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Die süße Rache des Milliardärs

1. KAPITEL

Kauft russischer Milliardär Luxuswarenhauskette in Finanznöten?

Sie war hier. Roman Kazarov wusste es mit absoluter Gewissheit, auch wenn er sie noch nicht gesehen hatte. Seine Begleiterin seufzte frustriert, um seine Aufmerksamkeit zurückzugewinnen. Er gönnte ihr nur einen flüchtigen Blick.

Gelangweilt. Die Frau war zweifellos schön, aber sie langweilte ihn. Nach einer Nacht in ihrem Bett drängte es ihn schon weiter.

Es kostete ihn Überwindung, ihre Hand auf seinem Arm nicht abzuschütteln. Aus einer spontanen Laune heraus war er an diesem Abend mit ihr hier hergekommen. Weil Caroline Sullivan-Wells da sein würde. Wobei es Caroline natürlich völlig egal wäre, ihn in Begleitung einer schönen Frau zu sehen. Vor fünf Jahren hatte sie ihm unmissverständlich klar gemacht, wie gleichgültig er ihr war.

Damals hatte ihn ihre Zurückweisung bis ins Mark getroffen. Jetzt empfand er nichts mehr … außer kaltblütiger Entschlossenheit. Ein ganz anderer Mann war nach New York zurückgekehrt, als vor fünf Jahren abgereist war.

Reich. Skrupellos. Ein Mann mit nur einem Ziel vor Augen.

Ehe der Monat zu Ende war, würde Sullivan’s, die von ihrer Familie gegründete Luxuswarenhauskette, ihm gehören. Das war der Gipfel dessen, worauf er hingearbeitet hatte, sozusagen das Sahnehäubchen auf seinem Kuchen. Er brauchte Sullivan’s nicht, aber er wollte es. Einst war er einer von Frank Sullivans Lakaien gewesen, bis der ihn sang- und klanglos feuerte, sein Arbeitsvisum aufkündigte und all seine Träume von einem besseren Leben für seine Familie in Russland zerstörte.

Dabei war er nur so vermessen gewesen, sich in Caroline zu verlieben. Wie Ikarus in der griechischen Mythologie, der mit wächsernen Flügeln der Sonne zu nahe kam, stürzte er schnell und tief. Doch jetzt war er zurück, und weder Caroline noch ihr Vater konnten noch aufhalten, was er in Bewegung gesetzt hatte.

Wie auf ein Stichwort teilte sich die Gästeschar vor ihm und gab den Blick auf eine Frau auf der anderen Seite des Saales frei. Ihr goldblondes Haar und ihr makelloser Alabasterteint schimmerten im funkelnden Licht des Kronleuchters über ihr.

Roman durchfuhr es heiß. Sie war immer noch wunderschön, atemberaubend. Und sie berührte ihn immer noch, was ihn erst recht wütend machte. Mit eisernem Willen verdrängte er die Erinnerung an die erlebte Lust in ihren Armen, bis er Caroline ganz kühl und kritisch beobachten konnte. Ja, besser so. Abscheu und Hass waren die angemessenen Gefühle. Er presste die Lippen zusammen.

Genau in diesem Moment schaute sie auf, als hätte sie im Kreis ihrer Freunde den feindseligen Blick gespürt. Ein wenig irritiert sah sie sich um und bemerkte Roman. Sofort wurden ihre Augen groß, und die rosigen Lippen öffneten sich erstaunt. Sie hob eine Hand an den schlanken Hals, besann sich anders und ließ sie rasch wieder sinken. Aber Roman hatte gesehen, welche Wirkung sein Anblick auf sie hatte. Einen Moment lang sahen sie einander an. Dann war es Caroline, die den Blickkontakt abbrach. Sie sagte etwas zu der Person an ihrer Seite, wandte sich ab und verließ eilig den Raum.

Anstatt zu triumphieren, hatte Roman das seltsame Gefühl, als hätte sie ihn erneut zurückgewiesen. Wie vor fünf Jahren, als seine Welt eingestürzt war. Doch das konnte jetzt nicht mehr passieren. Heute lag die Macht bei ihm.

Und dennoch nagte die Verbitterung immer noch an seiner Seele, ließ ihn nicht vergessen, wie tief und wie hart er damals gefallen war. Wie viel ihn jener Fall gekostet hatte, bevor er zu einem neuen Aufstieg hatte ansetzen können.

„Darling“, forderte seine Begleiterin seine Aufmerksamkeit, „hol mir einen Drink, ja?“

Roman schaute sie an. Sie war ein hübsches, verwöhntes Filmsternchen, anscheinend daran gewöhnt, dass die Männer ihr dank ihres Aussehens zu Füßen lagen und jede ihrer Launen widerspruchslos ertrugen.

Nun aber ließ etwas in Romans Blick sie stutzen. Schon überlegte sie, wie sie ihren Fehler wiedergutmachen konnte, während sie einen Finger verführerisch über seinen Smokingärmel gleiten ließ.

Zu spät. „Ich bin kein Dienstbote“, erwiderte er kühl. Ungerührt zückte er seine Brieftasche und nahm einen Einhundert-Dollar-Schein heraus, den er ihr in die Hand drückte. „Amüsier dich, solange du willst, und dann nimm dir ein Taxi nach Hause.“

Sie hielt ihn zurück, als er sich abwenden wollte. „Du lässt mich allein?“

Aus ihrem Blick sprach Verunsicherung, als zweifele sie plötzlich an der Wirkung ihrer Schönheit. Fast hätte sie Roman leid getan, wenn er nicht gewusst hätte, dass es nicht an Männern mangeln würde, die sie umschwärmten, sobald er sich abwandte. Deshalb nahm er ihre Hand von seinem Arm und küsste sie flüchtig. „Es soll nicht sein, maya krasavitsa, meine Schöne. Du findest einen anderen, der dich verdient.“

Damit ließ er sie stehen, um sich auf die Suche nach einer anderen Frau zu machen. Eine, die ihm diesmal nicht entkommen würde.

Caroline fuhr mit dem Aufzug ins Erdgeschoss und eilte mit pochendem Herzen zum Ausgang hinaus. Fröstelnd zog sie ihr Seidentuch um die Schultern.

Roman. Sie blinzelte gegen Tränen an, lächelte aber tapfer, als der Portier sie fragte, ob sie ein Taxi wolle.

„Ja, bitte“, sagte sie atemlos. Roman Kazarov. Ausgerechnet ihn musste sie hier treffen. Aber sie hätte eigentlich damit rechnen müssen. Die Zeitungen waren ja voll davon, dass er zurück in der Stadt war. Und mit welcher Mission.

Natürlich war ihr klar gewesen, dass sie ihm wieder begegnen würde, nur hatte sie nicht damit gerechnet, dass es so bald passieren würde. Viel mehr hatte sie erwartet, ihn in einer Vorstands­etage zu treffen.

Wie sollte sie es ertragen, ihm je wieder gegenüberzutreten? Ein einziger Blick quer durch den Saal hatte genügt, um ihre Gefühle heftig in Aufruhr zu bringen. Sie hätte nicht gedacht, dass es nach all der Zeit immer noch so sein würde. Nach allem, was geschehen war.

„Caroline?“

Der warme Klang seiner Stimme machte das Aussprechen ihres Namens zu einer Liebkosung. Wie hatte sie ihn einmal geliebt! Doch das war vorbei. Sie hatte ihre Wahl getroffen, würde unter denselben Umständen immer wieder genauso handeln. Damals hatte sie Sullivan’s gerettet, und genau das würde sie heute wieder tun. Mochten Roman Kazarov und sein multinationaler Konzern auch andere Vorstellungen haben.

Entschlossen wandte sie sich zu ihm um. Im Dunkeln würde er nicht bemerken, dass ihre Lippen beim Lächeln zitterten. „Mr Kazarov!“ Es klang eine Spur zu schrill. Sie musste ihre innere Balance wiederfinden, die sie in dem Moment verloren hatte, als sie ihn an diesem Abend so unvermittelt gesehen hatte.

Nun blickte sie direkt in seine faszinierenden eisblauen Augen, und ihr stockte buchstäblich der Atem. Er war immer noch sündhaft sexy und attraktiv. Breite Schultern, eine athletische Figur, dichtes dunkles Haar und markante Züge, die die Fotografen liebten. O ja, seit er in den letzten zwei Jahren in der internationalen Szene aufgetaucht war, hatte sie viele Fotos von ihm gesehen. Nie würde sie aber das erste vergessen, als Jon ihr beim Frühstück die Zeitung mit dem Hinweis zugeschoben hatte, sie müsse sich unbedingt anschauen, wer dort abgebildet sei.

Caroline hatte sich fast an ihrem Kaffee verschluckt, und ihr Mann hatte ihr mitfühlend die Hand gedrückt. Als Einziger konnte er einschätzen, wie sehr es sie schmerzte, von Roman zu hören. Seitdem hatte sie aus der Ferne Romans unaufhaltsamen Aufstieg beunruhigt verfolgt in der Gewissheit, dass er eines Tages zurückkehren würde. Um mit ihr abzurechnen.

„Nach allem, was zwischen uns war?“, fragte er nun. „Begrüßt du so einen Freund?“

„Mir war nicht bewusst, dass wir Freunde waren.“ Nie würde sie sein Gesicht vergessen, als sie ihm in jener Nacht gesagt hatte, dass sie sich nicht mehr sehen könnten. Gerade zuvor hatte er ihr erklärt, dass er sie liebe. Wie gern hätte sie ihm ihrerseits ihre Liebe gestanden, doch es war unmöglich gewesen. Also belog sie ihn. Und er hatte sie angesehen … erstaunt, verletzt, dann sehr wütend.

Jetzt wirkte er völlig gleichgültig. Was sie wiederum völlig aus der Fassung brachte. Warum? Sie hatte damals getan, was getan werden musste, und würde es immer wieder tun. Stolz richtete sie sich auf. Ja, sie hatte das Richtige getan. Das Glück zweier Menschen war nichts im Vergleich zu dem Wohl ungezählter, deren Lebensunterhalt damals von Sullivan’s abhing.

„Nun, zumindest sind wir alte Bekannte“, meinte Roman ungerührt, wobei sein Blick spöttisch auf ihren Händen verweilte, die immer noch das Seidentuch über dem tiefen Dekolleté ihres schulterfreien schwarzen Abendkleides zusammenhielten. Caroline durchzuckte es heiß, denn sie hatte plötzlich das Gefühl, unter dem zarten Tuch nackt zu sein. „Ein altes Liebespaar“, fügte er bezeichnend hinzu und blickte ihr in die Augen.

Sie wandte sich ab und betrachtete den dichten Verkehr, der sich auf der Fifth Avenue staute. Es würde ewig dauern, bis ihr Taxi kam. Wie lange konnte sie das ertragen?

„Du möchtest lieber nicht daran erinnert werden, nicht wahr?“, hakte Roman nach. „Oder hast du dich entschieden, so zu tun, als wäre es nie passiert?“

„Ich weiß, was passiert ist.“ Wie hätte sie es je vergessen können, wo ihr doch eine so dauerhafte Erinnerung an ihre gemeinsame leidenschaftliche Liebe geblieben war? Rasch unterdrückte sie die aufsteigende Panik. „Aber es ist lange her.“

„Das mit deinem Ehemann tut mir leid“, sagte er unvermittelt.

Caroline schluckte. Armer Jon. Wenn einer es verdient gehabt hätte, glücklich zu werden, dann er. „Danke“, erwiderte sie heiser. Jon war jetzt schon über ein Jahr tot, aber es traf sie immer noch mitten ins Herz, wenn sie an jene traurigen letzten Monate dachte, als die Leukämie seine Lebenskraft hatte schwinden lassen.

Verstohlen wischte sie eine Träne fort. Jon war ihr bester Freund gewesen, ihr Partner, und sie vermisste ihn immer noch. Doch gerade der Gedanke an ihn erinnerte sie daran, dass sie stark sein musste.

Roman war auch nur ein Mann und damit besiegbar. „Es wird nicht funktionieren!“, erklärte sie energisch.

Er musterte sie spöttisch. „Was wird nicht funktionieren, Darling?“

Einst war sie schwach geworden, wenn er sie so genannt hatte, jetzt klang die Liebkosung wie eine Drohung in ihren Ohren. Mutig wandte sie sich ihm wieder zu und sah ihn an, wie er betont gleichgültig und süffisant lächelnd dastand.

Ein skrupelloser, hartherziger Schuft. Das war aus ihm geworden. Sie musste es sich immer wieder klarmachen. Er war nicht gekommen, um ihr einen Gefallen zu tun, und er würde keine Gnade walten lassen.

Schon gar nicht, wenn er ihr Geheimnis entdeckte. „Du kriegst mich nicht weich, Roman“, verkündete sie deshalb standhaft. „Ich weiß, was du willst, und ich werde dich bekämpfen.“

Er lachte. „Nur zu. Denn du kannst nicht gewinnen. Diesmal nicht.“ Er sah sie forschend an. „Seltsam, ich hätte nie gedacht, dass dein Vater freiwillig zurücktreten und die Geschäftsleitung dir überlassen würde.“

Kalte Angst packte ihr Herz wie stets, wenn jemand in diesen Tagen ihren Vater erwähnte. „Menschen können sich ändern“, entgegnete sie betont kühl. Und manchmal trat diese Veränderung völlig unerwartet ein. Caroline wurde von Liebe und Traurigkeit überwältigt, als sie an ihren Vater dachte, wie er in seinem großen Lehnstuhl am Fenster saß und auf den See hinausstarrte. An manchen Tagen erkannte er sie. An manchen nicht.

„Nach meiner Erfahrung können sie es nicht.“ Der Blick seiner blauen Augen war kalt und unergründlich. „Zwar wollen die Leute einen manchmal glauben machen, dass sie sich verändert hätten, um sich zu schützen, aber ich habe festgestellt, dass es nicht stimmt. Der Kern bleibt immer derselbe. Wenn ein Mensch herzlos war, beweist er nicht plötzlich Herz.“

Sie errötete, denn sie wusste ja, dass er von ihr sprach. Von jener Nacht, als sie ihn und seine Liebe abgewiesen hatte. Wie gern hätte sie es richtiggestellt und ihm die Wahrheit gesagt, aber was hätte das geändert? Niemandem wäre damit geholfen. „Manchmal täuscht der äußere Schein“, antwortete sie deshalb ausweichend.

Seine Miene wurde noch frostiger. „Damit kennst du dich ganz bestimmt aus.“

Sie hielt es für das Klügste, das Thema zu wechseln. „Wie auch immer, Daddy hat seine Prioritäten neu gesetzt und genießt den Ruhestand auf dem Land. Er hat ihn sich verdient.“ Erneut blinzelte sie gegen Tränen an und blickte sich ungeduldig nach dem Taxi um.

„Ich hatte keine Ahnung, dass du überhaupt Ambitionen hattest, das Geschäft zu übernehmen“, meinte Roman spöttisch. „Ehrlich gesagt hatte ich den Eindruck, dass deine Interessen ganz woanders lägen.“

„Ach ja? Shoppen und Maniküre vielleicht?“, entgegnete sie angriffslustig. „Das war nie mein Plan.“ Schon eher der ihrer Eltern. Die Frauen der Sullivans arbeiteten nicht, sondern heirateten reich und machten sich die zarten Hände nicht im Geschäft schmutzig, sondern engagierten sich in der Wohltätigkeitsarbeit. Nur weil es ihr auch dafür nützlich sein würde, hatte ihr Vater sie ihre Erfahrungen im Geschäft machen lassen. Aber als sein Nachfolger als Geschäftsführer der Warenhauskette war immer Jon vorgesehen gewesen, sollte Frank Sullivan je in den Ruhestand treten.

Was ihr Vater freiwillig in den nächsten zwanzig Jahren nicht getan hätte. Doch nun war Jon tot, und außer ihr war niemand geblieben, um die Aufgabe zu schultern. Und sie machte ihre Sache gut, verdammt!

„Es war ein schlechtes Jahr für dich“, sagte Roman, als hätte er ihre Gedanken erraten.

Ja, aber sie hatte Sullivan’s immer noch! Noch wichtiger, sie hatte ihren Sohn, für den sie alles tun würde. Sullivan’s sollte eines Tages ihm gehören. Dafür würde sie sorgen. „Es könnte schlimmer sein“, erwiderte sie deshalb betont gleichmütig, obwohl sie sich ernsthaft fragte, ob es nicht wirklich schlimm genug war, den Ehemann an Krebs und den Vater an Demenz zu verlieren.

„Es ist schlimmer“, korrigierte Roman sie ruhig. „Denn ich bin hier. Und ich tauche gewöhnlich erst auf der Bildfläche auf, wenn ein Unternehmen bereits hoffnungslos in Schieflage geraten ist.“

Caroline blinzelte. Das Unternehmen. Natürlich, er sprach von der Warenhauskette. Für einen Moment hatte sie sich glatt eingebildet, er hätte Mitgefühl mit ihr. Aber warum auch? Bestimmt war sie der letzte Mensch, mit dem er Mitleid haben würde. Was sie ihm wiederum nicht verübeln konnte, so wie sie damals auseinandergegangen waren.

Es gelang ihr, sich ein unbeschwertes Lachen abzuringen. „Ach Roman, du hast wirklich eine beachtliche Karriere hingelegt. Aber auch du kannst nicht immer perfekt informiert sein. Und diesmal irrst du dich. So sehr du dich auch anstrengst, du wirst Sullivan’s nicht bekommen.“ Sie deutete auf die belebte Fifth Avenue und den angrenzenden Park. „Die Zeiten waren überall schlecht, aber sieh dich um: Diese Stadt lebt. Die Menschen arbeiten und wollen für ihr Geld genau die Waren, die Sullivan’s bereithält. Unsere Umsätze sind in diesem Quartal um satte zwanzig Prozent gestiegen. Und es wird weiter aufwärts gehen.“

Sie klammerte sich an diesen Glauben. Ihr Vater hatte einige fatale Entscheidungen getroffen, ehe irgendjemand erkannt hatte, dass er krank war, und sie arbeitete hart daran, diese Fehler wieder auszubügeln. Das war nicht leicht, aber sie war längst noch nicht bereit aufzugeben.

Doch Roman winkte überheblich ab. „Das ist ein Warenhaus, Caroline. Die Mehrheit deiner Häuser kann sich kaum noch über Wasser halten. Du hättest längst einige davon verkaufen müssen, was sich jetzt rächt.“

Er machte einen Schritt auf sie zu, sodass sie seine Wärme spüren konnte. Seine Macht. Doch sie wich um keinen Millimeter zurück, aus Prinzip nicht.

„Danke für deine Meinung, auch wenn ich dich nicht darum gebeten habe“, erwiderte sie frostig. Ihr war klar, dass ihr Vater die Chance, einige der weniger profitablen Warenhäuser abzustoßen, vor mehr als zwei Jahren verpasst hatte, als sein Urteilsvermögen schon durch seine Krankheit getrübt gewesen war.

„Ich erledige meine Recherchen gründlich“, fuhr Roman ungerührt fort, „und ich weiß deshalb, dass das Ende für Sullivan’s bald eingeläutet wird. Es bleibt dir gar nichts anderes übrig, als mit mir zu kooperieren.“

„Warum, in aller Welt, sollte ich das tun?“, fragte sie stolz. „Mit anderen Worten, ich soll dir vertrauen? Sullivan’s an dich übereignen und darauf vertrauen, dass du die Warenhäuser ‚rettest‘, die sich seit fünf Generationen im Besitz meiner Familie befinden?“ Sie schüttelte den Kopf. „Ich wäre ja dumm, wenn ich meine Geschäfte so betreiben würde … und ich kann dir versichern, ich bin nicht dumm!“

Wunderbarerweise fuhr genau in diesem Moment aus dem dichten Verkehr ein Taxi an den Straßenrand. Der uniformierte Portier öffnete mit einer Verbeugung die hintere Wagentür. „Ihr Taxi, Madam!“

Caroline zögerte nicht lange, sondern stieg sofort ein. Gerade wollte sie dem Fahrer die Adresse nennen, da setzte sich Roman neben sie.

„Das ist mein Taxi!“, protestierte sie machtlos.

„Wir haben denselben Weg.“ Er nannte dem Fahrer eine Adresse im Bankenviertel.

Caroline war außer sich vor Empörung, doch sie zwang sich, ruhig durchzuatmen. Auf keinen Fall durfte sie Roman zu ihrer Haustür führen. Wenn Ryan aus irgendeinem Grund herauskam … Nein! Also nannte sie dem Fahrer die Adresse eines anderen Stadthauses in Greenwich Village, entschlossen, die zwei Straßen bis zu ihrem Haus zu Fuß zu laufen, sobald das Taxi mit Roman davongefahren war.

„Woher wusstest du, dass wir in dieselbe Richtung wollen?“, erkundigte sie sich, als das Taxi losfuhr.

„Genau genommen, wusste ich es gar nicht. Aber ich habe keine Eile. Auch wenn du in die entgegengesetzte Richtung gefahren wärst, wäre es mir den Umweg wert gewesen. Denn jetzt habe ich dich ganz für mich allein.“

Ihr Herz pochte. Es gab eine Zeit, da wäre sie ganz wild darauf gewesen, allein mit ihm zu sein. Bei dem Gedanken daran, wie viele heiße Küsse sie in einem Taxi wie diesem ausgetauscht hatten, errötete sie tief.

Sie wollte nicht daran denken. Deshalb rückte sie so weit wie möglich von ihm weg und blickte zum Fenster hinaus. Ausgerechnet in diesem Moment fuhren sie an einem jungen Liebespaar vorbei, das sich im Licht einer Straßenlaterne selbstvergessen küsste.

Caroline spürte, wie Roman sie von der Seite ansah.

„Ah, junge Liebe“, bemerkte er süffisant.

Sie schloss die Augen. Wieder verspürte sie den unbändigen Wunsch, ihm zu sagen, wie leid es ihr tat, ihn damals verletzt zu haben. Doch sie schwieg. Alles Nötige war vor fünf Jahren gesagt worden. Jetzt war es zu spät, noch etwas zu ändern.

„Was willst du von mir, Roman?“, fragte sie müde.

„Du weiß, was ich will. Weshalb ich hergekommen bin.“

Sie wandte sich ihm zu und sah ihn an. „Du verschwendest deine Zeit. Sullivan’s ist nicht zu verkaufen. Zu keinem Preis.“

Roman lachte. Unter anderen Umständen hätte Caroline den warmen, herzlichen Klang seines Lachens unwiderstehlich sexy gefunden, doch sie verbot es sich streng.

„Du wirst verkaufen, Caroline, weil du es nicht ertragen kannst, seinem Untergang zuzusehen. Nach und nach werden die Zulieferer dir den Kredit aufkündigen, dann wirst du ein Warenhaus nach dem anderen schließen müssen und es trotzdem nicht schaffen, den Warennachschub für die verbleibenden sicherzustellen. Sullivan’s steht für Qualität, für Luxus. Willst du dich mit minderer Qualität zufriedengeben? Kein russischer Kaviar mehr, kein feinster Räucherlachs oder Torten von Josette’s, keine italienischen Handtaschen mehr oder Maßanzüge in der Herrenabteilung?“

Sie presste die Lippen zusammen. Ja, es sah schlimm aus, das wusste sie selbst. Am liebsten hätte sie ihren Vater um Rat gefragt … und Jon. Aber das war nicht mehr möglich, doch sie würde auch allein eine Lösung finden, ohne Sullivan’s zu zerschlagen. Für Ryan. Ihre Familie war alles, was sie hatte.

„Ich habe nicht vor, das mit dir zu diskutieren, Roman“, sagte sie entschieden. „Noch gehört Sullivan’s nicht dir. Und wenn ich ein Wort dabei mitzureden habe, wird es nie so weit kommen.“

„Und genau in dem Punkt irrst du dich, solnyshko, Sonnenschein. Du hast kein Wort mitzureden. Es ist so unausweichlich wie der Sonnenuntergang.“

„Nichts ist unausweichlich, solange ich noch denken und entscheiden kann. Ich werde dich mit allem, was ich habe, bekämpfen. Du wirst nicht gewinnen.“

„Im Gegenteil, Caroline, diesmal ...

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