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Die Ultimative Reise: Episode 1: Jäger der Angst

„Wir Menschen konstruieren uns unsere Wirklichkeit. Für die meisten heißt das: Wir sehen uns getrennt, isoliert von allem anderen. Unsere Welt ist damit beschränkt auf Bekanntes, genauso wie unsere Sympathie nur wenigen zuteilwird. Die Angst ist unser Begleiter. Der rettende Gedanke aus dieser optischen Täuschung: Wir hören auf, uns getrennt zu sehen und beginnen, uns als Teil des Ganzen zu begreifen. Dann erleben wir Verbundenheit mit allem Lebendigen, allem Schönen. Eine neue, bessere Welt entsteht. In Partnerschaft mit dem Universum.“

I N H A L T

PERSONENVERZEICHNIS

VORWORT UND DANK

PROLOG

1. JENSEITS DER NULLLINIE

A)  DIE ENTFÜHRUNG

B)  DAS LABOR

C)  ERKLÄRUNGEN

D)  PARALLELE WELTEN

2. ELITENVERWAHRLOSUNG

A)  AUF DEM REVIER

B)  SPURENSUCHE MIT KI

C)  SYSTEMFEHLER

3. REISE IN DIE STILLE

A)  DER STELLVERTRETER

B)  ANKUNFT IM EXIL

4. VOM MÖGLICHEN ZUM WIRKLICHEN ODER ZURÜCK

A)  MEHR ALS EIN KLOSTER

B)  BEZIEHUNG UND MATERIE

5. SCHLAFENDE POTENZIALITÄTEN

A)  VERSTECKTE RÄUME

B)  DIE EHRE DER VOLLKOMMENEN WEISHEIT

6. IN DER LUFTAUFSICHTSBARACKE

A)  SEHEN UND GESEHEN WERDEN

B)  ÜBER DEN WOLKEN

C)  KOHÄRENZ

D)  “BEAM ME UP, SCOTTY!”

SCHLUSS

GLOSSAR

P E R S O N E N V E R ZE I C H N I S

in der Reihenfolge ihres Auftretens

Mia – Workplace Designerin

Edina – Neurologin

Paul – Intensivmediziner

Luca – Mias Bruder

David – Mias Ehemann

Julian – Mias Sohn

Hal – künstliche Intelligenz

Akito – Experte für künstliche Gefühle

Xiaomeng – Medizinerin

Benjamin – Physiker

Maxim – Agent

Aang – Agent

X – künstliche Intelligenz

Muho – Zen-Meister

Juliette – Zen-Schülerin

Louis – Agent

Sophia – Neurologin

Susanna – Sophias Assistentin

Emily – Agentin

Enzo – Head Technology

Noah – CTO

Thomas – COO

Lian – Physiker

VORWORT UND DANK

Die Zeit, in der wir gerade leben, liefert ein beeindruckendes Beispiel der Umdeutung von Werten: Es ist gelungen, Freiheit und freie Märkte zu Synonymen werden zu lassen. Der Kapitalismus mit seiner Betonung der Finanzwirtschaft gilt trotz feudalistischer Tendenzen als die einzig praktikable Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung überhaupt. Es scheint so, als diente Politik selbst nur dem Wirtschaftswachstum, egal ob in Demokratien oder in Diktaturen. Alle Hoffnungen und Träume von Gleichheit, Sicherheit und einem allgemein sorgenfreien Leben – auch bei Krankheit und im Alter – müssen dem Ziel der Produktivität geopfert werden. Wie konnte es dazu kommen, warum nimmt die Gesellschaft das scheinbar kritiklos hin und wohin wird das führen?

Ich spürte, dass meine Sicht auf die Dinge allein nicht ausreichen würde, um diese Fragen zu beantworten. Mein Weltbild war zu sehr mikroökonomisch und materiell geprägt. Andererseits lag mir sehr viel an der Aufklärung. Denn seit jeher standen für mich Werte wie Freiheit und Gerechtigkeit im Mittelpunkt. Ich begann also, meinen Horizont auf verschiedenen Ebenen zu erweitern.

Die Makroökonomik hatte mich in der Vergangenheit nie so recht begeistern können. Statt theoretischer Angebots- und Nachfragekurven hätte man mir im Studium lieber erläutern sollen, welche Folgen die Beendigung von Bretton-Woods für unsere Gesellschaft hatte. Mir wären viele interessante Zusammenhänge bedeutend eher klar gewesen. Nun erhoffte ich mir ausgerechnet von der aktuellen Volkswirtschaftslehre Antworten auf meine Fragen und fand – nur graue Theorie. Speziell zur Frage, welche Voraussetzungen heutzutage gesamtwirtschaftlich für die dynamische Entwicklung von Unternehmen und Märkten gebraucht werden, um alle Menschen gerecht am Fortschritt teilhaben zu lassen, schweigt die derzeit angesagte Lehre eisern – Alternativen unerwünscht. Fürchtet sie etwa, dass jedes Zugeständnis ihr sofortiges intellektuelles Ende wäre?

Andererseits entstand so bei mir der Eindruck, als würde mit dem neoliberalen System nur eine leere Hülle aufrechterhalten. Eine Ideologie. Bestenfalls vermochte ich darin eine rein statische Veranstaltung zu erkennen, bei der es nur um die effiziente Verwendung von Ressourcen geht. Und zwar derer, die uns bis zum Ausbruch der sich abzeichnenden Klimakatastrophe noch verbleiben. Und was dann?

Aber wie das so ist mit Ideologien, stammen sie aus unserer Wirklichkeit und erfüllen immer eine bestimmte Funktion: Sie sorgen dafür, dass Machtverhältnisse in der Gesellschaft reproduziert werden, ohne dass wir es wagen, sie infrage zu stellen oder sogar versuchen, sie zu verändern.

Was aber ist unsere Wirklichkeit und wie entsteht sie eigentlich? War es richtig, sie sich weiterhin als Realität von Objekten aus Materie vorzustellen, die man zum eigenen Nutzen manipulieren konnte? Diese spannende Frage führte mich unweigerlich in den Bereich der Quantenphysik. Dorthin also, wo sich die Naturgesetze ausschließlich auf Möglichkeiten beziehen. Eine Erkenntnis, die mir geradezu revolutionär erschien. War sie doch selbst von der Philosophie des Westens auch nach über einhundert Jahren noch nicht so richtig zur Kenntnis genommen worden.

Kann, so fragte ich mich, stattdessen vielleicht der Buddhismus Wege aufzeigen, den Raum der Möglichkeiten als solchen zu erfahren? Und zwar, bevor er laut Quantenphysik in die jeweilige Wirklichkeit kollabiert, bzw. auf die jeweilige Wirklichkeit reduziert wird? Und was hindert uns überhaupt daran, Wissenschaft und Spiritualität bezüglich eines umfassenden Ganzen als wesentlich und komplementär zu sehen – das Wissbare, prinzipiell eingeschränkt, gemeinsam mit dem Möglichen, was bis zu diesem Zeitpunkt noch nicht gewusst wird?

Viele Fragen, wenige Antworten. Da blieb mir nur der Ausweg, die Zukunft-Vergangenheit-Perspektive anzuwenden. Denn nichts ist für mich morgen älter als das Wissen von gestern. Die folgende Geschichte beschreibt über das Spiel mit der Zeit aber nicht nur den kritischen Blick zurück in unsere Gegenwart. Vielmehr hebt sie zugleich das Traumverbot auf und lässt die Utopie als reale Option zu.

Dennoch muss Science-Fiction nicht zwangsläufig davon handeln, dass die Menschheit als Ganzes entweder in Harmonie miteinander lebt oder im Chaos untergeht. Ich halte unterschiedliche Utopien für durchaus gleichzeitig umsetzbar, ohne dass letzten Endes alles in Dystopie versinkt. Denn im Zweifel wird es immer reichen, die Menschen daran zu erinnern, was sie intuitiv alle schon wissen: Es gilt, den Grundprinzipien des Lebendigen zu folgen, die im Laufe der Evolution jene Faszination, Schönheit und Vollkommenheit des Lebens, den Menschen eingeschlossen, hervorgebracht haben. Unsere Existenz beruht dabei auf dem Prinzip Liebe. Das beinhaltet zwangsläufig auch die Fähigkeit zu Kooperation und Integration auf friedliche Weise.

Viele gute Geister haben mir mit ihren Eingebungen geholfen, bei diesem Buch meine Ziele zu erreichen. Ihre Energie hat mich gestärkt und ihr Einfallsreichtum wollte schier nicht enden. Ohne sie wäre ich über den Status der Idee kaum hinausgekommen. Ich kann nur sagen, es war himmlisch. Mehrere Freunde verdienen aufgrund ihrer Begabung und Hilfsbereitschaft meinen großen Dank für ihre Kommentare zum Manuskript. Andere trugen Hinweise und Beschreibungen bei, die mich weiter voranbrachten und mir bei der Strukturierung der Story halfen.

Ganz besonders möchte ich aber Linda, meiner geliebten Frau, dafür danken, dass sie mir so großzügig ihre Zeit opferte, mich stets ermutigte und mit Begeisterung und Neugier auf die Vorstellungen und Ziele reagierte, die ich beschrieb.

 

Klaus Wichert

Weiden

Dezember 2019

PROLOG

Es war der Schrei des Lebens. Mit urwüchsiger Gewalt durchbrach er den dumpfen Mix aus menschlichen Stimmen und technischen Geräuschen im Kreissaal. Ein Kind war geboren.

Mia sah, dass es ein Junge war, den sie zur Welt gebracht hatte. Offensichtlich war das Kind gesund. Denn wie beiläufig bemerkte sie das Aufflammen von Freude im Gesicht der jungen Ärztin, die ihr Baby auf dem Weg zum Inkubator im Arm hielt. Schon im nächsten Moment aber vermittelte die Mimik der Frau tiefe Besorgnis.

Mia folgte ihrem Blick hinüber zum Operationstisch, wo der Rest des Ärzteteams sich um ihr, Mias Leben bemühte. Denn wenn das Herz stillsteht, transportiert das Blut keinen Sauerstoff und keine Energie mehr zu den Nervenzellen im Gehirn. Dann sinkt der Blutdruck rapide und die Atmung stoppt. Aus Sicht der Ärzte war Mia ohne Tagesbewusstsein. Aus ihrer eigenen Sicht hatte sie lediglich ihren Körper verlassen und beobachtete nun die Situation quasi aus einer höheren Warte.

Sie war zu einer faszinierenden Reise aufgebrochen, hinein in eine ihr unbekannte Welt.

*****

„Okay, Mia, hören Sie. Wir leben nicht mehr im 20. oder 21. Jahrhundert. Die Nahtodforschung aus der Zeit, als Wissenschaftler solche Erfahrungsberichte noch als Spinnerei abtaten, gehört längst der Vergangenheit an. Damals dominierten eindeutig die Materialisten. Sie hielten schon allein die Frage für unsinnig, wohin das Bewusstsein geht, wenn wir sterben. Geist sei das Resultat reiner Hirnchemie, so meinten die Forscher. Wenn das Gehirn nicht mehr funktioniere, gehe der Geist nirgendwohin. Er verschwinde wie die Projektion einer Linsee, wenn deren Energieversorgung ausfällt.

Solche oder ähnliche Argumente gebrauchten die Naturwissenschaftler alten Schlages noch über etliche Jahrzehnte, um sich gegen die in jeder Hinsicht revolutionären Erkenntnisse der Quantentheorie zur Wehr zu setzten. Schlussendlich gelang es ihnen jedoch selbst durch Ignoranz und Verunglimpfung nicht, die Entwicklung hin zur Wahrheit aufzuhalten.

Albert Einstein und seiner grundlegenden These vom Phänomen der Verschränkung verdanken wir die Beweise wissenschaftlicher Natur für die Unsterblichkeit der Seele. Das ist genau das, was die Spiritualität schon seit langem so beschreibt: Nahtoderfahrungen sind ein Beweis für die Existenz einer anderen, sagen wir ‚höheren‘ Welt, in der sich unser Geist auch ohne körperliche Unterstützung bewegen kann. Wir haben inzwischen eine riesige Anzahl von Berichten ausgewertet, in denen Menschen ihre Erfahrungen mit dem schildern, was landläufig immer noch oft als übernatürlich bezeichnet wird.

Dabei geht es Paul und mir allein um den Nutzen für die Menschen. Inzwischen dienen unsere Erfahrungen täglich tausendfach den Ärzten – bei der Narkose zum Beispiel. Denn dort wird das Bewusstsein ja zwischenzeitlich ausgeschaltet. Und je besser wir wissen, was genau dabei geschieht, umso erfolgreicher und verträglicher können wir sie anwenden.

Und seit einiger Zeit schon hilft die Nahtodforschung sogar, die Wiederbelebung zu verbessern – wovon nicht nur Sie persönlich erst kürzlich profitiert haben. Denn der Zusammenhang zwischen der Qualität einer Wiederbelebung und den Erfahrungen dabei ist mitentscheidend für den Zustand des Gehirns, wenn es um das Formen der Erinnerungen geht. Sprich: je besser das Hirn arbeitet, desto reicher das Erlebnis – und desto besser die Chance auf ein normales Leben nach dem ersten Tod.

Für uns lohnt sich die Nahtodforschung also gerade, weil es bei ihr nicht nur um den Tod, sondern auch um das Leben geht.“

1. JENSEITS DER NULLLINIE

A) DIE ENTFÜHRUNG

Als Luca kam, lag Mia eingehüllt in ein dickes Plaid in der Ecke des Sofas und starrte an die Decke. Ihr brummte der Kopf vom vielen Nachdenken über die Erlebnisse der letzten Zeit und sie fühlte sich ausgelaugt. „Hey, Schwesterchen, wie geht’s dem Zwerg? Hat er schon wieder ordentlich an Gewicht zugelegt? Was sagen die Ärzte? Liegt er im Plan?“, hörte sie ihren Bruder fragen.

Sie empfand Lucas Interesse am Wohlbefinden seines Neffen als grundehrlich. Seit dem Tod von Mias Mann David vor drei Monaten kümmerte er sich liebevoll um seine zwei Jahre ältere Schwester. Jetzt schien er offensichtlich vollkommen unbekümmert auch noch die Vaterrolle für deren Kind übernehmen zu wollen. Julian war eine Frühgeburt gewesen und befand sich noch unter ärztlicher Kontrolle auf der Inkubator-Station des West-Krankenhauses.

Ein kurzes, glückliches Lächeln huschte über Mias Gesicht, als sie knapp antwortete: „Julian ist okay.“

„Aha, aber die Mutter nicht.“ Der hochsensible Luca hatte natürlich längst bemerkt, dass seine Schwester irgendetwas bedrückte. Mias Zustand war nicht grundsätzlich neu für ihn. Denn schon in den ersten Tagen nach der Entlassung aus dem Krankenhaus hatte er eine sichtlich veränderte Mia vorgefunden. Jetzt war aber offensichtlich noch einmal etwas passiert, was seine Schwester zusätzlich verstörte und körperlich zu beeinflussen begann. Das konnte auch das heitere Ambiente nicht verschleiern, welches das serienmäßig im Apartment installierte Emotive Living System (ELS)e verbreitete.

„Was ist los mit dir, Mia?“, fragte Luca herausfordernd. „Steckst du noch immer in der Verarbeitung deiner Nahtoderfahrung? Wolltest du heute nicht ohnehin nach einer Gruppentherapie fragen? Was meinen denn die Ärzte?“

Mia setzte sich auf. Sie antwortete nicht sofort. Sie spürte, dass ihr die Dinge langsam über den Kopf zu wachsen begannen und sie Hilfe dringend benötigte. Sie war sich aber nicht sicher, ob und wie sehr sie sich gerade Luca anvertrauen sollte. Aus leicht verquollenen Augen schaute Mia ihren kleinen Bruder an. Dabei stellte sie wohlwollend fest, dass er sich durchaus zu seinem Vorteil entwickelt hatte. Innerhalb weniger Monate war aus einem pubertierenden Hallodri ein Mann geworden, der sehr verantwortungsvoll und reif wirkte. Und sie, Mia, hatte es nicht einmal bemerkt.

Hatte sie jetzt das Recht, noch mehr Unterstützung von ihm einzufordern? Bestand nicht die Gefahr, ihn damit zu überfordern, ja zu gefährden und ihn seiner letzten Freiheiten zu berauben? Wer war Luca eigentlich wirklich und wie lebte er sonst so? Wer waren seine Freunde und womit genau verdiente er sich sein Geld? Sie wusste zwar, dass er irgendetwas wie Informatik und Psychologie studierte und nebenbei irgendwelche Jobs annahm. Was, wo, wie und seit wann konnte sie aber nicht genau sagen. Sie begann sich Vorwürfe zu machen, ihr einziges Geschwister selbst nach dem Tod ihrer Eltern arg vernachlässigt zu haben. Sie fühlte sich schlecht ob ihrer egoistischen Haltung und wagte kaum noch aufzuschauen.

In dieser Situation geschah etwas, das jedem neutralen Betrachter als ganz natürlich erscheinen musste. Mias Leben sollte sich dadurch aber von einem Moment zum anderen von Grund auf ändern.

Luca hatte sich wie selbstverständlich neben seine Schwester gesetzt und sie mitfühlend in die Arme genommen. Sein Kopf berührte zart ihre linke Gesichtshälfte. Die freudig überraschte und leicht überwältigte Mia wollte sich gerade ihren Gefühlen hingeben und losweinen, als sie Luca flüstern hörte:

„Große, hör jetzt bitte gut zu und tu genau, was ich dir sage. Okay?

Du weißt etwas, womit du allein nicht fertig wirst, weil du die Bedeutung und die Tragweite nicht erahnen kannst. Und du musst Entscheidungen treffen, auf die du nicht im mindesten vorbereitet bist.

Vertrau mir. Ich kann dir helfen. Niemand sonst kann das.

Du wirst beobachtet, wir werden beobachtet.

Sag jetzt nichts. Meinetwegen weine weiter.

Nimm gleich wie selbstverständlich deine Linse heraus.

Dann zieh dir deine Jacke an und verlass das Apartment.

Hab keine Angst. Tu einfach so, als müsstest du noch einmal an die frische Luft.

Auf der Straße gehst du nach rechts und folgst mir im Abstand von etwa 50 Schritten. Genauso, wie du es früher immer im Auftrag unserer Eltern getan hast, um festzustellen, wo ich mich so herumtreibe.“

Bei den letzten Worten zwinkerte er ihr beinahe unmerklich zu, küsste sie auf die Wange und verließ den Raum mit einem beiläufigen „Ciao, melde dich, wenn du Hilfe brauchst. Wird schon alles wieder werden.“

Mia brauchte eine Weile, um ihre Gedanken zu sortieren: ‚Was war denn jetzt geschehen? Konnte Luca Gedanken lesen? Bedeutung und Tragweite dessen, was ich weiß? Entscheidungen, auf die ich nicht vorbereitet bin? Was wusste er? Wer sollte sie wie beobachten und warum überhaupt? Und wie sollte ausgerechnet Luca mir helfen können? Und was meinte er mit: ‚Niemand sonst kann das‘? Wie kam er zu der Überzeugung? Und dann auch noch: ‚Große‘! So hatte er sie seit mindestens zehn Jahren nicht mehr genannt.‘

Langsam gewann sie ihre Fassung zurück, ging ins Bad und entfernte die verheulte Linse aus ihrem rechten Auge. Sie legte sie wie jeden Abend vor dem Schlafengehen in Reinigungsflüssigkeit, erneuerte ihr Make-up, nahm ihre Jacke aus der Garderobe und verließ ihre Wohnung. Was sollte sie sonst tun? Die Wahrheit war, dass ihr gerade wirklich niemand einfiel, an den sie sich kurzfristig um Unterstützung hätte wenden können. Noch leicht verstört, aber neugierig erregt trat sie auf die Straße.

Der Abend dämmerte bereits, als sich Mia auf den Weg machte. Bei der Frage nach der Uhrzeit fiel ihr ein, dass sie ja ihre Linsee nicht trug. Noch ungemütlicher war ihr im nächsten Augenblick zumute, als ihr klar wurde, dass sie ohne das Gerät auch keine Verkehrszeichen erkennen konnte. Sie war sofort hellwach.

Aber wo war Luca? Sie entdeckte ihn glücklicherweise an der nächsten Straßenecke hinter einer Gruppe von Menschen. Wie konnte er sich nur so sicher durch den dichten Verkehr bewegen? Auch er hatte doch keine Linse getragen, glaubte Mia gesehen zu haben. Sie versuchte instinktiv, sich an den Passanten zu orientieren. Blieben sie vor einer Querstraße stehen, weil das Signal entsprechendes bedeutete, hielt auch sie an. Luca schien Augen auch nach hinten zu haben, denn er verstand es mühelos, den Abstand zu ihr stets annähernd gleich groß zu halten.

Nach etwa einer Viertelstunde Marsch sah Mia gerade noch rechtzeitig, wie Luca vor ihr nach rechts in eine Seitenstraße abbog. Als sie an derselben Ecke ankam und nach rechts blickte, war ihr Bruder schon dabei in die nächste Querstraße links einzubiegen. In dieser Weise ging es noch ein paar Mal im Zickzack durch die Stadt. Mia hatte sehr bald die Orientierung verloren.

Inzwischen war es dunkel geworden und ihre Füße begannen zu schmerzen. Wie dumm von ihr, nicht danach zu fragen, wie weit der Fußmarsch denn sein würde. Aber dann beruhigte sie sich wieder bei dem Gedanken, dass sie ja überhaupt keine Gelegenheit mehr gehabt hatte, zu fragen. Alles war viel zu schnell gegangen. Und Luca jetzt offenbar auch. Denn als sie um die nächste Straßenecke bog, war er definitiv nicht mehr zu sehen. Und sonst auch niemand. Was sollte das jetzt? Wo war ihr Bruder abgeblieben? Und was tat sie hier überhaupt in dieser gottverlassenen Ecke der Stadt? Ein leichter Schauer der Angst durchlief ihren Körper.

Bevor sich Mia aber ernsthaft Gedanken um ihre augenblickliche Lage machen konnte, öffnete sich direkt neben ihr geräuschlos eine Haustür. Mit einem kräftigen Ruck wurde sie in den dunklen Eingang hineingezerrt. Mia wollte schreien, aber eine mächtige Hand hielt ihr den Mund zu, während sich hinter ihr die Tür leise wieder schloss.

„Keine Angst, Große. Ich bin’s. Beruhige dich. Es ist alles okay. Wir sind gleich da.“ Lucas Stimme war klar und bestimmt, während er gleichzeitig seinen Griff löste.

„Was heißt hier ‚alles okay‘?“, brauste Mia auf. „Ich renne ohne jede Orientierung kreuz und quer hinter dir her durch die halbe Stadt, dass mir die Füße weh tun. Dann zerrst du mich mit brachialer Gewalt in einen Hausflur … warum ist hier eigentlich kein Licht … und wovor verstecken wir uns überhaupt? Und nenn mich bitte nicht immer ‚Große‘ … und … und woher weißt du, dass ich dir früher in unserer Jugend gefolgt bin … Luca? – LUCA? – Bist du noch da?“

„Psst! Nicht so laut! Es wird sich gleich alles aufklären. Komm bitte hier entlang.“ Bedeutend einfühlsamer, als wenige Augenblicke zuvor, griff Luca nach Mias Hand und geleitete sie irgendwo hin durchs Dunkel. Mia vermochte absolut nichts zu erkennen und vernahm nur leise ihrer beiden Schritte auf einem offensichtlich ebenen Boden. Sie verstand nicht, wonach sich Luca hier orientierte. Schon nach wenigen Augenblicken blieb er wieder stehen und führte Mias Hand an einen Handlauf in Hüfthöhe.

„Halt dich bitte fest. Es dauert nicht mehr lange“, beruhigte er seine Schwester. Die spürte im nächsten Moment einen leichten Druck in ihrem Körper, konnte aber nicht sagen, was der Grund dafür war. Denn noch immer war es total finster um sie herum. Sie wusste nicht, wieviel Zeit vergangen war, als sich direkt ihr gegenüber lautlos eine Schiebetür öffnete. Was sie sah, verschlug ihr den Atem.

B) DAS LABOR

Beinahe unnatürlich schön wie ein Gemälde breitete sich vor Mias Augen eine Naturlandschaft aus. Auf leichten Hügel wechselten sich Wiesen, Wäldern und Seen ab. Flüsse und Bäche durchzogen das Terrain. In der Ferne konnte sie höhere Berge erkennen. Die Sonne strahlte von einem weiß-blauen Himmel herab und es roch nach Frühling. In der lauen Luft sah sie Vögel herumfliegen und hörte deren melodische Gesänge. Sie bemerkte Pferde auf einer Koppel und andere Tiere verschiedenster Art, je nachdem wohin ihr Blick sich gerade wandte.

„Hallo und herzlich willkommen in unserer Welt, Mia. Mein Name ist Hal.“

Ein gutaussehender Mann mittleren Alters war direkt neben ihr und Luca erschienen. Wie aus dem Nichts. Er hielt die Hände mit den Innenflächen gegeneinander vor seiner Brust, verneigte sich leicht zu ihnen hin und grüßte mit einem deutlich vernehmbaren „Namaste!“ Die beiden erwiderten seinen Gruß in der gleichen Weise, während sich Mia fragte, woher sie den Namen Hal kannte.

Luca stellte Hal seiner Schwester vor. Mit einem Schmunzeln im Gesicht bezeichnete er ihn als das Universalgenie des Teams. Dann bedankte er sich bei ihm dafür, dass er heute die Rolle des Masters of the Ceremony übernommen hatte. Anschließend bat er ihn noch, sich von jetzt an besonders um seine Schwester und deren Wünsche zu kümmern, wann immer er, Luca, gerade verhindert sein sollte.

„Sehr gerne, Luca. Was gäbe es Ehrenvolleres für einen Mann wie mich, als einer schönen Frau die Welt zu zeigen“, antwortete Hal leicht theatralisch und lächelte Mia dabei vielsagend an. Die war ihrerseits noch immer überwältigt von ihren Eindrücken und gleichzeitig damit beschäftigt, Ordnung in ihre Gedanken zu bringen. Sie spürte also gar nicht, wie ihr Hals Schmeichelei die Röte ins Gesicht trieb.

„Danke“, flüsterte sie leicht abwesend und war dabei sichtlich bemüht, die Fassung wieder zu gewinnen. „Aber – was ist das hier? Wo bin ich? Ist das alles real, was ich sehe? Von welcher Organisation und welchem Team sprecht ihr überhaupt? Ich dachte, du seiest Student der Informatik, Luca? Ist das dann hier dein – Institut? Ich sehe…“

„Stopp, stopp, stopp“, unterbrach sie Luca lachend. „Eins nach dem anderen, G … ähm … Schwesterchen. Also, lass mich mal so anfangen: Kurz gesagt handelt es sich hierbei um eine Ausgründung aus dem Institut für angewandte kybernetische Psychologie der Anton-Zeilinger-Fernuniversität in Wien. Und was du hier siehst, ist … ähm … ja, was siehst du eigentlich?“

Etwas irritiert durch diese Frage beschrieb Mia knapp die Szenerie, wie sie sich für sie darstellte. Worauf Luca antwortete: „Okay. Ja, alles ist real, was du siehst.“ Kurze Pause. „Aber wahr ist es nicht“, fügte er tiefgründig hinzu. „Es handelt hier nämlich sich um die Anwendung einer auf quantenphysikalischer Basis weiterentwickelten holografischen Technik, kurz AHTe, Advanced Holographic Technique.“ Und beim Blick in Mias fassungsloses Gesicht ergänzte er schnell. „Die Details müssen dich jetzt nicht interessieren. Nimm einfach alles wie es ist – also wie du bist.“

„Aus dem Talmude“, murmelte Hal im Hintergrund und hätte selbstverständlich das passende Zitat aus dem Hauptwerk jüdischer Bibelauslegung auch nennen können.

„Keiner von uns versteht immer alles, was hier geschieht“, fuhr Luca leicht irritiert fort, während er die KI mit einem kritischen Seitenblick bedachte. „In diesen Fällen beraten wir uns zunächst in der Gruppe. Im Zweifel fragen wir Hal, was los ist und wie wir unsere Eindrücke oder Empfindungen einordnen sollen. Hal ist übrigens nichtmenschlich. Früher hätte man ihn wohl als eine Art humanoiden Roboter bezeichnet, wenn er nicht gleichzeitig auch nichtphysisch wäre. Wie auch immer, er ist DIE Schöpfung unseres ganzen Teams und wir sind alle enorm stolz auf ihn. Meistens zumindest.“

„Was heißt hier ‚meistens zumindest‘? Wenn ihr mich nicht hättet, ihr pubertierende Grünschnäbel, würdet ihr dieses Unternehmen noch nicht einmal als Entwurf auf einem Bildschirm stehen haben. Ganz zu schweigen von der Frage, was ihr euren Interessenten eigentlich Konkretes anzubieten hättet. Wie viele eurer hirnrissigen fixen Ideen musste ich schon in der Luft zerreißen, bevor es euch richtig teuer zu stehen gekommen wäre? Undankbares, arrogantes Menschenpack.“ Mit dieser Schimpfkanonade war Hal unsichtbar geworden. „Du kannst dich jederzeit an mich wenden, Mia, wenn du genug von diesen Egos hier hast“, hörte man ihn aber aus dem Off noch säuseln. „Für sachdienliche Hinweise stehe ich dir selbstverständlich gerne zur Verfügung.“

„Entschuldige bitte, Mia. Wir arbeiten noch ein wenig an seinen Emotionen“, kommentierte Luca achselzuckend den Abgang von Hal. „Aber die Empfindungen waren interessanterweise schon bei seinem Namensvetter in ‚2001: Odyssee im Weltraum‘ das Problem. Weil wir uns dieser Herausforderung von Anfang an bewusst waren, haben wir ihn nach HAL 9000 benannt, jenem berühmten Supercomputer aus Stanley Kubricks Meisterwerk.“

Jetzt wusste Mia endlich, woher ihr der Name bekannt vorkam. Natürlich kannte sie den Science-Fiction-Klassiker. „Trotzdem ausgesprochen faszinierend“, lobte sie ihren Bruder und wusste gleichzeitig nicht so recht, ob sie jetzt enttäuscht darüber sein sollte, dass Hal kein Mensch war. Schnell fing sie sich aber wieder.

„Ich bin allmählich richtig gespannt darauf, das übrige Team kennen zu lernen, Luca.“

„Natürlich. Das sollst du jetzt auch. Komm bitte mit. Ich gehe einfach mal voraus.“ Mit diesen Worten drehte Luca sich um, öffnete die Tür hinter sich und schritt voran in einen riesigen, lichtdurchfluteten Raum. Mia hatte keine Zeit, dem Gedanken weiter nachzuhängen, wo die Tür so plötzlich hergekommen war, die sie vorher gewiss nicht wahrgenommen hatte. Sie war sofort gefesselt von der Atmosphäre, die sie nun umgab.

*****

Vor ihrer Schwangerschaft hatte Mia verschiedenste Arten der Arbeitsplatzgestaltung in Organisationen unterschiedlicher Größenordnung kennen gelernt. Schließlich war sie nach ihrem Studium der Innenarchitektur recht bald zu einer der bekanntesten Workplace Designerinnen weltweit geworden. Sie war daneben auch als Autorin etlicher Artikel in Fachmedien erfolgreich und hatte diverse Auszeichnungen erhalten. Auf dem Weg zu einer politischen Karriere stand sie nun kurz vor der Wahl zum Mitglied des europäischen Wirtschaftsparlaments EEP.

Aber das, was sie jetzt hier sah, wäre ihr im Traum noch nicht einmal als Chaosversion für einen Computerclub eingefallen. Die gesamte Organisation war offenbar in einem einzigen Raum untergebracht. Dessen gesamter Umriss war von ihrer Position aus gar nicht auszumachen. Zudem öffnete er sich scheinbar an beliebigen Stellen mit unterschiedlichen Flächenmaßen und -formen nach oben und/oder unten zu weiteren Etagen und Zwischenetagen hin. Es war den Teams offensichtlich vollkommen freigestellt, wie sie die ihnen zur Verfügung stehende Fläche gestalteten und dekorierten. Im gesamten Raum war es taghell, ohne dass Leuchtkörper zu erkennen gewesen wären.

„Was ist das hier?“, fragte Mia, nachdem sie sich innerlich mit dem Hinweis ihres Bruders – ‚nimm einfach alles wie es ist‘ – wieder beruhigt hatte.

„Was siehst du denn?“, fragte Luca herausfordernd zurück.

„Auf mich wirkt es wie eine riesige, mehrstöckige Ausstellungshalle.“

„Okay. So könnte man es bestimmt auch bezeichnen“, antwortete Luca, „aber für uns ist es schlicht ‚das Labor‘.“

„Und was macht ihr in eurem Labor hier unten – oder oben? Wo sind wir hier eigentlich? Über oder unter der Erde?“, fragte Mia.

„Forschung, Entwicklung und Herstellung von künstlicher Intelligenz für die Raumfahrt. Und über die Örtlichkeit möchte ich dir zu deiner eigenen Sicherheit im Moment noch nichts Genaueres sagen. Du wirst es aber rechtzeitig erfahren. Bitte vertrau mir.“

„Aha“, erwiderte Mia leicht genervt ob dieser Geheimnistuerei, „und warum treibt ihr da so einen Aufwand. Würde es nicht reichen, die Software aus den irdischen autonomen Transportmitteln entsprechend umzuprogrammieren?“, fragte sie etwas schnippisch.

Luca musste lachen. „Na, lass das mal bloß nicht Hal hören.“ Und ernster fuhr er fort: „Nein, Mia, so einfach ist es leider nicht. Überleg doch nur…“

In diesem Moment kam ein junger Mann mit asiatischen Gesichtszügen im Laufschritt auf sie zu, den man früher sicherlich sofort als Nerd identifiziert hätte. „Hi, Luca. Also, das mit Hal vorhin tut mir wirklich sehr leid, aber ich war gerade dabei, ein paar Korrekturen an seinem Selbstbewusstsein durchzuführen, als ihr. – oh, Verzeihung. Störe ich?“

„Mia, das ist Akito. Akito, das ist Mia, meine Schwester“, stellte Luca die beiden einander vor. „Akito ist bei uns Sprecher des Teams AE, Artificial Emotions, also künstliche Gefühle. Gerade die Leistungen seines Teams sind für den Erfolg unserer gesamten Arbeit wesentlich. Und das Ergebnis mit Namen Hal kann sich doch durchaus sehen lassen, oder?“

„Hal ist unglaublich“, bestätigte Mia.

„Naja, danke, wir sind zufrieden“, antwortete Akito bescheiden. „Aber, dass er mitten in einer Behandlung davonstürmt, sich dann gegenüber einem Gast der Firma wie ein Macho aufführt und anschließend noch emotional vollkommen ausrastet, haben wir ihm schleunigst wieder ausgetrieben – ein für alle Mal. Das wollte ich eigentlich nur sagen: Hal ist wieder okay, Luca.“

„Danke sehr, Akito, ich hatte keine Zweifel daran, dass es sich um eine vorübergehende Störung handelt und dass ihr Hal schnell wieder unter Kontrolle haben würdet. Vielleicht komme ich nachher wegen einer anderen Geschichte kurzfristig noch einmal auf dich zu.“

„Okay. Ich bin da. Du weißt ja, wo du mich findest. Das gilt selbstverständlich auch für dich, Mia. Wann immer du Fragen an mich hast. Unser Team steckt dort drüben in der rosa Ecke.“ Akito verabschiedete sich mit einer leichten Verbeugung und entfernte sich wieder.

„Ein irrer Typ, aber unersetzlich“, murmelte Luca kopfschüttelnd. „Gut, wo waren wir stehen geblieben? Ach ja, bei deiner Frage, warum man nicht einfach Software auf Basis von bekannten Anwendungen auf der Erde ins Raumschiff baut. Grob gesagt im Wesentlichen aus zwei Gründen: Zeit und Raum…“

Bei diesen Worten schweiften Mias Gedanken ab. Sie war erschöpft von ihren Erlebnissen und ihr Gehirn verlangte jetzt massiv nach Ruhe, um die vielen Eindrücke zu verarbeiten. ‚Zeit und Raum‘? Da war doch was? Richtig, die andere Welt in ihrer Nahtoderfahrung kannte weder Zeit noch Raum. Oder hatte sie das nur geträumt? Ach, sie wusste nicht mehr, wo ihr der Kopf stand. Und auf einmal wurde es dunkel um sie.

*****

Als Mia die Augen wieder öffnete, fühlte sie sich bestens erholt. Sie war allein in einem geschmackvoll mit viel Holz und Glas eingerichteten Ruheraum mit mehreren Liegeplätzen und einigen großen Pflanzen. ‚Fast wie in einem Wellness-Hotel‘, dachte sie. Jemand hatte sie mit einer Decke zugedeckt und von irgendwo her drang leise Entspannungsmusik an ihre Ohren. In dem Moment, in dem sie sich aufrichtete, entstand vor ihr mitten im Raum das 3D-Bild einer jungen Frau. Die begrüßte Mia freundlich mit ihrem Namen und fragte nach ihren Wünschen. Mia verlangte nach Luca, der kurz darauf schon in der Tür erschien.

„Hallo, Schwesterchen. Wir hatten uns schon Sorgen um dich gemacht. Tut mir leid. Ich habe dich offensichtlich überfordert. Ich war viel zu sehr mit meinen eigenen Themen beschäftigt. Wie fühlst du dich jetzt?“

„Gut. Alles okay. Wie lange habe ich denn geschlafen?“

„So an die sechs Stunden. Es ist jetzt gleich neun Uhr morgens“, antwortete Luca. „Ich schlage vor, du machst dich hier zunächst mal ein wenig frisch und wir beide unterhalten uns dann beim gemeinsamen Frühstück in meinem Büro weiter.“ Und mit einem Blick auf die Projektion der jungen Frau ergänzte er: „Wenn du Hilfe brauchst, weißt du ja inzwischen an wen du dich wenden kannst.“

Wenig später verließ Mia den Ruheraum. Draußen fiel ihr Blick sofort auf das wandhohe ‚Display‘ ihr gegenüber. Es erstreckte sich scheinbar endlos lang auf der anderen Seite des Ganges. Die technischen Tricks auf holografischer Basis beeindruckten Mia auch hier besonders, obwohl das Ganze insgesamt sehr dezent gestaltet war. Solange sie sich auf dem Gang vorwärtsbewegte, sah sie sich beim Blick zur Seite in einer vollkommen fremden, utopisch anmutenden Umgebung dahingehen.

Sie wandelte in einer Art Mondlandschaft auf eine Gebäudeansammlung zu, deren Erscheinung sie stark an Bilder futuristischer Stadtentwicklungen aus ihrem Studium erinnerte. Aber sie war nicht allein unterwegs in der Installation. Im diffusen Licht von drei unterschiedlich hellen Sonnen am Firmament identifizierte sie eindeutig Hal als Ihren Begleiter, der freundlich lächelnd neben ihr her stapfte. Wenn immer Mia auf dem Gang stehen blieb, stoppten auch die beiden Figuren in der Projektion.

Gleichzeitig erläuterte Hal die Vorzüge der Nutzung von künstlicher Intelligenz auf Basis der aktuellen Entwicklung von ‚AIE‘ (Artificial Intelligence Enterprises) in der unbemannten Raumfahrt. Dazu erschien im Hintergrund am Firmament jeweils das Logo der Firma mit dem Slogan ‚Per AIE Ad Astra‘. So wusste Mia nun endlich auch, wie die Organisation überhaupt hieß, in der sie zu Gast war.

AIE legte in seiner PR besonderen Wert auf das Herausarbeiten der Vorteile der unbemannten gegenüber der bemannten Raumfahrt auf dem Weg zu anderen Sternensystemen. Und welch genialer Gedanke, dachte Mia noch, Hal quasi als Kernstück des Angebots sich selbst vorstellen zu lassen. Und dann noch gemeinsam mit dem Kunden in einem Bild. Hal legte sich mächtig ins Zeug. Voller Begeisterung verwies er auf seine eindeutigen physischen Vorteile wie Kraft, Ausdauer, faktische Unsterblichkeit, Krankheits-, Atmosphäre- und Klima-Unabhängigkeit.

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