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Dir ergeben – Shadows of Love

Inhalt

  1. Cover
  2. Über diese Folge
  3. Über die Autorin
  4. Titel
  5. Impressum
  6. Dir ergeben
  7. In der nächsten Folge

„Shadows of Love“ sind in sich abgeschlossene erotische Liebesgeschichten von unterschiedlichen Autoren. Die Folgen erscheinen monatlich als Romanheft und E-Book.

Über diese Folge

Als Mitarbeiterin eines Münchner Auktionshauses kennt sich Sophie Talmann mit Kunst aus. Begeistert nimmt sie den Auftrag an, die Sammlung des wohlhabenden David von Bernau zu katalogisieren. Bei ihrem Aufenthalt auf seinem Schloss kommt sie dem attraktiven Adligen näher - und einem Skandal auf die Spur: Mehrere Skulpturen und Gemälde erweisen sich als Fälschungen! Hat David sie nur benutzt, um die Täuschung zu verschleiern?

Über die Autorin

Die gebürtige Innsbruckerin Ciara Buchner lebt mit ihrem Mann und zwei Hunden am Starnberger See. Lange Spaziergänge in der malerischen Landschaft inspirieren sie ebenso zu neuen Romanideen wie das Münchner Nachtleben, in das sie sich von Zeit zu Zeit stürzt.

Als ich den Schlüssel im Zündschloss drehe, höre ich den Motor meines klapprigen Toyotas röcheln. Komm schon, altes Mädchen, denke ich und versuche es noch einmal. Erst beim vierten Versuch klappt es endlich. Das kann ja heiter werden, wenn das Auto jetzt schon solche Zicken macht. Dabei kann ich es gar nicht erwarten loszufahren, raus aus München und Richtung Schloss Bernau, wo mich mein bisher größter Auftrag erwartet.

Meiner zugegebenermaßen kurzen Karriere, die vor gerade mal einem halben Jahr begonnen hat, als mich das Auktionshaus Bachmann und Kuhn quasi von der Uni weg eingestellt hat und damit wahrscheinlich ein ziemliches Risiko eingegangen ist. Keine Ahnung, wie ich es geschafft habe, die Herrschaften von meinen Fähigkeiten zu überzeugen, obwohl ich gerade erst meinen Magister in Kunstgeschichte gemacht hatte und außer Praktika keine Berufserfahrung vorweisen konnte.

Wie auch immer, jetzt sitze ich hier und nehme mir vor, von meinem Gehalt ein neues Auto zu kaufen. Das alte Mädchen unter meinem Hintern gehört eindeutig in den Ruhestand.

Ich kann nicht verhindern, dass ich auf jedes verdächtige Geräusch des Motors mit einem genervten Grummeln reagiere, als ich mich in den dichten Feierabendverkehr der Innenstadt einfädele. Eigentlich wollte ich nicht erst so spät losfahren. Zu dumm, dass ich vor meiner Reise noch mal im Büro vorbeimusste, um ein paar Unterlagen zu holen und mir von Herrn Bachmann zum x-ten Mal erklären zu lassen, dass unser Auftraggeber David von Bernau zu den wichtigsten Kunden des Hauses gehört. Er verwaltet die Kunstsammlung seiner Familie auf Schloss Bernau in der vierten Generation und scheint überhaupt eine Art Halbgott zu sein, der uns Sterbliche nur durch eine glückliche Fügung des Schicksals mit seiner Anwesenheit auf Erden beehrt.

Als ich mir vorstelle, wie mich Herr von und zu Bernau in einem mindestens hundert Meter langen Thronsaal empfängt, mit Lorbeer bekränzt, lache ich laut auf. Nach den Schilderungen von Herrn Bachmann wäre ein solcher Empfang absolut nicht verwunderlich. Die Bayern haben eindeutig ein merkwürdiges Verhältnis zum verbliebenen Adel des Landes. Heldenverehrung eben, Märchenkönig Ludwig lässt grüßen.

Wenn ich »die Bayern« sage, dann meine ich damit auch mich selbst, wie ich zugeben muss. Denn ich, Sophie Talmann, lebe immerhin auch schon in zweiter Generation im schönen München, auch wenn meine Familie sicher nicht zum Adel zählt. Schade eigentlich, denn sonst könnte ich vielleicht heute standesgemäß im Porsche und nicht in meiner alten Klapperkiste vorfahren.

Wie auch immer, die Aussicht, eine Woche auf einem richtigen Schloss zu verbringen, inmitten von Schätzen vergangener Epochen, die ich auch noch begutachten, katalogisieren und schätzen darf, ist wirklich verlockend. Da ist es vollkommen zweitrangig, ob Herr von Bernau nun einen Lorbeerkranz trägt oder nicht. Vermutlich treffe ich aber eher auf einen netten Mittfünfziger, der Tweetanzüge trägt, in seiner Freizeit auf die Jagd geht und Pfeife raucht, oder etwas in der Art. Ich bin zwar erst vierundzwanzig, aber doch immer wieder erstaunt, wie häufig die gängigen Klischees tatsächlich zutreffen.

Endlich bin ich raus aus dem dicksten Verkehr und kämpfe mich durch die Vororte Richtung Südosten. In Ermangelung eines Navis werde ich unterwegs wohl anhalten müssen, um die Karte zu studieren. Bei nächster Gelegenheit werde ich mir endlich eines anschaffen. Soviel ich weiß, liegt Schloss Bernau irgendwo zwischen Chiemsee und den Chiemgauer Alpen. Versteckt und vollkommen abgelegen. Natürlich. Hoffentlich habe ich ein Handynetz vor Ort.

Auf der anderen Seite gibt es auch niemanden in München, der sehnsüchtig auf mich wartet, den ich unbedingt privat anrufen oder dem ich Fotos schicken müsste. Der Chef weiß, dass ich für eine Woche vom Radar verschwinde, ebenso wie meine Mutter, die sowieso nie ein Kontrollfreak war. Und einen Herzallerliebsten gibt es auch nicht. Seit einem halben Jahr ist das nun schon so, seit einer halben Ewigkeit also. Egal, jedenfalls habe ich garantiert nicht vor, die Fahrt durch diese traumhafte Landschaft zu nutzen, um an Stefan zu denken. Er hat mich verlassen, ich bin drüber hinweg und damit Punkt.

Eine halbe Stunde später entschließe ich mich, an der Landstraße anzuhalten, um auf die Karte und die Anfahrtsbeschreibung zu schauen, die mir Herr Bachmann mitgegeben hat.

Obwohl ich die Bergluft an diesem Sommertag als wesentlich angenehmer empfinde als den Mief der Großstadt, merke ich sofort, dass ich doch ein echtes Stadtkind bin. Es ist so einsam hier! Selbst jetzt noch, im Spätsommer, wo sich doch jede Menge Touristen, Bergwanderer und Radsportler in der Gegend tummeln, habe ich das Gefühl, in der Wildnis ausgesetzt worden zu sein. Na gut, ich übertreibe, aber wenn man wie ich Menschenmengen gewohnt ist, dann ist so eine Fahrt aufs Land schon abenteuerlich.

Während ich am Auto lehne und die Nase in die Karte stecke, kommt ein Traktor vorbei, der so viel Staub aufwirbelt, dass ich einen Hustenanfall bekomme. Wütend blicke ich durch den braunen Nebel. »Können Sie nicht aufpassen?«, rufe ich, doch im selben Moment bleibt mir jede weitere verbale Attacke im Hals stecken.

Der Fahrer des Ungetüms sieht aus wie ein dem Jungbauernkalender entsprungener Mister August. Er scheint mir meine Überraschung anzusehen, denn er grinst unverschämt und zwinkert mir zu. Ich weiß nicht, ob ich mich ärgern oder ihn anlächeln soll. Zum Glück fährt er weiter, ziemlich langsam natürlich und ohne mich aus den Augen zu lassen. Ich merke, wie ich rot werde. Verlegen verstecke ich mich wieder hinter der Karte und sehe aus den Augenwinkeln, wie sich Typ und Traktor entfernen.

Manchmal wünschte ich, ich könnte in solchen Situationen so selbstsicher und gelassen reagieren wie meine beste Freundin Mara. Bei ihr wirkt das Flirten immer so gekonnt wie in einem Film. Ich dagegen mache mich regelmäßig zur Idiotin, wenn ein Vertreter des männlichen Geschlechts mir seine Aufmerksamkeit schenkt. Vielleicht liegt das Elend daran, dass ich bei diesen Gelegenheiten nie weiß, was mein Gegenüber eigentlich von mir erwartet. Es ist ja nicht so, dass ich es nicht zeigen will, wenn mir ein Mann gefällt. Ich weiß nur nicht, wie ich das anstellen soll.

Wenn Mara gesehen hätte, dass ich mich mal wieder wie ein Mauerblümchen benommen habe, wäre mir jetzt eine Standpauke sicher. »Wenn du dich schon um einen ordentlichen One-Night-Stand drückst, dann gönne dir doch wenigstens ab und zu einen kleinen Flirt. Würde dir ganz guttun«, höre ich sie in ihrer trockenen Art sagen. Aber Mara hat gut reden und ist außerdem weit weg. Und ich bin nicht unterwegs zum Chiemsee, um Ferien zu machen, sondern um zu arbeiten. Und wenn ich ehrlich bin, verspüre ich nichts als Erleichterung darüber, dass mein Privatleben in den nächsten Tagen nicht von Belang ist.

Entschlossen fahre ich den Weg auf der Karte mit dem Finger nach und scheitere danach grandios beim Zusammenfalten des widerspenstigen Papiers. Nach zehn Sekunden gebe ich auf und stopfe die Karte als Knäuel in meine Handtasche. Mit einem Seufzer lasse ich mich wieder auf den Fahrersitz fallen, und weiter geht es durch Wiesen, Felder und kleine Dörfer, die sich malerisch in die Berglandschaft einfügen.

Die Abenddämmerung in den Bergen ist atemberaubend. Während um mich herum die Welt in gedämpftes blaues Licht getaucht ist, halte ich vor einem geschmiedeten Tor, hinter dem eine scheinbar endlose, von Kiefern und Fichten gesäumte Auffahrt beginnt. Weder ein Name noch eine Hausnummer sind irgendwo zu sehen. Aber wer würde das bei einem Schloss auch ernsthaft erwarten.

Auf einmal klopft mein Herz schneller. Mein erster richtig großer Auftrag, jetzt ist es so weit. Der Druck, mich trotz meiner geringen Berufserfahrung professionell und routiniert geben zu müssen, lastet schwer auf mir. Meine Hände zittern, als ich den Motor abstelle. Im Dunkeln tappe ich auf die blinkenden Lichter einer Hightech-Gegensprechanlage zu. Gefühlte drei Sekunden nach dem Betätigen des Knopfes meldet sich eine erstaunlich tiefe Frauenstimme.

»Wer ist da bitte?«

»Guten Abend, mein Name ist Sophie Talmann. Ich komme vom Auktionshaus Bachmann und Kuhn in München. Ich möchte zu Herrn von Bernau.«

Irgendwie komme ich mir so vor, als hätte ich der unbekannten Dame soeben meine Lebensgeschichte erzählt. Bestimmt hat sie mir meine Unsicherheit angemerkt. Höre ich da ein Schnauben am anderen Ende der Leitung? Das ist sicher nur meine blühende Fantasie.

»Guten Abend, Frau Talmann. Wir öffnen Ihnen gleich das Tor. Bitte folgen Sie der Straße für ungefähr einen Kilometer. Biegen Sie nicht ab. Der Weg zum Schloss ist allerdings auch ausgeschildert.«

»Ja, äh, danke schön.« Du liebe Zeit, worauf habe ich mich da nur eingelassen? Das Grundstück muss ja die Größe eines mittleren Dorfes haben, wenn man sogar Schilder aufstellt. Mir fällt ein, dass Herr Bachmann erzählt hat, dass ein Teil des Schlosses und des Geländes im Sommer für Touristen geöffnet ist. Auch eine Art, die Instandhaltung des alten Kastens zu finanzieren.

Der Toyota springt diesmal schon beim ersten Versuch an. Zum Glück bleibt mir also die Peinlichkeit erspart, vor dem Tor Kämpfe mit dem alten Mädchen ausfechten zu müssen.

Mit einem leisen Summen öffnet sich das beeindruckend große Tor, und ich mache mich auf den Weg zum Schloss. Links und rechts der Straße wechseln sich Wiesen mit einzelnen Baumgruppen ab. Zweimal komme ich an einer Abzweigung vorbei, und beim letzten Mal meine ich, in der Ferne ein kleines Gebäude aus Glas schimmern zu sehen. Nach ungefähr fünf Minuten taucht Schloss Bernau vor mir auf. Irgendwie hatte ich wohl so etwas wie Neuschwanstein erwartet, wie ich mir lächelnd eingestehe.

Der Wohnsitz derer von Bernau wirkt dann doch weniger überladen als König Ludwigs Märchenschloss, aber schön ist es dennoch, mit seiner luftigen Barockarchitektur und der hellgelben Fassade. Eingebettet ist das Gebäude in eine kleine Gartenanlage, bei deren Anblick ich mich unwillkürlich frage, wie viele Gärtner täglich damit beschäftigt sein mögen, die Buchsbäume und den Rasen in Form zu bringen. Die gesamte Anlage wirkt gediegen und elegant, nur ich und mein Auto stören das Bild gewaltig. Aschenputtel ist nicht mit der Kutsche, sondern mit dem Kürbis angereist.

Als ich langsam auf das Haus zufahre, überlege ich fieberhaft, wo ich den Kürbis abstellen soll. Sicher ist das die nächste Gelegenheit, um in ein Fettnäpfchen zu treten, denn es gibt zwar eine breite Auffahrt, aber keinen Parkplatz. Und so stelle ich schweren Herzens und vermutlich die Etikette missachtend den Wagen direkt vor dem Hauptportal mit der doppelflügeligen Tür ab.

Genau in dem Moment, als ich den Fuß auf die erste der drei Treppenstufen setze, öffnet sich die Tür und eine etwa vierzigjährige Dame in einem perfekt sitzenden dunkelblauen Kostüm erscheint. Sie macht einen Schritt auf mich zu und lächelt freundlich. Das hält mich jedoch nicht davon ab, mich wegen meiner eigenen Erscheinung schlecht zu fühlen, denn ich bin mir meines vom Wind zerzausten Haars und des von der Fahrt zerknitterten Hosenanzugs bewusst. Trotzdem erwidere ich das Lächeln tapfer. Die Dame wirft einen Blick auf meine Tasche, die ich beim Aussteigen vom Beifahrersitz geklaubt habe.

»Willkommen auf Schloss Bernau, Frau Talmann. Ich bin Miriam Bogner, Herrn von Bernaus Assistentin. Ist das ihr einziges Gepäckstück?«

Ich schüttele verlegen den Kopf. »Ich habe noch einen Koffer hinten im Auto.«

Sie nickt.

»Sie können Christoph gerne Tasche und Wagenschlüssel geben. Er kümmert sich um alles.«

Wie aufs Stichwort tritt ein junger Mann, etwa in meinem Alter, auf den Plan. Er trägt einen schicken Anzug, der nicht so ganz zu seinem verschmitzten, jungenhaften Gesichtsausdruck passt. Als er meine Habseligkeiten entgegennimmt, nickt er mir zu, schweigt aber.

Irgendwie ist es mir unangenehm, dass ein Gleichaltriger mir das Gepäck hinterherträgt und sich um mein schäbiges Auto kümmert. Aber was soll ich machen? Die ganze Begrüßung kommt mir vor wie das Einchecken in ein exklusives Luxushotel, auch wenn ich mit solchen Etablissements nicht viel Erfahrung habe.

Mit einer Geste bedeutet mir Frau Bogner, ihr in die Eingangshalle zu folgen. Dort erwartet mich gleich die nächste Überraschung. Das Interieur wirkt gar nicht so herrschaftlich und scheint eher zu einem großen Jagdhaus zu passen. An den hohen, holzgetäfelten Wänden hängen zahlreiche Trophäen, und eine breite Treppe aus dunkler Eiche führt zum oberen Stockwerk und zu einer Galerie, die um die gesamte Halle herumführt.

Im Gehen wendet sich Frau Bogner mir zu.

»Ich zeige Ihnen erst einmal Ihr Zimmer. Sie können sich dann etwas frisch machen, bevor Herr von Bernau Sie zum Dinner erwartet.«

»Vielen Dank«, gelingt es mir zu antworten.

Der Blick, den mir Frau Bogner bei ihren Worten zugeworfen hat, verrät massive Zweifel an der Angemessenheit meiner Garderobe, die vermutlich noch durch mein spärliches Gepäck genährt werden. Natürlich habe ich ein Abendkleid dabei, nur konnte ich mir für den Schlossaufenthalt keine komplette Neuausstattung anschaffen.

Während ich die Stufen zur Galerie erklimme, rede ich mir ein, dass Herr von Bernau es mir sicher verzeihen wird, wenn ich nicht jeden Abend ein anderes Kleid trage.

Wenigstens war mir schon im Vorfeld klar, dass ich mich mindestens einmal am Tag, nämlich zum Abendessen, würde umziehen müssen.

Von der Galerie aus werde ich in einen großzügigen Flur geführt, der mit seinen hellgelben Wänden und dem hellen Parkett freundlich und einladend wirkt.

Sofort sticht mir eine Vitrine mit Figuren ins Auge, von denen einige verdächtig nach dem berühmten Meißner Porzellan aussehen und aus dem 18. Jahrhundert stammen könnten. Ich bin ziemlich gespannt, was für Schätzen ich auf Schloss Bernau noch begegnen werde.

Plötzlich bleibt Frau Bogner stehen.

»H

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