie eher wie fünfundzwanzig aus. Und obwohl er sie nicht unbedingt als umwerfend schön bezeichnet hätte, war sie attraktiv. Honigbraune Haare umrahmten ihr hübsches Gesicht und lockten sich bis auf die Schultern. Normalerweise blickten ihre großen braunen Augen sanft und klar, doch nun waren sie von Tränen verschleiert.

„Es tut mir leid“, murmelte sie in angespanntem Ton. „Ich … es ist wirklich etwas passiert.“

„Mit deinem Vater? Ist er krank geworden?“

Er beobachtete, wie sie schwer schluckte. Ihr Kummer ging ihm wider Erwarten an die Nieren. Obwohl sie eine alte Bekannte der Familie war, herrschte zwischen ihnen keine besonders tiefe Beziehung. Meistens verhielt sie sich reserviert.

Dass ihre Mutter vor zwei Jahren gestorben war und ihr alternder Vater nun in einem Pflegeheim lebte, wusste Conall nur, weil er zufällig dieselbe kleine Kirche besuchte, der ihre Eltern angehört hatten.

Doch in den letzten Monaten war Vanessa zu einer verlässlichen Größe seines Lebens geworden, und er respektierte ihre Hingabe an ihren Beruf und die Finesse, mit der sie die Kunden behandelte und ihm dadurch die Arbeit erleichterte.

„Nein“, antwortete sie. „Es geht nicht um meinen Vater.“

Conall unterdrückte ein ungehaltenes Seufzen, als sie sich nicht weiter ausließ. Um Gedankenleser zu spielen, fehlte ihm die Zeit. Etwas schroff fragte er: „Willst du dir den Nachmittag freinehmen?“

Es gab noch verdammt viel Arbeit zu bewältigen, bevor der Tag zu Ende ging, aber wenn es unbedingt sein musste, kam er irgendwie auch ohne sie zurecht. Er musste eben seine Mutter Fiona bitten, für den Rest des Nachmittags einzuspringen.

Vanessa schüttelte den Kopf und straffte die Schultern.

Zu seiner Verblüffung verspürte er den Drang, zu ihr zu gehen und die Tränen wegzuwischen, die auf ihren zarten Wangen glitzerten. Verdammt, Conall, was soll diese seltsame Anwandlung? Du hast noch nie zum Frauentröster getaugt. Da brauchst du bloß deine Exfrau zu fragen. Außerdem rühren Tränen nicht an dein eisernes Herz. Nicht mehr.

In seine unliebsamen Gedanken erwiderte sie mit erstickter Stimme: „Es geht gleich wieder. Gib mir nur ein paar Minuten, um den Schock zu überwinden.“

Welchen Schock? Verwundert fragte er sich, was vorgefallen sein mochte, und ließ den Arbeitstag Revue passieren. Das Telefon hatte fast ununterbrochen geklingelt. Das war nicht ungewöhnlich, denn die Diamond D war ein riesiges Vollblutgestüt mit Geschäftsverbindungen in der ganzen Welt, und jetzt im Sommer herrschte Hochsaison für Pferderennen.

Sein Büro war nur eines von vielen in einem modernen Backsteingebäude, das nördlich vom Ranchhof und westlich vom Haupthaus stand. Sein jüngerer Bruder Liam, der Pferdetrainer, belegte mit seiner Sekretärin ebenfalls einen eigenen Bürokomplex, und dazu nahm die Buchhaltung mehrere Räume ein.

Als Manager des gesamten Unternehmens blieb Conall kaum ein ruhiger Moment während des Arbeitstages; Unmengen von Telefonaten und Berge an Korrespondenz hielten seine Sekretärin in Atem. Seit er auch noch die Leitung der Mine Golden Spur übernommen hatte, ging es extrem hektisch zu.

„Hör mal, Vanessa, mir ist klar, dass ich ein unzumutbares Pensum von dir verlange. Aber es wird nicht immer so bleiben. Ich habe vor, einen Assistenten für dich einzustellen, sobald ich dazu komme, mich mit Bewerbungen zu befassen.“

Ihre ohnehin schon großen Augen wurden noch größer. „Oh nein, es ist nicht die Arbeit.“ Sie deutete zu den Papieren, die sich auf dem Schreibtisch stapelten. „Damit werde ich leicht fertig. Aber ich habe gerade einen Anruf aus Las Vegas bekommen. Es war … eine furchtbare Nachricht. Eine gute Freundin ist gestorben. Und ich … ich kann es nicht fassen, dass sie fort ist. Sie war …“ Sie verstummte abrupt, weil Schluchzer ihren Körper schüttelten.

Nun konnte er sich nicht länger davon abhalten, um den Tisch herumzugehen und ihre zitternden Schultern festzuhalten. „Das tut mir sehr leid.“

Sie mied seinen Blick und flüsterte: „Es geht gleich wieder.“

Er wusste nicht, ob sie ihn oder sich selbst beruhigen wollte. Fest stand, dass sie emotional am Ende war und er ihr irgendwie helfen musste. „Nein, es geht eben nicht. Du zitterst ja. Komm und setz dich auf die Couch.“

Mit festem Griff zog Conall sie von ihrem Drehstuhl hoch, legte ihr einen Arm um die Taille und führte sie zu einem langen Ledersofa an der gegenüberliegenden Wand.

„Setz dich einfach hin und versuch, dich zu entspannen“, ordnete er an. „Ich bin gleich wieder da.“

Mit schnellem Schritt ging er in sein angrenzendes Privatbüro. Dort hielt er eine Auswahl an Getränken für Geschäftsfreunde bereit. Er füllte einen Becher zur Hälfte mit Kaffee, goss einen gehörigen Schuss Brandy dazu und kehrte in das Vorzimmer zurück. „Hier. Trink das. In einem Zug.“

Mit zitternden Händen führte Vanessa den Becher zum Mund. Nach einem vorsichtigen Schluck, der ihr den Atem verschlug und Hustenreiz auslöste, stellte sie vorwurfsvoll fest: „Da ist ja Alkohol drin!“

„Nicht annähernd genug. Trink weiter.“

„Mehr als genug für mich“, konterte sie, aber sie gehorchte. „Danke. Jetzt kann ich wieder reden.“

Zu seiner Erleichterung kehrte ein wenig Farbe auf ihr Gesicht zurück. Conall nahm ihr den Becher aus der Hand, stellte ihn auf den Tisch und setzte sich neben sie. „Also dann“, sagte er sanft. „Erzähl mir, was mit deiner Freundin passiert ist.“

Sie schloss die Augen und presste die schlanken Finger an die Schläfen.

Conall fiel auf, wie lang und gebogen ihre Wimpern waren, die sich dunkel von ihren feuchten Wangen abhoben. Ihr Teint erinnerte ihn an eine rosige Perle in goldenem Sonnenschein. Nicht zum ersten Mal kam ihm in den Sinn, wie anziehend ihre Haut auf ihn wirkte, wie glatt und zart sie war und zum Streicheln einlud.

Warum in aller Welt dachte er in diese abwegige Richtung, und ausgerechnet in dieser Situation? Mit Frauen hatte er ein für alle Mal abgeschlossen. Zu bitter war die Vergangenheit.

Die Augen immer noch geschlossen, eröffnete Vanessa: „Ich habe mich mit Hope Benson angefreundet, kurz, nachdem ich in Las Vegas angekommen war. Wir haben beide als Cocktailkellnerin im Spielkasino Lucky Treasure gearbeitet.“

„Ich wusste gar nicht, dass du gekellnert hast“, murmelte er. Nicht, dass er sich daran störte. Schließlich musste jeder irgendwo anfangen, und offensichtlich war sie die Erfolgsleiter weit hinaufgestiegen. Immerhin hatte sie es im selben Kasino in Nevada bis zur Privatsekretärin des Geschäftsführers gebracht, bevor sie in ihren Heimatort zurückgekehrt war.

„Was hast du denn erwartet? Damals bin ich mit nichts von hier weggegangen. Ich musste sehr hart arbeiten, um mir das Studium zu finanzieren.“

Natürlich wusste Conall, dass sie aus einer armen Familie stammte. Denn sie war seit der Grundschule mit seiner Schwester Maura befreundet und hatte sie in früheren Jahren oft auf der Ranch besucht.

Weil er zwei Jahre älter war als die beiden, hatte er Vanessa damals kaum beachtet. Außerdem waren die Donovans insgesamt sechs Geschwister; ständig hatten sich irgendwelche Freunde im Haus aufgehalten. Deshalb war sie für ihn nur eine von vielen gewesen. Doch er erinnerte sich vage, dass sie sehr still gewirkt hatte, beinahe wie ein Mauerblümchen.

Später, während seines Aufenthalts im College, war ihm zu Ohren gekommen, dass sie nach Nevada gezogen war. Das lag nun fünfzehn Jahre zurück. Danach hatte er nichts mehr von ihr gehört und sie völlig vergessen, bis sie sich vor zwei Monaten auf sein Stellenangebot gemeldet hatte.

Conall musste sich eingestehen, dass er sie zunächst für unqualifiziert gehalten hatte. In ihrer Jugend war sie ihm wie der Typ „Heimchen am Herd“ erschienen, das sein ganzes Leben nur auf ein Ziel ausrichten wollte: einen Ehemann glücklich machen und ein Haus voller Kinder aufziehen. Als Karrierefrau hatte er sie sich beim besten Willen nicht vorstellen können. Nur ihrer Freundschaft mit seiner Schwester verdankte Vanessa es, dass er sie zu einem Einstellungsgespräch auf die Ranch bestellt hatte.

Zu seiner großen Überraschung konnte sie jedoch einen hervorragenden Studienabschluss in Betriebswirtschaft, ausgezeichnete Fachkenntnisse und einen eindrucksvollen Werdegang vorweisen. Er hatte sie vom Fleck weg engagiert und die Entscheidung seitdem nicht eine Sekunde bereut.

Ein leises Seufzen erregte seine Aufmerksamkeit. Er beobachtete, wie sie die Augen aufschlug. Die Tränen waren versiegt; stattdessen sah er etwas, das an Panik grenzte. Eine seltsame Regung angesichts des Todes einer Freundin, dachte er unwillkürlich.

„Entschuldige. Ich wollte nicht so widerspenstig klingen. Das Schicksal hat es gut mit mir gemeint. Ich weiß nur nicht, was ich von dieser Sache halten soll. Hope war hochschwanger. Bei der Geburt haben sich Komplikationen ergeben. Der Anwalt ist nicht ins Detail gegangen und hat nur gesagt, dass ein Notkaiserschnitt erforderlich war. Kurz danach ist sie gestorben.“

Vanessa holte tief Luft, bevor sie fortfuhr: „Ich nehme an, es hing mit ihrem genetisch bedingten Herzleiden zusammen. Aber sie hat immer gesund gewirkt, und ich dachte, die Ärzte hätten alles unter Kontrolle. Sie hat mir versichert, dass es ihr und den Babys gut geht.“

Babys? Mehrere?“

„Ja. Zwillinge. Ein Junge und ein Mädchen. Sie sind jetzt drei Tage alt. Hopes Anwalt ist jetzt erst dazu gekommen, sich mit ihrem Letzten Willen zu befassen.“

Verständnislos fragte Conall: „Aber was hat das alles mit dir zu tun?“

Das Telefon auf dem Schreibtisch klingelte. Sie wollte aufstehen, aber er hielt sie mit festem Griff an einer Schulter zurück. „Vergiss es. Wer immer es ist, soll noch mal anrufen oder eine Nachricht hinterlassen. Ich will die Geschichte zu Ende hören.“

Bedächtig bewegte sie den Kopf hin und her. „Es ist unfassbar! Hope wollte, dass ich das Sorgerecht für ihre Kinder bekomme. Ich soll deren Mutter werden.“

„Ist das dein Ernst?“, fragte er verblüfft.

„Mein voller Ernst.“ Sie blickte ihn finster an. „Wieso? Glaubst du, dass ich nicht fähig bin, die Mutterrolle zu übernehmen?“

Typisch Frau, mir das Wort im Mund umzudrehen! „Ich zweifle nicht an deinen Fähigkeiten. Im Gegenteil; ich bin überzeugt, dass du eine tolle Mutter sein wirst. Ich bin nur skeptisch wegen der Rechtswirksamkeit ihres Wunsches. Gibt es keinen Vater?“

Vanessa ließ die Schultern hängen und strich sich mit zitternder Hand durch das Haar. „Er war nur eine kurze Episode in Hopes Leben. Sie hat ihn über die Schwangerschaft informiert, aber er hat klipp und klar erklärt, dass er nichts mit ihr oder den Babys zu tun haben will. Anscheinend muss er schon reichlich Alimente an seine Exfrau zahlen und will nicht noch mehr Verpflichtungen übernehmen. Daraufhin hat Hope eine Verzichtserklärung für die Vaterschaft und sämtliche sonstige Ansprüche aufsetzen lassen, und er hat sehr bereitwillig unterschrieben.“

„So ein Mistkerl!“, schimpfte Conall.

„Ich wusste von Anfang an, dass es ein großer Fehler war, sich mit dem Schuft einzulassen. Aber sie war hoffnungslos in ihn verliebt und wollte immer eine große eigene Familie. Sie war nämlich adoptiert.“

„Was ist mit ihren leiblichen Eltern?“

„Nach denen hat sie nie gesucht. Sie hat die Bensons als ihre wahren Eltern angesehen, aber die sind bei einem Erdbeben in Kalifornien ums Leben gekommen, als Hope noch klein war. Zum Glück ist sie selbst körperlich unverletzt geblieben, aber emotional hat sie den Verlust wohl nie überwunden.“

„Anscheinend hatte sie kein leichtes Leben.“

„Das kann man wohl sagen. Hope war zweiundvierzig. Es war ihre letzte Chance, Kinder zu bekommen. Deswegen hat sie es riskiert, obwohl die Ärzte ihr wegen des Herzfehlers dringend von einer Schwangerschaft abgeraten hatten.“

„Habt ihr beide denn ausdrücklich vereinbart, dass du die Mutterrolle übernimmst, falls ihr etwas zustößt?“

„Ganz zu Anfang der Schwangerschaft hat sie mich gebeten, Patentante zu werden. Ich habe natürlich eingewilligt. Wir waren schließlich eng befreundet und haben einige schwere Zeiten miteinander durchgestanden. Aber ich habe ihr gleichzeitig eingeredet, dass alles gut wird und sie sich auf ihre Zukunft mit den Kindern konzentrieren soll.“ Erneut traten ihr Tränen in die Augen. „Ich habe mich geweigert, auch nur einen Moment daran zu denken, dass Hope sterben könnte.“

Conall ärgerte sich, weil er nicht die richtigen Worte fand, um sie zu trösten. „Niemand von uns will daran denken, einen Nahestehenden zu verlieren. Wir können nicht ständig das Schlimmste befürchten. Wohin würde uns das führen?“

Vanessa schluckte schwer, stand auf und wanderte ziellos im Raum umher. Sie hatte ihren eigenen, langjährigen Kinderwunsch zunächst zugunsten ihres Studiums zurückgestellt und sich danach ganz darauf konzentriert, sich vom Barbetrieb des Spielkasinos zur Büroetage hochzuarbeiten.

Zu jener Zeit hatte sie ihren Exmann kennengelernt und geglaubt, der Traum von einer eigenen Familie könnte endlich Wirklichkeit werden. Aber Jeff hatte sich als bloßer Mitläufer entpuppt, der sich nur zu gern von seiner Frau aushalten ließ, damit er sein Leben freizügig und ungehindert auskosten konnte.

Vom Verstand her wusste sie, dass es besser war, dass die kurze Ehe kinderlos geblieben war. Aber seit der Scheidung trauerte sie ihrem Wunschtraum nach und betete, dass es das Schicksal eines Tages doch noch gut mit ihr meinte. Allerdings war sie nicht darauf gefasst, auf diese erschütternde Weise Mutter zu werden.

„Wahrscheinlich hast du recht.“ Sie blieb am Fenster stehen und starrte blind hinaus. „Man sollte sich nicht zu sehr damit befassen, was alles schiefgehen könnte. Aber momentan fühle ich mich einfach überfordert. Der Anwalt erwartet mich in den nächsten Tagen in Las Vegas. Ich soll die Kinder abholen und muss dafür so viel vorbereiten. Ich wohne im Haus meiner Eltern. Erinnerst du dich daran?“

Es war lange her, seit Conall in die bergige Gegend nordwestlich der Diamond D gekommen war. Trotzdem erinnerte er sich an das renovierungsbedürftige Häuschen, das seit vielen Jahren der Familie Valdez gehörte. Ihr Vater hatte sich redlich bemüht, es von seinem mageren Tischlergehalt instand zu halten. Aber seine vier Söhne waren Nichtsnutze, die keinen Finger für sich selbst oder ihre Eltern krumm machten.

Soweit Conall wusste, waren die missratenen Söhne mittlerweile aus der Gegend verschwunden. Vanessa kann froh sein, dass ihre Brüder nicht von ihrem hart verdienten Geld schmarotzen. „Ja, ich erinnere mich. Wohnst du allein da? Ich meine, hast du genug Platz für die Babys?“

„Das schon, aber das Haus ist nicht entsprechend ausgestattet. Weißt du, ich bin hierher zurückgekommen, um mich um meinen Vater zu kümmern. In medizinischer Hinsicht ist er in dem Pflegeheim zwar gut versorgt, aber er braucht meine Unterstützung – vor allem, seit meine Mutter tot ist. Da ich geschieden bin, habe ich nicht im Traum daran gedacht, in dem Haus eine Familie aufzuziehen. Ich muss wahnsinnig viel verändern und kaufen, um ein Kinderzimmer einzurichten.“

Sie zuckte erschrocken zusammen, als sie Conalls Hände auf den Schultern spürte, denn sie hatte ihn nicht kommen gehört. Auch sonst wäre ihr die Berührung unter die Haut gegangen. Denn Conall Donovan war für sie ein einzigartiger Mann.

Früher einmal, in der Highschool, hatte sie für ihn geschwärmt. Schon in sehr jungen Jahren hatte er Muskeln und dazu Verstand besessen und sich ihr gegenüber immer nett und höflich verhalten.

Inzwischen war er seit zwei Monaten ihr Arbeitgeber, und Vanessa bemühte sich nach Kräften, ihre Verliebtheit von damals zu vergessen. Doch nun, da er zum allerersten Mal auf Tuchfühlung ging, brachen die alten Gefühle wieder in ihr hervor.

„Sag mal, Vanessa, willst du diese Babys wirklich zu dir holen?“

Sie wirbelte zu ihm herum und bereute es sofort. Seine Gegenwart wirkte immer anregend, aber so ganz aus der Nähe betörte er ihre Sinne und brachte sie vollkommen aus der Fassung.

Beinahe schwarzes Haar lockte sich wirr um seinen Kopf. Eine Strähne fiel ihm verwegen in die Stirn. Die grauen Augen unter schweren dunklen Brauen wirkten kühl. Seine Züge waren markant und hager, was von viel harter Arbeit und wenig Schlaf kündete. Seine Kleidung, die von verwaschenen Jeans bis hin zu Designeranzügen reichte, saß immer wie maßgeschneidert an seinem großen muskulösen Körper.

Und das ist sie wohl auch. Er ist reich genug, um sich diese Extravaganz leisten zu können. Sie hatte Conall immer für dunkel und gefährlich, ungeheuer attraktiv und unerreichbar gehalten. Dieser Eindruck verstärkte sich nun noch mehr.

Nervös befeuchtete sie sich die Lippen. „Aber natürlich will ich das! Ich wollte schon immer Kinder und bin überzeugt, dass ich sie aufziehen und lieben kann, als hätte ich sie selbst zur Welt gebracht. Aber ich weiß nicht, wie ich die nötigen Vorbereitungen schaffen soll. Mir bleibt sehr wenig Zeit und …“

„Keine Panik!“, beschwichtigte er. „Eins nach dem anderen. Was ist denn vorrangig?“

Sie bemühte sich, ruhig zu bleiben und sich einzureden, dass seine sinnliche Aura ihr nicht den Atem verschlug. „Ich muss ganz dringend die Babys abholen. Sie sind schon aus dem Krankenhaus entlassen und vorläufig in einem katholischen Waisenhaus untergebracht worden.“

Conall wandte sich ab und ging nachdenklich vor dem Schreibtisch auf und ab. „Ich bin überzeugt, dass sie dort gut versorgt sind. Aber du fühlst dich wahrscheinlich wohler, wenn wir sie so schnell wie möglich herbringen.“

Wieso wir? Das ist doch mein Problem, nicht seins. „Stimmt. Deshalb muss ich mir für eine Weile freinehmen. Tut mir leid.“ Niedergeschlagen fügte Vanessa hinzu: „Wenn du meinst, dass du ganz auf meine Mitarbeit verzichten musst, habe ich Verständnis dafür.“

Er blieb abrupt stehen und sah sie finster an. „Wie kommst du denn auf die Idee? Glaubst du, wir Donovans feuern unsere Angestellten, wenn sie Hilfe brauchen?“

„Ich wollte dich nicht beleidigen. Aber du hast Unmengen von Arbeit. Du kannst es nicht allein schaffen und baust darauf, dass ich jeden Tag hier bin. Ich kann nicht erwarten, dass du zurücksteckst, nur weil ich ein Problem habe.“

Er winkte ab. „Du willst dich schließlich nicht beurlauben lassen, um auf Shoppingtour zu gehen. Hier im Büro komme ich schon klar. Meine Mutter wird für dich einspringen, und mein Vater kann meine dringendsten Verpflichtungen übernehmen. Ich werde es heute Abend mit ihnen besprechen. Zwischenzeitlich besorgst du Flugtickets für morgen.“

Verwirrt starrte sie ihn an. „Wieso mehrere? Ich brauche doch nur ein Ticket.“

„Irrtum.“ Er trat zu ihr, hob eine Hand und hielt Zeige- und Mittelfinger hoch. „Wir brauchen zwei. Weil ich dich begleiten werde.“

Sie rang nach Atem und starrte ihn verblüfft an.

Er grinste. „Was ist? Hast du Angst, dass du im Flugzeug einschläfst und ich dich schnarchen höre?“

Ist die Klimaanlage ausgefallen? fragte sie sich benommen. Schweißperlen traten ihr auf die Stirn; ihre Knie fühlten sich seltsam weich an; es rauschte laut in ihren Ohren. „Conall, ich …“

Sie brachte keinen weiteren Ton heraus und sank ihm geradewegs in die Arme.

2. KAPITEL

„Das arme Ding! Sie muss einen Schock erlitten haben.“

Vanessa hörte Fiona Donovans besorgte Stimme ganz in der Nähe, doch sosehr sie sich auch bemühte, konnte sie weder die Augen öffnen noch ein Wort herausbringen. Sie spürte den Druck von Fingern auf dem rechten Handgelenk.

Dann verkündete Bridget Donovan, die Ärztin in der Familie: „Ihr Puls wird kräftiger. Sie kommt zu sich.“

„Ich befürchte, dass Conall sie gezwungen hat, die Mittagspause durchzuarbeiten“, stellte Fiona in vorwurfsvollem Ton fest. „Wahrscheinlich hat sie den ganzen Tag lang noch keinen Bissen zu sich genommen.“

„Ich zwinge sie zu gar nichts, Mom“, entgegnete er schroff. „Bestimmt hat sie zwischendurch eine kleine Pause gemacht und ein Sandwich oder so etwas verschlungen. Sie scheint eine Vorliebe für dieses pappige Zeugs aus Kartons zu haben.“

„Du weißt also nicht, ob sie etwas gegessen hat oder nicht?“

„Nein, verdammt! Ich war schon vor Tagesanbruch in meinem Büro und bin erst vor ein paar Minuten wieder herausgekommen. Da habe ich sie weinend vorgefunden. Ich weiß nichts von ihrem Mittagessen. Aber wie man sieht, ist sie nicht am Verhungern. Sie hat genügend Fleisch auf den Rippen.“

Diese letzte Bemerkung trieb Vanessas Blutdruck prompt in die Höhe. Sie stöhnte leise, öffnete die Augen und stellte fest, dass sie auf der Couch in ihrem Büro lag. Bridget beugte sich über sie; Conall und seine Mutter standen wenige Schritte entfernt.

„Hallo, hübsche Lady“, sagte Bridget. „Schön, dass du wieder bei uns bist.“

Vanessa ließ den Blick von der rothaarigen Ärztin über Conalls verdrießliche Miene zu Fiona wandern, die erleichtert lächelte. „Was ist passiert? Ich weiß nur, dass ich mit Conall geredet habe und plötzlich so ein komisches Rauschen in den Ohren hatte.“

„Du bist ohnmächtig geworden“, erklärte Bridget. „Zum Glück hat er dich aufgefangen, bevor du dir den Kopf am Schreibtisch oder auf dem Fußboden anschlagen konntest. Zufällig war ich gerade zu Hause, als er angerufen hat. Wie fühlst du dich jetzt?“

„Schwach und schwindlig, aber etwas besser.“

„Gut. Du hast auch schon wieder etwas Farbe im Gesicht. Conall hat mir erzählt, dass du eine erschütternde Nachricht über deine Freundin erhalten hast.“

„Ja. Ich war ziemlich aufgewühlt, aber ich hätte nie gedacht, dass mir so etwas passieren könnte. Ohnmächtig werden! Wie peinlich ist das denn!“ Vanessa wandte sich an Conall. Seine Miene wirkte immer noch finster. Anscheinend war er verärgert über diese Unterbrechung im Arbeitsablauf. Inzwischen wusste sie, dass sein Beruf sein ganzer Lebensinhalt war. „Tut mir leid. Ich habe den ganzen Betrieb gestört und deine Familie aufgescheucht.“

„Unsinn!“, rief Fiona, bevor ihr Sohn auch nur ein Wort äußern konnte. „Du hast jedes Recht auf einen kleinen Ohnmachtsanfall. Die meisten Frauen haben neun Monate Zeit, um sich auf eine Mutterschaft vorzubereiten. Du hattest nicht mal neun Minuten.“

„Conall hat einen Herzanfall befürchtet und mich gleich angerufen“, fügte Bridget hinzu. „Jetzt setz dich mal auf und sag mir, wie du dich fühlst.“ Sie schob Vanessa die Hände unter die Schultern und half ihr, sich aufzurichten.

„Es geht ganz gut.

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