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Die preußische Madonna

Informationen zum Buch

Königin der Herzen

Charismatische Herrscherin, Ikone Preußens, Leitfigur der Befreiungskriege. Kaum eine Herrscherin hat in nur 34 Lebensjahren so viel Sympathie und Aufmerksamkeit auf sich gelenkt wie Luise von Preußen. Christine Gräfin von Brühl, deren Familiengeschichte mit der Luises verbunden ist, wirft einen ganz persönlichen Blick auf eine der faszinierendsten Persönlichkeiten der deutschen Geschichte.

Luise von Preußen (1776-1810) erlangte nach ihrer Heirat mit Friedrich Wilhelm III. dank ihrer Schönheit und Güte eine Popularität, die sie weit über die Grenzen des Landes hin bekannt und beliebt machte. Nach ihrem überraschend frühen Tod im Alter von 34 Jahren wird sie zur „Königin der Herzen“. Novalis, Kleist, Jean Paul, August Wilhelm Schlegel huldigen ihr in ihren Werken. Der Luisenkult ist Geschichte, doch die Verehrung der preußischen Monarchin seit nunmehr 200 Jahren ungebrochen. Entlang der wichtigsten Lebensstationen Luises (der heutigen sogenannten Königin-Luisen-Route) über Hohenzieritz, Neustrelitz, Gransee und Paretz bis nach Berlin zum Mausoleum im Park von Schloss Charlottenburg, wo die Königin bestattet wurde, folgt diese Biographie einem faszinierenden Leben, das die Menschen bis heute bewegt.

Christine Gräfin von Brühl

Die preussische Madonna

Auf den Spuren der Königin Luise

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Für Dr. Mechthild Wolf,

die mir die Mark in endlosen gemeinsamen Wanderungen erschlossen hat

VORWORT

Die Geschichte meiner Familie war immer eng mit der Geschichte Preußens verwoben. Obwohl man die Brühls eher mit Sachsen und der Niederlausitz verbindet, wo sie bis zum Zweiten Weltkrieg in ihrem eigentlichen Stammschloss Pförten residierten, finden sich im Laufe der Jahrhunderte zahlreiche Mitglieder der Familie, die auch Ämter am königlichen Hof in Berlin oder Potsdam bekleideten.

So war es ein Graf von Brühl, Carl Adolph mit Vornamen (1742–1802), in manchen Quellen Charles genannt, der zum Erzieher und später Oberhofmeister des Kronprinzen Friedrich Wilhelm ernannt wurde, des späteren Königs und Ehemannes Luise von Preußens. Er zog mit seiner Familie ins oberste Stockwerk des Kronprinzenpalais’ am Prachtboulevard Unter den Linden in Berlin, wo Friedrich Wilhelm wohnte, und wich dem Regenten nicht mehr von der Seite.

Wenn Carl Adolph Brühl auch nicht so lange am preußischen Hof tätig war wie sein Gegenpart Sophie Marie Gräfin von Voss, die Oberhofmeisterin der Königin Luise, und anders als diese auch keineswegs darüber Tagebuch führte, befand er sich doch in den entscheidenden Jahren der Jugend und Regentschaft Friedrich Wilhelms in seiner unmittelbaren Nähe. Die Tagebuchaufzeichnungen von Sophie von Voss1, Ende des 19. Jahrhunderts publiziert, bieten bis heute eine Fülle an Informationen über das Leben am preußischen Hofe. Ähnlich viel hätte auch Oberhofmeister Carl über seinen Schützling und späteren königlichen Dienstherrn zu berichten gehabt.

Auch der Bruder Carl Adolphs, Heinrich Graf von Brühl (1743–1792), stand in preußischen Diensten. Er war königlicher Generalmajor und Gesandter in München. Sein jüngster Bruder, Hans Moritz (1746–1811), wohnhaft in dem kunsthistorisch interessanten schinkelschen Schloss Seifersdorf bei Dresden, ging seinerseits als »Chaussee-Brühl« in die Annalen der Geschichtsschreibung ein: Er war verantwortlich für die Straßen und Wege des Landes. Hans Moritz’ einziger Sohn Karl (1772–1837), sein Name wird bisweilen auch mit »C« geschrieben, wurde Generalintendant der Berliner Museen sowie des königlichen Schauspielhauses am Gendarmenmarkt. Er lebte in einer Wohnung im Magnus-Haus, direkt am Kupfergraben im Bezirk Berlin-Mitte, und schrieb mit seinen Inszenierungen, insbesondere der »Zauberflöte«, zu der niemand anderes als Karl Friedrich Schinkel (1781–1841) selbst das Bühnenbild schuf, Theatergeschichte. Unter seiner Ägide kamen auch die Werke Heinrich von Kleists endlich in Berlin zur Aufführung. Während sein Vorgänger August Wilhelm Iffland die Stücke rigoros abgelehnt hatte, wurden unter Brühls Generalintendanz sowohl »Käthchen von Heilbronn« als auch »Prinz Friedrich von Homburg«, »Der zerbrochne Krug« und »Familie Schroffenstein« am Gendarmenmarkt auf die Bühne gebracht.

Premierminister Heinrich Graf von Brühl, um 1745

Premierminister Heinrich Graf von Brühl, um 1745

Auch einige weibliche Mitglieder der Familie brachten es in dieser Zeit zu Ruhm: Christina Gräfin Brühl (1756 bis 1816), genannt Tina, eine geborene Schleyerweber und Ehefrau des »Chaussee-Brühls«, war mit zahlreichen Geistesgrößen ihrer Zeit befreundet und korrespondierte eifrig mit Herder und Wieland. Goethe widmete ihr einige seiner Gedichte. Unweit von Seifersdorf legte sie einen wundersamen Landschaftsgarten an und schmückte ihn mit Skulpturen aus Stein mit gemeißelten, sinnreichen Zitaten und sentimentalen Erinnerungsarchitekturen. Heute noch kann man dort angenehm durch den schattigen Grund des Rödertals spazieren.

Auch Marie Gräfin von Brühl (1779–1836), Tochter des Oberhofmeisters Carl Adolph Brühl und seiner Gattin, einer gestrengen Engländerin namens Sophie Gomm, war am preußischen Hof keine Unbekannte. Sie heiratete Carl von Clausewitz, Schüler von Gerhard Johann Scharnhorst, sowie später preußischer General und Militärtheoretiker, und stand ihm bei den Aufzeichnungen zu seiner berühmt gewordenen Publikation »Vom Kriege« hilfreich zur Seite. Auf der Basis ihres intensiven Briefwechsels mit Clausewitz verfasste sie das Vorwort zu dem bekannten Handbuch und bemühte sich intensiv um seine Verbreitung.

Eine einzige Ausnahme gibt es in der Geschichte, die zeigt, dass die Beziehungen der Brühls zu Preußen nicht immer von gegenseitiger Sympathie geprägt waren. Allein die Berühmtheit der Person, die dafür verantwortlich war, hat dazu beigetragen, dass diese Episode die Wahrnehmung der preußisch-sächsischen Geschichte bis heute negativ geprägt hat. Sie hat auch den Ruf der Familie Brühl im damaligen Berlin einigermaßen beeinträchtigt. Niemand Geringerer als Friedrich II. von Preußen (1712–1786) war es, den man mit der Nennung unseres Familiennamens innerhalb von Sekunden zur Weißglut bringen konnte. Der Zorn, den er gegen meinen Urahn Heinrich Graf von Brühl (1700–1763) hegte, sächsischer Premierminister Augusts III. und Erbauer der nach ihm benannten Brühlschen Terrassen in Dresden, war legendär. Während der Preußenkönig dafür bekannt war, dass er seine Truppen zu größter Disziplin ermahnte und keinerlei Brandschatzung oder Plünderungen duldete, wich er im Fall Brühl von diesem Prinzip ab: Im Siebenjährigen Krieg, den Sachsen an der Seite erst Russlands und später Österreichs gegen Preußen verlor, gestattete er seinen Soldaten, sämtliche Besitzungen Brühls, wo auch immer sie sich befanden, auszurauben und zu zerstören.