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Die vergessene Insel

Katja Prüter

Die vergessene Insel


Für meinen Mann und meine Tochter, deren Liebe jede meiner Zeilen beflügelt. Ich Danke euch, das ihr bei mir seid.


BookRix GmbH & Co. KG
80331 München

Der alte Magier

Sinnend sah sich der alte Zauberer im Raum um und lächelte zufrieden bei dem, was er sah. Wieder war eine große Schar an Kindern gekommen, die seinen Geschichten aus der Vergangenheit lauschen wollten. Er fühlte sich durch die stete Schar der Besucher keineswegs gestört. Nein. Er fand es sogar wichtig, das sie die Schrecken der Vergangenheit kennen lernten und aus den Fehlern ihrer Vorfahren lernen konnten. Wie viele Generationen von Kindern hatten seit den düsteren Zeiten hier in diesem Zimmer zu seinen Füßen gekauert und seiner Geschichte gelauscht. Gerührt zog der mächtige Magnus sein für solche Fälle bereitgehaltenes Tuch aus seinem weiten Ärmel und schnäuzte gerührt hinein, bevor er wieder den Blick durch den Raum schweifen ließ. Es war ein unwahrscheinlich gemütliches Zimmer mit Holzwänden und riesenhaft erscheinenden Gemälden, aus denen die Männer und Frauen gütig lächelnd auf die anwesende Besucherschar herunter blickten.

Ein flackerndes Feuer im Kamin warf seinen Schein auf die Gesichter der Zuhörer und sein unruhiges Leuchten malte bizarre Schatten auf ihre gespannten Gesichtszüge. Wie Perlen aufgereiht auf einer Schnur saßen die Kinder auf gemütlichen Sitzkissen rund um den alten Mann herum. Ihre Blicke wanderten abwechselnd zwischen den auf den Gemälden abgebildeten Männern in abenteuerlichen Gewändern und Frauen in schwingenden langen Roben und dem Respekt einflößenden Zauberer auf seinem Krallenthron hin und her.

Manch ein kleiner Besucher war aber auch von den langen, feuerroten und gelben Fahnen fasziniert, die das Gesamtbild des Zimmers etwas auflockerten. Stolz reckten sie ihre Mäste in die Höhe, während neben ihnen die Banner in derselben Farbenfolge seiden gleich in die Tiefe fielen und die steinernen Wände elegant bedeckten. Gebannt hingen die kleinen Zuhörer an dem Gesicht des Magiers und schienen ihm die Worte von den Lippen ablesen zu wollen.

Er rückte seinen spitzen schwarzen Hut auf dem Kopf zurecht und beugte sich etwas auf seinem Gold schimmernden Stuhl nach vorne. Dabei schwang an seinem rechten Ohr ein langer Ohrring mit einem Zauberstab hin und her und blitzte immer wieder im Lichtschein hell auf. Fest umgriffen seine Hände die Löwen, welche die Enden seiner Armlehne bildeten. Er ließ den Blick über die ihn gespannten Kindergesichter gleiten und wärme durchflutete sein Herz. Solch ein Bild von gemeinsamer Harmonie hätte es vor einigen Jahren noch nicht gegeben. In der Zeit vor Semiramis.

Zärtlich strich er der kleinen Elfe, die neben ihm saß und ihn eifrig beobachtete über die bis zur Taille fallende blonde Mähne. Wild ringelten sich ihre Locken um seine streichelnden Finger und keck blitzten die spitzen Ohren zwischen ihnen hervor. Sie nutzte seinen kurzen Moment der Sentimentalität gleich aus um ihn zu bitten, weiter zu erzählen, denn für ihre Ungeduld dauerte die Pause in seiner Erzählung schon viel zu lange.

»Bitte Magnus. Erzähle uns noch einmal die Geschichte von Semiramis.« Bettelnd hingen ihre stahlblauen Augen mit den langen dunklen Wimpern an seinem faltigen Gesicht. Ihr kleiner zarter Körper war gespannt dem Zauberer zugeneigt. »Marissa«, sagte Magnus lächelnd und strich sich durch seinen langen Bart, der sich an den unteren Enden zweiteilte und jeweils in einer nach außen gerichteten Locke endete. Ein gepflegter Oberlippenbart verdeckte seinen Mund nur wenig. Die Nase, die sich über einem eigenwillig geschwungenen Mund befand, war weder gerade noch schief, aber etwas länger als das sie dem im Moment geltenden gängigen Schönheitsideal auf der Insel entsprochen hätte. Aber über das Alter war der alte Mann auch schon lange hinaus, indem er noch Frauen den Kopf verdrehen wollte. Bei diesem Gedanken hätte er wahrscheinlich amüsiert aufgelacht. Damit allerdings lenkte er immer noch alle Blicke auf sich, denn sein Gelächter war auch heute noch so anstecken wie früher. Wer es hörte, musste unweigerlich mitlachen, ob er wollte oder nicht. Und selbst diejenigen unter den magischen Geschöpfen, die über eine große Selbstdisziplin verfügten, konnten ein Zucken der Mundwinkel nicht unterdrücken. Seine Augen schauten umgeben von vielen Falten, die zeigten, dass er gerne und viel in seinem Leben gelacht hatte, gütig aus seinem Gesicht heraus. Er sah uralt aus, und doch auf irgendeine Art zeitlos jung. Manchmal, wenn das flackernde Kaminfeuer seine Gestalt streifte, schien es, als wenn ein viel jüngerer Mann dort auf dem mit Krallen verzierten Thron saß.

»Ihr habt die Geschichte doch schon tausendmal gehört.« Doch die kleine Elfe schüttelte vehement den Kopf, so das ihre langen Locken wild um ihren Kopf herum flogen. Bevor sie aber wieder das Wort ergreifen konnte, mischte sich eine tiefe, grollende Stimme ein. Ein kleiner Troll im hinteren Eck des Raumes meldete sich zu Wort. Niemand der seine gedrungene Gestalt betrachtete, hätte ihm diese tiefe Stimme zugetraut. Jetzt aber donnerte sie grollend und doch bittend zugleich durch den Raum. Seine Gestalt war über und über mit Beulen bedeckt. Ein Zeichen dafür, das seine Familie zum Herrschergeschlecht der Trollstämme zählen musste.

»Aber Magnus«, bettelte er. »Ich habe die Geschichte natürlich schon oft gehört. Aber du warst dabei. Von dir bekommen wir doch noch ganz andere Informationen und es ist doch wirklich etwas anderes, wenn jemand erzählt, der auch alles selbst erlebt hat. Ich bin schließlich heute erst in Feuerberg angekommen und hatte noch kleine Gelegenheit, hier in deinem Zimmer deinen Erzählungen zu lauschen. Bitte - B i t t e !« Magnus lachte sein tiefes, sympathisches Lachen. »Pete, ich weiß genau, dass auch du die Geschichte von Semiramis kennst. Dein Vater hat mir erzählt, dass ihr gerade erst von dem Besuch aus dem Einhornwald zurückgekommen seid und ich bin mir absolut sicher, dass du Königin Sternenstaub so lange gelöchert hast, bis sie dir alles erzählt hat, was sie von Semiramis und Deikugon weiß.«

»Ja schon«, grinste der kleine Troll, und seine kräftigen Zähne blitzten im Schein des Feuers. Bei dieser geheimnisvoll flackernden Beleuchtung wirkte seine grüne Haut fast wie ein schimmernder Smaragd. Bestimmt schüttelte er seinen Kopf, so das die kurzen feuerroten Haarsträhnen noch wilder nach allen Seiten ab standen. »Aber Magnus. Königin Sternenstaub kann doch nur von den Sachen erzählen, bei denen sie selbst mit dabei war. All die anderen Sachen kennt die Einhornkönigin doch auch nur vom Hörensagen. Sie hat mir aber genau erzählt, dass du fast die ganze Zeit über mit Semiramis zusammen warst. Ihr sollt die engsten Freunde gewesen sein. Bitte Magnus«, er sprang von seinem Kissen auf und kniete sich vor den klauenfüßigen Thron des alten Zauberers. Bittend ergriff er die alte, faltige Hand mit beiden Händen, bevor er wieder das Wort an den weisen Magier richtete: »Wir sind doch alle extra deswegen hergekommen.« Beifall heischend sah er sich nach den Anderen im Raum um und erntete kollektives Nicken.

Magnus seufzte tief. Sein langes Seidengewand knisterte leise, als er sich auf seinem Thron zurechtsetzte. Sinnend ließ er seinen Blick über die versammelten Kinder schweifen. Trollkinder und Elfen, Zwerge, Gnome, kleine Hexen und Zauberlehrlinge. Auch ein Einhornmädchen lag anmutig ausgestreckt ganz hinten im Zimmer auf einem Kissen. Wieder dachte er daran, dass früher eine solche Versammlung nicht möglich gewesen wäre. Nein. Auf gar keinen Fall. Früher, in den dunklen Zeiten der Angst und der Not, in der jeder gegen jeden kämpfte und Argwohn und Hass regierten. Früher, in der Zeit vor Semiramis.

»Alles begann damit, das Deikugon, der Sohn des Häuptlings der Panterreiter, einen Traum hatte. Es war damals eine dunkle Zeit. Unsere Stämme hier auf der vergessenen Insel waren verfeindet und lebten in Hass und Streit. Was einmal so schön und harmonisch war, nach der Flucht aus der Menschendimension, war durch den bösen Zauberer Maglador zunichtegemacht worden. Er strebte nach Ruhm und Macht, versuchte die Stämme der Insel zu unterdrücken und zu knechten.

In dieser Zeit träumte Deikugon von einer jungen Frau. Sie schien nicht von unserer Insel zu stammen, sondern aus der alten, beinahe in Vergessenheit geratenen Welt, der Welt der Menschen. Das glaubte er daran zu erkennen, das sie eine Straße entlang ging, so bizarr aussehend, wie er es noch nie gesehen hatte. Riesige Häuser waren links und rechts des Weges, den sie ging, und erdrückten die junge Frau schier. Metallene Ungetüme wälzten sich auf einem Pfad neben ihrem Weg dahin und schwarze Wolken schossen aus ihren hinteren Teilen heraus, wie der Atem von bösen Drachen. Er sah die Frau in eines der riesigen Häuser hineingehen. Als sie darin ankam, erkannte er Gegenstände, die anscheinend zum Verkauf ausgestellt waren. Dies musste also der Laden eines Händlers sein, in dem sie sich befand. Seltsame Dinge waren dort in einem Sammelsurium zusammen gestellt.

Die Frau griff nach einem runden Gegenstand, der aussah wie eine Abbildung einer Weltkugel. Dann wechselte das Bild und er sah wieder die junge Frau. Sie war anscheinen in einem anderen Haus, denn sie war von Möbeln umgeben und Sonnenlicht strömte durch ein riesiges Fenster. Sie hielt wieder diese Weltkugel in der Hand und drehte sie auf einem komischen Fuß. Die Kugel löste sich plötzlich von dem Fuß und kullerte über den Boden. Der Häuptling sah im Traum, wie die Frau sich bückte, wobei ihre langen, lockigen schwarzen Haare über die Schulter fielen, und ihr Gesicht bedeckten wie ein Schleier. Sie zog aus dem Fuße des Kugelgestells ein Buch heraus, auf dem er sein eigenes Gesicht sah. Unruhig warf er sich in seinem Bett hin und her. Während er noch völlig verwirrt auf sein Bild in den schlanken anmutigen weißen Händen der jungen Frau starrte, erklang die tiefe Stimme eines Mannes in seinem Kopf.

»Diese Frau ist der Schlüssel zu euer aller Frieden.« »Wer bist du?« Fragte er verwirrt. »Ist das die Menschenwelt, die du mir hier zeigst? Ich habe sie noch nie gesehen, denn ich selbst bin ja erst hier auf der Insel geboren worden, aber so fremd, wie sie ausschaut, kann es nur die Welt sein, die meine Urgroßväter verlassen haben. Mama hat manchmal von solch merkwürdigen Häusern erzählt. Sie sagte immer, Urgroßvater Regennass hat sich oft über ihre eckigen Häuser mokiert und gesagt, das da so gar keine Harmonie herrscht und sich die Menschen auf gar keinen Fall in ihnen wohlfühlen können.« Leise lachte er in sich hinein bei der Vorstellung, dass sie immer in die Ecken laufen und sich dann erst umdrehen müssen, um wieder einen anderen Weg durch ihr Zimmer zu nehmen. Auch konnte er sich schwer vorstellen, was man denn mit solchen Zimmerecken anfangen sollte. Was sollte man denn da hinstellen? Alles war dann doch irgendwie aus dem Weg geräumt und nicht mehr im Fluss des Lebens. Unwirsch schüttelte er den Kopf und versuchte, wieder Klarheit in seine Gedanken zu bekommen.

»Wer bist du Stimme aus dem Nichts. Was willst du mir sagen und was zeigst du mir hier? Willst du mich narren und konfus machen oder willst du mir wirklich helfen?« Sobald die Frage über seine Lippen gekommen war, bereute er seine voreiligen Worte schon wieder. Er wusste doch gar nicht, wer diese Stimme aus dem Nichts war und ob er ihm wirklich helfen wollte oder es nur eine Finte der Feinde war, um ihn uns seinen Stamm endgültig ins Verderben zu reißen. Gespannt hielt er unbewusst die Luft an und wartete auf die Antwort seines unsichtbaren Gesprächspartners. Leise lachend, erst leise, dann immer lauter werdend, erklang die Stimme wieder in seinen Gedanken.»Mein alter Freund.«

Er hörte den abgrundtiefen Seufzer seines Gegners, der so tief war, dass er sogar in seiner eigenen Brust zu vibrieren schien. »Du bist immer noch so misstrauisch wie früher. Ich spreche zu dir aus unser beider Zukunft. Du selbst hast mir hierzu den Auftrag gegeben. Vertrau mir. Das Mädchen, welches du hier gesehen hast, ist Semiramis.......und sie wird uns alle retten.« Die Stimme wurde immer leiser und verklang plötzlich. Er hörte nur noch ganz leise ein Gehauchtes: »Vertrau mir, wie Bärenkralle dir einst beibrachte, dass man manchmal dem Unmöglichen vertrauen muss, wenn es das einzig Mögliche ist.« »Bärenkralle?« Fragte sich Deikugon. »Was wusste die fremde Stimme von seinem Vater. Und woher kannte der Fremde den Rat seines Vaters? Aber vor allem, wie kann eine Frau, sei sie auch noch so schön, aus der Menschenwelt uns den Frieden bringen kann?«

Da war die Stimme plötzlich wieder in seinem Geist. Leises Lachen erfüllte ihn. Und obwohl er ungeduldig auf eine Antwort wartete, fühlte er, dass dieses Lachen ansteckend war. Unmerklich hoben sich seine Mundwinkel trotz der Anspannung etwas an. Schnell unterdrückte er diese Regung und wartete auf eine Antwort. Als er schon glaubte, dass die Stimme sich zurückziehen würde, erklang sie noch einmal. Kam noch hörbar flüsterte sie ihm zu »Sie ist eine Tochter der Insel. Finde sie und du findest auch dein Glück.«Mit einem Ruck richtete er sich plötzlich hellwach im Bett auf. Verwirrt schüttelte er den Kopf. Wie war diese Menschenwelt, die er noch nie gesehen hatte. Wer war diese junge Frau? Er war sich sicher, dass er sie noch nie zuvor gesehen hatte, aber ihr Anblick ließ sein Herz schneller schlagen. Ein tiefes Sehnen war in ihm. Sein Herz klopfte hart in seiner Brust, die ihm auf einmal zu eng für seine Gefühle erschien. Gefühle, die er doch selbst nicht verstand. Die Schönheit der jungen Frau hatte ihn gefangen genommen. Noch immer sah er ihre blitzenden blauen Augen mit einem leicht grünlichen Schimmer und den langen schwarzen Wimpern vor sich. Er hatte sie so deutlich gesehen, dass er geglaubt hatte, ihr seidiges, lockiges Haar berühren zu können. Ihre Figur war schlank und biegsam gewesen, an den richtigen Stellen gerundet, aber nicht zu dünn. Was ihn aber völlig verwirrte, war das Buch, welches sie aus dem fremdartigen Ding herausgezogen hatte. Warum war sein Bild darauf gewesen? Was hatte das alles zu bedeuten?

Verwundert schüttelte er den Kopf und sah sich in seinem Zimmer um. Alles befand sich noch an seinem Platz und der kleine Raum mit den ockergelben Lehmwänden sah genau so aus wie vorher. Ein urgemütliches relativ großzügig geschnittenes Zimmer, mit runden Fenstern und schönen geschnitzten Holzmöbeln. Im Zimmer des jungen Häuptlings der Pantherreiter war alles rund oder rund geformt. Sogar die Bilder an den Wänden steckten in rund gebogenen, wunderschön geschnitzten Holzrahmen, die sich elegant den Wänden anschmiegten. Die langen zartgrünen Vorhänge aus gewebten Ranken wehten leicht in der sanften Brise, die durch die geöffneten Fenster hinein wehte. Mit zitternden Händen zog er seine weiche, bunt gewebte Schlafdecke höher und kuschelte sich in die weichen Kissen ein.

Etwas von der Ruhe und der Zärtlichkeit seiner Mutter Mondenschein schien in ihn überzugehen, welches sie beim Weben in die Kissen und den Stoff mit hinein gewebt hatte. Vor langer Zeit hatte sie sie mit all ihrer Liebe für ihren kleinen Sohn angefertigt. Er seufzte. Wie lange war sie schon Tod. Vielleicht konnte er sich daher noch nicht von der alten Decke trennen. Trotzig schüttelte er den Kopf. »Schließlich war es eine schöne Decke.« Dachte er und glitt endgültig wieder in den Schlaf zurück. Der Mond schien durch die Fenster seiner Hütte und sein Schein schien gütig auf das schlafende und nun endlich wieder entspannte, schöne Gesicht des jungen Häuptlings zu fallen. Langsam verschwamm die Szenerie in der Kugel und entließ die kleinen Zuhörer in der Gegenwart aus ihrem Bann. Langsam schienen sie sich wieder zu erinnern, wo sie waren und unruhig begannen sie wie ein Schwarm Vögel zu zwitschern, bevor sich die nächste Szene in der geheimnisvollen Kugel bilden konnte. Ein kleiner Elf schubste eine Hexe an und flüsterte geheimnisvoll: »Er hat ihr das Buch geschickt«, wobei er besondere Betonung auf das »er« legte.

»Wer?« Fragte die Hexe sofort neugierig, und versuchte ihren Gesprächspartner mit Blicken zu zwingen, ihr das Geheimnis zu verraten. Magnus runzelte die Stirn, und seine buschigen Brauen zogen sich bedrohlich zusammen. »Willst du die Geschichte weitererzählen, Sefte?« Donnerte er den kleinen Elf an. »Nö«, grinste der und lächelte über sein ganzes, pausbackiges Gesicht, während seine senffarbigen langen Haarzotteln durch die Luft flogen.» Ich wollte dich nicht unterbrechen Magnus. Aber es ist sooo spannend. Und das wir in der Kugel die Bilder sehen können ... das hast du uns noch nie gezeigt«, flüsterte er aufgeregt. Magnus seufze, dann lächelte er die aufgeregte Menge gütig an. »Du hast vollkommen recht mein kleiner Troll.« Begütigend strich er ihm über den Kopf. Der meisterhafte Geschichtenerzähler begann erneut aus seinem reichen Erinnerungsschatz heraus zu berichten und schon bald waren die Kinder wieder völlig in der Vergangenheit versunken.

Deikugon

Der junge Häuptling der Pantherreiter dachte den ganzen Morgen noch über den Traum nach. War es wirklich nur ein Traum oder handelte es sich vielleicht sogar um eine Vision, die von größerer Wichtigkeit war? Schließlich entschloss er sich eine Sitzung des Rats einzuberufen. Hier versammelten sich die Weisesten unter den Elfen, um den jungen Häuptling bei seinen Entscheidungen zum Wohle des Stammes zu beraten. Seit Deikugon, nach dem schrecklichen Tod seines Vaters Bärenkralle, vor einigen Jahren die Leitung des Stammes übernommen hatte, schätzte er die Unterstützung und Weisheit seiner Räte sehr.

Gerade am Anfang, als er in seinen Entscheidungen noch unsicher war, hatten sie ihn tatkräftig unterstützt. Nie stellten sie seine Machtposition infrage, sondern zeigten ihm die verschiedenen Wege auf, die der Stamm durch diese oder jene Entscheidung gehen würde. Am frühen Abend strömten sie zum Ratskreis, einem Platz in der Mitte des Dorfes, wo kreisförmig um ein Feuer steinerne Sitzblöcke angeordnet waren. Über ihnen befand sich ein Holzgerüst, über und über mit Pflanzen berankt, welches die Ratsmitglieder vor Nässe und Wind schützen sollte. Die Ranken reichten bis zur Erde und boten so durch ihr dichtes Flechtwerk genug Schutz vor Witterung oder neugierigen Blicken. Ein Elf nach dem anderen verschwand hinter dem dichten Vorhang der Pflanzen und nahm seinen Platz im Rat ein. Nachdem Ruhe eingekehrt war, beschrieb der junge Häuptling den ihm aufmerksam zuhörenden Elfen seinen Traum und erwähnte sowohl seine merkwürdigen Gefühle dabei wie auch die Stimme, die er in seinen Gedanken gehört zu haben glaubte.

Aufgeregt begannen die Pantherreiter miteinander zu diskutieren. Einige von ihnen erinnerten sich noch lebhaft an die Erzählungen ihrer Väter, welche aus der Menschendimension kommend hier auf der Insel ein neues zu Hause gefunden hatten. Immer wieder musste der junge Häuptling die Bilder beschreiben, die er in seinen Gedanken gesehen hatte, aber sie schienen sich so gar nicht mit den Beschreibungen ihrer Ahnen zu decken. Schließlich kam man überein, dass auch in der Menschenwelt die Zeit nicht stillgestanden sein konnte und man nicht wisse, wie die Entwicklung in der Welt der Menschen weiter gegangen sei. Deikugon seufzte frustriert auf. »Na toll. Jetzt bin ich genau so schlau, wie vorher.« Nachdenklich strich er sich die vorwitzige Haarsträhne aus dem Gesicht, die ihm immer wieder ein solch jungenhaftes Aussehen verlieh.

»Es kann eine Vision aus der Menschenwelt gewesen sein, aber sicher sein können wir uns nicht, da niemand von uns mehr weiß, wie es dort aussieht.« Enttäuscht ließ er den Kopf hängen und über sein gut aussehendes Gesicht legte sich ein Schatten der Frustration. Schließlich wurde beschlossen, dass der junge Häuptling zu dem weisen Vilad in die Stadt der Magier nach Melicor reisen sollte. Vielleicht hatten die Magie, wie sie sich selber nannten, eine Idee, wie er mit diesen merkwürdigen Bildern in seinem Kopf umgehen sollte. Der alte Vilad war der mächtigste der guten Zauberer der Insel und führte schon seit sehr langer Zeit die Geschicke aller Magie. Nur er konnte noch Antworten haben. Die Reise würde sehr gefährlich werden, denn sich in letzter Zeit die Angriffe der Trolle verdoppelt hatten, aber Deikugon wollte es wagen. Man hörte auch schon Gerüchte, das einige der Hexen zu Magladors böser Seite gewechselt waren.

Wenn dies stimmte und sie ebenfalls Angriffe auf BarDon starten würden, wären sie wirklich in Schwierigkeiten. Gegen magische Angriffe hatten sie wenig, mit dem sie sich verteidigen konnten. Da lobte sich Deikugon einen gepflegten Schwertkampf. Da konnte er sich auf seine Schnelligkeit und die Kraft seiner Armmuskeln verlassen. Gedankenverloren kickte er einen Stein mit dem Fußweg, mit dem er unbewusst schon die ganze Zeit gespielt hatte und ihn während der ganzen Zeit hin und her gerollt hatte. In hohem Bogen flog er durch die Luft ... und traf mit einem dumpfen Plopp ein Ziel ... welches seinen Unmut auch sofort fauchend zeigte. »Grrrrrrr. Deikugon. Warum zielst du auf meinen Kopf?« Mit anmutigen Bewegungen kam Dragon, Deikugons Panther und Partner aus dem Gebüsch auf ihn zu geglitten. »Warum hast du dich denn im Gebüsch versteckt?« Fragte Deikugons verwundert.

»Ich hätte dir doch sowieso alles Neuigkeiten erzählt. Außerdem kenne ich dich doch sehr genau. Selbst wenn ich nicht willig gewesen wäre, dir die Informationen zu geben, hättest du mich so lange gepiesackt, bis du doch deine Neugier befriedigt hättest. Warum also jetzt dieses Versteckspiel? Vertraust du mir denn so wenig, mein Freund?« Das samtige Gesicht des schwarzen Panthers schimmerte im Schein der Feuer und wäre es möglich, hätte man ihm vermutlich angesehen, wie peinlich es ihm war, erwischt worden zu sein. »Naja«, druckste er herum. »Ich wollte bei dir sein und alles aus erster Hand erfahren. Es geht doch schließlich um deine Gefährtin.« Deikugons wurde blass.

»Meinst du wirklich, sie könnte die für mich bestimmte Gefährtin sein? Die eine Frau, mit der ich die Gedanken teilen kann, die einzige, die mich auf dem geheimen Pfad der Lebenspartner hören kann? Du weißt doch selbst, wie selten und kostbar es ist, solch ein Wesen zu finden.« Dragon strich anmutig um Deikugons Beine. »Na was meinst du denn, warum du sie sonst hören kannst?«, fragte er. Deikugons war noch dabei, Dragons Behauptung innerlich zu widerlegen, als sich die Versammlung langsam aufzulösen begann. Da fühlte er plötzlich ein Leuchten tief in sich und eine noch nie erlebte Wärme umgab sein Herz.

Das Leuchten wurde heller und der Pfad auf dem sich Lebenspartner bei den Pantherreitern miteinander gedanklich unterhalten konnten, erwachte in ihm zum Leben. Immer wohligere Wärme strömte zu seinem Herzen und er fühlte plötzlich die Anwesenheit einer anderen Person. Sie nahm aber nicht vollständig den ihr gebührenden Platz in seinem Bewusstsein ein, sondern blieb nur an dessen Rändern verharren. Sie waren also noch nicht vollständig verbunden, aber für ihn war es unendlich wichtig, das seine Gefährtin existierte und er in der Lage sein würde, sie zu finden. So weit sie auch noch voneinander getrennt waren, es gab sie. Die Verschmelzung der Gedankeninhalte von Lebensgefährten, die nur der Tod noch beenden konnte, hatte begonnen. Unendlich leise hörte er auf einmal ihre Stimme und er wusste nun kristallklar, dass es die Stimme seiner Frau war. »Soll ich es wirklich wagen Deikugon? Soll ich zu dir kommen?« Immer leiser wurde die Stimme. Seine Gefährtin hatte den gemeinsamen Gedankenpfad nur gestreift, aber sie hatte ihn gefunden.

Er hatte sie gefunden. Er würde nicht zu einem einsamen Leben verdammt sein und die Erbfolge der Häuptlinge der Pantherreiter war gesichert. Zwar konnten auch Elfen eine Partnerschaft eingehen, die nicht wahre Lebensgefährten waren, aber diese Partnerschaften wurden nie von Kindern gekrönt. Außerdem wurde eine Verbindung zwischen echten Lebensgefährten immer glücklich. Etwas anderes gab es da nie. Verzweifelt rief er ihr ein »ja« zu und er meinte selbst den unterdrückten, hoffnungsvollen Jubel in diesem einen kleinen Wort mitklingen zu hören. »Komm zu mir, mein schwarz gelockter Engel. Ich warte auf dich!« Schon am nächsten Tag machte sich Deikugon mit einer kleinen Abordnung von Pantherreitern auf den gefahrvollen Weg nach Melicor.

Semiramis

Semiramis war nach einem sehr schönen Einkaufsbummel wieder in ihre kleine Wohnung zurückgekehrt. Stolz stellte sie ihre neueste Errungenschaft auf den Wohnzimmertisch. Den Antiquitätenladen hatte sie noch nie vorher entdeckt, obwohl sie jeden Tag von der Schule diesen Weg entlang ging. Sie hatte es sich nicht verkneifen können, ein bisschen in dem von Sammelsurium vollgestopften Geschäft zu stöbern. Und was hatte sie entdeckt? Einen wunderschönen, alten Schifferglobus.

Auf einem Sockel ruhte eine meisterlich geschnitzte Weltkugel, die auch noch von einem begabten Künstler bemalt worden war. Mit zarten Pinselstrichen waren die Kontinente aufgezeichnet und mit kleinen Details verziert.  Es war ein ganz bezauberndes Stück, wenn auch unglaublich schwer. Sie hatte schon etwas gekeucht, bis sie das gute Stück den kurzen Weg zu ihrer Wohnung getragen hatte. Manchmal konnte sie es noch immer nicht fassen, das sie mit 17 Jahren schon eine eigene Wohnung hatte.

Als ihre Eltern bei einem Verkehrsunfall ums Leben kamen, hatte sich ihr Bruder ihrer angenommen. Pierre war zehn Jahre älter als sie und er hatte bereitwillig die Verantwortung für sie übernommen, wie er es nannte. Verantwortung?!? Semiramis schnaubte bei dem Gedanken. Pierre war ein gefragter Modedesigner und im Moment stark gefragt. Dies bedeutete aber nicht nur, dass er unverschämt viel Geld verdiente, sondern dass er im Gegenzug ständig rund um die Welt auf Reisen war. Sie sah ihren Bruder selten, aber er war immer für sie erreichbar, wenn sie ihn brauchte. Der Einfachheit halber hatte er ein Haus direkt am Kurfürsten-Damm in Berlin gekauft. Im Erdgeschoss befand sich sein Atelier mit den Verkaufsräumen. Im ersten Stock hatte er selbst seine große Wohnung eingerichtet und hoch oben unter dem Dach war von ihrem verständnisvollen Bruder ein separates Apartment für seine kleine Schwester eingerichtet worden. »Naja..verständnisvoll«, grinste Semiramis in sich hinein.

»Er wollte wahrscheinlich mit seinem ständig wechselnden Damenbesuch ungestörte Momente genießen.«Semiramis pustete sich eine freche lockige Strähne aus dem Gesicht, die wieder einmal nicht da liegen wollte, wo sie hingehörte. Es war wirklich zum Verzweifeln. Obwohl Pierre sie von einem Friseur zum nächsten schleifte, wollten ihre Haare doch nie so liegen, wie sie sollten. Widerspenstig nannte sie es, bezaubernd eigenwillig sagten die Haarkünstler dazu. Semiramis zuckte die Schultern und betrachtete wieder ihren Neuerwerb. Gedankenversunken begann sie die Weltkugel zu drehen und betrachtete die wunderschönen Zeichnungen der Kontinente, als sich die Kugel auf einmal vom Sockel löste und laut knallend über den teuren Parkettboden schrammte.

»Mist«, entfuhr es ihr. »Hoffentlich ist jetzt weder das Parkett noch der schöne Globus kaputt gegangen«, grummelte sie vor sich hin. Aber .. was war denn das? Im Sockel des Globus befand sich etwas. Neugierig polkte sie mit den Fingern in der entstandenen Öffnung im Sockel und holte ein schmales Heftchen daraus heraus. »Ein Comic Heft?«, fragte sie sich und schüttelte ungläubig ihren Kopf. Erstaunt sah sie die wenigen Seiten genauer an. Als Cover war die Zeichnung eines jungen Mannes mit weißblonden Haaren darauf, der einfach unverschämt gut aussah. Verwirrt schaute sie das Bild an. Ihr Herz begann plötzlich und unvermutet heftig zu pochen. »Menno, sieht der Kerl gut aus. Der Zeichner versteht wirklich sein Werk.« Das Bild zeigte das lachende Gesicht eines jungen Mannes mit ungebärdigen Ponyfransen, die ihm über die großen, schräg stehenden Augen fielen. Volle, sinnliche Lippen waren zu einem bezwingenden Lächeln verzogen und der Schalk schien aus jeder Pore dieses anziehenden Gesichtes zu Luken. Die Haare waren am Oberkopf zu einer Art Knoten aufgetürmt, die von einem goldenen Reif gebändigt wurden. Von dort fielen sie lang und wild auf die Schultern hinab und reichten bis zum Unteren Bildende. Semiramis hätte gerne gewusst, wie weit diese Mähne noch reichte, aber das war leider nur zu erahnen.

Ärgerlich über ihre heftige Reaktion auf die Zeichnung schüttelte sie den Kopf. Ich bin doch kein Kleinkind mehr, das sich noch in Comicfiguren verliebt. Sie warf das Heft auf die Couch und ging erst einmal ins Badezimmer, um sich ein schönes Vollbad einzulassen. Genießerisch schwelgte sie in ihrem Badevergnügen und erst sehr viel später am Abend, als sie sich zum Fernsehen auf die Couch legte, fiel ihr wieder das merkwürdige Buch ein. Gemütlich lümmelte sie sich auf ihre Couch, schlug die Beine übereinander und begann in dem merkwürdigen Heftchen zu blättern.

»Mein Name ist Deikugon. Ich bin ein Elf vom Stamme der Panterreiter und lebe mit meinem Stamm auf der vergessenen Insel. Wir befinden und hier an unserem Zufluchtsort, einem Eiland, geschützt vor neugierigen Blicken, in den Weiten der Dimensionen versteckt. Lange lebten wir in Frieden, aber vor einigen Jahrhunderten griff ein mächtiger Zauberer nach der Macht und stürzte uns ins Verderben. Gierig vor Macht, schürte er Streit und Zwist unter unseren Völkern. Inzwischen herrscht ein brutaler Krieg auf unserer früher so paradiesischen Insel. Stamm kämpft gegen Stamm und Zwietracht und Hass beherrschen das Denken fast aller Wesen.

Viele von uns sehnen sich nach Frieden und mein Vater war ein Vorkämpfer dieser Strömung. Er hat viele Gespräche geführt, was eines Tages sein Verhängnis geworden ist. Er wurde getäuscht und während einer geheimen Versammlung verraten und hinterrücks ermordet. Die Krieger Magladors stürmten die Versammlung und metzelten alle übrigen Anwesenden ebenfalls nieder. Seit diesem Moment bin ich der Häuptling der Pantherreiter und muss mein Volk jetzt führen. Ich folge dem Weg des Friedens, den mein Vater Bärenkralle beschritten hat, und werde seine Bestrebungen fortführen. Mädchen mit dem schwarzen Haar und den blauen Augen.

Ich habe dich in meinem Traum gesehen. Eine Stimme in meinem Traum sagte mir, dass du der Schlüssel zum Frieden bist. Du musst zu mir kommen. Fahre über die Meere zu dem Ort, den ihr Bermudadreieck nennt. Du gelangst dort in den Sturm des Grauens. Du wirst alle möglichen Gestalten sehen, die dir Angst machen werden und dein Herz vor Schreck stehen lassen können. Halte durch und durchquere den Sturm. Bist du dort hindurch, gelangst du in den Nebel des Vergessens. Du wirst vergessen, warum du überhaupt so weit gefahren bist, und was du wolltest, aber auch dort musst du bestehen und fest an dein Vorhaben glauben. Dann gelangst du an die Strände der vergessenen Insel. Dort warte ich auf dich beim Stamm der Panterreiter.

«Verwirrt ließ Semiramis das Buch sinken. »Mädchen mit den schwarzen Haaren und den blauen Augen. Hallo? Der konnte doch nicht etwa mich meinen. Das war nicht möglich. Meer des Grauens, Nebel des Vergessens.« Sie schüttelte den Kopf, dass ihre lange Mähne um ihren Kopf flog. Das ist doch alles Humbug.

Der Antiquitätenhändler

Zum Glück waren gerade Ferien und Semiramis konnte gleich am nächsten Tag den Händler erneut aufsuchen. Aber was war denn das? Da wo am letzten Tag noch der Laden war, war nichts mehr zu finden. Rechts befand sich immer noch das Teppichgeschäft und links der Modeladen, aber dazwischen war ... nichts mehr. Nur eine Baulücke. Fassungslos schaute sie genauer hin. Sie war sich hundert prozentig sicher, dass genau dort der Laden gewesen war. Sie lief die Straßen hinauf und hinunter.

 

Nein, sie hatte sich nicht verlaufen. Sie war genau an der richtigen Stelle, aber wie konnte das sein. Geschäfte verschwanden doch nicht von einem Tag auf den anderen. Noch immer war da das Haus mit der Hausnummer 12. Wie immer war dort der Schuhladen untergebracht. Hier hatte Semiramis schon oft atemberaubende Schuhe gekauft und die junge Verkäuferin im Laden winkte ihr fröhlich durch die Scheibe zu. Semiramis ließ den Blick die Straße hinauf und hinunter gleiten. Verständnislos schüttelte sie den Kopf.

 

Jetzt müsste eigentlich der schöne Altbau kommen, in dem sich der Antiquitätenhandel befand. Eigentlich merkwürdig, dass ihr ein solch schönes altes Gebäude nicht vorher aufgefallen war. Es war einfach wunderschön und behutsam restauriert worden und hatte sich seinen viktorianischen Charme bewahren können. Sie erinnerte sich noch genau an die steinernen Wasserspeier, die trutzig die Fassade bewacht hatten. Nun jedoch sah sie .... Nichts. Neben der Hausnummer 12 befand sich ein Neubau mit der Hausnummer 14.

 

Ein modernes Geschäftshaus mit vielen Büros ragte hoch in den Himmel hinein und hatte nicht die geringste Ähnlichkeit, mit dem heimeligen, wunderschönen Gebäude von gestern. Kurz entschlossen betrat sie das Schuhgeschäft und wartete ab, bis die sympathische Verkäuferin ihr Gespräch mit der Kundin, die sie eben bediente, abgeschlossen hatte. Dann sprach Semiramis sie an. Zuerst tat sie so, als würde sie sich für ein Paar roter Stiefel interessieren, die nicht in ihrer Größe im Regal standen. Dann kam sie aber zu ihrem eigentlichen Anliegen und dem Grund für den Besuch des Geschäfts.

 

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