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Djuki I Norge III

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„Es gibt Dinge im Leben,

die man nicht sieht und an die man nicht glaubt.

Plötzlich sind sie da und verändern das ganze Leben“.

Die Höhle der Höllenotter

Eggdal, der Eistroll

Kuss der Königsotter

Die Zerstörung des Campingplatzes

Die Flucht nach Midgardsdalen

Begegnung mit dem Unbekannten

Der Bauplan

Der Weg nach Asgard

Heimdal

Die Entstehung der Erde

Djuki kehrt zurück

Die Reparatur des Endre Plass

Vorbereitungen

Angriff auf Midgardsdalen

Die Königstochter

Die Höhle der Höllenotter

Odal, Djuki und die Kinder waren wieder in der Bytte Hule von Midgard. Dieses Mal hatten alle die Augen ganz fest zugekniffen, um sie vor dem grellen Licht zu schützen. Dennoch mussten sie auch dieses Mal einige Zeit in der Bytte Hule bleiben, um sich wieder an die Lichtverhältnisse zu gewöhnen.

Ordal setzte den kleinen Hund auf dem Boden ab. Der legte sich sofort hin, streckte alle vier Pfoten von sich und schloss seine Augen. Er war wie alle anderen sehr erschöpft von der anstrengenden und aufregenden Reise. Ordal saß neben dem Utveksling Stein, als Tim und Ole sich zu ihm gesellten und dann vor sich hin dösten.

Djuki konnte gar nicht schlafen. Er dachte viel mehr an die Zeichnung, die er auswendig lernen musste. Hatte er wohl noch alles behalten? Er versuchte sich das Bild vor seinen geschlossenen Augen vorzustellen. Doch alles, was er sah, war ein schwarzer Fleck. Hatte er den Bauplan tatsächlich vergessen? Er strengte sich noch mehr an, um sich an das Bild zu erinnern. Aber es gelang ihm nicht.

Djuki erinnerte sich an Thorvalds Worte nur zu gut. Nur alle drei Teile des Planes ergaben den Gesamtplan. Würde er sich nicht mehr an seinen Teil erinnern, dann wäre alles vergebens gewesen. Djuki bekam Panik, wollte aber den anderen nichts sagen. Er tröstete sich mit der Hoffnung, dass er zum jetzigen Zeitpunkt nur zu müde sei, um sich an den Plan zu erinnern. Morgen, wenn er ausgeschlafen hätte, dann würde er sich ganz bestimmt an die Zeichnung erinnern.

Das beruhigte ihn aber nur eine kurze Zeit. Er bemerkte ein unruhiges, lautes, geradezu zorniges Zischen, das aus der Höhle der Höllenottern kommen musste. Djuki spitzte seine Ohren und versuchte zu hören, was sie sich erzählten.

Eine Schlange empörte sich gegenüber der anderen:

„…zzzz…. Was für eine Unverschämtheit. Schaut euch meine Partnerin an. …zzzz…. Sie ist zur Hälfte im Eis eigefroren worden. …zzzz…. Er hat zu viele von uns eingefroren….“.

Eine andere sagte hingegen:

„…zzzz…. Wenn dieser Eisriese wiederkommt, dann beißen wir sofort zu. …zzzz…. Egal, ob er die richtige Losung sagt …zzzz…. oder nicht.“

Dieser Meinung schienen viele Schlangen zu sein, denn Djuki hörte ein zustimmendes und wütendes Zischen und Fauchen. Er hob den Kopf und schaute zum Eingang der Höhle, wo die Höllenottern lebten. Der Hund sah eine Schlange, die zusammengerollt die vier in der Bytte Hule regungslos beobachtete.

Djuki stand auf und ging zu der Schlange.

„Djuki! Halt!“, flüsterte Ordal dringlich. „Bleib von der Schlange fern. In der Schlangenhöhle stimmt etwas nicht.“

„So, was denn?“, fragte Tim.

„Ja, genau. Dieses Zischen macht mir richtig Angst“, fügte Ole hinzu.

Djuki aber hatte keine Angst. Er fühlte, dass den Schlangen etwas Schlimmes passiert sein musste. Er ging weiter auf die am Eingang liegende Höllenotter zu und fragte:

„Guten Tag, mein Name ist Djuki und wir kommen in Frieden. Was ist denn los bei euch. Wovor habt ihr nur solche Angst?“

Plötzlich war es totenstill in der Höhle. Kein Laut war mehr zu hören. Diese Stille war jetzt noch unheimlicher als das aufgeregte Zischen der Schlangen vorher. Die etwa einen Meter lange und unterarmdicke Schlange erhob sich, sodass sie Djuki direkt in die Augen schauen konnte. Sie ließ ihre gespaltene Zunge aufgeregt aus einem Spalt im Maul heraus schnellen, um sie dann wieder genauso schnell ins Maul zurückzuziehen. Dabei beobachtete sie den Hund ganz genau, der wie versteinert vor ihr stand. Nur Djukis Nase bewegte sich ganz, ganz langsam. Er wollte die Schlange keinesfalls provozieren. Dennoch bemerkte er bei seinem vorsichtigen Schnüffeln, dass aus der Höhle eine enorme Kälte herausströmte. Es kam ihm eigenartig vor, denn beim letzten Mal, als sie durch die Höhle gegangen waren, war es dort unerträglich heiß gewesen. Und jetzt diese Kälte!

Plötzlich fragte sie:

„…zzzz…. Seid ihr nicht die Gruppe, die Edegard gestern hier durchgeführt hatte?“

„Ja“, antwortete Djuki und drehte sich ein wenig zu den anderen.

„Der große Bergtroll dort, das ist Ordal. Und die beiden Kinder sind Tim und Ole, meine Brüder“, setzte der Hund fort.

Die Schlange bewegte sich auf den Hund zu, schlängelte sich vorsichtig und langsam an ihm vorbei und schlich auf die Kinder und den Bergtroll zu. Dabei verließ ihr Körper die Höhle der Höllenotter. Ordal ries seine kleinen Augen auf und sagte entsetzt zur Schlange:

„Hey, stopp! Eine Höllenotter darf niemals ihre Höhle verlassen und in die Bytte Hule kommen. Das ist verboten!“

Kurz vor den drei Besuchern blieb die Schlange liegen und betrachtete sie.

Dann erklärte sie:

„…zzzz…. Bitte verzeiht, dass ich gegen die Regeln verstoßen habe. …zzzz…. Aber wir sind in der Höhle angegriffen worden. …zzzz…. Von einem Eisriesen, namens Rune. …zzzz…. Er kämpfte gestern mit Edegard, unserer Freundin. …zzzz…. Sie ist dabei schwer verletzt worden. …zzzz…. Er hat zuerst eine Eiskugel auf sie geschleudert und sie dann in unserer Höhle gegen die Wand geworfen. …zzzz…. Er hatte wohl gedacht, dass wir sie totbeißen, weil sie in unsere Höhle kam, ohne die Losung zu sagen.

…zzzz…. Aber das haben wir nicht. Sie ist unsere Freundin, und wir haben ihr viel zu verdanken. …zzzz…. Als er bemerkte, dass wir nichts gemacht hatten, kam er rein und schleuderte mit kleinen und großen Eiskugeln nur so um sich. …zzzz…. Wären wir nicht dazwischen gegangen, dann wäre Edegard jetzt tot. …zzzz…. Viele von uns wurden entweder ein wenig oder ganz in den Eiskugeln eingeschlossen und sind durch die Kälte erstarrt. …zzzz…. Wir wissen nicht, wie viele Schlangen tot sind. …zzzz…. Klar ist nur eines: Wir können die Bytte Hule nicht mehr beschützen.“

Ordal, Djuki und die Kinder waren sprachlos. Sie konnte es kaum glauben, was die Schlange berichtete. Dabei schien das Reptil selber auch verletzt zu sein. Mittlerweile waren etwa zehn weitere Schlangen verbotenerweise in die Bytte Hule gekommen. Sie schienen sehr aufgeregt zu sein. Instinktiv sagte Ordal, der die Schlangen mit weitaufgerissenen Augen beobachtete:

„Wir kommen in Frieden! Wir tun euch nichts!“

Die Schlange, die bei Ordal und den Kindern lag, drehte sich zu den anderen um und befahl ihnen, sich sofort wieder in die Höhle der Schlangen zu begeben. Es schien, als würden die anderen diesen Befehl nur widerwillig befolgen, aber schließlich taten sie es.

„Wie können wir euch helfen?“, fragte Djuki, der sich langsam gehend auf die Schlange zubewegte.

„…zzzz…. Das ist sehr lieb von euch. …zzzz…. Vielleicht könnt ihr uns helfen, die Eiskugeln zu öffnen, in denen meine Brüder und Schwestern gefangen sind. …zzzz…. Edegard konnte es nicht. …zzzz…. Sie war zu sehr verletzt. …zzzz…. Sie hat uns aber versprochen, Eggdal zu schicken.“

„Wer ist denn Eggdal?“, fragte Ole, der sich zunächst vor den Schlangen geekelt hatte. Jetzt, wo er hörte, was ihnen passiert war, taten sie ihm sehr leid.

„…zzzz…. Eggdal ist ein Eistroll. …zzzz…. Er kennt sich mit dem Eis der Eisriesen aus. …zzzz…. Das Eis ist so kalt, dass unsere Schuppen teilweise verbrannt sind. …zzzz…. Die Krankheit wird Gefrierbrand genannt. Es ist unangenehm und schmerzvoll. …zzzz…. Und manchmal ist sie auch tödlich für uns.“

„Ah, dann wird es so etwas wie Trockeneis sein“, erwiderte Tim auf die Ausführungen der Schlange.

„Wir haben das Thema in der Schule im Biologieunterricht durchgenommen. Trockeneis wird bei uns Menschen verwendet, um Lebensmittel Schock zu gefrieren. Das Auftauen dauert allerdings eine lange Zeit….“

„…zzzz…. Junger Freund, du scheinst Ahnung zu haben. …zzzz…. Kannst du uns bitte helfen?“

„Ja, wir können es versuchen“, antwortete Tim.

Er ging an der Schlange vorbei, stoppte kurz am Eingang der Höhle, sagte sicherheitshalber noch die Losung auf und ging dann zu den Höllenottern. Djuki folgte ihm neugierig.

Beide sahen die Katastrophe. Es war kalt, saukalt in der Höhle. Riesige Eismassen lagen auf dem Boden oder klebten an der Decke und an den Wänden. Sehr viele Schlangen schienen schwer verletzt zu sein. Teilweise war noch der Kopf oder der Schwanz im Eis vergraben.

Ordal und Ole folgten jetzt. Die vier konnten gar nicht fassen, was den Schlangen widerfahren war. Ole dachte sofort an Edegard. Er hoffte sehnlichst, dass es ihr gut ginge.

Nach kurzer Zeit sagte Tim zu den anderen:

„Ordal. Versuche so viele Eiskugeln wie möglich aus der Höhle zu tragen. Bringe die Kugeln nicht zur Bytte Hule, sondern zum Kanal, wo unser Boot liegt. Pass bitte auf, dass keine Schlange in den Eiskugeln ist, die du rausträgst. Ole und ich versuchen, die Schlangen aus den Eiskugeln herauszuholen.

Nimm meinen Pullover und wickle den um deine Hände, damit du sie dir nicht am Eis verbrennst.“

Ordal nahm den Pullover und machte sich ans Werk. Er schleppte Kugel um Kugel aus der Schlangenhöhle heraus. Als er nach kurzer Zeit eine Pause am Kanal machte, sah er, dass das weiße Boot nicht mehr da war.

Zunächst dachte er an Edegard, die sich das Boot genommen haben könnte. Aber das passte nicht zu ihr. Eigentlich war sie sehr wasserscheu und hatte manchmal sogar richtige Angst vor Wasser.

Dann hatte er Rune in Verdacht, der es geklaut haben könnte. Dieser Gedanke erzürnte ihn, denn er hatte von seinen Eltern gelernt, dass man so etwas nicht tut. Aber dann sah er, dass das weiße Boot gesunken war und auf dem Grund des Kanals lag.

Er drehte sich um und sah, wie Tim und Ole eine Schlange nach der anderen vom Eis befreiten. Die Kinder waren in der kalten Höhle bis auf die Unterhose ausgezogen. Sie hatten dabei ihre Stümpfe über die Hände gezogen, um sich vor dem Eis zu schützen. Jede Schlange, die sie befreiten, legten sie vorsichtig in die Hosen, Pullover oder T-Shirts, um sie damit zu wärmen.

Während er Tim und Ole bei der Arbeit beobachtete, sagte er zu sich:

„Wenn ich mal Kinder haben sollte, dann sollen sie so wie diese beiden sein.“

Eggdal, der Eistroll

Tim und Ole hatten schon etwa 30 Höllenottern vom Eis befreit. In den ausgezogenen Kleidern war kaum noch Platz für weitere Schlangen. Selbst Djuki lag auf dem Bauch. Neben und auf ihm lagen Schlangen und versuchten sich an ihm zu wärmen. Ihm war unwohl bei dem Gedanken, so viele Schlangen um sich zu haben, aber er wollte auch helfen. Ordal hatte jetzt alle Eiskugeln, in denen keine Schlangen eingeschlossen waren, aus der Höhle geschafft. Langsam wurde es dort auch wieder wärmer, aber sehr viele Schlangen waren noch im Eis gefangen.

Djuki hob den Kopf und sagte:

„Ich höre Stimmen. Es kommt jemand vom Kanal.“

Plötzlich waren alle Schlangen still. Ihrer Haltung war deutlich zu entnehmen, dass sie im Angriffsmodus waren. Die Stille war unheimlich, aber die übriggebliebenen Schlangen waren bereit, alles zu tun, um die Bytte Hule zu verteidigen. Koste es, was es wolle, aber das, was ihnen Rune angetan hatte, sollte nicht noch einmal passieren. Alle Schlangen, selbst die verletzten, brachten sich in Position, um sofort zuzubeißen, wenn die Fremden um die Ecke bögen. Ordal schaute vorsichtig aus der Höhle in die Richtung, aus der die Stimmen kamen. Dann hörten ihn die Freunde plötzlich rufen:

„Hallo Svein, hallo Eggdal, euch habe ich ja eine Ewigkeit nicht mehr gesehen“, während er ihnen freudig erregt entgegenging.

„…zzzz…. Den Göttern sei Dank. …zzzz…. Es sind unsere Freunde. …zzzz…. Eggdal wird euch gleich ablösen. Dann könnt ich nach Midgardsdalen laufen.

„Laufen?“, fragte Ole. „Wir können doch mit dem Weißen Boot fahren, oder?“

Aber die Antwort interessierte keinen, denn Tim und Ole rannten jetzt zu Svein und umarmten in herzlich.

Djuki kam etwas später aus der Höhle gelaufen. Er musste erst noch eine verletzte Schlange vorsichtig von seinem Rücken abstreifen. Er freute sich, Svein zu sehen und hüpfte vor Freude vor ihm herum. Svein streichelte seinen Rücken ganz wild, denn auch er war überglücklich, Djuki und die Kinder wiederzusehen.

Dann sah Djuki eine etwa einen Meter große Gestalt, die hinter Svein stand und ängstlich hinter seinem Rücken hervorschaute.

Djuki sagte:

„Hallo, wer bist du?“

„Ich heiße Eggdal“, antwortete der Eistroll. Völlig verunsichert, hier Menschen anzutreffen, senkte er den Kopf. Er war von Edegard um Hilfe gebeten worden, die Schlangen in der Höhle von ihren Verletzungen zu heilen. Aber das auch zwei, wenn auch kleine, Menschen und dazu noch ein felliges Wesen hier waren, das verunsicherte ihn zunehmend. Nervös spielte er mit seinen krakligen Fingern vor seiner Brust und schaute Svein hilfesuchend an.

Svein bemerkte trotz seiner Freude die Verzweiflung des Eistrolls und sagte zu ihm:

„Habe bitte keine Angst. Das sind Tim und Ole - und die kleine Fellbombe hier, das ist ein Hund und er heißt Djuki. Zusammen mit Ordal waren sie in Utgard und haben den Bauplan des Endre Plass besorgt. Ich habe dir doch auf dem Weg hierher von ihnen erzählt.

Willst du dich jetzt lieber um die Schlangen kümmern?“

Eggdal nickte schüchtern und huschte schnell an der Gruppe vorbei. Djuki und die Kinder gingen hinter ihm her, denn sie waren neugierig, wie der kleine Kerl den Schlangen helfen wollte. Die drei standen im Rücken von Eggdal und beobachteten den etwa einen Meter dreißig großen Troll.

Svein gesellte sich zu ihnen und sagte:

„Eistrolle sind eigentlich die unsichtbarsten untern den Trollen. Ihre Hautfarbe ähnelt eigentlich der weißbläulichen Farbe des Gletschereises. Wenn sie vor dem Eis stehen, dann sind sie unsichtbar.

Eggdal hingegen hat schon lange keinen Gletscher mehr gesehen. Er ist ebenso wie wir aus Utgard geflüchtet. Als wir ihn bei uns aufnehmen wollten, wurde er vom Endre Plass abgelehnt. Da haben wir zum ersten Mal bemerkt, dass etwas mit dem Platz nicht stimmt.“

„Er sieht furchtbar aus. So fahl und grau. Was ist denn mit ihm?“, fragte Djuki.

„Ja, das hast du richtig beobachtet. Eistrolle sind normalerweise nicht so hager und dünn. Aber als Sondre ihn ablehnen musste, was im natürlich sehr schwer gefallen ist, hat sich Edegard seiner angenommen und ihn kurzerhand in einer Höhle untergebracht. Irgendwo im Hardangervidda. Jedenfalls weitab von den Menschen. Seit etwa 50 Erdenjahren kümmert sie sich um ihn.

Da Eggdal jetzt in einer Höhle wohnen muss, versucht seine Haut sich an die graue Farbe der Höhlenwände anzupassen, was ihm nur selten gelingt.

Wenn ihr mich fragt: Ich hätte ihn damals nicht abgelehnt. Er ist ein durch und durch guter Troll, aber so sind nun mal unsere Regeln.“

„Ist er eine Art Chamäleon?“, fragte Tim neugierig nach.

„Nicht wirklich. Eistrolle sind nur dann unsichtbar, wenn sie im oder unter dem Gletscher sind.“

„Moment, das verstehe ich nicht“, widersprach Ole dem Waldtroll. „Wie können sich denn Eistrolle im Eis bewegen?“

„Und was machen sie unter dem Eis?“, setzte Tim fort.

„Sagt jetzt nicht, dass sie euch in der Schule nicht beigebracht haben, dass die Eistrolle die Gletschermassen vom Gipfel bis zum Ende der Gletscherzunge transportieren?“, erwiderte Svein kopfschüttelnd.

Die Kinder schauten sich an, hoben ungläubig die Schultern und schüttelten mit weitaufgerissenen Augen den Kopf.

Tim antwortete etwas irritiert:

„Die Gletscher rutschen doch von selbst ins Tal, oder?“

„Die Götter mögen mir zu Seite stehen. Das darf doch nicht wahr sein. Ich habe es ja immer gesagt: Die Schule ist nichts für euch Menschen! Sie macht euch nur dumm!“

Svein verstummte eine kurze Zeit. Dann runzelte er die Stirn und begann zu erzählen:

„Also, ich weiß ja nicht, was die Lehrer oder sonstige schlaue Gelehrte euch erzählt haben, aber ohne Eistrolle gelangt das Eis niemals bis zur Gletscherzunge. Für den Transport teilen sie sich in drei Gruppen auf:

1. Verdichter

2. Schieber

3. Zerteiler

Die Verdichter bearbeiten den oben am Gipfel gefallenen Schnee. Sie formen den Schnee zunächst zu viereckigen, riesigen Quadern zusammen. Anschließend wird der geformte Schnee so sehr von ihnen gedrückt und gepresst, dass er durch den Druck und die Kälte, die oben am Gipfel herrscht, zu schönem, weißblauem Eis umgewandelt wird. Die Verdichter pusten beim Drücken immer wieder den Schnee an. Diese Magie wird Kald Magi genannt und entspricht der der Eisriesen. Man sagt auch, sie hauchen dem Eis eine Seele ein.

Dabei laufen sie auch im Eisquader hin und her. Wie sie das machen, kann ich gar nicht so genau sagen. Wenn ich danach frage, dann machen sie immer so ein großes Geheimnis draus.

Naja, ist ja auch egal.

Jedenfalls, wenn die Verdichter den fertiggestellten Eisquader an den Gletscher angeschlossen haben, dann übernehmen die Schieber die Arbeit. Sie stehen dann unter dem Eis und schieben den Gletscher Stück für Stück ganz langsam in Richtung Gletscherzunge. Sie müssen dabei sehr vorsichtig sein, damit das riesige Eisstück nicht reißt. Das kann viele Menschenjahre dauern.

Am Ende des Gletschers entsteht der Fluss. Verantwortlich dafür sind die Zerteiler. Sie zerstückeln oder zertrümmern das Eis, pusten es wieder an und schmelzen auf diese Weise das Eis zu Wasser. So entstehen die meisten Flüsse in Norwegen und jeder, egal ob Mensch, Tier oder Troll, kann davon profitieren, indem sie Wasser aus den Flüssen zum Leben nehmen können.“

„Es ist immer wieder erstaunlich, wie wenig wir Menschen von der Natur wissen“, sagte Tim nachdenklich. „Ich habe bislang immer gedacht, dass die riesigen und schweren Eismassen von selbst ins Tal rutschen.“

„Nur eines verstehe ich nicht“, sagte Djuki, „unser Campingplatz liegt doch in der Nähe des Folgefonna. Das ist doch ein riesiger Gletscher. Warum lebt denn Eggdal nicht dort?“

Svein stimmte kopfnickend zu und sagte:

„Im Prinzip hast du Recht, aber der Folgefonna ist ein Gebirgsgletscher. Da wird ganz anders gearbeitet, als Eggdal es gelernt hat. Er ist ein Spezialist für Talgletscher. Soweit ich weiß, hat er es dort versucht, aber er hat es leider nicht lernen können. Deshalb haben ihn die Eistrolle vom Folgefonna wieder weggeschickt.“

„Oje“, sagte Djuki, „das tut mir leid für ihn.“

Dabei schaute er wie die anderen Eggdal bei der Arbeit zu. Mit seinen drahtigen Fingern bohrte er sich fachmännisch in das Eis und befreite in Windeseile die Schlangen daraus.

Die Arbeit schien ihm Spaß zu machen. Er summte dabei leise vor sich hin. Immer wenn er eine Schlange aus ihrer misslichen Lange befreien konnte, stieß er einen leisen Jubelschrei aus und pustete einen warmen Luftzug über ihren ...

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