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Doctor Who – Die weinenden Engel

Inhalt

  1. Cover
  2. Über den Autor
  3. Titel
  4. Impressum
  5. Widmung
  6. 10. April 2003
  7. Kapitel 1
  8. Kapitel 2
  9. Kapitel 3
  10. Kapitel 4
  11. Kapitel 5
  12. Kapitel 6
  13. Kapitel 7
  14. Kapitel 8
  15. Kapitel 9
  16. Kapitel 10
  17. Kapitel 11
  18. Kapitel 12
  19. Kapitel 13
  20. Kapitel 14
  21. Kapitel 15
  22. Kapitel 16
  23. Kapitel 17
  24. Epilog
  25. Danksagung

Über den Autor

Jonathan Morris wurde in Taunton, England, geboren. Er arbeitet seit vielen Jahren für die Doctor-Who-Produktionen und hat als Autor mehrere Romane und zahlreiche Hörspiele und Kurzgeschichten verfasst.

 

Für meine Frau, Debbie

10. April 2003

Klatsch-platsch! Klatsch-platsch! Klatsch-platsch!

Der Regen prasselte gegen die Windschutzscheibe, bevor die Scheibenwischer das Glas sauber wischten und das Wasser draußen in die überquellende Wanne oberhalb des Armaturenbretts drückten. Weiter vorn klaubten die Scheinwerfer die schmale Landstraße aus der Umgebung heraus und entrissen sie dem Dunkel; hohe Hecken zu beiden Seiten erweckten den Eindruck, als führe der Wagen durch einen Tunnel.

Rebecca rieb sich die Stirn. Wieder Kopfschmerzen. Wahrscheinlich dank des Idioten, der die letzten fünf Meilen hinter ihr verbracht und sich mit seinen Frontscheinwerfern in ihrem Rückspiegel ausgetobt hatte. Oder vor Erschöpfung, weil sie von London aus ohne Pause durchgefahren war. Es gab eindeutig keine andere Ursache für diese Kopfschmerzen. Na schön, dann hatte sie seit ihrem Unfall eben fast täglich welche, aber das war kein Grund, zum Arzt zu gehen, egal was Mark sagte.

Rebecca verspürte einen Anflug von Wut. Mark sollte eigentlich in diesem Moment bei ihr sein und sie bei dem zweimonatlichen Besuch bei ihren Eltern in Chilbury begleiten. Aber er hatte natürlich eine Entschuldigung. Mark hatte immer eine Entschuldigung. Es gab eine Krise auf der Arbeit, und er machte freiwillig Überstunden, um die Sache in Ordnung zu bringen. Wie üblich.

Klatsch-platsch! Klatsch-platsch! Klatsch-platsch!

Das Radio rauschte, als es das Signal für The World Tonight verlor. Es spielte keine Rolle, Rebecca wusste schon, wie die Nachrichten lauten würden. Es würde sich alles um die Irak-Invasion drehen. Es hatte wochenlang kein anderes Thema in den Medien gegeben: Journalisten in Splitterschutzwesten, die live aus Hotelzimmern berichteten, dazu Infrarotaufnahmen in Form grüner Kleckse, die über einer brennenden Stadt hin und her zuckten. Als ob man jemandem beim Kommentieren eines Computerspiels zusah.

Die heutige Hauptstory hatte von amerikanischen Soldaten gehandelt, die auf einem staubigen Platz in irgendeiner Stadt eine Saddam-Hussein-Statue zu Fall brachten, während der Reporter aufgeregt von einem bedeutsamen Ereignis in der Geschichte plapperte. Als Rebecca die Bilder der siegreichen Helden sah, die eine Fahne über die gefallene Statue drapierten, war ihr schlecht geworden, und sie hatte sich geschämt. Als Nächstes würden sie Schokoriegel verteilen!

Klatsch-platsch! Klatsch-platsch! Klatsch-platsch!

Rebecca stellte Radio1 ein. Ein schwermütiges Pianoriff drang aus den Lautsprechern, die Einleitung zu Beautiful von Christina Aguilera. Rebecca ließ das Lied laufen; es passte zu ihrer Stimmung und würde sie nicht vom Fahren ablenken.

Klatsch-platsch! Klatsch-platsch! Klatsch-platsch!

Sie näherte sich einer scharfen Linkskurve und schaltete in den zweiten Gang herunter. Als sie um die Ecke bog, sah sie sich plötzlich zwei blendend hellen Lichtern gegenüber, die genau auf sie zusteuerten.

Eine Hupe plärrte wie ein brüllendes Monster. Instinktiv riss Rebecca das Lenkrad nach links, um dem entgegenkommenden schweren LKW auszuweichen. Die linke Seite ihres Autos streifte die Hecke, deren Blätter und Dornengestrüpp an der Karosserie entlangschrammten. Mit pochendem Herzen fiel Rebecca – zu spät – ein, die Bremsen zu benutzen.

Die Front ihres Autos krachte in den Kühlergrill des Lasters, und die Windschutzscheibe zersprang in eine Million Glasperlen. Der Aufprall warf Rebecca nach vorn; ihr Sicherheitsgurt spannte sich so stark, dass es ihr die Luft aus der Lunge quetschte. Keine Sekunde später wurde Rebecca auf die Seite geschleudert, als ihr Auto sich überschlug. Die Erinnerung an eine Achterbahnfahrt in einem Freizeitpark schoss ihr durch den Kopf. Sie hatte Achterbahnfahrten noch nie gemocht.

Ihr einziger anderer Gedanke war, mit sarkastischer Belustigung festzustellen, dass die Szene auch gut aus Emergency Room hätte stammen können.

Als Nächstes ging ihr auf, dass sie in ihrem Sitz lag und über ein schlammiges Feld blickte. In ihrem Sitz lag? Ihr Sitz war nach oben gerichtet und ihr Gewicht ruhte auf ihrem Rücken. Aber wenn sie noch im Auto war, wieso konnte sie dann den Regen auf ihrem Gesicht spüren? Schmerzen hatte sie allerdings keine, und das war doch eine Erleichterung.

Rebecca verfluchte sich. Wie oft hatte ihre Mutter am Telefon schon darüber gejammert, dass Laster das Dorf als Abkürzung benutzten, obwohl der Gemeinderat Blitzer hatte aufstellen lassen? »Das schreit doch förmlich nach einem Unfall«, hatte sie gesagt. Wie sich nun herausstellte, hatte sie damit völlig recht gehabt.

Rebecca fragte sich, wieso alles auf dem Feld einen Orangeton hatte, als ob es von einer Straßenlampe beleuchtet würde. Eine Sekunde darauf wurde alles dunkel, bevor es wieder im selben Orangestich heller wurde. Der Laster musste den Warnblinker eingeschaltet haben. Was war aus dem Fahrer geworden? Einen Moment lang hoffte Rebecca, dass er verletzt worden war, das würde ihm recht geschehen, bevor sie den Gedanken aus ihrem Kopf verbannte. Sie hatte ausgesprochenes Glück gehabt, sich selbst nichts getan zu haben.

Aber wenn mit ihr doch alles in Ordnung war, wieso konnte sie sich dann nicht bewegen? Rebecca versuchte, sich in ihrem Sitz zu winden, aber der Sicherheitsgurt saß so stramm, dass sie kaum zu atmen vermochte. Nichts geschah. Sie wollte sich den Regen aus den Augen wischen, aber aus irgendeinem Grund reagierte ihre Hand nicht. Sie begann sich zu fragen, ob sie vielleicht doch eine Verletzung davongetragen hatte.

Draußen ging das orangefarbene Licht wieder an.

Das war jetzt aber sonderbar! Ungefähr sechs Meter weg von ihr, auf dem Feld, stand eine Statue, wie man sie auf einem Friedhof oder in einem römischen Museum finden mochte. Die Statue stellte eine junge Frau mit eingedrehten Haaren und fließendem Gewand dar. Zwei Flügel entsprangen hinter ihren Schultern: ein Engel. Die Statue stand gebeugt da und barg den Kopf in den Händen, als würde sie weinen; ein Eindruck, der noch dadurch verstärkt wurde, dass ihr der Regen durch die Finger tropfte.

Das Licht ging aus und schickte Rebecca in die Dunkelheit zurück. Sie dachte kurz an Lagerfeuer, die Guy-Fawkes-Nacht und kandierte Äpfel. Wieso dachte sie an Lagerfeuer? Und dann wurde ihr klar, dass sie roch, wie etwas brannte.

Das orangefarbene Licht ging wieder an. Rebecca war sich nicht sicher, aber hatte die Engelsstatue den Kopf eben nicht in den Händen gehalten? Denn jetzt sah sie mit leeren, pupillenlosen Augen in ihre Richtung.

Dann war es wieder dunkel. Dann orangefarbenes Licht.

Die Statue war jetzt näher herangekommen. Sie starrte Rebecca immer noch mit ihren ausdruckslosen, steinernen Augen an. Ihr Mund war jetzt leicht geöffnet, als wolle sie Atem holen, um etwas zu sagen.

Dunkelheit. Oranges Licht.

Jetzt stand sie nur noch zwei Meter weit weg, füllte Rebeccas Gesichtsfeld aus, ragte über ihr auf.

Schwarzer Qualm, eingefangen vom flackernden Schein eines Feuers, waberte um die Statue herum; ihr Gesichtsausdruck hatte sich in ein hungriges Zähnefletschen verwandelt. Ihre Lippen waren ganz zurückgezogen und enthüllten Reihen spitzer Eckzähne, ähnlich denen einer Fledermaus. Mit ausgestreckten Händen und Nägeln wie Klauen griff der Engel nach Rebecca.

Aber das ist unmöglich!, dachte Rebecca, die Statue bewegte sich nicht. Sie bewegt sich nicht.

Kapitel 1

7. Oktober 2011

Es war schwer, Toby Murray zu mögen. Er hatte ein rundliches, rotes Gesicht, war schwabbelig und verschwitzt, und er ahmte bewusst einen ganz schlimmen East-End-Akzent nach.

»Diesmal werden wir gewinnen, Mark. Wir werden sie schlagen!«

Mark seufzte. Das hier war nicht Law & Order, es war eine Routineübung in Vertragsrecht. Er hatte den Auftrag nur angenommen, weil Tobys Auftraggeber einer von Pollard, Boyce & Whitakers prestigeträchtigsten Klienten war und Toby ziemlich mitleiderregend darauf bestanden hatte, einen Seniorpartner zur Seite gestellt zu bekommen. Aber wenn Toby mit einer Ladung anspruchsvollem Geschwafel gefüttert werden wollte, würde Mark ihm den Gefallen zur zu gerne tun.

»Nichtsdestoweniger empfehle ich, dass wir unsere Kämpfe sorgfältig auswählen«, sagte Mark. »So viele Bereiche mit gemeinsamen Nennern finden, wie wir können, denn im Augenblick ist unsere Position in etwa so gefestigt wie ein Soufflé.«

»Was schlagen Sie also vor? Wie sieht unser nächster Schachzug aus?«

»Wir nehmen eine Überprüfung sämtlicher Verträge vor, der erfüllten wie der nicht erfüllten. Ich brauche Angriffspunkte, Daten, E-Mails und belastende Unterlagen. Alles, was Sie mir liefern können.«

Toby nickte und stand auf. »Nächsten Montag haben Sie sie.«

Mark drückte auf den Knopf, um seine persönliche Assistentin hereinzurufen. »Nehmen Sie sich so lang, wie es dauert.«

Toby sah sich im Zimmer um, und sein Blick blieb an dem Foto hängen, das Mark auf dem Regal gegenüber seines Schreibtischs stehen hatte. Toby stieß einen anerkennenden Pfiff aus, als er es in die Hand nahm. »Wer ist die Süße?«

Die Fotografie zeigte Rebecca, die auf dem Balkon ihres Hotelzimmers in Rom saß. Die Morgensonne glänzte wie ein Heiligenschein in ihren Haaren und verlieh ihrer Haut einen goldenen Schimmer. Ihre Augen waren groß und unglaublich blau, ein zufriedenes Lächeln umspielte ihre Lippen.

»Meine, äh, Frau«, sagte Mark und spürte plötzlich Wut in sich aufsteigen. »Wenn Sie das bitte einfach zurückstellen könnten …«

»Die bessere Hälfte? Bisschen jung, nicht? Gut gemacht!«

»Es wurde vor einer Weile aufgenommen, wenn Sie es bitte einfach zurückstellen wür …«

»Oh, schon kapiert.« Toby stellte das Foto ins Regal zurück. »Vergangene Pracht. Ist bei meiner dasselbe. In der Sekunde, wo man ihnen den Ring an den Finger steckt, fangen sie an, sich aufzublähen. Es ist, als wär da ein Ventil dran.«

Siobhan erschien in der Tür. »Alles fertig, Mr Whitaker?«

»Ich denke schon«, antwortete Mark knapp. »Mr Murray muss sich zweifellos noch um wichtige Angelegenheiten kümmern.«

Mark streckte Toby die Hand hin. Toby ergriff sie und versuchte, Marks Finger zu zerquetschen. Toby war einer jener Menschen, denen es wichtig ist, zu beweisen, dass sie Alphamännchen sind.

»Bis später, Kumpel«, sagte Toby und ließ los.

Siobhan führte Toby aus dem Büro, bevor sie wiederkam und die Tür schloss, sodass sie ungestört waren. »Alles in Ordnung?«

»Was?«, fragte Mark, der sich gerade ein wenig Gefühl in die Finger zurückrieb.

»Es ist nur, weil ich Sie Ihre Frau habe erwähnen hören.«

»Ach so. Toby hatte sich gerade ihr Bild angesehen, das ist alles.«

»Verstehe«, sagte Siobhan. Seine Sekretärin war eine attraktive, dunkelhäutige Frau in den Vierzigern, eine tödliche Kombination aus einem liebenswürdigen Lächeln und einer nüchternen Einstellung. Sie betrachtete das Foto von Rebecca. »Sie sieht sehr glücklich aus.«

»War sie auch«, sagte Mark stolz. »Es wurde an dem Morgen aufgenommen, nachdem wir zusammengekommen waren.«

Siobhan drehte sich um und bedachte Mark mit einem bekümmerten Blick. »Wie lang ist es jetzt her seit dem Unfall? Acht Jahre?«

»Ja«, bestätigte Mark und wich ihrem Blick aus, indem er aus seinem Fenster auf den Berufsverkehr auf der Croydon-Hochstraße schaute. Graue Wolken füllten den düsteren Himmel. Es wurde in dieser Jahreszeit so schnell dunkel!

»Acht Jahre. Das ist eine lange Zeit, um sich immer noch zu quälen. Rebecca würde das nicht wollen.«

»Sie wissen nicht, was Rebecca wollen würde.«

»Sie würde wollen, dass Sie glücklich sind. Anstatt das, was passiert ist, als Entschuldigung zu nehmen, um sich elend zu fühlen.«

»Als Entschuldigung?«

»Sie sollten mehr rausgehen. Leute kennenlernen. Frauen. Alleinstehende, lebendige Frauen.«

»Geht es jetzt um Charlotte?« Zwei Wochen zuvor war Mark zu einem Rendezvous mit Siobhans Freundin Charlotte gegangen, einer gut aussehenden, sympathischen Frau, deren Vorstellung von einem schönen Abend sich leider nicht darauf erstreckte, in einem Weinlokal drei Stunden damit zuzubringen, ihrem Date dabei zuzuhören, wie er über seine tote Frau redete.

»Nicht unbedingt«, erwiderte Siobhan. »Ich habe noch andere Freundinnen. Da wären Susannah, Joann …«

»Danke, aber … Nein danke. War sonst noch was?«

»Nur das hier.« Siobhan schob einen ramponierten wattierten Umschlag, ungefähr so groß wie ein Taschenbuch, über seinen Schreibtisch. Mark nahm ihn in die Hand. Sein Name und das heutige Datum waren vorne draufgekritzelt: Mark Whitaker. 7/10/2011.

»Ist das gerade reingekommen?«, fragte er, während er den Umschlag umdrehte.

»Nein. Bisschen merkwürdig eigentlich. Offenbar hat er die letzten acht Jahre im Archiv Staub angesetzt, mit der strikten Anweisung, dass er Ihnen an diesem Datum ausgehändigt werden soll.«

»Acht Jahre?«

»Ein rätselhaftes Päckchen, was? Und, machen Sie es auf?«

Mark fuhr mit dem Finger über die Lasche. Der Umschlag war zugetackert. Etwas an diesem Umschlag war ihm nicht geheuer. Sein Rücken fühlte sich auf einmal kalt wie ein Grabstein an. »Nein«, sagte er. »Er hat acht Jahre lang gewartet, da werden ein paar Stunden mehr auch nichts schaden.«

Dann erkannte er, was an dem Umschlag merkwürdig war. Der Name auf der Vorderseite war in seiner eigenen Handschrift geschrieben.

Es war acht geworden, bis er es nach unten an den Empfang schaffte. Falls sonst noch jemand im Büro zurückgeblieben war, hatte der sich wohl gedacht, er würde länger arbeiten, aber in Wahrheit hatte er die letzte Stunde damit verbracht, auf dem Computer Killer-Sudoku zu spielen. Um den Moment hinauszuschieben, wo er in den Wind und den Regen hinaustreten und die Heimfahrt zu seiner kalten, leeren Wohnung antreten müsste.

»Nacht, Mr Whitaker, Sir«, sagte Ron, der Nachtwächter.

Mark nickte bloß, um zu vermeiden, Ron in ein Gespräch zu verwickeln. Dann würde er sich nach Rons Kindern erkundigen müssen, und er konnte sich ums Verrecken nicht an ihre Namen erinnern.

»Entzückendes Wetter, was?«, meinte Ron und deutete raus auf die Straße. Die Fenster und Glastüren hatten sich beschlagen, sodass die Straßenbeleuchtung wie Schmierflecke in der Dunkelheit aussah.

»Ja also, gute Nacht, Ron«, sagte Mark. Doch bevor er sich zum Gehen wandte, warf er noch einen Blick auf die Videoüberwachung auf Rons Schreibtisch. Etwas hatte seine Aufmerksamkeit erregt. Der Schwarz-Weiß-Bildschirm zeigte den Empfangsbereich mit Blick auf die Straße. Da stand jemand und spähte durch eine der Türen hinein, das Gesicht fast ans Glas gepresst. Als würde er darauf warten, hereinzukommen. Mark drehte sich um und sah zur Tür, aber da war niemand. Er wandte sich wieder zum Monitor auf Rons Schreibtisch um, aber der hatte mittlerweile auf die Ansicht von einem der Bürotreppenhäuser rübergeschaltet. Als er wieder auf den Empfangsbereich zurückschaltete, war an der Tür kein Gesicht mehr.

Ron unterbrach das Blättern in seinem Daily Mirror. »War da was, Sir?«

»Nein, nein, nichts.« Mark knöpfte seinen Mantel zu und ging hinaus in den Abend, wobei er geflissentlich darauf achtete, eine andere Tür als die zu nehmen, in der er das marmorweiße, starrende Gesicht gesehen hatte.

Der Regen ging in ein Nieseln über, als Mark in die Tankstelle einfuhr. Er zog den Mantel fest um sich, trat in den eiskalten Abend hinaus und ließ für dreißig Pfund Bleifreies in den Tank gluckern. Er wollte gerade bezahlen gehen, als ihm der Umschlag einfiel, den er auf den Beifahrersitz gelegt hatte. Gut möglich, dass er vertrauliche juristische Dokumente enthielt und nichts war, was er unbeaufsichtigt herumliegen lassen sollte.

Er studierte den Umschlag unter dem Licht, das den Außenbereich um die Tanksäulen erhellte. Der Name auf der Vorderseite sah eindeutig nach seiner Handschrift aus, aber das hatte nichts zu sagen; jemand anders konnte eine ähnliche Handschrift haben. Was ihn wirklich faszinierte, war, wieso jemand so etwas mit der Anweisung zurücklassen sollte, das Ding erst acht Jahre später auszuhändigen. Und warum 7/10/2011? Was war so wichtig an diesem Datum? Mark steckte einen Finger unter die Lasche und riss den Umschlag gerade weit genug auf, um hineinspähen zu können.

Er enthielt mindestens hundert sauber gefaltete Fünfzig-Pfund-Noten, die von mehreren Lagen Papier umwickelt waren.

Siobhan hatte recht gehabt, es war ein echtes Rätsel. Aber es würde warten müssen. Mark verstaute den Umschlag in seiner Manteltasche, schloss das Auto ab und begab sich in den Laden.

Es war einer jener Tankstellenshops, die auch als kleiner Supermarkt dienten; man konnte Zeitungen, Illustrierte und in der Mikrowelle erhitzte Würstchen im Schlafrock kaufen. Außer ihm waren keine Kunden da. Mark hastete an die Theke, um sich von einem jungen Asiaten bedienen zu lassen, der nicht von seinem Smartphone aufsah. »Dreißig Pfund.«

Mark steckte seine Karte ins Chip-&-PIN und tippte seine Nummer ein. Während er darauf wartete, dass das Gerät reagierte, warf er einen Blick über die Schulter des Angestellten auf einen Monitor, der die Bilder der Überwachungskameras der Tankstelle abspielte. Der Bildschirm zeigte eine Ansicht von einem Punkt über der Verkaufstheke in den Laden hinunter. Mark konnte den jungen Mann und sich selbst in körnig-flackerndem Schwarz-Weiß an der Theke sehen. Und hinter ihm, am Ende des Gangs in der Nähe der Tür, stand eine Engelsstatue.

Das war lächerlich! Wenn es eine Statue an der Tür gegeben hätte, hätte er sie beim Hereinkommen gesehen. Mark schaute finster auf das Bild des Monitors. Bei der Figur handelte es sich um eine alte Statue, deren Oberfläche vernarbt war und abbröckelte. Sie stand gebeugt und hielt das Gesicht in den Händen.

Mark drehte sich um und schaute den Gang hinunter. Er war leer. Wo die Figur gestanden hatte – wo sie hätte stehen sollen –, war nur glänzender, feuchter Boden.

Mark richtete den Blick wieder auf den Monitor und schauderte. Die Statue war immer noch da, am Ende des Gangs. Aber hatte sie nicht weiter entfernt gestanden? Und hatte sie nicht den Kopf in den Händen gehalten? Denn jetzt schien sie sich ungefähr einen Meter auf ihn zubewegt zu haben und hatte die Hände gesenkt, hielt sie wie zum Gebet gefaltet.

Er drehte sich noch einmal um, um in den Gang zu schauen: Der war immer noch leer. Keine Statue, nichts.

Er schaute wieder auf den Monitor. Die Statue hatte sich wieder bewegt. Sie sah nach oben, direkt in die Kameralinse. Blickte ihn an. Mit starrenden, leeren Augen und einem leicht geöffneten Mund. Und ein paar Meter vor ihr konnte er sich jetzt selbst auf dem Bildschirm erkennen, wie er an der Theke stand und zum Monitor hochblickte, dazu der Angestellte, der immer noch auf seinem Smartphone rumtippte.

Das PIN-Eingabegerät piepte, und der Angestellte riss Marks Beleg ab. Mark murmelte einen Dank und wandte sich zum Gehen. Glücklicherweise war der Shop leer. Mit pochendem Herzen hastete er ins Freie, wobei er sich hütete, den Gang zu nehmen, wo die Statue gestanden hatte.

Er rannte zu seinem Wagen und knallte die Tür hinter sich zu. Er war einfach übermüdet, das war alles. Das war die einzig mögliche Erklärung.

Als Mark einen Blick in den Rückspiegel warf, geschah es nicht ohne eine gewisse Besorgnis. Aber da war nichts. Nichts saß auf dem Beifahrersitz neben ihm, nichts stand im Außenbereich. Er war allein.

Nachdem er in der Nähe seiner Wohnung in Bromley geparkt hatte, ging Mark zur Hauptstraße, um sich noch etwas zum Abendessen zu besorgen. Er kuschelte sich in seinen Mantel und trottete die Fahrbahn entlang, die Augen auf den Bürgersteig gerichtet, um nicht in eine Pfütze zu treten. In der Ferne heulte die Sirene eines Rettungswagens, doch davon abgesehen hätte er auch der einzige lebende Mensch auf dem Planeten sein können.

Mark hastete zum ›Geschmack des Orients‹. Im Innern war es warm und trocken; es roch nach gebrutzeltem Reis. Ein paar Jugendliche saßen wartend am Fenster und unterhielten sich. Ein zierliches chinesisches Mädchen kam aus der Küche und nahm Marks Bestellung auf: Schweinefleisch süßsauer, gebratener Reis mit Ei. Er bezahlte mit dem letzten Zehn-Pfund-Schein in seinem Geldbeutel.

Mark sah sich um auf der Suche nach etwas, dem er seine Aufmerksamkeit zuwenden könnte. An der Wand hinter der Theke war ein Bildschirm angebracht, der die Aufnahmen einer Überwachungskamera zeigte. Der Eingang des Chinaimbisses war zu sehen, dazu das Pärchen am Fenster und er selbst.

Und direkt hinter ihm stand die Engelsstatue, dieselbe wie in der Tankstelle. Aber jetzt griff sie mit einem ausgestreckten, bloßen Arm nach Marks Rücken!

Es überlief Mark eiskalt; mit angehaltenem Atem wandte er sich um, um hinter sich zu sehen. Da war nichts außer dem vom Regen überströmten Fenster des Straßenverkaufs.

Er drehte sich zurück und schaute hoch auf den Bildschirm. Die Statue war noch einen Schritt näher gekommen. Sie griff immer noch nach ihm. Auf dem Monitor konnte Mark die gemeißelten Locken des Engels sehen, die Federn in seinen Flügeln und blinde, leere Augen. Und er sah sich an der Theke, wie er zum Bildschirm hochsah. Die Finger der Statue berührten fast seinen Nacken.

Würgend vor Entsetzen sprang Mark zur Tür des Chinaimbisses, stieß sie auf und wankte in die Dunkelheit, ohne auf den auf seinem Gesicht brennenden eisigen Wind zu achten. Er wagte es nicht, zurückzublicken, sondern rannte die Hauptstraße hinunter, rannte so schnell, dass sein Magen schmerzte.

Er musste nach Hause! Dort würde er sicher sein, sicher vor … Sicher vor dem, was immer dieses Ding auch sein mochte.

Mark verfiel in einen langsameren Trab, weil sein Herz protestierend wummerte, und behielt die Richtung bei. Vorbei am Buchmacher. Vorbei an den Halal-Schlachtern. Vorbei am Hi-Fi-Laden …

Plötzlich gingen sämtliche Fernseher im Laden flimmernd an. Ein Bestandteil des Schaufensters war eine Videokamera, eine Kamera, die jetzt auf Mark gerichtet war. Er konnte sich auf all den Bildschirmen sehen; mehrfach dasselbe Bild, immer und immer wieder, wie er dort stand und ins Schaufenster starrte.

Die Statue war direkt hinter ihm und griff nach seinem Hals, und ihr geöffneter Mund enthüllte hässliche, gezackte Zähne.

»Sehen Sie nicht hinter sich! Drehen Sie sich nicht um. Schließen Sie die Augen nicht. Aber, was immer Sie auch tun: Sehen Sie nicht hinter sich!«

Die Stimme kam von einem Punkt hinter Mark. Sie klang wie die Stimme eines jungen Mannes, vermittelte jedoch die Autorität von jemand viel Älterem.

»Was?«, sagte Mark, der wie angewurzelt dastand.

»Sehen Sie weiter den Bildschirm an! Es ist lebenswichtig, dass Sie sich nicht davon berühren lassen!«

»Und wie stelle ich das an?«

»Er ist quantengesperrt. Er kann sich nur bewegen, wenn jemand ihn nicht ansieht.«

»Quantengesperrt?«

»Sie wissen schon: Heisenbergsche Unschärferelation. Schon der Akt der Beobachtung beeinflusst die Natur des beobachteten Objekts. Amy, Rory! Behalten Sie die Bildschirme im Auge! Und wechseln Sie sich mit dem Blinzeln ab!«

»Is gebongt!«, meinte ein Mädchen mit einem schottischen Akzent hinter Marks linkem Ohr.

»Die Fernseher beobachten. Kapiert, kein Problem«, sagte ein junger Mann nervös.

»Und versuchen Sie, nicht gleichzeitig zu blinzeln!«, insistierte die Stimme der Autorität. »Das wäre absolut desaströs. Gut. Und jetzt, Typ-der-sich-selbst-im-Fernsehen-betrachtet, bewegen Sie sich nach vorn! Ganz langsam.«

Mark schluckte und trat vor, bis seine Nase fast das Ladenfenster berührte.

»Gut. Jetzt machen Sie zwei Schritte nach rechts! Langsam!«

Mark machte die zwei Schritte nach rechts und beobachtete dabei auf den Fernsehschirmen, wie er sich Stück für Stück aus der Reichweite des Engels schob. »Was ist das für ein Ding?«

»Es ist eine Art … temporaler Aasfresser. Oder Räuber. Eins von beidem. Oder beides.«

»Rory, ich blinzele gleich … jetzt!«, warnte das schottische Mädchen.

»Aber es ist aus Stein!«, bemerkte Mark.

»Verteidigungsmechanismus«, sagte die Stimme der Autorität. »Sehen Sie, einen Stein kann man nicht töten.«

»Kann man nicht?«

»Na ja, niemand hat es versucht und überlebt.«

»Amy, ich blinzele gleich … jetzt!«, meldete sich der nervöse junge Mann.

»Okay, Sie können sich jetzt gefahrlos umdrehen«, sagte die Stimme der Autorität.

Mark holte tief Luft und drehte sich um und sah ein großes, hübsches Mädchen mit langen, feuerroten Haaren und einen jungen Mann mit markanter Nase und wollener Inkamütze auf dem Kopf, die beide aufmerksam auf das Fenster blickten. Neben ihnen stand ein gut aussehender Mann mit kantigen Wangenknochen und fülligen braunen Haaren, von dem ihm eine dicke Strähne über die Stirn bis ins Gesicht hing. Mit seiner Tweedjacke und einer Fliege sah er aus, als wolle er als Albert Einstein verkleidet ein Kostümfest aufsuchen.

Von der Statue war nichts zu sehen. »Aber da … Hier ist nichts!«, stammelte Mark.

»Nein.« Der Mann in der Tweedjacke hatte einen Apparat ähnlich einem altmodischen Tonbandgerät über der Schulter hängen und ließ einen kurzen, dicken, an eine Taschenlampe erinnernden Gegenstand in einer Hand kreisen wie ein Popstar, der ein Kunststück mit einem Mikrofon vorführt. Er richtete das Ding in seiner Hand aufs Fenster aus, das daraufhin ein hohes Summen abgab und grün leuchtete. »Nein, dieser spezielle Weinende Engel besitzt keine körperliche Form.«

»Was bedeutet das?«

»Das bedeutet, dass er nur innerhalb der Fernseher existiert. Innerhalb jedes Fernsehers. Der, der das Bild eines Engels erblickt, wird selbst ein Engel.«

»Dann kann er also nicht aus dem Bildschirm raus und uns kriegen?«, fragte das Mädchen mit den roten Haaren. »Rory, ich blinzele gleich … jetzt!«

»Nein, ich glaube nicht. Er muss sehr schwach sein, dürfte quasi auf dem Zahnfleisch gehen.«

»Aber er kann mich trotzdem berühren?«, fragte Mark.

»Wenn Sie sich im Blickfeld einer Kamera befinden, ja. Er ist auf dem Bildschirm, Ihr Bild ist auf dem Bildschirm, also kann er Kontakt zu Ihrem Bild aufnehmen und somit zu … Ihnen.«

»Amy, ich blinzele gleich … jetzt!«, warf der Mann mit der markanten Nase ein.

»Wer sind Sie?«, fragte Mark. »Und woher wissen Sie so viel über diese Dinge?«

»Ich bin der Mann, der Ihnen das Leben retten wird. Sie können mich den Doktor nennen.«

»Der Doktor?«

»Und um Ihre zweite Frage zu beantworten: Ich bin den Weinenden Engeln früher schon begegnet. Den im Fernseher habe ich entdeckt, indem ich das hier benutzt habe.« Der Doktor zeigte auf das altmodische Tonbandgerät. »Wann immer das Raum-Zeit-Kontinuum schwackelig wird, leuchtet es auf.« Der Doktor tippte das Gerät frustriert an. »Würde es jedenfalls, wenn die Glühbirne funktionierte. Es kann auch Eier kochen. Das ist kein Defekt, das ist ein Leistungsmerkmal!«

»Rory, ich blinzele gleich … jetzt!«

»Das Merkwürdige daran ist, dass der Engel nicht der Ursprung des Schwackelns ist«, fuhr der Doktor fort. »Nein. Sie sind es.«

»Ich?«

Der Doktor blickte Mark forschend an. »Er muss sich Sie aus einem Grund ausgesucht haben. Ich frage mich, warum? Was ist so toll an Ihnen?«

»Nichts«, sagte Mark. »Sie sagen also, das Ding ist hinter mir her und Sie wissen nicht warum?«

»Nein. Ich habe nicht den leisesten Schimmer!«

»Aber wenn er nicht getötet werden kann … wie komme ich dann weg von ihm?«

»Kommen Sie nicht.«

»Aber wenn ich renne …«

»Diese ganze Straße ist mit Überwachungskameras übersät. Sie würden es nie schaffen.«

»Rory, solltest du mir nicht langsam sagen, dass ich jetzt mit Blinzeln dran bin?«, warf Amy ein.

»Was? Oh!« Rory schluckte. »Tut mir leid, äh, ich dachte, ich wär dran …«

Und dann stellte Mark fest, dass Amy und Rory einander ansahen und nicht das Fenster.

Mark drehte sich um. In allen Fernsehern konnte er sich, den Doktor, Rory und Amy sehen – und den Engel, erstarrt im Sprung nach seinem Rücken, das Gesicht zu einer Grimasse der Wut verzerrt. Noch eine Sekunde, und der Kontakt wäre geschlossen worden.

Panik übernahm. Mark taumelte zurück, drehte sich vom Engel weg und begann zu rennen. Er hörte, wie der Doktor und dessen Freunde ihm hinterherriefen, aber es hatte keinen Zweck: Er musste fliehen.

Er hatte es geschafft. Er hatte es tatsächlich geschafft! Er konnte das Apartmenthaus sehen, wo er wohnte; die Haustür war in den Schein eines elektrischen Lichts gebadet.

Mark japste nach Luft. Er war die Hauptstraße entlanggesprintet und sich dabei jeder Überwachungskamera plötzlich und auf schreckliche Weise bewusst gewesen. Sie waren überall, hoch oben an Wänden und Laternenpfählen angebracht, und starrten alle mit reglosen Glasaugen herab. Um sich nicht erwischen zu lassen, hatte er eine lange Strecke nach Hause gewählt, um Garagen und beleuchtete Geschäfte zu vermeiden. Er hatte sich sogar vor einem vorbeifahrenden Doppeldeckerbus versteckt. Sie hatten doch inzwischen Kameras in Bussen, oder?

Doch jetzt war er okay. Nass und durchgefroren, aber okay. Mark hastete die Betonstufen zum Eingang hoch, vorbei am Garten und den Wertstofftonnen, bis er endlich die Tür erreichte. Er kramte die Schlüssel aus seinem Mantel, fand den für die Tür und steckte ihn ins Schloss. Und dann bemerkte er es.

Da war eine Kamera, die ihn direkt anblickte. Die Kamera der Türklingel.

Etwas kalt wie Marmor berührte seinen Nacken.

Für den Bruchteil einer Sekunde konnte Mark sein entsetztes Spiegelbild und das des Engels hinter ihm sehen. Die Steinhand griff nach seinem Nacken, der Mund war weit geöffnet und die Zunge herausgestreckt, als würde er jeden Moment zubeißen.

Und dann war er fort.

Kapitel 2

Rory und Amy gaben sich alle Mühe, mit dem Doktor Schritt zu halten, als er durch die düsteren, regennassen Seitensträßchen rannte und dabei den Schwackeldetektor vor sich hielt. »Hier lang! Beeilung!«

Rory hatte keine Ahnung, wo sie sich befanden. Eine Viertelstunde lang waren sie durch identisch aussehende Wohnsiedlungen gelaufen, und er hatte jedes Orientierungsvermögen verloren.

»Hier!« Der Doktor hielt an, drehte sich einmal um die eigene Achse und zeigte auf ein Mehrfamilienhaus, das in einiger Entfernung von der Straße stand. Rory erschien alles völlig normal, nur dass am Eingang die gebeugt dastehende Statue eines Engels zu sehen war, der das Gesicht in den Händen barg.

»Was ist passiert?«, fragte Rory. »Was Schlimmes, stimmt’s?«

»Still!« Der Doktor näherte sich der Statue wie ein Naturforscher, der sich an einen schlafenden Löwen heranschleicht. Ruhig und stetig arbeitete er sich über die Stufen auf ihn zu.

»Vorsicht!«, flüsterte Amy.

Der Doktor bedachte sie mit einem ›Danke, dass Sie das Offensichtliche darlegen‹-Blick, dann bückte er sich, um den Engel zu untersuchen. Die Statue rührte sich nicht. Er summte sie probeweise mit seinem Schallschraubenzieher an und versuchte es sogar damit, seine eigenen Augen zu bedecken, als würde er Kuckuck spielen. Aber nichts geschah. Der Doktor tippte den Flügel des Engels an; ein Stück davon zerfiel unter seinen Fingern zu Staub. »Es ist sicher, denke ich.«

»Wie sicher?«, wollte Amy wissen.

»Todsicher.«

»Aber ich dachte, Sie hätten gesagt, diese Dinger ernähren sich von – was war es noch? – potenzieller Zeitenergie?«, wandte Rory ein, während er Amy an die Seite des Doktors folgte.

»Alles ungelebt gebliebene Leben«, murmelte der Doktor. »Normalerweise zappen sie die Leute in der Zeit zurück. Zzischsch – so kriegen sie ihre Fünf-am-Tag.«

»Normalerweise?«

»Wohingegen der Engel in diesem Fall seine letzten Energiereserven aufgebraucht hat, um sein Opfer in die Vergangenheit zu schicken. Er hat sich selbst geopfert, wie eine Biene, die nach dem Stechen stirbt. Aber ganz und gar nicht wie eine Biene. Nein, jetzt ist er eher eine Dekoration für den Garten.« Während der Doktor sprach, brach ein Arm des Engels ab, gefolgt von beiden Flügeln, dann kippte der Engel nach vorn und sprang mit einem lauten Knall in Stücke.

»Aber warum sollte er das tun?«, fragte Amy, während sie die Trümmer argwöhnisch betrachtete. »Warum sich selbst umbringen, anstatt zu fressen?«

»Vielleicht konnte er nicht.« Der Doktor klopfte seine Jacke und seine Hose ab. »Es könnte aber auch eine neue Gattung Weinender Engel sein.«

»Sie meinen, die kommen jetzt in verschiedenen Arten daher? Na fabelhaft!«

»Er muss von seiner Beute angezogen worden sein … wie eine Motte von einer Flamme.« Die Augen des Doktors weiteten sich entzückt. »Augenblick! Diese Analogie ergab Sinn! Meine Analogien ergeben nie Sinn. Ich muss sie aufschreiben. Rory, schreiben Sie sie für mich auf!«

»Ich bin nicht Ihr Sekretär, Doktor«, erwiderte Rory geduldig.

»Nicht? Aber es gibt da schon eine freie Stelle – sie gehört Ihnen, wenn Sie sie wollen.«

Rory bemerkte einen Schlüsselbund, der vom Türschloss hing, und nahm ihn zur Verwahrung an sich. »Sollten wir uns nicht eher Sorgen um den Kerl machen, den das Ding gezappt hat? Rausfinden, wo er steckt?«

»Das ist weniger eine Frage des Wo«, lächelte der Doktor, »sondern eher eine Frage des Wann.« Er stellte seinen Schwackeldetektor ein. »Ja! Eine verbleibende Zeitspur! Schnell verblassend, aber wir müssten eigentlich imstande sein, ihr zu folgen. Auf geht’s!«

»Sollten wir nicht zuerst herausfinden, wer er ist?«, ...

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