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Domians schwerste Stunde

Lennox Bahr

Domians schwerste Stunde


Wir alle danken Domian für seine Sendungen der letzten 22 Jahre und wünschen ihm viel Erfolg für seinen weiteren Lebensweg.


BookRix GmbH & Co. KG
80331 München

Intro

Ähnlichkeiten mit Namen, Orten und Geschehnissen sind rein zufällig. Diese Geschichte ist frei erfunden. 

Auf Sendung

„So, meine Lieben. Das heutige Thema lautet: Erziehungslücken. Wenn ihr also etwas Interessantes dazu zu sagen habt oder euch etwas von der Leber reden wollt, dann traut euch und ruft an. Da ist auch schon die erste Anruferin.“

Domian moderierte diese Sendung zum sechshundertsten Mal. Das System war immer gleich. Jeder Anrufer, der auf die offizielle Leitung geschaltet werden wollte, musste zunächst mit dem Team um Domian reden und wurde dann zur Sendung zugelassen. Dies wurde nach einem Filter organisiert, der die Anrufer in Kategorien einteilte und deren „Sendetauglichkeit“ in einem kurzen Gespräch analysierte. Es gab Indizien für Anrufe, die der Sendung nur schaden konnten und die deshalb nicht zur Sendung zugelassen wurden. Wenn jemand zu erregt war. Wenn jemand offensichtlich betrunken war. Wenn jemand erwarten ließ, dass er die Sendung sprengen würde. Das war besonders dann der Fall, wenn der Anrufer oder die Anruferin offensichtlich über Dinge reden wollten, die nicht zum Thema passten. Dies war aber auch dann der Fall, wenn die Anrufer politische Agitation betreiben wollten oder wenn man heraushören konnte, dass der Moderator beleidigt oder vorgeführt werden sollte. Dennoch aber war Domians Sendung eine Livesendung. Dies barg immer ein gewisses Risiko. Es gab auch Sendungen, in denen zu wenige Anrufer in der Leitung waren. Dass es aber hierfür auch Lösungen gab, war ein Geheimnis des Senders.

 

„Mit wem spreche ich?“

„Ja, hallo. Ich bin Birgit.“

„Hallo Birgit. Über was möchtest Du mit mir reden?“

„Es geht ja heute um Erziehung. Es geht um meinen Ex-Mann.“

„Ja, Birgit wir reden heute über alles, was mit Erziehung zu tun hat. Was ist mit deinem Mann?“

„Nun, er ist Alkoholiker. Wir haben eine gemeinsame Mutter.“

„Ihr habt eine gemeinsame Mutter?“, wunderte sich Domian.

„Nein, sorry, natürlich Tochter, meinte ich.“

„Ach so, ja Birgit erzähle weiter.“

„Also wir haben uns vor 3 Jahren kennengelernt und er war eigentlich ein lieber Kerl. Aber in der letzten Zeit hat er eben angefangen zu trinken, weil er schwer krank wurde und unsere Tochter hat er dann, wenn er betrunken war, ganz schlecht behandelt.“

„An was ist er denn erkrankt, Birgit?“

„Er hat eine seltene Allergie. Er kann manchmal kein Tageslicht ertragen. Das ist schlimm. Das hat ihn depressiv gemacht. Aber er hat eben alles auf uns geschoben. Er wurde immer aggressiver und ich habe dann versucht, meine Tochter da rauszuhalten. Sie ist jetzt 1 Jahr alt. Sicher schreit sie oft, aber sie kann doch nichts dafür …“

„Nein, Birgit, das ist doch ganz klar. Aber hast du denn mit ihm noch nicht gesprochen, dass er zu viel trinkt und dass das mit deiner Tochter gar nicht geht“, sagte Domian.

„Ich habe das versucht. Aber er ist im Suff immer so aggressiv“, antwortete Birgit.

„Was macht er denn dann mit deiner Tochter?“

„Er schreit sie an. Ja, manchmal ist das schon nervig, wenn sie so viel schreit. Aber er hat sich dann absolut nicht unter Kontrolle. Das hat dann dazu geführt, dass ich ihm gesagt habe, wenn er jetzt mit dem Trinken nicht aufhört, dann muss er ausziehen. Dann werde ich mich trennen“, sagte Birgit den Tränen nah.

„Was hat er dazu gesagt, als Du ihm das so klar gemacht hast?“

„Er ist ausgerastet. Da war es am schlimmsten. Da hat er rum gebrüllt und wild um sich geschlagen. Er hat sogar eine Dose Bier in die Vitrine geworfen. Da ist alles kaputt gegangen.“

„Ja Birgit, das hört sich aber gar nicht gut an. Ich glaube, dass ihr da ein ernstes Problem habt, zumal die Tochter auch gefährdet ist. Ich denke, du musst dem Mann unmissverständlich klar machen, dass er Hilfe braucht. Denn wenn er sich nicht kontrollieren kann und immer wieder trinkt und dann aggressiv wird, dann ist das keine Sache, die man auf die leichte Schulter nehmen sollte“, sagte Domian.

„Ich habe auch schon mit meinen Freundinnen gesprochen. Ich habe auch mit seinem besten Freund gesprochen. Aber seit er diese Krankheit hat wird es immer schlimmer.“

„Vielleicht liegt da auch eine der Ursachen und das ist auch ganz schlimm. Aber deshalb kann er sich nicht an Dir und schon gar nicht an dem kleinen Kind rächen. Das ist kein Weg. Also ich finde, da musst du jetzt vor allem an Dich denken und dich und deine Tochter beschützen.“

Domian bekam einen Hinweis über sein Headset, dass er das Gespräch langsam beenden sollte.

„Ja, aber ich bin da eben zu weich, wenn er am nächsten Tag wieder nüchtern ist, dann ist er auch ganz lieb und dann will er alles wieder gut machen“, sagte Birgit schluchzend.

„Also ich merke Birgit, dass Du dich da unheimlich engagierst und einfach an eine Grenze kommst. Du kennst sicher auch den Begriff des Ko-Alkoholikers. Durch dein Zögern und dein nicht konsequentes Handeln machst du es ihm aber auch zu leicht, sich seinen eigenen Problemen nicht zu stellen. Deshalb wäre es sehr gut, wenn Du dir da mal Dritte suchst, die vielleicht bei euch beiden etwas moderieren.“

Domian drängte auf Zeit.

„Ja, aber … ich habe doch alles versucht. Ich weiß jetzt nicht mehr weiter. Manchmal denke ich …“

Birgit begann wieder zu weinen.

„Liebe Birgit, ich merke doch, dass Du eine ganz Liebe bist. Da kommen auch viel Kraft und Energie bei Dir rüber. Ich würde Dir vorschlagen, dass Du jetzt noch nicht auflegst und wir dich an unser Team weiter schalten. Die werden dann Dir noch einige Tipps geben und dann wünsche ich Dir, dass alles gut wird mit deiner Tochter und deiner Beziehung. O.k., Birgit? Sollen wir es so machen?“

Birgit überlegte einen Moment.

„Ja gut, dann danke ich Dir“, sagte sie.

„Ich danke Dir Birgit. Also alles Gute.“

Domian drückte Birgit aus der Leitung.

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