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Die sinnliche Rache des Wikingers

1. KAPITEL

Leif Egilsson löste seinen Dolch mit einem kräftigen Ruck. Lautlos glitt der Körper des toten Wachmanns zu Boden. Jenseits der weiten Lichtung, die vor ihm lag, erblickte er ein großes Lagerfeuer, um das sich ein gutes Dutzend Männer versammelt hatten. Ausgelassen lachten und scherzten sie miteinander, ihre Waffen hatten sie arglos ein paar Meter entfernt von sich abgelegt. Hinter den Männern war ein imposantes Zelt aufgeschlagen, das zweifellos dem Prinzen und seinem engeren Gefolge als Schlafstätte diente. Direkt daneben entdeckte Leif ein kleineres Beizelt, an dessen Eingang zwei weitere Wachen postiert waren.

„Hier hält Hakke sie gefangen“, raunte er.

Halfdan Svarti nickte. „Wir schlagen zu, noch bevor sie überhaupt ahnen, wie ihnen geschieht. Und in der Zwischenzeit findet ihr Lady Ragnhild und bringt sie in Sicherheit.“

„Du kannst dich darauf verlassen.“

Die zwei Männer gingen den Weg zurück in den Wald, wo fünfzig schwer bewaffnete Krieger bereits auf sie warteten. Halfdan blickte düster in die Runde.

„Heute werden keine Gefangenen gemacht. Wir bereiten der Sache hier ein für alle Mal ein Ende.“ Seine Männer lauschten ihm in wilder Vorfreude auf den kommenden Angriff.

Leif suchte den Blick seines Bruders. „Bereit?“

Finn grinste. „Bereit? Schwingt Thor den Hammer?“

„Heute ganz bestimmt.“

„Freut mich, das zu hören, Vetter“, sagte Erik, „das Leben ist ein bisschen eintönig geworden in letzter Zeit.“

Neben ihnen strich ein ergrauter Krieger sanft über den Griff seiner Axt. „Du sprichst die Wahrheit. Seit Wochen hat es schon so gut wie kein Gefecht gegeben. Mein Henkersbeil ist durstig.“

„Sein Durst soll schon bald gestillt werden, Thorvald“, versicherte ihm Leif.

Der ältere Mann lachte leise und erntete ein vielsagendes Grinsen von den umstehenden Kriegern. Gleich darauf ertönten das Klirren von Kettenhemden und das unheilvolle Wispern blankgezogener Klingen. Leif lächelte, als er seine Hand noch fester um den Griff seines mächtigen Schwertes legte. Nur kurz berührte er das Amulett an seinem Hals.

„Es geht los, Männer.“

Sie setzten sich in Bewegung und marschierten bis zum äußersten Ende des Dickichts. Halfdan reckte jetzt sein Schwert empor, und mit ohrenbetäubendem Geschrei schoss seine Meute aus ihrer Deckung hervor und dem Feind entgegen.­Astrid setzte sich kerzengerade auf, erschrocken blickte sie zu Ragnhild hinüber. „Was war das?“

„Ich weiß nicht. Es klang wie …“

Im nächsten Moment wurden ihre Worte von schrillem Kriegsgebrüll und wildem Chaos übertönt: Schreie, trampelnde Füße und das unverkennbare Geräusch von gekreuztem Stahl. ­Astrid sprang auf die Beine und rannte zum Eingang des Zeltes. Sie riss die Vorhänge beiseite, um einen Blick auf das Geschehen zu erhaschen. Panik erfüllte ihre Augen.

„Allmächtige Götter! Wo um alles in der Welt kommen die denn her?“

Ragnhild eilte sofort zu ihr, als auch sie voller Schrecken der Meute kämpfender Krieger gewahr wurde. „Wessen Männer sind das? Weißt du das?“

„Nein, aber es sind ganz bestimmt Feinde von Prinz Hakke, was bedeutet …“

„Sie könnten uns freundlich gesinnt sein?“

„Das hoffe ich.“

­Astrid betete inständig, sie möge recht behalten, auf dass sich ihre Lage am Ende nicht noch verschlimmern würde. Ihr Schicksal konnte sowohl Befreiung als auch Verdammnis bedeuten. Prinz Hakke würde seine Gefangenen nicht leichtfertig aufgeben. Eher würde er sie erschlagen, als sie an den Feind zu verlieren. ­Astrid schluckte schwer. Sie hatten keine Waffen, um sich zu verteidigen, sogar die schmalen Ziermesser hatte man ihnen abgenommen. Wahrscheinlich wollte der Prinz jegliche Gegenwehr von vornherein ausschließen. Und er tat gut daran: Sicher hätte auch Ragnhild von ihrer Waffe Gebrauch gemacht, bevor sie sich seinen Befehlen beugte – und ­Astrid hätte ihr das nicht zum Vorwurf gemacht. Allein die Vorstellung, nach dem Tod ihrer Herrin unter diesen Leuten zu weilen, musste ihr unerträglich sein. Es gab Dinge, die schlimmer waren als der Tod. Leif parierte den Schlag, der sich gegen seinen Kopf richtete, und kämpfte mit wilder Entschlossenheit. Es gelang ihm, seinen Widersacher einige Schritte zurückzudrängen, doch sein Gegner kämpfte verbissen weiter, kam wieder zu Kräften und griff Leif mit animalischem Schnauben an. Ein zweiter mörderischer Hieb wurde geschickt abgelenkt. Die Klingen kreuzten sich, glitten ab und verhakten sich ineinander. Leif riss sein Knie hoch und hörte noch ein schmerzerfülltes Stöhnen, als der Mann taumelte. Kurz darauf versenkte er Foe Bane tief in die Eingeweide seines Widersachers. Leif zog sein mächtiges Schwert aus dem Körper des Toten und schaute sich um.

Sein Blick fiel auf eine vertraute Gestalt, wenige Meter von ihm entfernt. Seinen Helm schmückte das Wappen des Jagdfalken. Wütend brüllte er seinen Truppen Befehle zu. Ehe sich der Krieger in das Schlachtgemenge warf, entdeckte er Leif in der Menge. Sein Blick funkelte vor Wut.

„Du!“

„Wie du siehst, Hakke.“

„Das hier wirst du mir büßen, Leif Egilsson. So wie die Schlacht bei Eid.“

Bevor sie weiterreden konnten, trat einer von Halfdans Männern in Hakkes Weg und lenkte ihn ab. Weitere Krieger kamen hinzu. Noch einmal sah der Prinz ihm in die Augen, bevor er sich zurückzog und im Kampfgetümmel verschwand. Leif verspürte den unbändigen Drang, Prinz Hakke nachzusetzen, doch er durfte sein Versprechen an den König nicht vergessen. Sollten sich die anderen um ihn kümmern. Sein Auftrag duldete keinen Aufschub. Der Lärm vor dem Zelt wurde lauter. Eine Horde Krieger versperrte den Frauen jetzt den Blick auf das Geschehen. Ein gellender Todesschrei ertönte, Blut spritzte gegen die Vorhänge. Die Frauen rangen nach Luft und sprangen zur Seite, als der leblose Körper eines Wachmanns durch den Zelteingang fiel. Kurz darauf wurden die schweren Vorhänge beiseitegeschoben. Eine große Gestalt trat ein. Der Mann trug einen Kettenpanzer, in seiner Faust ruhte ein blutbeflecktes Schwert. Weitere Krieger umgaben ihn. Die beiden Frauen erbleichten und wichen bis in die hinterste Ecke des Zeltes zurück.

­Astrid wollte schreien, doch verstummte jäh, als der Eindringling auf sie zukam. Ihr Blick wanderte von der nackten bluttriefenden Klinge zu dem geronnenen Blut an seinem Kettenhemd und verharrte schließlich auf dem stählernen Helm, der das Gesicht seines Trägers nur teilweise verdeckte. Der Krieger blieb jetzt wenige Schritte vor ihnen stehen, und für die Dauer von ein paar Herzschlägen fiel sein kühler und prüfender Blick auf die beiden Frauen. Er senkte das Schwert.

„Habt keine Angst. Es wird Euch nichts geschehen.“

Das Gefühl der Erleichterung war so überwältigend, dass ­Astrid beinahe schwindelig wurde.

„Wer seid Ihr?“, verlangte sie zu erfahren. „Was habt Ihr mit uns vor?“

„Euch in Sicherheit zu bringen. Alles andere wird Euch mein Herr selbst erklären.“

„Und wer ist Euer Herr?“

„König Halfdan.“

Beide Frauen sahen ihn erstaunt an. Ragnhild griff beherzt nach ­Astrids Arm. „Halfdan?“

„Jawohl.“

„Oh, den Göttern sei Dank“, sprudelte es aus ihr heraus. Auch ­Astrid vermochte wieder zu atmen, nachdem ihr die Angst so lange die Kehle zugeschnürt hatte.

„Ist der König hier?“, fuhr Ragnhild fort.

„Nichts hätte ihn davon abhalten können. Eure Sicherheit und Euer Wohlergehen liegen ihm sehr am Herzen.“

„So wie auch sein Wohlergehen mir am Herzen liegt. Wem also schulde ich Dank für die Überbringung so erfreulicher Nachricht?“

„Leif Egilsson, zu Euren Diensten.“

„Ich werde mich an diesen Namen erinnern.“

„Das ehrt mich sehr.“

In diesem Moment hörten sie weitere Stimmen vor dem Zelt, eine von ihnen war wesentlich kräftiger als die anderen und verlangte, Ragnhilds Aufenthaltsort zu erfahren. Gleich darauf betrat ein Mann von großer Statur mit dunklem Haar und Bart das Zelt. Sein Gesicht schien wie aus Stein gemeißelt, doch als er Ragnhild erkannte, wich mit einem Mal alle Härte von seinem Gesicht. Dieser Blick sagte alles. Ragnhild stürmte ihm entgegen und fiel ihm in die Arme.

„Ich dachte, ich würde Euch nie wiedersehen.“

„Kein Mensch soll Euch mir je entreißen.“ Er betrachtete sie zärtlich. „Hat einer der Barbaren Euch ein Leid zugefügt?“

„Nein, es geht mir gut.“

„Odin sei Dank dafür.“

­Astrid betrachtete beide mit einem Lächeln. Sie war beseelt, ihr Herz wollte schier überquellen vor Glück. Sie dankte den Göttern für ihrer beider Schicksal, das sich jetzt so anders zeigte, als sie es zuvor erwartet hatten. Das wiedervereinte Paar verließ jetzt zügig das Zelt, um endlich allein zu sein und in Ruhe miteinander reden zu können. Halfdans Männer grinsten, als sie die beiden fortgehen sahen, und machten sich sodann selbst in unterschiedliche Richtungen auf den Weg.

„Eine glückliche Wende des Schicksals“, sagte ­Astrid, als sie sich Leif zuwandte. „Ohne Euer rechtzeitiges Eingreifen wären wir verloren gewesen. Ich bin Euch sehr dankbar.“

Leif sagte nichts. Er griff nach den schweren Türvorhängen, wischte das Blut von seinem Schwert und ließ es in die Scheide zurückgleiten. „Ihr braucht mir nicht zu danken. Ich hatte noch eine Rechnung offen. Sie ist nun beglichen.“

„Vielleicht gibt es ja am Ende doch noch Frieden.“

Er setzte seinen Helm ab. „Vielleicht.“

­Astrid stockte der Atem, als sie ihn ansah. Es war ihr, als hätte Gott Baldur, der Schöne, menschliche Gestalt angenommen. Sein prachtvolles, goldenes Haar bildete den perfekten Rahmen für sein Gesicht, das sich durch auffallend kantige Konturen und starke Züge auszeichnete. Seine Augen waren von graugrüner Farbe, wie die See nach einem Sturm. Als ­Astrid merkte, dass sie ihn anstarrte, zwang sie ihre Gedanken rasch auf ihr Gespräch zurück.

„Wenn es an der Zeit ist, werde ich wissen, wem ich zu danken habe.“

Er lächelte etwas zögerlich. „Stets zu Diensten, meine Herrin.“

„Ich heiße ­Astrid, ich bin Ragnhilds Gefährtin.“

Sein prüfender Blick wanderte von ihrem Antlitz zu ihren Füßen. „Ein schöner Name. Und sehr passend.“

Es war beinahe unmöglich, seinen Gesichtsausdruck zu deuten, was ­Astrid ein wenig verunsicherte. Hatte er ihr gerade ein aufrichtiges Kompliment gemacht, oder hatte sie nicht doch einen spöttischen Unterton vernommen? Vielleicht ja beides. Wie dem auch sei, sie war sich in diesem Moment nur allzu bewusst, dass alle außer ihnen das Zelt verlassen hatten und dass seine ungeteilte Aufmerksamkeit auf sie gerichtet war. Auch wenn ihr derlei nicht fremd war, so fühlte sie sich doch beklommen und fürchtete die Rückkehr unliebsamer Erinnerungen. Dieser Mann war ihr bei Weitem nicht so unangenehm, wie es Hakke und seine Schergen es waren, und doch war da etwas an ihm, das sie irritierte – und das auf so andere, ungeahnte Weise.

„Ich bin es, die sich glücklich schätzen kann, im Dienste dieser Herrin zu stehen.“

„Eure Herrin ist auf dem besten Wege, Königin zu werden, nicht wahr?“

­Astrid lächelte. „Treffend beobachtet. Aber das ist wohl auch ziemlich offensichtlich.“

„Stimmt.“

„Ich bin mir sicher, dass sie eine wundervolle Ehe führen werden.“

„Überglücklich und einzigartig zugleich.“

„Einzigartig?“, fragte sie verdutzt. „Viele Ehen sind glücklich.“

„Das mag sein, ich habe keinerlei Erfahrung damit.“

Eine merkwürdige Stille senkte sich plötzlich über sie, die es ­Astrid noch schwerer machte, dem Blick des Kriegers standzuhalten. Eine hitzige Röte kroch ihr über Nacken und Hals. Es war an der Zeit, die Sache zu einem Abschluss zu bringen.

„Ich sollte jetzt nach meiner Herrin sehen.“ Sie hielt kurz inne. „Könnt Ihr mich zu ihr bringen?“

„Ganz wie Ihr wünscht.“

Er zog die Vorhänge beiseite und ließ ihr den Vortritt. Sie rauschte an ihm vorbei und trat hinaus, doch beim Anblick der vielen Toten erstarrte sie. Das geronnene Blut der getöteten Krieger hatte die Erde dunkelrot gefärbt. Sein metallischer Gestank hing noch immer schwer in der Luft. Auch andere furchtbare Gerüche, die sich mit dem des Blutes vermengten, drangen ihr in die Nase. ­Astrid schluckte schwer und versuchte, nicht allzu tief einzuatmen.

„Der Krieg ist nicht sonderlich schön.“

„Nicht besonders.“

„Und trotzdem schreit Ihr nicht oder werdet ohnmächtig?“

„Ist es das, was Ihr von mir erwartet hättet?“

„Es hätte mich nicht überrascht.“

Sie überlegte, was er wohl getan hätte, wenn sie wirklich in Ohnmacht gefallen wäre. Die Möglichkeiten, die ihr einfielen, waren irgendwie verwirrend, fast so verwirrend wie sein Lächeln in diesem Moment. Schnell wich sie seinem Blick aus.

„Die Realität des Krieges ist grausamer, als ich sie mir vorgestellt hatte.“

„Mit der Zeit gewöhnt man sich daran.“

„Ich könnte mich niemals daran gewöhnen.“

„Das muss eine Frau auch nicht.“

­Astrid wollte jetzt nicht mit ihm diskutieren. Stattdessen schaute sie sich um, suchte nach Ragnhild und erblickte sie schließlich in der Nähe. Sie unterhielt sich angeregt mit Halfdan und einigen seiner Männer.

Offenbar war Leif ihrem Blick gefolgt. „Sollen wir zu ihnen gehen?“, fragte er.

„Sicher.“

Er schob seine Hand unter ihren Arm, um sie möglichst sicher durch die schlimmsten Überreste des Gemetzels zu geleiten.

Sie spürte, wie sich seine Wärme durch den Ärmel ihres Kleides hindurch auf ihren Körper übertrug. Rasch blickte sie auf und sah ihn lächeln. Es war ihr, als hätte es das leichte Unbehagen zwischen ihnen nie gegeben. Jetzt, da sie ihn bis in jede ihrer Fingerspitzen spüren konnte, blickte sie schamvoll zu Boden und versuchte, sich auf den Weg zu konzentrieren, bis sie die anderen erreichten.

Die Miene des Königs verhieß nichts Gutes. Fragend blickte ­Astrid Ragnhild an.

„Hakke ist fort, ­Astrid.“

„Der Teufel soll ihn holen“, ergänzte Halfdan. „Als er bemerkte, dass wir in der Überzahl sind, hat er sich im Kriegsgewirr aus dem Staub gemacht. Wir haben ihn verfolgt, doch ein paar seiner Männer haben ihm Pferde und einen zweiten Trupp bereitgestellt. Ganz in der Nähe. Das hätte ich wissen müssen.“

„Hinterher ist man immer klüger“, entgegnete Leif.

„Weil wir unsere eigenen Pferde im Wald zurücklassen mussten, hatten sie einen guten Vorsprung. Dieser Mann ist flinker als ein Wiesel.“

„Aber weitaus tückischer, mein König. Höchste Zeit, dass wir ihn unter die Erde bringen.“

„Ich habe bereits Männer abgestellt, die nach ihm Ausschau halten.“

„Er wird versuchen, sein Schiff zu erreichen. Bis zur Küste ist es nicht weit.“

„Genau daran habe ich auch gedacht.“

„Mit Eurer Erlaubnis stelle ich meine eigene Truppe zusammen und schließe mich der Jagd nach Hakke an.“

Halfdan nickte. „Möge Allvater Odin dir dieses Mal mehr Glück bescheren.“

Leif verneigte sich vor Ragnhild und ­Astrid und bot ihnen ein höfliches Lebewohl. Dann drehte er sich um und entfernte sich rasch. Als ­Astrid ihn davongehen sah, überfiel sie ein ungewohnt banges Gefühl. Es war Kummer. Kummer, weil sie genau wusste, dass er ihr für immer im Gedächtnis bleiben würde, wohingegen er sie sicherlich bald schon vergessen hätte. Nicht, dass ihr das etwas bedeutete. Wahrscheinlich würde sie ihn ohnehin nie wiedersehen. Sie zurrte ihren Mantel fester und folgte Halfdan und Ragnhild zu den Pferden.

Leif und seine Gefährten erreichten die Küste gerade noch rechtzeitig, um Hakkes Schiff ins offene Meer auslaufen zu sehen. Eine glühende Wut vermischte sich mit Verbitterung, und den grimmigen Mienen der anderen nach zu schließen, war Leif mit dieser Empfindung nicht allein.

„Hakke wird in seinen Bau zurückkriechen und sich die Wunden lecken“, sagte Finn. „Aber er wird zurückkehren.“

„Und das mit Verstärkung, so viel ist sicher“, fügte Erik hinzu.

„Nun, dagegen können wir im Moment nichts tun“, erwiderte Thorvald.

Die übrigen Männer schwiegen. Sie wussten, dass die Brüder recht hatten. Leif widerstand dem Drang, laut zu fluchen. Es würde nichts ändern.

Da warf ihm Finn einen Blick zu. „Es wird bald dunkel. Was hast du vor?“

„Wir werden hier unser Lager aufschlagen.“

„Ich habe gehofft, dass du das sagen würdest. Mein Magen denkt schon, man hat mir die Kehle durchgeschnitten.“

„Offenbar waren Hakkes Männer vor uns hier“, bemerkte Erik mit Blick auf die Überreste eines Lagerfeuers. „Er hat wirklich an alles gedacht.“

Thorvald sah jetzt ebenfalls zum Strand hinunter. „Sie haben mit Sicherheit eine ganze Weile hier gelagert. Sogar Feuerholz haben sie uns hinterlassen.“

„Wie fürsorglich“, bemerkte Finn trocken. „Oder auch nicht, denn bestimmt haben sie darauf gepisst, bevor sie weitergezogen sind.“

Leif grinste. „Wahrscheinlich. Aber selbst wenn nicht, so wird das Holz nicht ausreichen, um ein Feuer länger als eine halbe Stunde in Gang zu halten.“ Er wandte sich den anderen zu. „Aun, Harek, Bjarni, Ingolf und Trygg – macht euch auf die Suche nach mehr Holz. Der Rest von euch kümmert sich um die Pferde.“

Während die Männer sich gehorsam auf den Weg machten, ging er hinunter an den Strand, um das verlassene Lager genauer in Augenschein zu nehmen. Entgegen seiner Vermutung fand er das zurückgelassene Feuerholz trocken vor. Die Asche in der provisorischen Kochstelle jedoch war schon fast kalt. Sie mussten also noch einmal ganz von vorne anfangen. Er strich sich den Ruß von den Fingern, richtete sich auf und machte sich auf die Suche nach Zündholz. Innerhalb einer Stunde loderte ein neues Feuer. Aus ihren Satteltaschen holten die Männer ihren Proviant hervor und setzten sich um die prasselnden Flammen. Doch ihre Gespräche waren sehr verhalten. Sie waren einfach zu erschöpft und enttäuscht darüber, dass Hakke ihnen hatte entkommen können. Nachdem eine Wache zusammengestellt war, legten sich die anderen schlafen.

Auch Leif war müde, doch er fand keine Ruhe. Hakkes Flucht war ein schwerer Schlag und würde sehr wahrscheinlich drastische Folgen haben. Vielleicht wäre es nicht so weit gekommen, dachte Leif, wenn er sich nicht um die Frauen gekümmert hätte. Er seufzte. Es war ungerecht, so zu denken. Man konnte ihnen weder die Schuld an diesem Dilemma geben, noch hatten sie es verdient, Hakkes Gnade oder Ungnade anheimzufallen. Ragnhild war zweifelsohne eine Schönheit, die Tochter eines Jarls und eine angehende Königin. Dennoch war nicht sie es, die seine Gedanken fesselte.

Er konnte sich wirklich nicht erklären, warum ­Astrid ihn so tief beeindruckt hatte. Sie war hübsch, so viel stand fest. Aber andere Frauen waren nicht weniger schön, Frauen, die es besser verstanden, einem Mann zu gefallen. Leif musste über sich selbst lachen. Er konnte an ihrer Art nun wirklich nichts Kokettes entdecken. Vielmehr vermutete er, dass selbst ihre Dankbarkeit ihm gegenüber nichts mit Sympathie zu tun hatte. Er konnte es ihr auch nicht verübeln. ­Astrid war zuvorkommend, er dagegen … schroff. Das Thema Hochzeit und Ehe hatte er immer zu vermeiden versucht, er konnte unmöglich unbefangen damit umgehen, ohne zynisch zu werden. Ihm fiel plötzlich ein, dass die Hochzeit zwischen Halfdan und Ragnhild ausgemachte Sache war und sie beide, ­Astrid und er selbst, sicherlich zu der Feier erscheinen würden. Vielleicht könnte er bei dieser Gelegenheit sein abweisendes Benehmen ja wiedergutmachen …

In den letzten Jahren hatte Leif nur mit Frauen zu tun gehabt, die er für ihre Gefälligkeiten bezahlte. ­Astrid zählte nicht zu dieser Sorte, was es für Leif keineswegs einfacher machte. Es überraschte ihn, dass er sie tatsächlich wiedersehen wollte. Keine seiner sonstigen Bekanntschaften hatte sich jemals so tief in seinen Gedanken eingenistet. Da war etwas an ihr, das er nicht genau erklären konnte, eine Eigenschaft, die ihn gegen seinen Willen anzog. Ihre Anwesenheit auf der Hochzeitsfeier würde die Veranstaltung interessanter und, so beschloss er, um einiges amüsanter gestalten.

2. KAPITEL

Die Vermählung Ragnhilds und König Halfdans war ein überaus glanzvolles Ereignis, das mit viel Musik und einem prächtigen Festgelage gefeiert wurde. Braut und Bräutigam waren überglücklich und hatten nur Augen füreinander. ­Astrid betrachtete das Paar und hing ihren eigenen Gedanken nach. Sollte es zwischen zwei Menschen nicht immer so sein? Viel zu oft wurden Ehen geschlossen, ohne dass Gefühle eine Rolle spielten. Umso mehr freute sie sich für Ragnhild.

Halfdan würde sie auf Händen tragen. Nachdem er sie fast verloren hatte, wusste er noch mehr zu schätzen, was er an ihr besaß.

Das Einzige, was einen Schatten auf die Ereignisse dieses Tages warf, war die Flucht von Prinz Hakke nach Vingulmark, das Zentrum seiner Herrschaft. Hier hatte er machtvolle Unterstützer, wie etwa ­Astrids eigenen Onkel. Der verschlagene Politiker hatte nach den jüngsten Geschehnissen vermutlich ebenso grimmig mit den Zähnen geknirscht wie Prinz Hakke. Der Braut beraubt und im Kampf geschlagen, würde Hakkes Zorn nicht weniger grenzenlos sein wie sein Wunsch nach Vergeltung für diese Schmach und den Tod seiner beiden Brüder. Hysing und Helsing mochten im Kampf gefallen sein, ihr Tod würde dennoch früher oder später einen neuen Aufstand schüren. Es sei denn, Halfdan käme dem zuvor …

„Ihr seht sehr beschäftigt aus“, hörte ­Astrid eine Stimme hinter sich, „obwohl ich nicht glaube, dass ich es bin, über den Ihr Euch den Kopf zerbrecht.“

­Astrids Puls schnellte in die Höhe, als sie sich umwandte und Leif dicht bei sich stehen sah. Das Kettenhemd war nun fort, genau wie der Schmutz und das geronnene Blut. Er trug einen festlichen Rock aus dunkelgrüner Wolle, der mit reichlich goldenem Zwirn an Hals und Handgelenken bestickt war und unter dessen Ärmeln das strahlende Weiß seines Leinenhemdes hervorblitzte. Ein Bildnis von Thor schmückte das Amulett, das er um den Hals trug, und ein prächtiger Dolch war an seinem verzierten Gürtel befestigt. Was für eine beeindruckende Erscheinung.

„Nein, das habe ich tatsächlich nicht“, gab sie zu.

„Das trifft mich jetzt sehr.“

Sie lachte. „Um Euch wirklich zu treffen, bräuchte es wohl etwas mehr, mein Herr. Jedenfalls tut es mir aufrichtig leid, wenn ich Eure Hoffnungen diesbezüglich enttäuscht haben sollte.“

„Warum glaube ich Euch das nicht?“

„Ihr habt recht, es tut mir gar nicht leid, aber ich wollte Eure Gefühle nicht verletzen.“

Seine Augen leuchteten. „Ich habe es wohl nicht anders verdient.“

„Ich musste an Prinz Hakke denken und daran, was er wohl als Nächstes vorhat. Wird es ihm gelingen, eine neue Armee aufzustellen?“

„Ich halte das für unwahrscheinlich. König Gandalfs Streitmacht musste in der Schlacht von Eid große Verluste hinnehmen. Die Überlebenden werden einer erneuten Konfrontation mit Halfdan tunlichst aus dem Weg gehen.“

„Dann sind wir also in Sicherheit.“

„So weit würde ich nicht gehen, nicht solange Hakke am Leben ist.“

„Seine Flucht ist eine Katastrophe.“

„Ja, eine große Katastrophe.“

„Das sollte keinesfalls ein Vorwurf an Euch sein.“

Leif biss sich auf die Lippen. „Da bin ich froh. Ich könnte es nicht ertragen, wenn Ihr deswegen schlechter von mir denken würdet.“

„Oh, ich könnte gar nicht noch schlechter von Euch denken.“ Die Worte waren förmlich aus ihr herausgesprudelt. Sie schwankte innerlich, zuckte zusammen und fragte sich ernsthaft, ob sich ihre Zunge nun völlig von ihrem Verstand gelöst hatte. „Was ich eigentlich sagen wollte, war, dass es mir gar nicht möglich wäre, schlecht von Euch zu denken, nach allem, was Ihr für meine Herrin und mich getan habt.“

„Das erleichtert mich ungemein.“

­Astrid bemerkte den leicht spöttischen Unterton und fragte sich, ob er womöglich gekränkt war.

„Vergebt mir. Ich habe mich sehr unglücklich ausgedrückt.“

„Mein Stolz wird sich schon wieder erholen – in einem Monat oder vielleicht zwei.“

Sie konnte nicht anders und lächelte. „Oh, ich vermute mal, das gelingt Euch auch schneller, mein Herr.“ Ihr Lächeln schien ihm gleichsam verschmitzt und unwillentlich betörend, genau wie diese großen, veilchenfarbenen Augen. Leif ertappte sich dabei, wie er sie anstarrte. Er musste zugeben, dass sie mehr als nur hübsch war. Obendrein auch noch intelligent. Er griff nach zwei Krügen Honigwein, die ein Diener anreichte, und gab ­Astrid einen davon.

„Erzählt mir, wie kommt es, dass Ihr heute im Dienste der Königin steht.“

„Mein Onkel hat mich vor fünf Jahren in die Obhut ihres Vaters gegeben. Sigurd Hjort war damals noch ein Verbündeter. Für mich war das alles nur von Vorteil. Wir wurden sehr bald zu guten Freundinnen.“

„Und Euer Onkel?“

„Er ist mein Vormund. Mein Vater ist vor ein paar Jahren verstorben. Mein Onkel ist schon immer ein sehr ehrgeiziger Mann gewesen und es stand ihm einfach an, gute Verbindungen zu zwei Lagern zu pflegen.“

„Zwei Lager?“

„Vestfold und Vingulmark.“

„Ich verstehe. Er wäre nicht der erste Mann, der versucht, sich nach allen Seiten abzusichern.“

„Nun, ich war jedenfalls froh, nicht mehr im Wege zu stehen. Es ist nicht leicht, mit ihm auszukommen.“

„Kenne ich ihn?“

„Vielleicht. Sein Name ist Jarl Einar von Ringerike.“

Leif, der gerade den Krug zum Munde führen wollte, hielt mitten in der Bewegung inne. Zwar hatte er angenommen, dass ­Astrid von guter Herkunft sei, wenn auch nur ein Stiefkind, das in günstiger Umgebung aufgewachsen war. Niemals jedoch hätte er es für möglich gehalten, dass ihre Familie zu einer der mächtigsten im Land zählte.

„Ein einflussreicher Mann, Euer Onkel“, sagte er.

„Ja, er besitzt Einfluss“, stimmte sie ihm zu, „und Reichtümer, und trotzdem scheint es mir, als wolle er immer mehr, als würde er nie satt. Bei jeder Gelegenheit klammert er sich eifersüchtig an alles, was ihm gehört. Der Großteil seiner Ländereien liegt genau hinter dem Gebiet, das an König Halfdan abgetreten wurde. Die Lage in dieser Region ist immer noch sehr angespannt.“

„Ich weiß. Auch ich besitze dort Land.“

„Wirklich?“

„Ja, es wurde mir damals vom König als Dank für familiäre Dienste übertragen.“

„Ich verstehe.“

„Das macht uns dann wohl zu direkten Nachbarn.“

„Ich bin seither nicht mehr zurückgekehrt und habe auch kein Verlangen danach. Genauso wenig teile ich die politischen Ansichten meines Onkels. Meine Loyalität gilt einzig und allein Königin Ragnhild.“

„Das ist unter diesen Umständen völlig verständlich, nur wird es in Zukunft immer schwerer sein, diese Haltung zu wahren.“

„Damit wollt Ihr wahrscheinlich andeuten, dass ich immer noch der Kontrolle meines Onkels unterstehe.“

„Genau das.“

„Er ist gerade viel zu beschäftigt, um sich mit mir auseinanderzusetzen. In dieser Hinsicht ähnelt er meinem Vater sehr. Er hat sich schon immer mehr für seine Söhne interessiert.“

„Aber Töchter sind ungeheuer nützlich, wenn es darum geht, Bündnisse zu stärken. Nichten übrigens auch.“

„Ich werde mich damit befassen, wenn es so weit ist.“

„Missfällt Euch der Gedanke einer Eheschließung so sehr?“

„Eigentlich nicht, nein. Aber es käme dabei sehr auf den Mann an.“

„Natürlich.“

„Seid Ihr verheiratet, mein Herr?“

Er konnte es nicht verhindern, dass sein Lächeln gefror. „Nein, ich bin nicht verheiratet.“

Ihr war es offensichtlich nicht entgangen, dass sie sich im Ton vergriffen hatte. Schließlich konnte diese Frage einen Mann zu der Annahme veranlassen, sie hege einen bestimmten Hintergedanken. Amüsiert verfolgte Leif, wie sie beschämt versuchte, das Gesagte zurückzunehmen.

„Ich meinte es nicht so, wie es vielleicht geklungen hat. Ich habe aus reiner Neugierde gefragt.“

„Das ist kein Problem.“ Er zögerte. „Ich hatte tatsächlich einmal eine Frau, aber die Ehe war nicht von Erfolg gekrönt und zerbrach nach einem Jahr.“ Zu behaupten, sie sei ‚nicht von Erfolg gekrönt‘ gewesen, glich einer massiven Untertreibung, fand er und merkte, wie ihm der Gedanke daran sauer aufstieß. Die Geister der Vergangenheit ließ man am besten ruhen.

Eine Scheidung war durchaus nichts Ungewöhnliches. Trotzdem ahnte sie, wie schwer so etwas sein musste. „Es tut mir leid.“ Sie zögerte kurz. „Habt Ihr Kinder?“

„Nein, nicht mehr. Mein Sohn starb im Kindbett.“ Allmächtige Götter, das wird ja immer schlimmer.

„Es tut mir unendlich leid.“

„Das ist schon sehr lange her. Heute folge ich dem Kurs der Wale. Ich fahre zur See.“

„Der Ruf nach Abenteuer?“

„Vielleicht, so etwas in der Art, ja. Jedenfalls passt dieses Leben zu mir. Und darum werde ich auch nicht mehr heiraten.“Seine Worte waren leicht dahingesprochen, und doch bargen sie eine ernst zu nehmende Warnung in sich, eine Warnung, die sie besser beherzigen sollte. ­Astrid wusste das und fühlte doch gleichzeitig eine tiefe Traurigkeit in sich aufkeimen.

„Wie dem auch sei“, fuhr er fort, „das heißt ja nicht, dass ich nicht die Gesellschaft einer schönen Frau genießen kann.“

„Ich bin mir sicher, Ihr habt derlei viele kennengelernt.“

„Einige.“ Er konnte die Augen nicht von ihr lassen. „Was ist mit Euch? Seid Ihr schon jemandem versprochen?“

„Nein.“

„Warum nicht? An einem Mangel an Anwärtern kann es nicht liegen.“

­Astrid hätte auf diese Frage viele Antworten geben können, jede einzelne von ihnen befasste sich mit tiefen inneren Zweifeln, welche wiederum von komplizierter Natur waren, um sie hier auszubreiten. Stattdessen rettete sie sich in Ausflüchte. „Meinen Onkel beschäftigen momentan wirklich wichtigere Dinge.“

„Sehr nachlässig von ihm.“

„Vielleicht hält er ja gerade Ausschau nach einem König und sieht mich bereits in einer Verbindung, die der von König Halfdan und Ragnhild ebenbürtig ist.“

Obwohl sie ihre Worte nur so dahinsagte, hätte sie ihrem Onkel einen solchen Einfall glatt zugetraut. Tatsächlich war ihm alles zuzutrauen.

Leifs Augen leuchteten. „Welcher König würde ein solches Angebot ablehnen?“

„Könige heiraten ausschließlich zu ihrem politischen Vorteil. Ich fürchte, ich kann einen solchen nicht bieten.“ ­Astrid nahm einen kräftigen Schluck Honigwein. „Ihr überschätzt meinen Marktwert.“

„Ich habe für mich selbst gesprochen.“

„Dann tut es mir leid, dass ich Euch nichts anzubieten habe, mein Herr.“ Und erst recht niemandem, der ganz offensichtlich den Verlust seiner Frau noch nicht überwunden und eben noch verkündet hatte, dass er nie mehr heiraten wolle.

„Das stimmt so nicht.“

Doch bevor sie etwas erwidern konnte, näherte sich ihnen ein Mann. Sein Gesicht war dem von Leif sehr ähnlich. Zwar war sein Haar um einiges dunkler, doch auch in der Größe stimmten beide Männer überein.

Der Neuankömmling begrüßte sie mit einer kurzen Verbeugung und flüsterte Leif anschließend etwas ins Ohr. Sie bemerkte, wie sich sein Blick verfinsterte.

„Bitte entschuldigt mich für einen Moment.“

Erleichterung überkam sie. „Gewiss.“

Als die beiden Männer sich für ein Gespräch unter vier Augen zurückzogen, nutzte ­Astrid endlich die Gelegenheit und verschwand in der feiernden Menge. Der jüngste Verlauf ihres Gespräches bestärkte sie in dem Gefühl, genau das Richtige zu tun. Leif war nicht nur gut aussehend, sondern auch charismatisch. Diese Kombination war sehr reizvoll, wenngleich nicht ohne Gefahr. Sie wusste wohl, dass sie ihm nicht gleichgültig war. Gleichzeitig war es ziemlich offensichtlich, dass er nur ein kleines Abenteuer suchte. Es gab mit Sicherheit eine Menge Frauen, die sich nur zu gern mit ihm in ein solches gestürzt hätten. Sie war jedoch keine von ihnen. Als sich Leif wenig später umdrehte, war ­Astrid verschwunden. Er suchte sofort die Menge nach ihr ab, konnte sie aber nirgends finden. Das Gefühl von Enttäuschung und Bedauern machte sich in ihm breit. Nach ihrem letzten Gespräch hatte er nicht den Eindruck, dass sie sich besondere Mühe gegeben hatte, sein Interesse zu wecken. Und doch hatte sie es getan. Wie sehr, das überraschte ihn selbst ein wenig. Es war ganz offensichtlich, dass sie sich ihm nicht leichtfertig hingeben würde. Ihr ausweichendes Verhalten war eine willkommene Herausforderung, die er gerne annehmen wollte.

„Ein hübsches Mädchen“, bemerkte Finn. „Wer ist sie?“

„Die Gefährtin der Königin.“

„Bei Thor, nicht ganz deine Klasse. Weißt du auch, was du tust?“

„Ich weiß genau, was ich tue.“

„Selbst wenn, du betrittst gefährlichen Boden, Bruder. Du wirst dir noch die Finger verbrennen.“

„Deine Sorge rührt mich wirklich.“

„Es ist ja nur, weil ich Ähnliches durchgemacht habe.“

Leif schenkte seinem Bruder ein schiefes Grinsen. „Ich weiß.“

„Jemand muss auf dich aufpassen.“

„Und es gibt niemanden, der das besser könnte als du. Trotzdem, diesen Kampf kämpfe ich allein.“

„Sie hat in dir wirklich ein Feuer entfacht, nicht wahr?“

„Kümmere dich um deinen eigenen Kram.“

Finn lachte. „Ich nehme das mal als ein Ja.“ Er starrte Leif belustigt an und spekulierte munter weiter. „Und erzähl mir nicht, die Dame wäre immun gegen dein gutes Aussehen und deinen unbändigen Charme.“

„Sie hegt genügend Sympathien für mich, sie weiß es nur noch nicht.“

„Ich vertraue da ganz auf deine Überredungskünste. Aber bis es so weit ist, solltest du dich um willigere Weiber kümmern. Die dunkelhaarige Schönheit da drüben beobachtet dich schon den ganzen Abend.“

Leif folgte dem Blick seines Bruders, bis er schließlich die Frau sah, von der Finn sprach. Sie schenkte ihm ein einladendes Lächeln.

„Ich überlasse sie dir“, sagte Leif.

„Aber behaupte später nicht, du hättest keine Gelegenheit gehabt.“

Finn verabschiedete sich und steuerte auf die Menge zu. Einige Minuten später war er ganz in ein Gespräch mit dem Objekt seines Interesses vertieft. Leif beobachtete die beiden eine Weile, leerte schließlich seinen Krug und wunderte sich ein wenig über sich selbst. Die dunkelhaarige Schönheit hätte sich liebend gerne von ihm verführen lassen, er jedoch empfand nichts als Gleichgültigkeit. Noch vor wenigen Tagen wäre diese Frau vor ihm nicht sicher gewesen. Er wandte sich ab und beschloss, sich doch noch einen Krug Honigwein zu genehmigen.

Astrid lag noch lange wach. Sie konnte die Gedanken an die Verwicklungen dieses Abends einfach nicht abschütteln. Sie war wirklich nicht versucht, sich amourösen Ausflüchten hinzugeben, außerdem hatte Leif seinen Standpunkt ziemlich deutlich gemacht. Er hatte kein Interesse an der Ehe. Hätte sie ihn in seinem Werben ermutigt, wäre sie jetzt seine Geliebte, nicht aber seine Frau. Nicht, dass sie auch nur eine der beiden Optionen für sich in Betracht zog. Vor nicht allzu langer Zeit hätte ihr der Gedanke, einen solchen Mann zu heiraten, wahrscheinlich gefallen. Da Frauen an einer Ehe so oder so nicht vorbeikamen, war es nur verständlich, dass alle Mädchen einen attraktiven, vor Männlichkeit strotzenden Bräutigam bevorzugten. Früher hätte sie sicher keinen dieser Aspekte infrage gestellt. Jetzt tat sie es. Natürlich hatten ihre Zweifel keinerlei Gewicht. Selbst wenn sie ihre Vorstellungen laut geäußert hätte, man würde sie nicht erhören. Ihr persönliches Glück wäre ohnedies das Letzte, woran ihr Onkel bei einer Vermählung denken würde. Da konnte ihr Bräutigam auch alt, hässlich oder grausam sein, vielleicht alles zusammen, und trotzdem würde es für Einar keinen Unterschied machen. Der Jarl wollte sie verheiratet wissen, egal wie und wenn nötig, dann auch mit Gewalt.

Ein lang gehegter Groll erwachte in ihr, und sie versuchte, sich eine Welt vorzustellen, in der eine Frau in dieser Sache selbst und frei entscheiden konnte; eine Welt, in der sie sich nicht ausschließlich dem Willen eines mächtigen Mannes unterwerfen musste. Dieser Gedanke gefiel ihr.

Indes wäre jede weitere Spielerei mit Leif Egilsson eine Kata­strophe. Sie hatten schon viel zu viel Zeit miteinander verbracht, und sie wollte unbedingt vermeiden, dass er diesen Umstand als Zugeständnis und sie selbst womöglich als potenzielle Eroberung sah. Aber das sollte für sie keine Rolle mehr spielen. Sie waren lediglich Bekannte, und der Abschied würde nicht lange auf sich warten lassen, schließlich gingen die Feierlichkeiten bald zu Ende. Diese Erkenntnis wurde von einem Gefühl der Erleichterung getragen, und doch spürte sie auch einen Anflug von Reue. Leif war ein stattlicher, sympathischer Mann, der aus allen anderen Männern herausstach. Sie ahnte, dass es nicht leicht sein würde, ihn zu vergessen.

3. KAPITEL

Zwei Tage später reisten die ersten Gäste ab. Jetzt, da die Hochzeitsfeierlichkeiten beendet waren, war es nur eine Frage der Zeit, bis auch der Rest von ihnen aufbrechen und der Alltag wieder einkehren würde.

­Astrid wandte sich um, hatte jedoch nicht vor, in die Halle oder ihr Gemach zurückzukehren. Stattdessen machte sie sich auf in die entgegengesetzte Richtung. Ein kleiner Spaziergang würde sicher dabei helfen, ihre Stimmung ein wenig aufzuhellen. Sie war so tief in Gedanken versunken, dass sie den Mann gar nicht bemerkte, bis sie fast mit ihm zusammenstieß. Als sie erkannte, um wen es sich handelte, hätte sie am liebsten auf der Stelle kehrtgemacht – aber dafür war es jetzt zu spät.

Leif lächelte sie an. „Was für eine angenehme Überraschung.“

„Eine Überraschung, mein Herr?“

„Nun gut, ich muss gestehen, dass ich Euch gefolgt bin. Oder vielmehr habe ich beobachtet, welchen Weg Ihr einschlagt, und dann eine Abkürzung genommen.“

„Warum?“

„Mir fehlte Eure Gesellschaft.“

„Das ist schwer zu glauben.“

„Es ist wahr. Außerdem hatten wir noch nicht die Gelegenheit, unsere Unterhaltung der letzten Nacht zu beenden.“

„Ich glaube schon.“

„Wenn ich Euch irgendwie verletzt haben sollte, dann tut es mir aufrichtig leid.“

„Vergesst es.“

„Ich wünschte, das wäre so einfach. Ich habe an nichts anderes mehr denken können.“ Er zögerte kurz. „Wir müssen reden, ­Astrid.“

Ihr Pulsschlag schnellte in die Höhe, als er sie beim Namen nannte. „Alles Nötige wurde bereits gesagt.“

„Mitnichten.“

Er betrachtete sie unablässig. Sie seufzte. Da es ganz offensichtlich nicht möglich war, ihn vom Gegenteil zu überzeugen, schien ihr die Möglichkeit, ihn sein Anliegen vorbringen zu lassen, gleichzeitig der einfachste Weg, ihn wieder loszuwerden. „Na schön.“

„Ich möchte mich bei Euch entschuldigen, sollten meine Manieren bei unserem letzten Treffen zu grob gewesen sein. Sie sind das traurige Ergebnis eines Lebens, das ausschließlich unter kämpfenden Männern stattgefunden hat. Ich bin einfach völlig aus der Übung, wenn es darum geht, sanftere Töne anzuschlagen.“

„Ja, das seid Ihr, aber das spielt keine Rolle.“

„Nun, einige Dinge sagt man am besten geradeheraus.“

„Dann sprecht.“

„In wenigen Tagen werde ich zu meinen Ländereien nach Vingulmark aufbrechen. Ich habe das Gebiet in die verantwortungsvollen Hände eines Verwalters gelegt, und doch gibt es viele Angelegenheiten, die meine Anwesenheit verlangen.“

Diese Neuigkeiten setzten eine Flut ungeahnter Gefühle in ­Astrid frei. Sie begriff jetzt, dass sie ihn weit mehr vermissen würde, als sie es sich hatte eingestehen wollen. „Ja, das verstehe ich.“

„Kommt mit mir.“

Sie starrte ihn an. „Wie bitte?“

„Kommt mit mir, ­Astrid.“

„Ihr müsst völlig verrückt sein.“

„Vielleicht bin ich das. Was ich aber weiß, ist, dass ich Euch nicht zurücklassen möchte, dass ich Euch bei mir wissen will.“

Er legte seine Arme um ihre Taille und war ihr jetzt sehr nah. Sie konnte seine Wärme spüren, seinen Duft riechen. Das Herz schlug ihr bis zum Hals, als er sich ihr näherte. Seine Lippen berührten jetzt die ihren, streiften sie ganz sanft. Dieser flüchtige Kuss ließ sie innerlich erbeben. Mit Furcht jedoch hatte das nicht das Geringste zu tun. Der Kuss wurde jetzt fordernder, verführerischer, bis sie ihren Mund schließlich öffnete und sich ganz dem zärtlichen Spiel ihrer Zungen hingab. Es fühlte sich richtig an und unendlich gefährlich zugleich. In ihr wurden Empfindungen wach, von denen sie nicht einmal wusste, dass sie existierten.

Noch dichter zog er sie an sich heran, der Kuss wurde immer vertrauter und inniger. Sie konnte seine Erregung jetzt deutlich spüren. Doch plötzlich trat so etwas wie Panik an die Stelle des Verlangens. ­Astrid verspannte sich und wandte sich ab.

Auch Leif wich einen Schritt zurück, um ihr in die Augen sehen zu können. „Wovor hast du Angst, ­Astrid? Glaubst du, ich könnte dir jemals wehtun?“

Sie schüttelte ihren Kopf, nicht etwa, um ihm zuzustimmen, sondern um sich die Wahrheit aus dem Kopf zu schlagen. Was er auch beteuerte, natürlich besaß er die Macht, sie tief zu verletzen. Schließlich war sie nicht die Frau, die er wirklich wollte.

„Was ist es dann?“

„Ich werde Euch nicht nach Vingulmark begleiten.“

„Warum nicht?“

„Wie könnt Ihr das überhaupt fragen?“

„Du weißt, was ich für dich empfinde, und ich glaube, dass auch ich dir nicht ganz egal bin.“

„Da liegt Ihr falsch.“

„Du bist eine schlechte Lügnerin, ­Astrid.“

„Ich lüge nicht.“

„Nicht? Dann sieh mich an und sag mir, dass du nichts für mich empfindest.“ Ihre Blicke trafen sich, und sie gab nach. „Ich gebe zu, dass ich Euch sehr schätze, und ich habe Eure Gesellschaft wirklich genossen, aber das mit uns hat keine Zukunft. Und das wisst Ihr genauso gut wie ich.“

„Ich weiß nur, dass ich dich seit unserer ersten Begegnung nicht vergessen kann. Wenn ich wache, denke ich an dich; wenn ich schlafe, bist du in meinen Träumen.“

„Versteht doch, ich kann Euch nicht folgen.“

„Du brauchst keine Angst zu haben. Ich werde dich gut behandeln. Was auch immer du begehrst, du sollst es bekommen.“

„Kannst du mir eine ehrenhafte Vermählung versprechen, Leif?“

„Meiner Erfahrung nach hat die Ehe nichts Ehrbares an sich, darum werde ich dir keine falschen Versprechungen machen.“ Mit festem Blick sah er sie an. „Was das angeht, war ich dir gegenüber sehr offen und aufrichtig.“

„Das ist wahr, und ich bin dir für deine Offenheit sehr dankbar.“

„Ich will deine Dankbarkeit nicht, ­Astrid. Ich will dich, aber ich will keine Heuchelei zwischen uns. Wenn du mit mir kommst, weißt du, worauf du dich einlässt.“

„Das weiß ich. Ich kann nicht mit dir gehen.“ Denn du liebst eine andere.

„Du musst dich nicht jetzt entscheiden. Nimm dir etwas Zeit. Denk darüber nach.“

„Da gibt es nichts, worüber ich nachdenken könnte. Niemals werde ich die Hure eines Mannes sein.“

Mit diesem Satz ließ sie ihn stehen und eilte davon. Er sah ihr nach und fühlte sich versucht, sie einfach zurückzuholen. Doch im selben Moment wusste er, wie falsch das wäre. Was er von ihr wollte, konnte man nicht erzwingen. Es überraschte ihn, dass er sie noch immer begehrte. Er hatte ihr sein Angebot aus einem spontanen Impuls heraus gemacht und konnte es trotz ihrer kühlen Absage dennoch nicht bereuen. Er hätte besser darauf vorbereitet sein können. Es war lächerlich, dass er sich so getroffen fühlte. Wenig später erreichte ­Astrid die Gemäuer. Sie nahm die schnaubenden Pferde und die Gruppe von Männern, die vor der Eingangshalle standen, kaum wahr. Sie wollte so lange niemanden sehen, bis sie sich wieder gesammelt hatte. Eilig schlich sie um die Ecke und lief zu ihrem Gemach. Die Begegnung mit Leif hatte sie aus vielerlei Gründen aufgewühlt, und das nicht nur, weil er recht hatte. Er war ihr nicht egal, und sie spürte noch immer seinen Kuss auf ihren Lippen. Jene kurze Umarmung hatte ein derart tiefes Verlangen in ihr geweckt, dass es sie aufrichtig schockierte. Das konnte nur in einer Katastrophe enden, und sie dankte den Göttern, dass am Ende doch noch die Vernunft gesiegt hatte.

Als sie ihr Gemach erreichte, wusch sie sich als Erstes das Gesicht und brachte sodann ihr Haar in Ordnung. Das beruhigte sie und gab ihr das Gefühl, der Welt wieder entgegentreten zu können. Soeben wollte sie ihre Kammer verlassen, als plötzlich Ragnhild in der Tür stand. Sie lächelte, als sie ­Astrid sah.

„Ich hatte gehofft, dich hier zu finden.“

„Verzeiht mir, ich war spazieren …“

„Dann wirst du es noch nicht gehört haben.“

„Gehört? Was gehört, Hoheit?“

„Dein Onkel ist soeben eingetroffen.“

­Astrid starrte sie bestürzt an. „Mein Onkel? Was tut er hier?“

„Ich denke, das wird er dir selbst erzählen. Er möchte dich sprechen.“ Ragnhild machte eine Pause. „Ich wollte dich nur darauf vorbereiten.“

„Vielen Dank, das ist sehr aufmerksam von Euch.“

„Er erwartet dich in der großen Halle.“­Astrid verharrte einen Moment auf der Türschwelle und beäugte die Neuankömmlinge mit Unbehagen. Sie zählte ein gutes halbes Dutzend Männer, die da ihren Durst mit Bier löschten, und hatte keine Mühe, unter ihnen die kräftige Statur ihres Onkels auszumachen. Obwohl er die durchschnittliche Größe eines Mannes nur geringfügig überragte, war er doch sehr kräftig gebaut und erinnerte sie an einen mächtigen Bären. In ihr wuchs eine bange Ahnung. Schließlich atmete sie tief durch und trat ein.

Ihr Onkel bemerkte sie zunächst gar nicht, bis sein Begleiter ihn mit einem diskreten Hüsteln auf sie aufmerksam machte. Er blickte sie an. Mit seinen listigen dunklen Augen musterte er sie kühl und gründlich. Schließlich bekundete ein kurzes, wenngleich etwas widerwilliges Kopfnicken seine Billigung.

„Sieh an, sieh an. Aus dem Entlein ist ein Schwan geworden.“

Sie machte einen höflichen Knicks. „Euer Besuch ist eine unerwartete Freude, Herr.“

„Zweifellos.“

„Darf ich fragen, was Euch hierherführt?“

„Du allein.“

Er leerte seinen Becher und schleuderte ihn einem Diener entgegen. „Ich bin gekommen, um dich nach Vingulmark zurückzuholen.“

Ihr Magen verkrampfte sich. „Herr?“

„Ich habe einen Ehemann für dich gefunden. Du wirst ihn heiraten.“

Ihr war, als habe ihr jemand ins Gesicht geschlagen. Für einen Moment fehlte ihr die Kraft zu sprechen. Sein Blick durchbohrte sie.

„Was starrst du mich an, Mädchen?“

Es gab viele Dinge, die sie hätte sagen wollen, zornige und wohl auch unkluge Worte, die nur eine öffentliche Szene provoziert hätten. Stattdessen versuchte sie, die Fassung zu bewahren.

„Verzeiht mir. Ich … ich war nur so überrascht, das ist alles.“

Er brummte. „Das sehe ich. Dachtest du etwa, ich hätte die ganze Angelegenheit vergessen?“ Ohne eine Antwort abzuwarten, fuhr er fort: „Ich gebe zu, es hätte schon früher geschehen können, aber ich war mit anderen Dingen befasst. Das Warten allerdings, hat sich gelohnt. Dein zukünftiger Ehemann gehört zur einflussreichsten Familie in ganz Vingulmark.“

In banger Erwartung benetzte ­Astrid ihre trockenen Lippen. „Dürfte ich seinen Namen erfahren?“

„Aber selbstverständlich. Du wirst Jarl Gulbrand heiraten.“

Sie unterdrückte ihren Unmut und das aufkommende Gefühl von Panik. Ihr Onkel hatte nicht gelogen. Gulbrand war in der Tat von vornehmem Geblüt. Er war mit dem Königshaus verwandt. Obendrein war er Prinz Hakkes Vetter und besaß wie dieser einen tadellosen Ruf auf dem Schlachtfeld.

„Wann soll diese Hochzeit stattfinden?“

„Nächsten Monat.“

„Aber bis dahin sind es ja nur noch zwei Wochen.“

„Zeit genug. Wir reisen morgen ab.“

„Ich kann so schnell nicht fort. Ich habe hier Verpflichtungen.“

Ihr Onkel kniff seine dunklen Augen zusammen. „Du hast hier keine Verpflichtungen mehr. Mach ...

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